Neue Münsterglocke

Das 1954 gegossene heutige Münstergeläute war glockenmusikalisch nicht vollständig, Als Ergänzung wäre eine bo-Glocke mit 68 Zentnern Gewicht in Frage gekommen.

Ein Freundeskreis hatte in Verbindung mit dem Pfarrgemeinde-und Stiftungsrat schon im Jahre 1978 eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Ohne kirchliche oder öffentliche Gelder kam die hohe Summe Geldes zur Finanzierung eines Glockengusses zusammen. Die Hoffnung, daß die neue Glocke schon zu Weihnachten 1984 läuten könnte (vgl. Jahresheft IX, 1984/85 des Geschichts- und Heimatvereins, S. 60), erfüllte sich nicht. Am Pfingstsonntag, 26. Mai 1985, war es dann soweit. Die von dem Bildhauer Klaus Ringwald ornamentierte und mit Texten versehene Jakobus-Glocke wurde vor dem Münster unter zahlreicher Teilnahme der Bevölkerung geweiht und am Dienstag, 28. Mai 1985 in den Nordturm aufgezogen.

(Siehe auch SÜDKURIER v. 28.5.1985, Nr. 121, S. 13 und 29.5., Nr. 122, S. 17)

Awarische Importe, Beutestücke oder Einflüsse materieller Kultur der Awaren in den merowingerzeitlichen Gräbern von Neudingen (Schwarzwald- Baar- Kreis)? (Werner Huger)

Nach herrschender Lehre ist das Volk der Awaren aus der Verschmelzung zweier verwandter Gruppen entstanden. Die eine stammt aus den Steppen I Innerasiens, die andere aus Mittelasien. Einst deren Beherrschte, vertrieben im 6. Jahrhundert n. Chr. die Türken die Awaren und übernahmen, verwandt in Kultur und Sprache, deren altes Gebiet. Im Jahre 557 waren die Awaren von den Türken schon so weit nach Westen getrieben worden, daß sie im Herbst dieses Jahres den Kaukasus erreichten. 562 gelangten sie in das Gebiet des Donaudeltas. Seit dieser Zeit, bis zum Jahr 626, floß ein unentwegter Strom byzantinischen Goldes als Tributzahlungen ins Awarenland. Von daher rührt der Goldreichtum in den Gräbern der Khagane, Fürsten und Vornehmen.

Unterstützt von den germanischen langobardischen Führern fiel das awarische Reiterheer durch das March-tor in das Karpatenbecken ein. Es fällt nach den Siegen. über die hier sitzenden germanischen Gepiden 568 in awarische Hand. Die awarische Landnahme führte zu einer 250 Jahre dauernden politischen Heer-schaft über ein Gebiet, dessen Mittelteil das heutige Ungarn bildete. Im Nordwesten drang die „reiternomadische“ Kultur weiter in das südliche Gebiet der Langobarden, die heutige Südwest- und Südslowakei. Im Westen stießen die Awaren nach Niederösterreich bis zur Enns, dem Nebenfluß der Donau, vor, wo sie schließlich 680 ihre westlichste politische und militärische Grenze erreichten. 692 trafen in Metz awarische Gesandte ein, die mit dem Frankenherrscher Pippin dem Mittleren, dem Majordomus des Gesamtreiches, aus dem Hause der Arnulfinger (später Karo-linger), vermutlich jenen Friedensvertrag schlossen, der die Enns als Grenze des Awarenreiches festlegte. Schon gegen Ende des 6. Jahrhunderts hatte es zwischen den Awaren und den merowingischen Ländern der Franken Beziehungen gegeben, wenn diese zunächst auch nur in Feindseligkeiten bestanden. 602 wurde nicht nur der Friede zwischen dem awarischen Khagan und den fränkischen Merowingern hergestellt, die Awaren vermittelten sogar im Krieg zwischen Franken und Langobarden.

Im letzten Drittel des 8. Jahrhunderts begann der Konflikt mit dem machtvollen Frankenreich Karls des Großen. Der endgültige Zusammenbruch vollzog sich in einem Zweifrontenkrieg gegen Franken und Bulgaren im Jahre 803. Schließlich kam es zu einem Vasallenfürstentum des awarischen Khagans von Karls Gnaden. Auch außerhalb des karolingischen Reiches wurde noch im 9. Jahrhundert den Awaren ihre selbständige politische Einheit durch fremde Herrscher (z. B. Bulgaren) entzogen.

Seit dem Jahre 496 gingen die Alemannen (Alamannen) im Fränkischen Reich auf. (746 erlosch auch ihr Stammesherzogtum.) Von der Zeitstellung und der politischen Ausgangslage her ist es denkbar, daß Mitglieder der feudalen Oberschicht des merowingerzeitlichen Gebiets an der oberen Donau, wie sie im Gräberfeld von Neudingen, besonders im Grab 300 aus dem 7. Jahrhundert (1984 untersucht), sichtbar wird, mit den Awaren kriegerische oder friedliche Kontakte hatten.

In den bisher aufgedeckten Gräbern des 7. Jahrhunderts im riesigen, insgesamt etwa zehnmal größeren Gräberfeld der Awaren bei Zamärdi, südwestlich des Balatons (Plattensee), herrschten zwar im Fundgut die awarischen Elemente vor, dennoch repräsentierten die Funde „die materielle Kultur halb Europas und Vorderasiens“. So ist zu erfahren, daß Gegenstände aus Byzanz, Ostrom, Italien, Iran und solche italolangobardischer Provenienz vertreten waren. „Daneben zeigen die prächtigen Gürtelbesätze, Ringe und Armbänder die schon erwähnte awarische Variante des in den Ländern der Merowinger ausgebildeten II. Tierstils“.1)

„Einerseits belegen Reiter- und Pferdebestattungen und awarisch-heidnisches Symbolgut die awarische Gedankenwelt, zum andern sind zahlreiche Kreuze aus Silberblech und mit Kreuzen verzierte Gegenstände Zeugnis für den Einfluß des Christentums.“ 2 )

Bei der wechselseitigen Durchdringung mit Kulturgütern im weitesten Sinne stellt sich die Frage nach den typisch awarischen Beiträgen zur materiellen Ausstattung und Kunst des Westens. Sie kann hier nur exemplarisch beantwortet werden.

An drei ungarischen Fundorten, die in die Zeit von 565 — 670 n. Chr. datieren, waren mit den Toten auch ihre Pferde bestattet worden, mitsamt ihrem Silber- oder goldgeschmückten Zaunzeug; „erstmals wurden schmiedeeiserne Steigbügel mitgegeben“. 3 )

„Einwirkungen auf die materielle Kultur sind … bei den westlichen Nachbarn deutlicher zu fassen. Zu nennen sind unter anderem das Pferdegeschirr, vor allem die neue Art des Zaunzeugs, der Steigbügel, das Stangengebiß und der hohe Sattelknopf. Bei der Ausbreitung dieser Neuerungen dürfte unter anderem der Handel mit Pferden eine Rolle gespielt haben. Auch die Produkte awarischer Schmiede fanden Anerkennung; der mit der Öse in einem Stück geschmiedete Steigbügel z. B. wurde im Westen nach langer Zeit übernommen, später der Lamellenpanzer und der panzerbrechende Speer. In der frühmittelalterlichen europäischen Tracht kamen durch awarischen Einfluß die mit Nebenriemen und Gehängen versehenen vielteiligen Prunkgürtel auf; beim Frauenschmuck machten die Ohrringe mit großen Anhängern Mode….“4)

Vergleichbare Bestattungssitten und Grabbeigaben finden sich zahlreich in alemannischen Gräbern des 6. und 7. Jahrhunderts5), ohne daß wir einer Analyse nähertreten. Es ist hier letztlich nicht zu entscheiden, wer oder was das andere bedingt hat, oder ob Kulturäußerungen nur mittelbar oder überhaupt nicht von außen beeinflußt worden sind, sondern dem formenden Zwang des menschlichen Geistes auf der Stufe des jeweiligen technologischen Standes unterlagen. Von Interesse ist jedenfalls, daß u. a. der Ansicht widersprochen wird, Pferdetrensen, wie sie als Ringtrense auch im Grab 300 in Neudingen 1984 gefunden wurde, seien awarischen Ursprungs.6)

In demselben Grab fanden sich zwei erkennbar „mit der Öse in einem Stück geschmiedete Steigbügel“» Es ist anzunehmen, daß Christlein auch in diesem Falle der Ansicht widersprechen würde, sie seien zumindest auf awarischen Einfluß zurückzuführen. Er wird auch hier annehmen, „daß sie eher auf italisch-langobardische Vermittlung zurückgehen“.8) Hierzu ist kritisch anzumerken, daß sich bis zum Jahre 567 die Langobarden wie eine nord-südliche Pfufferzone nach Ungarn hinein erstreckten, ehe der awarische Stoß ins Gepidenreich erfolgte. Verbündet mit den Langobarden und, wie erwähnt, von ihnen geführt, begann die awarische Landnahme, die den Langobarden deutlich machte, um wieviel gefährlicher und mächtiger der neue Nachbar war als die germanischen Gepiden. „Zwar waren es Verbündete, aber dennoch hingen Wohl und Bestehen der Langobarden vom Verhalten des Khagan Bajan ab. Schnell schloß Alboin (= der Langobardenkönig) ein neues militärisches Bündnis, überließ im April 568 seinen „hunnischen Freunden“ (= Awaren) das langobardische Pannonien und griff nun seinerseits mit seinem Volke das unter byzantinischer Herrschaft stehende Italien an. Somit war am Ende des Jahres 568 das gesamte Karpatenbecken in der Hand der Awaren.“9) D. h., das ehemalige Südgebiet der Langobarden war ebenfalls awarisch besetzt. Hier wird der Druck spürbar, den dieses in Vorwärtsstrategie begriffene Reitervolk ausübte. Der Einfluß der frühen Awaren auf ihre Umgebung „bestand in der Hauptsache auf der Wirkung ihrer ungewöhnlichen, fremden und überraschenden Kriegskunst“. So schauten sich schon die Byzantiner deren Reitertaktik, Bewaffnung und Ausrüstung ab, wie schriftlich belegt ist.10) Vielleicht mag die vermittelnde Beziehung der schließlich jeweils im äußersten Süden angrenzenden römisch-christlichen Langobarden, deren Könige „durch mehrere Eheschließungen mit den gleichfalls römisch-christlichen Merowinger-Dynastien“ verbunden waren, gelegentlich eine Rolle gespielt haben.11) Aber was heißt überhaupt „italo-langobardische Vermittlung“? Ist nicht die Frage nach dem ursprünglichen Herkommen eines Zeugnisses entscheidend? Die Antwort verweist, folgt man dem Stand der ungarischen Literatur, für zahlreiche archäologische Belege auf die Awaren.

 

Silberarmring als Teil des Grabinventars „einer überdurchschnittlich wohlhabenden, gegen Ende des 5. Jahrhunderts verstorbenen Dame aus Basel -Hüningen „, Grab 126.

 

Zwei Silberarmringe aus einem reicheren awarischen Frauengrab des 6. Jahrhunderts ) Ungarn ). Vgl. Literaturangaben A I., Abb. 11, Kat. Nr. III , 2a.

 

Silberarmring aus einem Frauengrab (Grab 313) des merowingerzeitlichen Friedhofs von Neudingen (Schwarzwald-Baar-Kreis), 7. Jahrhundert. Wiedergabe als Skizze, etwa Normalgroße, Kampagne 1984.

 

Kommen wir zu einem letzten Beispiel :

Am Ende der Grabungskampagne 1984 wurde aus einem reicher ausgestatteten Frauengrab (Grab 313) in Neudingen ein „massiv silberner Armreif“ gebor-gen.12) Der Ausgräber, Klaus Hietkamp, hat ihn mir gezeigt, mit der Bemerkung, er sei für germanische Trachtbeigaben untypisch. Er meinte, es könnte sich um eine Importe oder ein Beutestück handeln. Das Grab der Toten gehörte ebenfalls dem 7. Jahrhundert an. Der Armring hatte, um aus der Erinnerung zu sprechen, eine leicht ovale Form. Die sich nach innen schließenden Enden blieben offen und waren kolbenförmig verdickt. Eines der Enden war verkürzt, weil ein etwa ein Zentimeter langes Stück wohl gewaltsam abgebrochen worden war.

Es ist verwirrend, daß es tatsächlich ein vergleichbares Exemplar aus dem alemannischen Frauengrab 126, Basel – Kleinhüningen, gibt, das dem Ende des 5. Jahrhunderts zugewiesen wird.13)

In der Ausstellung über die Awaren aus den Sammlungen ungarischer Museen, 1985 veranstaltet vom Museum für Vor- und Frühgeschichte (Archäologisches Museum) der Stadt Frankfurt, war nun ein Armring-paar der gleichen Stilform aus einem frühawarischen ( Landnahmezeit) Frauengrab zu sehen.14) Dieser Fundumstand ist natürlich noch kein Beweis, daß es sich um eine originäre awarische Schmuckanfertigung handeln muß. Es kann auch eine byzantinische Arbeit sein. An diesem Fund werden Verbindungen vorstellbar, die ebenfalls das Herkommen des Exemplars im oben zitierten alemannischen Frauengrab 126 des 5. Jahrhunderts erklären könnten.

Wie eingangs angedeutet, flossen jahrzehntelang Goldzahlungen, die man besser Tribut nennen könnte, von Byzanz ins Awarenland. Ab 573 waren es „jährlich 60000 Goldsolidi, von 578 an 80000, ab 584 100000, ab 604 120000, von 622 an 200000 Goldsolidi. Nicht mit einbezogen sind hier die oft enorm hohen Lösegeldsummen für freigekaufte Kriegsgefangene.“15) Was liegt näher, als zu vermuten, daß auch wertvoller Edelmetallschmuck und sonstige Pretiosen unter den Nachfolgern Justinian I. aus den verschiedensten Gründen den Weg in die benachbarten germanischen Länder und ins Awarenreich gefunden haben.

Dieser einmalige Hinweis auf den Armringschmuck im Awarengrab von Kevermes ( Békés), südöstlich von Budapest, nahe der rumänischen Grenze, wird es wert sein, daß die professionelle Wissenschaft die Bezüge erneut überprüft und weitere Fundumstände hinzuzieht — eine reizvolle Perspektive, die sich der Amateur mit der gebotenen Zurückhaltung versagen muß.

Literatur- und Quellenangaben

A Literatur:

I. Ausstellungskatalog „Awaren in Europa“, Schätze eines asiatischen Reitervolks 6. — 8. Jahrhundert, hier: István Bóna, Die Awaren. Ein asiatisches Reitervolk an der Mittleren Donau sowie Katalogteil

II. Rainer Christlein, Die Alamannen, Archäologie eines lebendigen Volkes, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1978

III. Welt- und Kulturgeschichte, Holle Verlag, Baden-Baden, Band 7

IV. Hannsferdinand Döbler, Die Germanen, Legende und Wirklichkeit, 2 Bände, Wilhelm Heyne Verlag, München, 2. Auflage

V. Gerhard Fingerlin, Ein Adelsgrab der jüngeren Merowingerzeit aus Neudingen     in : Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg, 1984, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1985, Seite 172 ff.

Vl. Werner Huger, Neue Funde bei den Grabungen auf den alamannischen Friedhöfen von Schwenningen am Neckar und Neudingen an der Donau, in: Geschichts- und Heimatverein Villingen, Jahresheft IX, 1984/85, Seite 14 ff.

B Quellen:

1. Bóna, A/1., Seite 14, Die soziale Struktur der frühen Awarenzeit

2. derselbe, s. Fußnote 1)

3. Bóna, a. a. 0., S. 9

4. derselbe, a. a. 0., S. 20

5. Rainer Christlein, A/11., S. 65, 75, 76 u. a.

6. derselbe, a.a. 0., S. 75 und Fingerlin, A/V., S. 173 u. 175 (Abbildg.)

7. Vgl. Abbildung, Fingerlin, A /V., S. 175

8. Christlein, A /II., S. 76, Abbildung und Text

9. Bóna, A/1., S. 7

10. derselbe, A/ I., S. 19

11. derselbe, A/ I., S. 8 121

12. Werner Huger, A /VI., S. 18

13) Christlein, A/ II., S. 79, Abb. 53 u. S. 80

14) A/I., Katalogteil S. 28, hier abgebildet

15) Bóna, A/1., S. 11

 

FREUNDSCHAFT NACH PONTARLIER

Von den „Amis du Musée“ (Museumsfreunde) aus Pontarlier, der Partnerstadt in Frankreich, eingeladen, besuchte eine Gruppe des Vorstands und der Mitglieder unseres Vereins am 8. und 9. Juni 1985 zum erstenmal die „Capitale du Haut-Doubs“ auf der Hochebene des französischen Juras. Es wurde ein Besuch mit großer Gastfreundschaft. Nach der Besichtigung des Museums verbrachten wir einen gemeinsamen Abend und lernten uns kennen. Nach einem Ausflug zur gewaltigen, wehrhaften Burg Joux am anderen Tag, speisten wir noch einmal opulent mit unseren Gastgebern, ehe uns der Bus nach Villingen zurückbrachte.

