Jahresrückblick 2010 (Helga Echle)

Im zu Ende gehenden Vereinsjahr können wir wieder auf eine große Zahl von attraktiven Veranstaltungen zurückblicken.

Der Besinnliche Abend im Advent 2009 fand wie immer in festlicher Atmosphäre im Hotel Diegner statt. Musikalisch umrahmt von Josy Cimentepe, und einem Gedichtvortrag von Claudia Wildi erinnerte der Vorsitzende Günter Rath in seiner Ansprache unter anderem an die Gründung des Vereins vor 40 Jahren und zeichnete ein sinniges Bild der heutigen Gesellschaft mit Licht- und Schattenseiten. Er bedankte sich im Namen des Vereins bei einem Mitglied, das sich in besonderer Weise für den Verein eingesetzt hat: Hermann Schuhbauer wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Besonders beim kürzlich zu Ende gegangenen Weihnachtsmarkt habe er mit seiner Ehefrau wesentlich dazu beigetragen, dass diese von der Öffentlichkeit viel gelobte Aktion zu einem solch großen Erfolg wurde.

Günter Rath ehrt Regina und Hermann Schuhbauer

 

Das Veranstaltungsprogramm startete im neuen Jahr mit einem Besuch im Café Welvert. Stadtarchivar Dr. Heinrich Maulhardt erzählte in historischer Lokalität eindrucksvoll über das Schicksal amerikanischer Kriegsgefangener in Villingen auf dem Kasernengelände Welvert im 1. Weltkrieg. Diese erste Veranstaltung im Jahr war ein so großer Erfolg, dass sie wiederholt werden musste.

Ebenfalls im Januar führte Frau Ute Schulze eine interessierte Gruppe durch das Villinger Stadtarchiv. Fachkundig und auf eine spannende Art erklärte sie den Besuchern den Sinn, die Aufgabe und die Arbeitsweise des Stadtarchivs. Es gelang ihr hervorragend, den Teilnehmern die Bedeutung des Archivs für die Geschichte der Stadt bewusst zu machen.

Die Firma Hess öffnete ihre Firmentore und gewährte uns bei einer anschaulichen Betriebsführung Einblicke in ihre Betriebsabläufe. Unterhaltsam und informativ wurde das Unternehmen von der Vergangenheit bis zur Gegenwart erklärt. Anschließend wurde die Gruppe von Jürgen G. und Christoph Hess zu einem gemeinsamen Vesper eingeladen.

In einer harmonischen, zügig abgewickelten Jahreshauptversammlung machte der 1. Vorsitzende, Günter Rath, deutlich, dass der GHV das Jahr 2009 als ein erfolgreiches und arbeitsintensives Vereinsjahr verbuchen kann. Dieser Erfolg ist ohne die Mitglieder, vor allem die aktiven Mitglieder, nicht möglich, denen er für ihr Engagement dankte. Volle Zustimmung gab es auch für den Kassen- bericht des Schatzmeisters Hasko Froese.

Bei den Wahlen wurde der bisherige 2. Vor- sitzende, Dr. Helmut Kury, in seinem Amt bestätigt. Für die als Schriftführerin ausgeschiedene Frau Claudia Wildi, die das Amt 14 Jahre lang mustergültig verwaltete, wurde als Nachfolgerin Frau Helga Echle gewählt. Frau Wildi wird als Beiratsmitglied weiterhin im Verein mitarbeiten.

In der ersten Vortragsveranstaltung nach der Jahreshauptversammlung zeigte Oberbürgermeister Dr. Rupert Kubon, der selbst Mitglied im GHV ist, mit seinem Vortrag „Von öffentlichen Parks bis Gartenschauen“, dass er sich als Historiker auch mit der heimischen Geschichte intensiv beschäftigt hat. Sein Vortrag führte von Schlossparks über den Villinger Stadtgarten bis zu den seit vielen Jahren in Deutschland durchgeführten Bundes- und Landesgartenschauen und derer sich im Laufe der Zeit verändernden Ziele.

Im April konnten die neuen Geschäftsräume im Münsterzentrum bezogen werden. Bei einem Tag der offenen Tür besichtigten viele Gäste die neuen Räumlichkeiten und zollten viel Lob und Anerkennung.

Von links: Günter Rath, Hasko Froese, Hermann Schuhbauer, Helga Echle in der neuen Geschäftsstelle

 

Keine Unbekannte ist Ursula Köhler, die wieder einmal sach- und fachkundig in der Schwenninger Galerie durch die Ausstellung „Erich Heckel – der stille Expressionist“ führte. Die Mitglieder waren begeistert von den ausgestellten Werken, aber auch von der sehr kompetenten und lebendigen Präsentation durch die promovierte Kunsthistorikerin.

Klaus Humpert informierte ein aufmerksames Publikum aufschlussreich über Mittelalterliche Stadtplanung von Villingen und Bräunlingen.

Ziel der ersten kleinen Jahresexkursion im Mai war die rund 1200-jährige westfälische Bischofs- und Hansestadt Münster, in der durch den „Westfälischen Frieden“ der Dreißigjährige Krieg, der auch die Villinger in Not und Elend stürzte, beendet wurde. Einen Einblick in Münsters Vergangenheit gewannen die Besucher im weltberühmten Festsaal des Historischen Rathauses. Bewundert wurde die original wieder aufgebaute Altstadt, die zu 92 % zerstört war, der großartige Paulus-Dom mit seinen zahlreichen Kunstschätzen und die darin um 1540 entstandene astronomische Uhr. Ein Ausflug ins Münsterland mit seinen Adelssitzen und Wasserburgen – hier besonders die Burg Vischering – gehörten ebenso dazu wie ein Besuch der Geburtsstätte der großen Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, Burg Hülshoff.

Die in Zusammenarbeit mit dem Südkurier angebotene „besondere Stadtführung – Wirtshäuser in Villingen“ mit Lambert Hermle und Klaus Richter musste aufgrund des großen Besucherinteresses wiederholt werden. Trotz Regen und Kälte gab es eine rege Teilnahme. Für den erkrankten Klaus Richter sprang kurzfristig Gunter Schwarz ein.

Auch die 2 Stunden dauernde Klosterführung St. Ursula mit Schwester Eva-Maria war wieder außergewöhnlich informativ und kurzweilig.

Der erste Abschnitt des Villinger Geschichts- und Naturlehrpfades konnte, begleitet durch reges Interesse von Mitgliedern, eröffnet werden. Mit einem Bläserquartett der Villinger Stadtmusik, Ansprachen von OB Dr. Kubon, dem Vorsitzenden Günter Rath und dem Vertreter des Schwenninger Heimatvereins, Herrn Heinzmann, wurde offiziell die Verbindung zum Schwenninger Geschichts-. und Naturlehrpfad hergestellt. Anschließend wurden die Gäste auf dem Gelände der Familie Wildi bewirtet und konnten sich anhand von Schautafeln und Fotos über den Pfad informieren.

Unser Beiratsmitglied Adolf Schleicher führte in bewährter Weise wieder eine Gruppe Frühaufsteher bei der Fußwallfahrt auf den Dreifaltigkeitsberg.

Der Besuch der Picasso-Ausstellung im Rahmen der Landesgartenschau wurde für die kleine Gruppe zu einem außerordentlichen Kunst- Erlebnis.

Die Villinger in Erwartung der Erklärungen zur Theologie, Architektur und Kunst der Wieskirche.

 

Bei hochsommerlichen Temperaturen besuchten drei Dutzend Geschichtsfreunde eine der ältesten Städte Deutschlands: Augsburg, das durch die Kaufmannsfamilien der Fugger und Welser sowie unter anderem durch Reichstage der Kurfürsten und Entscheidungen über die Gleichstellung der Religionen zu einem bedeutenden kulturellen mittelalterlichen Zentrum Mitteleuropas wurde. Die historische Altstadt mit stattlichen Patrizierhäusern, großartigen Kirchen und Klöstern begeisterten ebenso wie der Goldene Saal im Rathaus. Im malerischen Pfaffenwinkel erinnerte die mittelalterliche Altstadt von Schongau an die eigene Heimatstadt. Die Besichtigung der weltberühmten Kirche „Zum gegeißelten Heiland auf der Wies“ sowie Besuche der Klöster Fürstenfeld und Andechs hinterließen bei den Mitgliedern bleiben- de Eindrücke.

In der Klosterkirche St. Luzen gab es ein Wiedersehen mit Pfarrer Koban aus Villingen.

 

Eine der beliebten Halbtagsexkursionen führte in die alte fürstliche Residenzstadt der Zollerngrafen, nach Hechingen. Hier verrät ein in Bronze gegossener Marktbrunnen die Verwandtschaft zum Villinger Münsterbrunnen – beide durch Klaus Ringwald geschaffen. Das eigentliche Ziel, die alte Klosterkirche St. Luzen, erstmals 1318 erwähnt und dem heiligen Luzius geweiht, überraschte die Teilnehmer mit zahlreichen sakralen Kunstwerken. So befindet sich dort eine Kanzel, die der Bildhauer Hans Amann, der in der Zähringerstadt zahlreiche hochkarätige Kunstwerke hinterlassen hat, 1589 schuf. Mit Altdekan Kurt Müller hatten die Villinger einen fachkundigen, kompetenten Kirchenführer, der schon während der Fahrt im Bus unterhaltsam über das Geschlecht der Hohenzollern und das zu Erwartende informierte.

Mit einer Fülle neuer und überwältigender Eindrücke kamen die Mitglieder von der achttägigen Bildungsreise aus Paris zurück. Schon die Anreise mit dem komfortablen Hochgeschwindigkeitszug TGV war ein besonderes Erlebnis. In der französischen Hauptstadt hatten die rund 50 Teilnehmer einen aufwändigen und strapaziösen Tagesablauf zu bewältigen. Der GHV-Vorsitzende, Günter Rath und Rolf Wagner, Vereinsmitglied und ausgewiesener Pariskenner, hatten alle wichtigen Sehenswürdigkeiten in das Programm hineingepackt. Der Louvre, Arc de Triomphe, Montmartre, Sacré-Coeur, Notre Dame und vieles mehr. Auch ein Bummel über die Champs-Èlysèe, eine Schiffsfahrt auf der Seine und Ausflüge zu kulturgeschichtlichen Zielen in der Umgebung von Paris gehörten zum Ablauf der begeistert aufgenommenen Exkursion. Rolf Wagner verstand es ausgezeichnet, den Teilnehmern auch das Paris zu zeigen, das Touristen normalerweise weitgehend verborgen bleibt. Am Eiffelturm, dem Wahrzeichen der französischen Metropole, wurde das obligatorische Erinnerungsbild gemacht.

Die GHV-Reisegruppe vor dem Eiffelturm in Paris

 

Bei einer weiteren Halbtagesfahrt zum Dominikanerinnenkloster Neudingen, Auf Hof, bei Neudingen, verstand es Rüdiger Schell spannend und aufschlussreich durch Vortrag und Führung „den Wechsel zu den Zisterzienserinnen“ zu vermitteln.

Hoch hinauf stiegen Mitglieder des GHV auf den Turm der Benediktinerkirche, eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Südkurier. Nach Erklärungen der Benediktinerkirche durch Pfr. i.R. Kurt Müller und der Silbermannorgel durch Ulrich Kolberg, führte Architekt Franz Blaser auf den Turm und den Dachstuhl. Unser Mitglied Hans- Peter Stoll begeisterte die Zuhörer mit zahlreichen Werken auf der Silbermannorgel.

Andere Barockkirchen und zwar Hausen vor Wald, Mundelfingen und Riedböhrungen waren ein lohnendes Ziel und wurden von Pfr. i. R. Alfons Weißer in gewohnt sach- und fachkundiger Weise erklärt.

Nach Redaktionsschluss wurde die Johanneskirche in Donaueschingen besucht.

Herr Pfr. i. R. Kurt Müller widmete sich in einem kurzweiligen Lichtbildervortrag den Engeln in der Kunstgeschichte und im täglichen Leben in Villingen mit dem Titel „Gute Geister allerorten“.

Der GHV beteiligte sich wieder mit großem Engagement am Weihnachts- markt auf dem Münsterplatz und bot neben einer reich bestückten und außer- ordentlich sehenswerten Krippenaus- stellung im Alten Rathaus in Kooperation mit den Städt. Museen und dem Verein Weihnachtsmarkt auch Münsterführungen, Krippenbasteln, eine Diashow über Villingen und den Verkauf von Weihnachtskarten und diverser „hausgemachter“ Artikel an.

Mit dem stimmungsvollen Besinnlichen Abend verabschiedete sich einvielfältiges, gelungenes Vereinsjahr 2010.

Festakt 200 Jahre Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen und der Historischen Bürgerwehr und Trachtengruppe (Rupert Kubon)

Am Samstag 24. April 2010 feierte die Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen und die Historische Bürgerwehr und Trachtengruppe in einem Festakt im Kulturzentrum Franziskaner ihr 200-jähriges Jubiläum. Nachfolgend dokumentieren wir in Auszügen die Festansprache von Oberbürgermeister Dr. Rupert Kubon.

… Es gilt heute einem herausragenden Jubiläum in der langen Geschichte unserer Stadt Referenz zu erweisen und es ist hier im Kulturzentrum Franziskaner ein wohl würdiger Ort, dieses Jubiläum festlich zu feiern: Die Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen und die Historische Bürgerwehr und Trachtengruppe feiern ihr 200-jähriges Bestehen.

Als Oberbürgermeister heiße ich sie alle zu diesem denkwürdigen Ereignis willkommen und gratuliere der Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen und der Historischen Bürgerwehr und Trachtengruppe sehr herzlich zu diesem Jubiläum. Als gelernter Historiker zolle ich ihnen, der Präsidentin, der Vorstandschaft, allen aktiven und passiven Mitgliedern der Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen und der Historischen Bürgerwehr und Trachtengruppe größten Respekt.

Was sie alle in den vergangenen Wochen und Monaten geleistet haben, um dieses 200-jährige Jubiläum gebührend zu feiern, ist überzeugender Ausdruck bürgerschaftlichen Engagements. Und ihr Einsatz mit all ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern hierfür ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie die Mitarbeit vieler Menschen in der Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen und in der Historischen Bürgerwehr und Trachtengruppe Ausdruck einer lebendigen und von vielen mitgestalteten Stadtkultur ist. Ein solches tatkräftiges Miteinander für ein gemeinsames Ziel ist aber auch ein bemerkenswertes Zeichen einer funktionierenden Bürgergesellschaft und trägt reiche Früchte für sie aber auch für uns alle in unserer Stadt.

Für all ihr Bemühen und für all ihre Arbeit rund um diese 200-Jahrfeier danke ich ihnen allen sehr herzlich und bin überzeugt, dass die Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen und die Historische Bürgerwehr und Trachtengruppe auch weiterhin die Festkultur für die Menschen in unserer Stadt verantwortlich mitgestalten und mit ihren musikalischen wie farbenprächtigen Auftritten bereichern wird. Sie haben Zukunft und mit ihnen hat unsere Stadt würdige Botschafter bei Gleichgesinnten hier in der Region und weit darüber hinaus. …

Ich danke ihnen an dieser Stelle für ihre Grußworte, die sie an den Jubilar, die Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen und die Historische Bürgerwehr und Trachtengruppe, im Anschluss richten werden. …

Dieser Ort hier, dieser ehemalige Kirchenraum der Franziskaner war über viele Jahrhunderte der wichtigste Versammlungsort der Villinger Bürger auch wenn der Sakralraum ab den 1790er Jahren für militärische Zwecke Verwendung fand und später als Spital benutzt wurde. Durch die Umgestaltung zum Kulturzentrum ist der Franziskaner seit über 30 Jahren wieder ‚die gute Stube‘ für alle geworden und so für diesen Festakt der richtige Ort 200 Jahre Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen und der Historischen Bürgerwehr und Trachtengruppe zu feiern.

Hohe Festversammlung, 200 Jahre Jubiläum, das umfasst die Geschichte, das umschreibt eine Zeitspanne von 10 Generationen. 200 Jahre Jubiläum, das beinhaltet auch die Erfahrungen, die Erlebnisse, das Leid und das Glück, das Menschen in ihrer jeweiligen Zeit erduldet, ertragen und auch verantwortlich mitgestaltet haben. 200 Jahre Jubiläum, das umfasst die Zeit totalitärer Feudalherrschaft über die bürgerliche Befreiung mit dem philosophischen Denken der Aufklärung ebenso, wie das romantische Bewusstsein der zu materiellem Wohlstand gekommenen Bürger in den frühkapitalistischen Jahrzehnten einer aufbrechenden Industriegesellschaft, bis hin zu den Jahren nationalverblendeten Großmachtdenkens und einer nach schrecklichen Weltkriegen demokratisch organisierten freien Gesellschaft in einem friedlichen Europa unserer Tage.

