Jahresrückblick 2009 (Claudia Wildi)

Das Vereinsjahr 2009 begann mit einer Führung mit Anita Auer durch die Schwarzwaldsammlung des Franziskaner Museums.

Zuversichtlich und mit guten Perspektiven geht der Geschichts- und Heimatverein Villingen (GHV) in das 41. Geschäftsjahr seit seiner Wiedergründung im Jahre 1969. In der gut besuchten Jahreshauptversammlung wählten die Mitglieder Günter Rath, der seit 1992 ununterbrochen an der Vereinsspitze steht, einstimmig wieder zum Vorsitzenden. Auch Schatzmeister Hasko Froese wurde einstimmig in seinem Amt bestätigt. Zügig und harmonisch ging die Mitglieder- versammlung in Hotel Diegner über die Bühne.

Der GHV konnte auf ein erfolgreiches Vereinsjahr 2008 zurückblicken und eine insgesamt positive Bilanz vorlegen.

Zusätzlich ins Programm aufgenommen wurde ein Besuch der Städtischen Galerie in Schwenningen zur Ausstellung „Gao Xingjian – Tuschmalerei von 1983 bis 1993“. Die Kunsthistorikerin Ursula Kohler führte wiederum in herausragender Weise durch diese Ausstellung.

Marianne Kriesche referierte in einem viel beachteten Vortrag über die Zittauer Fastentücher und bewies mit ihrem Vortrag, dass sie sich in diesem Thema bestens auskennt.

Ganz Biberach liegt den Villingern zu Füßen …

 

In einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem Stadtarchiv präsentierten Edith Boewe-Koob und Heinrich Maulhardt kostbare Handschriften, die 500 bis 1000 Jahre alt sind. Edith Boewe-Koob stellte die Ergebnisse ihrer über 10 Jahre alten Forschungsarbeit vor.

Dem Riesen Romäus aufs Dach stiegen über 50 Interessierte zusammen mit unserem Ehrenmitglied Werner Huger, der sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Bauwerk Romäusturm und dem Mythos des Villinger Lokalhelden befasst. Huger erklärte die Baugeschichte des Turms und seine Bedeutung als Wachturm. Auch die abenteuerlichen Geschichten, die von dem Lokalhelden erzählt werden, kamen nicht zu kurz.

Adolf Schleicher führte in bewährter Weise etwa 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Fußwallfahrt sicher auf den Dreifaltigkeitsberg.

Jürgen Muff zeigte bei seiner Radtour rund um Villingen Bekanntes und Unbekanntes aus der Geschichte.

Mit vielen neuen Erkenntnissen kehrten die Teilnehmer der Tagesexkursion in die oberschwäbische Kreisstadt Biberach an der Riß nach Villingen zurück. Immer wieder stellten sie Parallelen mit der Geschichte unserer Heimatstadt fest und zeigten sich u. a. auch beeindruckt von dem gut funktionierenden Zusammenleben der beiden großen Konfessionen. Über 360 Jahre nutzen katholische und evangelische Christen die Kirche St. Martin gemeinsam und beweisen damit gelebte Ökumene. Nicht viele der Teilnehmer wussten, dass beide Städte eine eng miteinander verbundene Vergangenheit haben: Sie sind in etwa gleich alt, gehörten beide zum Hause Habsburg, litten unter den Folgen des Dreißigjährigen Krieges und haben ein gut erhaltenes Stadtbild. 1805 fiel Villingen an Württemberg und Biberach wurde 1802 badisch. Dieser Zustand wurde dann 1806 durch Gebiets- tausch behoben.

Ganz Biberach liegt den Geschichtsfreunden aus Villingen hier zu Füßen (Bild linke Seite)! Im Museum für Geschichte und Kunst erklärte eine Stadtführerin (ganz rechts) an einem sehr anschaulich gestalteten Modell Anlage der Historischen Altstadt und beleuchte dabei auch die Geschichte der ehemaligen freien Reichstadt. Zweiter von rechts ist unser Mitglied Georg Schuhbauer, der die Fahrt seiner Villinger Landsleute mustergültig organisiert hatte.

Trotz einiger Regenschauer ein großartiges Erlebnis: Oper Carmen in der Arena von Verona.

Trotz einiger Regenschauer ein großartiges Erlebnis: Oper Carmen in der Arena von Verona.

Ein Kleinod am Kaiserstuhl: Kirche St. Michael in Oberrottweil erklärt von Dekan Josef Fischer.

 

Eine schöne Woche erlebten rund 50 Mitglieder bei der großen Jahresexkursion nach Vicenza, Verona und Sirmione am Gardasee mit Standquartier in Montegrotto Terme. Vicenza ist vor allem bekannt durch seine Schmuckwaren und Bekleidungsindustrie und weist eine große Anzahl von Palazzi aus dem 15.–18. Jahrhundert auf, von denen die bekanntesten von Andrea Palladio stammen, dem bedeutendsten Architekten der Renaissance in Oberitalien. Auch das Teatro Olimpico, das erste nachantike freistehende Theatergebäude Europas, ist ein Werk Palladios.

Ein Höhepunkt der Reise war auch der Besuch der Oper Carmen in der Arena von Verona.

Ein Kleinod zwischen Schwarzwald und Bodensee besichtigten 60 Mitglieder am Kaiserstuhl mit Dekan Josef Fischer. Mit ausgezeichnetem Fachwissen und großer Begeisterung zeigte Pfarrer Fischer Kostbarkeiten seiner früheren Wirkungsstätte, den sieben malerischen Dörfern, die sich 1975 auf Grund der Verwaltungsreform zur Großgemeinde Stadt Vogtsburg zusammengeschlossen hatten. Die Kirche St. Michael in Niederrotweil gilt als das älteste erhaltene Gotteshaus der Landschaft am Kaiserstuhl. Neben der besonderen Aufmerksamkeit, die dieser Kirche geschenkt wurde, galt das Interesse auch der Landschaft und den in ihr lebenden Menschen ebenso wie dem Städtchen Burkheim. Auch eine zünftige Weinprobe durfte nicht fehlen.

Auf markanten Spuren von Kurfürsten und Bischöfen bewegten wir uns bei unserer kleinen Exkursion in die alte Residenzstadt Aschaffenburg. Historie, Architektur, Kunst und Kultur vergange- ner Zeiten begegneten uns auf Schritt und Tritt. Beherrscht wird das mittelalterliche Stadtbild vom monumentalen Renaissancebau des Schlosses und der Stiftsbasilika, in der wir mit Matthias Grünewald einem der ganz Großen der deutschen Malerei begegneten, dessen „Beweinung Christi“ zu dessen bedeutendsten Werken gehört. Ein weiteres Juwel der sakralen Kunst ist auch das ottonische Kruzifix aus dem 10. Jahrhundert. Beim Besuch des Pompejanum wurden die Besucher dann ins alte Rom zurückversetzt. Für Entspannung sorgte eine rund 90-minütige Schifffahrt auf dem Main, die die Kulisse Aschaffenburgs noch einmal eindrucksvoll vor Augen führte.

Kleine Jahresexkursion nach Aschaffenburg: Gruppenbild vor der Stiftsbasilika.

 

Ein sakrales Schmuckstück in der Umgebung ist das aufwändig restaurierte Jakobsmünster in Titisee-Neustadt: Altdekan Kurt Müller war wieder einmal sach- und fachkundiger Reiseführer.

 

Am Samstag, 12. September führte Altdekan Kurt Müller durch das aufwändig renovierte St. Jakobsmünster in Titisee-Neustadt und die Klosterkirche in Friedenweiler.

Pfarrer Müller erwies sich wieder einmal als überaus kompetenter Führer und zeigte in beeindruckender Weise, wie gut sakrale Kunst in der näheren Umgebung, im Schwarzwald, vertreten ist und wie viele Parallelen zur heimischen Kirchengeschichte aufzufinden sind.

Werner Echle organisierte in bewährter Weise zusammen mit dem Geschäftsführer der Landesgartenschau GmbH Villingen-Schwenningen, Michael Martin, eine mit großem Zuspruch aufgenommene Führung über das Gelände der Landesgartenschau.

Mit Kurt Müller waren wir zu Gast im Martin- Luther-Haus und hörten und sahen einen hervorragend vorbereiteten, überaus interessanten Lichtbildervortrag über Wallfahrten in der Region. Kurt Müller zeigte uns herrliche Wallfahrtsziele und es gelang ihm in beeindruckender Weise, die Motive der Menschen, sich auf Wallfahrten zu begeben, aufzuzeigen.

Gotthard Glitsch referierte vor vollem Haus im Spitalkeller der Historischen Narrozunft über den Villinger Maler Richard Ackermann, den er als Maler zwischen den Stilen charakterisierte. Glitsch gelang es hervorragend, das künstlerische Werk Ackermanns als noch immer unmittelbar glaubhaft darzustellen.

Münsterpfarrer und Dekan Josef Fischer zelebrierte im Oktober einen Gottesdienst zum Gedenken an die verstorbenen Vereinsmitglieder im Münster, anschließend zeigte er uns den Villinger Münsterschatz.

Nach Redaktionsschluss bestaunten über 50 Mitglieder mit Pfarrer Alfons Weißer die Klosterruine Hirsau und die Aureliuskirche bei Calw. Michael Buhlmann sprach im November über die Zähringer und mit großem Engagement beteiligte sich der Geschichts- und Heimatverein am Weihnachtsmarkt, der nach langer Zeit wieder auf dem Münsterplatz stattfand und dort ein bleiben- des Zuhause finden soll.

Mit dem Besinnlichen Abend klang das Vereinsjahr harmonisch und stilvoll aus.

Auswanderung nach Nordamerika im 19. Jahrhundert an ausgewählten Villinger Beispielen (Ute Schulze)

Im 19. Jahrhundert kehrten viele Menschen der alten Welt den Rücken und suchten ihr Glück in Amerika. Gründe hierfür waren u.a. das Fehlen einer beruflichen und sozialen Perspektive in der Heimat, politische Gründe (z.B. nach 1848/49), Aussicht auf Heirat vor allem für ledige Mütter, Straffälligkeit.