Pour la premiere fois, et invité par les „Amis du Musée“ de Pontarlier — la ville jumelée en France — un groupe du comité de direction et des membres de notre association a visite la „Capitale du Haut-Doubs“ le 8 et 9 juin 1985. Un séjour plein d‘ hospitalite. Apres avoir visite le musée nous avons passe le soir ensemble. Au bout d‘ une excursion ä Joux — le Château valide et immense — et avant de rentrer, nous avons pris encore une fois un repas en commun avec nos hôtes.

Monsieur Olivier, der Präsident der „Amis du Musee“, zeigt einer Besucherin Pontarlier von einem nahe gelegenen Kapellenhügel aus. Es pfiff ein kühler Wind. Pontarlier liegt höher als Villingen, nämlich zwischen 837 und 1 320 m. Monsieur Olivier, le président, montre sa ville de haut. II souffle un vent frais. Pontarlier se trouve plus haut que Villingen à la hauteur de 837 à 1 320 m.

 

Zum gemütlichen Beisammensein trafen sich die deutschen Gäste mit ihren französischen Partnern abends im entlegenen „Mönchshof „, wo der Tisch gedeckt war. Les invites allemands et leurs hôtes francais passent un soir tres agreable au restaurant „Au Moine“, ´où on a mis la table.

 

In strategisch wichtiger Lage, am Einfallstor zur Franche-Comté von Nordosten her, liegt nahe Pontarlier die riesige, mehrfach erweiterte und verstärkte Burg Joux. Ihre Anfänge gehen ins XI. Jahrhundert zurück. 1871 und 1940 mußte sie sich auch gegen deutsche Angreifer zur Wehr setzen. Sie ist heute ein Ort der friedlichen Begegnung, wie unser Besuch dort zeigt. Le château de Joux est situé pres de Pontarlier et près de la porte d ‚invasion vers la Franche-Comte, au point strate-gique important. Pendant des siecles an a rendu plus fort cet immense monu-ment. Le château est fonde au debut du XI siede. 1871 et 1940 le bâtiment a du se defendre contre les agresseurs allemands. Maintenant il sert paisiblement comme attraction de tourisme.

 

Am 28. und 29. September 1985 begrüßten wir die „Amis du Musee“ zum Gegenbesuch in Villingen. Es waren zwei sommerlich warme Tage voll Harmonie. Hier beim Empfang unserer Gäste im Alten Rathaus. Neben der Altvillingerin von rechts: Monsieur Olivier, der Präsident, Monsieur Guiraud, der Leiter des Museums in Pontarlier, dann unser Mitglied Erster Bürgermeister Kühn, der es sich nicht nehmen ließ, die französischen Gäste zu begrüßen, daneben Frau Bitsch, unsere Übersetzerin, schließlich Werner Huger, der Erste Vorsitzende des Geschichts- und Heimatvereins. Le 28 et 29 Sept. 1985 à Villingen nous donnons la bienvenue ä nos partenaires francais. On passe un weekend harmonieux plein de soleil. Ici I ‚audience du maire a I ‚hötel de ville antique. De droite: Monsieur Olivier, le präsident; Monsieur Guiraud, le conservateur du musee ä Pontarlier; le membre de notre association Monsieur le Maire Kühn, qui n ‚a pas renonce ä rendre hommage aux invites francais; ä côté Madame Bitsch, notre interprete; Monsieur Huger, le president du Geschichts- und Heimatverein.

 

MIT BUNDESVERDIENSTKREUZ AUSGEZEICHNET

Altstadträtin und Vorstandsdame des Geschichts- und Heimatvereins, Gartenarchitektin Uta Baumann.

 

Fernsehjournalist Gerd Jauch, Mitglied des Vereins.

 

Während Uta Baumann, die u. a. unsere Geschäftsstelle betreut, für ihr 25-jähriges Wirken als Stadträtin und engagierte Bürgerin in zahlreichen öffentlichen Anliegen geehrt wurde (1.10.85), würdigte Oberbürgermeister Dr. Gebauer (18.10.85) in Gerd Jauch einen Mann, der als Hauptabteilungsleiter „Recht“ im Zweiten Deutschen Fernsehen über viele Jahre hinweg vor allem mit seinen populärwissenschaftlichen Sendungen ein breites Publikum mit dem Gebrauch des Rechts vertraut machte.

 

 

 

 

 

PROFESSOR DR. DR. H. C. KARL SIEGFRIED BADER WURDE 80 JAHRE

 

Am 27. August 1985 beging Karl Siegfried Bader an seinem Wohnort Zürich den achtzigsten Geburtstag.

 

Es ist hier nicht der Platz, sein umfassendes, reiches Werk angemessen zu würdigen. Es ist eine bescheidene Reminiszenz für einen Mann, dessen schöpferisches Werk letztlich auch in der heimatverbundenen Beseeltheit seine Ursprünge hat. Als Lehrersohn 1905 im Schulhaus Waldau im Hochschwarzwald geboren, erlebte K. S. Bader seine Kindheit und Jugend zusammen mit seinen drei Geschwistern in Gutmadingen am Fuße des Wartenbergs, am Ufer der jungen Donau und unweit des Fürstenbergs, einem prägenden Umfeld. In Donaueschingen besuchte er das humanistische Gymnasium, wo er 1924 das Abitur ablegte. 1928: Erstes juristisches Staatsexamen an der Universität Freiburg. Mit seiner Dissertation „Das Schiedsverfahren in Schwaben vom 12. bis zum ausgehenden 16. Jahrhundert“, 1929, war von ihm selbst eine wesentliche Richtung des künftigen Weges vorgezeichnet worden, die Rechtsgeschichte. 1933: 2. Staatsexamen und vorerst freier Rechtsanwalt. Noch in den 30er Jahren zunächst wissenschaftliche Betreuung, dann nebenamtliche Leitung des Fürstlich Fürstenbergischen Archivs in Donaueschingen ab 1937 — für ihn eine hervorragende Gelegenheit zur Erforschung allgemeiner Rechtsphänomene des Mittelalters und besonders jener der näheren Heimat, vor allem der Baar. Ab 1941 zum Militärdienst eingezogen, habilitierte er sich noch 1942 mit einer Arbeit über „Die Zimmerische Chronik als Quelle rechtlicher Volkskunde“, einem rechts- und kirchengeschichtlichen Thema. — Im Juli 1945 kehrt Bader aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurück. Die Zeit des Wiederaufbaus der Justiz, des Rechtslebens, der Forschung und der Lehre beginnt von neuem und sieht ihn in vorderster Front. 1945 a. pl. Professor an der Universität Freiburg, 1946 Generalstaatsanwalt, 1951 Ordinarius für Deutsche Rechtsgeschichte und Kirchenrecht an der Universität Mainz, 1952 München. 1953 folgt er dem Ruf als ordentlicher Professor für Schweizerische und Deutsche Rechtsgeschichte nach Zürich, wo er auch die „Forschungsstelle für Rechtssprache, Rechtsarchäologie und Rechtliche Volkskunde“ bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1975 leitete. „Bader ist stets von einer konkreten Fragestellung in einer ihm vertrauten Umwelt ausgegangen und hat von hier aus örtlich und sachlich immer mehr Terrain in sein Forschungsinteresse einbezogen“ (Clausdieter Schott). Gerade diese Methode machte ihn inhaltlich für den Heimatforscher mit Amateurstatus so transparent. Bader fehlt die Hochgestochenheit akademischer Terminologie völlig. Die anspruchsvollen Inhalte seines Schrifttums, gekleidet in das Maß einer allgemeinverständlichen Sprache, machen ihn mit seiner geistigen Potenz und seiner fachlichen Kompetenz zu einem Aristokraten unter den Gelehrten. Von seinen zahllosen Arbeiten, genannt seien nur „Das mittelalterliche Dorf als Friedens- und Rechtsbereich“, „Die Dorfgenossenschaft und Dorfgemeinde“ und die gesammelten „Schriften zur Landesgeschichte“, hat auch die Forschung im Rahmen des Geschichts- und Heimatvereins Villingen profitiert. Neben seinen unmittelbaren wissenschaftlichen Einlassungen haben wir Anlaß, ihm für seine bereitwilligen Anregungen verbunden zu sein.

So gehören auch wir zum Kreis derer, die ihm von Herzen gratulieren!

Die Villingische Dapfer – und Redlichkeit… (Herbert Muhle)

 

 

 

Am 3. Oktober 1984 — also am Vorabend der 301jährigen Wiederkehr des Ereignisses — hielt ich beim Geschichts- und Heimatverein Villingen einen Vortrag über die Predigt, die Hieronymus Sichler Regulierter Chorherr / S. S. Theol Candidatum, deß Löbl. Rural – Capituls Rottweil Deputatum und Pfarr -Herr in Schramberg aus Anlaß des 50-jährigen Jubiläums der Belagerungen 1633 und 1634 am 4. Oktober 1684 „an dem hochfeyrlichen Fest dß Heiligen Seraphischen Vatters Fransisci von Assisio bey den Herren Conventualen (den Franziskanern) daselbst in einem Cantzel -Gespräch“ gehalten hatte. Der Text der Predigt war mir Ende 1983 in einem unscheinbaren Band (vermutlich geheftet Ende des 18. Jh.) mit einer dem heiligen Augustinus gewidmeten Predigt aus dem Kloster Wettenhausen von einem Antiquitätengeschäft angeboten worden. Das Büchlein hatte mich, vor allem wegen der eingehefteten Federzeichnung — einer Ansicht von Villingen mit Schutzheiligen — vom ersten Anblick an fasziniert. Mein Vortrag, der eigentlich mein bescheidenes Debut im Verein — ein Dank für die freundliche Aufnahme des Nicht-Original -Villingers in diesen Kreis — sein sollte, wurde mit viel Begeisterung aufgenommen.

Vielleicht lag es daran, daß ich größere Teile der Predigt wörtlich vortrug und damit sozusagen „Geschichte zum Anhören“ bot. Nun wurde ich vom Vorstand des Geschichts- und Heimatvereins gebeten, darüber im Jahresheft zu schreiben. Aber worüber ich schreiben soll, das ist eine Rede, eine Predigt sogar, hinwiederum diese war nur als Aufschrieb vorhanden. Ich habe damals in meiner Einleitung gesagt, daß ich versuchen wollte, die Anwesenden an dem geistigen Abenteuer teilnehmen zu lassen, einer barocken Predigt zu folgen, die mehr die Sinne und weniger den Verstand anspricht. Aus diesem Gedanken heraus zitiere ich aus der Zuschrift (der Widmung) des Predigers, die er seiner Schrift voranstellt:

„Denen Wohl -Edelgebohrenen / Wohl -Edel -Gestreng/ Edelvest und Rechtsgelehrten / Ehrenvest / Hochge-acht / Fürsichtig / Ehrsamb / und Wolweisen

HERRN/HERRN

Burgermeister und hochlöblichen Magistrat dieser Kayserlich Oesterreichischen Statt Villingen Meinen Hochgeehrten und großgünstigen Herren“ …

. .. „Weilen ich dann spühren müssen / daß so wol die Geistlichen als Weltliche mit Großer Geduldsgewogenheit / diese Cantzel -Red anhören wollen; auch dieselbe von vifen / so abwesend waren, auf dem Papier zu sehen verlangt / als habe ich diese beykommende einfältig Blättlein (so ich doch gleichwol der Preß unwürdig zu seyn erachte) unter eines gesambten Hochlöbl. Magistraths hochgeehrten Namen für ein Oesterl. Praesentlin zu dediciren, und zuzuschreiben mich under-wunden / mit bitt / mehr das Gemüth und Hertz deß Gebers als die Gaab selbsten anzusehen .

Schramberg, den 4. April Anno 1684

Meiner Hochgeehrt. Großg. Herren

Dienstfertig-Ergebner Caplon und Diener

HIERONYMUS SICH LER Regulierter Chor-Herr / und der Zeit unwürdiger Pfarrer daselbst.“

Bleiben wir noch bei der „Zuschrift“: Sie beginnt —in der Schreibweise unserem heutigen Deutsch angepaßten Form, auch für die weiteren Zitate — mit folgender, den Leser einstimmenden, Passage :

„Als Gustavus Adolphus, der Schweden, Gothen, und Wenden König, mit seinen Finn = Lief- und Lappländern in das liebe Teutschland eingebrochen, haben sich nur geschwind die guldenen in eiserne Zeiten verwandelt. Alles Unglück unter der Sonnen sich erhoben, grausame Kriegsempörungen, Zerspaltung und Zwietracht in Religionssachen, Betrug, Meineid, Verräterei, unerhörte Laster, Land, Städt und der Menschen Untergang. Es hat ja freilich dieser König in dem Teutschland vor ihm einen Lustgarten gefunden und nach ihm entlassen eine verwüstete grausame Einöde. Er hat gefunden ein schöne Rachel aber eine häßliche Lia ist uns geblieben: Indem ihm sein Ehrenrock ausgezogen und ein kläglicher Trauersack ist angeworfen worden. Alles hat sich verkehrt.

Da nun das Übel überhand genommen und die traurigen Kriegsflammen weit und breit ausgeschlagen, haben sie auch beizeiten den Schwarzwald ergriffen und mußte die löbl. Oesterr. Stadt Villingen herhalten und innerhalb zwei Jahren drei harte Belagerungen ausstehen, allwo der Feind nicht unterlassen, was zur Gewinnung der Stadt hat fruchten sollen, indem er vielmals brescia, über die 7 M (Tausend) Kugeln der großen Mauerbrecher, 400 Pyrobolorum über einen Zentner schwer und Feuerballen geschossen und in die Stadt geworfen. Aber damit Gott allein die Ehr durch Fürbitt seiner wunderbarlich und glorwürdigen Mutter Maria und der heiligen Stadt-Patronen Ehr, Preis, Lob und Dank geben werde, hat man dem Feind die Faust also gezeigt, daß er ab und von den Mauern mit schießen, Stangen, Spießen, Kolben, Immenkörben (sich) Steinen, Feuerballen, Pechringen, Sturmkrügl, gesottenem Kalk und anderen Waffen mehr (das ist doch schon ein gewaltiges Arsenal spätmittelalterlicher Verteidigungswaffen, der Verf.) mit großen Verlusten der Seinigen abgetrieben, und den Rückweg zu nehmen gezwungen worden.“

Pfarrer Sichler, der kein „Hiesiger“ war, obschon — davon später — Villingen durchaus verbunden, schreibt dann weiter als Quellenangabe, wie er zu seinem Wissen um die Belagerungsgeschichte gekommen ist.

. . . bis mir ungefähr, und zu allem Glück das Büchlein „Mercurius Villinganus“ genannt zu handen gekommen ist, so Herr Johann Baptista Steidlin Phi-los: et i. u. D. (der Philosophie und beider Rechte Doktor) in Kurtzem verfasset hat. .. .1)

. . . habe mich also dieses Büchleins in etwa bedient darum der günstige Leser sich nicht zu verwundern hat, warum ich dieser meiner Predigt den Namen gebe und ihr an die Stirn setze: MERCURIUS VILLINGANUS REDIVIVUS. Das ist der wieder lebendig gemachte Mercurius Villinganus, in Bedenken der vor fünfzig Jahren erhaltene Ruhm und von den Bürgern und Soldaten erwiesene Tapferkeit in den dreimaligen Belagerungen in die Asche der Oblivion ( Verlustes ) und der Vergessenheit geraten, habe ich so wohl auf der Kanzel in die Asche wollen blasen als auch mit diesen Blättern einen Wind machen wollen, wodurch die Funken der alten Treu und Redlichkeit zuvorderst gegen Gott als gegen seinen Landesfürsten aufflammten und wieder lebendig wurden, den so teuer erworbenen Ruhm von der Vergessenheit zu vindicieren ( bewahren ) und damit der jungen Burgerschaft Anlaß gegeben wurde in die löbliche und ruhmwürdige Fußstapfen ihrer frommen Altvorderen einzutreten, getreulich in mannlicher Tapferkeit, alter teutscher Kühnheit und unerschrockener Bestandhaftigkeit ihnen nachzufolgen.“

So sind wir nun beim Titel MERCURIUS VILLINGANUS REDIVIVUS.