Die Wurzeln der Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen und der Historischen Bürgerwehr und Trachtengruppe gründen in einer Zeit, als das durch den habsburgischen Kaiser in Wien repräsentierte Heilige Römische Reich Deutscher Nation durch den Franzosen-Kaiser Napoléon Bonaparte 1806 zerstört und der revolutionäre Ruf nach ‚Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit‘ unter französischer Vorherrschaft mit militärischer Gewalt neu definiert wurde.

Manch eine Villingerin und manch ein Villinger hat wenige Jahre vorher sicherlich die Hand zur Faust in der Kittelschürze oder im Hosensack geballt, als die Truppen Napoléons auch hier in Villingen Station machten und der französische Kommandant am 7. Januar 1801 unmissverständliche Order gab, die Gewehre der freien Bürger zu beschlagnahmen. ‚Fremde Herren‘ in den Mauern der eigenen Stadt, die sich jahrhundertelang in katholisch-habsburgischem Geiste selbstbewusst und mit Bürgerstolz entwickelt hatte, – der Kaiser in Wien war schließlich fern –, diese Erfahrung von Demütigung für die Villinger Bürgerinnen und Bürger ist auch heute noch sicherlich nachvollziehbar.

Als dann fünf Jahre später die Stadt für wenige Monate Württembergisch wird und der Stuttgarter Kommissar – obwohl die badische Zugehörigkeit längst beschlossen war – zu allem Übel auch noch das Benediktinerkloster mit seinem Kirchenschatz radikal plünderte, ist wieder Ohnmacht zu spüren und der folgende politische Zuschlag zum neugegründeten Großherzogtum Baden mag manch Villinger Herz als Befreiung vom ‚lutherischen Pack‘ erfahren haben.

1810, vor nunmehr 200 Jahren, so berichtet die Chronik, wird in Villingen die seit 1774 agierende Bürgermiliz aufgelöst und ein „freiwilliges Militaircorps mit einer Grenadier-, einer Füsilier- und einer Abteilung Kavallerie mit Musikkapelle gegründet“. Und mit der Umgestaltung des Militärwesens im Großherzogtum Baden – eine hoheitliche Landwehr ersetzte nun die städtisch rekrutierten Milizen – waren die Aufgaben und Pflichten der ehemals städtisch organisierten Wehren neu verteilt.

So wurde auf die Anfrage vom 13. Mai 1816 des Grenadierhauptmann Zeller beim Bezirksamt, und ich zitiere aus der Festschrift, „ob das Bürgermilitär noch bestehe“, klipp und klar vom Ministerium in Karlsruhe vier Wochen später am 12. Juni 1816 mitgeteilt, „dass ein Bürgermilitär in Villingen ,ganz und gar nicht nötig‘ sei“.

Jetzt murrten die alten Garden des ehemaligen Bürgermilitärs ob ihrem Verlust ihrer Privilegien für ihre überkommenen Dienste an der Stadt und ihrer Bewohner und schwer ertrugen sie ihre Entmachtung und den daraus folgende Schwund ihres öffentlichen Ansehens, doch gegen die Vorstellungen des badischen Ministeriums des Innern und dem neuen Geist der städtischen Beamten in Villingen war ihr Protest vergebens. Meine Damen und Herren, die zum 200-jährigen Jubiläum herausgegebene und reich bebilderte Festschrift, aus der ich gerade diese Ereignisse zitieren konnte, und die ich ihnen, so sie dieses Buch noch nicht besitzen zum Kauf empfehle, diese Festschrift zeigt in ihren Textbeiträgen all diese Geschichten und Ereignisse, die wechselseitigen Eifersüchteleien unterschiedlicher Protagonisten, die vielfältigen Neu- und Reorganisationen, die den neuen Verhältnissen ihrer jeweiligen Zeit geschuldet waren, auf und dokumentiert lückenlos das Werden des Jubilars im Spiegel der zwei Jahrhunderte. Und wer mit wachem Auge diese Geschichtchen und Geschichten, diese Possen und Sottisen der Vergangenheit liest, ich sage das augenzwinkernd, ist das eine oder andere Mal durchaus auch an die Kapriolen und Händelsüchteleien, die wir in unseren Tagen manchmal erleben dürfen, erinnert. So können wir, mit Blick in diese Festschrift, aus dem Vergangen lernen, wie Gegenwärtig das Eine oder Andere im einen oder anderen Fall hier in unserer Stadt sein kann.

Wie auch immer: Der Kontext, in dem der Jubilar seine Wurzeln gründet, ist, ich habe es angedeutet, vielschichtig und geprägt von einer umfassenden Umwälzung bürgerlicher Ordnungssysteme zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In diesen Zeiten nationaler Identitätsfindung erarbeiteten sich die bürgerlichen Vereinigungen, die ehemals aktiven militärischen Dienst und Brand- und Schutzaufgaben übernommen hatten, einen neuen lokalen Beitrag und nach und nach entwickelten sich in den folgenden Jahrzehnten engagierte Gruppierungen, die Heimatpflege und Tradition in einer aufgeklärten und freien Gesellschaft mit neuem Leben zu füllen wussten. Dabei leisteten diese engagierten und heimatverbundenen Menschen – und sie tun es bis heute – einen kulturellen Beitrag für das Gemeinwohl, der längst verstaubten Wurzeln entwachsen ist.

Heute, im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, zeigt sich ihr gesellschaftliches Engagement in verschiedensten Facetten. Dabei erfüllen die Mitglieder der Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen und der Historischen Bürgerwehr und Trachtengruppe mit ihrer vorbildlichen Jugendarbeit einen wertvollen und ehrenhaften Dienst für unser Gemeinwohl. Indem sie ein gemeinsames Erleben und Bewahren von Traditionen ermöglichen, einen wichtigen Beitrag in unserer Unterhaltungskultur bei den periodischen Festlichkeiten leisten und mit ihrer Folklore auch wichtige Aufgaben für das Marketing und das Image unserer Stadt übernehmen, ist die Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen und die Historische Bürgerwehr und Trachtengruppe zu einem wichtigen und erfolgreichen Botschafter unserer Heimat geworden.

So gratuliere ich zum Schluss der Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen und der Historischen Bürgerwehr und Trachtengruppe zu ihrem Jubiläum noch einmal von ganzem Herzen, sage allen Mitgliedern für ihr gesellschaftliches Wirken in diesem Ehrenamt im Namen der Stadt Villingen- Schwenningen herzlichen Dank und wünsche dem Jubilar für die Zukunft Zuversicht und Freude bei all ihrem Tun.

Lassen Sie uns gemeinsam – im Landesgartenschaujahr 2010 – dieses Jubiläum der Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen und der Historischen Bürgerwehr und Trachtengruppe begeisternd feiern, sodass wir im Jubeljahr zusammen mit unseren Freunden, dem Gemeinderat und allen Bürgerinnen und Bürgern für alle Gäste unserer Stadt ein würdiger Gastgeber sein können.

 

 

 


Dokumentation zur Sanierung des Abt-Gaisser-Hauses, Schulgasse 23, in Villingen (Andreas Flöß)

Das Abt-Gaisser-Haus ist am Tag seiner feierlichen Eröffnung ein Gebäude, bei welchem es selbst mir als Architekt aus heutiger Sicht schwerfällt, es mit den üblichen technischen, wirtschaftlichen und funktionalen Aspekten zu beschreiben.

Sie erleben hier ein Gebäude, das Emotionen weckt und das voll von Geschichten und wertvollen Details auf eine lange Vergangenheit zurückblicken kann. Eine Vergangenheit, die seit ca. 1200 n. Chr. untrennbar mit der Villinger Stadtgeschichte verwoben ist – denn bereits beim Bau der Villinger Stadtmauer wurde der „Grundstein“ für das Abt-Gaisser-Haus gelegt. Besser gesagt waren es gleich mehrere Grundsteine, die hier als Basis für das Gebäude rund dreißig Jahre später, im Jahre 1233/34, als Nordfassade dienen sollten.

Heute sind diese bis zu zwei Meter dicken Wände freigelegt und man sieht, wie notwendig dieses solide Fundament war, um die Jahrhunderte wechselvoller Geschichte, wenn auch stark angegriffen, zu überstehen.

1. Vorgeschichte

Abb. 1: Umbaumaßnahmen im Lauf der Zeit: Blick auf den im Jahre 1568 zwischen Alt- und Anbau ausgebrochenen Durchgang im Keller des Gebäudes.

 

Seit 1981 haben zahlreiche bauhistorische Untersuchungen nur allmählich die lange Historie des Abt-Gaisser-Hauses rekonstruieren können. Fest steht, dass es als eines der ältesten Häuser unserer Stadt, erst als St. Georgener Pfleghof („Niederlassung“ des Klosters St. Georgen) und als Amtssitz / Wohnung der Äbte des in Villingen ansässigen Benediktinerkonventes genutzt wurde (von 1538 bis 1806).

Als Zeugen dieser glanzvollen Zeit sind uns unter anderem Renaissance-Malereien erhalten geblieben, die 1981 unter mehreren Tapeten und Gipsputzschichten gefunden wurden (Abb. 2).

Diese fragmentarischen Wand- und Decken bemalungen, die man an verschiedenen Stellen im Haus entdeckte, waren es auch, die das Gebäude zu Beginn der 80er Jahre davor bewahrten, durch Zweckumbauten völlig entstellt zu werden.

Weiteren Ausbaumaßnahmen konnte somit Einhalt geboten werden – dem allmählich fortschreitenden Verfall der Bausubstanz allerdings nicht. Denn was sich als wertvolle und bauhistorisch schützenswerte Besonderheit herausstellte, führte zugleich zu einem Stillstand in allen Instanzen.

Abb. 2: Raum 1.17: Fachwerkkonstruktion mit aufwändigen Dekorationsbemalungen aus dem 16. Jahrhundert.

 

Alle Umbauarbeiten wurden sofort eingestellt und mit dem Wissen, hier ein Juwel der Stadt Villingen wiederentdeckt zu haben, begann eine jahrzehntelange Kosten-Nutzen-Diskussion, die das Gebäude in einen wahren „Dornröschenschlaf“ versetzte. Eine dicke Staubschicht legte sich über die verwinkelten und heruntergekommenen Räumlichkeiten, die zuvor jahrzehntelang als Einfachwohnungen gedient hatten.

2. Planung

2008 kamen mit der Entwurfsvorplanung für die Unterbringung der Stiftungsverwaltung des Spitalfonds und diversen Räumlichkeiten für die Seniorenbetreuung die ersten Ansätze der heute vollendeten Sanierung ins Gespräch.

Durch den Kauf des Abt-Gaisser-Hauses und die damit verbundenen Sanierungsabsichten durch den Spitalfonds Villingen wurde die Hoffnung geweckt, den zunehmenden Verfall des Gebäudes endlich aufhalten zu können.

Die vorgefundene Bausubstanz befand sich in einem äußerst schlechten Zustand. Unschwer war zu erkennen, dass die Räume durch Umbaumaßnahmen mit mehreren übereinander aufgebrachten Bodenbelägen und vielschichtigen Wand- und Deckenverkleidungen in ihrer ursprünglichen Anordnung kaum noch nachvollziehbar waren.

Mit den Jahren war der Bausubstanz ausschließlich hinzugefügt worden – wodurch die Räume kleiner, verwinkelter und niedriger geworden waren.

Auf den zweiten Blick wurde ersichtlich, dass das tragende Gebälk dem Zahn der Zeit nicht hatte standhalten können und „nachgegeben“ hatte (Abb. 3).

Obwohl für die neue Nutzung die minimalste Verkehrslast angesetzt wurde, war schnell klar, dass dieses Gebäude von Grund auf stabilisiert werden musste. Innen senkten sich Decken und Fußböden von den Außenwänden ins Gebäudeinnere um bis zu 70 cm ab.

Sämtliche Räume und die Treppenhäuser waren mit Höhenunterschieden und Absätzen von bis zu 100 cm verbaut (Abb. 4).

Abb. 3: Durchblick durch die freigelegten, südlich gelegenen Räume im 2. Obergeschoss.

 

Die neue Umbauplanung beinhaltete als wichtigsten Punkt den Erhalt sämtlicher historischer Bausubstanzen. Hierbei handelte es sich nicht nur um die Wände mit Wandmalereien und die Räume mit Holzdecken, sondern um sämtliche noch verwendbaren oder restaurierbaren Bauteile im gesamten Haus. Durch eine konsequente Verwendung hochwertiger und naturbelassener Baustoffe sollte es gelingen, die alte Bausubstanz zu erhalten um sie in ihrer Einmaligkeit herauszuheben. Das Konzept sah vor, die neuen Bauteile als Kontrast im historischen Baukern zu betrachten.

Um nach der Sanierung eine sinnvolle Nutzung möglich zu machen, wurde durch bauhistorische Untersuchungen bestätigt, dass teilweise in einem bestimmten Bereich des Hauses Wände entfernt werden konnten. Dieser Bereich ist im 1. Obergeschoss des 1536/37 angebauten Ostbaus zugunsten eines Saales (Abb. 5).

Abb. 4: Raum 1.10: Höhenunterschiede im 1. Obergeschoss.

 

Abb. 5: Blick in den jetzigen Saal vor der Entkernung aller Räume in diesem Bereich.

Die Zustimmung hierzu gab es unter anderem deshalb, weil in diesem Gebäudeteil starke Störungen der Baustruktur durch rege Bautätigkeit vor ca. 180 Jahren erfolgte.

Die Entwurfsplanung der zukünftigen Räume sieht in den weniger gut belichteten Nordbereichen Funktionsräume und Erschließungszonen vor. Die Büroräume und der Saal befinden sich in der ausreichend gut belichteten Südzone des Gebäudes.

Abb. 6: Übergabe der Baufreigabe im Mai 2009 (v. l.) Stadtbaudirektor Henning Keune, Oberbürgermeister Dr. Rupert Kubon, Architekt Andreas Flöß, Geschäftsführer Spitalfonds Villingen Werner Echle.

 

Nach der umfangreichen Planungsphase und der Vorlage eines stimmigen, in enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege ausgearbeiteten Nutzungskonzeptes, wurde Ende Mai 2009 die Baugenehmigung durch die Stadt Villingen-Schwenningen erteilt (Abb. 6).

3. Baubeginn

Die Sanierung des Abt-Gaisser-Hauses wurde in der folgenden 12-monatigen Bauzeit zu einem ständigen Balanceakt zwischen der Bewahrung dieser alten Gebäudesubstanz und den realen Anforderungen der Gegenwart.

Es galt, Aspekte wie z. B. Brandschutz, Technik oder Schalldämmung mit den Anforderungen des Denkmalschutzes in Einklang zu bringen.

Die Barrierefreiheit des Gebäudes erforderte beispielsweise einen Aufzug und einen zentralen Zugangsbereich, der durch einen modernen Anbau aus Sichtbeton und Glas realisiert werden konnte.

Eine weitere große Herausforderung stellte das notwendige statische Konzept des gesamten Gebäudes dar. Eine optimale Lastverteilung sieht normalerweise die direkte Lastabtragung in die Fundamente vor.

Bei der vorherrschenden Raumstruktur im Abt- Gaisser-Haus saß – mit Ausnahme der Außenwände – keine Wand auf der anderen. Dieser Umstand erforderte teilweise hochkomplizierte statische Antworten, welche im Gebäude bewusst sichtbar und erlebbar gemacht wurden.

So mussten die Deckenbalken mit jeweils unterschiedlichen statischen Maßnahmen gesichert werden. Für nahezu jeden einzelnen der insgesamt über 100 Balken wurde ein eigenes Trag- und Stützkorsett entwickelt und angewendet.

Abb. 7: Durchbruch der Außenmauer für den neuen Anbau des Fahrstuhls.

 

Zur Stabilisierung der sich absenkenden Innenbereiche wurden zusätzliche Stahlträger in die Decken eingelassen und verankert. Das bestehende Holzgebälk wurde ebenfalls durch Stahlträger und neue Unterkonstruktionen aus Holz verstärkt (Abb. 8 und 9).

Nach der Sanierung verdeckt, liegen in der Geschossdecke des 2. Obergeschosses 12 Stahlträger mit einer Bauteillänge von je 11 m, welche über den Dachstuhl in die entkernte Decke eingelassen wurden.

Sichtbar bleiben diese Maßnahmen hingegen im Saal und in den angrenzenden Räumen im 1. Obergeschoss: die stabilisierenden Stahlträger verlaufen längs unter den historischen Unterzügen und passen sich diesen an (Abb. 10).

Abb. 8: Verstärkung der Böden durch Stahlträger.

