Aus der Arbeit des Stadtarchivs (Teil 2) (Ute Schulze)

Drei Nachlässe zur Villinger Orts- und Personengeschichte im Stadtarchiv vereint 

Josef Honold (1888–1967), Gustav Walzer (1899–1966) und Dr. Johann Nepomuk Häßler (1898–1981) haben in ihrer oft knapp bemessenen Freizeit jeweils große Mengen an Informationen zusammengetragen und die Quellen ausgewertet, jeder auf seine Art und doch teilweise voneinander inspiriert. Die Nachlässe ergänzen sich in hervorragender Weise.

Bereits 1971 erwarb die Stadt den Nachlass Josef Honolds von seiner Tochter. Der Ordnungszustand der Unterlagen war bei Beginn der archivischen Verzeichnung 1993 nicht mehr original. Aber die Absicht hinter allem war ersichtlich: die Erstellung einer Chronik ab 1840. Einen Teil davon hat Honold noch realisiert. Er hat für den Zeitraum 1868–1884 eine in maschinenschriftlicher Form vervielfältigte Broschüre veröffentlicht. Der aus Zeitungsausschnitten, Notizen und Aufzeichnungen sowie Fotos bestehende Nachlass gliedert sich wie folgt: Chronologie 1840–1906 (maschinen- und handschriftlich), Zeitungsartikel, die Josef Honold verfasst hat, Orts- und Personen- und Sachbetreffe (meist handschriftlich). Hinzu kommen 506 Fotos und Postkarten, die nach Themen geordnet sind, sowie 382 Bücher. Die Quellen für all dies waren neben der lokalen Presse auch Amtsbücher. Leider fehlen häufig die Herkunftsangaben.

Der Bestand 1.42.3 macht 6,25 laufende Regalmeter aus.

Gustav Walzer hat in unermüdlicher wissenschaftlicher Tätigkeit Stadt-, Spital- und Pfarrarchiv nach Personen und Fakten durchgearbeitet und in Karteien geordnet. Seine ca. 15.000 Karteikarten sind eine Fundgrube für alle, die Personen vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert suchen. Sie geben aber auch Auskunft zu Orten, Literatur und Sachbetreffen. In teilweise großformatigen handschriftlichen Tafeln hat Walzer für eine ganze Reihe Villinger Familien Zusammenhänge zwischen einzelnen Personen und Generationen hergestellt. Er schrieb auch die Villinger Bürgerbücher von 1336 bis 1791 ab, die nach einer Überarbeitung 2001 im Druck erschienen sind. Er hatte ebenso begonnen, Indizes zu den Büchern anzulegen. Die Quellen seiner Aufzeichnungen sind in der Regel vermerkt, so dass man die Richtigkeit im Original überprüfen kann. Auch seine Korrespondenz bezüglich der Orts- und Personengeschichte sind im Nachlass vorhanden, sowie Vorlesungsmitschriften und private Papiere. Dieser Teil des Nachlasses befindet sich schon seit geraumer Zeit im Stadtarchiv und wurde dort verzeichnet. Insgesamt sind es 7 laufende Meter.

Im Jahr 2003 übergaben die Witwe Clara Walzer und Tochter Brigitte auch die umfangreiche Bibliothek an das Stadtarchiv. Fast 9 laufende Meter an Literatur aus vielen Sparten (Kirchen-, Wirtschafts-, Verfassungsund Rechtsgeschichte, Kunstgeschichte, Genealogie) und Quellensammlungen sind dabei hinzugekommen. Im Stadtarchiv ist der Nachlass als Bestand 2.42.4 zu finden.

Im Jahr 2004 erhielt das Stadtarchiv auch den Nachlass von Dr. Johann Nepomuk Häßler. Seine Tochter, Ute Singer, sichtete und übergab die Unterlagen stellvertretend auch für ihre Schwestern als Schenkung. Auch Dr. Häßler bediente sich bei seinen Forschungen der Karteikarten als Ordnungshilfe. In der Vor-Computer-Zeit die praktischste Lösung systematischer und erweiterbarer Strukturierung. So hat er ca. 5.000 Karten angelegt und sortiert. Auch eine große Zahl an Zeitungsberichten ist dabei. Gemeinsam mit dem befreundeten Gustav Walzer unterzog sich Dr. Häßler der Mühe, die Villinger Kirchenbücher abzuschreiben. Sein größtes Interesse galt dem 18. Jahrhundert und hier besonders der Zeit der Tallard’schen Belagerung. Daher verwundert es nicht, dass Dr. Häßler zu diesem Themenbereich auch publizierte. Es entstanden „Die Lorettokapelle zu Villingen“ und „Villingen im spanischen Erbfolgekrieg“.1 In seiner medizinischen Dissertation widmete sich Dr. Häßler „Untersuchungen über Ehe- und Fruchtbarkeitsverhältnisse einer Bauern- und Bürgersippe der Baar“.2

Seine Bibliothek ist sehr gut sortiert, für die Geschichte Badens in seiner Zeit nahezu umfassend. Auch hier finden sich wieder einige Quellensammlungen von großem wissenschaftlichen Wert.

Alle drei Bestände stehen den Interessierten im Stadtarchiv zur Einsichtnahme zur Verfügung. Sie können von montags bis freitags von 8.30 bis 12.00 Uhr und montags bis donnerstags von 14.00 bis 16.00 Uhr in der Lantwattenstraße 4 eingesehen werden.

Anmerkungen:

1 Die Lorettokapelle zu Villingen. Eine Studie zur Tallardschen Belagerung im Jahre 1704, Villingen: Selbstverlag, 1952 (Neuaufl., Villingen-Schwenningen: Müller, 1981). Villingen im Spanischen Erbfolgekrieg. Zur Erinnerung an die Tallardsche Belagerung vor 250 Jahren 1704–1954, Villingen: Selbstverlag, 1954.

2 Erschienen 1941 bei Goldschagg in Freiburg i. Br. Es geht um die Riegger in und um Villingen.

Die Lorettokapelle: Steinernes Zeugnis stolzer Villinger Stadtgeschichte und Zeichen frommen Bürgersinns.