VILLINGER SAGEN UND LEGENDEN (Bearbeitet von Werner Huger)

Fortsetzungsreihe 2

Die Kreuzvögel

Im vorherigen Jahrhundert hatten die Villinger in der ganzen Umgegend den Spitznamen Kreuzvögel; dies verhielt sich wie folgt:

In den Wiesen vor dem Riedthore entdeckte man einst im Gehäge bei der Brunnenstube ein ungemein großes Ei. Die Anzeige wurde sogleich dem Magistrate gemacht und, als ein außergewöhnliches Phänomen, das Ei von demselben in höchsteigener Person erhoben und in die Stadt gebracht. Nun entstand die große Frage, was in dem Ei verborgen sein möchte und wie man den Inhalt herausbringen könne. Da man kein Thier kannte, welches fähig gewesen wäre, dasselbe aus­ zubrüten, so entschloss sich ein wohlweiser Rath, in höchsteigener Person sich diesem wichtigen Geschäfte zu unterziehen. Vom Rathsdiener an bis auf den Bürgermeister verlegten sich nun alle Herren auf das Ausbrüten des räthselhaften Ei’s. Durch die Kraftwärme des wohlbeleibten Konsuls beseelt, sprang endlich die Schale auf, und ein wunderschöner Kreuzvogel kam zum Vorschein. Der Magistrat hatte nun nichts Eiligeres zu tun, als alle Stadtthore zusperren zu lassen, um das Entfliehen des Vogels zu verhindern.

Die Kreuzvögel zu Vilingen aus brieflicher Mitteilung des Herrn Chorregenten Dürr.

Anmerkung: Der Kreuzvogel, dt. Nam e: Kreuzschnabel (Fichten- und Kiefernkreuzschnabel, lat.: Loxia curvirostra) ist ein heimischer, 16,5 cm großer Jahresvogel. Er besitzt einen kräftigen Schnabel, dessen Spitzen überkreuzt sind, und mit deren Hilfe er u. a. Samen aus Baum zapfen herausholen kann.

Im Aberglauben ist er sowohl Orakeltier als auch von volksmedizinischer Bedeutung. So ist der Glaube verbreitet, dass ein Kreuzschnabel, im Hause gehalten, Krankheiten an sich ziehe. Mit Vorliebe verwendet man ihn gegen Krankheit der Kinder. Als eine Seltenheit ist für Villingen überliefert, dass der Kreuzschnabel Kinder bringe.

Diese Deutung im Aberglauben erklärt, weshalb der Magistrat Villingens, entsprechend der Legende, den Heilung und Segen bringenden Vogel innerhalb der Stadtmauern halten wollte.

Fichtenkreuzschnabel – Finken

 

Literatur:

Elard Hugo Meyer, Badisches Volksleben im 1 9. Jahrhundert, Ausgabe 1900, Reprint 1984 , Konrad T he iss Verlag Stuttgart, S. 1

ferner: Handwörterbuc h des deutschen Aberglaubens, de Gruyter

Waldemar Flaig (Redaktion / Alfons Weißer)

 

Abb. 1: Waldemar Flaig: Selbstbildnis, 1922 (Franziskanermuseum Villingen).

Waldemar Flaig wurde am 27. Januar 1892 in Villingen geboren, wo er auch am 4. April 1932 verstarb. Flaig war ein Maler des Expressionismus.

Zum 120 Geburtstag und dem 80. Jahrestag seines Todes erinnert der Geschichts- und Heimatverein an einen großen Künstler der Stadt Villingen. Der in Villingen geborene und inzwischen seinen Ruhestand begehende Pfarrer Monsignore Alfons Weißer erhielt vom Enkel des Künstlers Aquarell-Entwürfe für die Anfang der 30er Jahre vorgesehene Ausmalung der Kirche in Hochemmingen geschenkt, die im Anschluss an einen kurzen Lebenslauf vorgestellt werden.

Abb. 2: Tatjana Barbakoff in chinesischem Kostüm, 1927

Waldemar Flaig wuchs in Villingen auf. Nach dem Besuch der Kunst- und Gewerbeschule Karlsruhe und der Kunstakademie in München nahm er am Ersten Weltkrieg teil, in dem er schwer verwundet wurde und den er in zahlreichen Zeichnungen seines Kriegstagebuchs künstlerisch verarbeitete. Nach einer kurzen Phase als Mitinhaber der Kunstgewerblichen Werkstätten Huber-Flaig in Villingen siedelte er 1920 nach Meersburg um und heiratete 1920 Maria Thoma aus Villingen. 1921 malte er für die Fassade des Konstanzer „Schreiberhäusles“ der Schriftstellerin Alice Berend ein Wandbild des „Reiters über den Bodensee“.

Zu Waldemar Flaigs bevorzugten Motiven gehörten religiöse Themen, Landschaften (vor allem der Bodensee und der Schwarzwald), die Stadt Meersburg und seine Kinder Hubert (1923-1943) und Erika (* 1927). In den 1920er Jahren beschickte er Ausstellungen u.a. in Konstanz, Baden-Baden, Düsseldorf, Ulm und Dessau, wo er auch als Bühnenbildner des Anhaltischen Landestheaters tätig war. In Meersburg verbrachte er trotz vieler Großstadtaufenthalte weiterhin die Sommer. Er schloss sich der internationalen Bodensee-Künstlervereinigung „Der Kreis“ um Norbert Jacques an und malte Portraits berühmter Zeitgenossen, mit denen er bekannt war, darunter der Maler Otto Dix, die Schriftstellerin Harriet Straub und der Schriftsteller Martin Andersen Nexö sowie mehrere Portraits der Tänzerin Tatjana Barbakoff (Abb. 2). Flaig schuf auch Illustrationen zu mehreren Büchern und entwarf 1923 das Notgeld der Stadt Friedrichshafen. 1929 wirkte er bei der Ausstattung des Ballsaales des Schnelldampfers TS Bremen mit; 1930-1931 folgten Fresken für ein Privathaus, das Pfarrhaus und die Leichenhalle in Meersburg, die Kirche in Hochemmingen und die beiden Kapellen des Krankenhauses in Villingen, der heutigen Landesberufsschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe.

Eine größere Anzahl von Gemälden Flaigs besitzt das Franziskanermuseum Villingen.

Abb. 3: Skizze zur Gesamtgestaltung der Kirche in Hochemmingen.

Im Sommer 1930 erhielt Waldemar Flaig den Auftrag, die Kirche in Hochemmingen/Baar mit einem Deckenfresko — eine Rosenkranzmadonna darstellend – zu versehen.

Am 7. April 1930 legte Flaig eine „Erläuterung zur Restaurierung der Pfarrkirche in Hochemmingen, Amt Donaueschingen“ als handgeschriebene Seite mit einer Skizze der Decke und insgesamt sieben Aquarellen vor, von denen zwei hier wiedergegeben sind, als Vorschlag für die ganze Kirche (Abb. 3) und drei Alternativen für das Deckenbild, von denen er eines wie folgt beschreibt:

„Rosenkranz-Madonna, thronend auf Wolken, umgeben von Engeln, die den Rosenkranz darbringen, musizieren und Rosen zu Füßen legen. Unten liegt Hochemmingen.“

Dieses Bild (Abb. 4) hat Flaig ausgeführt, es existiert aber nicht mehr.

Herzlichen Dank an Frank und Danielle Milpacher, München, die mir diese Aquarelle geschenkt haben. Frank Milpacher ist ein Enkel von Waldemar Flaig. Alfons Weißer

Abb. 4: „Rosenkranz-Madonna, thronend auf Wolken, umgeben von Engeln, die den Rosenkranz darbringen, musizieren und Rosen zu Füßen legen. Unten liegt Hochemmingen.“

Verwendete Literatur:

Flaig, Waldemar, dtsch. Landschaftsmaler. In: Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts, Bd. 2. E.A. Seemann, Leipzig 1955, S. 118.

Herbert Mühle, Elke Keiper: Waldemar Flaig, ein Künstlerleben, in: Bodensee-Hefte. ISSN 0006-548X. Bd. 43, Tägerwilen 1992, S. 30-34.

Wendelin Renn (Hrsg.): Waldemar Flaig. 1892-1932. Gedächtnisausstellung. Neues Schloß Meersburg und Franziskaner-Museum

Villingen-Schwenningen. Stadt Villingen-Schwenningen 1992, ISBN 3-927987-20-4 (darin Herbert Mühle: Waldemar Flaig zum hundertsten Geburtstag – ein Künstlerleben und Elke Keiper: Das Wesentliche sichtbar machen – oder: Farbe, Licht und blaue Schatten – Die Landschafts- und Porträtmalerei Waldemar Flaigs). Waldemar Flaig in: Villingen im Wandel der Zeit, Geschichts- und Heimatverein Villingen, Jahrgang XXXII / 2009, S. 94. Im selben Heft die Fresken von Waldemar Flaig in der Kapelle des ehemaligen Villinger Krankenhauses (S. 89-94).

Auf Umwegen zur Malerei (Theo Leute)

Villinger Dächer

Eigentlich sollte ich Pfarrer werden. Meine Mutter hatte sich in den Kopf gesetzt, dass wenigstens einer von ihren vier Söhnen diesen geistlichen Stand ergreife.

Ich träumte jedoch von einer Malerkarriere. Mit Malen hatte ich mich als Schüler viel beschäftigt — schon mein Vater frönte diesem Hobby. Jedoch der Künstlerberufstand im Jahre 1955 nicht sonderlich hoch im Kurs. Diese Erfahrung konnte ich aus eigenem Erleben machen: Mein Vater hatte mit dem Maler Erich Rein eine Bekanntschaft aufgebaut, der von der Malerei nicht leben konnte und uns manchmal um Unterstützung für sein tägliches Leben bat. So entstand eine Beziehung „Brot gegen

Porträt oder Landschaft“. Das war keine erfolgversprechende Perspektive.

Also entschied ich mich für ein Studium der Ingenieur-Wissenschaften an der TH Karlsruhe, wo ich mein kreatives Talent ebenfalls nutzen konnte.

Als Dipl.-Ing. — inzwischen verheiratet und Familienvater – zog ich mit meiner Familie von Villingen weg. Ich folgte dem Ruf der besseren Berufschancen in der Industrie. So lebte ich als Villinger 31 Jahre „im Exil“. Mit meinem Berufsweg war ich zufrieden; er führte mich in der Industrie bis zum Technischen Leiter und Geschäftsführer.

Als Rentner zog es mich dann wieder in meine Heimatstadt Villingen. Allerdings wartete hier eine neue, nicht vorauszusehende Herausforderung auf mich: Die in Turbulenzen geratene Baugenossenschaft Villingen fragte bei mir an, ob ich kommissarisch den entlassenen Geschäftsführer für eine kurze Zeit ersetzen könnte. Ich stimmte dem zu und war für ein paar Jahre damit beschäftigt, Wohnungen zu gestalten bzw. zu erneuern, um der Genossenschaft wieder zu einer soliden wirtschaftlichen Basis zu verhelfen.

Nun war es aber genug — ich wurde endgültig Rentner. Noch immer lockte mein Jugendtraum: Die Malerei!

Es klopfte die Muse der Malerei energisch an meine Tür. Als ich dann zu meinem Geburtstag einen Aquarellkasten bekam, war dies die Initialzündung zu einem Neubeginn. Gerne ließ ich mich von dieser schönen Kunst vereinnahmen.

Da „Wollen“ und „Können“ einer Phase des Lernens bedarf, belegte ich bei der VHS entsprechende Kurse, in denen mir die ausgebildete Malerin Elena Pluto eine ausgezeichnete Lehrerin war.