In dem mir überkommenen Bändchen ist neben dem Titel eine Federzeichnung eingeheftet, die auf der Vorderseite in ausgebleichter ( bräunlicher ) Tinte mit dem der Predigt entnommenen “ Leitmotiv „: Villinga Civitas inclyta versehen ist. Im Text wird dann jede mögliche Übersetzung für inclyta angeboten : lobreiche, ruhmreiche, ruhmwerte, lobwürdige Stadt. Über der Stadtansicht ( Maße siehe Fußnote 2 ) sind, wie bei einem Votivbild üblich, die Patrone der Kirchen, Klöster und Tortürme im Himmel schwebend dargestellt. Von derselben Handschrift und mit gleicher Tinte sind die Schutzpatrone wie die ihnen angewiesenen Gebäude mit Nummern versehen. Auf der Rückseite der Federzeichnung ebenfalls mit Tinte unter der Überschrift “ Nomina Patronorum Villinganorum “ die zugeordneten Namen und Gebäude. Um einen besseren Vergleich und bessere Übersicht zu gewähren, habe ich in der Abbildung diese Rückseite neben dem Bild dargestellt.    — Die Federzeichnung lohnt, näher betrachtet zu werden. Die Zeitbestimmung ist verhältnismäßig einfach. Das “ Bügeleisen “ — die vorgezogene Befestigung im Südosten der Stadt zur Sicherung der Flanke gegen das Hubenloch wurde 1684 fertiggestellt — ist auf der Zeichnung deutlich zu sehen.

 

 

 

Andererseits ist der Ausbau des Benediktiner-Klosters St. Georg, der ab 1688 beginnt, noch nicht dargestellt (wohl aber das 1663 begonnene Konventhaus). Überhaupt ist auch ein Vergleich der Zeichnung mit der im General- Landesarchiv in Karlsruhe aufbewahrten, sehr bekannten und x-mal reproduzierten Stadtansicht (2) von großem Interesse. Diese Zeichnung, die auf die Zeit zwischen 1685 und 1695 datiert wird, zeigt eine sehr große Ähnlichkeit mit der Zeichnung bei der Sichler -Predigt. Es ist nicht auszuschließen, daß beide Zeichnungen von derselben Hand stammen.

 

Die Stadt Villingen zwischen 1685 und 1695 nach einer Zeichnung im Generallandesarchiv Karlsruhe.

 

Zum Wesen der Predigt der Barockzeit.

Nach der Gegenreformation — die ja infolge des Augsburger Religionsfriedens von 1555 eher politische Formen angenommen hatte, sozusagen im Dreißigjährigen Krieg mündete und mit dem Westfälischen Frieden 1648 endete — setzte die Zeit der sogenannten „katholischen Erneuerung“ ein. Sie wird auch die „Katholische Reform“ genannt (und oft mit der Gegenreformation verwechselt). Es ist die Zeit der Reformkonzilien. Wichtige Reformdekrete entstammen dieser Zeit (u. a. die Residenzpflicht der Bischöfe, die Errichtung von Priesterseminaren, Einführung der Pflichtsynoden sowie bischöfliche Visitationen). Der in dieser Zeit entstandene „Römische Katechismus“ schuf eine neue Grundlage für die kirchliche Lehrverkündigung. Für die Durchsetzung der „Katholischen Erneuerung“ war das Wirken der Ordensgemeinschaften, allen voran natürlich der Jesuiten, aber vor allem der Prediger-Orden der Dominikaner, Kartäuser aber auch der Augustiner, ob „reformiert“ oder als Chorherren „reguliert“, von besonderer Bedeutung und Wichtigkeit. Man spricht deshalb auch von dieser Zeit als der der „Klösteroffensive“. Kein Wunder also, daß Priester wie Hans Ulrich Megerle aus Kreenhein-stetten bei Meßkirch, bekannt unter seinem Augustiner-Klosternamen Abraham a Sancta Clara, Hofprediger in Wien, der bedeutendste Barockprediger, so großen Einfluß auf ihre gesamte Predigergenera-tion erlangen konnten. Auch unser Prediger, Hieronymus Sichler, war Augustiner-regulierter Canonicer (Chorherr). Da fast alle Predigten von Abraham a Sancta Clara gedruckt und verbreitet wurden, und zwar durchaus mit dem Zweck, nachgesprochen, abgewandelt zumindest aber verwendet zu werden, ist es keinesweg „abgekupfert“, wenn Sichlers Predigt eine gewisse Ähnlichkeit mit der Predigt Abraham a Sancta Claras „Soldaten Glory“ (gedruckt in Wien 1676) und deren Thema des 126. Psalms hat, „Umsonst wacht der, der diese Stadt beschützt, wenn nicht Gott sie beschützt“ (so Abraham). „Wo der Herr die Stadt nicht behütet, so wacht der Wächter umsonst, der sie verwahret“ (so Sichler). Sichler, der sich auch die Wacht der Stadtpatrone von Abraham geholt hat, bietet für die sechsmalige Wiederholung des lateinischen Textes immerhin noch vier sinngleiche aber wortunterschiedliche Übersetzungen in seinem Text.

Sichler folgt damit auch einer anderen Regel der Barockpredigt: Wiederholung des EINEN / Abwandlung des EINEN. Und er folgt auch einer Grundregel der Augustiner-Chorherren: die Welt wird mit der Botschaft des Glaubens konfrontiert: „Gott zu Ehr und dem gemeinen Mann zu Nutzen“.3)

So gesehen, sind auch allgemein die poetischen Qualitäten der Prediger im Barock nicht zu lösen von dem geistlichen Boden, auf dem sie wachsen: von der seelsorgerischen Absicht.

Fast alle Barockpredigten — und es gibt ja noch heute sehr viele bekannte, jedoch bisher nur die eine von Sichler mit dem Villinger Bezug — haben gleiche Grundregeln:

– Sie sind überwiegend hagiographisch (heiligengeschichtlich)

– enthalten fast keine Schriftauslegung

– zitieren kirchliche und antike Autoren, indem sie das aristotelische Rezept nutzen, demzufolge gerade solche Argumente besondere Beweiskraft haben, die sich auf allgemein Bekanntes stützen

– erzählen viele Wundermärlein und Geschichten als Exempel

– und betonen vor allem die moralische Unterweisung.

Die Barockpredigt ist in ihrem Charakter der diametrale Gegensatz einer exegetischen Predigt aus dem Geist des Neuen Testaments.

Sichlers Predigt enthält alle typischen Predigtelemente seiner Zeit:

– den lehrhaften Diskurs

– die historische Geschichte

– die fiktive Geschichte

– die Gedicht-Einlage (immer im Indikativ praesens als „apodiktische Kraft“)

– biblische Lobpreisung.

Die Franziskanerpredigt

Sichler setzt dem Druck seiner Predigt die Worte „an den Leser“ voraus, die von vorneherein seine Irrtümer entschuldigen: „Wir irren alle, weil wir sterblich sind, allein Gott ist vor Irrtum bewahrt . . .“.

Er hat sich Villingen sehr gut angeschaut und die Ei-Form der Stadt sogar als Überschrift und Teilinhalt eines Abschnittes benutzt. Aber vielleicht hat er in seinem Eifer übersehen, daß z. B. die Kapuziner am S. Wendelin- oder Niedertor sich erst seit 1655 in der Stadt niedergelassen haben, bei der Verteidigung auch mit den geistlichen Waffen also noch nicht mitwirken konnten. Er meint auch, der Stadt und seinen Menschen sei kein Schaden entstanden, und das wußte er selber sicher genauer: „Denn, als Gustaphus Adolphus… General Feldmarschall Gustav Horn mit dem Wirttenbergischen Obristen Johann Michael Rauch die Stadt Villingen Anno 1633 den 11. Januar mit entsetzlicher Macht angegriffen, Laufgräben gemacht, Schanzen aufgeworfen, mit 12 Stucken (Geschützen) und Feuermörsern so grausam anfangen zu schießen, daß es anderen Tags 293 meistens 24. bis 36. pfündige in die Stadt geflogen, daß Herr Obrist Escher ein alter tapferer Soldat …selbst bekennt, daß er in Real-Festungen einen solchen Ernst der Feinde nicht erlebt habe . . . Die feurigen Granaten der Feinde den 16. Jan. bei 32 in die Stadt geworfen wurden, bei 80, 90, 100 Pfund schwer gewesen. Deren seien viele auf das Stroh, Heu und Garben gefallen und daran versprungen und liegen geblieben. Andre hätten die Federbetten, haben Stuben, Täfer, Boden und Bühnen durchgeschlagen, die Kinder aus den Wiegen und von den Bänken beworfen und anderen Leuten über den Köpfen, auf der Gassen, in den Häusern und beim Tisch zersprungen, daß die Stücker davon unter den Füßen herumgeflogen zum Fenster hinaus gefahren. Haben sie doch weder Mensch noch Viech einzige schädliche Verletzung zugefügt sondern nicht anderes in den Häusern als Licht ausgelöscht. Unangesehen dessen haben sie außerhalb derselben, bei den Türmen in Wasserbächen und Stadtgraben ihre genugsame Wirkung gehabt. Löcher im Boden und entsetzliche Feuer und Stücker von sich geschlagen, daß ein einzige die Stadt anzuzünden und zu ruinieren genugsam Kraft gehabt hätte …“

Eigenartig mutet an, daß das Nägelinskreuz, das doch von alters her eine besondere Schutzfunktion in Villingen ausübte, bei Sichler überhaupt nicht vorkommt. Dabei haben gerade Gnadenbilder im Barock eine ganz außergewöhnliche Bedeutung, und es gibt ja doch einige Villinger Votivbilder aus der Zeit, die die Stadt mit dem Nägelinskreuz zeigen. Man kann eigentlich nicht annehmen, daß er aus theologischen Gründen auf die Erwähnung verzichtet hätte, er berichtet ja über sehr viele kirchliche Handlungen während der Belagerung wie Herausstellen des Allerheiligsten usw.. —Es wird ihm wohl keiner was davon erzählt haben, und er war doch nicht von hier.

Folgen wir also der obenerwähnten Bitte des Paters Hieronymus „mehr das Gemüt und Herz des Gebers als die Gab selbst anzusehen. Es gibt genug zu sehen darin : „. Sichler beginnt seine Predigt mit einer Aufzählung der Ereignisse am Tage des heiligen Franzis-kus. Er erwähnt das an diesem Tage gefeierte 50-jährige Priesterjubiläum eines „alterlebten Bruders“, der heute „seine Profession renovieren und wiederholen“ wird. Und er sagt, daß heut ein „Jüngling der betrogenen Welt den Rücken bieten wird und laßt sich bekleiden mit dem heiligen Ordenskleid.“

Dann erst, und das verwundert eigentlich, spricht er von der durch Papst lnnocenz Xl. ausgeschriebenen und erteilten „großen“ Indulgenz und Ablaß… wider den blutgierigen Erb- und Erzfeind des „Christlichen Namens“. Man bedenke: es ist 1683, die Türken stehen vor Wien und Abraham a Sancta Clara läßt eine seiner feurigsten Predigten gegen die Türken ab.4) Vielleicht war Wien doch etwas weiter weg und die Türkensteuern waren den vorderösterreichischen Ständen doch nicht so sehr gelegen?

Sichler beginnt mit seinen Sorgen, daß „durch eine armselige, seellose, übelverfaßte Predigt, die Zuhörer zu großem Verdruß verursacht werden…“. Er vergleicht den Prediger mit einem Koch: „Es muß einer ein guter Meister Hans sein, der alle Schleckermäulern recht kochen will; dann einem ist die Speiß versalzen, dem andern verschmalzen, dem ist sie zu süß, dem andern zu sauer, dem ist sie versotten, dem ist sie verbraten“. Dann leitet er über zu seinem Thema, daß die Heiligen die Stützen der Welt und die Schutzpatrone der Städte seien, insbesondere erwähnt er hier Dominikus und Franziskus. Über geschichtliche Beispiele, wo Heilige „unterschiedlichen Schlachten beigewohnt“ hätten, „und die Viktorien denen Christen befördern“. Über eine Fülle von Ereignissen auch übrigens solchen aus vorchristlicher Zeit, kommt er zur Sache: „Wen vermeint Ihr Geliebte, daß diese löbliche Österreichische Stadt Villingen in deren dreifachen harten Belagerungen vor 50 Jahren habe erhalten? Ich lobe die heldenmütigen Soldaten ich preise die tapfere Bürger und Bauerschaft, so allseits ritterlich und mannlich die Statt zu erhalten haben gefochten! Aber wißt Ihr was? Es ist ein Nisi dabei, es steht ein Nisi dahinter. NISI DOMINUS CUSTODIERIT CIVITATEM, FRUSTRA VIGI LAT QUI CUSTODIT EAM. Wo der HERR die Stadt nicht behütet, so wachet der Wächter umsonst, der sie verwahret. ps. 126″. Und dann zählt Sichler sie auf, die Stadtpatrone: neben Gott mit seiner göttlichen Hilfe und Maria als Mutter Gottes mit ihrem Schutzmantel, Franziskus, lenedictus, Dominicus, Clara, loannes, Wendelinus nd andere, die die Stadt beschirmt und die Feinde ‚mit schlechten Ehren widrum nach Haus“ geschickt haben.

Nun holt Sichler sich die Sympathie der Villinger: „Eine feste Mauer und starker Turm sind die Heiligen Gottes“ und er zitiert Paludanus. Dieser habe von einem Anspruch König Ludwig von Frankreich berichet: „Parisium inclyta Civitas .    Oh Paris herrliche
Stadt welche mit schöner Garnison der Heiligen versehen ist, wo keine Gasse kein Tor ist wo nicht eine Kirche ein Kloster oder ein Diener Gottes anzutreffen ist! Deshalb brauche die Stadt Paris sich nicht zu besorgen noch zu fürchten.“ Doch: „Villingen ist zwar nicht so groß wie Paris, nicht so schön wie Paris, nicht mächtig und prächtig wie Paris, dennoch ist es so Wohl und so gut versehen als Paris. Denn kein Tor ist, nicht mit einer Kirche oder Kloster versehen oder verwahrt ist, also daß ich auch sehr wohl kann sagen: O Villinga inclyta civitas quae tot Sanctorum munita praesidus, tot iustorum roborata munimentis. O Villingen lobreiche Stadt, so mit schöner Garnison der Heiligen und Basteien oder der Bollwerken der Gerechten versehen bist!“ Dieser Ausruf kommt — natürlich mit sinngleichen aber anderen Wortübersetzungen — in der Predigt dann achtmal wieder vor!

Gehen wir also mit Sichler die „Garnisonen der Heiligen“ durch: I. Porta S. Francisci oder das Ried-Thor. ‚Franziskus ist schon ein alter Haushalter in Villingen. Die Fundation (Gründung) dieses löblichen Gotteslauses ist zu lesen an der Wand im Chor also lautend:

Anno Dni 1268 Dom. I. post octavam Epiphaniae Monasterium hoc ab illustri et generoso Comite Hen-rico de Fürstenberg et Conjuge eius Agnete fundatum est, primusque loci hujus Guardianus fuit Frater Hen-ricus a Friburg.5) Hat also Franziskus über 415 Jahr getreulich Haus gehalten, und hat in den Belagerungen das Beste getan, sein Porten aufs fleissigste bewahret, die Mauern defendirt und sich als getreuer Beschützer der Stadt erwiesen . . .“.

„So haben dann die Herren Geistlichen in dem Münster bevorab der Wohlehrwürdig, hochgelehrt und Geistlich Herr P. loannn Ludwig Ungelehrt, der Heiligen Schrift Doctor, S. Francisci Ordens Conventualen gewester Provincial … vor allen Dingen zu den Waffen des Gebets wollen greifen, wohl wissend, daß eine betende Zunge die Faust der Soldaten secundiren müsse …“. Und es folgen Aufzählungen von Siegen durch Gebete: Kaiser Otto im Elsaß, Kaiser Heraklius gegen den Perserkönig Cosroe, Kaiser Theodosius, Moses überwindet die Amalechiter, Samuel die Philister und Judith die Macht des Holofernes. Und so habe auch Pater Ludwig „nicht allein das Weibervolk und unschuldige kleine Kinder zum steten Gebet angetrieben, sondern alle Vor- und Nachmittage mit Herausstellung des Hochheiligsten Sakraments seine Hände als wie ein anderer Moses ausgestreckt, dem Volk mit lauter Stimme vorgebetet, daß allen die Zähren häufig über die Backen heruntergeloffen . .“. Und nach seiner Wiederholung der beiden Leitsätze „Nisi Dominus . . . “ und „O Villinga inclyta Civitas… “ läßt er seinen Poeten singen:

 

 

Turris S. Michael oder Sankt Michaels Thurm ( heute Romäus-Turm).

„Die Erbauer der Stadt Villingen haben vorsichtig einen Turm zu Ehren Sankt Michaels an die Stadtmauer gebaut wegen des gegenüberliegenden Bühels“. Unser Prediger schildert nun einige Taten des Erzengels: seinen Kampf gegen Luzifer, wie „der König Pharao mit seinem ganzen Heer mit Roß und Wagen in dem Roten Meer von diesem Erzengel ersäuft wird“ und man höre: „Dem König Senacherib schlägt dieser Engel in einer Nacht hundertfünf und achtzigtausend Mann zu tot … „.

„Diese englische Hilf hat der Stadt Villingen zu ihrem höchsten Trost … erfahren und innenworden: OVillinga    „.Wie singt dann sein Poet:

 

 

II. Porta S. Georgii oder das Ober-Thor.

„Schon längsten ist der heilige Georgius in die Zahl der vierzehn Nothelfer gezählet und für einen allgemeinen Feld-Obristen der Christlichen Armada ausgerufen worden“.