 

 

Abb. 9: Einbringen der Stahlträger über den Dachstuhl.

 

 

Abb. 10: Stahlträger im Saal und die sichtbaren Spuren der vor Ort zusammengeschweißten Trägerelemente.

 

 

Abb. 11: Raum 2.01: Sondageöffnung im Bodenbelag.

 

 

 

Abb. 12: Flurbereich im 2. Obergeschoss: Entkernung des Fußbodens.

 

 

 

Abb. 13: Flurbereich im 1. Obergeschoss: Einbringen der Schüttung auf die verlegten Rohrleitungen.

 

4. Freilegung der Bausubstanz

Im Inneren des Gebäudes galt es, die jüngere Bausubstanz (bis in die 1950er Jahre) des Gebäudes Schicht für Schicht freizulegen (Abb. 11).

So wurde beispielsweise im Gewölbe des 2. Obergeschosses unter drei Schichten verschiedenster Bodenbeläge ein aus dem 13. Jahrhundert stammender Sandsteinboden freigelegt und für die heutige Nutzung teilweise ergänzt.

Im 1. Obergeschoss wurden auf die gleiche Art und Weise Teile des alten Dielenbodens aus dem 16. Jahrhundert sichtbar.

Anschließend galt es, die alten Böden, Türen, Treppen, Decken und Wandvertäferungen zu sanieren und das neue Gebäudekonzept behutsam daran anzulehnen. Der Gedanke, die alten Elemente in ihrer Ursprünglichkeit zu bewahren, war das ständige Motiv aller Maßnahmen undUmbauten. Jetzt, nach der Sanierung, wird dieser Leitgedanke überall im Gebäude sichtbar.

Gänzlich unsichtbar hingegen ist die neue Heizungsverteilung, die in der teilweise abgehängten Decke verlegt wurde.

Die Elektro- und Datenleitungen befinden sich in Bodenkanälen und sind über bodenbündige Verteilerdosen erreichbar. Die Lichtschalter wurden, von den Wänden abgelöst, auf Edelstahlstelen montiert.

Diese Maßnahmen waren notwendig, um die Wände in ihrer historischen Struktur zu belassen und Eingriffe in die alte Bausubstanz zu vermeiden.

Diesem Prinzip folgen auch die neuen Decken- bzw. Fußbodenkonstruktionen, indem sie abgesetzt von den alten Wänden nicht direkt an historische Wandtäferungen und Lamperien angrenzen. Die neu eingebrachten Decken wurden bewusst als leichte Elemente in die Räume eingehängt und scheinen zu „schweben“.

Die neuen Böden grenzen nie bündig an die bestehenden Wände an und somit konnten die Wandvertäferungen in vielen Räumen in ihrer ursprünglichen Lage, Höhe und Proportion erhalten werden. Bei den Böden wurde bewusst mit Abstand gearbeitet, so dass der neue Bodenbelag einerseits Raum bietet, um Versorgungsleitungen aufzunehmen und andererseits nicht an die Vertäferungen anstößt (Abb. 14).

Die im Gebäude neu verbauten Innentüren sind in ihren Maßen an die alten Türstürze angepasst.

Abb. 14: Abstand vom neuen Fußboden zur alten Wandvertäferung.

 

 

Abb. 15: Restaurierung und Nachbau des Gewölbes.

 

Die neuen, unlackierten Zargenverkleidungen aus Kiefernholz geben den ursprünglichen Türrahmen eine neue Einfassung. Die drei markanten Außentüren wurden von einem Restaurator komplett überarbeitet und an ursprünglicher Stelle wieder verbaut.

Die bauhistorisch dagegen wenig bedeutsamen Fenster und Fensterläden des dreigeschossigen Massivbaus wurden komplett ersetzt. Eine Sanierung erschien weder aus denkmalpflegerischer, noch aus ökonomischer Sicht sinnvoll.

5. Gewölbe im 2. OG

Das unter einer Putzschicht verborgene Gewölbe im 2. Obergeschoss, welches direkt an die Stadtmauer angrenzt, konnte aufwändig freigelegt und gesichert werden. In einem zweiten Schritt wurde es teilweise mit einer originalen Gewölbeschalung neu aufgemauert (Abb. 15).

Nachdem ein historischer Durchgang zum Gewölbe wieder freigelegt wurde und eine weitere Zwischenetage bereinigt werden konnte, wurde das gesamte 2. Obergeschoss wieder als eine Ebene begehbar gemacht (Abb. 16).

6. Dachstuhl und Dachhaut

Der 1840 neu abgezimmert und auf die bestehenden Außenwände aufgesetzte Dachstuhl machte umfangreiche Sicherungsmaßnahmen vorwiegend an den Bundbalken notwendig. Auf der gesamten Nordseite waren die Schwellen, Balken und Sparrenköpfe abgefault und mussten ersetzt werden (Abb. 17).

Abb. 16: Blick durch den neuen Teil des Gewölbes (vorne) auf den freigelegten Durchgang und das entkernte Treppenhaus.

 

 

Abb. 17: Abgedeckter Dachstuhl.

 

 

Abb. 19: Blick auf die Nordfassade während der Bauarbeiten.

 

Der sanierte Dachstuhl (Abb. 18) wurde mit einem Futterdach neu versehen und mit alten handgestrichenen Biberschwanzziegeln gedeckt. Hierbei konnten rund 2.000 Ziegel der alten Deckung wiederverwendet werden (dies entspricht 15% der alten Deckung). Die Ergänzungsziegel entstammen der Stadtkirche in Meßkirch. Aufgrund der einfachen statischen Ausführung des Dachstuhls war aus Gewichtsgründen eine übliche Doppeldeckung nicht möglich. Die neuen „alten“ Ziegel wurden deshalb in einfacher Deckung mit Kupferschindeln verlegt.

Um eine bessere Belichtung des Dachstuhls zu erreichen, wurden die beiden Dachflächen mit neuen Schleppgauben versehen. Die Gauben wurden komplett in Lärchenholz, ohne Lasur oder Anstrich gefertigt.

Abb. 18: Dachstuhl während der Sanierung.

 

 

 

Abb. 20: Ansicht der neuen Süd fassade nach der Sanierung. Photos: Jochen Hahne und Andreas Flöß

 

7. Fassade und Außenbereich 

Auf der Fassade des Gebäudes befanden sich mehrere Putzschichten. Bei der restauratorischen Untersuchung der Außenputze wurden keine Merkmale auf Außenwandmalereien entdeckt. Zudem waren die im letzten Jahrhundert aufgebrachten Putze, insbesondere im Nordbereich, durch ständige Durchnässung stark beschädigt. In Folge dessen fiel die Entscheidung, die bestehenden Putzschichten bis auf das Bruchsteinmauerwerk abzunehmen und mit einem komplett neuen hochdiffusionsoffenen, reinen Kalkputz neu aufzubauen. Der Anstrich wurde als reiner Silikatanstrich ohne Zusatz von Lösungsmitteln aufgetragen.

Die Sandsteinleibungen, Stürze und Fensterbänke waren ebenfalls stark beschädigt und morsch. In mehreren unterschiedlichen Verfahren wurden diese Bauteile behutsam restauriert. Lediglich an vier Stellen musste die Altsubstanz durch Neuteile ersetzt werden.

Der Vorplatz wurde komplett umgestaltet, um die Barrierefreiheit zu erreichen. Die bestehenden Bordsteine wurden abgesenkt, der neue Pflasterbelag fügt sich nun direkt an das Gebäude an.

8. Fazit

Die Sanierung des Abt-Gaisser-Hauses hatte immer das Ziel, sowohl der Geschichte als auch der Gegenwart gerecht zu werden. Heute gleicht in dem Gebäude kein Raum dem anderen und überall hat die Zeit ihre Spuren hinterlassen.

Es ist gelungen, diese Spuren zu bewahren und gleichzeitig eine Nutzung für die Öffentlichkeit zu schaffen.

Als „Sichtfenster in sieben Jahrhunderte Baugeschichte“ werden einige Boden- und Wandöffnungen im Inneren des Gebäudes in ihrem Originalzustand bestehen bleiben und die Blicke der Besucher auf sich ziehen.

Gemeinsam mit den Renaissance-Wandmalereien und unzähligen Details im gesamten Gebäude zeugen sie heute von einer abwechslungsreichen Vergangenheit, welche seit über 770 Jahren mit der Villinger Stadtgeschichte verwoben ist – und es dank dieser Sanierung auch in Zukunft bleiben wird.

Einen alten Brauch mit Leben erfüllen (Dominik Schaaf)

Das Fronleichnamsfest in Villingen

Maria mit Kind. Blumenteppich vor dem Hochaltar auf dem Marktplatz an Fronleichnam 2010.

 

Einen schönen alten Brauch wieder mit Leben erfüllen. Dies war der Anspruch von Patrick Weigert und Dominik Schaaf, die nun zusammen mit einem großen Team schon zum zweiten Mal an dem Fronleichnamsbrauch mitwirkten.

Nachdem Patrick Weigert die Jahre zuvor schon durch Blumenspenden aus seinem eigenen Blumenladen in der Färberstraße den Fronleichnamsbrauch unterstützte, sah er mit Sorge, dass der Brauch von Blumenteppichen und das Schmücken der Straßen und Häuser zum Fronleichnamstag immer weniger Unterstützer findet.

Das Münster bot Herrn Weigert an, einen eigenen Blumenteppich zu gestalten und somit den Brauch noch aktiver zu unterstützen. Patrick Weigert nahm spontan an und fand in Dominik Schaaf einen Mitstreiter der in früheren Jahren bereits Erfahrungen mit dem Legen von Blumenteppichen durch St. Fidelis gesammelt hatte.

Für Monika Storz von der Münstergemeinde kam die angebotene Hilfe wie gerufen.

Das Münster hat schon lange das Schmücken der Hochaltäre auf dem Münsterplatz sowie den Narrobrunnen inne und war froh, nun den Narrobrunnen an die beiden abgeben zu können und sich gemeinsam mit den Münsterfrauen auf den Hochaltar auf dem Münsterplatz zu konzentrieren.

Für Patrick Weigert und Dominik Schaaf begann nun eine lange und intensive Vorbereitung.

Alte Bilder von früheren Teppichen am Narrobrunnen wurden gesichtet, Pläne ausgearbeitet und ein anspruchsvolles Motiv wurde entworfen.

Man scheute auch den Weg nach Hüfingen nicht um dort in einem Gespräch mit Herren des Fronleichnamskomitees weitere Informationen und Tipps zu bekommen.

Der gelernte Florist Weigert fuhr die Region ab auf der Suche nach Blüten, die man für einen Teppich verwenden kann und erstellte einen genauen Arbeitsplan, wann und wo was gezupft werden kann.

Kleine Musterteppiche wurden gelegt um zu schauen wie und ob sich die Blüten für ein Blumenbild verwenden lassen. Dabei wurde schnell klar, nicht alles was auf den heimischen Wiesen wächst, lässt sich für den Blumenteppich verwenden.

Gut geeignet sind vor allem; Bachnelkwurz, Margeriten, Flieder, Pfingstrosen, Farn, Tannenstößle, Klee oder Wiesensalbei. Sehr ergiebig sind vor allem Lupinenblüten.

Dominik Schaaf durchforstete alte christliche Bücher um das passende Motiv zu finden.

Fronleichnamsteppich in der Oberen Straße.

 

Mit eigens gefertigten Schablonen werden die Blumenmuster für den Prozessionsweg gelegt. Fotos: Dominik Schaaf

Das gefundene Motiv wurde auf eine Holzplatte im Format 160 x 130 cm mit Kreide freihändig übertragen. Dass er privat gerne Ölbilder malt und auch schon Bühnenbilder gestaltet hat, kam ihm hier sehr entgegen. Die aufgemalte Figur, in diesem Fall ein Jesus, konnten dann mit Blüten ausgefüllt werden.

Aber für solch einen Teppich braucht man hunderte von Blüten und viele fleißige Hände.

Durch die Mitgliedschaft in mehreren Vereinen waren schnell viele Helfer gefunden, die diese Aktion mit unterstützen wollten.

Im Jahre 2009 waren es immerhin schon stolze 15 Personen die nun eingeteilt in Gruppen ab Sonntag vor Fronleichnam die Wiesen und Wälder in der Region durchforsteten und eimerweise die Blüten oder Gräser sammelten. Die gesammelten Blüten wurden in der kühlen Benediktinerkirche gelagert bis sie ihren Platz auf dem Teppich fanden.

Um 4 Uhr morgens, am sogenannten „Herrgottstag“, hieß es dann den Teppich an den Platz vor den Narrobrunnen zu tragen und die restliche Dekoration vorzunehmen.

Das Fronleichnamsfest 2009 war für alle Beteiligten ein voller Erfolg. Dies wurde auch durch das große positive Feedback nochmals deutlich. Manches kleine Dankesschreiben lag bei Patrick Weigert im Briefkasten.

Durch die positive Resonanz war beiden klar, hier wollen sie weiter anknüpfen. Ideen hatte man allein durch den Besuch in Hüfingen genug. Der in Hüfingen gelegte Prozessionsweg hat es beiden angetan und somit war die Idee geboren, dies auch in Villingen, wenn auch im kleinen Rahmen, umzusetzen und den Schmuck der Straßen somit noch zu erhöhen.

Um den Aufwand für so einen Weg kleiner zu halten wurden nach Vorbild aus Hüfingen aus Metall und Holz Schablonen gefertigt, die das Legen von Blumenmustern relativ einfach ermöglichen.

Schaut man sich solch eine Schablone genauer an, erinnert sie ein wenig an einen Bilderahmen.

Dieser wird auf die Straße gelegt und mit Blüten aufgefüllt. Durch Abtrennungen im Rahmen ergeben sich dann unterschiedliche Muster. Sind alle Felder aufgefüllt kann der Rahmen abgenommen werden und das Blütenbild ist fertig.

Durch mehrere unterschiedliche Schablonen, die allesamt von Helfern gesponsert wurden, konnte somit in relativ kurzer Zeit ein Prozessionsweg von immerhin 80 m gelegt werden.

Der Weg erstreckte sich vom Hochaltar bis auf die Höhe Cafe Raben und bot allen Besuchern ein herrliches Bild.

 

Auch 2010 gab es, trotz schlechten Wetters, in Villingen eine Fronleichnamsprozession.

 

Sie war, gegenüber der gewohnten Wegstrecke, etwas verkürzt. Aber die fleißigen Helferinnen und Helfer, die in der Oberen Straße einen schönen Blumenteppich gelegt hatten, haben ihre Arbeit nicht vergebens gemacht. Sabine Krümmer vom Schwarzwälder Bote hat uns diese Aufnahmen freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.

Der Start des Weges vom Hochaltar kam nicht von ungefähr. Die Bruder-Klaus-Gemeinde, die für das Schmücken des Hochaltars zuständig war, stand leider nicht mehr zur Verfügung und somit wurde auch dieser Altar von der Gruppe Weigert-Schaaf übernommen. Dies war nur dadurch möglich, dass sich die Gruppe von Helfern aus dem Vorjahr von 15 auf sage und schreibe 45 Personen gesteigert hatte.

Diese drei Projekte, Altar am Narrobrunnen, Prozessionsweg und Hochaltar zu organisieren und durchzuführen war für alle Beteiligten zwar eine körperliche und nervliche Herausforderung, aber das Endergebnis und die vielen Reaktionen hoben alle Anstrengungen auf.

Gemeinsam mit allen anderen Pfarreien, die an diesem hohen kirchlichen Feiertag mitwirken, bekommt unsere Stadt somit für einen Tag wieder ein wunderschönes Kleid, das an frühere Zeiten erinnert.

Und das ist genau das, was sich alle Beteiligten noch für die Zukunft wünschen – mehr Unterstützer: Bewohner aus der Innenstadt, die wieder ihre Fenster mit Fahnen oder Reisig schmücken; Menschen die sich vor ihren Häusern mit kleinen eigenen Hausaltären beteiligen und somit dem Fronleichnamstag wiederzu dem verhelfen, was er in Villingen einmal war.

Um dies zu unterstreichen wurden bereits erste Gespräche geführt. Es wird versucht, alle Beteiligten Pfarreien und Helfer in einem dafür zu gründenden Komitee zu bündeln um die anfallenden Arbeiten gemeinsam zu stemmen.

Viele Ideen stehen im Raum und die nächsten Treffen werden zeigen, was davon umgesetzt werden kann.

Am Schluss sei gesagt: Alle, die die Helfer unterstützen möchten, sind herzlich willkommen!

Dabei kann die Unterstützung vielseitig aussehen. Sei es durch Blumenspenden oder einfach durch das Schmücken der Häuser in der Innenstadt.