Zur Auswanderung war eine Genehmigung notwendig. Man musste die Staatsbürgerschaft und das Bürgerrecht aufgeben. Hatte man die Erlaubnis nicht vor der Abreise eingeholt, gab es die Möglichkeit, dies nachträglich zu tun. Kam man dem nicht nach, hatte dies gegebenenfalls den Einzug des vorhandenen Vermögens zur Folge. So geschah es beispielsweise im Fall der 1853 unerlaubt ausgewanderten Anna Maria Maier, deren verbliebenes Vermögen 1862 eingezogen wurde.1

Aus Villingen wanderte man ab der Mitte des 19. Jahrhunderts vorzugsweise über Le Havre nach Nordamerika aus. Agenturen boten Passagen an, die die Reisenden am Rhein übernahmen. Von dort ging es nach Köln, von wo aus man per Bahn über Paris nach Le Havre fuhr, oder nach Rotterdam, von dort ging es mit dem Dampfschiff Richtung Le Havre. Die Agentur „Eintracht“ bot zusätzlich die Möglichkeit mit der Eisenbahn über Kehl, Strasbourg und Paris oder über Mannheim, Ludwigshafen und Forbach nach Le Havre zu gelangen. Die Postschiffe verkehrten regelmäßig an festgesetzten Terminen.

Die Überfahrt von Le Havre nach New York dauerte i. d. R. 25–30 Tage auf dem Postschiff. Dabei waren dies häufig noch Segelschiffe.

Die Kosten für die Fahrt Mannheim – Köln – Le Havre – New York betrugen für Erwachsene über 10 Jahren ohne Proviant 66 fl. (Gulden) mit Proviant 85 fl., für Kinder von 6–10 Jahren ohne Proviant 53 fl. mit 72 fl. und für Kinder von 1 bis unter 6 Jahren ohne 52 fl. Mit 62 fl. Die Route Kehl – Strasbourg – Paris – Le Havre – New York kostete für Erwachsene ohne 67 fl. mit 86 fl., Kinder 51 bzw. 70 fl., Kleinkinder 50 bzw. 60 fl.

Pro Passagier rechnete man für die Fahrt Havre – New York: an Nahrungsmitteln 14 Pfd. Zwieback, 14 Pfd. Schinken oder geräuchertes Fleisch, 2 Pfd. Salz, 5 Pfd. Reis, 140 Pfd. Kartoffeln (oder 30 Pfd. Hülsenfrüchte), 5 Pfd. Mehl, 4 Pfd. Butter, 2 l Essig.

Weitere Ausrüstung war pro Person im Hafen zu beschaffen: „1 Strohmatte nebst Kissen, 1 Decke, 1 Paar Bettücher, 1 Kochtopf, 1 Schüssel, 1 Wasserflasche, Teller, Messer, Gabel und Löffel, 1 Waschschüssel, 1 Trinkbecher, 1 Nachttopf“. An Gepäck durfte man mitnehmen: 2 Zentner (Personen über 10 Jahre), 1 Zentner (Personen unter 10 Jahren).2

War man am Hafen angekommen, musste man unmittelbar vor der Einschiffung noch wesentliche Dinge regeln. So hatte man sich im Hafen zunächst einmal bei dem für die Befrachtung des Schiffes zuständigen Expedienten (Reiseagent) melden, hier erhielt man auch Auskunft über den voraussichtlichen Zeitpunkt der Reise. Die Vertragseinhaltung des Agenten wurde von den Passagieren quittiert:

„Havre, den 19. April 1854. Herrn Eduard Reef in Wolfach! Wir unterzeichneten Auswanderer aus den Aemtern Wolfach, Waldkirch, Villingen (Großherzogthum Baden) und Schramberg (Königreich Württemberg), bezeugen hiermit, daß wir mit dem Akkord, welchen wir mit Ihnen abgeschlossen haben, auf das vollkommenste zufrieden sind. Unser Vertrag wurde in allen Theilen auf ’s Gewissenhafteste erfüllt.“3

 

 

 

 

 

Die Agenten wandten sich vor allem an die Gemeinden. Diese stellten häufig finanzielle Hilfen bzw. zahlten die Kosten ganz. Letzteres erfolgte v.a. bei Personen, die man aus dem eigenen Gemeinwesen entfernen wollte (z.B. Straffällige oder sozial Schwache). Dies wird z.B. in einem Schreiben der Regierung des Seekreises in Konstanz an die Bezirksämter vom 25. Januar 1850 deutlich. Darin wird die Unterstützung von Auswanderern mit einer Summe von 100 Gulden pro Kopf als Chance dargestellt, „wodurch sich die Gemeinden armer arbeitsfähiger Leute entledigen können“. Daraus geht indirekt auch hervor, dass ein Überangebot an Arbeitskräften bestand, weswegen „Arme“ der Gemeinde zur Last fallen würden. Dieses Reskript berichtet auch von der Deutschen Gesellschaft in New York, die sich dort um die Einwanderer kümmerte. Die Information sollte aber nicht über das amtliche Verkündigungsblatt an die interessierten Gemeinden gegeben werden sondern „intern“, was wiederum den Wunsch nach Diskretion gegenüber der Öffentlichkeit ausdrückt.4

In Villingen hatte man eine Kommission gegründet, die die Bedürftigkeit der Antragsteller auf Unterstützung überprüfte. Ein Gutachten von 1851 z.B. kam zu dem Schluss, dass die meisten der Antragsteller selbst nicht genügend Mittel hätten oder sie sich verschaffen könnten, um aus eigener Kraft die Auswanderung bezahlen zu können. Man schlug daher 12 Familien mit insgesamt 31 Personen (16 Erwachsene, 15 Kinder) vor, die dabei unterstützt werden sollten. Zu den 8 Parteien, die nicht für die Auswanderung vorgesehen wurden, gehörte Franz Wittmann, Uhrmacher, mit Frau und 4 Töchtern (1/2 – 5 Jahre alt). Dieser hatte in seinem Antrag geschrieben: dass er aufgrund der schlechten Berufslage als Uhrmacher der Stadt früher oder später zur Last fallen würde, „auch liegt es in der Möglichkeit, da Bittsteller und seine Frau ein jedes erst 30 Jahre alt ist, daß sich ihre Kinderzahl noch vermehre und somit die Last für die Gemeindekasse sich steigere“.5

Bei der Kostenübernahme für ledige Mütter spielte eine Rolle, ob diese eventuell über eigene Mittel verfügten oder die Familie helfen konnte oder nicht. So entschied der Gemeinderat für die 39-jährige Anna Konstanzer 1856, ihr 50 Gulden zur Auswanderung mit ihrem Kind nach Pennsylvania zu gewähren. In den Staaten wollte sie den Vater ihrer unehelichen 21 Monate alten Tochter Maria Anna heiraten. Der Mann, Uhrmacher Benedikt Feuerstein aus Nußbach, hatte dort eine Werkstatt eröffnet. Dem Paar war es weder in ihrer noch in seiner Heimatgemeinde gelungen, das Bürgerrecht zu erlangen, was wiederum zur Etablierung eines Geschäfts nötig gewesen wäre. Ausschlaggebend für den positiven Bescheid der Stadt Villingen war die Überlegung, dass man die Tochter andernfalls bis zu ihrem zwölften Lebensjahr mit 26 Gulden jährlich hätte unterstützen müssen.

Manchmal wurde auch erwogen, Kinder eventuell nicht mit in die neue Welt zu nehmen. Dies war 1862 im Fall der Karoline Waßmer so. In ihrem Gesuch schrieb sie, die beiden Kinder Josef (Jahrgang 1859) und Theresia (geb. 1861) sollten bei „ordentlichen Leuten in Verpflegung und Erziehung gegeben werden“, würde die Stadt ihr keine Unterstützung gewähren, so dass sie die entsprechenden Nahrungsmittel für die Kleinkinder während der Überfahrt bestreiten könnte. Karoline Waßmer erhielt die nötige Unterstützung zur Auswanderung durch die Kommune. Sicher war auch ein Grund dafür, die Fürsorge für die Kinder schnell und kostengünstig zu lösen. Außerdem hatte die Antragstellerin für ihre eigene Ausrüstung Hilfe von ihrer Schwester in Aussicht.

Auch entlassene Strafgefangene ließ man gern ziehen. Sie hatten kaum eine Chance wieder ein Auskommen zu finden. So schilderte es auch Ernst Otto Schilling, der wegen Diebstahls 6 Monate inhaftiert war. Auch hier übernahm die Stadt Villingen einen Anteil von 50 Gulden an den Kosten.6

Ein weiterer Auswanderungsgrund konnten politische Aktivitäten sein. Im Fall des ehemaligen Lehrers Karl Huber aus Villingen kam noch hinzu, dass er und seine Frau kein Bürgerrecht besaßen.7

Der Lehrer hatte sich nirgends als Bürger eingekauft. Da Huber 1845 zum Zeitpunkt der Heirat mit Magdalena Hils im Schuldienst war, hätte er am Ort Bürgerrecht beantragen können und müssen. Die Stadt Villingen bescheinigte darüber hinaus, dass Huber nicht heiratsberechtigt gewesen sei. Trotzdem wollte man die Auswanderung finanziell unterstützen, sollte sich auch die Heimatgemeinde seiner Ehefrau (Kappel am Rhein) beteiligen. Es folgte ein reger Schriftverkehr über eine Kostenübernahme. Schlussendlich bewilligte die Stadt Villingen für Huber und seine Familie 200 Gulden. Wie war es aber überhaupt zu der verfahrenen Situation gekommen?

Auswanderung Villingen 1870-1899

 

Karl Huber war 1849 aus dem Schuldienst entlassen worden, weil er sich an der Revolution 1848/49 beteiligt hatte und sich zeitweise in die Schweiz verfügt hatte, während seine Frau mit den Kindern in ihrem Heimatort war. 1851 übte er also seinen Beruf nicht mehr aus und hielt sich und die Familie mit Klavierstimmen und Klavierreparaturen über Wasser. Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie waren schlecht, der Mietzins für die Wohnung in Villingen blieb unbezahlt und wurde von der Stadt beglichen. Auch für Kleidung und Ausrüstung zur Auswanderung besaßen sie kein eigenes Geld. So blieb ihnen quasi nur noch der Neuanfang in Amerika.