Nach der üblichen Aufzählung der Mitwirkung bei Heldentaten des heiligen Georg kommt Sichler auch auf die Benediktiner in Villingen zu sprechen: „Vor etlichen Jahren schickt Benedictus, der Heilige Vater, der Stadt Villingen zum besten einen neuen Succurs, nämlich seine liebe Geistlichen, so aus dem Kloster Sanct Jergen im Schwarzwald gelegen, vermög des Münsterischen Friedensschlusses vertrieben worden.6) Diese Exulanten hat die Stadt mit Freude umfangen und empfangen …. „Venite Benedicti patris mei“ …

„Gebenedeiht der da kommt in Namen des Herrn“. Nach einem Vergleich mit Themistokles, über den Xerxes nachts aufgeschrien habe:“ Wohl mir, ich habe Themistokles“, sagt Sichler den Villingern: „0, ihr liebe Villinger, ihr habt nicht nur Themistoclem, sondern Benedictum, der von dem glorwürdigen Beda genennet wird : Vir Sanctissimus der allerheiligste Mann“.

Um fortzufahren: „Wann ich dieses zwar kleine Klö-sterlin nenne eine Schul- oder Pflantz-Garten der Tugenden, so rede ich recht … “ “ … also auch von diesem kleinen Oertlin so mancher tapfere Jüngling durch die Studia hervorgekrochen, welcher alsdann dem Geistlichen und Politischen Wesen wohl anständig gewesen, annoch sein und ins künftige sein werden. So tut Benedictus und Georgius die ihnen anvertraute Pforten meisterlich und ritterlich defendiren … „. “ … Benedictus ist die Mauer, Georgius die Vormauer … „. Über “ 0 Villinga … “ setzt Silcher dann fort: „Singe dann, mein Poet, singe dann diesen beiden Heiligen auch eines zu Ehren:

 

 

Sanctus Dominicus.

„Dieser heilige Ordensstifter hat sich mit seiner Sammlung an die Stadtmauer als ein getreuer Schutzherr gelagert…“. Nach Aufzählung der Schutz und Hilfe des heiligen Dominicus z. B. als „des christlichen Glaubens Beschützer und Erhalter“ dem Kampf gegen die Ketzerei der Waldenser und Stifter des Heiligen Rosenkranzes kommt er auf Villingen: „Villingen mit Feinden umgeben, alltenhalben geängstigt, hätte von keinem Freund oder Nachbarn einigen Trost nie zu hoffen außer von Ihro Hochwürden Georg Abten 7) zu Sanct Georgen, welcher mit der bedrängten Stadt allzeit in kontinuierlicher guter Korrespondenz gestanden, dieselbe getröstet, das Vertrauen auf Gott zu setzen, hat auch einen Ehrsamen Wohlweisen Magistrat und löbliche Bürgerschaft zu vorderst Herrn Georg Gruber Camerarium und Pfarrherrn dahin vermögt, daß die gnadenreiche Fraternität- und Erzbruderschaft Rosarii B. V. Mariae solle eingesetzt werden“. “ … Also hat Dominicus in den Belagerungen sich frisch gehalten und die Feinde des katholischen Glaubens lernen den Rosenkranz beten, dann die Musketen-Kuglen so auf Mariae Feind Iosgeflogen waren die Ave Maria, die Stuck -Kuglen waren die Vater-Unser … “ und nach “ O Villinga …“. “ … Auf, auf mein Poet, sing dem heiligen Dominico auch eines zu Ehren …“

 

 

III. Porta S. loannis oder das Bicken-Thor.

„So defendiret darin das Bickentor der heilige loannes mit der Ritterlichen Malthesischen Commenda „. Nach einem kurzen Aufriß der Geschichte des Malteser Ordens der Johanniter und dem üblichen Abschluß „O Villinga Inclyta Civitas … „.“ Laß dich hören mein Poet, laß dich hören.“

 

 

Sancta Clara.

„An das Bicken-Thor hat sich auch gesetzt und ihr Lager geschlagen die heilige Clara mit ihren Klosterjungfrauen … „. “ … Obwohl diesen eingeschlossenen frommen Kinder vom Feind der meiste Schaden zugefügt, indem er das Kloster zum Teil, die Kirche aber ganz zu Grund geschossen, daß sie also ihr verlobte Klausur entlassen müssen, haben sie doch alle

Zaghaftigkeit beiseite gesetzt … „. “ … viel lieber sehen wollen, daß ihr Clösterlin zugrundegerichtet, daß dann die ganze Stadt den unkatholischen Feinden zuteil werde, in Hoffnung, es werde Gott schon Patrone erwecken, die ihnen zum Bauen wiederum hilfreiche Hand bieten werden, so auch geschehen … „.

Nach der Heiligen Legende der Jungfrau Clara setzt unser Prediger fort: „Wer will jetzt in Zweifel stehen, daß Clara als ein getreue Fürbitterin und beständige Patronin, der mit dreimaliger Belagerung geängstigten Stadt nicht werde hilfreich Hand geboten haben. Frage dann nicht weiser König Salomon, frage nicht: Wer will ein stark Weib finden? Zu Villingen ist dies starke Weib zu finden. Clara heißt sie, Clara.“ „Soll ich dann nicht abermal meinen oft angezogenen Spruch repetieren und wiederholen, 0 Villinga Inclyta Civitas?“ “ . . . Was singst du dann, mein Poet, der heiligen Clara zu Ehren?“

 

 

IV. Porta S. Wendelini oder das Nider. -Thor.

„S. Franciscus schickt nicht unlängst dem heiligen Wendelino der Stadt zum besten einen neuen Succurs, seine Pforten, oder das Niedertor besser zu defendiren, und das sind die Herren Capuciner.8) Diese geistlichen Soldaten halten fleißige Wacht, Tag und Nacht, früh und spät … „.

Nach der Geschichte der Stigmatisierung des heiligen Franziskus und einigen Bemerkungen über die Leidensfähigkeit der Franziskaner vergleicht Hieronymus die Benediktiner mit Kürassieren, die Franziskaner aber als leichte Reiterei und sagt: „Ein fliegende Armee, ihre Pferd sind gleich gesattelt, das ist ihr Reisestock, sie sind gleich „gestifflet und gesporet“, nur in die Sandalen geschlupft, so ist geschehen, den Rosenkranz und das Brevier an die Gürtel gehängt, das sind die Pistolen, damit auf und davon. Sie passieren sicher, sie foutragiren ungehindert zu Weg und Steg, zu Wasser und Land, man kann ihnen nichts abbeuten. Es heißt:

 

 

„Mit diesen so tapferen geistlichen Soldaten ist die Stadt Villingen bestens versehen. Soldaten sage ich, aber Geistliche … „. “ … Darum sag ich abermal. O Villinga inclyta…“. “ … Sing dann, mein Poet, Wendelino und Francisco eins zu ehren.“

 

 

Hospitale Sancti Spiritus, Geistliches Proviant- oder Zeug-Haus.

„Vor allen Dingen ist vonnöten, daß die Festung mit Proviant und Munition wohl versehen sei. Der Heilige Geist ist der Proviantmeister, ein freigebiger Ausspender aller Gnaden …“. Es folgen Geschichten über die Stärke des David, des tapferen Hirten in seinem Kampf mit Goliath. Sichler erzählt von Samson, wie dieser mit Löwen und Bären kämpft, beides als Beispiele der Kraft des Heiligen Geistes. „Mit einem Esels-Künbacken, mit einem so schlechten Arcadischen Säbel hat er (Samson) viel hundert der Philister zu Boden gelegt … „, um dann wieder auf Villingen zu kommen : “ . . . Wer hat in den Belagerungen den tapferen Bürgern und Soldaten das Herz gestärkt, daß sie so vielen und starken Feinden den Trutz geboten, der Heilige Geist hats getan, aus diesem Zeughaus haben sie sich bewaffnet.“ “ Oh, glückselige Stadt, wo der Heilige Geist Proviant- und Zeugmeister ist.“

“ . . . Mein Poet lasse dich hören, sing auch eins Gott zu Ehren.“

 

 

Ecclesia Parochialis

Das Münster oder die Haupt-Wache.

„Vor allen Dingen muß in einer Festung die Hauptwacht wohl bestellt sein . . . “ . “ . . . Was das Herz in dem Menschen ist, das ist die Kirchen in einer Stadt. Die Hauptwacht führt dermals als ein Geistlicher Kommandant, der Hochwürdige Geistliche und Hochgelehrte Herr loann Henrich Mötz SS. Canonum Doctor, Protonotarius Apostolicus, Decanus und Pfarrherr allhie mit seiner unterhabenden Capellanen in der Pfarr- und Mutterkirch, das Münster genannt . . . „. Als Aufgaben dieser Hauptwacht werden die fünf Taten der Barmherzigkeit aufgeführt: „Von der Hauptwacht wird der Trostlose getröstet, der Betrübte mit Zuspruch gelabt, der Gefangene besucht und gestärkt, der Kranke mit notwendigen heiligen Sakramenten versehen, die Toten begraben. Die Geistliche in der Hauptwacht sind der Laien geistliche Väter im Heiligen Tauf. Sie sind Speis- und Proviant-Meister in den heiligen Sakramenten. Sie sind Wundarzt in den Beichtstühlen, Lehrmeister auf den Kanzeln und Kinderlehr, sie sind feste Ringmauern der Stadt, Botschafter des Allerhöchsten. Trompeten des Heiligen Geists, sie sind das Salz der Erden, das Licht der Welt.“ …

. . . “ In der Hauptwacht gibt man die Losung.“ … “ alle gute Ding sind drei.“ .. . “ Joseph, ein neuerwählter Schutzherr und Patron über die kaiserlichen Erbländer, Königreich, Herrschaften, Städte, Flecken und Dörfern steht im Münster vor dem Taufstein, alle neugeborenen Villinger in seinen Schutz und Schirm auf- und anzunehmen.“ . . . “ Jesus, Maria, Joseph, diese drei heiligen Namen gehören zusammen in eine Gesellschaft, wo aber diese heilige, erschaffene Dreifaltigkeit ist, wie soll es möglich sein, daß ein Not oder Gefahr sollte eindringen, sage dann wieder, O Villinga lnclyta“ . … „Auf, auf mein Poet, sing noch eins zum Valete.“

 

 

Besondere Mühe hat der Prediger auf das Schlußkapitel seiner Predigt verwandt:

“ Villinga — Ovalem habet figuram“

„Villingen ist nicht gar rund, sondern wie ein Ei gebaut. Das Ei macht mir allerlei Gedanken, wann man ir will einen tapferen Mann einen klugen Kopf loben, so sagt man, er ist aus einem Ei geboren, also daß ein mancher Villinger fromm, ein mancher gelehrt, ein ancher herzhaft ist, so verwundere ich mich nicht, enn er ist aus einem Ei geboren. Das Ei ist stark : wer seiner Stärke ein Prob will tun, der tue es bei seinen zwei Spitzen, mit der flachen Hand gedruckt, er wird wenig ausrichten. An dieses Ei hat sich mancher tapfere Soldat gewagt, aber umsonst, Villingen bleibt treu an seinem lieben Gott, redlich an seinem Landesfürsten. Dieses kleine Oertlin hat allzeit sein große Treu und Redlichkeit an ihm finden lassen. Als Sigis-mundus Römischer König 1416 zur Zeit des Konzils all sein Land und Leut frei Preis gemacht, ist Villingen neben Waldshut, bei dem Haus Österrich einzig beständig verblieben. . . “ . “ … Nicht weniger hat diese seine alte Treu erwiesen die Stadt Villingen, als Herzog Ulrich von Württemberg sich wider den Schwäbischen Bund, und das hochlöbliche Haus Österreich 1519 auflehnte, zu welcher Zeit die Villinger zu Erhaltung ihrer selbsten und in Manutenirung ihrer Jurisdiction, und des Feinds Abbruch, viel umliegende Ort in Namen des Bunds und Hauses Österreich aufgefordert und in Huldigung bekommen. 1525, zur Zeit des schwierigen Bauern-Kriegs, als alle angrenzende Ort, viel fürnehme Städt und Festungen sich ergeben, mit beherzter Gegenwehr sich erzeigt, den Feind avertirt und sich bei geschworenen Eid und Treu redlich gehalten. Was für ein große Treu und Redlichkeit hat vor 50 Jahren in den dreifachen Belagerungen die Stadt Villingen sich mit unsterblichem Ruhm aller Welt und allen Völkern bekannt gemacht, als wären sie lauter Samsones, all ihren Feinden unter die Augen gestanden, den Kopf geboten, und mit feuerdämpfendem Blei und Eisen dermaßen eingeschenkt und so häufig zu trinken geben, daß etliche Tausend an dem Trunk erstickt und erwürgt sind, alle andere aber des weiteren Umtrunks verdrüssig den Rücken gewandt und ganz maßleidig mit schlechten Ehren wiederum nach Haus gezogen … “ . “ … Das Ei kann man sicher essen, ohne Furcht beigebrachten Giftes, kann auch vom Rauch nicht infiziert oder verdorben werden. Villingen dieses Ei ist niemals mit einer Ketzerei vegiftet oder nur mit einem Rauch falscher Lehr infiziert worden, Oberist Rauch wollte dieses Ei also auch verschlucken. Nein sagt Horn, wir möchten dran versticken, wir wollens sieden, und dem Ei heiß machen, ich will das Wasser übertun: die Pfann, versteh das Wasserdamm sieht man noch. Dann der Feind, mit einem Damm die Stadt in das Wasser zu setzen, vergeblich mit großer Müh und Unkosten vorgenommen. “

Pater Hieronymus zählt eine Anzahl Beispiele auf, wie Städte während des Dreißigjährigen Krieges mit Wasser bezwungen wurden, auch ein paar Worte über Festungsbaukunst werden verloren, er erwähnte auch den Sparter König Argerdlaus, der gefragt wurde, warum Sparta keine Mauern habe und auf die bewaffnete Bürgerschaft deutend geantwortet habe: Dies sind Sparta deine Mauern. Er vergleicht dies mit Villingen : „Hier sind Villingen deine Mauern, die heiligen Patrone sind deine Mauern. Wälle und Schanzen dir zu Trost und zum Schrecken der Feinden. Darum dann Horn an Villingen seine Hörner verstoßen, und dem Oberst Rauch hätte man sehr rauch davor abgehobelt. Eben in dem Jahr da Villingen attackiert worden, hat General Feldmarschall Gustav Horn die Städte Konstanz und Überlingen feindlich angegriffen und an dem Ort, die Höll genannt, dreimal Sturm geloffen, aber vergebens, ebenermaßen zu Konstanz hat der Feind an einem Ort, das Paradies genannt, den ersten Sturm verloren, so ist dannenhero das Sprichwort entstanden: der Horn hat zu Konstanz nicht in das Paradies und zu Überlingen nicht in die Höll können kommen, so mach ich dann diese Allusion und sage, daß Horn zu Villingen in das Fegefeuer kommen . . .“ . “ . . .Seind also die Feind an diesem Ei erstickt . . . “ . “ . . . also hat Villingen das Ei, so mit dem Nordspitz die Liebe und Treu gegen Gott, mit dem Südspitz aber die Redlichkeit gegen dem Durchlauchtigstem Haus Österreich bedeutet, mit keiner Feinds Macht und Gewalt mögen überwältigt werden . . . “ . Nach einem kleinen Exkurs über die Jungfrau Maria sagt unser Prediger “ Villingen ist noch ein Jungfrau, Straßburg war lange Zeit ein brave Dam . . . “ . “ . . Ein großer Welt Monarch, nämlich Ludovicus XIV., König in Frankreich, schickt seine Werber die sich um diese Dam sollen anmelden, sie sagt nur geschwind ja. Straßburg ist jetzt Französisch …“ . Zum Unterstreichen der Tapferkeit werden noch einige weitere schnelle Kapitulationen erwähnt, so Magdeburg und Brei-sach. „Vor 50 Jahren haben vornehme Helden, mächtige Feind als Julius und Eberhard beide Herzogen aus Wirttemberg Christian Pfalzgraf von Birckenfeld. General Feldmarschall Gustav Horn. Martin Freiherr von Degenfeld. Michael Rauch Schaffalis-ki. Und andere Kriegshelden mehr um das arme verwisene Schwäbische Jungfräule, Villingen genannt, sich angemeldet, aber das Jawort nicht erhalten, sondern sind abgewiesen worden, und durch den Korb gefallen: wann man einen Buler abfertigt, daß er mit der langen Nasen abziehen muß, so sagt man im deutschen Sprichwort, man hat ihm den Korbgeben … “

. . . Was für Buhlbrief an dieses schwäbisch Jungfräulein obengenannte Werber haben lassen abgehen, kann man noch lesen in der ersten und anderen Relation, sonderlich in dem Mercurio Villingano. “ . “ . . . Sie vermeinten das Jungfräulein wäre von Verstand kommen, wollten dann ihm den Kopf mit Arznei besser einrichten, machten eine gefährliche Kur von lauter Pillen, das waren die Stuckkuglen deren 7000 und 400 Pyrobolorum oder Granaten und Feuerkuglen über einen Zentner schwer, dergleichen zum Muster bei S. Sebastian Altar dort an einer Ketten noch eines deren Pillen (im Münster sind mehr zu sehen) hängen, dieses Jungfräulein schlucken und einvernehmen müssen …“. „Villingen ist noch ein Jungfrau, was sage ich ein Jungfrau, dann zweimal ein Jungfrau. Ein Jungfrau in dem wahren katholischen und allein selig machenden Glauben, weil sie niemals mit einer Ketzerei ist besudlet worden. Ein Jungfrau, welche so viele Buhlschaften den Korb gegeben, so viel Werber ausgeschlagen, und den Feinden den Rückweg gewiesen. Ist also dem kleinen verwaisten Ort, und alten schwäbischen Jungfräulein am Schwarzwald gelegen, Villingen, das jungfräulich und Siegkränzlin geblieben.