 

 


Hohe Auszeichnung für Altdekan Kurt Müller (Hermann Colli)

Mit einem herzlichen Händedruck gratulierte der Vorsitzende des Geschichts- und Heimatvereins Villingen, Günter Rath, Altdekan Kurt Müller zur Verleihung des

 

 

Mit einem herzlichen Händedruck gratulierte der Vorsitzende des Geschichts- und Heimatvereins Villingen, Günter Rath, Altdekan Kurt Müller zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande.

 

Ein besonderes Ereignis im Jahre 2010 war für den Geschichts- und Heimatverein Villingen (GHV) die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Altdekan Kurt Müller, der seit vielen Jahren dem Beirat des GHV angehört und der durch seine aktive Mitarbeit und sein großes Fachwissen auf dem Gebiet der Stadt- und Kirchengeschichte das Leben des Vereins wesentlich mitgeprägt hat.

Über 300 Gäste nahmen an der festlich gestalteten Verleihungsfeier im Münsterzentrum teil. Der Freiburger Regierungspräsident, Julian Würtenberger, überreichte Kurt Müller die vom Bundespräsidenten Horst Köhler verliehene hohe Auszeichnung. Er würdigte damit Kurt Müllers außergewöhnliches Engagement im sozialen Bereich.

In seiner Laudatio sprach der Regierungspräsident die zahlreichen ehrenamtlichen Verdienste des im Ruhestand lebenden Pfarrers an, der aber auch heute noch auf vielen kirchlichen und sozialen Feldern aktiv ist. Er bescheinigte dem Geehrten „eine hohe menschliche und soziale Kompetenz“. Diözesan Caritasdirektor Monsignore Bernhard Appel stellte Müllers zahlreichen Aktivitäten im Caritasverband heraus und sagte:

„Sie haben durch ihr Engagement dazu beigetragen, dass viele Wünsche der Kirche Wirklichkeit werden konnten.“

Die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates der Seelsorgeeinheit Münster, Monika Storz, dankte dem Altdekan, der 27 Jahre als Münsterpfarrer in der Gemeinde segenreich wirkte, für seine Arbeit im Weinberg des Herrn: „Sie haben uns stets wichtige Werte vermittelt.“

Der Erste Vorsitzende des Geschichts- und Heimatvereins, Günter Rath, freute sich, dass die Bemühungen des GHV um die hohe Auszeichnung für ihr Beirats- und Ehrenmitglied Kurt Müller von Erfolg gekrönt waren.

Regierungspräsident Julian Würtenberger heftete Altdekan Kurt Müller das Bundesverdienstkreuz am Bande ans Rivers.

 

 

In seiner Ansprache ging er auf das Wirken des Geehrten in Gesellschaft und Kirche ein und hob vor allem dessen Verdienste im GHV hervor. Er erklärte unter anderem: „Seit 1983 sind Sie Mitglied unseres Vereins, mehr als zwanzig Jahre gehören Sie als Beiratsmitglied unserem Vorstand an und 2008 durfte ich Ihnen für Ihre großen Verdienste um den Verein die Ehrenmitgliedschaft verleihen.“ Sein tägliches Handeln, so Rath, sei geprägt von Grundsätzen, aber auch von Lebensnähe und einem Pragmatismus, der aus diesem Realismus erwachse. Rath bezeichnet den Geehrten als einen exzellenten Kenner theologischer Fragen, aber sein Rat sei ebenso hoch geschätzt, wenn es um Geschichte und Kunst gehe. Das sei durch zahlreiche Beiträge in den Jahresheften des Geschichts- und Heimatvereins und andere Veröffentlichungen belegt.

„Mit Ihren Beiträgen zur Geschichte haben Sie immer eine Lektion vermittelt, aber diese kam immer fundiert mit Fakten aus der Geschichte, nie mit dem erhobenen Zeigefinger des kritisierenden Autors oder Predigers,“ erklärte der GHV-Vorsitzende. „Lieber Herr Pfarrer Müller“, so Rath am Schluss seiner mit Beifall aufgenommenen Ansprache, „Sie haben mit ihrer segensreichen Arbeit, die Stadt, den Geschichts- und Heimatverein, die Menschen bereichert, Sie sind eine Bereicherung für unsere Zeit“.

Zahlreiche Glückwünsche konnte der Geehrte nach der Ordensverleihung beim Empfang für die geladenen Gäste entgegennehmen. Freudige Gesichter überall. Hier bestaunt Pfarrer i.R. Alfons Weißer, der ebenfalls aktiv am Leben des Geschichts- und Heimatvereins teilnimmt, den Orden an Kurt Müllers Brust.

 

 

Eine große Festversammlung nahm an der feierlichen Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im großen St. Georgsaal im Münsterzentrums teil. Hier der Geehrte in der ersten Reihe mit Oberbürgermeister Rupert Kubon und dessen Frau Petra Brenneisen-Kubon.

 

 

 

 

 

 

 


Johann Peter Hebel (Barbara Eichholtz)

Obwohl sich das Jahr 2010 bereits seinem Ende zuneigt, sei an dieser Stelle eines Dichters gedacht, der wie wohl kein anderer mit seiner badischen Heimat verbunden war und dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 250. Male jährt. Die Rede ist von Johann Peter Hebel, der 1760 in Basel geboren wurde. Schon ein Jahr später verstarb der Vater, und die Mutter zog mit ihrem Sohn in ihr Heimatdorf Hausen im Wiesental bei Lörrach. Als Hebel dreizehn Jahre alt war, verstarb auch die Mutter. Mit Hilfe von Förderern und einem schmalen Erbe konnte er das Gymnasium in Karlsruhe beenden und ein zweijähriges Theologiestudium aufnehmen. Vom Hauslehrer und Vikar brachte er es bis zum Professor und Hofdiakon. 1826 verstarb er. Obwohl Hebel den allergrößten Teil seines Lebens in Karlsruhe verbrachte, empfand er den südlichen Südwesten als seine eigentliche Heimat und bemühte sich immer wieder, dort eine Pfarrstelle zu erhalten, vergebens.

Hebel wurde von seinem Zeitgenossen Goethe über Hermann Hesse bis zu Elias Canetti hoch geschätzt. Neben seinen „Alemannischen Gedichten“ in Mundart zählen seine „Kalendergeschichten“ zu seinen bekanntesten Veröffentlichungen. „Man muß sich vergegenwärtigen, daß Kalender zur Zeit Hebels fast der einzige Lesestoff waren, der in alle Häuser kam. Kalender enthielten außer den obligaten Zeit- und Datumstafeln auch Informationen zur bäuerlichen Ökonomie, zum Hauswesen, zu gesundheitlichen Fragen, manchmal auch zu politischen Entwicklungen. Schon diese Mischung machte sie populär, mehr aber noch die Ergänzung durch spannende und vergnügliche Geschichten. Darin sah Hebel eine Chance, die Menschen zu vernünftigem moralischen Handeln zu bewegen, …1

Hebel schrieb mehr als 300 Erzählungen für den Kalender, der im neu entstandenen badischen Großherzogtum den Namen „Der Rheinische Hausfreund“ erhielt. Später traf Hebel eine Auswahl und gab diese 1811 unter dem Titel „Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes“ heraus. Die Moral seiner Geschichten wird nie mit erhobenem Zeigefinger vorgebracht, sondern stets in einen heiteren Inhalt verpackt. Berühmt geworden ist seine Erzählung „Kannitverstan“, die noch heute, trotz ihrer uns etwas antiquitiert anmutenden Sprache Eingang in die Schulbücher findet. Sie dürfte zwar den meisten der Leser dieses Jahresheftes bekannt sein, wird aber sicher gerne noch einmal gelesen, ihr tieferer Sinn hat bis heute nichts von seiner Aktualität verloren.

Kannitverstan2

Der Mensch hat wohl täglich Gelegenheit, in Emmendingen und Gundelfingen so gut als in Amsterdam, Betrachtung über den Unbestand aller irdischen Dinge anzustellen, wenn er will, und zufrieden zu werden mit seinem Schicksal, wenn auch nicht viel gebratene Tauben für ihn in der Luft herumfliegen. Aber auf dem seltsamsten Umweg kam ein deutscher Handwerksbursche in Amsterdam durch den Irrtum zur Wahrheit und zu ihrer Erkenntnis. Denn als er in diese große und reiche Handelsstadt voll prächtiger Häuser, wogender Schiffe und geschäftiger Menschen gekommen war, fiel ihm sogleich ein großes und schönes Haus in die Augen, wie er auf seiner ganzen Wanderschaft von Tuttlingen bis Amsterdam noch keines erlebt hatte. Lange betrachtete er mit Verwunderung dies kostbare Gebäude, die sechs Kamine auf dem Dach, die schönen Gesimse und die hohen Fenster, größer als an des Vaters Haus daheim die Tür. Endlich konnte er sich nicht entbrechen, einen Vorübergehenden anzureden. „Guter Freund“, redete er ihn an, „könnt Ihr mir nicht sagen, wie der Herr heißt, dem dieses wunderschöne Haus gehört mit den Fenstern voll Tulipanen, Sternenblumen und Levkoien?“ – Der Mann aber, der vermutlich Wichtigeres zu tun hatte und zum Unglück gerade soviel von der deutschen Sprache verstand als der Fragende von der holländischen, nämlich nichts, sagte kurz und schnauzig:

„Kannitverstan“ und schnurrte vorüber. Dies war ein holländisches Wort, oder drei, wenn man’s recht betrachtet , und heißt auf Deutsch soviel als: Ich kann Euch nicht verstehen. Aber der gute Fremdling glaubte, es sei der Name des Mannes, nach dem er gefragt hatte. Das muß ein grundreicher Mann sein, der Herr Kannitverstan, dachte er und ging weiter. Gass‘ aus Gass‘ ein kam er endlich an den Meerbusen, der da heißt: Het Ey, oder auf Deutsch: Das Ypsilon. Da stand nun Schiff an Schiff und Mastbaum an Mastbaum, und er wußte anfänglich nicht, wie er es mit seinen zwei einzigen Augen durchfechten werde, alle diese Merkwürdigkeiten genug zu sehen und zu betrachten, bis endlich ein großes Schiff seine Aufmerksamkeit an sich zog, das vor kurzem aus Ostindien angelangt war und jetzt eben ausgeladen wurde. Schon standen ganze Reihen von Kisten und Ballen auf- und nebeneinander am Lande. Noch immer wurden mehrere herausgewälzt, und Fässer voll Zucker und Kaffee, voll Reis und Pfeffer, und salveni Mausdreck darunter. Als er aber lange zugesehen hatte, fragte er endliche einen, der eben eine Kiste auf der Achsel heraustrug, wie der glückliche Mann heiße, dem das Meer alle diese Waren an das Land bringe. „Kannitverstan“, war die Antwort. Da dachte er: Haha, schaut’s da heraus? Kein Wunder, wem das Meer solche Reichtümer an das Land schwemmt, der hat gut solche Häuser in die Welt stellen und solcherlei Tulipanen vor die Fenster in vergoldeten Scherben. Jetzt ging er wieder zurück und stellte eine recht traurige Betrachtung bei sich selbst an, was er für ein armer Mensch sei unter soviel reichen Leuten in der Welt. Aber als er eben dachte: Wenn ich’s doch nur auch einmal so gut bekäme, wie dieser Herr Kannitverstan es hat, kam er um eine Ecke und erblickte einen großen Leichenzug. Vier schwarz vermummte Pferde zogen einen ebenfalls schwarz überzogenen Leichenwagen langsam und traurig, als ob sie wüßten, daß sie einen Toten in seine Ruhe führten. Ein langer Zug von Freunden und Bekannten des Verstorbenen folgte nach, Paar und Paar, verhüllt in schwarze Mäntel und stumm. In der Ferne läutete ein einsames Glöcklein. Jetzt ergriff unsern Fremdling ein wehmütiges Gefühl, das an keinem guten Menschen vorübergeht, wenn er eine Leiche sieht, und er blieb mit dem Hut in den Händen andächtig stehen, bis alles vorüber war. Doch machte er sich an den letzten vom Zug, der eben in der Stille ausrechnete, was er an seiner Baumwolle gewinnen könnte, wenn der Zentner um 10 Gulden aufschlüge, ergriff ihn sachte am Mantel und bat ihn treuherzig um Exküse. „Das muß wohl auch ein guter Freund von Euch gewesen sein“, sagte er, „dem das Glöcklein läutet, daß Ihr so betrübt und nachdenklich mitgeht.“ – „Kannitverstan!“ war die Antwort. Da fielen unserm guten Tuttlinger ein paar große Tränen aus den Augen, und es ward ihm auf einmal schwer und wieder leicht ums Herz. „Armer Kannitverstan“, rief er aus, „was hast dun nun von allem deinem Reichtum? Was ich einst von meiner Armut auch bekomme: ein Totenkleid und ein Leintuch, und von allen deinen schönen Blumen vielleicht einen Rosmarin auf die kalte Brust, oder eine Raute.“ Mit diesen Gedanken begleitete er die Leiche, als wenn er dazu gehörte, bis ans Grab, sah den vermeinten Herrn Kannitverstan hinabsenken in seine Ruhestätte, und ward von der holländischen Leichenpredigt, von der er kein Wort verstand, mehr gerührt als von mancher deutschen, auf die er nicht acht gab. Endlich ging er leichten Herzens mit den andern wieder fort, verzehrte in einer Herberge, wo man Deutsch verstand, mit gutem Appetit ein Stück Limburger Käse, und wenn es ihm wieder einmal schwerfallen wollte, dass so viele Leute in der der Welt so reich seien und er so arm, so dachte er nur an den Herrn Kannitverstan in Amsterdam, an sein großes Haus, an sein reiches Schiff und an sein enges Grab.

1 Hermann Bausinger, in: Johann Peter Hebel. Kalendergeschichten. Tübingen 2009, S. 14.

2 Text entnommen: Johann Peter Hebel: Kalendergeschichten. Eingeleitet und herausgegeben von Hermann Bausinger, Tübingen 2009, S. 21 – 24.

 


Die Zähringer und Villingen (Michael Buhlmann)

Am Wochenende vom 25. bis 27. Juni 2010 feierte man in Villingen ein großes Stadtfest, das u.a. als Zähringerfest die Repräsentanten von zwölf sog. Zähringerstädten versammelte und in der symbolischen Übergabe des Wappens mit dem Zähringeradler einen seiner zahlreichen Höhepunkte hatte. Villingen war vom 10. Jahrhundert an mit den Zähringern verbunden, seine Stadtwerdung war um die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert abgeschlossen, so dass dem Ort zu Recht das (wie auch immer zu interpretierende) Attribut einer „Zähringerstadt“ zuerkannt werden kann.

Das hochmittelalterliche Fürstenhaus der Zähringer, vielleicht in Verbindung stehend mit der alemannischen Familie der Bertholde bzw. Alaholfinger, tritt mit der Marktrechtsurkunde Kaiser Ottos III. (984-1002) für Villingen erstmals konkret in Erscheinung (999). Mit Grafschaftsrechten ausgestattet, sich benennend nach der Burg Zähringen bei Freiburg im Breisgau, gelang es Berthold II. (1078-1111) die Herzogswürde in Schwaben zu erlangen (1092, 1098). Im Mit- und Gegeneinander zu den staufischen Königen entstand im südwestlichen Schwaben und nordöstlichen Burgund ein fürstliches Territorium, das auch neu gegründete „Zähringerstädte“ mit einschloss. Nach dem Tod Herzog Bertholds V. (1186-1218), des Letzten der zähringischen Herzöge, teilten sich Staufer, die Grafen von Urach und Kiburg sowie die Herzöge von Teck das Zähringererbe.

Im Folgenden wird die Geschichte der Zähringer erzählt, geordnet nach den Zähringerherzögen Berthold I. (1024-1078), Berthold II., Berthold III. (1111-1122), Konrad (1122-1152), Berthold IV. (1152-1186) und Berthold V. Wir beginnen mit Bezelin von Villingen (991/96-1024) und der Villinger Markturkunde von 999, um am Ende auf die „Zähringerstädte“ und den Ort Villingen zurückzukommen.

