Der älteste Verein in Villingen – Die „Aktien-Kegelbahn-Gesellschaft“ von 1838 (Ute Schulze)

Johann Nepomuk Ummenhofer (Villingen 1808–1883 Villingen), Ansicht Villingen, 1847, Öl auf Leinwand, Franziskanermuseum Inv. Nr. 11601.

Das Stadtarchiv bewahrt neben der amtlichen Überlieferung auch die Vermächtnisse von Privatpersonen, Firmen, Vereinen u. a. Insitutitionen für die Nachwelt. Daher ist es natürlich ein besonderer „Schatz“ Schriften des ältesten Villinger Vereins zu haben. Im Folgenden sollen nun die Kegelbahn- Gesellschaft und der ihr zugehörende Bestand im Stadtarchiv (Best. 4.14) vorgestellt werden.

Im Jahre 1838 fand sich ein „Verein gebildeter Bewohner Villingens“ in der „Aktien-Kegelbahn- Gesellschaft“ zusammen. Wie uns das Statut vom 15. April 1839 berichtet, war der Zweck die „Erheiterung und Erholung durch Kegelspiel und gesellige Unterhaltung in der von der Gesellschaft zu diesem Zwecke erbauten gedeckten Kegelbahn.“ 1 Zur Errichtung des Gebäudes hatte Stadtrat Kienzler ein Darlehen in Höhe von 200 Gulden gewährt. Bei der neu errichteten Sommerwirtschaft von Vinzenz Stättle fand das Kegelbahngebäude seinen Platz. Seit 1841 firmierte die Gastwirtschaft als „Hohenstein“ an der Marbacher Straße.2 Im Jahr 1842 erweiterte man die Kegelbahn und erhöhte deshalb die Feuerversicherung.3

Der Gesellschaft beitreten konnten „nur Personen von Bildung und von unbescholtenem Rufe“ (Statut § 3). Auch die Familienmitglieder durften ab dem 12. Lebensjahr die Kegelbahn nutzen. Die Werbung von Freunden war möglich. Als Aufnahmegebühr mussten ordentliche Mitglieder eine Aktie im Wert von 8 Gulden 6 Kreuzern erwerben. Außerordentliche Mitglieder zahlten jährlich einen Gulden. Im Gründungsjahr zählte man 36 ordentliche Mitglieder.4 1879 gehörten schon 95 Männer zu diesem Kreis u. a. Dominikus Ackermann, Carl Butta, Johann Baptist Dold, Ferdinand Förderer, Johann Glatz, Rudolf Kienzler, Heinrich Osiander, Johann Baptist Schilling, der Maler und der Bildhauer Ummenhofer, Carl Werner. Unter den 10 außerordentlichen war in diesem Jahr u. a. Kaplan Leibinger zu finden.5

Zum Vereinsgeschehen gehörten neben den internen Spielen auch Kegelfeste und Turniere. Konzerte wurden ebenfalls veranstaltet. Dabei traten neben örtlichen Musikern auch auswärtige Künstler auf, wie z. B. am 29. Mai 1862 vier Sänger des Theaters Ulm oder am 16. Juni des gleichen Jahres eine böhmische Musikgesellschaft.6

Am 15. und 16. Juli 1888 feierte man das 50-jährige Jubiläum mit einem Festprogramm. Am Sonntag den 15. fand von 14 bis 18 Uhr ein Preiskegeln statt. Der folgende Montag begann mit einem Stichkegeln „bei allgemeinem Frühschoppen“ von 9 bis 11 Uhr. Um 2 Uhr am Nachmittag formierte sich der Festzug beim Kriegerdenkmal und marschierte mit Musik durch die Stadt zum Gesellschaftslokal „Hohenstein“. Dort waren die Begrüßung der Festteilnehmer durch den Vorstand und die feierliche Preisverteilung vorgesehen. Es folgte ein Unterhaltungsprogramm mit Musik und Gesang. Am Abend sollte es eine „italienische Nacht“ mit großem Feuerwerk geben. Den Abschluss der Feier sollte ein Tanzvergnügen bilden.7 Die Zeitung „Der Schwarzwälder“ berichtete am 17. und 19. Juli jeweils auf der ersten Seite über das gelungene Fest, das wie fast geplant stattfinden konnte. Lediglich die Gartenbeleuchtung fiel dem Wettergott zum Opfer. Das Feuerwerk konnte aber von der großen Zahl der Festgäste bestaunt werden.

Im Jahr 1905 aber wurde die Gesellschaft aufgelöst. Als Begründung gab man wachsende Interesselosigkeit an. Außerdem wären einige Reparaturen am Kegelhaus nötig geworden. Das Kegelbahngebäude ging an den Eigentümer des Grundstücks „Zum Hohenstein“, Brauereibesitzer Johann Baptist Schilling, über. Die Geldmittel übergab man dem Verschönerungsverein zur Anlage eines Fußweges nach dem Laible.8 Man sollte dazu ergänzen, dass mittlerweile auch andere Lokalitäten Kegelbahnen hatten zum Beispiel die Tonhalle.

Die ins gesamten Akten des Bestandes der Aktien- Kegelbahn-Gesellschaft reichen von der Gründung 1838 bis ins Jahr 1898. Wir finden darin v. a. Rechnungsunterlagen. Aber auch eine ganze Reihe von Mitgliederverzeichnissen, Aufnahmeanträge und Schriften über Preiskegeln u. a. Veranstaltungen geben einen Einblick ins Vereinsleben. Man muss jedoch dazu sagen, dass es sich fast ausschließlich um handschriftliche Texte handelt. Diese sind dem Zeitgebrauch folgend in Deutscher Schrift verfasst.

Anmerkungen:

1 Best. 4.14 Nr. 19.

2 Zum „Hohenstein“ s. auch Best. 2.12 (Bauakten Villingen).

3 Best. 4.14 Nr. 24.

4 Best. 4.14 Nr. 21.

5 Best. 4.14 Nr. 29.

6 Best. 4.14 Nr. 22.

7 Best. 4.14 Nr. 26.

8 Best. 1.42.3 (Nachlass Josef Honold) Nr. 154.

Noch einmal Max Roth: Diesmal in Schwarzweiß.