Insgesamt ist abschließend noch zu sagen, dass Nordamerika spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts das Auswanderungsland Nummer eins war. Von 1846 bis 1870 waren es noch 98 Personen gewesen, die es dorthin zog. Eine Statistik der Jahre 1870 bis 1899 zeigt, dass in diesem Zeitraum 101 Menschen dorthin abwanderten. Für die Schweiz gibt es 14 Nennungen, Österreich und England folgen mit je zwei. Außerdem ging 1882 der 18- jährige Wilhelm Oberle nach Oran in Algerien, ein Jahr später der Kaufmann Gustav Ummenhofer nach Südafrika.8

1 SAVS Best. 2.2 Nr. 6843.

2 SAVS Best. 2.2 Nr. 6842.

3 Herbert Beha: Auswanderung seit dem Auswanderung seit dem 18. Jahrhundert, in: Obereschach. Geschichte und Gegenwart, Villingen-Schwenningen: Kuhn, 1997 (Schriftenreihe der Stadt Villingen-Schwenningen, Bd. 7), S. 52 und 55.

4 SAVS Best. 2.2 Nr. 6842.

5 SAVS Best. 2.2 Nr. 6841.

6 SAVS Best. 2.2 Nr. 6843.

7 SAVS Best. 2.2 Nr. 3700.

8 SAVS Best. 2.2 Nr. 6844.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Pulverdampf und Bläserklang (Doris Feld)

200 Jahre Stadt- und Bürgerwehrmusik und Historische Bürgerwehr

Im Jahre 1810 wurde die 1774 entstandene Bürgermiliz aufgelöst und durch ein Bürgermilitär ersetzt, dem eine Musik angegliedert war. Es handelte sich um ein freiwilliges Militärcorps mit einer Grenadierkompanie, einem Füsiliercorps und einem Kavalleriecorps mit Musikkapelle. Die Geschichte der Historischen Bürgerwehr und der Stadt- und Bürgerwehrmusik ist auch ein Stück Stadtgeschichte von Villingen. Zusammen mit der Historischen Narrenzunft, der sie eng verbunden sind, sind sie die ältesten „Vereine“ der Stadt, die Tradition und Brauchtum pflegen, dabei mit beiden Beinen in der Gegenwart stehend, ohne die Zukunft mit ihren Aufgaben, wie die Einbindung und Ausbildung unserer Jugend, zu vernachlässigen. Darüber hinaus repräsentieren diese altehrwürdigen Institutionen die Stadt auf hervorragende Weise im In- und Ausland. Dass Geschichte lebendig bleibt, ist eine der wichtigen Aufgaben, der wir uns stellen. Bereits seit 2007 laufen hinter den „Kulissen“ die Vorbereitungen für das Jahr 2010. Eröffnet wird das Jubiläumsjahr im Januar mit einem Konzert des erstklassigen Jugend-Landesblasorchesters Baden-Württemberg. Ende März wird eine Sonderausstellung Exponate der Bürgerwehr und Stadtmusik Villingen im Franziskaner- Museum zeigen. Am 24. April 2010 findet der große Festakt im Franziskaner-Konzerthaus statt, dem sich am 25. April ein feierlicher Gottesdienst im Münster mit Bürgerwehren und Trachtengruppen anschließt. Die Stadt- und Bürgerwehrmusik zählt zu den ältesten Orchestern im süddeutschen Raum, weshalb sie im Mai Wertungsspiele für hochkarätige Blasmusikorchester ausrichten wird. Höhepunkt des Festjahres wird sicherlich das Zähringerfest sein, zu welchem über 3000 Teilnehmer von Bürgerwehren, Trachtengruppen und Musikkapellen aus Deutschland und der Schweiz erwartet werden. Viele Bürgerinnen und Bürger werden sich noch an das Zähringerfest im Jahre 1978 erinnern. Es war eines der schönsten – wenn nicht das schönste Stadtfest der Vergangenheit. Zusammen mit den großen Vereinen aus Sport und Kultur starten wir eine Neuauflage. Die gesamte Vorbereitung und Durchführung dieses Ereignisses wird von diesen Vereinen ehrenamtlich geschultert. Mit dem traditionellen Jahreskonzert und einem Sonderkonzert für alle Sponsoren klingt das Festjahr im November aus. Zu all diesen Veranstaltungen ist die Bevölkerung herzlich eingeladen. Unter dem Titel „Pulverdampf und Bläserklang“ erscheint im November 2009 das große Festbuch zum Jubiläum zusammen mit einer CD, die einen Querschnitt des musikalischen Könnens von Großem Orchester und Spielmannszug – einschließlich des Großen Zapfenstreichs – widerspiegelt. Ein Geschenktip für alle geschichtlich und musikalisch interessierten Bürgerinnen und Bürger, die dieses 200jährige Jubiläum hoffentlich auch ein wenig mit Stolz erfüllt.

 

 

 

 

 


Zurück in geweihter Erde: Verschollene Gebeine aus dem Münsterboden wieder aufgetaucht und beigesetzt. (Redaktion )

Die archäologischen Grabungen im Villinger Münster 1978/79 erbrachten den Hinweis auf 494 Bestattungen, die allerdings über die Jahrhunderte hinweg durch Mehrfachbelegungen der Grablegen vielfach gestört wurden. Sie wurden damals von einem Fachmann anthropologisch und auf paläopathologische Spuren untersucht. Die Gebeine wurden danach zwar an verschiedenen Orten gelagert, mußten aber inzwischen als verschollen gelten, wie der Geschichts- und Heimatverein in seiner Jahresbroschüre XXXI/2008 festgestellt hat. Im November 2008, also nach fast 30 Jahren, wurde zu aller Überraschung ein Teilverbleib einer ersten Ladung von 17 Kisten bekannt. Sie waren von einer Privatperson jahrelang auf einem Dorf bei Villingen bei einem Landwirt gelagert worden und tauchten danach aktuell in Nordstetten auf. Im Januar 2009 wurde der Verbleib weiterer 9 Kisten an einem anderen Standort bekannt. Sie waren dort seit rund 10 Jahren deponiert. Die Kisten waren als Sonderanfertigung rund 1,5 m lang und hatten eine Basis von rund 60 mal 40 cm. Jetzt wurden das Städtische Friedhofsamt, das Stadtarchiv, der Geschichts- und Heimatverein und die Münsterpfarrei aktiv. Allen war es ein Anliegen, dass die Gebeine, sittlicher und religiöser Norm folgend, wiederum christlich eingesegnet, geweihter Erde übergeben werden sollten. Das Referat Denkmalpflege im Regierungspräsidium Freiburg erklärte sein Einverständnis zu einer pietätvollen Sekundärbestattung in geweihter Erde. Das Grünflächen- und Umweltamt leistete dazu aufwändige und wertvolle logistische Arbeit. Auf dem Villinger Friedhof wurde eine rund 25 qm messende Grube ausgehoben, um für die 26 Kisten mit den Gebeinen einstmaliger Bürger Platz zu schaffen. Es erfolgte die Umbettung und am 22. Januar 2009 die priesterliche Einsegnung durch den Münsterpfarrer und Dekan Josef Fischer. Eine entsprechende Grabplatte wird das Gedenken bewahren und so mögen die Gebeine ihre endgültige Ruhe finden.

Foto: Dr. Heinrich Maulhardt

Villingen-Schwenningen –Eine Filmreise in die Vergangenheit (Heinrich Maulhardt)

Unter diesem Titel präsentiert das Stadtarchiv Villingen-Schwenningen ab November 2009 eine unterhaltsame Filmchronik zur Stadtgeschichte. Für diese Filmreise sind zahlreiche unbekannte oder in Vergessenheit geratene Filmschätze zusammengefügt worden. In 45 Minuten spannt sie den Bogen von den 1920er Jahren bis in die Gegenwart und berichtet auf unterhaltsame Weise über große und kleine Ereignisse der Stadtgeschichte, Freizeit und Privates, Produkte und Prominente, gute und schlechte Zeiten der Städte Villingen, Schwenningen und Villingen-Schwenningen.

Produziert wurde die Film reise vom Haus des Dokumentarfilms, Stuttgart, im Auftrag des Stadtarchivs Villingen-Schwenningen, das das Projekt beratend begleitet hat. Filmautor ist der frühere Kulturchef des SDRFernsehens Manfred Naegele.

Die unterhaltsame Film dokumentation richtet sich an alle, die sich für Villingen-Schwenningen interessieren, junge und ältere Einwohner, Zugewanderte und Ausgewanderte, städtische Urgesteine und Neubürger. Sie ist auch als DVD mit drei Sprachfassungen – Deutsch, Englisch, Französisch – für 14,95 Euro ab Mitte November 2009 erhältlich.

Kontakt: Stadtarchiv Lantwattenstr. 4

78050 Villingen-Schwenningen

Tel.: 07721-821814

Fax: 07721-821817

stadtarchiv@villingen-schwenningen.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Agenda 200 Jahre Stadt- und Bürgerwehrmusik

9. Januar 2010     Konzert Jugend-Landesblasorchester Neue Tonhalle

 

26. März bis 25. April     Ausstellung Franziskaner Museum Bürgerwehr und Stadt- und Bürgerwehrmusik

 

24. April 2010     Festakt im Franziskaner-Konzerthaus Stadt- und Bürgerwehrmusik und Bürgerwehr evtl. mit Ausstellung

 

1. und 2. Mai 2010     Musikwettbewerb für Höchststufen-Orchester in der Tonhalle Villingen

 

25. bis 27. Juni 2010     200 Jahre Bürgerwehr und Stadt- und Bürgerwehrmusik mit den gr. Vereinen In der Villinger Innenstadt-Festmeile, Gottesdienst im Münster am 27.6., Zähringer-Treffen etc.