I. Bezelin von Villingen

Das hochmittelalterliche Herzogsgeschlecht der Zähringer wird gerne mit den Alaholfingern oder Bertholden, einer mächtigen Adelsfamilie im Alemannien der ausgehenden Merowinger- und der Karolingerzeit (8./9. Jahrhundert) in Verbindung gebracht, ohne dass allerdings die historische Forschung bisher endgültige Beweise dafür beibringen konnte. Historischen Grund betreten wir mit dem zähringischen Vorfahren Bezelin (Berthold) von Villingen (991/96-1024) am Ende des 10. Jahrhunderts. In das Umfeld der erfolgreichen politischen Unternehmungen des Thurgaugrafen Bezelin auf der Ebene des sich ausbildenden deutschen Reiches ist die Kaiserurkunde zu stellen, die Berthold auf Grund seiner Königsnähe und seiner Verdienste für den deutschen Herrscher Otto III., aber auch wegen der schwäbischen Interessen des Kaisers am 29. März 999 erhielt. Mit Markt, Münze und Zoll erlangte der „Zähringer“ auch die weitgehende Verfügungsgewalt über den merkatum genannten Handelsplatz in Villingen. Münzen des 11. Jahrhunderts, Fernhandelsdenare vor allem aus dem Ostseeraum mit der Aufschrift „PERCTOLT“, die wir sehr wahrscheinlich mit der Villinger Münze in Verbindung bringen können, zeigen den wirtschaftlichen Aufstieg Villingens und den politischen der Zähringer in dieser Zeit an. Dazu passend findet sich zum Jahr 1153 als Eintrag im Briefbuch des Abtes und staufischen Gefolgsmannes Wibald von Stablo-Malmedy (1130-1158) die Tabula consanguinitatis, eine kombinierte Staufer- und Zähringergenealogie, in der an prominenter Stelle ein Bezelinus de Vilingen, eben Bezelin von Villingen, als Verwandter der Staufer und Ahnherr der Zähringer steht.

II. Berthold I.

Auch Berthold I. (1024-1078), der Sohn Bezelins von Villingen, besaß die für den weiterenAufstieg seiner Familie so wichtige Königsnähe. ImAuftrag der salischen Kaiser Konrad II. (1024-1039) und Heinrich III. (1039-1056) war Berthold in italienischen Reichsangelegenheiten engagiert. Der Zähringer war Graf im Alpgau (südöstlicher Schwarzwald) und im Thurgau (südlich des Bodensees). Nach dem Tod Herzog Ottos III. von Schweinfurt (1048-1057) forderte Berthold das schwäbische Herzogtum für sich, ging aber leer aus und erhielt nach dem Ableben Herzog Konrads III. von Kärnten (1056-1058) dessen Herzogtum (1061). Wie seine Vorgänger entfaltete Berthold I. in Kärnten gegen die mächtige Adelsfamilie der Eppensteiner aber kaum Wirkung. Er machte seinen Sohn Hermann (I. „von Baden“) zum Markgrafen von Verona und war 1066 im Gebiet von Vicenza in der Markgrafschaft Verona zu finden, übrigens der einzige konkrete Hinweis auf politische Aktivitäten des Zähringers im Südosten des deutschen Reiches. Mit der Ernennung Bertholds I. zum Herzog war immerhin eine Rangerhöhung verbunden, die dazu führte, dass Berthold als Graf in Schwaben aus der dortigen Adelshierarchie herausfiel, wahrscheinlich auch seine schwäbischen Amtsgrafschaften aufgab. Bertholds Sohn Hermann übernahm die für die Zähringer so wichtige Grafschaft im Breisgau. Von Markgraf Hermann I. (1052-1074) sollten dann die badischen Markgrafen abstammen, die badische Adelsfamilie hat den (Veroneser) Markgrafentitel beibehalten.

Im Investiturstreit (1075-1122) stand Berthold auf der Seite der anderen süddeutschen Fürsten gegen den salischen König Heinrich IV. (1056-1106). Der Zähringer beteiligte sich an der Wahl und Krönung des schwäbischen Herzogs Rudolf von Rheinfelden (1057-1077) zum (Gegen-) König (1077-1080) und wurde dafür auf dem Hoftag Heinrichs IV. zu Ulm Anfang Juni 1077 zum Tode verurteilt und seiner Lehen und Ämter für verlustig erklärt. Es kam zu schweren kriegerischen Auseinandersetzungen; Anfang November 1078 verwüstete Heinrich IV. u.a. die zähringischen Besitzungen in Schwaben, so dass Berthold auf Grund der massiven Zerstörungen dem Wahnsinn verfallen sein soll. Berthold starb am 5. oder 6. November 1078 auf seiner Burg Limburg (bei Weilheim a. d. Teck) und wurde im Schwarzwaldkloster Hirsau begraben.

III. Berthold II.

Berthold II., der Sohn Bertholds I., um 1050 geboren, rückte nach dem Tod seines Vaters in dessen Stellung ein. Als Markgraf von Verona beanspruchte er das Herzogtum Kärnten, als Gegner des Salierkönigs und als Repräsentant einer mächtigen Adelsfamilie in Schwaben gehörte er dem verwandtschaftlichen und politischen Netzwerk des sich damals im deutschen Südwesten formierenden Reformadels an, d.h. er war eng mit der gregorianischen Kirchenreform verbunden. Verwandtschaftliche Beziehungen wurden dabei durch Heiraten geknüpft. Nicht von ungefähr ehelichte Berthold II. im Frühjahr 1079 Agnes, die Tochter des (Gegen-) Königs Rudolf von Rheinfelden. Der Zähringer war ein wichtiger politischer Anhänger Rudolfs, er beteiligte sich an den kriegerischen Auseinandersetzungen gegen Gefolgsleute des Salierkönigs, etwa gegen die Abtei St. Gallen und das Bistum Konstanz (1079, 1084), und nahm wohl auch an der Erhebung Bertholds von Rheinfelden, des Sohnes König Rudolfs, zum schwäbischen (Gegen-) Herzog (1079-1090) teil. Damit reagierte die Partei des Reformadels auf die Vergabe des schwäbischen Herzogtums durch König Heinrich IV. an den Staufer Friedrich I. (1079-1105).

Nach dem Tod des (Gegen-) Herzogs Berthold von Rheinfelden (1090) beerbten die Zähringer die Rheinfeldener und erhielten zuvorderst die Besitzungen in und um Rheinfelden und einen umfangreichen Güterkomplex im burgundischen Königreich um Burgdorf (im Emmental). Der Zähringer Berthold II. wurde zudem (Gegen-) Herzog von Schwaben (vermutlich Mai 1092), nachdem vielleicht Pläne, ihn zum Gegenkönig zu machen, gescheitert waren (1091). Vererbt wurden schließlich auch die engen Beziehungen der Rheinfeldener zum Kloster St. Blasien im Südschwarzwald, so dass die Zähringer dort in der Folgezeit die wichtige Stellung von Klostervögten innehatten. Zähringische Klostervogteien gab es noch über die Schwarzwaldklöster Schuttern, Gengenbach und St. Georgen.

Auch in den 1090er-Jahren lief durch Schwaben der politische Riss zwischen den Anhängern Kaiser Heinrichs IV. und denen der kirchlichen Reformpartei. Berthold II. bezeichnete der Geschichtsschreiber Bernold von Konstanz († 1100) als miles sancti Petri („Krieger des heiligen Petrus“ (in Rom)) und hob damit ab auf die auch ausgleichende Rolle des Zähringers in Schwaben beim Aufbau einer neuen Ordnung und eines Landfriedens (1093). Dazu passt, dass sich Berthold – neben seinem jüngeren Bruder Bischof Gebhard III. von Konstanz (1084-1110) – in Sachen der Klosterreform engagierte. Die Gründung des Reformklosters St. Peter im Schwarzwald, das Hauskloster und Grablege der Zähringer wurde, gehört hierher (1091/93), ebenso die engen Beziehungen zu den Mönchsgemeinschaften in Allerheiligen, Hirsau oder Alpirsbach.

Parallel dazu konnte der 1084 nur unter Schwierigkeiten zum Konstanzer Bischof gewählte Gebhard III. – auch durch Unterstützung des Gegenkönigs Hermann von Salm (1081-1088) sowie durch regelmäßig stattfindende Diözesansynoden (so 1084, 1094, 1095) – seine bischöfliche Stellung in Schwaben und im Konstanzer Bistum festigen. Auf einer Synode vom Oktober 1105 konnte gar ein Gottesfrieden für Schwaben verkündet werden. Aktiv war Bischof Gebhard ebenfalls im Bereich von Klosterreform und Klostergründung. Die engen Beziehungen zum Kloster Hirsau und dessen Abt Wilhelm (1069-1091) sowie die Tatsache, dass der Zähringer auch Benediktinermönch war, begünstigten die gregorianische Kirchenreformbewegung, wie sie sich in der Gründung der benediktinischen Reformklöster und -priorate St. Georgen im Schwarzwald (1084), (Kloster-) Reichenbach (1085), Alpirsbach (1095) und Berau (n. 1108) offenbarte. Die bischöflichen Aktivitäten Gebhards geschahen dabei immer vor dem Hintergrund des durch die Kämpfe des Investiturstreits erschütterten Schwaben. So war Gebhard 1089 päpstlicher Legat geworden und konnte zusammen mit den Konstanzer Bürgern 1092 den Versuch des St. Galler Mönches Arnold vereiteln, sich als vom Kaiser eingesetzter (Gegen-) Bischof in Konstanz festzusetzen. Der gleich anzusprechende Frieden von 1098 veränderte indes die politischen Rahmenbedingungen der Bischofs- und Legatentätigkeit Gebhards, der seinen Bischofssitz Konstanz zwischen 1102 und 1105 sogar verlassen musste.

Mit dem Aufenthalt Kaiser Heinrichs IV. in Straßburg Ende 1097 begannen die abschließenden Verhandlungen um einen Frieden zwischen der kaiserlichen Partei und der des Reformadels. Wesentliches Element dieser pax war der zähringisch-staufische Ausgleich von wohl 1098. Danach verzichtete Berthold II. auf das schwäbische Herzogtum, nicht jedoch auf den Titel eines Herzogs. Die Zähringer wurden damit zu „Herzögen ohne Herzogtum“, was ihnen z.B. von dem hochmittelalterlich-staufischen Geschichtsschreiber und Bischof Otto von Freising († 1158) den Vorwurf eines „leeren Titels“ (vacuum nomen) eintrug. Immerhin gelangte Berthold II. in den Besitz des schwäbischen Vororts Zürich, und auch der Übergang der namengebenden Burg Zähringen mit dem umliegenden Reichsgut an Berthold könnte damals stattgefunden haben bzw. anerkannt worden sein. Durch diese Reichslehen waren Bindungen an Königtum und Reich gegeben, die den Herzogstitel der Zähringer zweifelsohne aufwerteten. Nicht von ungefähr sollten sich im Verlauf des 12. Jahrhunderts die Zähringer eben nach der Burg Zähringen benennen (dux Zaringie u.ä.). Mit der pax von 1098 war indes die im Investiturstreit aufgekommene politische Zweiteilung der provincia Schwaben nicht aufgehoben. Neben dem staufischschwäbischen Herzogtum bildete sich innerhalb von Schwaben (und Burgund) ein Herzogtum der Zähringer aus, das mit dem regnum Suevie der Staufer konkurrierte. Damit setzte sich der politische Gegensatz zwischen Staufern und Zähringern aus der Anfangszeit des Investiturstreits nahtlos fort. Dieser Gegensatz, der zeitweise ein politisches Neben- und Miteinander nicht ausschloss, sollte bis zum Aussterben der Zähringer (1218) anhalten. Zweifellos waren die Zähringer politisch insofern im Nachteil, da sie die Anerkennung ihres Herzogstitels durch die Könige benötigten. Sie gerieten damit auch in Abhängigkeit von den Staufern, als diese ab 1138 die deutschen Herrscher stellten.

IV. Berthold III.

Als Berthold II. am 12. April 1111 starb und im zähringischen Hauskloster St. Peter begraben wurde, folgte ihm sein ältester Sohn Berthold III. (1111-1122) nach. Wie zuletzt sein Vater ist Berthold III. im Gefolge des salischen Königs Heinrich V. (1106-1125) nachweisbar und war an den Verhandlungen zwischen König und Papst um Bischofsinvestitur und Kaiserkrönung Anfang Februar 1111 in Sutri beteiligt. Beim niederrheinischen Aufstand gegen Heinrich V. geriet er nach der verlorenen Schlacht bei Andernach (Ende Oktober/Anfang November 1114) in Gefangenschaft Graf Dietrichs I. von Ahr, war aber 1115 schon wieder frei. Beim Abschluss des Wormser Konkordats (23. September 1122), das die Investitur von Bischöfen und Reichsäbten im deutschen Reich regelte, befand sich Berthold III. unter den Fürsten, die dem Vertrag Zustimmung erteilten.

Auf der machtpoltischen Bühne Schwabens standen Adelsfehden an, u.a. wegen der Grenzstreitigkeiten zwischen dem Zähringerkloster St. Peter und dem Augustinerchorherrenstift St. Märgen, einer „Gegengründung“ der im mittleren Neckarraum und im Breisgau begüterten Grafen von Haigerloch-Wiesneck. Im Winter 1122/23 unterstützte Berthold III. seinen Verwandten, den Grafen Hugo VIII. von Dagsburg, in einer Fehde gegen Aufrührer. Bei einem Angriff auf das unterelsässische Molsheim wurden Herzog und Graf gefangen genommen, der Herzog mit Billigung des Straßburger Bischofs Kuno (1100-1123) umgebracht (3. Dezember 1122).

V. Konrad

Nach der Ermordung seines kinderlosen Bruders Berthold III. übernahm Konrad, geboren um 1100, das zähringische Herzogtum (1122-1152). Konrad hatte 1120 das Kloster Allerheiligen und den Markt Schaffhausen überfallen, 1121/22 konnte er Manegold von Mammern als (Gegen-) Abt (1121-1133) in der St. Galler Mönchsgemeinschaft einsetzen. Während des magnus conventus, der „großen Zusammenkunft“ im November des Jahres 1123 in Konstanz anlässlich der feierlichen Erhebung der Gebeine des heilig gesprochenen Bischofs Konrad I. von Konstanz (934-975) war Konrad als St. Georgener Klostervogt an einem Gütertausch zwischen dem Schwarzwaldkloster und der Abtei Reichenau beteiligt. Die „große Zusammenkunft“ in Konstanz war wohl der letzte der „gesamtschwäbischen“ Fürstentage. Der Wandel in der Verfassung Schwabens schritt im 12. Jahrhundert weiter voran, die Einheit der schwäbischen provincia, deren Anfänge wir im karolingischen Gesamtreich und im Ostfrankenreich des 9. Jahrhunderts erkennen können, ging nun vollends verloren. Der Stauferherzog Friedrich II. (1105- 1147) repräsentierte das „alte“ schwäbische Herzogtum nördlich der Donau (einschließlich fränkischer Gebiete und des Elsass), der Zähringer Konrad die terra ducis („Land des Herzogs“) an Ober- und Hochrhein.

Unter Herzog Konrad blieb die politische Nähe zum deutschen Königtum auch und gerade unter Lothar von Supplinburg (1125-1137) erhalten. Für den König war es politisch nur folgerichtig, dass er im deutschen Südwesten die antistaufischen Kräfte stärkte, allen voran also die Zähringer. In diesem Zusammenhang ist die 1127 erfolgte Ernennung des Zähringerherzogs Konrad zum Rektor von Burgund zu sehen. Der König wies dem Zähringer die Aufgabe zu, in (Gesamt-) Burgund in Stellvertretung des deutschen Herrschers die Reichsrechte wahrzunehmen. Damit war die fürstliche Stellung der Zähringer, die bisher – wie gesehen – nur auf dem Titel eines Herzogs beruhte, erstmals reichsrechtlich abgesichert, gehörte Konrad doch nun (endgültig) zum consortium principum, zur „Gemeinschaft der Fürsten“. Das burgundische Amt des Rektors verband sich in der Folge mit dem Herzogstitel, so dass nun Nennungen wie dux Burgundiae („Herzog von Burgund“) oder dux et rector Burgundiae („Herzog und Rektor von Burgund“) neben den Titeln dux de Zaringen („Herzog von Zähringen“) oder dux Zaringiae („Herzog Zähringens“) möglich wurden. Konrad konnte die zähringische Machtstellung in Burgund sichern durch einen Sieg über den Grafen Amadeus von Genf († v.1152) beim Kloster Peterlingen (1132).

Mit dem Erwerb des deutschen Königtums durch den Staufer Konrad III. (1138-1152) sollte die politische Konkurrenz zwischen Zähringern und Staufern (im deutschen Südwesten und in Burgund) eine neue Qualität erlangen. So war die zähringische Herrschaft über den Vorort Zürich Ziel eines Überfalls des staufischen Herzogssohnes und nachmaligen Königs Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) auf den Ort. Im Jahr 1146 drang Friedrich – wahrscheinlich zur Sicherung des schwäbisch-staufischen Herzogtums – nach Zürich vor, das er einnehmen konnte; es folgte daraufhin wohl die Eroberung von Rheinfelden und der dortigen Zähringerburg.