Nunmehr haben euer Lieben vernommen, wie die alte und löbliche Österreichische Stadt Villingen in den Belagerungen und bis hero in dem Schutz des Aller-hochsten, in dem Schirm der Mutter Gottes und übrigen heiligen Stadt-Patrone gelebt hat und annoch lebt. Man hat verstanden, wie die Stadt Villingen, mit Wällen und Schanzen, mit Türmen und Mauer der heiligen und frommen Seelen wohl verwahret ist. Was darfs viel. Murus est animi Sancti.“

Hieronymus Sichler war Pfarrer in Schramberg von 1675 bis 1699, er ist 1701 in Villingen gestorben, nachdem er auch seine goldene Primiz nicht im Kloster seiner Professio in Waldsee (verm. 1648), sondern in Villingen gehalten hatte.

Er war Augustiner Chorherr. Ein Porträt (s. Abbildung) von ihm befindet sich, zusammen mit fünf anderen Pfarrer-Porträts, u. a. auch dem seines Nachfolgers Johann Baptist Huener 1699 — 1731 aus Villingen, im Archiv der Kirchenpflege im Marienheim in Schramberg9), wo auch die von Pfarrer Sichler begonnene Pfarrchronik bewahrt wird.

HIERONYMUS SICHLER

 

Das Porträt eines unbekannten Malers, das sich in einem nicht gerade dem heutigen Stand entsprechenden, restaurierten Zustand befindet, zeigt einen Geistlichen, der — so könnte man sagen — recht barocke Körperfülle aufweist. Als Insignien seiner geistigen Interessengebiete zeigt das Bild einen Himmelsglobus für Astronomie sowie mit aufgelegter Hand ein Notenblatt als Zeichen des Musikinteresses. Ob das ebenfalls dargestellte Buch die Heilige Schrift ist, läßt sich nicht mehr erkennen (Kreuz nicht sichtbar). Man könnte, da der geistliche Stand ja durch das Ordenskleid ausgewiesen ist, auch annehmen, daß das Buch als Zeichen seiner Bildung gedacht ist, die Spangen am Buch aber können auch ein Brevier ausweisen. Die auf dem Bild angebrachte Beschriftung lautet in deutscher Übersetzung: Hieronymus Sichler Regulierter Canonicus Deputierter des Kapitels Rottweil und Pfarrer in Schramberg . . . gestorben Villingen am Tage 21. März im Jahre 1701.

Auch in Schramberg ist Sichler eine durchaus ortsgeschichtliche Persönlichkeit. Er verhinderte durch geschicktes Verhandeln im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 die Zerstörung des damaligen Marktfleckens durch französische Truppen.

Dem Druck der Predigt ist eine Laudatio vorangestellt, die ein Verwandter und von Sichler geförderter junger Geistlicher in sehr schönem lateinischen Hexameter geschrieben hat und die in deutscher Übersetzung 10) lautet:

 

 

Auch du gedeihst durch das Lob, gelobt schon seit frühester Jugend, glänzend und ungebrochen und stärker als Erz bleibst du.

So wird dir jeder für deine Verdienste „Er ist aus dem Ei geboren“ zurufen und „Er ist aus dem Ei geboren“ jubelnd hinzufügen.

Um der geschuldeten Ehre und Liebe willen, Dir für
Deine löblich gehaltene Rede gratulierend, hat

loannes Jacobus Sichler,

Kandidat der Philosophie und Moraltheologie,
ein ihm zujubelnder Rottweiler und ergebenster
Verwandter und Schuldner, dieses zugeeignet.“

1. Stadtarchiv Villingen in einem Kompendium mit anderen teils handschriftlilichen, teils gedruckten Beschreibungen der Belagerungen 1633 u. a. auch eine solche von P. Johann Ludwig Ungelehrt — sieht Porta S. Francisci in dieser Ausarbeitung —.

2. Das Generallandesarchiv Karlsruhe schreibt unter dem 24.8.1984 auf meine Anfrage: „Die in unseren Beständen liegende Zeichnung der Stadt Villingen (jetzige Signatur H /B. — S. I : V 4) ist vor allem an den Ecken stark zerstört und wurde im letzten Jahrhundert in unsachgemäßer Weise auf eine Pappe aufgeklebt. Das Blatt, das ursprünglich 4fach gefaltet war, also wohl in den Akten lag, hat eine Größe von 40,5 (Breite) x 33 (Höhe) cm. Die heutige Größe der Pappe ist 44 x 36; darüber liegt ein Passepartout.“

3. Zum Vergleich: Federzeichnung in MERCURIUS VILLINGANUS REDIVIVUS (Sichler-Predigt): Gesamt mit Stadtpatrone: 13,2 (Breite) x 18 (Höhe) cm, Stadtansicht ohne Patrone: 13,2 (Breite) x 6,8 (Höhe) cm. Nach P. Anselm Mannhardt „Parnassus, Rottenbuchensis“

4. Abraham a Sancta Clara: „Auff, Auff, Ihr Christen, das ist eine Anfrischung der christlichen Waffen wider den türkischen Bluet-Egel“ gedruckt b. M. Haan in Salzburg, 1683

5. Im Jahre 1268 Am achten Sonntag nach Epiphania wurde dieses Kloster von dem erlauchten und edlen Grafen Heinrich von Fürstenberg und seiner Ehefrau Agnes gegründet, und erster Guardian (Abt) von diesem Ort wurde Bruder HEINRICH aus (eigentlich: in) Freiburg.

6. Erratum: Bereits Abt Michael I Gaisser (1595 — 1606) hatte in Villingen ein Konventhaus mit Bibliothek gebaut, das 1637 durch Feuer zerstört wurde. Das ab 1663 begonnen und auf beiden in dieser Ausarbeitung enthaltenen Zeichnungen fast ausführungsgleich zu findende Konventhaus, entstand nach der endgültigen „Aufgabe“ und Exulierung von St. Georgen; also nach dem Westfälischen Frieden von 1648.

7. Zum Thema Irrtümer: Gemeint kann nur sein, der „Tagebuch -Abt “ Georg II Gaisser, aber der war Benediktiner und stand auch nicht nur in „Korrespondenz“, wie wir wissen (s. auch Fußnote 6).

8. Siehe Bemerkungen zu „an den Leser“ weiter vorne.

9. Einblick in die Pfarrchronik sowie die Möglichkeit der Fotoaufnahme des Porträts verdanke ich dem Leiter der Kirchenpflege Schramberg, Herrn Schenk. Weitere Informationen zu Sichler erhielt ich durch das Mitglied unseres Vereins, Herrn Rektor Brauchle, Schramberg.

10. Freundlicherweise von Herrn Dr. Maier vom Gymnasium am Romäusring ausgeführt. 

 

Mi Hoamet Villingen (Helmut W. Falk)

Am Tor zum schöne Bad ’ner Land

und ganz noh dra am Schwarzwaldrand,

wo d‘ Stimme alemannisch klinge,

do liet e‘ Städtle, ’shoaßt: Villingen.

 

Ä Landschaft gits do wiit und bunt

und wenn me ni in’s Städtle kunnt,

dann sieht me überall no heit,

die Zeiche der Vergangenheit.

 

D‘ Ringmuer mit Türm und Tor,

Hiiser mit Gaupe und Erker davor,

alte Brunnetrög, vertroamte Gässle

und holprige Pflasterstei-Sträßle.

 

Die alte Ziet isch zwar verweht,

doch wenn me hit durchs Städtle geht,

do ka me’s spüre an jedem Eck,

daß des do isch en b’sundere Fleck.

 

Do zwische Riet und Ursula-Gymnasium,

trieb i mi früher als Lausbue rum,

im Münster han i zu de Ministrante ghört

und bi de „Straula“ de Dreisatz g’lehrt.

 

Obwohl i lang scho nimme im Städtle bin,

zieht’s mi mit Macht doch immer hin,

und i bin stolz druf, seil isch g’wiß,

daß Villingen mi Hoamet isch.

 

HEILIG OBED

 

 

 

 

 

1985: Abschluß der archäologischen Grabungen auf dem alemannischen Friedhof in Schwenningen (Werner Huger)

Am 20. August 1985 beendeten die Archäologen ihre Grabungen im alemannischen (alamannischen) Friedhof. Über die Zusammenhänge hat der Geschichts- und Heimatverein Villingen in seinem Jahresheft IX, 1984/85, ausführlich berichtet. In der nunmehr abgeschlossenen Kampagne wurden zunächst der nördliche Teil der noch zugänglichen Friedhofsfläche und abschließend, 1985, der westliche Teil zur Sturmbühl -/ Mutzenbühlstraße hin untersucht. Bekanntlich liegt der Friedhof im Gewann „Auf der Lehr“. Seit man 1938 zum erstenmal den Spaten ansetzte, sind nun bis heute 139 Gräber freigelegt worden. Es ist zu vermuten, daß sich der Friedhof noch weiter nach Norden ausbreitet, wo in den Gärten bzw. Grünflächen hinter den Häusern weitere Gräber unberührt liegen könnten. Allerdings ist die Fläche insgesamt durch errichtete Gebäude stark gestört. Nicht untersucht wurde auch der Bereich, auf dem die Bauhütte der Archäologen stand. Entsprechend der Funde im unmittelbaren Umfeld ist jedoch nicht damit zu rechnen, daß ein möglicherweise wichtiger Fund übergangen wurde. Schon bald wird die Stichstraße zur Spittelstraße über das Gelände laufen. Bei allen Grabungen kam nie mehr ein so reiches Inventar zutage, wie es die um 530 verstorbene Frau besessen hatte. (Vergleiche Jahresheft IX) Die Grabinventare, der aus dem frühen sechsten bis zum späten siebten Jahrhundert stammenden Gräber, sind in ihrer Summe abschließend als durchschnittlich zu bezeichnen. Auch in dieser Kampagne ist die Mehrzahl der untersuchten Grablegen in die Kategorie „ärmlich“ einzustufen. Hervorzuheben sind vier Frauengräber, deren Beigaben die Bestatteten als wohlhabend ausweisen. Man fand einmal ein silbernes Fibelpaar, weitere silberne Einzelfibeln, eine reiche Glasperlenkette, dann zwei Glasgefäße, das eine fränkisch, das andere vermutlich eine norditalienische Importe. Von den wenigen wohlhabenderen Männergräbern sind die zweischneidige Spatha und der Sachs, das einschneidige Hiebschwert, zu vermelden.

Mit weiteren Funden ist auf Jahre hinaus nicht mehr zu rechnen. Abgesehen von der erwähnten nördlichen Zone sind im Süden (gegen den Marktplatz), im Osten (Dauchinger Straße) und im Westen (Mutzenbühl und Sturmbühlstraße) überhaupt keine weiteren Gräber mehr zu erwarten. Entweder ist die Begrenzung der Friedhofsfläche erreicht (Westen) oder sie wurde durch spätere Bebauung gestört. Bliebe abschließend noch zu erwähnen, daß der Friedhof sich in Hanglage befand und die Gräber terrassiert waren.

Mit der Beendigung der Belegung des alemannischen Friedhofs ist, ebensowenig wie in Villingen, die Siedlungskontinuität der Alemann beendet. Es ist aber die allgemeine Erfahrung, daß gegen Ende des siebten Jahrhunderts mit einer Toleranz von +/— 20 Jahre die Belegung alemannischer Friedhöfe abbricht, weil im Zuge des Christianisierungsprozesses mit den Dorfkirchen auch die sie umgebenden Friedhöfe entstehen, die eine veränderte Instituionalisierung der Bestattungssitten deutlich machen.

Neben der Ergebnissen aus dem Gräberfeld konnten die Archäologen weitere Erkenntnisse gewinnen : Zwischen dem westlichen Ende des Friedhofs und der Sturmbühl-/Mutzenbühlstraße verlief ein vermutlich mittelalterlicher Nordsüdweg, und zwar vom Marktplatz in nördlicher Richtung den Berg hoch. Deutlich sichtbar waren Spurrillen, aus denen sich die Achsbreiten der Wagen bzw. Karren ablesen ließen.

Auch die Schichten „Auf der Lehr“ gaben wertvolle Hinweise. Die Bodenschichten bestehen zunächst aus Humus, dann folgt ein Lehmbereich von etwa 1m Dicke. Dieser wurde vermutlich ebenfalls mittelalterlich abgeräumt, um an den darunterliegenden Lettenkeuper zu gelangen. In diesem befinden sich nämlich Toneinschlüsse unterschiedlichen Volumens, von wenigen Kubikzentimetern bis mehreren Kubikmetern. Dieses Material liefert einen vorzüglichen Ton zur Herstellung von Keramikware. Bei der Ausbeutung der Vorkommen wurde in die Substanz des älteren alemannischen Friedhofs eingegriffen, wobei mehrfach Gräber gestört wurden. Ihr Inhalt wurde aus dem Verbund gerissen und zerstört, so daß man in dem später wieder aufgeschütteten, dem Keuper aufliegenden Mergelmaterial, anläßlich der Ausgrabungen, verstreut Knochen und Beigaben fand.

Ergänzende Literatur zum Gräberfeld Schwenningen: Gerhard Fingerlin, Ein Gräberfeld der Merowingerzeit aus Schwenningen, Stadt Villingen-Schwenningen, Schwarzwald-Baar-Kreis in: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg, 1984, Seite 177 ff..

Wir bedanken uns an dieser Stelle für die mündlichen Mitteilungen, die uns der zuständige Grabungsleiter, Herr Klaus Hietkamp, an Ort und Stelle freundlicherweise gegeben hat.

Die Barockmeister der Familie Schupp (Ottmar Schupp)

Auf den Spuren Villinger Künstler

Eine Übersicht und Anregung für Heimatforscher von Ottmar Schupp

Zwei Urkunden im Villinger Stadtarchiv von 1506 und 1518 nennen einen „Hans Schupp, der das Tuninger gutlin buwt“. Jorig Kromer, Pfarrer zu Kilchdorf (Kirchdorf) sowie Bürgermeister und Rat von Villingen einigen sich in ihrem Streit um die Einkünfte aus diesem Gut.1) Im Jahre 1592 wird in Villingen ein Erasmus Schupp aus der Schuhmacherzunft erwähnt, dessen Geschlecht in drei Generationen bis etwa 1680 bekannt ist. Im Bürgerbuch III im Anhang befindet sich ein Wappen des „Herrn Asimus Schupp, Baulittzunft, Zunftmeister 1681, im Rat 1659“. Ein 1577 geborener Balthasar Schupp läßt sich nicht weiter verfolgen. Dagegen erscheint 1602 ein Hans Ludwig Schupp als Kupferschmied „außerhalb der Stadt wohnend“. Schon 1593 ist er erwähnt in einem Kaufbrief als „Ludwig des Schuppens des Kupferschmiedes, Hintersäßer zu Villingen eine Mannsmad Wiesen, darauf ein Zins von einem Viertel Wachs für die Jakobspflegschaft“.2) Nach Honold ist ein Sohn dieses Mannes ein Konrad Schupp, mit dem der Stammbaum Schupp lückenlos bis auf unsere Tage geht. Er ist der Stammesträger eins.3)

Verheiratet war Konrad in erster Ehe mit Margarete Weißhaupt (etwa 1620), in zweiter Ehe mit Katherina Ummenhofer aus altem Villinger Geschlecht. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor, darunter der weitere Stammesträger zwei, Johann 1.