 

12. November 2010     Sponsorenkonzert im Franziskaner-Konzerthaus

 

13. November 2010     Jahreskonzert im Franziskaner-Konzerthaus, Abschlußveranstaltung

 

 


 


Stadtarchiv erwirbt Erstausgabe des Bäderbüchleins von Dr. Georgius Pictorius (Heinrich Maulhardt)

Das Stadtarchiv konnte 2009 ein wertvolles Werk des gebürtigen Villingers Dr. Georgius Pictorius aus dem Jahre 1560 erwerben. Es ist damit das fünfte Buch des Autors, das sich in der umfangreichen Fachbibliothek des Stadtarchivs befindet (siehe: www.villingen-schwenningen.de/ Wissenschaftliche-Spezialbibli.2947.0.html). Er behandelt darin in neun Kapiteln ausführlich allgemeine Badevorschriften und im 10. Kapitel beschreibt er einzelne Bäder, darunter das „Neuenbad“ in Villingen, das Bad im benachbarten Schwenningen aber auch heutige Kurorte mit Weltruf wie Baden-Baden, Bad Ems und Wiesbaden sind darunter. Anschließend gibt er medizinische Ratschläge und Indikationen, worunter sich mehrere arabische Mediziner als Autoritäten finden, die er zitiert. Das erworbene Exemplar stammt aus der Bibliothek des bedeutenden Botanikers und Arztes Christoph Jacob Trew (1696-1769), dessen gestochenes Exlibris sich auf der Rückseite des Titelblattes befindet. Trew übergab seine mit 34 000 Bänden wohl umfangreichste naturkundliche Bibliothek jener Zeit 1768 der Universität Altdorf, die 1809 aufgelöst wurde. Es sind weltweit nur 10 Exemplare der Erstausgabe des Buches im Internet nachgewiesen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Georg Maler erblickte der Autor in Villingen um 1500 das Licht der Welt, besuchte die Klosterschule der Franziskaner und ging als 19- Jähriger an die Universität nach Freiburg. Dort studierte er „Artes liberales“, promovierte in Medizin und führte dann auch seinen latinisierten Namen Dr. Georgius Pictorius. 1540 wurde er von der vorderösterreichischen Regierung in Ensisheim zum obersten Sanitätsbeamten bestellt. Er war ein umfassend gebildeter Mensch seiner Zeit, kannte die Schriften des Hippokrates oder Galens und wie das Literaturverzeichnis im Buch nachweist alle Badefachleute der Antike und des Mittelalters. Von seinen zahlreichen wissenschaftlichen Schriften, die in Latein verfasst sind, hat Pictorius mit dem Bäderbüchlein einen Führer für das breite Publikum auf Deutsch geschrieben. Besonders hebt Pictorius sein Heimatbad, das neue Bad in Villingen hervor:

Georgius Pictorius, Baderbüchlin. Mühlhausen, 1560, Blatt 31.

„Es quillt bei der Stadt Villingen ein recht nützlicher Brunnen mit Namen Neubad; obwohl das Wasser Schwefel mit Alaun enthält, ist es doch nicht warm, sondern man muss es anwärmen; die Ursache dafür ist, dass die Minera, über die das Wasser fließt, so weit von seiner Quelle entfernt sind; es fließt nämlich unter dem Erdreich eines Berges, der hier Haubenloch heißt, hindurch.

Das Wasser mit seinem Schwefel hilft, wie Galen lehrt, die müden Glieder zu stärken; dann trocknet es die Feuchte der Nerven, nützt der Leber, der Milz und dem Magen, beseitigt alle Unreinheiten der Haut, vertreibt den Krampf, macht recht durstig, aber gute Gesellen helfen dagegen. Diesem Bad zuliebe sollte mancher weit herkommen, zudem die Verpflegung so überreich ist, dass einem die Wahl plagt, ob man Fisch, Fleisch oder Wildbret essen soll. Und obwohl hier kein Wein wächst, so trinkt man doch den besten und es bleibt nicht bei einem. Das Wirtshaus, das dem Bad am nächsten liegt, heißt ‚Zu der Mohrin‘; mit diesen Worten ruft der Wirt seinen Gast:

Komm‘ besser hier herein, Gast, etwas anderes zu suchen bringt nichts, hier schläft man gut, isst gut und trinkt gut.“ (Badenfahrtbüchlein. Nachdruck des Werkes von D. Georgius Pictorius aus dem Jahre 1560. Freiburg 1980, S. 75–76).

Pictorius wirbt vollmundig für das Bad seiner Heimatstadt wie es heute ein Marketingexperte kaum besser machen könnte. Er hat wohl selbst darin gebadet und ist überzeugt von der Qualität des Wassers. Über die angebliche Heilkraft des Wassers und die Ansichten Pictorius hat Werner Huger im Jahresheft IX (1984, S. 21-28) einen größeren Aufsatz geschrieben und herausgefunden, dass das Wasser vom Hubenloch „aus heutiger Sicht als mineralarm und für heutige Zwecke bedeutungslos bezeichnet werden“ kann. Die Quelle lokalisiert er auf dem Gelände der heutigen Industrie- und Handelskammer.

Mit dem Bäderbüchlein hat Pictorius seinen Zeitgenossen eine Anleitung zum rechten Gebrauch der Heilbäder gegeben und zugleich als Führer zu den beliebten Badeorten seine Heimatstadt Villingen überregional bekannt gemacht.

 

 

 

 

 

 


Die Klosterringschule, eine Grundschule mit Montessorizug, stellt sich vor (Heidemarie WeißerAnja Ruf)

„Hilf mir es selbst zu tun“

 

 

 

 

 

Die Klosterringschule liegt seit vielen Jahrzehnten am Rande der Innenstadt an der Stadtmauer. Wer sich mit der Geschichte der Frauen- und Mädchenbildung in Villingen beschäftigt, stößt ganz schnell auf die Klosterringschule.

Die gemeinsamen Wurzeln mit den privaten Schulen St. Ursula begannen im Jahr 1778, bzw. 1782 und reichen weit bis in das letzte Jahrhundert hinein. Die Klosterringschule war als „Maidleschule“ bekannt. Dieses Kapitel wurde im Jahr 1968 beendet. Danach war sie eine große Grund- und Hauptschule mit Mädchen und Jungen.

Am Ende des Schuljahres 2008/09 wurde die Hauptschule geschlossen, weil zu wenig Schüler die Hauptschule in der Innenstadt besuchten. Die Schüler durften sich eine der drei anderen Hauptschulen in Villingen auswählen. Der Abschied fiel allen ziemlich schwer, als das Schuljahr mit dem üblichen Gottesdienst in der Johanneskirche endete.

Die Gründe, die zu dem Rückgang der Schülerzahlen führten waren vielfältig. Zum einen war es die Umstrukturierung der Bevölkerung in der Innenstadt durch die Renovierung der alten wunderschönen Häuser und dem Schaffen neuer hochwertiger Wohnungen. Zum anderen war es der überall stattfindende Geburtenrückgang, den man allgemein beobachten kann. Außerdem wählten viele Hautschuleltern früher als erwartet die Ganztagsschule.

Wir machten uns also schon vor etlichen Jahren viele Gedanken. Wenn wir uns schon nicht zu einer Ganztagsschule entwickeln durften, suchten wir nach einem Profil, das Eltern verstärkt ermutigen sollte, ihre Kinder unserer Schule anzuvertrauen. Unsere zusätzlichen Angebote waren und sind:

– Wir sind ein LRS-Stützpunkt, d.h. Schüler die eine Lese- bzw. Rechtschreibschwäche haben, erhalten zusätzliche Förderung.

– Der Umgang mit Computern wird ab Klasse 1 eingeübt. In jedem Klassenzimmer steht mindesten ein Computer und wir nutzen einen PC- Raum mit 10 Arbeitsplätzen.

– Wir kooperieren mit der Stadtbibliothek und legen großen Wert auf den Erwerb der Sprach- und Lesekompetenz z.B. durch gemeinsame Vorleseprojekte.

– Die Sozialkompetenz verstärken wir durch Übernahme von Verantwortung im Schulhaus, auf dem Schulhof und im Schulgebäude. Außerdem wählen die Schüler ab Klasse 2 ihre Klassensprecher. Regelmäßig wird der Klassenrat einberufen und mehrmals trifft sich die Schulversammlung um Themen zu besprechen, die die Schulgemeinschaft betreffen.

– Unser Musikprofil beinhaltet

ab Ende Klasse 1 und das komplette 2. Schuljahr hindurch Blockflötenunterricht.

Im 3. und 4. Schuljahr spielen die Schüler, je nach Jahrgang entweder 2 Jahre Klavier oder Geige verbunden mit E-Gitarre.

Dies ist nur möglich durch unsere Kooperationspartner:

die Musikhochschule Trossingen mit Frau Gabriele Schatz-Schempp,

die Musikakademie Villingen-Schwenningen mit Frau Cornelia Plantard

die Stadtharmonie Villingen mit Frau Elisabeth Klingele.

– Wir versuchen mehr Bewegung in den Schulalltag zu bringen durch zwei große Pausen mit Bewegungsspielen und Spielgeräten auf dem Pausenhof und durch die Verteilung des Sportunterrichts während der Unterrichtswoche.

– Wir unterstützen bewusste und gesunde Ernährung durch gemeinsames Frühstücken vor oder nach der großen Pause.

– Naturwissenschaftliche Experimente, Unterrichtsgänge, klassenübergreifende Projekte sollen bei den Kindern Interesse für den naturwissenschaftlichen und den kulturellen Bereich wecken.

– Ein Grundschulchor trifft sich regelmäßig und bereichert alle schulischen Veranstaltungen.

– Wir bieten Betreuungsangebote an:

Im Rahmen der verlässlichen Grundschule von 7.30 Uhr bis 13.00 Uhr, die Hausaufgabenbetreuung der Stadt VS in unserem Gebäude von 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Seit dem letzten Schuljahr können die Schüler auch ein Mittagessen mit Betreuung bei der AWO einnehmen.

Alle diese Angebote waren uns aber noch nicht genug. Bei einer Prüfung, die ich abnehmen musste, besuchte ich die GHS in Tuttlingen-Nendingen. Diese Schule bot bereits Unterricht nach Maria Montessori in der Grundschule an und wollte diese Lernform auch auf die Hauptschule ausdehnen.

Diese Art des Lernens faszinierte mich. In der Bundesrepublik gab es bereits 2002 950 schulische und vorschulische Montessori-Einrichtungen, davon 250 Grundschulen, aber keine einzige im Schwarzwald-Baar-Kreis. Und so war die Idee geboren, am Klosterring nach Maria Montessori zu unterrichten.

Wer war Maria Montessori?