Das Beispiel des Zähringerherzogs Konrad liefert noch einen guten Einblick in die hochadligen Familienverhältnisse der Fürstenfamilie. Konrad war der Sohn Herzog Bertholds II. und der Agnes von Rheinfelden. Konrads Geschwister waren der älteste, aber früh verstorbene Sohn Bertholds II., ebenfalls Berthold genannt, dann die Brüder Herzog Berthold III. und Rudolf, der jung im Jahr 1111 starb. Dazu kamen die Schwestern Agnes, Petrissa, Luitgard und Judith/Judinta. Agnes war verheiratet mit dem Grafen Wilhelm III. dem Deutschen von Hochburgund († 1110) und Mutter des Grafen Wilhelm IV. des Kindes (ermordet im Kloster Peterlingen, 1127), Petrissa war Ehefrau des Grafen Friedrich I. von Mömpelgard- Pfirt († 1160), Luitgard Gattin des Grafen und rheinischen Pfalzgrafen Gottfried von Calw († 1131/33) und Mutter u.a. der Uta von Schauenburg († 1196/99), der Ehefrau Herzog Welfs VI. († 1191) und Gründerin des Prämonstratenserklosters Allerheiligen im Schwarzwald. Judith schließlich, vielleicht die jüngste Tochter Bertholds II., heiratete den Grafen Ulrich II. von Gammertingen-Achalm († v. 1150); Kinder aus dieser Ehe waren Graf Ulrich III. († ca. 1166), der St. Galler Klostervogt, Graf Konrad I. († v. 1150) sowie Adelheid und Bertha. Herzog Konrad war standesgemäß (und seit etwa 1125) verheiratet mit der Gräfin Clementia von Namur und besaß ebenfalls eine Anzahl von Kindern. Nach dem Vater hatte man den wohl ältesten Sohn Konrad genannt, der aber spätestens 1140 tot war. Der ZweitältesteBerthold (IV.) wurde der Nachfolger seines Vaters im Herzogtum, der Bruder Rudolf Bischof von Lüttich (1167-1191). Ein Sohn Konrads mit Namen Adalbert (I.) begründete die zähringische Seitenlinie der Herzöge von Teck, ein weiterer Sohn war Hugo († 1203), der Herzog von Ulmenburg (Ulmburg), der aber keine Nachkommen hatte. Schließlich ist noch mit Clementia eine Tochter Herzog Konrads zu nennen, die zeitweise mit dem sächsischen und bayerischen Herzog Heinrich dem Löwen (1142/56-1180) verheiratet war.

VI. Berthold IV.

Berthold IV. (1152-1186) folgte Herzog Konrad nach, als dieser am 8. Januar 1152 starb. Noch im selben Jahr kam es zwischen Berthold und dem neuen staufischen König Friedrich I. Barbarossa zu einer Übereinkunft hinsichtlich des burgundischen Rektorats des Zähringers (wahrscheinlich Anfang Mai 1152). Danach sollte Berthold für einen geplanten Burgundzug des Königs 1000 gepanzerte Reiter, für einen Italienzug 500 Ritter stellen. Der Vertrag kann als Ausgangspunkt für das Auf und Ab in den Beziehungen zwischen Herzog und König in den folgenden Jahrzehnten dienen. So konnte sich Berthold IV. bei burgundischen Erbangelegenheiten gegenüber dem König und Kaiser nicht durchsetzen, denn Friedrich Barbarossa war es, der durch seine Heirat mit Beatrix von Burgund († 1189) in den Besitz des umstrittenen Erbes gelangte (1156), während Berthold IV. zu einem Vergleich mit Friedrich gezwungen war. Der Vergleich beinhaltete den Verzicht des Zähringers auf das Erbe der Beatrix und auf das Rektorat im westlichen und südlichen Teil Burgunds. Im Gegenzug erhielt Berthold IV. das Recht der Regalieninvestitur in den drei Bistümern Genf, Lausanne und Sitten. Die Zähringer waren damit auf den nordöstlichen Teil Burgunds beschränkt. Hier entfalteten sie allerdings einiges an Aktivitäten, einmal in ihrer Eigenschaft als Rektoren, zum anderen beim herrschaftlichen Ausbau. Als Rektor war Berthold IV. an der Errichtung eines Landfriedens im Bistum Lausanne beteiligt (1165), unterstellte das Zisterzienserkloster Hautcrêt seinem Schutz (1165) und stimmte der Schenkung von Reichsgut an das Augustinerchorherrenstift Interlaken durch den Kaiser zu (1183). Dabei konnten die Zähringer sowohl die geistliche Gemeinschaft in Interlaken als auch das Kloster Rüeggisberg, ein cluniazensisches Priorat, fester an sich binden und Kontakte der Kommunitäten zum Königtum zeitweise unterbinden. Gerade auf der Grundlage der (ehemals rheinfeldischen) Hausgüter gelang zudem Berthold IV. eine Intensivierung seiner Herrschaft im nordöstlichen Burgund, wie die Gründung der Stadt Freiburg im Üchtland (wohl 1157) zeigt. Dagegen verlor der Zähringer 1162 in einem Hofgerichtsurteil sein Recht auf Regalieninvestitur im Bistum Genf und sah sich in den 1170er-Jahren dem Ausbau staufischer Macht entlang der Italienroute des St. Bernhardpasses gegenüber.

Zähringische Positionen in Lothringen verteidigte Bischof Rudolf von Lüttich (1167-1191), der um 1130/35 geborene jüngere Bruder Herzog Bertholds IV. Er hatte seine geistliche Ausbildung u.a. in Mainz erhalten, wo er 1160 – nach dem Tod Erzbischof Arnolds (1153-1160) – erfolglos den erzbischöflichen Stuhl zu erlangen trachtete. Rudolf war dabei am Widerstand Kaiser Friedrichs I. gescheitert, der wiederum im Umfeld des kaiserlichen Romzuges (1166/67) sich den Zähringern politisch annäherte. Rudolf wurde so 1167 Lütticher Bischof, in den 1170er-Jahren begünstigte der Kaiser das zähringische Vordringen im Raum zwischen Maas und Mosel. Nach dem Sturz des Welfenherzogs Heinrich des Löwen im Jahr 1180 brauchte Friedrich Barbarossa allerdings weniger Rücksicht auf die Zähringer zu nehmen, und so gewann Graf Balduin V. von Hennegau (1171-1195) zunehmend politisch an Bedeutung. Die Anlehnung der Zähringer und Bischof Rudolfs an den Kaiser blieb trotz der staufischen Politik auch in den 1180er-Jahren fast alternativlos. So war Rudolf auf dem Mainzer Hoffest anwesend (1184), und beim Aufstand des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg (1167-1191) gegen den Kaiser verhielt er sich weitgehend neutral (1184-1188). Zu finden war Rudolf auch auf dem von Friedrich Barbarossa initiierten 3. Kreuzzug (1189/92), 1191 kehrte er davon zurück und starb bald darauf(5. August 1191).

VII. Berthold V.

Berthold V. (1186-1218), der „letzte Zähringer“, geboren um 1160, übernahm beim Tod seines Vaters Berthold IV. am 8. September 1186 die zähringische Herzogsherrschaft. Wirksam war Berthold V. besonders im burgundischen Raum. Der Zähringer war 1184 mit der Gräfin Ida von Boulogne verlobt worden, doch wurde die Verlobung alsbald wieder rückgängig gemacht. Erst spät heiratete Berthold die Gräfin Clementia von Hochburgund. Vielleicht stammte aus dieser Verbindung Bertholds Sohn, der ebenfalls Berthold hieß, aber noch vor dem Vater starb. Berthold V. rückte als dux Zaringie, wie er sich offiziell nannte, die zähringische (Territorial-)Herrschaft in den Mittelpunkt seiner Politik. Dies betraf besonders die Inanspruchnahme der überkommenen Herrschaftsrechte seiner Vorfahren hinsichtlich der Allodialgüter, der Reichs- und Kirchenlehen sowie der Klostervogteien. Es sollte nach dem Willen Bertholds der ducatus Zeringie, das „Herzogtum Zähringen“, entstehen.

Im Königreich Burgund, im burgundischen Rektorat der Zähringer war Berthold insofern erfolgreich, als es ihm 1190/91 gelang, einen burgundischen Aufstand gegen seine Herrschaft und seine Herrschaftsbestrebungen niederzuschlagen. Der Sieg Bertholds im Grindelwald am 12. April 1191 entschied jedenfalls zu Gunsten des Zähringers. Die Gründung der „Zähringerstadt“ Bern (1191) gehört in diesem Zusammenhang, vielleicht auch die (angeblich freiwillige) Überlassung Thuns an den Herzog durch die Herren von Thun. Der Sieg im Grindelwald wurde zudem in Burgdorf, der burgundischen Residenz Bertholds, durch eine Inschrift verewigt. Noch einmal kam es zu Kriegshandlungen in Burgund, als Herzog Berthold V. in Hochburgund und im Wallis Graf Thomas I. von Savoyen (1188-1232) bekämpfte, allerdings gegen die Walliser eine schwere Niederlage hinnehmen musste (v.1211). Auch steht die (erzwungene) Resignation des Lausanner Bischofs Roger I. (1177-1212) im Jahr 1212 im Zusammenhang mit dem stärker werdenden Einfluss der Zähringer auf das Bistum, hinsichtlich dessen die Rektoren ja die Regalieninvestitur ausübten. Zähringische Kirchenherrschaft offenbarte sich auch gegenüber dem 1131 gegründeten Zisterzienserkloster Frienisberg und dem Ursusstift in Soluthurn.

Berthold V. hatte ein durchaus distanziertes Verhältnis zu den staufischen Herrschern und zum deutschen Königtum. In Angelegenheiten des deutschen Reiches trat er kaum in Erscheinung. So hat er nicht am 3. Kreuzzug Kaiser Friedrich Barbarossas (1189/92) und an der Kaiserkrönung Heinrichs VI. (1190-1197) im Jahr 1191 teilgenommen, war aber auch kein dezidierter Parteigänger der Welfen und der gegen die Staufer gerichteten welfisch-niederrheinischen Opposition, der er gleichwohl angehörte. Nach dem überraschenden Tod Kaiser Heinrichs VI. (1197) suchten die Staufergegner nach einem geeigneten Kandidaten gegen den staufischen Thronbewerber und Herzog Philipp von Schwaben (1196/98-1208) und fanden ihn in Berthold V. Dieser wurde zunächst mit finanziellen Forderungen der Erzbischöfe von Köln und Trier konfrontiert, wurde in Köln zur Kandidatur überredet und musste seine zwei Neffen Konrad von Urach, Domherr in Lüttich, und Berthold von Urach, später Abt von Tennenbach, als Geiseln stellen. In Andernach sollte dann Berthold V. zum deutschen (Gegen-) König erhoben werden. Doch der Zähringer kam nicht, er hatte wohl kaum Hoffnung, einmütig von den Staufergegnern gewählt zu werden oder sich im Falle der Wahl als König durchzusetzen. Stattdessen verzichtete Berthold auf die Thronkandidatur, indem er sich mit dem inzwischen zum König gewählten Staufer Philipp verband (März 1198). Dies geschah gegen Überlassung von Schaffhausener Reichsgut und Klostervogtei sowie der Festung Breisach.

Für den „letzten Zähringer“ bzw. die Zähringer überhaupt ist noch deren literarisches Mäzenatentum im Rahmen der höfischen Kultur des Hochmittelalters überliefert. Ein Berthold von Herbolzheim soll einem „edelen Zäringaere“ einen (nicht auf uns gekommenen) „Alexanderroman“ gedichtet haben. Auftraggeberin einer (nur fragmentarisch erhaltenen) Margarethenlegende war Clementia von Hochburgund, die Ehefrau Herzog Bertholds V. Schließlich wird der bedeutende deutschsprachige Dichter und Ministeriale Hartmann von Aue (v.1180-n.1220; Au bei Freiburg im Breisgau?) mit den Zähringern in Verbindung gebracht. Jedoch nennt der Autor der Legende vom „Armen Heinrich“ und der Artusromane „Erec“ und „Iwein“ an keiner Stelle seine Mäzene, und seine genauere schwäbische Herkunft kann nur erschlossen werden, so dass Zusammenhänge zwischen Hartmann und den Zähringern doch mehr als fraglich erscheinen.

VIII. „Staat der Zähringer“

Den Herrschaftsbereich der Zähringer über das Schlagwort hinaus als „Staat“ zu bezeichnen ist sicher nicht angemessen, würde doch der herkömmliche, neuzeitliche Staatsbegriff diesem hochmittelalterlichen Herrschaftsgebilde eine Qualität zubilligen, die dieses bei Weitem nicht besaß. Die Zähringer übten ihre Herrschaft weitgehend personal aus; Lehnswesen und Vasallität bestimmten das „staatliche“ Gefüge der mittelalterlich-europäischen Reiche und Herrschaften. Schwerpunkte zähringischer Herrschaft waren zunächst der mittlere Neckarraum (Weilheim, Limburg, Teck), dann der Breisgau (Zähringen, Freiburg und St. Peter), die Ortenau (Offenburg, Gengenbach, Schuttern) und der Oberrhein (Neuenburg, Breisach), das Gebiet an oberer Donau und oberem Neckar (Baar), weiter – und gerade auch im Rahmen des hochmittelalterlichen Landesausbaus – der Schwarzwald (St. Blasien, St. Georgen), das Rheinfeldener Erbe an Hochrhein und im nordöstlichen Burgund, das Züricher Herzogsgut, das burgundische Rektorat (Bistum Lausanne). Daneben übten Zähringer als Bischöfe zeitweise ihre geistliche Herrschaft über die Bistümer Konstanz und Lüttich aus, besaßen die Herzöge Kirchenlehen z. B. der Mainzer und Trierer Erzbischöfe. Zähringerbesitz und -rechte hatten dabei eine unterschiedliche Rechtsqualität – vom Hausgut (Allod) über Grafschafts- und Rektoratsrechte sowie Klostervogteien bis hin zu als Lehen ausgegebenem Kirchen- und Reichsgut.

Auf lokaler Ebene waren Dörfer und abgabepflichtige Bauern den Zähringerherzögen unterworfen. Grundherrschaft heißt ein den Grundherrn, d.h. hier den Herzog, versorgendes Wirtschaftssystem, das auf Großgrundbesitz, Frondiensten und Abgaben von und Rechten über abhängige Bauern beruht. Spätestens im Hochmittelalter werden innerhalb der Grundherrschaften Gruppen gehobener Höriger wie Zensuale (persönlich abhängige Zinsleute) und Ministeriale (Dienstleute mit Dienstlehen) sowie die Meier als Verwalter von Hofverbänden (Villikationen) erkennbar. Gerade die Ministerialität war eine Stütze der Zähringerherrschaft. Ministeriale stellten – neben den adligen Vasallen – als berittene Krieger (Ritter) das militärische Aufgebot der Herzöge bei Krieg und Fehde und waren in der Verwaltung unentbehrlich. Stützpunkte herzoglicher Herrschaft waren die Zähringerburgen als Burgen der Ministerialen und Vasallen sowie als Herzogsburgen.

Der bäuerlich-feudalen Welt des (hohen) Mittelalters stand die mittelalterliche Stadt gegenüber, die sich auszeichnete durch ihre Funktionen als Befestigung, Markt, Zentralort und Bürgergemeinde mit eigener Gerichtsbarkeit, Freizügigkeit und (relativer) politischer und wirtschaftlicher Autonomie. Die Zähringerherzöge förderten im Sinne eines Herrschaftsinstruments bewusst die Entstehung und Gründung von Städten innerhalb ihres Herrschaftsbereichs. Prägend für diese „Zähringerstädte“ war mitunter auch ein enger Zusammenhang zwischen Stadt und Zähringerburg.

IX. Zähringerstädte

Was blieb übrig vom „Staat der Zähringer“, als diese mit Herzog Berthold V. im Mannesstamm ausstarben? Die Wirkungen, die von der zähringischen Herzogsfamilie ausgingen, waren vielfältig, damals im 11., 12. und beginnenden 13. Jahrhundert (Zähringergeschichte) und danach (Zähringertradition). Rein biologisch betrachtet lebten die Zähringer – über die enge, agnatisch verstandene Dynastie der Herzöge hinaus – in bedeutenden Adelsfamilien des Mittelalters und der frühen Neuzeit fort. Zu nennen sind diesbezüglich die Markgrafen von Baden, die Herzöge von Teck, die Grafen von Urach und die von Freiburg und Fürstenberg. Auch lassen sich bestimmte Erinnerungsorte wie der Zähringer Burgberg oder das Hauskloster St. Peter im Schwarzwald mit der Zähringertradition in Verbindung bringen. Schließlich gilt es noch, dem Mythos von den „Zähringerstädten“ nachzugehen.