Die Leichtigkeit im Umgang mit Aquarellfarben muss erlernt werden. Wasserfarben haben zwei ganz spezielle Eigenschaften, die sie von anderen Maltechniken abheben: Sie sind transparent und laufen — da wässrig — ineinander, ob gewollt oder ungewollt. Die Transparenz der Farben auf weißem Papier ist ideal, um den klaren Himmel, das Sonnenlicht auf dem Laub oder die kristallinen Schatten auf dem Schnee wiederzugeben. Durch das Verlaufen der Farben entstehen oft überraschende Ergebnisse, die man zum Improvisieren nutzen kann. Mit einiger Erfahrung kann man es aber auch steuern.

Die Zufriedenheit mit dem eigenen Aquarell stellt sich erst nach längerer intensiver Auseinandersetzung mit der jeweiligen Thematik ein.

Als nach 5 Jahren gemeinsamer Arbeit meine Lehrerin Elena ein gerade entstandenes Bild mit den Worten kommentierte, „das hätte ich nicht fertiggebracht“, jubelte ich innerlich; jetzt hatte ich meine Gesellenzeit hinter mir!

Von da an widmete ich mich ganz der Malerei von Landschaften – auch Stadtlandschaften. Vor allem die intensiven Farben solcher Landschaften faszinieren mich. Immer wenn ich mit meiner Frau Irene in bevorzugt südlich warme oder asiatische Länder reise, bringe ich von dort Eindrücke und Motive mit. Wieder in der Heimat reizt mich mancher Winkel des alten Villingens, wo ich in Aquarell bekannte Stadtbereiche aber auch noch manche mir bisher unbekannte Winkel entdecke. Meine Frau – inzwischen anerkannte Stadtführerin — unterstützt mich in zweierlei Hinsicht: wenn ich beim Malen mal wieder in einer anderen Welt bin, toleriert sie das nicht nur, sondern lässt mich auch ungestört weiter malen. Sie verzichtet dadurch auf manche gemeinsame Stunde und tröstet sich mit einem Gang ins „Städtle“, wo sie oft Bekannte zu einem Plausch beim Cappuccino trifft.

Ich hoffe, dass es mir vergönnt sein wird, noch einige Jahre mit und in dieser Kunst zu leben und meinen Jugendwunsch weiter zu erfüllen.

Kronengasse

 

Spitalgarten, Brunnen mit Elisabethenturm

 

Heny-Bogen
Romäusturm

 

Zehntscheuer

 

Das Altarrelief in der Markuskirche in Villingen (Helga Echle)

Markuskirche Villingen: Altar und Holzrelief von Emil Homolka.

 

Die evangelische Markuskirche Villingen wurde in den Jahren 1961 bis 1962 auf dem Goldenen Bühl erbaut und am 23. Dezember 1962 eingeweiht. Sie feiert also demnächst ihr 50jähriges Jubiläum.

Die künstlerische Innengestaltung der Markuskirche lag in den Händen des Bildhauers Emil Jo Homolka aus Königsfeld ( 10.12.2010). Er wurde 1925 in Stuttgart geboren und studierte an der dortigen Kunstakademie bei Professor Heim Bildhauerei und erhielt zweimal den Kunstpreis der Jugend. Viele Jahre wirkte er als Kunsterzieher am Zinzendorf-Gymnasium in Königsfeld. Dort lernte er den damaligen „Bauherrn“ der Markuskirche, Herrn Pfarrer Hanns-Günter Michel kennen, der ihn für die künstlerische Gestaltung der Markuskirche gewinnen konnte.

Wenn man den aus warmem Sandstein gebauten Kirchenraum der Markuskirche betritt, fällt der Blick sofort auf das zentrale Element der Innenraumgestaltung, das Holzrelief zur Auferstehung an der Ostwand.

Kunstwerke, zumal solche, die mit Symbolen arbeiten, bedürfen aber einer Erklärung.

Deshalb erläuterte der Künstler Emil J. Homolka die Botschaft seines Werkes damals selbst:

„Das Thema des Reliefs ist die Auferstehung Christi. Es ist die Antwort auf ein Fragen in der Bibelarbeit der Gemeinde, was die zentrale Aussage des Neuen Testamentes sei: ,Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich‘, sagt Paulus im 1. Korinther 15.“

Dort steht nun alles, was bei der Auferstehung geschehen ist, von wem Christus gesehen worden ist, und was diese Auferstehung für unser Leben, unseren Glauben — und unseren Tod bedeutet. Dieser Bericht von Paulus ist der älteste überhaupt. Sein Text ist unserer Darstellung zugrunde gelegt.

Die schwierigste Frage bei der Gestaltung des Reliefs war: Kann der auferstandene Christus als Mensch dargestellt werden oder müssen wir ein Zeichen für ihn suchen? Wir haben uns für das Zeichen entschieden, weil Christus nach der Auferstehung nicht mehr Mensch war.

Zuerst will ich daher dieses Zeichen erklären, seinen Sinn und seine Aussage. Das Runde, Geschlossene, in sich Ruhende ist eines der Symbole für göttliches Wesen. Meist kommt dazu dann noch das Gold, welches für die Majestät, Macht und Herrlichkeit Gottes zeugen soll. Darum sind auch die Bilder im Mittelalter oft so gestaltet, dass der Kopf des Menschen hineingestellt ist in dieses Rund: in den göttlichen Raum, zu dem der Mensch im Geiste in Beziehung steht, ja in dem er sogar lebt. Ein deutliches Bild für die ständige Gegenwart Gottes, von der diese Menschen noch etwas wussten, die für sie noch Realität war.

Dieses Zeichen trägt nun ein Kreuz in der Mitte, um anzuzeigen, dass Christus gemeint ist.

 

Drei Teile bilden das Relief: In der Mitte die Auferstehung selbst als historische Begebenheit. Die Engel sitzen auf dem leeren Grab. Weinende Frauen stehen auf der anderen Seite. Über dem leeren Grab aber schwebt das Bild des Auferstandenen, der seine Wundmale zeigt. Also: Er ist nicht mehr im Grabe, aber er trägt die Zeichen der Kreuzigung an sich.

Im rechten Teil ist das Zeichen mit einer einzigen Wunde gezeigt, in die Thomas, der Zweifelnde, seinen Finger legt. Die anderen Dargestellten stehen für die vielen, die den Auferstandenen gesehen haben. Paulus zählt sie alle auf in 1. Korinther 15: „Er ist gesehen worden von Kephas, darnach von den Zwölfen, darnach von mehr denn 500 Brüdern auf einmal“ … bis zum Schluss er selbst genannt wird. Er spielt damit wohl auf die Geschichte in Damaskus an. Darum ist er auch auf einem Reittier dargestellt, das eben stürzt.

Nun bleibt uns noch der dritte Teil, der bei Paulus den größten Raum einnimmt. Wieder ist auch hier das Zeichen für Christus zu finden, diesmal mit bestimmender, sogar befehlender, herrischer Gebärde. „Der letzte Feind, der hinweggetan werden wird, ist der Tod“ (Vers 26). Die Abbildung übernimmt das Bild aus Offenbarung 20, 14, wo es heißt, dass Hölle und Tod in den feurigen Pfuhl geworfen wurden. In Vers 24 wird vom Ende gesprochen, wenn das Reich Gott und dem Vater überantwortet werden wird. Dieses Ende wird eingeleitet durch den Posaunenschall, den der Engel ganz links ausstößt.

Diese beiden Darstelllungen gehören also zusammen: der Engel und die Vernichtung des Todes. Gleichzeitig stehen die Toten auf.

Entgegen dem Entwurf, der noch Totenschädel vorsah, wurden weggeworfene Sanduhren ausgeführt, ein Bild dafür, dass die Zeit nicht mehr gemessen wird.

„Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten und der Erstling geworden unter denen, die da schlafen“.

Hier wird nicht mehr gezweifelt. Hier wird von einer Tatsache gesprochen, nein von der Tatsache. Sie soll in der Markuskirche verkündet und bezeugt werden.“

Und so predigt in der Markuskirche nicht allein die Pfarrerin oder der Pfarrer. Auf seine eigene Weise „predigt“ auch das Werk Emil J. Homolkas. (Pfr. Udo Stober)

Die Villinger Kantorei (Wolfgang Meinhardt)

Matthias Loges

Es war im Jahre 1987 – oder doch 1988? – als ich als frischgebackener Dipl.-Ing. in Villingen-Schwenningen meine Zelte aufstellte! Eine kleine Wohnung wurde meine Bleibe, und am Anfang war doch ein großes Stück Heimweh nach dem Ruhrgebiet, aus dem ich stamme, mein ewiger Begleiter. Meine Gitarre hatte ich mitgebracht, denn ohne die gehe ich sowieso nirgendwohin. Aber jeden Abend alleine in der Wohnung zu sitzen und Gitarre zu üben war mir denn doch nicht genug. Also machte ich mich auf die Suche nach einer Freizeitbeschäftigung, die mich ein wenig mehr in der hiesigen Kultur verankern sollte. Was lag näher als einen Chor zu suchen? Ich hatte schon jahrelang in einem Kirchenchor in Dortmund gesungen, verdiente auch so manche Mark mit meinen Kumpels als das „Emscher-Brücken-Sextett“, in dem wir viele Songs der Comedian Harmonists sangen! Vierstimmig! Zu Viert! So dachte ich wäre diese „Gesangsausbildung“ in Chor und Quartett vielleicht ausreichend, um in einem hiesigen Chor Aufnahme als Tenor zu finden. Und – es hat sich bis heute wohl nicht geändert — Tenöre sind gesucht! Ich schaute mich also in der Villinger Kulturszene um und stellte recht schnell den Kontakt zu Herrn Bernd Boie her, der die Villinger Kantorei gegründet hatte und auch leitete. Ich hatte ein wenig „Bammel“ vor der ersten Probe, denn ob ich wohl die hiesige „Fremdsprache“ verstehen würde, war mir noch nicht so ganz klar! Doch diese Bedenken waren schnell ausgeräumt, denn schnell wurde ich gewahr, dass es doch sehr viele „Neigschmeckte“ (sagt man das hier im Alemannischen nicht so?) in diesem Chor gab. Freudig wurde ich aufgenommen – wohl auch, weil Tenöre immer gesucht sind — und ich konnte mir auch gleich für das anstehende Projekt die Noten kaufen. Und was für ein Projekt war das! Welch ein Einstieg in diesen Chor! Benjamin Brittens „War Requiem“ wurde nämlich geprobt. Ich gebe zu, von diesem Stück hatte ich vorher noch nie etwas gehört, denn im Dortmunder Kirchenchor hatten wir doch eher kleinere Messen gesungen, keine Oratorien. Und so war der erste Eindruck dieses Requiems, nachdem ich es mir auf einer CD angehört hatte, überwältigend! Und so etwas sollte ich singen? Ob ich das schaffen würde? Mit Feuereifer machte ich mich also an die Proben — und stellte fest, dass es auch aufgrund der guten Anleitung durch Herrn Boie und die gekonnte Korrepetition durch Herrn Schinnerling gar nicht so schwer war, diese ungewohnten Klänge ins Ohr zu bekommen und auch selber singen zu können. Und natürlich war die Aussicht, ein solches Werk nicht nur im Villinger Franziskaner Konzerthaus, sondern auch noch im Freiburger Münster singen zu dürfen, ein weiterer Ansporn. Denn dieses Werk studierten wir zusammen mit dem Freiburger Oratorienchor ein! Also wir übten in Villingen, der Freiburger Oratorienchor in Freiburg, und alles zusammengesetzt wurde auf halbem Wege in Neustadt! Spannend, aufregend, und wunderbar für einen (noch halbwegs jungen) Kerl, der sich auf die Suche nach der Kultur in Villingen gemacht hatte.