Am 31. August 1870 wird Maria Montessori als einziges Kind des Finanzbeamten Alessandro Montessori (1832–1915) und seiner aus einer Gutsbesitzerfamilie stammenden Frau Renaldi, geb. Stoppani (1848–1912) in Chiaravalle bei Ancona/Italien geboren.

Sie besucht die sechsjährige Grundschule und danach die naturwissenschaftlich-technische Sekundarschule. Zuerst studiert sie von 1890 bis 1892 Naturwissenschaften und anschließend gegen den Willen ihres Vaters und als erste Frau in Italien Medizin (1892–1896). Sie absolviert dieses Studium und promoviert.

Nach einem Schlüsselerlebnis bei Kindern von Patientinnen in einer psychiatrischen Klinik entwickelt sie ein didaktisches Material nach den Franzosen Itard und Seguin.

Nach der Geburt ihres Sohnes Mario, den sie in die Hände einer Amme gibt, studiert sie Pädagogik und Anthropologie. Ab 1899 übernimmt sie eine Dozentur am Ausbildungsinstitut für Lehrerinnen im Rom. Dort wird unter ihrer Anleitung ihre Methodik zur Erziehung und Unterricht vermittelt.

Die Grundelemente ihrer Pädagogik werden zuerst mit geistig behinderten Kindern durchgeführt. Dann werden ihre Erkenntnisse bei Kindern aus einem eher sozial schwachen Milieu überprüft und angewendet. Die überraschenden pädagogischen Erfolge führen dazu, dass bald das „vornehme Rom“ Einrichtungen dieser Art für seine Kinder fordert. Kinderhäuser nach Montessori „case dei bambini“ werden eingerichtet.

Maria Montessori gibt 1911 ihre Arztpraxis auf. Sie widmet sich der internationalen Verbreitung ihrer Pädagogik. Es werden auf der ganzen Welt immer mehr Montessori-Schulen und Montessori- Kinderhäuser gegründet.

Sie wohnt eine zeitlang in Barcelona. Von dort muss sie 1936 fliehen. Das Franco-Regime ist gegen diese freiheitliche Erziehung von Kindern. Sie zieht nach Amsterdam. Dort, wo totalitäres Denken, sei es faschistisch, sei es kommunistisch vorherrscht, werden Montessori-Einrichtungen verboten und zerstört.

1939 verlässt sie Europa und lebt bis 1946 in Indien – während des 2. Weltkrieges wird sie mit ihrem Sohn von den Engländern als Italienerin interniert.

Dann lebt sie einige Zeit in den Niederlanden, wo sie überraschend am 6. Mai1952 in Nordvijk aan Zee stirbt.

Grundelemente der Montessori-Pädogogik

„Hilf mir es selbst zu tun“

1.Die sensiblen Phasen

– Wenn ein Kind in die Schule kommt, ist seine soziale Kompetenz bereits entwickelt. Das Kind ist ein aktives Wesen, das seine Fähigkeiten nur im Austausch mit anderen, ihm vertrauten Menschen und mit seiner Umwelt erwirbt.

– Montessori versteht unter sensiblen Phasen bestimmte Zeitkorridore für das Erlernen bestimmter grundlegender Fähigkeiten, d. h. das Kind ist besonders empfindlich für bestimmte Dinge. Es sind Perioden gesteigerter Aufnahmefähigkeit. Sie sind von vorübergehender Dauer. Daraus ergibt sich leider auch die Wahrheit des Spruches: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ In neurobiologischer Hinsicht wurde der Wahrheitsgehalt dieser Volksweisheit und der Beobachtung Maria Montessori auf vielfache Weise bestätigt.

– In der Entwicklung des Kleinkindes von 0 bis ca. 6 Jahre lassen sich gut beobachten

< die Sensibilität für Bewegung und Sinneseindrücken verbunden mit dem Verlangen, seinen Willen in Taten umzusetzen.

< die Sensibilität für Ordnung und Suchen nach Orientierung

< die Sensibilität für den Erwerb der Sprache und die Anpassung an den geistigen Lebensraum, der durch die Sprache erzeugt wird.

– Diese Phasen werden und müssen besonders im Elternhaus und dann eventuell später in einem „Kinderhaus“ (Kindergarten) beachtet werden.

– In der Schule, also im Alter des Kindes ab ca. 6 Jahren bis zur Pubertät, kommen weitere sensible Phasen hinzu.

< das Bedürfnis nach Erweiterung des Aktionskreises

< das Bedürfnis, die Vorstellungskraft zu üben, Kulturtechniken zu erwerben und Naturphänomene zu erforschen.

< das Bedürfnis nach Orientierung in moralischen und sozialen Fragen.

– Eine Schule nach Montessori beinhaltet einen internationalen Standard, d. h. alle Montessori- Schulen auf der ganzen Welt sind sich sowohlvom verwendeten Unterrichtsmaterial als auch von der Art des Unterrichtens sehr ähnlich.

2.Die Polarisation der Aufmerksamkeit – Konzentration

– Darunter versteht Montessori die Bündelung aller leib-seelischen Kräfte, die dazu führt, dass man sich selbstvergessen in eine Arbeit versenkt. Schon kleine Kinder können sich in dieser Weise konzentrieren. Erstmalig beobachtete sie dies in ihrem ersten Kinderhaus in San Lorenzo in Rom. Ein Mädchen wiederholte die Übung mit den sogenannten „Holzblockzylindern“ viele Male und war dabei über einen längeren Zeitraum so versunken in ihre Tätigkeit, das es Ablenkungsmanöver nicht bemerkte und sich durch nichts stören ließ. Ohne erkennbaren äußeren Grund beendete das Kind dann seine Handlung und wirkte anschließend glücklich und ausgeglichen.

– Aktives Verstehen wird als Stärkung der Persönlichkeit und als Kraftzuwachs erlebt. „Es geht mir ein Licht auf!“ Mit dem vertieften Verständnis einer Sache erschließt sich ein Stück Lebenswirklichkeit.

3.Die vorbereitete Umgebung

– Es ist in der heutigen Pädagogik außer Freiarbeit einer der am häufigsten zitierten und verwendeten Begriffe ohne der Angabe der Herkunft von Montessori.

– Es sind drei Aspekte wichtig.

< die entspannte Lernumgebung, in der sich das Kind wohlfühlen und selbständig arbeiten kann

< die Bereitstellung von entwicklungsangemessenem Material

< die Lehrerpersönlichkeit als Gesprächspartner, Former und Pfleger der vorbereiteten Umgebung

– Zur vorbereiteten Umgebung gehört das gesamte nach pädagogisch-psychologischen Gesichtspunkten arrangierte Inventar und das didaktische Material. Alle Arbeitsmaterialien sind für alle Kinder offen zugänglich.

– Die Schule soll nach Montessori der Ort sein wo das Kind seine Freiheit erlebt.

– Sie sieht in dem Zueinander von Umgebung, die zu einem freien selbstverantworteten Handeln auffordert und als solche vorbereitet sein muss, und der Würde des Kindes einen eindeutigen Zusammenhang.

– Zusammengehören vorbereitete Umgebung, Freiheit, Disziplin und Ordnung.

– Vorbereitete Umgebung bietet dem Kind Gestaltungsspielraum für den Umgang mit anderen Menschen, mit Gegenständen, mit sich selbst. Die Grenzen des Gestaltungsspielraumes sind die Bedürfnisse der anderen Menschen.

– Ordnung schafft Zuverlässigkeit – Zuverlässigkeit schafft Sicherheit – Sicherheit ermöglicht die verantwortliche Wahrnehmung der Angebote.

– Für die Einrichtung des Klassenzimmers bedeutet das, dass die Montessori-Materialien und die anderen Unterrichtsmaterialien geordnet sind nach Bereichen und nach Schwierigkeiten. Die Kinder werden in die Ordnung eingeführt und halten sich daran auch beim Aufräumen.

– „Diene der Ordnung, so dient die Ordnung Dir!“ Was Augustinus formulierte gilt als Unterrichtsprinzip für die Montessori-Klassen.

4.Das Arbeitsmaterial nach Maria Montessori

– Ein Teil der vorbereiteten Umgebung sind die methodischen und pädagogischen Materialien. Sie bestehen aus dem geordneten Angebot der Dinge, die für die Bewältigung des täglichen Lebens notwendig sind, aus Entwicklungsmaterialien für die Sinne, Sprachmaterial, mathematischem Material, Material zur kosmischen Erziehung, an Anregungsmaterialien für musisches Tun und Erleben. Eigenmaterialien der Lehrkraft für bestimmte Themen ergänzen das Lernangebot. Montessori bezeichnet ihr Arbeitsmaterial als „Entwicklungsmaterial“ mit dessen Hilfe das Kind seine geistigen Energien entwickeln kann. Gleichzeitig beeinflusst es die Kinder zum selbständigen Lernen und regt zur Aktivität an.

< Es hat einen hohen Aufforderungscharakter, ist qualitativ hochwertig und solide verarbeitet, gleiches gilt für die verarbeiteten Rohstoffe.

< Es ist in seinen verschiedenen Bereichen logisch und schlüssig aufgebaut.

– Das Material muss außerdem

< dem kindlichen Verständnis angepasst sein

< den Forschungstrieb befriedigen,

< die Vorstellungskraft des Kindes entwickeln,

< über das Studium des Details eine Vision des Ganzen vermitteln,

< zu geistiger Disziplin und zu geordneten Kenntnissen führen,

< eine selbständige Fehlerkontrolle ermöglichen.

– Die Einführung eines für das Kind neuen Materials erfolgt gewöhnlich als „Einzellektion“, d. h. die Lehrerin setzt sich daneben und erklärt ihm mit Worten und Handlung, wie das Material zu handhaben ist. Dies benötigt Ruhe und Zeit. Jedes Material ist in der Regel nur einmal vorhanden.

5.Die Freiarbeit

– Der zentrale Begriff der Montessori Pädagogik ist die Freiarbeit. Sie beginnt im Kinderhaus (Kindergarten), eigentlich schon früher im Elternhaus bzw. in der Frühbetreuung. Sie ist für sie eine grundlegende Lernform, die die unterschiedlichen Fähigkeiten und Interessen durch weitgehende Individualisierung fördert. Arbeit ist für sie vor allem Arbeit an sich selbst, als ein elementares Bedürfnis des Menschen. In diesem Sinne bezeichnen wir es heute als Selbstverwirklichung.