Er wurde 1631 zu Villingen geboren und war Bildhauer und Lilienwirt. Im Verzeichnis der Männerstühle im Münster wird er 1684 erwähnt, als Besitzer einer Wiese 1686. Er starb vermutlich 1699 in Villingen. Im Totenbuch der Münsterpfarrei, das 1700 beginnt, steht er nicht. 1702 verkauft seine Witwe Maria, geb. Dober, ihr Haus an den Schwiegersohn Matthias Walz, der 1702 ihre Tochter Anna ehelichte. Witwe Maria wird 1683 im Verzeichnis der Weiberstühle genannt.4) Den bisher frühesten Nachweis für Johann 1 Tätigkeit als Bildhauer gibt Pfarrer Hermann im Kleinen Kunstführer (Schnell und Steiner Verlag München) betreffend die Donaueschinger Stadtkirche. Es ist ein Ölberg mit knieendem Christus und niederschwebendem Engel, entstanden 1667; 1753 fügte man noch drei schlafende Apostel hinzu, wohl von Josef Anton Hops aus Villingen. Einen weiteren Nachweis hat das Generallandesarchiv in Karlsruhe.5)

In einem Vertrag vom 25. Februar 1670 sollten der Maler Hans Kaspar Dober und sein Schwiegersohn Johann I Schupp, beide Villingen, den Altar zu Untermettingen, Kr. Waldshut, schaffen, wofür zusammen 133 fl. vereinbart wurden, bei einer Anzahlung von 30 fl.. Bis zum St. Michaelstag (29. 9.) sollte der Altar geliefert werden, dessen Aufbau bis ins einzelne festgelegt worden war. Im Pfarrarchiv Untermettingen befindet sich die Kirchenrechnung von 1671, aus der hervorgeht, daß für den Altar „zu schnitzeln und zu mahlen“ noch 103 fl. zu zahlen sind. An Fuhrlohn von Villingen nach Untermettingen wurden 7 fl. und 54 kr. berechnet. Es ist wahrscheinlich, daß Schupp selbst die Fuhre ausgeführt hat, da die Gastwirte jener Zeit neben der Landwirtschaft auch einen Fuhrbetrieb hatten.6) Der oben erwähnte Altar kam noch in die im 14. Jahrhundert erbaute Kirche. Im Jahr 1738 wurde die Untermettinger Kirche neu erbaut in Anlehnung an den spätgotischen Chorturm. Baumeister war ein Jodokus II Beer aus Au in Vorarlberg (1673/ 1750), der 1706 die Villingerin Maria Hummel heiratete. 7) Als Bildhauer war Andreas Ketterer aus Schönwald fast vier Jahre lang beschäftigt.8) Dieser arbeitete mit Sonnenblumen als Zierat, wobei zwei Blätter nach unter geklappt sind im Gegensatz zu Anton Josef Schupp, dem Sohn des Johann I. Josef verwendet stilisierte Sonnenblumen. Wohin kam der Altar von Schupp-Dober? Dieser hatte die Malerarbeiten übernommen. Der Heimatforscher Brommer aus Merdingen/Freiburg hält die heutigen Altäre in Unter- und Obermettingen für Ketterer-Arbeiten, Herr Sutter aus Waldshut dagegen die in Obermettingen für Schupp-Werke, ebenso die Mutter Gottes ohne Strahlenkranz in Untermettingen. Die Figuren Petrus und Jakobus kamen 1935 nach Tiengen.

In Villingen fertigte Johann I die Nebenaltäre der 1945 durch Fliegerangriff zerstörten Bickenkapelle (1671/79). Diese Kapelle wurde nach 1633 wieder aufgebaut. 9) In dieser Zeit schnitzte er auch vermutlich das Chorgestühl der ehemaligen Johanniterkirche — 1336 erstmals erwähnt, heute evangelische Kirche. Es ist jetzt im Münster Unserer Lieben Frau Villingen aufgestellt.

Im Jahre 1675 wird Johann I in einem Rottweiler Klitoral genannt, in dem eine ausführliche Abrechnung über seine Leistungen vorliegt. Danach ist bezeugt, daß er in der Heilig Kreuz Kirche arbeitete. Diese Kirche hat verschiedene Bauepochen: von dem romanischen Portal über den hochgotischen Chor zum spätgotischen Langhaus. Die spätere barocke Ausstattung wurde durch eine Restauration (1840/43) in der Hauptsache beseitigt. Der „Riß“ der Kanzel mit den vier Kirchenlehrern Gregor der Große, Augustinus, Ambrosius und Hieronimus stammt von ihm, ferner der große Salvator, einst auf der Kanzel, heute an der Westwand des Münsters. Für sein „Dingwerk“ erhielt er 150 fl., daneben noch Geld für „Speis und Trank und Behausung“ und 30 kr. für des „Bildhauers Knaben als Trinkgeld verehrt“. Weiterhin lesen wir von einem Boten, der zu dem erkrankten Meister nach Villingen geschickt wurde. 10)

Im Heilig-Kreuz-Münster zu Rottweil befindet sich an der Westwand dieser meisterlich gearbeitete Salvator oder Weltenheiland, einst auf dem Schalldeckel der Kanzel. Dieses bisher in Kunstführern und sonstigen Beschreibungen fast unbeachtet gebliebene Werk ist eine Arbeit des Villingers Johann Schupp 11631 — 1713) — hier als Johann I bezeichnet — mit dem die Bildhauertradition der Familie Schupp beginnt.

 

 

Das Heilig-Kreuz-Münster in Rottweil, in dem Johann Schupp 1661 am Hochaltar gearbeitet haben soll.

 

 

1675 wird er noch einmal mit seinen Arbeiten an der Kanzel in einer ausführlichen Abrechnung genannt.

 

Die früher an anderer Stelle der Kirche angebrachte Kanzel, mit ursprünglicher spätgotischer Brüstung, zeigt den Stilwandel zum Barock.

Der „Riß“ der Kanzel (was immer man darunter verstehen mag) im Heilig-Kreuz-Münster zu Rottweil stammt ebenfalls von Johann I.

 

In den Nischen und an der Kanzeltreppe begegnet uns Johann Schupp in den vier abendländischen Kirchenlehrern Gregor der Große, Augustinus, Ambrosius und Hieronymus.

Auch Ärger gab es in jenem Jahr (1675), wo wir im Villinger Ratsprotokoll feststellen: „Das Schreiner-handwerk hat dem Bildhauer Schupp zwei Stück von einem Altar weggenommen, welcher Altar der Schreiner von Vöhrenbach gemacht. Der Rat bescheidet, daß die Schreiner dem Bildhauer die Stück wieder liefern ohne Schaden . . . solle der Bildhauer bei seiner Arbeit und Kunst, hingegen die Schreiner auch bei ihrer Hantierung verbleiben.“ Beziehungen zu Rottweil ergaben sich für Johann I dadurch, daß Abt Michael III. vom Benediktinerkloster Villingen aus Rottweil stammte und sein Bruder Joh. Georg Glicker (Glücker) (1653/1731) von ihm nach Villingen geholt wurde, wo er mit dem Schupp-Vater Johann 1 und Anton Josef zusammenarbeitete, so in den Kunststuben des Alten Rathauses, in der Benediktinerkirche, in der Gottesackerkapelle zu Waldshut und in der Triberger Wallfahrtskirche ( Das große Votivbild).11)

Acht Jahre später (1683) wirkte Johann I auf dem Dreifaltigkeitsberg bei Spaichingen. Für Nachverbesserungen der Bilder auf dem Hochaltar erhielt er 30 fl.. Auch die Krönung Mariens dürfte von Johann I noch vor 1683 geschaffen worden sein, ebenso die HI. Dreifaltigkeit zwischen 1672 und 1680.12) Diese Wallfahrtskirche entstand 1666 und in den folgenden Jahren.

In Gengenbach im Kinzigtal war Johann I mitbeteiligt an den Altären der Berglekapelle, neu errichtet 1681/ 82 von Abt Placidus aus Gengenbach. Die Altäre wurden zwischen 1681 und 1690 gefertigt, aber Ende des 19. Jahrhunderts beseitigt und sind seither verschollen.13) Sein Schwiegervater Dober (Toper, Toperer) hat ihm diese Arbeit vermittelt, der selbst als Maler in Gengenbach ( Klosterkirche 1660), Pfohren /Donaueschingen, Villingen und Haslach/Kinzigtal gewirkt hat, soweit bis jetzt bekannt. In letzterem Städtchen malte er für die Klosterkirche der Kapuziner das Epitaph zu Ehren eines Grafen zu Fürstenberg aus. Das war 1657, wo von Wolfach aus die Tafel „auf dem Wasser nach Haslach geführt“ wurde. Wer die Tafel damals schnitzte, ist nicht bekannt. Vielleicht Johann I? Möglicherweise fertigte er auch die zweite kleinere Tafel im Jahre 1681.14)

Um 1683 schuf Johann 1 vermutlich die zwei Holzplastiken Moses und Isaias am Eingang zum HI. Grab in der alten Gottesackerkapelle in Waldshut, die ein Adam Tröndlein im selben Jahr errichten ließ.15)

Zurück nach Villingen. Unklar ist, ob die fünf Figuren, die bis 1971 auf dem Dach der Benediktinerkirche in Villingen standen, Johann I oder einem seiner Söhne zuzuschreiben sind. Diese Kirche wurde 1688 begonnen und erst 1719 vollendet. Die Figuren sind : St. Georg als Drachentöter, Christus mit der Weltkugel, Maria mit dem Kind, St. Michael mit Schild und St. Benedikt, auf dessen Sockel die Jahreszahl 1693 steht. So mag Revellios Zuweisung an Johann 1 stimmen. Das Podest mit Maria und dem Kind trägt die Jahreszahl 1728 und deutet somit auf einen der zwei Söhne Johann I oder Ignatius, den Enkel Johann l. Heute stehen die fünf Figuren im Museum Altes Rathaus in Villingen, während gute Nachbildungen seit 1974 wieder das Dach der Kirche zieren.16)

Im Vorzeichen der Altstadtkirche hing ein großer Kruzifixus mit den Schächern, 1683 von Schupp erneuert, heute in den Städtischen Sammlungen.17)

Ganz unklar ist die Bemerkung Dehios, Kunst in Baden-Württemberg 1964, der Kaiserturm, ehemals Schnebelturm, stamme von Johann 1 Schupp.

Schwierig ist auch die Beurteilung der Plastiken in der Wolfacher Schloßkapelle, der dortigen Stadtkirche und der Wallfahrtskirche St. Jakob bei Wolfach. Am Hochaltar dieser Kirche steht die Jahreszahl 1705. Danach müßten es die Gebrüder Schupp, Anton Josef und Johann II sein, welche die etwa 50 Figuren (nach Krausbeck) in gemeinsamer Arbeit geschaffen haben. Krausbecks Zuweisung an Johann 1 kann nicht stimmen, da der Meister bereits verstorben ist. Lacroix-Niester, Kunstwanderungen in Baden, 1959, formulieren : Altäre im Umkreis der Villinger Meister Schupp, Vater und Sohn, was so auch nicht stimmt, Dehios Bemerkung in Kunst in Baden-Württemberg, 1964, „alles an beide Schupp erinnernd“ ist ebenfalls abwegig. — Krausbeck vergleicht die Figur des Gottvaters (um 1680) am Hochaltar der Schloßkapelle in Wolfach mit der auf dem Dreifaltigkeitsberg. So müßte Johann I der Fertiger sein, was zeitlich stimmen würde. Die Gestalten der Barbara und des Franziskus in dieser Kapelle ähneln denen in Friedenweiler ( Krausbeck ). So müßten Anton Josef und Sohn Ignatius die Künstler sein, deren Altäre 1720 nach Friedenweiler verkauft wurden. — In der Stadtkirche Wolfach glaubt Krausbeck in der Gestalt des HI. Josef mit dem Kind ein Werk des Johann I; er vergleicht das Jesuskind mit den Putten auf dem Dreifaltigkeitsberg. Weitere Werke vermutet er im Schloßmuseum und im katholischen Pfarrsaal.18)

In Schapbach bei Wolfach restaurierte Herr Baumann ( Lautenbach im Renchtal ) in den sechziger Jahren die Altäre der Pfarrkirche. Er ist wie Krausbeck der Meinung, daß die Figuren und der Schmuck (Sonnenblumen) für Anton Josef Schupp sprechen. Die Kirche ist 1668 erbaut und 1715 erweitert worden. Um diese Zeit dürften auch die Arbeiten entstanden sein.1 9) Damit sind wir bei Anton Josef Schupp, einem Sohn des Johann I. Geboren wurde er 1664 in Villingen, wo er auch 1729 verstarb. 1709 und 1710 unterzeichnet er mit „Bildhauer aus Villingen“. Noch zu lösen bleibt die Frage: war er wie sein Bruder Johann II Ilgenwirt? Was haben beide Brüder gemeinsam geschaffen, was Johann II (1674/1713), der auch Bildhauer war? Und was hat ihr Neffe Johann III (1699/ 1735) gearbeitet? Hier sei gleich der dritte Bruder erwähnt: Johann Ludwig (1669/1716), verheiratet mit Elisabeth Kögler, Wirt (Welcher ?). Er übernimmt 1700 die Werkstatt seiner Großvaters, des Malers Hans Kaspar Dober.

Nun zu Anton Josef, auch Josef genannt. Er war in erster Ehe mit Margarete Hiner verheiratet, in zweiter Ehe mit Katharina Fleig (1712), beides Frauen aus alten Villinger Geschlechtern.

In seiner Vaterstadt Villingen schuf er 12 Apostel im Münster, dazu Paulus und Barnabas, jetzt im Museum Altes Rathaus. An den lebensgroßen Figuren arbeitete er von 1715 bis 1719, wofür er 18 fl. für jede Plastik erhielt. Rat und Bürgerschaft ließen diese Figuren aufstellen zur 600-Jahrfeier der Stadt, „die bis auf den gegenwärtigen Tag ohne Verletzung der katholischen Religion verblieben ist“. Auch die Figuren des Ölbergs unterhalb der Westempore stammen vermutlich von Anton Josef.20) Im Laufe der Jahrhunderte machte das Münster Unserer Lieben Frau einige Veränderungen durch: Ersterwähnung 1291, Ende des 17. Jahrhunderts Barockisierung, letzte Renovation 1978 — 1982.

Den ersten Hochaltar in der Benediktinerkirche in Villingen fertigte Josef zusammen mit seinem Sohn Ignatius (1720). Dafür bekam er 486 Gulden. Wegen Verlängerung des Chors wurde der Altar im Juni 1728 abgebrochen und Teile davon nach Furtwangen gebracht, wo sie 1853 einem Kirchenbrand zum Opfer fielen. Doch vermutet man in einer geretteten Plastik des heiligen Johannes Baptista — aufgestellt in der Ende der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts erbauten Kirche — ein Werk des Meisters Josef.

Andere Teile des Villinger Altars kamen nach Friedenweiler/Hochschwarzwald, was eine Chronik aus dem Jahre 1731 berichtet. Es sind unter anderem zwei Statuen des Melchisedeks und des lsaaks sowie zwei kleinere Figuren.21) Diese Benediktinerkirche — heute Pfarrkirche — wurde 1725/1730 von Peter Thumb, dem Vorarlberger Baumeister, erbaut.

In der Nachbarschaft liegt Kappel bei Lenzkirch, wo in der Pfarrkirche eine ca. 140 cm hohe Figur des Apostels Johannes als einziges Überbleibsel des alten Hochaltars von 1702 steht, den „der Ilgenwirt von Villingen“ geliefert hat.22) War es nun Josef oder sein Bruder Johann II, beide Ilgenwirte, beide Bildhauer?

In Obereschach bei Villingen steht die 1821 (1816 ?) im klassizistischen Stil erbaute Pfarrkirche. Der Hochaltar wurde in den siebziger Jahren unseres Jahrhunderts von Restaurator A. Panowski, Gernsbach, restauriert. Er hält die Figuren für ein Schupp-Werk wegen der in die Sonnenblumen gemalten Rosenkranzszenen. Laut Mitteilung von Pfarrer Hermann, Ebringen bei Freiburg, kam der Altar 1906 von Kirchdorf bei Villingen und dorthin vermutlich von Pfaffenweiler bei Villingen. Er zeigt das Wappen des Abtes Hieronimus Schuh von der Benediktinerabtei Villingen — 1733/ 1757 —. Damit wäre der Altar kein Werk des Josef, sondern des Sohnes Ignatius, der 1735 starb. Der Altar könnte ursprünglich aus der Johanniter-Kommende Villingen stammen, die 1814 geschlossen wurde. Die Gemeinde Obereschach bewarb sich damals um Altarstücke (nach Revellio).23)

In seiner Heimatstadt schnitzte Josef für zwei Gemälde von J. G. Glicker, Kaiser Karl Vl. und seine Gemahlin Elisabeth Christine darstellend, die Barock-rahmen (1716). Die Gemälde befinden sich im Museum Altes Rathaus zu Villingen.24) Dort sehen wir auch eine Statue des hl. Johannes Baptista, ferner eine klagende Madonna und eine hl. Agathe. Auch eine Narro-Maske in den Städtischen Sammlungen wird der Künstlerwerkstatt Schupp zugeordnet.25) Die Wappentafel in der großen Ratsstube des Alten Rathauses stammt von Josef.26)

Früher als in der Villinger Zeit, ist der Meister Josef in der Klosterkirche der Benediktiner von Rheinau bei Schaffhausen, Kanton Zürich, tätig. Baumeister dieser Kirche war der Vorarlberger Franz Beer ( 1659-1726), der zusammen mit seinem Schwiegersohn Peter Thumb in Rheinau von 1705 bis 1711 wirkte. So lesen wir in den Verträgen des Klosters mit Josef, daß er 1710 den hölzernen Kern des Engels auf dem Dach fertigte. Im folgenden Jahr schuf er die Standbilder der Kirchenpatrone Petrus und Blasius an der Fassade. Im Dreiecksgiebel befindet sich eine Rundbogennische mit dem Standbild Mariens mit dem Kind, ebenfalls von Schupp. Schon 1709 begann er zusammen mit seinem Sohn, vermutlich Ignatius, das Grabmal des hl. Findan (Fintan) auf der rechten Chorseite. Es ist ein rechteckiger Körper mit Dach aus weißrötlichem Villinger Kalkstein. Wir sehen zehn Darstellungen mit lateinischen Inschriften aus dem Leben des Heiligen, eines irischen Mönches, der 878 in Rheinau starb. Für diese ausgezeichnete Arbeit erhielt der Künstler 370f1.. Auf der linken Chorseite steht das sogenannte Positivgehäuse der Chororgel mit der Statue des hl. Benedikt, wofür dem Meister 170 französische Taler bezahlt wurden. Die 14 Figuren auf den Rückwänden des Chorgestühls schuf Schupp im Jahre 1710.