Das Erlebnis der Aufführungen ist mir noch in sehr guter Erinnerung. Die Feuerprobe bestanden wir samstags im Villinger Franziskaner Konzerthaus, es klappte ganz gut, nicht alles war perfekt, aber auch für die Zuhörer so überwältigend, dass dieses Konzert sicherlich zu einem wirklich großen Erlebnis für alle Beteiligten wurde. Und dann die Aufführung in Freiburg. Tiefe Temperaturen draußen, auch im Münster war es erst nicht so richtig warm, aber mit allen Beteiligten vorne im Chorraum zu stehen, das Orchester dazu, wurde es uns doch sehr schnell recht warm. Für uns Villinger Chorsängerinnen und Chorsänger war diese Umgebung natürlich sehr ungewohnt. Wie immer, wenn man in einem akustisch unbekannten Raum singt, dauert es eine Zeit, bis man sich an die Gegebenheiten, insbesondere an die in jedem Raum andere Nachhallzeit, gewöhnt. Und selbst wenn dann die Proben recht gut klappen, so ist doch die Kirche oder der Konzertsaal dabei ohne Zuhörer. Im Konzert dann ist die Akustik wieder ganz anders, denn die vielen Menschen verkürzen die Nachhallzeit gewaltig. Aber das zusammen Musizieren, die absolute Konzentration auf den Dirigenten, all das machte die Aufführung in Freiburg für mich zu einem wirklichen „Highlight“. Als der letzte Akkord verklungen war herrschte Schweigen im Münster, die Glocke erklang und ließ die besondere Stimmung erst richtig Gestalt annehmen. Es war sehr berührend, das Erlebte noch einmal innerlich zu rekapitulieren, alle gehörten Klänge und Texte noch einmal kurz zu erinnern. Und dann fiel endlich die Anspannung von mir ab, und ich fühlte mich nur noch wohl und befreit. Dieses Erlebnis hat mich darin bestärkt, der Kantorei die Treue zu halten. Seitdem — also seit dem Jahr 1989 – bin ich nun als Tenor Sänger in der Villinger Kantorei. Und viele wunderbare Aufführungen folgten.

Daniela Müller

Die Freude an der Musik und der Spaß am Singen führten mich zur Villinger Kantorei.

Als ehemaliges Mitglied der Villinger Klosterspatzen saß ich im Jahr 2006 im Mozart Konzert der Kantorei – am Ende war mir klar: da will ich mitsingen! Das interessiert mich. So war ich nun jahrelang die Jüngste, bis zu dem Zeitpunkt, da die heranwachsenden Kinderchorkinder und Jugendlichen projektweise in unsere Aufführungen integriert wurden.

Unsere Zusammensetzung ist sehr interessant: vom Unternehmer, über den Ingenieur, der rund um den Globus arbeitet, bis hin zur Single- oder Hausfrau mit 7 Kindern – alle sind dabei, wenn es um Probenarbeit und Aufführungen geht. Wir verbringen regelmäßig einige Stunden in der Woche, sehr konzentriert, aber mit viel Humor. Wenn man ein Buch mit Chorwitzen veröffentlichen wollte, könnte das ebenso ein Jahrbuch werden, wie dieses Heft des Geschichts- und Heimatvereins!

Die Voraussetzungen zum Mitmachen?

Liebe zur Musik, Liebe zum Singen, Probenbesuch so häufig wie möglich und die Bereitschaft, sich mit unserer Chorleiterin zu Beginn mal zur Stimmbildung zu treffen.

Darauflegen wir nämlich Wert — selbst all diejenigen, die sich zu Beginn nichts darunter vorstellen können, werden mit der Zeit merken, wie sehr sich die Stimme entwickeln und entfalten kann. Mit einer hauptamtlichen A-Kirchenmusikerin als Leitung ist man dabei in den besten Händen. Man fühlt sich umsorgt und die Stimme macht, was sie will. Also, was die Chorleiterin will.

Auch die Stücke werden effektiv geprobt, klar, wenn man einen Takt zum 20. Mal singt, ist das auch anstrengend. Aber wenn es dann beim 21. Mal so klingt, wie es soll, dann sind alle glücklich und zufrieden. Von nichts kommt nichts. Da wird auch die eine oder andere Samstagsprobe gerne in Kauf genommen —.

Nach einem Konzert breitet sich neben dem Erfolgsgefühl auch gleich die Vorfreude auf das nächste Werk aus: Die Bestellliste für die neuen Klavierauszüge ist schnell gefüllt. Die werden dann später bei den unterschiedlichen Sängern sehr individuell gefüllt: manche sind so gefüllt mit Notizen und Zeichnungen, die an das Geprobte erinnern, dass man den Eindruck eines Kindermalbuches gewinnt — andere sind bis zur Aufführung jungfräulich rein. Daher neben Stimme und Note das drittwichtigste Instrument: der Bleistift. Wichtig, man kann ihn radieren, wenn sich wichtige Angaben der Leiterin ändern – und das kommt schon mal vor …

Wenn man nicht von der choreigenen Bleistiftsammlung auf dem Flügel abhängig sein möchte, schafft man sich sogar einen eigenen an.

Der Gründer der Kantorei Bern Boie

 

Sie werden verliehen, verschenkt, verloren, wiedergefunden – jeder hat seine eigene Geschichte, manche haben sogar ihre eigene Bleistifttasche. Kopfschütteln und mal eine strengere Ermahnung gibt es tatsächlich, wenn man nicht an dieses Chorutensil denkt, das ist so wichtig, wie die Probenteilnahme.So verschieden wir Mitglieder auch sind, beim Musizieren treffen wir alle denselben Nerv und das lässt eine wunderbare Gemeinschaft entstehen!

Wolfgang Meinhardt

Die Villinger Kantorei – wie sie wurde, was sie ist – die Geschichte

Die Villinger Kantorei hat sich seit ihrer Gründung vor mehr als dreißig Jahren zu einer der wichtigsten ständigen Einrichtungen im Kulturleben der Stadt Villingen-Schwenningen und ihrer Umgebung entwickelt. Ohne die Verdienste der anderen hier ansässigen Einrichtungen, die sich ebenfalls der Pflege der Oratorienliteratur verpflichtet fühlen, zu schmälern, soll hier die Entwicklung dieses Ensembles einmal nachvollzogen werden.

In den Sechziger- und beginnenden Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts hatte es bereits sporadisch verdienstvolle Oratorien-Aufführungen (z.B. durch den Münsterchor, den Königsfelder Kirchenchor oder den Villinger „Singkreis“) gegeben. Als jedoch im Juli 1976 Bernd Boie sein Amt als Bezirkskantor des neuen evangelischen Kirchenbezirks Villingen antrat, machte sich für ihn und andere das Fehlen eines ständigen großen Chores für die Präsentation großer Oratorien deutlich bemerkbar.

So trafen sich im Januar 1977 Mitglieder der Kirchenchöre der Markus- und der Johanneskirche und öffentlich eingeladene Gastsänger und begannen unter Bernd Boies Leitung mit der Einstudierung von Händeis „Messias“. Das Pflänzlein gedieh und gedieh, das Städtische Kulturamt wurde aufmerksam und veröffentlichte ein Interview mit Bernd Boie, neue Mitwirkende, auch Mitglieder des „Motettenchors Villingen“ (Bernd Boies ehemaliger Bezirkschor Hornberg) fanden sich ein, und am 12. Juni 1977 fesselten über 80 Sängerinnen und Sänger mit namhaften Solisten und dem Badischen Kantatenorchester aus Karlsruhe die Zuhörer in der ausverkauften (noch nicht renovierten) Benediktinerkirche. Dass die Villinger Kantorei nicht als Konkurrenz, sondern als willkommene Ergänzung der bisher im Oberzentrum praktizierten Kirchenmusik aufgenommen wurde, zeigt unter anderem die Tatsache, dass bei dieser

Aufführung auch Hanspeter Stoll am Cembalo und der damalige Münsterorganist und katholische Bezirkskantor Eduard Wassmer an der Orgel mitwirkten.

Dieser große Erfolg machte Mut, das Konzept qualitativ hochwertiger Aufführungen großer kirchenmusikalischer Werke weiter zu verfolgen.

So konnte bereits im März 1978 Bachs „Matthäus-Passion“ in St. Marien in Donaueschingen und in der Villinger Benediktinerkirche (die eine Woche lang mit Gasbrennern aufgeheizt werden musste) zusammen mit dem Schulchor des Hoptbühl-Gymnasiums aufgeführt werden. Und schon am 2. Advent desselben Jahres erklangen Vivaldis „Magnificat“ und Bachs Kantate 110 „Unser Mund sei voll Lachens“ in der Markuskirche.

Ab jetzt wurden, vom evangelischen Kirchenbezirk tatkräftig gefördert, mindestens zwei große Konzerte pro Jahr zur Regel. Dass nicht immer alles ganz problemlos lief, beweist Bernd Boies Erinnerung an die Vorbereitung 1979 zu Bruckners großer Messe e-Moll für 8stimmigen Chor und Bläser: „Am 7. Juli fand nachmittags in Bad Dürrheim die Generalprobe statt. Alle Mitwirkenden waren pünktlich zur Stelle. Da stellte sich heraus, dass die Bläsernoten fehlten! Dr. Berweck hatte Beziehungen zum Hotel „Hänslehof‘, und ich hatte zum Glück zwei Partituren. Während nun die Partitur Seite um Seite kopiert, zurechtgeschnitten und auf Speisekarten geklebt wurde, konnten die Chöre geprobt werden. War ein Messe-Satz fertig für die Bläser, wurde dieser Satz geprobt …“

Auf alle Konzerte der Folgezeit einzugehen würde den Rahmen dieser Darstellung sprengen; daher seien nur einzelne Höhepunkte herausgegriffen:

1979 und 1980 standen in der Adventszeit in der St.-Bruder-Klaus-Kirche die Teile I-III bzw. IV-VI von Bachs „Weihnachtsoratorium“ auf dem Programm. Dieses Werk sollte (wie auch die „Matthäuspassion“, der „Messias“ oder Haydns „Schöpfung“) fester Bestandteil des Standardrepertoires der Kantorei werden; hier wirkte nicht nur mehrmals das renommierte Trompetenensemble Edward H. Tarr mit, es gab auch dreimal alle sechs Kantaten ungekürzt an einem Nachmittag und Abend. Außerdem bereichert seitdem am 2. Weihnachtstag jeweils eine der Kantaten einen Kantatengottesdienst in der Johanneskirche, wobei auch Ehemalige und andere mit dem Werk Vertraute mitsingen können. Auch die Oratorien und Psalmvertonungen von Felix Mendelssohn Bartholdy prägten das Angebot des Chores; 1990/91 war im Rahmen eines Mendelssohn-Projekts außer „Elias“ und „Paulus“ auch als Erstaufführung das unvollendet gebliebene Oratorium „Christus“ zu hören.

1981 bekam die Kantorei für die Proben in Peter Schinnerling einen äußerst einfühlsamen Correpetitor, der auch bis 1997 bei allen Aufführungen die Continuogruppe sicher anführte.

Das Jahr 1982 bedeutete einen Markstein im Leben der Villinger Kantorei: Das Franziskaner Konzerthaus mit seiner hervorragenden Akustik wurde eingeweiht. Der Chor durfte nicht nur gemeinsam mit dem Schwenninger Bachchor (mit dem man auch sonst erfolgreich kooperiert) mit Teilen aus Händeis „Dettinger Te Deum“ am Festakt teilnehmen; im Rahmen der Eröffnungsveranstaltungen führte er auch die „Schöpfung“ auf und fand damit nach den Jahren der Wanderschaft durch verschiedene von den jeweiligen katholischen Gemeinden zur Verfügung gestellten Kirchen sein neues Zuhause in Villingen.

Ein Höhepunkt der Zusammenarbeit mit berühmten Künstlern war 1985 Bachs „h-Moll-Messe“ mit dem Trompetenensemble Ludwig Güttier, wie auch sonst immer wieder Solisten aus der damaligen DDR verpflichtet wurden.