– Die Freiarbeit wird durch gebundenen Unterricht in bestimmten Fächern (bei uns Englisch, Musik, Kunst, Sport und Religion) ergänzt.

– In der „vorbereiteten Umgebung“ haben die Kinder einen relativ großen Freiheitsspielraum. Jedes Kind kann wählen

< was und womit es sich beschäftigen will,

< an welchem Platz es arbeiten will,

< mit wem es arbeiten will

< wie lange es an einer Sache arbeiten will.

– Dabei sind natürlich Regeln einzuhalten. Die Kinder müssen sich verständigen, wer mit welchem Material wann arbeiten darf und niemand darf bei seiner Arbeit gestört werden.

– Die Schüler lernen dabei

< sich selbst einzuschätzen

< ihre Zeit einzuteilen

< ihren eigenen Lernstil zu finden

< Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen.

– Der Schweizer Psychologe Jean Piaget hat der Vorstellung ein Ende bereitet, dass Kinder bereits mit ähnlichen Denkstrukturen wie Erwachsene auf die Welt kommen. Seine Forschungsergebnisse führten zu der Erkenntnis, dass das Gehirn sich stufenweise entwickelt. Die grundlegende Auswahl der Montessori-Materialien und ihre Pädagogik entsprechen diesen Forschungsergebnissen, obwohl Piaget zu seinen Erkenntnissen erst später kam.

– Aufgrund von Erfahrungen anderer Montessori- Schulen besteht die Gewissheit, das sich die Kinder, sofern nicht physische oder psychische Schädigungen vorliege, allseitig, d. h. in allen seinen Bereichen entwickelt. Kinder, die Hilfe benötigen, erfahren Unterstützung bei der Wahl einer Tätigkeit durch die Lehrkraft.

6.Die veränderte Rolle der Lehrkraft: Lernbegleiter und Lernberater

– Eine wesentliche Bedingung für die Förderung

von selbsttätigem und eigenverantwortlichem Lernen ist eine veränderte Rolle der Lehrkraft oder allgemeiner betrachtet, eine veränderte Haltung der Erwachsenen gegenüber dem Kind und dem Jugendlichen. Sie ist gekennzeichnet durch Respekt vor der Persönlichkeit und dem Vertrauen in die dem Kinde vorhandenen individuellen Entwicklungskräfte.

– Die Lehrkraft stellt die vorbereitete Umgebung bereit. Sie benötigt eine kritische Selbstreflexion und die beobachtende Distanz des Erwachsenen. Fehler und Probleme werden als notwendiger Teil des Lernprozesses betrachtet und nicht geahndet, sondern analysiert und als Grundlage für die Fortentwicklung genutzt.

– Hier sind zehn Leitsätze die für Lehrer und Eltern gelten, damit die körperliche und geistige Entwicklung im Sinne der Montessori- Pädagogik erfolgreich unterstützt werden kann.

1. Zulassen und nicht hindern

2. Fördern und nicht irritieren

3. Beobachten und nicht gängeln

4. Hilfe geben, wenn erwünscht und notwendig

5. Klarheit schaffen durch Einfachheit und nicht Verwirrung durch ein Vielerlei

6. Sachbezogenheit statt Willkür

7. Richtig vormachen statt korrigieren

8. Leise und wenig sprechen statt laut und viel

9. Die kleine Ordnung zu einer großen Ordnung machen

10. Geduld und Zeit haben aus Respekt vor dem Kind: Ungeduld und Eile verringern den Respekt vor dem Kind.

– Somit erhält eine Lehrerin, die nach Montessori unterrichtet, in einer Montessori-Klasse eine stark beobachtende Rolle. Sie bleibt im Hintergrund und ist zur Stelle, wenn man sie braucht. Sie behandelt die Kinder freundlich und mit Respekt. Aufgrund ihrer Beobachtungen ergänzt sie die Lernumgebung und gestaltet ihre Hilfen für die einzelnen Kinder. Sie führt über jedes einzelne Kind ein Lerntagebuch, in dem die Lernschritte und Lernziele aufgeführt sind. Individuelle Lernzielkontrollen werden durchgeführt, das bedeutet, dass die Kinder dies nicht im Gleichschritt sondern zu unterschiedlichen Zeiten erledigen.

– Es ist also ein Abschied vom lehrerzentrierten Unterricht, von dem Verständnis, dass die Lehrkraft sich als dominant steuernd und als Organisator des Lernprozesses begreift.

– Dies bedeutet für alle Beteiligten eine Neudefinition ihrer Rolle und eine echte Herausforderung.

Auf dem Weg zu einer Regelschule mit Montessori-Zug

Gleichzeitig mit der Auflösung unserer Hauptschule begannen wir Ende des Schuljahres

2008/2009 unser erstes Montessori-Klassenzimmer einzurichten. Montessori nennt diesen Arbeitsraum „Vorbereitete Umgebung“ – was bedeutet, dass das Klassenzimmer sehr strukturiert eingerichtet ist und den Kindern viele unterschiedliche Arbeitsmaterialien zur Verfügung stellt, mit denen sie ihrem Lernstand entsprechend arbeiten können. Im Klassenzimmer selbst ist das Material nach Fächern geordnet. So gibt es mehrere Regale mit Materialien zum Mathematik-, Deutsch- und MNK-Bereich (Inhalte aus dem früheren Sachkundeunterricht).

 

Innerhalb eines Regales ist das Material nach Schwierigkeit geordnet. Dabei ist jedes Material nur einmal vorhanden, so dass ein Wettbewerbscharakter vermieden wird. Das Material selbst ist sehr ansprechend und fordert geradezu zum „Begreifen“ und zum „Handeln“ auf. Es ist vor allem im mathematischen Bereich sehr gut strukturiert und beinhaltet meist eine Selbstkontrolle. Uns war es wichtig, von Anfang an hochwertiges Material bereitzustellen, damit diesem Anspruch genügt wird. Ergänzend dazu haben wir auch vieles selbst hergestellt.

Da die Kinder aus unterschiedlichen Kindergärten zu uns kommen und sehr unterschiedliche Erfahrungen mit freier, eigenverantwortlicher Arbeit haben, werden sie in den ersten Schulwochen langsam an die Freiarbeit herangeführt. Diese Phase wird behutsam bis auf zwei Schulstunden pro Tag gesteigert. Die Kinder dürfen sich in dieser Zeit ihr Material, ihre Partner und den Ort an dem sie arbeiten frei auswählen. Ebenso bleibt ihnen weitgehend selbst überlassen, wie lange sie an einer Arbeit bleiben.

In der Montessori-Klasse arbeiten die Kinder lehrgangsunabhängig. Für den Deutschbereich bedeutet dies, dass die Kinder in Anlehnung an Jürgen Reichens „Lesen durch Schreiben“ schreiben und lesen lernen. Sie bekommen gleich zu Anfang der 1. Klasse eine Anlauttabelle ausgehändigt und lernen, damit umzugehen. Um die Tabelle anschaulicher zu machen ist jedes Tier- Anlautbild als kleine Figur vorhanden. Tiere sprechen Kinder sehr an und durch den handelnden Umgang können sich die Kinder schnell die Zuordnung von L wie Löwe o.ä. merken. Sobald sie das Prinzip der Tabelle verstanden haben, können sie eigenständig kleine Wörter und Sätze aufschreiben. Das Lesen erfolgt nach einiger Zeit sozusagen nebenbei. In diesem Stadium spielt die Rechtschreibung noch keine Rolle – es geht zunächst um das lautgetreue Schreiben. Nach und nach lernen die Kindern dann mit Hilfe des Systems der Freiburger Rechtschreibschule (FRESCH), dass es verschiedene Vereinbarungen hinsichtlich der Rechtschreibung gibt.

Im mathematischen Bereich finden die Kinder ein gut strukturiertes Material vor, mit dem sie sehr früh schon ein Gespür für große Zahlen bekommen und handelnd alle vier Grundrechenarten erfahren können. So bietet zum Beispiel das goldene Perlenmaterial die Möglichkeit einmal einen Einer in der einen Hand zu halten und in der anderen einen Hunderter oder gar Tausender. Schnell wird da ein Unterschied klar, den sich viele nicht sehr gut vorstellen können. Auch im geometrischen Bereich machen sie früh grundlegende Erfahrungen. In der „geometrischen Kommode“ finden sie zum Beispiel geometrische Grundformen, die sie begreifen und ihren Umrissen zuordnen können. Oder sie machen mit den „geometrischen Körpern“ erste Grunderfahrungen, welche Körper rollen und welche kippen können um dann auch deren Namen kennenzulernen. Dabei bleibt es oft nicht nur bei Begriffen wie Würfel oder Quader. Viele Kinder können schon sehr früh Körper wie die Pyramide oder den Ellipsoid benennen. Zu den meisten Materialien stellt die Lehrkraft bei Bedarf Zusatzmaterialien wie Arbeitsblätter oder ein kleines Arbeitsheft oder eine -kartei zur Verfügung.

Im naturwissenschaftlichen Bereich erarbeiten sich die Kinder zum Beispiel Grundbegriffe über den Aufbau einer Blüte am Modell, lernen Land- und Wasserformen an einem Globus mit speziell aufgerauter Oberfläche kennen oder machen eigenständig kleine Versuche zu verschiedensten Fragestellungen.

Erfahrungen mit Zeit werden mit Hilfe einer Tages- und einer Jahreskette „greifbar“ gemacht und ein Überblick über geschichtliche Zusammenhänge kann mit dem Material der 10000- Jahrkette erfahren werden. Mit diesen Materialien werden Stunden, Monate oder Jahre jeweils mit Perlen dargestellt, so dass man sich ein Bild davon machen kann, wie lange zum Beispiel die Römerzeit zurückliegt, wie lange sie gedauert hat und was in dieser Zeit wesentlich war.