Eine Reihe von Städten besaß im hohen Mittelalter Beziehungen zu den zähringischen Herzögen, die die Städte gründeten oder diesen als Stadtherren vorstanden. Zu den zähringischen Gründungsstädten gehörten Bern, Freiburg im Breisgau, Freiburg im Üchtland und Villingen. Nach der Niederlage der Burgunder gegen Herzog Berthold V. stiftete dieser an der Aareschlaufe die Stadt Bern (1191), vielleicht auf der Grundlage eines burgus (Befestigung, Siedlung) als Vorgängersiedlung, vielleicht benannt nach (Ort und Mark) Verona, jedenfalls in enger Verbindung stehend mit der Zähringerburg Nydegg und gelegen an einer wichtigen West-Ost-Verbindung durch das Schweizer Mittelland. Die berühmteste der „Zähringerstädte“ ist das im Breisgau gelegene Freiburg. An ältere Siedlungen anknüpfend, entstand seit dem 11. Jahrhundert ein Gewerbe- und Handelsplatz mit einer Ministerialensiedlung (burgus), die civitas erhielt 1120 durch Konrad von Zähringen einen Markt (forum), Ausgangspunkt für die Stadtwerdung Freiburgs, dessen Stadtrecht sich im 12./13. Jahrhundert ausformte (Freiburger Stadtrodel, ca.1218). Das heutige Freiburger Münster wurde noch unter dem Zähringerherzog Berthold V. begonnen, nachdem dessen Großvater Konrad das Gotteshaus gegründet hatte; der „letzte Zähringer“ ließ sich auch im Münster beerdigen. Wie Freiburg im Breisgau besaß auch das Freiburg im schweizerischen Üchtland (Fribourg) den mit „frei“ verbundenen programmatischen Ortsnamen.

1157 soll Herzog Berthold IV. das üchtländische Freiburg gegründet haben. Die Stadt entstand wohl auch zu einem Teil auf Besitz des Klosters Peterlingen, die Freiburger Handfeste von 1249 gilt als Überarbeitung des zähringischen Stadtrechts.

Burgdorf ist ein Beispiel für die enge Verflechtung von Stadt und Burg. Der ursprünglich rheinfeldische Ort war ein Dorf, aus dem sich zur Zeit Herzog Bertholds V. eine Stadt entwickeln sollte, die im Schatten der damals ebenfalls entstandenen, bedeutenden Zähringerburg lag, einem Ensemble aus Vor- und Hauptburg, aus Türmen, Palas und Donjon. 1170/80 soll Herzog Berthold IV. auf Besitz des Klosters Tennenbach die Stadt Neuenburg am Rhein gegründet haben, doch könnte die diesbezügliche Notiz im Tennenbacher Güterbuch von 1317/41 auch eine Erfindung des Tennenbacher Abtes Johannes Zenlin (1336-1353) gewesen sein. Dann wäre auch die Vermutung, Neuenburg sei eine zähringische Stadt und habe als Sperre zwischen den staufischen Besitzungen am Oberrhein und im Elsass gedient, hinfällig. Der Ort erscheint jedenfalls nach 1218 als staufische Königsstadt. Ein städtisches Bräunlingen und dessen Ummauerung sollen in den Beginn des 13. Jahrhunderts und damit in die Zähringerzeit zurückreichen. Das zähringische Hauskloster St. Peter im Schwarzwald blieb in Mittelalter und früher Neuzeit eine mehr oder weniger bedeutsame Mönchsgemeinschaft, in der in der Barockzeit Zähringerbewusstsein und Zähringertradition aufkamen. Weilheim a.d. Teck mit der frühen Zähringerburg Limburg war auch Ort einer von Herzog Berthold I. gestifteten geistlichen Gemeinschaft, der Vorgängerkommunität des Klosters St. Peter.

Die Verschiedenartigkeit der Entstehung der „Zähringerstädte“ bzw. „Zähringerorte“ macht es nun wenig wahrscheinlich, dahinter eine einheitliche Planung zu erkennen, wie sie sich etwa topografisch in den angeblichen zähringischen Straßenkreuzen widerspiegeln soll. Auch wird man schon für die Zähringerzeit, also für die Zeit der Ausbildung und Gründung der Städte, nicht von einem Zusammenhalt zwischen den „Zähringerstädten“ ausgehen können. Zu ungleichartig war der „Staat der Zähringer“, und nach deren Aussterben (1218) gelangten die Zähringerorte an verschiedene Herrscher und Territorien. Mithin gründet die heutige Fiktion von den zwölf „Zähringerstädten“ Bräunlingen, Freiburg im Breisgau, Neuenburg, St. Peter im Schwarzwald, Villingen und Weilheim a.d. Teck (in Deutschland) sowie Bern, Burgdorf, Freiburg im Üchtland, Murten, Rheinfelden und Thun (in der Schweiz) lediglich auf der (zufällig gemeinsamen) Entstehung der Orte in hohem Mittelalter und „Zähringerstaat“. Der heutzutage propagierte Mythos von den „Zähringerstädten“ ist also Ausfluss einer alles in allem beschönigenden und pauschalisierenden Zähringertradition, die so mit den historisch überlieferten Bedingungen der Orte seit dem hohen Mittelalter nicht übereinstimmen kann.

X. Zähringerstadt Villingen

Die Zähringer haben zweifelsohne das frühe Villingen bestimmt. Villingen wird erstmals im Jahr 817 in einer St. Galler Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen (814-840) erwähnt. Im Jahr 999 verlieh Kaiser Otto III. dem Zähringergrafen Berthold das Marktrecht am Ort. Im endenden 11. und im 12. Jahrhundert setzen für Villingen und Umgebung Nachrichten ein über Gütertransaktionen an die und Landbesitz der Benediktinerklöster St. Georgen, St. Peter im Schwarzwald und Gengenbach. Die Herzöge von Zähringen verfügten über die Baargrafschaft und eine auf Großgrundbesitz basierende Ortsherrschaft in Villingen mit dem Markt- und Münzrecht dort. Die archäologischen Funde weisen dabei auf wesentliche Veränderungen hin, die besonders den Bereich westlich der Brigach, einen Siedlungskomplex gegenüber der Siedlung in der Villinger Altstadt, betrafen. Offensichtlich lag im Villinger Münsterviertel das Zentrum zähringischen Besitzes, hierhin, zum Hofgut war der Markt verlegt worden, hier gab es seit Beginn des 12. Jahrhunderts den ersten Bau der Münsterkirche, einer Filiale der Altstadtkirche, hier kreuzten sich die beiden Hauptstraßen, die im Norden und Westen an zwei Motten endeten. Dass die neue Siedlung wichtige Vorortfunktionen herrschaftlicher und wirtschaftlicher Art wahrnahm, ergibt sich aus ihrer Größe und der Besiedlungsdichte in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts. Von daher waren die Voraussetzungen günstig für die sich besonders unter Herzog Berthold V., dem fundator ville Vilingen („Gründer des Ortes Villingen“) und Stadtherrn, vollziehende Entwicklung zur Stadt, gerade auch vor dem Hintergrund eines zunehmenden territorialen Gegensatzes zwischen Zähringern und Staufern im Raum am oberen Neckar. An den Anfang des 13. Jahrhunderts setzen die Archäologen den Bau der Ringmauer und des Grabens, um dieselbe Zeit ist ein Neubau der Münsterkirche entstanden. Eine Reihe von Stein- und Fachwerkhäusern aus der Zeit um 1200 ist zudem in Villingen nachweisbar.

Das Ende der Zähringerherrschaft kam am 18. Februar 1218 mit dem Tod des letzten Zähringerherzogs Berthold V., der keine Nachkommen hinterließ. Auch für Villingen sollten sich die Herrschaftsverhältnisse ändern. Der „Staat der Zähringer“ war zerbrochen, der zähringische Herzogstitel erloschen, die unterschiedlichen Ansprüche der Erben beschäftigten die Politik im deutschen Südwesten noch über geraume Zeit.

Quellen und Literatur:

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Ein gemeinnütziger Verein stellt sich vor: Palliativzentrum – VS e.V. (Verena Ströbele-Hoer )

 

Im Spätjahr 2008 wurde von der Verena & Walter Hoer Stiftung, Angehörigen von Betroffenen sowie Ärzten und Pflegepersonal der onkologischen Station am Klinikum Villingen-Schwenningen unter der Leitung von Prof. Dr. Brugger ein „Aktionsbündnis Palliativzentrum – VS“ ins Leben gerufen, das am Patiententag 2009 in der Neuen Tonhalle erstmals seine Zielsetzung der Öffentlichkeit bekannt machte: den Bau eines eigenständigen Palliativzentrums am Neubau des Schwarzwald- Baar-Klinikums.

Die veranschlagten Baukosten für eine räumlich eigenständige Palliativstation mit 12 Betten am Neubau des Schwarzwald-Baar-Klinikums belaufen sich auf ca. 2 Mio. EUR. In der vorliegenden Planung sind sechs Betten in der onkologischen Akutstation als sog. „Palliativbetten“ ausgeschrieben. Nach den Bedarfsberechnungen der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin besteht in einer Region mit unserer Bevölkerungsstruktur allerdings ein Bedarf von mindestens 25 Palliativbetten mit steigender Tendenz. Eine deutliche Verbesserung der stationären Palliativversorgung in unserer Region ist daher nur zu gewährleisten, wenn einerseits deutlich mehr als sechs Betten für Palliativpatienten am neuen Klinikum vorgesehen sind und wenn andererseits für die Betreuung dieser Patienten und ihrer Angehörigen mehr Raum, mehr Palliativ-Stationen in Baden-Württemberg Personal mit mehr Zeit zur Verfügung stehen und ein an die Bedürfnisse dieser Patienten angepasster Tagesablauf ermöglicht wird.

 

Aus dem Kreis der Mitglieder dieses „Aktionsbündnisses“ heraus wurde dann am 11. November 2009 der gemeinnützige Verein „Palliativzentrum– VS e.V.“ mit einem Startkapital von 70.000 € gegründet. In dieser Höhe waren bereits bis zum Jahresende 2009 bei der Verena & Walter Hoer Stiftung Spenden für das geplante Palliativzentrum eingegangen, die dem neuen Verein überschrieben wurden.

Der Geschäftsführer des Klinikums, Herr Schmid, unterstützt die Initiative. Er stellt das Gelände für den Bau einer Palliativstation in unmittelbarer Nähe zum Klinikum zur Verfügung. Die Palliativstation kann dann – eingebettet in die Organisationsstruktur des Klinikums – betrieben werden. Die alternierenden Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Schwarzwald-Baar-Klinikum VS GmbH, Herr OB Dr. Kubon und Herr Landrat Heim unterstützen die Initiative ebenfalls. Dennoch ist es bislang wegen der sehr angespannten Haushaltslage in Stadt und Landkreis nicht gelungen, weitere öffentliche Mittel für den Bau der Palliativstation bereitzustellen oder entsprechende Subventionen vom Land Baden-Württemberg zu bekommen. Der Bau soll daher im wesentlichen aus Spendenmitteln finanziert werden.

Was bedeutet Palliativmedizin?

Schaffung und Erhaltung einer möglichst hohen Lebensqualität in der letzten Lebensphase Für Menschen mit schwerer, nicht mehr heilbarer Erkrankung steht die Behandlung der oft quälenden Symptome im Vordergrund, belastend für den Betroffenen und seine Angehörigen ist aber auch die Auseinandersetzung mit der Erkenntnis einer verbleibenden begrenzten Lebenserwartung, mit dem Sterben und dem Abschied nehmen. Die meisten Patienten möchten diese Lebensphase zu Hause verbringen, daher spielt auch das Knüpfen eines verlässlichen sozialen und medizinischen Netzes für die weitere Versorgung zu Hause und die Unterstützung der Angehörigen eine ganz wichtige Rolle. Palliativpatienten benötigen häufig eine vorübergehende stationäre Behandlung (durchschnittlich 2 Wochen) zur Linderung ihrer die Lebensqualität belastenden Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot und Angst. Diese Behandlung ist nur in einer Schutz und Halt gebenden Atmosphäre in einem spezialisierten eigenständigen Palliativzentrum zu verwirklichen. Hier können Patienten und deren Angehörige in jeder Hinsicht einfühlsam und professionell von in Palliativmedizin und Palliativpflege besonders ausgebildetem Fachpersonal durch diese schwere Lebensphase begleitet und unterstützt werden. Der Tagesablauf ist an die Bedürfnisse der Patienten und ihrer Angehörigen angepasst und muss sich nicht an den Erfordernissen einer durchrationalisierten Akutstation orientieren. Erst wenn die schweren Beschwerden gelindert werden können, ist eine optimale Betreuung im häuslichen Umfeld über Wochen, Monate, manchmal Jahre oder auch – für die allerletzte Lebenszeit – z. B. in einem stationären Hospiz möglich.

Die Krankenkassen fördern Palliativstationen z. B. dadurch, dass von dort die Kosten für 1,4 Pflegekräfte pro Patient erstattet werden, auf der Akutstation sind derzeit 0,4 Pflegekräfte pro Patient Leistungsstandard. Eine gut ausgelastete Palliativstation kann daher kostendeckend auf hohem Qualitätsniveau betrieben werden.

Viele Mitbürger/innen sowie Unternehmen der Region haben in den letzten zwei Jahren den geplanten Bau eines Palliativzentrums durch Spenden unterstützt, Angehörige und verstorbene Patienten selbst haben das Projekt mit Zuwendungen bedacht, Künstler haben sich in den Dienst dieser guten Sache gestellt und Firmen aus der Region haben z.B. ihre Jahres- oder Weihnachtsspende dem gemeinnützigen Verein zur Verfügung gestellt. Einige Vereine haben zu Gunsten des Projekts kulturelle oder gesellige Veranstaltungen durchgeführt und den Erlös für das Projekt gespendet. Allen Unterstützern, Spendern und Förderern des Palliativzentrums sei an dieser Stelle herzlich gedankt! Dem Geschicht- und Heimatverein, ganz besonders seinem Vorsitzenden, Herrn Herrn Günter Rath, möchte ich hier meinen besonderer Dank dafür ausgesprochen, dass er dem Verein in diesem Jahresheft eine Plattform zur Darstellung des Projektes gegeben hat, nachdem er dem Verein bereits auf dem Stand des letztjährigen Weihnachtsmarktes einen Platz eingeräumt und bei der Spendensammlung unterstützt hatte!

Der Palliativzentrum-VS e.V. hat mit seiner ersten großen Eigenveranstaltung, der Benefiz Gala auf dem Gelände der Landesgartenschau im Juni 2010 beachtliche öffentliche Resonanz erzielt. Inzwischen weisen auch Großplakate im Stadt gebiet von Villingen-Schwenningen auf das Projekt hin.

Auf unserer Homepage www.palliativzentrum- vs.de erfahren Sie mehr und können unsere aktuellen Veranstaltungshinweise und Pressemeldungen nachlesen.

Neue Vereinsmitglieder fördern mit einem Jahresbeitrag ab 40,00 € unsere Arbeit und sind herzlich willkommen! Aufnahmeanträge können übers Internet heruntergeladen und/oder direkt bei unserer Geschäftsstelle gestellt werden.

Bis zur Eröffnung des Klinikneubaues bleiben noch etwas mehr als zwei Jahre. Es wäre ein wunderbarer Erfolg für die betroffenen Palliativpatienten aller Altersstufen, wenn auch die Palliativstation bereits im Jahre 2013 ihren Betrieb aufnehmen könnte!

Es ist ein soziales Projekt aus der Region für die Region, getragen von Menschen dieser Region, damit wir und unsere Angehörigen – denn es kann jeden von uns treffen – im Falle einer Schwersterkrankung eine optimale Versorgung in unserem Klinikum Villingen-Schwenningen bekommen.

Sie können den Bau des geplanten Palliativzentrums unterstützen mit einer Spende auf das Spendenkonto „Palliativzentrum“

Konto 1200 444 444,

Sparkasse Schwarzwald-Baar, BLZ 694 500 65

Kontaktadresse: Palliativzentrum – VS e.V.

Geschäftsstelle Vöhrenbacher Straße 23

78050 Villingen-Schwenningen

Tel.: 07721 93 2603

Fax: 07721 93 4099

Email: info@palliativzentrum-vs.de www.palliativzentrum-vs.de

 


Der Geschichtsund Naturlehrpfad Villingen (Werner Echle)

Von der Idee zur Realisierung

Die Idee für einen Geschichts- und Naturlehrpfad in Villingen-Schwenningen kam ursprünglich von Schwenninger Bürgern, die für ihren Stadtbezirk ein solches Projekt wünschten. Der Heimatverein Schwenningen nahm sich zusammen mit dem Schwäbischen Albverein und dem Schwarzwaldverein dieses Vorschlags an und plante mit dem damaligen Leiter des städtischen Forstamtes, Eberhard Härle, solch einen Pfad. Der Sturm Lothar verhinderte die baldige Umsetzung des Planes. Auf Initiative von Dr. Tobias Kühn, dem Nachfolger von Herrn Härle, wurde der Plan 2005 wieder aufgegriffen.