Zu ihrem 10jährigen Bestehen schenkte sich die Villinger Kantorei unter anderem eine glanzvolle Aufführung des „Messias“ in der barocken Wallfahrtskirche Steinhausen, der „schönsten Dorfkirche der Welt“.

Bei seinem Bemühen, seine Sängerinnen und Sänger immer wieder auch an wenig oder gar nicht bekannte Werke heranzuführen, griff Bernd Boie nicht nur nach „großen“ Komponisten; den Abschluss der Landeskunstwochen 1988 bestritt der Chor mit der konzertanten Uraufführung des Opernfragments „Im Schatten Tallards“ des hiesigen Komponisten Paul Bär mit einer Handlung, die während der Belagerung Villingens im Jahre 1704 spielt; eine zweite, jetzt szenische Uraufführung des vom Komponisten weitergeführten Werks präsentierte die Kantorei dann unter Heike Hastedts Leitung anlässlich der 1000-Jahr-Feier des Villinger Marktrechts 1999.

Heike Hastedt

Ein für alle Beteiligten unvergessliches Erlebnis war 1989 das „War Requiem“ von Benjamin Britten, das zusammen mit dem Freiburger Ortorienchor und den Freiburger Domsingknaben zum Gedenken an die 50. Wiederkehr des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs aufgeführt wurde. Dieses zeitgenössische Werk stellte nicht nur an alle hohe Anforderungen, es ergriff Mitwirkende und Zuhörer gleichermaßen. Das zeigte sich schon bei der ersten Aufführung am 4. November im Franziskaner, mehr aber noch am darauf folgenden Abend im Freiburger Münster, das nicht alle fassen konnte, die zuhören wollten, so dass die Türenoffen blieben und viele Menschen auf dem Münsterplatz lauschten bis zum erschütternden Klang der großen „Hosanna“-Glocke am Ende.

Für die Villinger Choristen hatten diese Aufführungen noch ein spezielles Nachwehen: Der Bass-Solist war Gotthard Stier aus Leipzig, der regelmäßiger Teilnehmer der dortigen Montags-Demonstrationen gewesen war und davon berichtet hatte. Nach der Freiburger Aufführung war die traditionelle Konzert-Nachfeier nicht möglich; also verlegte man sie auf den nächsten Probenabend – es war der 9. November! In die Vorbereitungen platzte die Nachricht vom Fall der Berliner Mauer.

Sehr bald nach der „Wende“ knüpfte Bernd Boie musikalische Kontakte zur sächsischen Partnerstadt Zittau und der dortigen Kantorei mit dem Ergebnis, dass 1992 in der Zittauer Johanneskirche gemeinsam der „Messias“ aufgeführt werden konnte. Als im Oktober desselben Jahres die evangelische Kirchengemeinde Villingen ihr 100 jähriges Bestehen feierte, gestaltete die Kantorei das große Festkonzert mit Bruckners „Te Deum“ und dem Magnificat von Carl Philipp Emanuel Bach.

Immer wieder für Neues aufgeschlossen, fand 1993 Bernd Boie, als er zum ersten Mal Mozarts „Requiem“ aufführte, als ideale Ergänzung dazu die Erstaufführung der ein Jahr zuvor entstandenen ergreifenden Rhapsodie „Lux perpetua“ von Joachim Kleindt. Im Juli 1994 bot sich die Gelegenheit, das Eröffnungskonzert der Internationalen Sommerkonzerte im Dom St. Blasien zu gestalten; ausgewählt wurde dafür die „Schöpfung“, die auch in Tuttlingen, Villingen und Zittau (wieder zusammen mit der dortigen Kantorei) auf sehr beeindruckende Art aufgeführt wurde.

Auch in den letzten beiden Jahren als Bezirkskantor (inzwischen von der Landeskirche zum „Kirchenmusikdirektor“ – in Baden ein nur selten für besondere Verdienste verliehener Titelernannt) forderte Bernd Boie „seine“ Kantorei: 1995 Bachs „Johannespassion“, Arthur Honeggers „Totentanz“ und Gabriel Faures „Requiem“; 1996 „Messias“ und „Ein deutsches Requiem“ von Brahms – immer mit großem Erfolg.

Mit dem 31. Januar 1997, zwanzig Jahre nach ihrer Gründung, ging für die Villinger Kantorei die Ära Boie zu Ende, eine Zeit voller hoher künstlerischer Ansprüche und Leistungen, Suche nach Neuem und Pflege von Bewährtem, Kooperationsbereitschaft (vor allem auch auf ökumenischem Gebiet) und sozialem Engagement, z. B. Aufführungen als Benefizkonzerte für ein Schulprojekt des Villingen-Schwenninger Rotary-Clubs in Indien, alles aber auch im Sinne seines Auftrags als Kirchenmusiker, wie er am Ende seiner Amtszeit äußerte: „Für viele Menschen haben wir Trost und Freude spenden können. Diese therapeutische Wirkung hat mich stets fasziniert; sie war für mich eine Motivation.“

Wie sehr auch in der Badischen Landeskirche seine Tätigkeit anerkannt wurde, zeigt sich darin, dass mit seinem Ruhestand kein Tag der Vakanz eintrat — seine Nachfolgerin Heike Hastedt war bereits dabei, als er am 2. Februar offiziell mit einem Kantatengottesdienst (mit Bachs Kantate 191 und Mendelssohns „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ aus dem „Elias“) und einer Feierstunde verabschiedet wurde.

Die neue Chefin wurde von Anfang an nicht geschont; ihr Vorgänger hatte ihr ein nicht leichtes Erbe hinterlassen: Es galt nicht nur die vielfältigen

Projektebor Carmina Burana.

 

Aufgaben einer Bezirkskantorin und Kantorin an der Villinger Johanneskirche weiterzuführen, sondern auch unter anderem die Villinger Kantorei zumindest auf ihrem hohen Niveau zu halten und ihre Stellung im regionalen Musikleben erfolgreich zu bewahren. Da hieß es „Volle Kraft voraus“, denn das fertig vorgeplante anspruchsvolle Programm für 1997 hieß „Paulus“ von Mendelssohn im Juli und das ganze „Weihnachtsoratorium“ von Bach im Dezember — schließlich hatte man ja auch noch „20 Jahre Villinger Kantorei“ zu feiern. Und mittendrin der „alte“ Kantor als „einfacher“ Kantorei-Sänger; so harmonisch lief der Übergang.

Heike Hastedts locker wirkende, aber konsequente Führung motivierte sofort den ganzen Chor und ließ auch das nicht weniger anspruchsvolle 1998er-Programm mit Strawinski, Mozart und Schubert fast entspannend wirken.

Villingens „Jubeljahr“ 1999 forderte seinen Tribut: neben der bereits erwähnten szenischen Uraufführung des Opern-Fragments „Im Schatten Tallards“ im Franziskaner-Komödiengarten ein eigenes Festkonzert mit Mendelssohns 2. Sinfonie „Lobgesang“ und der Uraufführung der Kantate „Wie lieblich sind deine Wohnungen“ von Burghard Schloemann. Mit der Aufführung von Bachs „h-Moll-Messe“, von der Presse als „absoluter Höhepunkt“ im „Bachjahr 2000 in VS“ gefeiert, begann eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Münchner Barockorchester „L’arpa festante“, die im Folgejahr mit Bachs „Johannespassion“ fortgesetzt wurde und bis heute andauert.

Für ihre Verdienste um die Kirchenmusik wurde auch Heike Hastedt im Mai 2011 von der Badischen Landeskirche als jüngste badische Kirchenmusikdirektorin ernannt.

Neben dem Wagnis des Neuen, wozu auch das verstärkte Einbeziehen bewährter Mitglieder ihres Kinder- und Jugendchores in Kantorei-Aufführungen gehört, versucht Heike Hastedt auch immer wieder an Initiativen ihres Vorgängers anzuknüpfen, wie die 2002 zum 25jährigen Jubiläum des Chores gemeinsam mit der Zittauer Kantorei unter ihrem damaligen Leiter Nikolaus Krause hier und in der Partnerstadt gestaltete „Schöpfung“ zeigte.

Das Bestreben der Chorleiterin, verstärkt nichtdeutsche Werke in der Sprache, für die sie komponiert sind, aufzuführen, machte Sänger und Publikum 2003 mit Händeis „Dettinger Te Deum“, 2006 seinem „Messias“ und 2008 seinem „Israel in Egypt“ in englischer Sprache, 2004 auf französisch mit „L’enfance du Christ“ von Hector Berlioz, 2008 mit John Rutters „Requiem“ auf englisch und lateinisch und 2007 mit Bernsteins „Chichester Psalms“ auf hebräisch bekannt.

Außer den zahlreichen Kontakten mit auswärtigen Ensembles pflegt Heike Hastedt aber auch sehr intensiv Kooperationen auf lokaler und regionaler Ebene, so z. B. mit den „Klosterspatzen St. Ursula“ unter Erkentrud Seitz (u.a. „Elias“ 2003), dem Sinfonieorchester Villingen-Schwenningen, der Musikhochschule in Trossingen (Brahms-Requiem 2005, Mahlers „Auferstehungs-Sinfonie“ 2007). Seit zum „Tag der deutschen Einheit“ 2009 die Kantorei mit dem Sinfonierorchester Villingen-Schwenningen und anderen Sängern aus der Region unter Jörg Iwer Beethovens „Neunte“ aufführte, bildet sie unter Heike Hastedts Leitung in Zusammenarbeit mit dem Amt für Kultur jeweils den Kern eines Projektchors, der bisher 2010 anlässlich der Landesgartenschau zweimal Orffs „Carmina Burana“ und 2011 Verdis „Requiem“ vorstellte.

Eine Überraschung bot die Zusammenarbeit mit dem Barockorchester „Larpa festante“ im Dezember 2009: Am Tag nach der Aufführung des ganzen Bachschen „Weihnachtsoratoriums“ gab es eine äußerst lebendig gestaltete Kurzfassung für Kinder; man muss sich vorstellen: Rund 900 Kinder lauschten mucksmäuschenstill und ohne zu zappeln über eine Stunde lang Bachs Musik und den spielerisch gestalteten Erläuterungen dazu.

Es gäbe noch vieles zu berichten, bemerkenswerte Aufführungen zu schildern, Solisten zu charakterisieren …

Der 2012 fünfunddreißig Jahre alten Villinger Kantorei bleibt zu wünschen, dass ihre Sängerinnen und Sänger in ihrer Begeisterung für die Musik und ihrem Eifer nicht nachlassen, dass ihre Kooperationspartner immer wieder gerne mit diesem Chor musizieren, dass das Publikum nicht nur bei den „Selbstläufern“, sondern auch bei schwierigen oder wenig bekannten Werken treu bleibt und dass Heike Hastedt mit Ideenreichtum, bleibender Energie, nicht nachlassendem Frohmut und musikalischem Feingefühl noch recht lange diesen Chor der Region als wichtiges Element des Musildebens erhält.

Neue Backmodel ergänzen den Bestand (Konrad Flöß)

Gemodeltes Gebäck verbinden wir gemeinhin mit der Weihnachtszeit. Landläufig wird das Weihnachtsgebäck mit Ausstechformen aus Metall oder Kunststoff hergestellt. Im 17. und 18. Jahrhundert war das anders. Bei zahlreichen weltlichen und religiösen Anlässen wie Hochzeiten, Taufen, Jubiläen, Nikolaus, Neujahr, Ostern usw. wurde vielfältiges Gebäck hergestellt und gegessen. Backwerk dieser Art dürfte wesentlich zur gehobenen Stimmung festlicher Ereignisse beigetragen haben, nicht zuletzt weil in vielen dieser genieß- baren Bilder symbolische Aussagen stecken mit denen bestimmte Anspielungen gemacht werden konnten. Aß jemand beispielsweise ein „Gueteli“ mit dem Abbild eines Kinderbringers, so war damit die Hoffnung auf reichen Kindersegen verbunden. Zahlreiche Motive wurden dem weiten Themenkreis der Liebe gewidmet. Bevorzugt wurden das Herz oder ineinander gelegte Hände abgebildet.