 

 

Damit die Kinder eigenständig arbeiten können, ist ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Ruhe notwendig. Diese Ruhe entsteht nicht von allein sonder muss geübt werden. Die Kinder haben deshalb immer wieder die Möglichkeit, in regelmäßig durchgeführten Stilleübungen, Stille zu erfahren und zu üben. Dies sind kleine meditative Elemente, die immer wieder in den Unterricht eingebunden werden wie zum Beispiel eine „stille Minute“ in der die Kinder einfach ganz still auf die Geräusche in der Umgebung achten oder ein Kreis, in dem eine Kerze von Hand zu Hand weitergegeben wird, ohne dass sie tropft. Die Kinder genießen diese ruhigen Momente sehr und erfahren so, dass Stille sehr wohltuend ist. Nach einer gewissen Zeit fordern sie diese dann auch selbst ein.

Da die Kinder wenn sie in die Freiarbeit eingeführt sind selbständig arbeiten, ändert sich die Rolle der Lehrkraft sehr! Eine ihrer Hauptaufgaben ist es, das Klassenzimmer so vorzubereiten, das jedes Kind ein seinem Entwicklungsstand und Lerninteresse angemessenes Material vorfindet. Während der Freiarbeit selbst führt die Lehrerin die Kinder in neue Arbeitsmaterialien ein, berät unschlüssige Kinder, lenkt den Lernprozess bei schwächeren Kindern und beobachtet sehr viel.

Als staatliche Schule sind wir dem Lehrplan verpflichtet, was unter anderem bedeutet, dass die Kinder auch Noten bekommen. Allerdings werden Tests nicht in der Klassengemeinschaft geschrieben, sondern die Kinder entscheiden innerhalb einer bestimmten Zeitspanne selbst, wann sie bereit sind, einen Test zu einem bestimmten Thema zu schreiben. Diese Vorgehensweise nimmt einen Großteil ungesunden Leistungsdruck von den Kindern.

Bei unserer Arbeit ist uns folgendes Zitat Maria Montessoris zum Leitsatz geworden:

„Die Freiheit unserer Kinder hat als Grenze die Gemeinschaft, denn Freiheit bedeutet nicht, dass man tut, was man will, sondern Meister seiner selbst zu sein.“

Literatur beim Verfasser

Die Villinger Brunnen (Horst Spormann)

Die Geschichte der Villinger Brunnen ist interessant und verleitete mich dazu, ein paar Dinge hierzu festzuhalten.

Zwei alte Grundrisse der Stadt von 1175 und von 1806 zeigen den Lauf der Stadtbäche und die Standorte der Brunnen in der Innenstadt. Die Stadtbäche waren zugleich Kanalisation und verbreiteten damit einen bestialischen Gestank. Die Brunnen wurden durch Quellen in der Stadt gespeist und dienten nicht nur dazu, den häuslichen Wasserbedarf zu decken, sondern waren auch Viehtränken und dienten zum Waschen der Wäsche. Eine Gesundheitsbehörde, die das Wasser und das Abwasser kontrolliert hätte, gab es damals noch nicht, was dazu führte, dass viele Krankheiten, wie zum Beispiel auch Typhus, verbreitet wurden.

So schreibt Karl Kretz in seinem „Führer durch die Stadt“ von 1901 unter anderem: „Seitdem die sumpfigen Festungsgräben zugeworfen und in der Stadt eine gute Kanalisation und eine neue Wasserleitung eingerichtet sind, haben sich die Gesundheitsverhältnisse sehr gebessert, und ist namentlich der Typhus, der früher allzu häufig auftrat, fast ganz verschwunden.“

 

Stadtplan von Martin Blessing 1806.

 

Die in der Stadt installierten Brunnen waren alle ähnlich. Sie bestanden in der Regel aus einem Brunnenstock und einem hölzernen Brunnentrog, die später durch die massiven Granittröge ersetzt wurden. Ursprünglich waren die Brunnenstöcke längsseitig des Brunnentroges, heute sind sie fast alle an der schmalen Seite angebracht. Wahrscheinlich wollte man damit die Gehwege verbreitern und den Geschäften die Möglichkeit geben, ihre Waren besser feil zu bieten.

In dem Stadtplan von 1175 sind 19, in dem von 1806 mit dem umstrittenen Marktbrunnen 22 Brunnen abgebildet.

In der Stadt gab es früh, neben wenigen privilegierten Hausbrunnen, in den Gassen und Straßen 28 öffentliche Brunnen. Diese erhielten ihren Wasserzufluss vor allem aus den Quellbereichen nördlich und westlich der Stadt. Die Zuleitung erfolgte mittels Deichelröhren (auch: Teichel, Teuchel). Deichel sind bis zu vier Meter lange Rundholzabschnitte, die eingespannt, von den beiden Stirnseiten her mit zwei Meter langen justierten Deichelbohrern „ausgehöhlt“ werden. Anschließend werden sie mit Muffen zu einem Wasserleitungsstrang verbunden.

 

Stockbrunnen in Villingen.

 

Verschwunden sind in Villingen: Der umstrittene, 1868 abgebrochene Marktbrunnen, der Stock brunnen vor dem Riettor und der Springbrunnen vor dem Bickentor.

Die noch vorhandenen Stockbrunnen finden wir in der    Bärengasse Brunnenstraße Färberstraße Kanzleigasse Niedere Straße Obere Straße Rietstraße Rietgasse Warenburgstraße, Bickenbrücke – kein eigentlicher Stockbrunnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Brunnenfiguren

Unter Bürgermeister Dr. Schneider, dem letzten Stadtoberhaut im dritten Reich, wurde bei vier Brunnen die Brunnenstöcke durch Holzfassungen ersetzt. Mit der Umgestaltung der Brunnen sollte die Stadt verschönert werden. Sie wurden von Eugen Merz, dem Vater des „Schemenpapstes“ Manfred Merz, geschnitzt. Die Figur des Radmachers wurde von Manfred Merz erneuert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leider sind im Laufe der Zeit einige Details an den Brunnen verloren gegangen. So fehlen die beiden Köpfe am Sockel des Narrobrunnens, die den Kopf des Jeggis darstellten, einmal vor und einmal nach dem Strählen. Ebenso fehlt heute das Stadtwappen am Brunnen der Alt-Villingerin.

Der Auslass der Brunnen war mit einem Wasserspeier versehen, die leider auch alle verloren gingen. Der Brunnen des Radmachers stand früher vor der Drogerie Bottling, heute hat er seinen Standort vor der Hofbuchhandlung.

Zwei Brunnen mit Trögen wurden umgestaltet. Der eine steht in der Rosengasse. Die Sandsteinmauernische wurde aus Baumaterial des Gymnasiums erstellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An dem zweiten in der Gerbergasse wurde nachstehende Gedenktafel angebracht und erinnert somit an die wohl dunkelste Geschichte unserer Zeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die verschwundenen Brunnen 

Der vor dem Riettor gestandene Brunnen war ein Stockbrunnen mit Granittrog.

Vor dem Bickentor war ein Springbrunnen installiert.

 

 

 

 

Der umstrittenste und geschichtsträchtigste ist der Marktbrunnen. Dazu finden wir die Erläuterung in „Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums Baden von 1890“ im zweiten Band, „Die Kunstdenkmäler des Kreises Villingen“: ÖFFENTLICHE PROFANBAUTEN Marktbrunnen

Von öffentlichen Brunnen darf erwähnt werden der auf dem Marktplatz. Der Stock hatte vier Röhren, die Schale bildete ein Achteck. Anno 1554 … fieng man ahn, den neuwen Marktbrunnen zu hawen, und war zuvor ein hiltziner, alda gestanden 50 jar; stuond Sant Christoffel daruff, welcher noch uff den heutigen tag im armbrustschützen – Haus ist (jetzt in der Alterthumssammlung). (Quellensammlung II S. 114). Die steinerne Statue des Königs Ferdinand I. in den 1790er Jahren wurde durch Herabfallen zerstört (Der Kopf in der Alterthumssammlung). Der Brunnen ist in den 1840er Jahren als den Verkehr hemmend beseitigt worden. Zu diesem Marktbrunnen findet man einen Bericht im Südkurier von 1984 und im Jahresheft Nr. XXIII von 1999/2000 des Geschichts- und Heimatvereins.

Die neuen moderneren Brunnen Altstadtquelle auf dem Friedhof Badbrunnen im Spitalgarten

Brunnen der Heimatvertriebenen an der SparkasseFranziskanerbrunnen am Osianderplatz

Franziskusbrunnen in der Rietgasse

Heid-Brunnen am Heid-Platz (Jahnplatz) Kneipp-Brunnen in der Bickenstraße Marienbrunnen am Kloster St. Ursula

Der Münsterbrunnen auf dem Münsterplatz

Spitalbrunnen im Spitalgarten

Altstadtquelle

Die Angaben über die Schüttungsmenge sind nicht einheitlich nach einer Aussage des Geologischen Landesamtes Baden-Württemberg, Freiburg, vom Dezember 1967. Dort heißt es: „Die Friedhofsquelle schüttet nach Angabe des Wasserwerkes Villingen 13 bis 15 l/s.

Die großzügige finanzielle Zuwendung einer Frau an ihre Heimatstadt verhalf der Quelle wieder ans Licht und schenkt den Friedhofsbesuchern einen gartenkünstlerischen Akzent.

Hilde Maria Amos, Mädchenname Werner, geb. am 13. 11. 1904, gestorben in Mailand am 6. 4. 1995, war eine gebürtige Villingerin. Sie war die Enkelin des Carl Werner. Er gründete 1861 die Uhrenfabrik C. Werner, die in den Gründerjahren des 19. Jahrhunderts und der nachfolgenden industriellen Revolution in Deutschland einen steilen Aufstieg nahm. So gesehen gehörte die Familie zu den ersten Adressen Villingens.

Hilde Amos hatte sich, nicht zuletzt über eine Freundin, die Beziehung zur Heimatstadt bewahrt. Auf dem Friedhof blieb das Familiengrab, in dem auch das einzige Kind, ihre erst dreißigjährige Tochter, im Jahr 1965 bestattet wurde. Auch sie wollte hier an der Ostwand des alten Friedhofteils einmal beigesetzt werden. – Erste Gespräche wurden sowohl in Villingen als auch von ihrem Wohnort in Mailand aus geführt.