 

 

Die Schupps waren zeitweilig nicht nur Holzbildhauer sondern verstanden sich auch hervorragend auf die Bearbeitung des Steins. Die beiden Bilder links und unten zeigen das 1709 durch den Sohn Johanns I, Anton Josef (auch: Josef Anton oder kurz Josef, jedoch nicht zu verwechseln mit dem Sohn von Johann II namens Josef Anton, geb. 1700, vgl. S. 36, linke Spalte unten) zusammen mit dessen Sohn Johann lgnaz (geb. 1692) begonnene Steingrabmal des heiligen Findanus in der Kirche des ehemaligen Benediktinerklosters Rheinau, südlich des Schaffhausener Wasserfalls, in der Totale und im Detail.

 

Es sind die 12 Apostel, dazu Jesus und Maria. Ein neues Abt-wappen an der alten Kanzel stammt ebenfalls von ihm. Heute steht diese Kanzel in Rheinheim, Kr. Walds-hut.27)

Im selben Kreis liegt Klettgau. Im Teilort Grießen wurde 1900 die alte Kirche abgebrochen und der Hochaltar nach dem Teilort Bühl gebracht. In Grießen sind noch vorhanden die Figuren des hl. Petrus und des hl. Paulus. Nach Büche sind sie Werke des A. J. Schupp. Der Bühler Hochaltar ist etwa 1720 geschaffen: eine Marienkrönung mit der Heiligen Dreifaltigkeit, im Oberteil Christus als Salvator. Die Herren Brommer, Merdingen bei Freiburg, und Sutter aus Waldshut, teilen nach einer Studienfahrt im Herbst 1976 diese Meinung. Die Bühler Kirche wurde 1707 von Franz Beer und seinem Schwiegersohn Peter Thumb gebaut( 1700).

In der Pfarrkirche von Degernau, Kr. Waldshut, stammen die Seitenaltäre vermutlich nicht von Josef —ausgenommen die Madonna auf dem linken Seitenaltar — sondern von Sohn Ignatius. Vater Josef war 1729 gestorben. Wir wissen, daß die Statuen im Mai 1736 in Villingen abgeholt wurden.28)

Wenn wir den Hochrhein aufwärts fahren, kommen wir in den Kreis Konstanz. Dort liegt bei Singen/Hohentwiel das Dorf Duchtlingen, Pfarrei Hilzingen. Die spätgotische Kirche, im 18. Jahrhundert barockisiert, besitzt einen schönen Hochaltar, von Restaurator Panowski, Gernsbach, restauriert. Er hält diesen Altar für ein J. A. Schupp-Werk im Vergleich zum Triberger Hochaltar, entstanden ca. 1700.29) Das Mittelfeld des Altars ist um 1654 zu datieren, da in diesem Jahr die Altarweihe durch Weihbischof Molitor aus Konstanz‘ stattfand. Die Marienkrönung könnte noch von Vater Johann geschaffen sein, man vergleiche sie mit der vom Dreifaltigkeitsberg (1683); den weiteren Ausbau übernahm dann Sohn Josef. Der Duchtlinger Altar besitzt eine sogenannte Gloriole des Heiligen Herzens Jesu, 1705 gibt es eine Herz -Jesu -Bruderschaft. Nun besitzt auch Hondingen bei Donaueschin-gen eine solche Gloriole.30)

In dieser alten Wallfahrtskirche waren die Altäre, die ehemals in der Kirche standen, und die Figuren, die noch in der Kirche vorhanden sind, von Josef Schupp, wie eine Inschrifttafel aus dem Jahre 1711 besagt. Es ist auch die Rede von einem Maler Joh. Martin Mein-rad aus Villingen. Stifter der Altäre ist ein Pfarrer Andreas Zolk aus Wurmlingen bei Tuttlingen, ein gebürtiger Hondinger, der eine Jahrtagsstiftung von 800 Gulden für die Renovierung der Kirche machte. Bemerkenswert die spätgotische Madonna, in barocker Art gefaßt von Schupp. Alle Figuren sind in den 60er Jahren von Restaurator V. Mezger in Überlingen restauriert worden. Der Grundbau dieser Kirche stammt wohl aus dem 8. Jahrhundert, der angebaute Chor etwa 1450, der Turm ca. 100 Jahre später, die Eingangshalle wohl um 1700. Die jahrhundertelange Wallfahrt ist in den 30er Jahren erloschen und nicht wieder belebt worden.31)

Bleiben wir im Bezirk: In Bräunlingen wurde 1881 die heutige Stadtkirche errichtet anstelle der Barockkirche, 1694 — 1705 erbaut. Die Figuren des hl. Remigius und des hl. Nepomuk wurden aus der alten Kirche übernommen, ebenso die Sonnenblumenornamente an der Kanzel. Es könnten Johann I und Sohn Josef hier gewirkt haben, etwa 1699.32)

Im Nachbarkreis Tuttlingen steht in Seitingen die Eustasiuskapelle. Senn hält den Altar als das Miniatur-bild des Hochaltars zu Triberg, entstanden ca. 1710, durch Josef oder Balthasar Jäger aus Waldshut, der 1718 in einer Liste der Eustasius-Bruderschaft als Bildhauer genannt wird. Kannte Jäger die Schupp-Werkstätte und hat er vielleicht dort gearbeitet? Hier noch eine Bemerkung aus Revellio, Beiträge: „Die Schupps hielten sich beim Aufbau ihrer Altäre an die überlieferten architektonischen Formen: zwei flankierende Säulen tragen ein Gebälk, auf dem ein gleichgegliederter Aufsatz den giebelförmigen Abschluß bildet.“33)

Zum Abschluß nochmals an den Hochrhein nach Waldshut: Die Brückenfigur des hl. Rochus (1706) auf der Nordseite der Seltenbachbrücke, die Bischofs-gestalt in St. Blasien (1709) und die Gestalt des hl. Blasius an der Klosterkirche zu Rheinau (1709) müssen nach Konrad Sutter vom selben Meister geschaffen sein, nämlich von A. J. Schupp.34)

Ein früher Nachweis für Schupps künstlerische Tätigkeit bietet die Triberger Wallfahrtskirche, begonnen 1700; Chor und Hochaltar waren 1705 vollendet. Hier sind sämtliche drei Altäre, die Kanzel und die Kreuzigungsgruppe von ihm gefertigt, wobei man gewiß annehmen darf, daß ihm seine Brüder Johann Luwig als Maler und Johann II als Bildhauer und Sohn Ignatius als Geselle geholfen haben. Dr. Schnell beurteilt die Altäre als raumplastisch kraftvoll und zugleich dekorativ malerisch.

Der auf Seite 33 abgebildete Hochaltar der Wallfahrtskirche „Maria in der Tanne“ in Triberg sowie die Seitenaltäre und die auf dieser Seite links und unten gezeigte Kanzel wurden um 1705 ebenfalls von Anton Josef Schupp geschaffen. Man nimmt an, daß ihm seine Brüder Johann Ludwig (geb. 1669) als Maler und Johann II (geb. 1674) sowie sein Sohn Ignaz dabei geholfen haben.

 

Die Großaufnahme des Kanzelkörpers weist A. J. Schupp als Meister subtiler individueller Formen aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sehr fein sind die Proportionsverhältnisse gewählt: Der Hochaltar ist sehr breit und wuchtig, die Seitenaltäre treten schlank an seine Seite. Den festen Halt verleihen die sechs kräftigen Säulen, die mit blühendem Blumengerank umhangen sind. In diesem Zusammenhang darf erwähnt werden, daß Revellio auf die Fruchtschnüre hinweist, die für A. J. Schupp typisch sind. Senn macht aufmerksam auf die Blumengirlanden und die Sonnenblumen, welcher Meinung sich auch Krausbeck anschließt, und schließlich deutet Dr. Hitzfeld die Voluten und Blumengirlanden als Schupp-Eigenheiten. Es ist noch zu prüfen, ob diese Zeichen typisch für Schupp sind. Pfr. Hermann weist darauf hin, daß z. B. J. Ph. Winterhalter (1667 — 1727) und auch elsäßische Künstler das Sonnenblumenmotiv verwenden. Winterhalter hat natürliche, gelockerte Heiterkeit in seinen Sonnenblumen, während A. J. Schupp strenger stilisierte Blumen schnitzte. Am Hochaltar des Straßburger Münsters arbeiteten französische Künstler aus der Picardie und verwendeten das Sonnenblumen-Motiv (1680). Auch Josef hatte Beziehungen zu Straßburg. Bei der Taufe seiner Tochter Maria Agetha ( 1709) war eine Maria Elisabeth Fossethin aus Straburg zugegen. Sie war die Tochter eines Bildhauers Fosset.35)

Im Triberger Heimatmuseum ist eine Figur des hl. Wendelin und eine Figur des hl. Wolfgang aus Regensburg, die aus der alten Friedhofskapelle stammen und A. J. Schupp zugeschrieben werden.36)

Im Heimatmuseum Waldkirch ist ein sogenannter homo bonus und eine Figur des hl. Josef, die beide vermutlich von Josef stammen (um 1700 nach Rambach). Beziehungen zu dieser Stadt gibt es später durch den Baumeister Ludwig Oswald, ein Enkel Johann I. Oswald führte 1754 als Baumeister das Propsteigebäude auf. Der Villinger Bildhauer J. A. Hops, Nachfolger der Schupps, fertigte 1755 eine Statue der hl. Margareta, und der Villinger Schreiner Joh. Martin Hörmann ( Hermann) arbeitete in der Margaretenkirche (nach 1735).37)

In St. Peter baute Peter Thumb aus Vorarlberg die Klosterkirche ( 1724 — 1727). Damals war Ulrich Bürgi aus Villingen Abt ( 1719 — 1739). Möglich ist, daß dort ein Schupp gewirkt hat. Im Kapitelsaal des heutigen Priesterseminars steht ein Heilig-Kreuz-Altar aus dem Jahre 1718, der Josef oder seinem Bruder Johann II zugeschrieben wird.38)

Im benachbarten St. Märgen gibt es einen Hinweis: „Am 11. 10. 1730 kam ein Bildhauer aus Villingen nach St. Märgen, um die Altäre abzuzeichnen.“ Vermutlich war es Joh. Ignatius Schupp, das Projekt wurde aber nicht verwirklicht.39)

In Bleibach bei Emmendingen wurde 1878 das große Altarwerk abgebrochen. Folgende Inschrift wurde festgehalten: JSB — LSB — SH in Villingen 1697. Auflösung : Johann Schupp Bildhauer, Ludwig Schupp Bildhauer, Schreiner Hörmann, Villingen.40)

Kehren wir wieder nach Villingen zurück : J. N. Häßler hält in seinem Buch über die Lorettokapelle (1952) die Kreuzigungsgruppe für ein Werk des Josef, die Kapelle wohl zwischen 1706 und 1709 erbaut.

Im ehemaligen Franziskanerkloster vermutete Josef Fuchs in der Kapelle, vor den Renovierungen, Schupp-Figuren, worauf die Sonnenblumen hinweisen. Seit 1978 bilden das Kloster und die übrigen Räume einen Konzertsaal und ein Museum, wo einige Plastiken —vermutlich von A. J. Schupp — aufgestellt sind.41)

Wir wenden uns nun seinem Sohn Johann Ignatius Schupp zu, Enkel des Johann I. Geboren wurde er 1692 in Villingen, verstorben ist er hier 1748. Verheiratet war er mit Margarete Münch. Sie hatten neben anderen Kindern eine Tochter Viktoria, die 1763 den Maler Sebastian Schilling heiratete ( 1722 —1773 ) . 42) Von dem Schaffen des Ignatius wissen wir nur wenig. Er half seinem Vater Josef beim Fertigen des ersten Hochaltars der Benediktinerkirche in Villingen und schuf dort auch die Kanzel, die, wie der Altar, nicht mehr vorhanden ist.

In der Nachbarstadt Schwenningen schuf er 1705 ein Steingrabmal für den evangelischen Pfarrer Kreuser, das an der Westwand des Schiffes der evangelischen Stadtkirche, ein Bau des 18. Jahrhunderts, angebracht ist.43)

In der Pfarrkirche Marbach zu Villingen wurden am 3. Februar 1729 der rechte und der linke Seitenaltar „aufgeruchtet (von) Ignatius Schupp, Bildhauer“ mit den typischen Schupp -Sonnenblumen.44)

Das war in kurzen Zügen das Schaffen von Vater, Sohn und Enkel Schupp.

Ein Bruder des Ignatius war Joh. Baptist ( 1703 —1735), Bildhauer. Nichts ist bis jetzt über ihn bekannt. Ein weiterer Bruder war Josef Pelagius aus 2. Ehe (1713 — 1748), ebenfalls Bildhauer. Er war elf Jahre auf Wanderschaft. Verheiratet war er mit Katharina Schilling, Tochter des Malers Georg Emanuel Schilling. Josef Pelagius starb 1748, und die Witwe verehelichte sich mit einem Josef Anton Hops, der 1749 um Bürgerrecht und Ehekonsens bat. Dies wurde ihm vom Rat gewährt, „weil dermalen kein Bürgersohn in dieser Kunst erfahren sei „.45)

Was kann man nun Johann II, dem Bruder des Josef, zuschreiben? Gewiß die Statue des hl. Nepomuk an der Außenseite des Chores von St. Stefan in Konstanz. Das war im Jahre 1710, wo er in einem Ratsprotokoll Ilgenwirt genannt wird. Auftraggeber war ein Graf von Trautmannsdorf (1661 — 1719), österreichischer Gesandter in der Schweiz. Neben dem Münster war St. Stefan die zweitälteste Pfarrkirche, ehemals Stiftskirche, in Konstanz.

Im selben Jahr hören wir von einer Villinger Statue des hl. Nepomuk: Es ist derselbe Auftraggeber und derselbe Künstler! Die Figur sollte an die Rettung der Stadt aus Wassernot bei der Belagerung im Dreißigjährigen Krieg (1634) erinnern und etwa vierzig Schritt südlich des Marktbrunnens in der Niederen Straße aufgestellt werden, weil bis dahin das Wasser (vom Schwedendamm her aufgestaut) gedrungen sein soll und St. Nepomuk, der Brückenheilige und Retter aus Wassersnot, ihm hier Halt geboten habe. Der Rat beschloß, „ein höfliches Dankschreiben an Ihre Exzellenz abzulassen“. Im nächsten Jahr (1711) wird Johann II daran erinnert, die bestellte Statue des hl. Nepomuk zu fertigen. „Johannes Schupp kommt darum nach, ihm einen Nachtrag wegen aufgerichteter Statue zu bewilligen. 50 Silbergroschen wurden ihm bewilligt“. Heute steht das Denkmal — mit dem Traut-mannsdorfer Wappen geziert — beim Sägewerk Beha in der Nepomukstraße, wo es schon zweimal durch die Familie Beha restauriert worden ist.46)

In Breitnau/Hochschwarzwald stehen in der 1752 —1754 erbauten Kirche im Chor eine Figur des hl. Nepomuk und eine Figur des hl. Franz Xaver, die Pfarrer Hermann Johann II zuschreibt. Diese Plastiken kamen erst 1905 von Villingen nach Breitnau. Der hl. Nepomuk ist eine spiegelverkehrte Ausführung jener Figur vom Sägewerk Beha.47)

In der 1704 erbauten Dorfkirche St. Mauritius zu Hausach/Kinzigtal vermutet Krausbeck folgende Schupp-Werke: Am Allerseelenaltar Engel und Jesuskind; am Hochaltar die Figuren des hl. Rochus und des hl. Nikolaus und das große Kreuz.48) Johann II (1674 — 1713) verheiratete sich 1699 mit Anna Maria Schuh. Aus der Ehe gingen unter anderem hervor: Josef Anton, 1700 geboren in Villingen. Er ist wohl identisch mit „Josef Anton Schupp, Goldschmiedge-sell von Füllingen“, der in Straßburg in die Werkstatt des Goldschmiedemeisters Bär eintrat. Von seinem künstlerischen Schaffen ist bis jetzt nichts bekannt; ebenso wenig sein Todesdatum.49)

Bleibt noch übrig die Betrachtung Johann III. Was ist von ihm bekannt? Geboren wurde er 1699 in Villingen als Sohn des schon erwähnten Johann Ludwig und seiner Frau Elisabeth Kögler und starb daselbst 1735. Im Kontrakt-Protokoll vom 4. 7. 1735 lesen wir von Maria Agatha Humlerin, Witwe des „ehrenwerten und kunsterfahrenen Johann Schupp, gewesenen (verstorbenen) Bildhauers …“. Was hat Johann III in seinem kurzen Leben geschaffen?