Es ist davon auszugehen, dass zunächst vor allem Fein-, Pasteten- oder Zuckerbäcker die bevorzugten Nutzer der Backmodel waren. Neben den Berufsleuten hatten auch klösterliche Gemeinschaften, Herrschaftshäuser, Zünfte und vornehme Bürgerhaushalte Model im Gebrauch und zu entsprechenden Anlässen eingesetzt. Sie hatten die nötige Erfahrung und geeignete Backöfen.

Holzmodel mit Villinger Wappen von 1530.

 

Springerle, gebacken mit den Modeln.

 

Eingang in die Küche gewöhnlicher Haushalte fanden Backmodel vermutlich erst mit einiger Verzögerung. eine entscheidende Rolle dürfte dabei der teure Zucker gespielt haben, sein Durchbruch zum Massengenussmittel erfolgte erst im Laufe des 19. Jahrhunderts.

Sind die Gebäckmodel in der Regel meist in Birnbaum negativ eingeschnitzte Motive, so gibt es Tonnegative aus Hafnerton meist als Wappentafeln, Allianzwappen, Gedächtnis- oder Jubiläumsmotive als Wandschmuck mit Aufhängeösen. Im ganzen alemannischen Raum und natürlich auch in Villingen insbesondere im Kloster St. Ursula und in den Sammlungen des Museums gibt es zahlreiche Model mit vielfältigen Motiven und Größen aus Keramik, Gips und Holz.

Als jüngstes Produkt auf diesem Gebiet wurden in jüngerer Zeit vom Bildhauermeister Eberhard Rieber, Jestetten, zwei Model in Birnbaumholz geschnitzt. Der „Fahnenschwinger“ als Symbol des Geschichts- und Heimatvereins in der Größe 9 x 12,5 cm sowie das große Villinger Stadtwappen mit Helmzier mit runder Bordüre Ø 12cm.

Beide Model, übrigens eine Spezialität des Bildhauers, wurden in hervorragender Qualität geschnitzt und vom Geschichts- und Heimatverein in Auftrag gegeben. Beim 3. Villinger Weihnachtsmarkt auf dem Münsterplatz werden Springerle mit beiden Motiven zum Kauf angeboten. Es könnte ein schönes Geschenk für entsprechende Gelegenheiten sein.

Erzählung von Josef Glatz von Rietheim

Es mag ungefähr 300 Jahre oder noch mehr darüber sein, als der Bauer und Bürger Lorenz Meder zu Rietheim lebte, welches Geschlecht sich noch heutzutage fortpflanzt. Da lebte auch noch der Ritter vom Schloss Warenberg 1, der die Landleute und besonders den anwohnenden Lorenz Meder quälte und plagte. Als eines Tages der alte L. Meder mit 6 Pferden auf seinem Acker pflügte, so kam der Ritter zum Meder auf den Acker und verlangte, er solle ihm ein Pferd abspannen, indem er schnell wegreiten müsse. Aber da haben die Herren Ritter schon beinahe ihr Recht verloren gehabt und die meisten Schlösser waren schon zerstört von den Bauern, was Meder wohl wusste, deshalb weigerte er sich dem Ritter ein Pferd abzuspannen und tat es auch wirklich nicht, denn er merkte, dass der Ritter mit seinem Pferd die Flucht nehmen wollte. Aber der Ritter brauchte Gewalt, sprang vor Zorn an die zwei vorderen Pferde, und wie er im Begriff war, dem einen Pferd die Stränge abzulösen, so nahm der Bauer, der auch nicht links war, die Sege (Pflugmesser) vom Pflug, sprang auf den Ritter zu und schlug ihn mit der Sege ins Genick, dass er gleich tot zu Boden stürzte. Nach des Ritters Tod wurde gleich von den Bauern das Schloss geplündert und verbrannt, und der Ritter muss heutzutage noch als Geist im alten Schloss und auf den Gütern und im Walde wandeln und besonders in dem kleinen Eichenwäldchen. Da äfft er die Leute, nimmt mancherlei Gestalt an, wirft die Vorübergehenden vom Schloss herab mit Steinen und Prügeln, stell sic h ihnen in den Weg usw.

Auch ist schon Geld von altem Gepräge da gefunden worden. Auch gruben schon viele in den alten Gewölben und Gemäuern. So grub auf die Johannesnacht einer namens Peter A., der hätte aber bald sein Leben verloren. Er ging abends, sowie die Glocke 10 Uhr schlug, mit einer Hacke, Laterne, Strick und einem Sack versehen vom Dorf weg, um in dem alten Raubnest auf dem Berge sein Glück zu machen.

Als Peter A. an das alte Schloss Warenberg kam, so schlug die Glocke gerade 11 Uhr, denn der Berg ist ziemlich hoch und bei Nacht böse zu gehen. Peter setzte sich unter dem Schlossbogen auf einen Stein, machte Licht in seine Laterne, leuchtete dann um sich her, sah aber nichts in seiner Nähe, als das Gewölbe hinter dem halb zerfallenen Torbogen . Die Nacht war sehr schwül und die Schnaken stachen den Peter so sehr, dass er sein Pfeifchen anbrannte und so schmauchte, bis die Glocke 12 Uhr schlug. Da stand er auf, nahm seine Laterne, nebst Hacke und Strick auf den Buckel und ging so ohne Furcht in das Gewölbe hinein. Peter hat sich in seinem Leben nie gefürchtet, denn er ist in seiner frühen Jugend seinen Eltern weggelaufen und soll bei allen Herren als Reiter im 30 jährigen Kriege gedient haben. Im Gewölbe ist ein tiefer Brunnen, es hieß immer, in diesem Brunnen liegt der Hund begraben. Da Peter A. an den Brunnen kam, machte er Halt, leuchtete mit seiner Laterne hinunter in die Tiefe, dann wieder um sich. Über ihm lag ein langer runder Stein, um diesen band er seinen Strick und um den Leib band er den Sack und die Hacke, an den Hals hing er die Laterne, und so gerüstet ließ er sich an dem Strick in den Brunnen, der zum Glück nicht so tief war, hinunter. Der Brunnen war viereckig mit Backstein ausgemauert, als Peter so auf dem Boden des Brunnens stund und nach allen 4 Seiten mit seiner Laterne herumzündete , aber zu seinem Leidwesen an keiner Seite eine Öffnung fand, da dachte er bei sich selbst: diesmal hast du dein Glück auf Sand gebaut und vergebens die Nacht den Schlaf gebrochen und musste selbst dabei über sich lachen, wegen seiner Rüstung, die er bei sich trug und schlug so mit der Hand an die Hacke, die er wie einen Säbel an der linken Seite hängen hatte, zog sie voll Verdruss aus dem Strick heraus und schlug damit auf den Boden des Brunnens und stieß dabei die Worte aus: ,,Oh, hätte ich euch, ihr Lügenmäuler, die mich so anmachten, dass in diesem verdammten Loche hier Geld in einer Truhe stünd, so würde ich euch die Köpfe und Rippen damit einschlagen.“ Er nahm abermals die Hacke, schwang sie in die Höhe und wollte nochmals im Zorne auf den Boden schlagen, schlug aber fehl und schlug damit an die Wand, allwo sie abprallte, und fuhr ihm zurück an den Kopf, sodass er rükkwärts halb ohnmächtig zu Boden sank.

Wie aber Peter wieder zu sich selbst kam und seine Augen aufschlug, so erschrak er nicht wenig, er rieb sich die Augen, neben ihm stund ein kaum 3 Schuh hohes , kleines kropfiges und bucklichtes schwarzes Männchen, das große breite Zähne in dem Mund hatte. Peter sagte als uns Kindern, die Zähne wären je einen Zoll groß gewesen und so breit wie ein kleiner Finger. Der Zwerg hielt ihm einen Schwamm mit der rechten Hand, der sehr gut roch, unter die Nase und in der linken Hand ein Licht. Peter sprang bei dieser Erscheinung auf und wollte entlaufen, worüber der Kleine ganz entsetzlich zu lachen anfing, Peter erschrak noch mehr, doch fasste er wieder Mut, griff nach seiner Hacke und wollte damit den Zwerg zu Boden schlagen.

Aber der kleine Zwerg sagte ganz ruhig: ,,Du ungeladener Gast willst du mich mit solcher Münze hier in meinem Bereiche bezahlen“, stampfte mit seinem rechten Fuß auf den Boden, indem er mit seiner rechten Hand gegen die Wand deutete. Peter sah gegen die Wand hin und erschrak, denn es war ihm, als wenn sich die ganze Wand weggeschoben hätte, und alles ringsum wurde hohl und von allen Seiten her wurde er von lauter so kleinen pechschwarzem, bucklichtem Gesindel beiderlei Geschlechts umgeben. Sie kamen so dicht auf ihn gedrängt, sodass er glaubte, seine letzte Stunde nahe jetzt heran. Endlich schlugen sie ihre Hände zusammen, patschten und sangen dazu ein unverständlich Lied, sodass Peter glaubte, er sei in einer Judenschule. Nach Ende des Gemurmels gingen sie wieder auseinander bis auf den ersten, der ihn angestrichen hatte in der Ohnmacht. Nun wurde es dem Peter wieder leichter auf seiner Brust, er fasste Mut und sagte zu dem übriggebliebene Zwerge: ,,Höre guter Kleiner; was soll denn hier aus mir werden, und warum kamen so viele von den Deinigen auf mich so angedrängt?“ Ha, ha, ha, das sollst du wissen, du alter geldgieriger Peter, den wisse, ich bin der Besitzer dieses Schlosses gewesen und alle, die auf dich andrangen, waren meine Untergebenen und wir müssen alle wegen unserer Frevel und Greueltaten, die sie durch mich verübten, solange hier als Zwerge und Geister verbleiben, bis es dem Allmächtigen gefällt, uns zu sich zu rufen. Aber ich habe noch so viel Macht auch noch auf allen meinen Gütern, Wäldern und in diesem alten Felsnest zu hausen und die Menschheit zu ängstigen und zu drücken. Auch bewahre ich einen kleinen Schatz hier, dort in einem Kästchen. Deshalb komme, Peter, mit dorthin, ich will dich reichlich beschenken. Peter ging mit dem Zwerg, als sie zum Kästchen kamen, so berührte es der Zwerg mit seinen Fingerspitzen, es sprang der Deckel auf und Peter füllte dann so viel er tragen konnte in seinen Sack, eben wie er genug hatte, so schloss sich der Deckel wieder von selbst zu. Peter wollte den Sack auf seinen Rücken nehmen, allein er war viel zu schwer. Nun lachte der Zwerg und sagte: Komm, ich will dir den Sack tragen, nahm ihn auf seine Rücken, und sieh, als er ihn auf seinem Rücken hatte so verschwand das ganze Gewölbe auf einmal und Peter und der Zwerg standen jetzt in dem viereckigen Behälter, in den sich Peter herabgelassen hatte. Nun setzte sich Peter auf das Seil und der Zwerg setzte sich neben ihn, murmelte ein paar unverständliche Worte und pfeilschnell flogen beide hinauf in die Oberwelt. Als sie dort ankamen, da stellte der Zwerg den Sack auf den Boden und sprach: ,,Nun Peter, nimm den Sack auf deinen Rücken und gehe damit nach Haus. In 700 Jahren kann wieder ein Sack voll hier geholt werden, aber von dieser Zeit ist alle Sterblichen der Zugang zum Schatze versperret“.