Über eine Schweizer Bank in Lugano veranlasste sie dann 1975 die Anweisung eines Akkreditivs mit dem Empfänger Stadt Villingen-Schwenningen in Höhe von 200.000 Schweizer Franken. Mit der damit verbundenen Auflage sollte gewährleistet werden, dass nach ihrem Tode die kunstvolle Grabstelle im alten Zustand neu hergerichtet und die dauerhafte Grabpflege besorgt würde. Der weitaus überwiegende Teil des Geldes sollte über die Stadtverwaltung an ihre Heimatstadt Villingen gehen.

1995 starb Hilde Maria Amos, ihre Urne wurde von Mailand überführt. Die städtische Verwaltung entschied, das zugewendete Geld für eine Brunnenanlage im Friedhof zu verwenden. Am 8. November 2001, einem regennassen Tag, fand die „Einweihung des Altstadtquellbrunnens“, dessen künstlerischen Entwurf das Atelier Herbert Dreiseitl, Überlingen, geliefert hatte, auf dem Villinger Friedhof statt.

 

 

 

 

 

Badbrunnen

Erinnert an die erste öffentliche Badeanstalt, deren Quellwasser heilende Wirkung nachgesagt wurde. Der Brunnen steht im Spitalgarten.

 

Brunnen der Heimatvertriebenen

Drei rechteckige, behauene und voneinander getrennte Bruchsteinblöcke aus grauem Gneis bilden die über dem Boden schwebende Basis einer Wasserkunst, deren aufsteigender Strahl sich teilt und als zarte Fontänen über eine bronzene Konstruktion perlt. Diese ist auf jedem der Blöcke eingedübelt und verbindet sie so mit einem Grundgedanken zu einer Einheit. Es ist unschwer zu erkennen, dass die bizarre Metallarbeit, im Kontext mit der auf einer räumlich abgesetzten Bodenplatte eingelassenen Inschrift, eine stilisierte Dornenkrone darstellen soll. Die ist dem Kanon der neutestamentlichen Leidenswerkzeuge Jesu entnommen. Nach den Evangelien ist die Dornenkrone einerseits Teil der Verspottung Jesu, andererseits Symbol des Leidens, das nach dem Glauben Christus für die Erlösung der Menschen auf sich genommen hat. In der gleichnishaften Übertragung wird es zum Kennzeichen des Erleidens der 1945 aus ihrer Heimat der Ostprovinzen Geflüchteten und Verjagten. In diesem Sinne darf es als ein Mahnmal des Gedenkens gelten, das Menschen weltweit verbindet, denen die Furien des Krieges die Heimat raubten. Auf diese Weise ist es in seiner Aussage und der künstlerischen Gestaltung zeitlos gültig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Brunnenwerk wurde 1967 errichtet. Sein Schöpfer war der 1916 geborene und inzwischen verstorbene Künstler Willi Dorn. Er kam 1946 nach Villingen und lebte zuletzt in St. Georgen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Franziskanerbrunnen

Der hier geschaffene Brunnen hat keine historische Bedeutung, er soll nur ein Blickfang auf dem Osianderplatz darstellen.

 

Franziskusbrunnen 

Die Entstehung des Franziskusbrunnens geht auf die Initiative vom Lehrer und späterem Schulamtsdirektor Heinrich und dem Kunstschmied Walz zurück. Er trägt folgende Inschrift:

O Herr mach mich zum Werkzeug deines Frieden, dass ich Liebe übe wo man sich hasst, dass ich verzeihe wo man sich kränkt, dass sich verbindet wo Streit ist, dass ich die Wahrheit sage wo Irrtum herrscht, dass ich Glaube bringe wo Zweifel drückt.

Dass ich Hoffnung bringe wo Verzweiflung quält, dass ich ein Licht anzünde wo Finsternis regiert, dass ich Freude mache wo Kummer wohnt.

Ach Herr, lass mich trachten, nicht dass ich getröstet werde, sondern dass ich verstehe. Lass mich trachten, nicht dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe. Denn wer gibt, der empfängt. Wer sich selbst vergisst, der findet. Wer verzeiht dem wird verziehen und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Franz von Assisi

 

 

 

 

 

 

Heid-Brunnen

Zwei Tafeln an diesem Brunnen geben Auskunft über Josef Heid, dem dieser Platz und der Brunnen gewidmet ist.

Josef Heid 17.11.1882–21.12.1944

Geboren in Stühlingen * verheiratet drei Kinder

1921–1933 Beamter beim Bezirksamt (Landratsamt). Seit 1922 Gemeinde- bzw. Stadtverordneter, Mitglied des Kreisrates. 1929–1933 Landtagsabgeordneter. Mit Gewerkschaftssekretär Wilhelm Schifferdecker und Ludwig Übler am 16./17. 3.

 

 

 

 

1933 verhaftet. 1933 vier Monate „Schutzhaft“, vier Monate im Konzentrationslager Heuberg.

30.5.1933 Entlassung aus dem Staatsdienst. Nach Stadtverweis der Stadt Villingen ab 1.10.1933 in 102 Bruchsal. Am 22.8.1944 mit anderen Politikern der Weimarer Zeit verhaftet. Konzentrationslager Dachau * dort am 21.12.1944 umgekommen.

Die 2. Tafel:

Josef Heid

* 17.11.1882    ≈† 21.12.1944

Stadtabgeordneter     1922–1933

Landtagsabgeordneter 1929–1933

Als SPD-Politiker im 3. Reich verfolgt

1933–1944 verhaftet, Am 22.8.1944 ins Konzentrationslager Dachau eingeliefert, dort am 21.12.1944 umgekommen.

Sein Leben und sein Tod sollen nicht vergessen werden

Die Stadt Villingen-Schwenningen

 

 

 

 

 

Kneipp-Brunnen

Wurde vom Kneipp-Verein unter der Vorstandschaft von Frau Tritschler initiiert.

 

 

 

 

 

 

Eine weitere Tafel erinnert an: Sebastian Kneipp

1821–1897

10.5.1894 Gründung des Villinger Kneippvereins

26./26.11.1895 Besuch von Pfarrer Kneipp in Villingen, er wohnte im Kloster St. Ursula

50 Jahre Kneipp-Kurort

1937–1987

 

Marienbrunnen von Klaus Ringwald

Marienbrunnen – Bickenstraße 25 (V)

Am Ende der gleichnamigen Straße stoßen Bickentor und Kapelle des Klosters St. Ursula aneinander. Jahrhunderte treffen sich: Erhaltene Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung und eine prunkende Barockfassade.

In diese trotz des Verkehrsflusses eher stille Ecke hat Klaus Ringwald einen Marienbrunnen komponiert. Ihn kennzeichnen unterschiedliche traditionelle Elemente: Brunnenfigur, -stock und -schale in originaler Gestaltung. Die krönende Marienstatue orientiert sich am hagiografischen Motiv der Schutzmantelmadonna. Zu ihren Füßen fließen Wasserströme aus drei ornamental geformten Ecken einer oberen Schale, die an Wasserspeier mittelalterlicher Kathedralen erinnern. Zwei Wappen und ein Stadtsiegel schließen den oberen Teil und lassen keinen Zweifel daran, wer sich hier unter den Schutz dieser Patronin, stellt.

Eine zweite, flache, weit einladende Schale fängt den Wassersegen von oben auf und leitet ihn fast unmerklich durch den Brunnenstock zum Boden, wo er einen wallenden Spiegel bildet, ehe er in der Erde verrinnt.

Dreifach spielt Wasser, Element des Lebens, unter dem Schutzmantel der Patronin, deren Namen auch das Münster trägt.

Nicht unerwähnt darf hier der „Wilde Gustel“ bleiben, der sich für diesen Brunnen sehr eingesetzt hatte.

 

 

 

 

 

 

 

 

Münsterbrunnen

Eine Beschreibung und Darstellung des Brunnens kann in diesem Bericht entfallen. Hierzu wird auf die ausführlichen Artikel in den Jahresheften Nr. XIV 1989/1990 und Nr. XVII von 1992/1993 des Geschichts- und Heimatvereins verwiesen.

Spitalbrunnen

Die Idee, in den Spitalgarten einen Brunnen zu setzen, stammt vom Stadtarchivar a. D. Dr. Josef Fuchs.

Die Narrozunft sorgte mit ihrem Brauchtumspfleger Bauing. Hansjörg Föhrenbach und einer Spendenaktion für die Realisierung zur 1000 Jahr-Feier. Der Brunnentrog wurde bei Ausgrabungen in der Backofenfirma Oberle in der Oberen Straße gefunden und im Bauhof aufbewahrt. 1998 erinnerte man sich an den Renaissancetrog, ließ ihn in Überlingen restaurieren und stellte ihn im Spitalgarten auf.

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellennachweis

Aus folgenden Beiträgen wurden, zum Teil nur Ausschnitte und Bilder übernommen. Die Herausgeber wurden informiert.

Die „Altstadt“-Quelle von Werner Huger, Jahrgang XXIX/2006.

60 Jahre: Heimat unterm Symbol des Leidens, die Redaktion. Neue Kunst in alter Stadt von Bernhard Fabry.

 

 

 

 


Radmacher (Lambert Hermle)

 

 


 

 

Jetz gucket, de Radmacher Gyxlin Tochtermann,

er reiflet johrelang scho, solang i woeß,

un des scho sit 1562

durch die u’pflaschterte „Villinger“ Stroeß.

 

Doch wi’e der Maa räecht g’hoeße hätt,

des woeß mr hit z’edags nimme.

Nu – er war de Maa vum Gyxlin siere Tochter,

un hät als Wanger au ebbis kinne.

 

Er hät e Wagerad g’rad selber g’macht

un gli ge Rottwiil triebe,

un dert de Wert vom Rad vuzehrt,

so stoht’s i de Anale g’schriebe.

 

G’stärkt isch er z’ruck ge Villinge g’reiflet,

mit Mumm un Rad de Weag z’ruck g’legt –

zu gueter Letscht de Stumpe nuff –

scho hätt’r d’Minschterdirm entdeckt.

 


 

 

 

 

 

 

 

 

Hit stoht der Maa uff dem Stock doe obe,

me hätt em den Brunne als Denkmal gäe.

So gilt dem Radmacher no große Ehr,

do ka mr’s ällewiel no säah.

 

Kraftvoll grifft er i d’Spoeche ni,

er reiflet ohni Rueh,

un doch isch er bloß hindersche kumme:

Vom „Bottling“ e Schtuck em Rietdor zue.

 

Ostern 2009