Ein Bruder von ihm ist der 1697 in Villingen geborene Zacharias Schupp, verstorben 1762. Er trat 1718 als „Malergesell von Füllingen“ in das Atelier des Kunstmalers Johann Baptist Huber in Straßburg ein. 50) 1721 heiratete er Elisabeth Ganser, eine Tochter des Bürgermeisters Johann Ganser. Er wird auch Silberschmied genannt. Nach 1737 faßte er den Tabernakel am Hochaltar der Benediktinerkirche in Villingen neu. 1750 arbeitete er zusammen mit seinem Sohn Ludwig in der Franziskanerkirche in Villingen, wo er die Altarbilder neu malte. Sechs Jahre später lesen wir von der Vergoldung der Turmziffern an der Benediktinerkirche seiner Heimatstadt. Von obigem Johann Ludwig sind nur folgende Daten bekannt: Geboren in Villingen 1722, heiratete 1750 eine Maria Lucia Hassler. Er starb 1767 in Villingen. Nachzutragen ist, daß sein Vater Zacharias in den Jahren 1757 — 1759 zu den schärfsten Kämpfern für die Wiederherstellung der alten Ratsverfassung gehörte. Zur Strafe für sein „rebellisches“ Auftreten mußte er zweimal 24 Stunden in das Bürgergefängnis.51)

Zeugnisse Schuppscher Kunst von Vater, Sohn und Enkel und anderer Mitglieder der Sippe zwischen 1650 und 1770 werden noch an manchen Orten der Baar und der weiteren Umgebung vermutet. Der Verfasser eines Artikels im „Barock in Baden-Württemger „, 1981, spricht von einer Bildhauerschule Schupp. Künftige Nachforschungen, Fotoaufnahmen und Stilvergleiche werden noch einiges klären können, zumal einige Archive noch nicht erschlossen sind. Es ist erstaunlich, wie viele Künstler neben den Schupps wirkten. So z. B. die Malersippe Schilling, die Maler Glicker, Josef Meinrad und H. K. Dober, der Ältere und der Jüngere, Bildhauer Hops, die Goldschmiede Otto, alles Künstler, von denen wir zum Teil bis jetzt noch wenig wissen. Sie wirkten alle in einer Zeit der Kriege, Belagerungen und Besatzungen der Stadt Villingen.

Wenn wir weiter in der Famliengeschichte gehen, so stoßen wir auf Johann Martin, Sohn des Johann Ludwig (Maler) (Stammesträger IV). Martin wurde 1700 geboren, verheiratete sich in erster Ehe mit Anna Maria Grüninger, die aus einer alten Glockengießer-familie stammte, in zweiter Ehe mit Anna Maria Hummel. Er war Ochsenwirt und Ratsherr (1760) und starb 1780. 1763 wird er als Holzherr beim Holzamt genannt, das die Verwertung des Holzes hatte.52) Sein Sohn Johann Simon Thaddeus Schupp ist der weitere Stammesträger V. Er wurde 1752 in Villingen geboren und starb hier 1815. Auch er war Ochsenwirt und Ratsherr (1806), verheiratet mit Maria Agatha Hauser. 1776 wird er Protokollführer der Wirtezunft genannt, 1796 als Brunnenaufseher beim Brunnen in der Gerbergasse.53)

Kunstführer und Werksachverständige schreiben den Altar von Duchtlingen (Kreis Konstanz) Anton Josef Schupp für die Zeit um 1700 zu.

 

Die beiden Seitenaltäre in der Dorfkirche von Marbach bei Villingen wurden 1729 vom Sohn des Anton Josef Schupp und Enkel von Johann I, nunmehr in der 3. Generation, Johann Ignaz — oder kurz Ignaz Schupp aufgerichtet. Der rechte Seitenaltar (siehe unten rechts) trägt auf der Rückseite folgende Inschrift: Verschaffet auf U. L. F. Münster pfleg der Zeith Jova Jacob Riegger Rector u. Decanus Oberpfleger Cyprianus Winterhalter ambtsbürgermeister mitpfleger Jo. Baptist Ganser altbürgermeister Josef Franziseg Kettenackher (? Stadt Syndikus aufgerichtet, de 3. Febr. 1729 Ignatius Schupp Bildhauer

 

 

 

Simons Bruder Hieronimus, der Lilienwirt, (Lilie und Ilge sind dasselbe) wurde bekannt als Deputierter der Villinger Zünfte. Zusammen mit Josef Eisele ging er 1781 nach Wien, um den Kaiser zu Wiedereinführung der alten Zunftprivilegien zu bewegen, was aber abgelehnt wurde. Simon und Hieronimus wurden mit anderen Männern zusammen von allen Wahlen zu den Stadtämtern ausgeschlossen, mußten die Prozeßkosten im Prozeß gegen den Magistrat tragen und Abbitte leisten.54)

Simons Sohn als Stammesträger VI hieß Johann Jakob (1800 — 1859). Er war Handelsmann. In der 1848er Revolution stand er als Ratschreiber auf Seiten der großherzoglichen Regierung und wurde für kurze Zeit zusammen mit Bürgermeister Stern abgesetzt. Verheiratet war Jakob mit Magdalena Wittmer.55)

Sein Sohn Julius, geb. 1824, gestorben 1898 war von 1868 — 1883 Bürgermeister von Villingen, dessen Sohn Adolf Regierungsrat in Karlsruhe, geboren 1881 in Villingen, gestorben 1944 in Karlsruhe, war der Vater des Verfassers dieses Aufsatzes, Oberstudienrat Ottmar Schupp, in Karlsruhe. Der jüngste Namensträger aus dieser Linie, Jonas Schupp, wurde 1984 geboren.

Sohn Wilhelm Schupp war Bärenwirt, geboren 1828, gestorben 1900, heiratete in zweiter Ehe Sophie Mayer, Tochter des Christian Mayer, Uhrenfabrikant (Schützen-Mayer). Die älteste Tochter Sophie aus dieser Ehe heiratete Joseph Riegger aus der Kutmühle, den späteren Bärenwirt und Bierbrauer. Von deren Kinder leben heute noch Sr. M. Gerburga (Kloster Siessen) und Albert Riegger, Gärtnermeister in Villingen. Zu den Enkelkindern zählt auch Eugen Bode in Villingen. Die zweite Tochter Pauline heiratete Joseph Bär, Seifensieder. Deren Nachkommen sind die Familien Mörgenröther, Bär, Zehnder und Hock in Villingen.

Sohn Gustav gründete mit seinem Bruder Julius eine Watte-Fabrik und war Kontrolleur der damaligen Vorschußbank, die heutige Villinger Volksbank. Er war mit Stephanie Kohler aus Neustadt verheiratet. Aus dieser Ehe stammt Gustav Adolf, Kaufmann, verheiratet mit Frieda Butta. Er wanderte in die Schweiz aus, wo heute noch Nachkommen leben.

Tochter Anna Maria heiratete Gustav Butta, Drogist, Sohn des Karl Butta, Gründer der Drogerie Butta.

Literatur und Anmerkungen:

1. H. J. Wollasch, Inventar Villingen, 2 Bde., 1970, Nr. 878 und 1011

2. J. Fuchs, Pfründearchiv Nr. 469, 3a

3. J. Honold, Südkurier vom 4. 1. 1957 und 12. 1. 1957

4. H. J. Wollasch, Inventar Nr. 1767 und 2402; P. Revellio Beiträge zur Geschichte der Stadt Villingen, 1964; J. Wohleb, in ZGO 102/1954 ( Dober

5. Bad. GLA Karlsruhe Nr. 229

6. H. Meier, Flurnamen der Stadt Villingen, 1962

7. Pfarrarchiv Untermettingen /Waldshut; über Beer : Lieb-Dieth : die Vorarlberger Barockbaumeister. Die Tochter aus dieser Ehe heiratete 1731 Johann III Schupp

8. Über Ketterer : H. Brommer, in Annuaire de la Societe Historique et Litteraire de Colmar, 1972, S. 55/56. Ferner mündl. Mitteilung von K. Sutter, Waldshut

9. P. Revellio, Beiträge; Nachrichtenblatt für Denkmalpflege, 1959/60, Jg. 2/4

10) Mitteilung des Pfarramtes Heilig-Kreuz, Rottweil vom 3. 1. 1973; Dr. Hecht vom Stadtarchiv Rottweil 6. 12. 1972; U. Rodenwaldt, das Leben im alten Villingen, 1976; KI. Kunstführer (Schnell und Steiner, München) Nr. 438 Brüstle, Villingen, Zunftordnung betr. S. 146

11) P. Revellio, Beiträge; Zt. Ortenau 1914, S. 110, Kunstdenkmäler Baden, Bd. Villingen; KI. Kunstführer Triberg

12) KI. Kunstführer Nr. 438

13) KI. Kunstführer Nr. 909, Wohleb in ZGO, Bd. 102/1954

14) 0. Göller, In Zt. Ortenau, Bd, 20/1933 und 26/1939

15) J. Ruch, die Gottesackerkapelle in Waldshut, 1954; H. Ginter, im Nachrichtenblatt für Kultus und Heimatpflege 4/1953; Lacroix -Niester, Kunstwanderungen in Baden, 1959

16) P. Revellio, Beiträge und P. Revellio, das Benediktinerstift, 1954; Konradsblatt vom 22. 8. 1971; Südkurier vom 6. 4. 1974 und 11. 5. 1974

17) P. Revellio, Beiträge

18) J. Krausbeck, St. Jakob bei Wolfach, 1959, Krausbeck, die Schloßkapelle Wolfach, 1967; Kirchenführer St. Jakob, 1980, hg. kath. Pfarramt Wolfach

19) Pfr. E. Schmitt, KI. Kunstführer Schapbach, 1968

20) KI. Kunstführer Villingen Nr. 549; Dr. Fuchs, Pfründe-archiv Nr. 495; Bildband Villingen 1970 betr. Barnabas. Das Jahresheft des Geschichtsvereins Villingen l/1973 schreibt den Ölberg Ignatius zu

21) P. Revellio, Beiträge und P. Revellio, Benediktinerstift, 1954; Dr. Altgraf zu Salm in Zt. Baar, Bd. 19/1972; Wohleb in Zt. Schau-ins-Land, Bd. 74/1956

22) Chronik des Paulinerklösterchens Grünwald im FF Archiv Donaueschingen nach Mittl. von Pfr. Hermann, Ebringen /Freiburg

23) P. Revellio, Beiträge; Fr. Huber, Stadtverw. Bräunlingen vom 9.12.1982; Pfr. Hermann an den Verfasser 124.2.81)

24) Brüstle-Fuchs, Villingen, 1971

25) Katalog Barock in Baden-Württemberg, Bd. 1, 1981

26) Brüstle- Fuchs, Villingen 1971 Rothenhäusler in Zt. Alemannia Bd. 31/1903, H. Fietz, Baugeschichte der Klosterkirche Rheinau, 1932; Kunstführer für die Schweiz, 1972; Schweizer Kunstführer: Rheinau, 1960; Kunstdenkmäler der Schweiz, Bd. 7 Kanton Zürich, hg. H. Fietz, 1938. Schreibweise der Namen in den Verträgen teils Schupp, teils Tschupp.

27) J. Büche, im Südkurier vom 28. 8. 1955: die Kunstwerke der Pfarrkirche in Bühl (Klettgau)

28) Studienfahrt der Herren Brommer und Sutter im Herbst 1976

29) Restaurator Panowski /Gernsbach an den Verfasser 18.9. 75); M. Tschacher/Duchtlingen in Briefen an den Verfasser (Nov., Dez. 76 und Jan. 77); Thöne, vom Bodensee zum Rheinfall, 1975

30) Martin Münzer /Villingen, die Geschichte des Dorfes Hondingen, 1979

31) Lat. Inschrift auf einer Holztafel. Siehe Anmerkung 30 (Münzer )

32) Fr. Huber, Stadtverw. Bräunlingen an den Verfasser ( 1. 9. 82 u. 8. 9. 82)

33) Tuttlinger Heimatblätter 4/1925; Senn, Renchtalzeitung vom 6. 9. 73

34) Sutter in Bad. Zeitung vom 15. 12. 80; Heidegger -Ott, St. Blasien, 1984

35) KI. Kunstführer Nr. 403; Opitz-Klug, die Wallfahrtskirche Maria in der Tann, o. J.; Reclams Kunstführer, Bd. 2, 1957; Lacroix-Niester, Kunstwanderungen in Baden, 1959; Revellio in Zt. Baar 16/1926; Senn in der Renchtalzeitung, Osterbeilage 1975, Krausbeck in einer Zusammenstellung, 1970; Dr. Hitzfeld in einem Brief an den Verfasser; Dehio, Baden-Württemberg; Brommer im Annuaire, siehe Anmerk. Nr. 8

36) Begleiter durch die Schätze des Triberger Heimatmuseums, 1973: dort Namen und Daten verwechselt

37) Museumsführer Waldkirch; H. Altrogge in Bd. 4 der Beiträge zur Geschichte der Stadt Waldkirch; Herr Rambach an den Verfasser am 1. 12. 73; Rambach, die Stiftskirche St. Margaretha in Waldkirch, 1959; Nachrichtenblatt für Kunst u. Heimatpflege Südbaden, 11 und 12/ 1953

38) Hinweise Brommer u. Dr. Fuchs; St. Peter, hg. H. 0. Mühlein, 1977

39) M. Hermann, die Klosterkirche zu St. Märgen in der Festschrift 850 Jahre St. Märgen 1968

40) Mittl. Pfr. Hermann und H. Rambach an den Verfasser

41) Kurzinformationen der Stadt Villingen-Schwenningen

42) Über die Schilling-Maler; siehe Brüstle-Fuchs, Villingen

43) R. Ströbel, im Heimatblättle Schwenningen 1 — 4 /1960

44) Mittl. Paul Schupp, 1973 u. H. Brüstle, 1975

45) Brüstle-Fuchs, Villingen, u. Mittl. Pfr. Hermann

46) Zu Konstanz: Th. Humpert, das Chorstift St. Stefan, Konstanz, 1957; Ratsprotokolle, Sitzung vom 12. 8. 1709. Zu Villingen: Wollasch Nr. 2402; Revellio, Beiträge; Südkurier vom 16. 11. 74; Rodenwaldt, das Leben im alten Villingen

47) KI. Kunstführer Breitnau Nr. 1146, hg. v. Pfr. Hermann

48) Mittl. Krausbeck /Wolfach

49) Mittl. Brommer /Merdingen /Freiburg; Revellio Beiträge

50) Siehe 49)

51) Revellio, Beiträge; A. Fischer, aus Villingens Vergangenheit, 1914

52) Rodenwaldt, das Leben im alten Villingen, Rodenwaldt, der Wald einer alten Stadt, 1977

53) Siehe 52)

54) Fischer, Villingen, 1914

55) Revellio, die Revolution von 1848, erschienen 1950

Orte mit möglichen Schupp-Werken:

Ortenberg, Haslach, Berghaupten /Kinzigtal. Im ehemal. Kreis Donaueschingen: Bad Dürrheim, Zimmern, Hüfingen, Gütenbach, Öfingen. Schenkenberg-Kapelle bei Emmingen /Tuttlingen, Schramberg- Lautenbach, Sulgen, Schenkenzell, Reinerzau, Wittichen. Biederbach und Elzach im Kreis Emmen-dingen. Kr. Villingen: Hl.-Kreuz-Kapelle bei Geisingen, Dau-hingen, Immendingen, Pfaffenweiler, Oberwolfach-Renkach. Stetten bei Rottweil. Tiengen /Waldshut, Heuweiler/Freiburg. Nach Frau Dr. Huber, Donaueschingen, im Almanach 1985 des Schwarzwald-Baar-Kreises: Heidenhofen, Riedböhringen, Kirchdorf, Esslingen, Schwenningen (St. Franziskus).

Anmerkung der Redaktion zur Bildauswahl:

Die erforderliche Beschränkung hat uns veranlaßt, nur außerhalb Villingens befindliche Schuppwerke aufzunehmen, weil diese dem Kunstinteressierten weniger leicht zugänglich sind.