Mit diesen letzten Worten verschwand der Zwerg dem Peter A. aus seinen Augen, der ging nach Haus und erzählte den Vorfall; doch sagte er nie wie viel Geld. er bekommen hatte ……

Ergänzende Interpretation:

Die volkstümlich Sagen (und Märchen) der Heimat, soweit sie, besonders im Laufe des 19. Jahrhunderts aufgeschrieben wurden, sind eine schlichte phantasiegegründete Dichtungsart, getragen von einer ihr dienenden Einbildungskraft.

„Weil sie aus treuerund frommer Seel heraus fragten, antworteten ihnen auch die Selle … der alten Quellen und noch Überlieferungen …“ (Prof. G.Fricke). Sie bewegen sich, auch noch während desgesamten 19. Jahrhunderts, in der romantischen Tradition, die als bedeutende literarische Leistung von den Gebrüdern Wilhelm und Jacob Grimm ausging und sich durch sie mit „dem verborgenen und allbelebenden Volksgeist“ fortsetzte. In dieses Bild fügt sich nahtlos auch die Sage „Vom Ritter zu Schloss Warenberg“. Auch sie ist eine zunächst auf mündlicher Überlieferung beruhende Erzählung, die mythologisch an zweifellos reale Gegebenheiten anknüpft, sie aber phantasievoll ausmalt und an bestehende Sagenkreise, in Form von Wandersagen, anknüpft. So erinnert z.B. die Gestalt des Ritters vom Warenberg an die zahlreichen Geschichten des Poppele vom Hohenkrähen, der als Spuckgeis im Hegau umgeht. Die Geschichten sind geradezu austauschbar, wenn es z. B. von unserem Warenburg-Ritterheißt, er „muss heutzutage noch als Geist im alten Schloss und auf den Gütern und im Walde wandeln und besonders in dem kleinen Eichenwäldchen. Da äfft er die Leute, nimmt mancherlei Gestalt an, wirft die Vorübergehenden vom Schloss herab mit Steinen und Prügeln, stellt sich ihnen in den Weg usw.“.

Frau Ute Schulze M.A. Sachgebietsleiterin Stadtarchiv VS, hat diesen Beitrag recherchiert und interpretiert. Der Geschichts- und Heimatverein bedankt sich herzlich dafür.

Anmerkung:

1 Warenberg, Burgruine im Läuble zu Villingen und Rietheim. Vgl. A. Krieger, topogr. Wtb. V. Baden, 2. Auflage., Sp. 1356.

Quelle zur Sage „vom Ritter zu Schloss Warenberg“

Die bibliographische Angabe lautet: Friedrich Pfaff, Badische Sagen, aus A. Birlingers Nachlass mitgeteilt. 6. Vom Ritter zu Schloss Warenberg, Amts Villingen im Schwarzwald. Erzählung von Josef Glatz von Rietheim, in: Alemannia 3. Folge, Bd. 1 (der ganzen Reihe 37) 1909, Seite 125 – 128.

Ein Stück Villinger Stadtgeschichte (Marga Schubert)

Das Baudenkmal Obere Straße 26 strahlt in neuem Glanz – Ehemaliger Wohnturm mit Jahrhunderte alter Geschichte

Wer heute das Haus Obere Straße 26 (Abb. 1) mit der neu in sattem Rot renovierten Fassade, dem weißen stilisierten Wappen der Familie Schilling an der Giebelseite und den markanten Eckquadern bewundert, der bewundert ein Kulturdenkmal Villingens. Denn das Haus hat eine Jahrhunderte alte interessante Geschichte. Das heutige Wohn­ und Geschäftshaus wurde 1992 in die Liste der Baudenkmale im Kernstadtbereich Villingens aufgenommen.

Wer sich dann näher mit der Geschichte befasst, der erfährt, dass dieses Haus, mit der auffallend quadratischen Grundfläche, das auch heute noch höher ist als alle umliegenden Häuser, früher ein sogenannter Wohnturm war, dem irgendwann einmal die Spitze gekappt wurde. Die bekannte Federzeichnung der Stadt Villingen von 1685-1695 bestätigt dies. Das Gebäude ist hier deutlich als Turm zu erkennen (Abb. 2).

Ihre Ursprünge als Wohntürme haben in Villingen auch die Gebäude Niedere Straße 10 und 28 ebenso das Haus Färberstraße 1. Villingen gehört damit in die Reihe der Städte, die diesen hochinteressanten Bautypus noch in ihren Mauern beherbergen.

Über die Entstehung des Hauses in der Oberen Straße und seine ersten Besitzer ist nichts überliefert. Im „Schwörbuch“ im Mittelalter wird der Turm auch „Wendelstein “ genannt, später „Kiliansturm“ und „Turm der Bollerin“. Offenbar war der „starke Turm“ in der Zähringerzeit bis 1218 der wehrhafte Abschlussturm der Zähringerstadt nach Norden. Erst später wurde die Stadt Villingen in der Stauferzeit unter Friedrich II ummauert.

Anno 1323 werden in historischen Überlieferungen erstmals detailliert Namen erwähnt. Danach überließ der Villinger Bürger Hermann der Bislinger 1323 dem bei Emmendingen gelegenen Ziegeldach „bi dem obern tor“, das fortan der Tennenbacher Pfleghof in Villingen war. Hier residierte der Pfleger oder „Schaffner“ des Klosters, wie er in den historischen Quellen zum eist genannt wird. Ihm oblag die Verwaltung des Klosterbesitzes im Kirnachtal, der Einzug der Abgaben von den hörigen Bauern, der Transport ihrer Produkte nach Villingen und deren Verkauf auf dem städtischen Markt. Zunächst waren dies gebildete und um sichtige Mönche, später dann sind in diesem verantwortungsvollen Pflegeamt die Namen von Villinger Bürgern überliefert wie 1420 Hans der Jäger, 1470 Hans Mock und Martin Hug, 1505 Heinrich Hug. Zwischen 1494 und 1500 taucht in der Geschichte ein Paulinus Stahel als letzter Klosterschaffner auf. Er war mit der Villingerin Verena Boiler verheiratet, zu deren Besitz auch ein Wohnturm gehörte, den sie um das Jahr 1500 herum dem Kloster Tennenbach schenkte. Diese Besitzübertragung macht für Geschichtsforscher nur Sinn als Abrundung des schon vorhandenen Immobilienbesitzes des Klosters (Pfleghof) „nahe dem Oberen Tor“. Also müsste das auch als „Bollerin-Turm “ bezeichnete Geschenk das heurige Haus Obere Straße 26 gewesen sein, das ja auch noch eindeutig die Merkmale eines Turmes nachweist.

Mit dem Verkauf seiner Liegenschaften in und um Villingen beendete das Kloster Tennenbach 1506 das lange und bedeutende Kapitel seiner Anwesenheit im Villinger Raum.

Erst 1544 konnte auch der Pfleghof samt Wohnturm an den Junker Konrad Ifflinger von Wellendingen verkauft werden, da bis dahin Paulinus Stahel und Verena Boiler noch darin wohnten. Die Freiherren von Ifflinger sind in Villingen bis ins 18. Jahrhundert nachweisbar.

Abb. 1: Haus Obere Straße 26.

 

Überlieferungen zufolge gehört das Anwesen um 1767 einem Junker Eichbeck, 1806 wird es als Kiliansturm bezeichnet. 1825 gehörte es dem Stadtrechner Anton Körner, 1842 erscheint als Eigentümer der Müller Dominikus Kaiser.

Das Geschlecht der Familie Schilling, der heutigen Besitzer, tauchte bereits 1841 in der Oberen Straße auf. Johann Evangelist Schilling betrieb mit seinem Sohn Wilhelm damals eine Trachtenbandweberei im Haus. In einer Zeitungsanzeige empfiehlt sich Johann Schilling als Posamentierer und Knopfmacher für alle einschlägige Artikel wie elastische und baumwollene Hosenträger, Knöpfe, Vorhand- und Kugel-Franzen, Chaisenborden, schwarze seidene und wollene runde Schnüre zum billigen Preis usw. Familie Schilling hat ebenfalls eine jahrhundertealte Geschichte und der ehemalige Wohnturm, jetzt Geschäfts- und Wohnhaus ist heute noch im Familienbesitz.

Abb. 2: Villingen in einer Federzeichnung aus dem 17 Jahrhundert.

 

(Michael Tocha hat die Geschichte des Hauses Obere Straße 26, die Martha Krauss, geborene Ermler ihrer zwischenzeitlich verstorbenen Kusine Mechthilde Schaumann, geborene Schilling zum 65. Geburtstag widmete, aus verschiedenen historischen Quellen zusammengetragen).

Was ist ein Wohnturm?

Wohntürme können wir heute noch in Städten erkennen, die im Mittelalter bedeutend waren und deren mittelalterliches Stadtbild durch neuzeitliche Um- und Neubauten nicht allzu stark verändert worden ist. In Deutschland wäre vor allem Regensburg zu nennen, ferner Esslingen, Schwäbisch Gmünd, Horb, Rottenburg, Schwäbisch Hall oder Konstanz. Nicht bewiesen ist die Ansicht, die Wohntürme von Regensburg hätten die Geschlechtertürme Italiens, wie die von Rom, Bologna, Florenz oder San Gimignano, zum Vorbild. Der deutsche Bautypus hat sich nach Ansicht der Historiker wohl eher eigenständig und zeitgleich mit italienischen Beispielen entwickelt. Wohntürme erinnern zwar an Verteidigungsbauten, sie bilden jedoch lediglich die Bauformen einer Adelsburg ab. Vielmehr waren sie lediglich Statussymbole der damaligen Zeit und dienten vor allem Wohnzwecken für die städtische Oberschicht, das Patriziat und den Stadtadel. Sie sind stets aus Stein gebaut und haben einen quadratischen oder rechteckigen Grundriss. Diese Steinbauten der Oberschicht waren aber immer Teil eines größeren Gebäudekomplexes innerhalb einer gehöftartigen Anlage. In jedem Fall gehörte zum Turm ein Anbau als Wohntrakt. Das gilt auch für Villingen und das Haus Schilling, das in den schriftlichen Zeugnissen stets als „huß und thurn“ bezeichnet wird.

Leben und Arbeiten im Turm

1874: Johann Evangelist Schilling kauft den ehemaligen Wohnturm Obere Straße 26. Mit seinem Sohn Wilhelm Schilling hatte er bereits zuvor die Trachtenbandweberei im Haus betrieben. Beide waren von Beruf Posamentier. Sie stellten Bänder für Trachten her, gleichzeitig auch sogenannte ,,Posamenten“,: Kordeln, Quasten, Pompons usw. Lange hieß der Betrieb am Oberen Tor im Volksmund der „Posamenten-Schilling“.

1879: Nach einem Umbau wurde im Erdgeschoss ein sogenanntes Detail-Geschäft eröffnet mit Kurzwaren, Weiss- und Wollwaren, samt der selbstgefertigten Bänder.

1900: Wilhelm Schilling führt mit seinem Sohn Ernst Schilling das Geschäft nach dem Tod seines Vaters weiter.

1910: Ernst Schilling übernahm den Geschäfts­ betrieb. Vater Wilhelm Schilling war noch in der Trachtenbandweberei tätig. Nach einem Umbau erweiterte sich das Detailgeschäft in ein Geschäft mit Kurzwaren, Stoffen, Wollwaren, Wäsche- und Trachtenartikeln.

1943: Die Nazis schlossen den Webereibetrieb, da der Inhaber tätiger Katholik war.

Abb. 3 : Alte Bausubstanz am denkmalgeschützten Haus.

 

1948/49: Nach dem Krieg wurde die Trachtenbandweberei verkauft. Der Betrieb lohnt sich nicht mehr. Tochter Mechthilde Schaumann, geborene Schilling und deren Mann Gerhard Schaumann führten das Einzelhandelsgeschäft mit den Eltern weiter.