Die Arbeitsgemeinschaft Geschichts- und Naturlehrpfad Schwenningen hat mit Mitgliedern u. a. aus dem Heimatverein Schwenningen, dem schwäbischen Albverein und dem Schwarzwaldverein unter der Leitung von Siegfried Heinzmann im Jahr 2006 den ersten und im Jahr 2009 den zweiten Teil des Geschichts- und Naturlehrpfades Schwenningen errichtet.

Bereits damals bestand der Wunsch des städtischen Forstamtes, des Oberbürgermeisters und der Bürgerstiftung Villingen-Schwenningen, diesen Weg nach Villingen zu führen und somit ein „städteverbindendes Projekt“ zu verwirklichen.

Nachdem die Bürgerstiftung im Frühjahr 2009 einen erheblichen Zuschuss hierfür bewilligte, beschloss der Geschichts- und Heimatverein Villingen die Federführung für dieses Projekt zu übernehmen.

Die Arbeitsgruppe von links: Eberhard Härle, Ute Schulze, Hansjörg Fehrenbach, Werner Echle, Dr. Hans-Georg Enzenroß.

 

Er bildete dazu eine Projektgruppe mit Ute Schulze, Werner Echle, Dr. Hans-Georg Enzenroß und Eberhard Härle, die später durch Hansjörg Fehrenbach ergänzt wurde.

Herr Härle entwarf damals bereits den gesamten Weg vom Hölzlekönig nach Villingen, um die Stadt herum und wieder zurück bei der Hohen Mark zum Schwenninger Weg und plante gleichzeitig auch die möglichen Stationen ein. Dieses Konzept, das erstmals in der Mitgliederversammlung am 9. März 2010 vorgestellt wurde, war Grundlage für die Gestaltung des Weges und wurde im Laufe der weiteren Realisierung immer wieder geringfügig aktualisiert.

Finanzierung

Erfreulicherweise konnten Hauptsponsoren gefunden werden, die es mit großer Unterstützung ermöglichten, dass der Weg überhaupt finanziert und realisiert werden konnte. Die Bürgerstiftung Villingen-Schwenningen hat durch ihren Zuschuss von 2.500 Euro den Weg für die Realisierung durch den Geschichts- und Heimatverein Villingen e.V. geebnet. Die Wieland-Werke AG, Villingen haben durch die großzügige Spende von 30 Messingtafeln und die Firma wildigarten, Villingen-Schwenningen durch enormen Arbeitseinsatz (Setzen von Pfosten u. ä.) und wichtige, äußerst hilfreiche Beratung einen großen Beitrag zur Realisierung geleistet.

Ohne die Hilfe des städtischen Forstamtes mit dem Leiter Dr. Tobias Kühn und seinen engagierten Mitarbeitern, die unser Projekt maßgebend unterstützt haben, wäre eine Verwirklichung nicht möglich geworden. Die überaus gute Kooperation und Übereinstimmung zwischen Dr. Kühn mit seinem Vorgänger und Mitglied der Arbeitsgruppe Herrn Härle, war und ist eine sehr verlässliche Hilfe.

Im Namen des gesamten Geschichts- und Heimatvereins und seines Vorstandes möchten wir diesen Sponsoren, ohne die es diesen Weg nicht gäbe, sehr herzlich danken.

Es ist sehr erfreulich und entlastet den GHV finanziell sehr, dass außer den Hauptsponsoren viele Mitglieder des GHV sowie der Lions Club Villingen mit ihren Spenden zur Finanzierung der neuen Tafeln beigetragen haben. Diese werden als Spender auf den Tafeln genannt.

Ziel des Projekts

Ziel des Projekts ist einerseits die Information über Geschichte, Heimatkunde, Landschaft und Natur in und um Villingen, andererseits die stadtbezirksübergreifende Verbindung zwischen den Stadtbezirken Villingen und Schwenningen mit einem gesamtstädtischen Lehrpfad zu verdeutlichen. Durch dieses Projekt soll die historische und landschaftliche     Entwicklung     Villingens     und Schwenningens, verbunden mit Natur und Wandern, weiter vermittelt werden an die Bürger von Villingen-Schwenningen, an Schulen aber auch an Besucher und Touristen.

Projektbeschreibung

Der Geschichts und Naturlehrpfad Villingen wird einen Weg durch die Geschichte und die Natur unseres Stadtbezirk Villingen darstellen. Durch die Anbindung an den bereits teilweise bestehenden Geschichts und Naturlehrpfad Schwenningen handelt es sich auch um ein städteverbindendes Projekt, das am Hölzlekönig vom Schwenninger Pfad abzweigt und rund um Villingen wieder zum Lehrpfad Schwenningen an der Hohen Mark führt (siehe Plan). Er verläuft weitgehend über Wander und Waldwege und soll den Interessierten informieren über Geschichte und Natur unserer Heimat.

Bereichert wird er durch bereits bestehende Pfade, wie Waldlehrpfad, Vogellehrpfad, Fischlehrpfad, land- und forstwirtschaftlichen Lehrpfad, durch Wegkreuze und sonstige Informationen. Insgesamt ist der Pfad ca. 33 km lang mit 56 Stationen, von denen ca. 20 bereits bestanden und durch 36 neue Tafeln mit Beschreibungen ergänzt werden.

Der Weg ist so gestaltet, dass er von Wanderern und Spaziergängern auch in Etappen begangen werden kann und immer wieder Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr besteht. Der Weg kann sogar weitgehend mit dem Fahrrad erkundet werden.

Stationen des Geschichts- und Naturlehrpfades

 

 

 

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Eingangstafel, Hölzlekönig

Bertholdshöfe

Windschutzstreifen Bertholdshöfe

Aussichtsturm

Altstadtkirche, Friedhof

Altstadtquelle, Friedhof

Stele ehem. Stationenweg

Bickenkapelle

Brigach

Fischaufstieg Brigach

Ahornallee, Feldbergweg

Ehemalige Warenburg

Laible, Aufforstung nach Lothar

Laible, Der Name Laible

Laible, Walddefinition

Laible, Bienenvolk

Laible, Baumarten

Laible, Spitalfonds Villingen

Magdalenenberg

Magdalenenbergeiche

Naturschutzgebiet Tannhörnle

Sühnekreuz Poleneiche

Schleifekapelle

Ehemalige Burg Runstal

Kreuz am Geistmoosweg

Pfadfinderplatz

Waldtrauf am Volkertsweiler Weg

Naturdenkmal Eiche

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Volkertsweiler

Denkmal Oberförster Ganter

Hainbuche, Lehrpfad Langmoos

Römerweg, Lehrpfad Langmoos

Tannenkrebs, Lehrpfad Langmoos

Tanne, Lehrpfad Langmoos

Waldboden, Lehrpfad Langmoos

Mühlsteinbruch am Kapf

Hallstattliche Wehranlage am Kapf

Mischbestand mit Buche, Lehrpfad

Fichte, Lehrpfad Langmoos

Mittelalterliche Wehranlage am Kapf

Granit, Lehrpfad Langmoos

Roterle, Lehrpfad Langmoos

Zusammenfluss Brigach u. Kirnach

Feldner Mühle

Wasserkraftwerk Feldner Mühle

Schwarzwaldbahn

St. Germanskloster

Russische Gräber

Hochwasserrückhaltung Krebsgraben

Vockenhausen

Bildund Zollstock Guggenbühl

Nordstetten

St. Jakob, ehemalige Kapelle

Bissely-Kreuz

Ehemaliger Klosterwald

Hohe Mark

 

Für den gesamten Geschichts- und Naturlehrpfad wurde das Symbol Stamm mit Blatt gewählt. Der Villinger Teil ist durch das bis 1530 verwendete Villinger Balken-Wappen gekennzeichnet.

Links: das Villinger Balkenwappen (Symbol für Geschichte) Rechts: Stamm mit Blatt (Symbol für Natur)

 

Die Texttafeln aus Messing werden überwiegend auf Lärchenholzbretter montiert und an Metallpfosten in Bodenhülsen befestigt.

 

 

Nach der Scheckübergabe durch die Bürgerstiftung wird symbolisch die Verbindung zwischen Villingen und Schwenningen hergestellt.

 

 

Fertigstellung des Pfades

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe arbeiten intensiv an der Weiterführung und Fertigstellung des Geschichts- und Naturlehrpfades. Sie sind zuversichtlich, dass trotz immer wieder zu lösender Fragen und Schwierigkeiten, der Pfad noch im Jahr 2010 fertig gestellt werden kann.

Broschüre

Es ist geplant, nach der Fertigstellung des Villinger und des Schwenninger. Am Freitag, dem 21. Mai 2010 war es soweit. Die Verbindung von Schwenningen nach Villingen war geschafft, der Villinger Geschichts- und Naturlehrpfad verbindet nun die beiden großen Stadtbezirke. Unter großer Anteilnahme der Vereinsmitglieder wurde der erste Teil des neuen Pfades feierlich bei der ersten Station an der ehemaligen Landesgrenze beim Hölzlekönig eröffnet. Nach den Ansprachen des 1. Vorsitzenden Günter Rath, des Oberbürgermeisters Dr. Rupert Kubon und Siegfried Heinzmann von der Arbeitsgemeinschaft für den Schwenninger Pfad, wurde mit dem Durchschneiden eines symbolischen Grenzbandes die Verbindung zwischen den beiden Geschichts- und Naturlehrpfaden hergestellt.

Trachtenpaare aus Villingen und Schwenningen sowie eine Abordnung der Stadtmusik Villingen trugen maßgeblich zu der gelungenen Feier bei. Anschließend lud der Verein alle Teilenehmer zu einem kleinen Empfang bei der Firma wildigarten ein.

Pfades eine gemeinsame Broschüre mit Plan und Beschreibung des Weges sowie Erläuterungen zu den Stationen herauszugeben.

Dank an Unterstützer

Ein herzliches Dankeschön gilt allen Unterstützern, Helfern, Spendern und Beratern für die große Hilfe, die wir als Arbeitsgruppe erfahren durften und die uns immer wieder neu motiviert hat.

Dieser Dank gilt vor allem den Hauptsponsoren, den Spendern der Tafeln, den beteiligten städtischen Ämtern, dem Vorstand und Beirat des Geschichts- und Heimatvereins und allen die zum Gelingen unserer Arbeit beigetragen haben. Sehr unterstützt haben uns auch die örtlichen Medien, Südkurier, Schwarzwälder Bote, Südwestpresse und der Südwestrundfunk (SWR 4), die sehr umfangreich und wohlwollend über dieses Projekt berichtet haben.

 

 

 

 

 

 


Die Verbindung ist geschaffen (Sabine Streck)

Villinger Geschichts- und Heimatverein eröffnet feierlich Naturlehrpfad

Umrahmt von Trachtenträgern spricht Oberbürgermeister Rupert Kubon zu den vielen Gästen, die zur Einweihung gekommen sind. Obendrauf gab es noch einen Spendenscheck von der Bürgerstiftung Villingen-Schwenningen.

 

Das trennende Band zur Gemarkung Schwenningen ist zerschnitten, die erste Tafel des neuen Geschichts- und Naturlehrpfades des Villinger Geschichts- und Heimatvereins enthüllt.

Unter großer Anteilnahme der Mitglieder des Vereins wurde am 21. Mai die erste Station des Villinger Pfades in der Höhe des Hölzlekönigs mit der Anbindung an den bereits bestehenden Schwenninger Geschichts- und Naturlehrpfad eröffnet. Von Wildigarten aus ging es entweder zu Fuß oder mit Kleinbussen zum Ort des Geschehens.

Eine Abordnung der Villinger Stadt- und Bürgerwehrmusik spielte auf, zwei Trachtenpaare aus Villingen und Schwenningen gaben sich die Ehre.

Günter Rath, Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins, sprach von einem mutigen und großen Projekt. Immerhin entsteht mit Beendigung des Weges im nächsten Jahr eine 30 Kilometer lange Strecke mit 53 Stationen, die auf geschichtlich bedeutende Stellen hinweist. Dies sei nur mit Sponsoren und Spendern möglich gewesen und dem großen Engagement der Projektgruppe.

Nächstes Jahr soll eine gemeinsame Broschüre des Villinger und Schwenninger Pfades erscheinen. Der Vorsitzende des Schwenninger Heimatvereins, Siegfried Heinzmann, sicherte eine finanzielle Beteiligung des Vereins zu.

Oberbürgermeister Rupert Kubon erinnerte an den Städtezusammenschluss vor fast 40 Jahren, als am Hölzlekönig die alten Ortsschilder entfernt worden waren und Villingen-Schwenningen aus der Taufe gehoben wurde. Bis so ein formaler Akt die Menschen erfasse, brauche es Zeit. Mit dem gemeinsamen Lehrpfad sei wieder etwas zusammengewachsen, was zusammen gehöre. Damit sei der Fehler Ottos des Dritten geheilt, der einst nur Villingen das Münz- und Zollrecht gegeben habe.

„Schwenningen hätte es auch verdient gehabt.“

Immerhin sei jetzt ein weiterer geschichtlicher Brückenschlag erfolgt. Es sei ein ehrgeiziges Projekt, mit diesem Weg die gesamte Stadt zu umrunden.

In die Liste der vielen Spender und Sponsoren reihte sich auch die Bürgerstiftung Villingen- Schwenningen ein. Der Vorsitzende der Stiftung, Rupert Kubon, überreichte Günter Rath einen Scheck in Höhe von 2500 Euro. Die Gesamtkosten des Vorhabens belaufen sich auf 10000 Euro.

Der Geschichts- und Naturlehrpfad soll ein Weg durch die Geschichte und die Natur Villingens sein. Dem Satzungszweck des Vereins entsprechend soll er die Entwicklung der Heimat aufzeigen und Wissen vermitteln. Der Geschichts- und Heimatverein sieht dieses Projekt als städteverbindenden Beitrag auch im Hinblick auf die in diesem Jahr stattfindende Landesgartenschau. Der Weg zweigt am Hölzlekönig vom Schwenninger Pfad ab und führt rund um Villingen wieder zum Lehrpfad Schwenningen an der Hohen Mark (neues Klinikum) zurück. Er verläuft zum überwiegenden Teil über Wander- und Waldwege.

Ute Schulze, Werner Echle und Günter Rath zeigen das Emblem des Geschichts- und Naturlehrpfades.

 

20 der 53 Stationen bestehen bereits. Die Arbeitsgruppe unter Federführung von Werner Echle und Eberhard Härle, die zu den Hauptinitiatoren gehören, hat zusammen mit Ute Schulze, Dr. Hans- Georg Enzenroß und Adolf Schleicher der Weg ausgearbeitet samt der Beschilderung.

Stationen des Pfades:

1. Abschnitt: Eingangstafel Geschichts- und Naturlehrpfad Villingen, Bertholdshöfe, Windschutzpflanzung, Aussichtsturm, Altstadtkirche, Altstadtquelle, Kreuzwegstele, Bickenkapelle.

2. Abschnitt: Brigach, Fischaufstieg, Ahornallee, Warenburg, Wiederaufforstung nach Windwurf, Laible, Wald, Bienenvolk, Baumarten, Spitalfonds Villingen, Magdalenenbergeiche, Naturschutzgebiet Tannhörnle, Sühnekreuz bei der Poleneiche.

3. Abschnitt: Schleifekapelle St. Wendelin, Burg Runstal, Sühnekreuz, Pfadfinderplatz, Waldtrauf aus Eichen, Naturdenkmal Eiche, Volkertsweiler, Ganterdenkmal, Römerweg, Tanne, Mühlsteinbruch, Hallstattzeitliche Wehranlage am Kapf, mittelalterliche Wehranlage, Feldner Mühle, Wasserkraftwerk Dold, St. Germanskloster.

4. Abschnitt: Russische Begräbnisstätte, Hochwasserrückhaltebecken, Vockenhausen, Bildstöckle Guggenbühl, Nordstetten, bei St. Jakob, ehemaliger Klosterwald St. Ursula, Anbindung an Schwenninger Geschichts- und Naturlehrpfad bei der Hohen Mark.

So sieht es an der Schnittstelle der beiden Geschichts- und Naturlehrpfade Villingen und Schwenningen aus. Fotos: Streck

 

 

 

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