1954 übernahm Mechthilde Schaumann die Geschäftsführung, die sie 1993 an Sohn Bernhard Schaumann übergab, der mit den Jahren und nach einem Umbau 1998 das Angebot immer mehr dem Zeitgeist anpasste. Hieß das Geschäft bis in die 50er/60er Jahre noch Modehaus Schilling, in dem vom Knopf bis zum Wintermantel alles zu haben war, heißt es heute „Schilling, Wäsche + mehr“.

Wichtig für das Stadtbild

Alte Bausubstanz im Städtle wieder sichtbar machen, das findet Bernhard Schaumann wichtig (Abb. 3). ,,Das war immer mein Ziel“, erklärt der Bauherr der Sanierung des geschichtsträchtigen Hauses Obere Straße 26. Er erfülle damit auch ein Vermächtnis seiner Mutter Mechrhilde Schaumann geborene Schilling, die leidenschaftlich für das Geschäft Wäsche Schilling und das geschichtsträchtige Haus lebte. Sie starb 2009. “ Das Versprechen, die Geschichte des Hauses hochzuhalten, zu pflegen, und nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, hat mir meine Mutter immer abverlange“, erinnere sich Bernhard Schaumann und er weiß, wie bedeutungsvoll und wichtig dieses Vermächtnis für das Villinger Stadtbild ist, das er gerne erfülle. Er freue sich, dass die Bossenquaderung an allen vier Ecken des Hauses so gut erhalten ist. ,,Am liebsten würde ich den Turm wieder aufbauen“, lache er, doch das übersteige weit sein Budget und auch seine Zeit. Schließlich hat er noch ein Geschäft zu führen, in dem heute topmodische und nicht alltägliche Tag- und Nachtwäsche im Sortiment zu finden ist. Seit 1996 ist auch Tochter Yvonne mit im Geschäft, und Schaumann hofft, dass er ihr irgendwann einen gesunden, stabilen Betrieb übergeben kann.

Die Radmacherwette (Lambert Hermle, Albert Helmstädter)

Abb. 1: Der Radmacher auf dem Brunnen in der Rietstraß e ist ein Meisterwerk des Holzbildhauers Manfred Merz.

 

Vor 450 Jahren lebte in der alten Stadt Villingen ein junger Handwerker. Von Beruf war er Wagner, und diese gehörten – wie alle holzverarbeitenden Gewerbe – zur Zunft der Bauleute. Unter anderem fertigte er Räder für die vielen Heuwagen und anderen Transportfahrzeuge. Im Jahr 1562, in der Blütezeit des Villinger Zunftwesens, schloss eben dieser Wagnergeselle mit seinem Meister eine Wette. ,,Ich fertige ein großes Wagenrad aus Holz, mit 12 Speichen und einem Durchmesser von 1,30 m (altes Maß?)“, so sprach er, ,,nach dessen Fertigung reifle ich es nach Rottweil, verzehre dort den Wert des Rades und kehre (mit dem Rad) nach Villingen zurück. Dies alles schaffe ich an einem Tag.“

„Wenn dir dies kühne Vorhaben gelingt, dann sollst du meine Tochter zur Frau haben“, sagte der erstaunte Meister Gyxlin zu seinem Gesellen.

Gesagt, getan.

So machte sich der junge Geselle an die Arbeit, fertigte das Rad, trieb es nach Rottweil, verzehrte dort den Wert des Rades in einem Gasthaus und kehrte noch am selbigen Tage nach Villingen zurück. Das war eine wahre Meisterleistung. Wie versprochen bekam er die Tochter seines Meisters Gyxlin zur Frau. Somit ward und wird er heute noch „Gyxlin Tochtermann“ genannt. Das Hochzeitsfest wurde gefeiert und ein Brunnen in der Rietstraße, der „Radmacherbrunnen“, erinnert noch heute an diese außerordentliche Handwerkskunst und gewonnene Wette (Abb. 1).

Der Radmacher auf dem Brunnenstock wurde von dem Villinger Bildhauer Manfred Merz, das dazu gehörige Rad von dem Wagner Erwin Tritschler neu geschaffen.

Abb. 2: Alter Radmacherbrunnen vor der ehemaligen Drogerie Bottling in der Rietstraße.

Ursprünglich wurde der Radmacher auf dem Brunnen vor der Drogerie Bottling aufgestellt (Abb. 2). Später wurde der Standot näher zum Riettor hin verändert. Das alte Rad von „Gyxlin‘ s Tochtermann“ war übrigens der erste Gegenstand, er seinen Weg 1876 in die neugegründete Altertümersammlung im alten Rathaus fand. Dort kann man es noch heute bewundern.

Auch das in den Torbogen des Oberen Tores eingemeißelte Wagenrad kann als Erinnerung an diese Wette gedeutet werden (Abb. 3).

Abb. 3: Im Oberen Tor eingemeißelt und von den wenigsten Passanten beachtet erinnert ein Wagenrad an die Wette des Wagners „Gyxlin’s Tochtermann“ vor 450 Jahren.

 

Mit dieser Radmacherwette von 1562 beschäftigte sich in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts auch der Wagner Helmut Glatz aus Unterkirnach. Als er gefragt wurde, ob die heutige Generation auch noch in der Lage wäre, diese Wette zu halten, bejahte er dies. Somit kam es dazu, dass die Wette 400 Jahre später wiederholt wurde. Die Stadt Villingen zeigte sofort Interesse.

So konnte sich Helmut Glatz einer erneuten Wette nicht mehr entziehen.

Schon konnte man ihn mit einem Wagenrad im heimischen Wald beim „Reifeln“ antreffen (Abb. 4). Mit ausreichend er Kondition ging er diese Wiederholungswette ein, obwohl seine Frau und auch Kollegen ihm von diesem Vorhaben abrieten. Doch sein Lehrmeister, der Wagnermeister Karl Merz aus Vöhrenbach, war sich als einziger sicher, dass Glatz es schaffen werde.

Am 25. August 1962 begann Helmut Glatz um 18 Uhr im städtischen Werkhof, damals noch beim Hubenloch gelegen, mit der Fertigung des Rades. Aus Eschenholz wurden Speichen und Felgen mit dem Beil bearbeitet, die Zapfen mit der Handsäge angesägt und mit dem Ziehmesser zurecht geschnitten (Abb. 5).

Abb. 4: Zu diesem Bild aus seinem Album schreibt Helmut Glatz: ,,Mit einem alten Wagenrad von Vaters Heuwagen habe ich auf abgelegenen Waldwegen tüchtig geprobt“.

 

Abb. 5: „Die Speichen, von einem groben Eschenholzstück abgespalten, mit dem Beil zugehauen …“

Glatz durfte nur Handwerkszeug verwenden, das auch schon vor 400 Jahren üblich war. Er nahm Eschenholz, um das Absplittern beim Rollen des Rades so gering wie möglich zu halten. Das erschwerte die verschiedenen Arbeitsgänge zusätzlich. Eine Jury aus Handwerksmeistern beobachtete 24 Stunden alle Handgriffe und Schritte.

Musikalisch wurde Helmut Glatz von einer Abteilung der Villinger Stadtharmonie die ganze Nachtunterhalten, denn mit Musik geht alles besser. Auch das Fernsehen dokumentierte die ganze Zeit den Ablauf der Wiederholungswette. Um 5.30 Uhr legte Glatz Hammer und Beil zur Seite, das Rad war fertig.

Nach einem kräftigen Frühstück machte sich der Radmacher um 7.30 Uhr durch das Riet- und Obere Tor auf den Weg nach Rottweil. Böllerschüsse krachten und eine begeisterte Menschenmenge säumte die Straßen. Die Bürgerwehr und die Polizei regelten den Weg nach Rottweil, sperrten ab und lenkten den Verkehr um.

Von seinem Arbeitskollegen, dem „Riehle Seppl“ begleitet, rollte der stolze Radmacher Glatz unter den Klängen der Unterkirnacher Musikkamerraden sein Rad durch das „Schwarze Tor“ in Rottweil (Abb. 6).

Im Hotel „Paradies“, von der Villingerin Lena Englert, geb. Riesterer, bewirtet, löste Helmut Glatz den Wert des Rades ein, während draußen die Villinger Bürgerwehrsoldaten sein Rad bewachten. Seit Romäus die Stadttore geklaut hat, haben die Rottweiler ja noch eine Rechnung offen.

Genau um 14 Uhr trat er den Heimweg an. Um 17.30 Uhr erreichte der geräderte Wagner wieder die Außenbezirke von Villingen. Auf der Bertholdshöhe musste er eine Zwangspause von 30 Minuten einlegen: Der Schrankenwärter hielt die Schranken beim Lindenhof wegen der vielen Menschen geschlossen. Doch dann eilte der siegreiche und stolze Helmut Glanzmit seinem Rad der Stadt zu.

Abb. 6· Unter „Bewachung“ durch die Villinger Bürgerwehr und Stadtmusik marschiert Helmut Glatz stolz mit seinem Wagenrad durchs Rottweiler „Schwarze Tor“.

 

Abb. 7: Helmut Glatz sieht man hier die Freude über die erfolgreich vollbrachte Wiederholung der historischen Wette an. Hier beim „Einreifaln“ in den Villinger Stadtgarten.

 

Abb. 8: Eine große Schar Bürgerinnen und Bürger aus Villingen und Umgebung wollte im Stadtgarten zu Villingen bei der ,,Siegesfeier“ dabei sein. Viele kleideten sich in die historischen Festtagsgewänder und Trachten.

Umjubelt trieb er es durchs Obere Tor und der damalige Oberbürgermeister Severin Kern gratulierte ihm zur gewonnenen Wette. Bürgerkavallerie, Bürgerwehr, Stadtmusik, sowie seine „Kirnemer Musikkameraden“ machten ihm ihre Aufwartung. Die Stadt Villingen platzte aus allen Nähten und feierte ihren neuen Helden bis spät in die Nacht in ihrem damals noch bestehen­ den Stadtgarten in der Mönchweilerstraße.

Die Erker in Villingen – einst und heute (Lambert Hermle)

Eine Ergänzung des Beitrags von Traugott Wöhrlin im Jahresheft 1/1973

Fotos: Albert Helmstädter

Das Gesicht einer mittelalterlichen Stadt wird bekanntlich nicht allein durch Kirchen, Rathäuser und andere repräsentative Gebäude geprägt. Auch die bürgerlichen Wohnhäuser sind sehr wesentlich an der Gestaltung des Stadtbildes beteilige. Während die großen kirchlichen und profanen Gebäude zusammen mit der Stadtanlage mehr das Einmalige – man möchte fast sagen die „persönliche Note“ – der Stadt herausheben, sagen die Bürgerhäuser immer etwas über die Eigenart, die Beschäftigung und nicht zuletzt über den Reichtum der Stadtbewohner aus und sind somit vielleicht eher ein Charakteristikum des Volkes oder der Landschaft als das der jeweiligen Stadt.

Es ist also leicht zu verstehen, wenn die Bürgerhäuser unserer alemannischen Städte zwar nicht alle einander gleichen, aber doch sehr viel Gemeinsames aufweisen. Vor allem in den ehemaligen Ackerbürgerstädten wie Villingen, wo die Einwohner neben ihrem Gewerbe noch irgendeine Form der Landwirtschaft betrieben, finden wir fast immer den Typus des „gestelzten Hauses“.

Bei dem rauen Klima unserer Heimat ist es nicht verwunderlich, dass überall die Wohnstube, die bei diesem Haustypus ihren Platz stets im Obergeschoß an der Straßenseite hat, von jeher mit besonderer Sorgfalt ausgestattet wurde. Großes Interesse fand hier die Gestaltung der Fenster, die aneinandergereiht, fast immer die ganze Straßenseite der guten Stube einnehmen. Bei vielen Villinger Häusern sind diese zusammengekuppelten Fenster, die mit dem ganzen Haustypus vom Holzbau übernommenen sog. Fenstererker, der einzige Schmuck . Bei den meisten vornehmen Häusern jedoch sind diese Fenstererker in vielfach sehr reizvoller Weise ausgekragt, und durch alle Seilperioden hindurch wird dieses Erkerthema in teilweise recht interessanten Formen variiert. Hier einige Beispiele der unterschiedlichen Erkerformen (Abb. 1 bis 3).

Woher nun diese Idee, ein Fenster aus einer Wand vorzukragen, letztlich kommt, lässt sich wohl nicht eindeutig ergründen. Man nimmt an, dass die Kreuzfahrer den Erker als Bauelement vom Orient in unsere Heimat gebracht und zunächst vor allem an Befestigungsbauten in Form von Pechnasen u. dgl. verwendet haben.

 

Abb. 1: Niedere Straße Haus Nr. 26
Abb. 2: Niedere Straße Haus Nr. 6

 

Abb. 3: Bickenstraße Haus Nr. 13

 

Hausvorsprünge mit „Guckfensterchen“

Abb. 4: Rietstraße Haus Nr. 1.

 

Abb. 5: Brunnenstraße Haus Nr. 48.

 

Aber offensichtlich hat dieser Erker mit dem des bürgerlichen Wohnhauses wenig Gemeinsames. Viel wahrscheinlicher ist die Ursache für dieses in ganz Süddeutschland, Österreich und vor allem der Schweiz verbreitete Bauglied die natürliche Schaulust des Hausbewohners und schließlich auch noch ein wenig das Geltungsbedürfnis des Erbauers. Dabei war das Interesse an den Vorgängen auf der Straße wohl der ursprünglichere Grund; denn wo es möglich war, sich mit einfacheren Mitteln eine gute Aussicht auf die Straße zu verschaffen, verzichtete man vielfach auf einen Erker. Man stellte z.B. das Haus zur Straßenflucht etwas schräg, so dass an der einen Giebelseite ein kleiner Vorsprung entstand, in dem man, auch wenn er noch so klein war, stets ein Guckfensterchen anbrachte. Gerade diese Hausvorsprünge sind es, die dem Straßenraum seine Eigenart, sein „Gesicht“ geben (Rietstraße/Brunnenstraße, Abb. 4 und 5). Man kann in Villingen die Beobachtung machen, dass diese Hausvorsprünge mit Vorliebe dort angelegt wurden, wo ein möglichst großes Straßenstück überschaut werden konnte.

Aber auch die anderen Fenster der Wohnstube haben wir uns im ganzen Mittelalter mit einer Sitzbank an der Brüstung vorzustellen, die das Hinausschauen zu einer angenehmen, müßigen Beschäftigung werden ließ. Bei vielen Häusern findet sich diese Bank heute noch.

Besonders in der späten Gotik und auch während der Renaissance werden gerne reich verzierte Säulen verwendet, um den durch das Zusammen­ kuppeln mehrerer Fenster sehr langen Sturz noch ein- oder zweimal zu unterstützen. Wir finden die­ se stets reizvolle Lösung noch heure im Rathaussaal, im Nebenzimmer des Saales, in dem zum neuen Rathaus umgebauten alten Pfarrhof und in einem Haus in der Kanzleigasse. Diese interessante Anordnung ist ja auch in vielen anderen Städten Südwestdeutschlands anzutreffen.

Abb. 6· Obere Straße Haus Nr. 28.

Die ältesten Villinger Erker aus dem 16. Jahrh. sind ohne Zweifel Weiterentwicklungen dieser Fensterform: Von den meist drei zusammengekuppelten Fenstern wird eines – gewöhnlich das mittlere – in Form eines halben Sechsecks ausgekragt (Abb. 6).

Die Fensterbank und die Sitzbank an der Brüstung machen diese Ausbuchtung mit. Auf die­ se Weise entsteht der einfache Sitzerker als Grundform für die späteren „Erkerformulierungen“. An der Außenseite fängt stets ein kleiner, oft reich verzierter Konsolstein den schrägen Anlauf des Erkers auf. Meist wird dieser Erker, den die Villinger bezeichnenderweise „Ausstoß“ nennen, von einem sanft geschwungenen, spitz oder trapezförmig ansteigenden Pultdach gedeckt. Besonders in Konstanz und Schaffhausen sind für diese Erkerform einige besonders treffende Bei­ spiele zu finden. Aber auch in Villingen sind heute noch sehr schöne Erker dieser Art in der Josefsgasse 16 (Abb. 7), Gerberstraße 48 (Abb. 8), Bickenstraße 14 (Abb. 9) oder Obere Straße 4 (Abb. 10).

Abb. 7: Josefsgasse 16

 

Abb. 7: Josefsgasse 16

Eine große Anzahl solcher Erker hat nur äußerlich diese Form bewahrt, während bei Umbauten die Säulen im Innern entweder entfernt oder eingemauert wurden. Aber für das Straßenbild sind sie auch so nicht weniger wertvoll. Vor allem in der Zeit der Renaissance sind hier sehr schöne Formen entstanden: Das Blechdach wurde zur Zwiebelhaube ausgebaucht und die Profilierung reicher und vielgestaltiger.

Auch besonders reizvolle Wasserspeier finden sich aus dieser Zeit, wie z.B. am Haus Ackermann am Markt, Obere Straße 1 (Abb. 11).

In der späten Renaissance dehnte sich der Erker schließlich auch über zwei Stockwerke aus. Ein besonders schönes Beispiel dieser Art ist am Marktplatz Niedere Straße 2 erhalten (Abb. 12).

Abb. 8: Gerberstraße 48.

 

Abb. 9: Bickenstraße 14.
Abb. 11: Haus Ackermann am Markt, Obere Straße 1.

 

Abb. 10: Obere Straße 4.
Abb. 10: Obere Straße 4.
Abb. 12: Niedere Straße 2
Abb. 12: Niedere Straße 2

.

Abb. 14: Rietstraße37 (Osianderhaus).

 

Abb. 15: Gerberstraße 4.

Jetzt war er nicht mehr nur Sitzerker, jetzt konnte man darin auch an der Fensterbrüstung stehen, denn der schräge Anlauf war ja nun nur noch im unteren Geschoß, und auch da wurde er so weit nach unten geschoben, dass der Fußboden des Zimmers bis zur Brüstung des „Ausstoßfensters“ vorgeschoben werden konnte. Dennoch hatte sich bis jetzt noch nichts daran geändert, dass der Erker nichts weiter war als ein an einer Stelle nach außen ,,gestoßenes“ Fensterband.

Erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. beginnt man auch Erker zu bauen, die ganz für sich allein in der Wand sitzen, also selbständige Gebilde sind. Auch der schräge Anlauf wird jetzt zur geraden Brüstung, so dass man also nicht unbedingt gezwungen ist, ihn innen als Sitzerker auszubilden. Er ruht jetzt entweder auf Kragsteinen oder, wenn er aus Holz ausgeführt ist, sitzt er einfach auf den herausragenden Decken- oder Stichbalken (Abb. 13 und 14).

Abb. 13: Josefsgasse 7.
Abb. 13: Josefsgasse 7.

 

Überhaupt kommt jetzt der Holzerker mehr und mehr auf – eine Erscheinung, die sicher im Zusammenhang mit dem beginnenden wirtschaftlichen Niedergang der Stadt zu sehen ist. So sind die wenigen barocken Erker Holzkonstruktionen und teilweise nur an den spärlichen Schnitzereien und Profilierungen als solche kenntlich (Abb. 15). Bei einigen wenigen bringt dagegen die lebhafte Verkröpfung des Gesimses den lebendigen Geist des Barock noch etwas deutlicher zum Ausdruck, Rietstraße 38 (Abb. 16), allein auch sie sind nicht annähernd so ausgestattet, dass sie etwa mit den barocken Erkern Rottweils oder gar denen der Erkerstadt Schaffhausen konkurrieren könnten.

Abb. 16: Rietstraße 38.

Lediglich das ausgehende 18. Jahrh. bringt noch einmal zwei schöne Erker hervor in den schon etwas klassizistischeren Formen des Stils Louis

XVI. Beide sind wieder in Stein ausgeführt, einer davon sogar zweistöckig. Es ist bemerkenswert, dass gerade diese Erker wieder als Sitzerker ausgebildet sind. (Abb. 17 und 18).

Abb. 17: Bickenstraße 13.
Abb. 17: Bickenstraße 13.
Abb. 18: Niedere Straße 10.
Abb. 18: Niedere Straße 10.

 

Abb. 19: Niedere Straße 7.

 

Abb. 20: Brunnenstraße 26

 

Abb. 21: Rietstraße 23.

 

Aus derselben Zeit stammen ebenfalls einige zweistöckige hölzerne Erker, die wie alle Holzerker wieder auf ausgekragten Deckenbalken ruhen (Abb. 19, 20 und 21). Wie in anderen Städten Südwestdeutschlands, so verlor sich auch in Villingen in der sparsamen Zeit des Biedermeier die Lust am Erkerbau, wenngleich das Interesse an den Vorgängen auf der Straße wohl das gleiche geblieben ist. Ein ganz bescheidenes Hilfsmittel, diese Vorgänge auch ohne Erker ungesehen beobachten zu können, war ein an einer Stange befestigter dreikantiger Spiegel, der sog. ,,Spion“, der noch vor einigen Jahr en in Villingen verschiedentlich zu finden war.

Wenn auch in der Zeit um die Jahrhundertwende und vorher sicher sehr viele, schöne Erker verschwunden sind, so geben die übriggebliebenen doch noch ein beredtes Zeugnis von Zeiten des Wohlstandes oder auch von der Armut des Bürgerstandes und damit der ganzen Stadt. Die schönsten und zahlreichsten Villinger Erker stammen nicht umsonst aus dem 16. Jahrh., wo die Stadt auf dem Höhepunkt ihrer Bedeutung angelangt war. Wenn in anderen Städten, wie z. B. in Rottweil oder den zahlreichen nordschweizerischen Städten – allen voran Schaffhausen, aber auch Stein am Rhein und St. Gallen, die meisten und schönsten Erker dem Barock entstammen, das in Villingen nur sehr anspruchslose Erker hervorbrachte, so deshalb, weil jene Städte in dieser Zeit ihren Glanz noch nicht verloren hatten, während Villingen gerade damals seinem tiefsten Punkt entgegen ging. Damit sind also die Erker nicht nur eine wertvolle Bereicherung des Stadtbildes, sondern in gewissem Sinne sogar ein Spiegelbild der Stadtgeschichte.

Literatur

Prof. O. Gruber: „Deutsche Bauern- und Ackerbürgerhäuser“, Karlsruhe 1926.

Dr. F. Hirsch: “ Konstanzer Häuserbuch“, 1 , Heidelberg, 1906.

W. Müller: „Die Erker in Schaffhausen“, Schaffhauser Beiträge zur vaterländischen Geschichte, 1 9 42, S. 1 38- 16 4.

Beichterker, Obere Straße 23, Haus Nr. 109

Nach Erzählung von Karl Kaiser, Zimmermeister, Großvater von Martin Kaiser, ebenfalls Zimmermeister, wohnte in diesem Haus ein Pfarrer. Dieser hörte im Erker für Schwerhörige die Beichte und schaute dabei zum Fenster hinaus.

Nach meinen Erinnerungen war im Hause Obere Str. 23 als wir einzogen ein Durchgang zum Abort im 1. OG. mit Spitzbogen. Auf der Gegenseite im Hinterhaus befand sich eine Türe der Brauerei Faller (Gambrinus), wo Steinkonsolen entlang dem Brauerei-Gebäude (Gärkeller) z. T. noch sichtbar waren, vermutlich ein Verbindungsgang zur Kaplanei. Nach Einbau der Wasserspülung wurde aus dem Durchgang ein Fenster mit Spitzbogen, das heute noch sichtbar ist.

Eugen Bode ()