Von alten Protokollbüchern zur lebendigen Chronik (Lore Schneider, Hermann Colli, Gerhard Hirt)

Ein Jahrhundert Stadt- und Bürgerwehrmusikgeschichte auf mehr als 750 Seiten mustergültig aufbereitet

Geschichte der Villinger Vereine ist immer auch ein Stück Geschichte der Stadt. Das trifft in besonderem Maße auf die Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen zu, deren Aufgabe es ist – neben der Pflege einer lebendiger Volkskultur auf musikalischem und gesellschaftlichem Gebiet – die Stadt nach Außen hin zu repräsentieren. Der Geschichts- und Heimatverein fühlt sich dieser städtischen Einrichtung seit jeher eng verbunden. Im Jahresheft 2005 soll das in diesem Beitrag zum Ausdruck kommen, der sich mit der Historie der Stadt- und Bürgerwehrmusik beschäftigt. In langer und mühevoller Arbeit hat unser Mitglied Lore Schneider auf mehr als 750 Din-A4-Seiten eine Chronik erstellt, die als lebendiges Zeugnis einer fast 200-jährigen Musiktradition in der Zähringerstadt angesehen werden kann. Drei in Leder gebundene Bücher geben Auskunft über ein reges Vereinsleben mit zahlreichen Höhen und Tiefen und über engagierte Menschen die über Jahrzehnte hinweg bereit waren, dieser Gemeinschaft immer wieder neue Impulse zu geben.

Lore Schneider

 

Angefangen hat alles, so Lore Schneider, mit der Ausstellung „175 Jahre Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen 1810–1985“ die in der Hauptstelle der Sparkasse in Villingen-Schwenningen vom 22. Mai bis zum 25. Juni 1985 aus Anlass unseres Jubiläums stattfand.

Lore Schneider:

Meinem Mann war von Stadtmusikseite die Organisation dieser Ausstellung übertragen. Manfred Fischer, damals Werbeleiter der Sparkasse, stand uns mit Rat und Tat zur Seite. Unzählige Foto-Repros hat mein Mann besorgt. Hilfe und Unterstützung erhielten wir auch von Lothar Fuchs (bekannt als „de Schelleboom“) und nicht zuletzt von Lothar Wöhrle, damals Kammerverwalter der Narrozunft.

Hier war das alte Protokollbuch, handschriftlich geführt ab 1890, öffentlich zu sehen. Es war in den Anfangsjahren in wunderschöner altdeutscher Schrift abgefasst, die mich sofort fasziniert hat. Sicher hat dieser Schriftführer den heute üblichen Slogan „Streß“ nicht gekannt, denn die einzelnen Wörter sind liebevoll eher gemalt als geschrieben. Nun tauchte aber bei der jüngeren Generation, die nicht in der „Sütterlin-Ära“ zur Schule gegangen war, ein Problem auf. Die für uns jungen Hupfer konnten das gar nicht, oder nur mit großer Mühe lesen. Irgend jemand sollte das „für alle leserlich“ übersetzen, und, ich hatte es fast geahnt, alle Augen waren auf mich gerichtet. Damals dachte ich noch nicht an weitere Folgen.

Ich habe diese Aufgabe gern übernommen. Je mehr ich mich in die Materie vertiefte, desto mehr Freude hat mir die Arbeit gemacht. Eine sehr große Hilfe war mir mein Mann Rudi (auch bei den weiteren Bänden konnte er manches ergänzen), denn er hatte ja später noch viele der aufgeführten Musiker persönlich gekannt. Da ich selbst durch ihn seit 1946 mit der Stadtmusik „verbandelt“ war, traf das teilweise auch für mich zu. So war das alles für uns beide eine „lebendige Geschichte“.

Im Juni 1987 wurde meinem Mann anlässlich seiner 50-jährigen aktiven Tätigkeit bei der Stadt- und Bürgerwehrmusik im Alten Rathaus die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg überreicht. Das nahm ich zum Anlass, dem 1. Vorstand den fertiggestellten 1. Band der besagten Chronik zu übergeben. Damit glaubte ich mich als Chronist entlassen. Aber – weit gefehlt. „Du kinnsch des doch wiiter mache“, meinte Rolf Greitmann. Er wusste wohl, dass er mich damit auf einen empfindlichen Nerv trifft. Ich sagte zu. Sehr mühsam war der Anfang, aber große Probleme haben mich nie geschreckt . Akribisch war vorzugehen, alle Register wurden gezogen, um ein einigermaßen kompaktes Konzept zu gestalten. Protokolle und Berichte waren größtenteils vorhanden. Musikdirektor Rupert Binder übergab mir ein Riesenpaket    von gesammelten Zeitungsausschnitten (eine sehr große Hilfe), die zu ordnen waren. Auch ein Besuch bei dem früheren Dirigenten Eugen Lang konnte eine Lücke füllen. Viele habe ich angesprochen – einzelne nicht immer mit Erfolg, aber ich danke heute noch allen, die mir behilflich waren.

Der zweite Band (1957–1975) war endlich im September 1993 fertiggestellt, und zum Schluss folgte Band drei im Dezember 1994. Damit sind auf über 750 Seiten

100 Jahre Stadt- und Bürgerwehrmusik festgehalten – alles noch in Maschinenschrift, denn das Computer-Zeitalter war noch nicht angebrochen. Leider, man hätte noch mehr daraus machen können.

Es war für mich stets oberstes Gebot, alle vorhandenen und irgendwie erreichbaren Unterlagen präzise und gewissenhaft aufzuarbeiten. Ich habe mich persönlich immer an mehreren Stellen der Wahrheit versichert, wenn mir das aus eigener Erfahrung nicht möglich war; auch Telefongespräche an einem Dreikönigstag – den Kuhreihen betreffend – gehören dazu.

Sicher habe ich mit zusätzlichen NACHFORSCHUNGEN und hartnäckigen Fragen manchen „genervt“; es geschah aus der Verantwortung einer möglichst genauen Wiedergabe des Geschehens.

Außer vielen musikalischen Anlässen sind für mich selbst markante Punkte:

Das erste Jahreskonzert am 8. Dezember 1977, damals noch im Theater am Ring. Ab dem Jahre 1982 fanden diese Konzerte im Franziskaner- Konzerthaus statt.

Die offizielle Einweihung des Probelokals im Zeughaus durch Oberbürgermeister Dr. Gerhard Gebauer am 12. April 1980.

Der Förderverein der Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen, der mit Neueintrag ins Vereinsregister beim Amtsgericht Villingen vom 26. Juli 1999 aus der Taufe gehoben wurde.

Durch die kontinuierlichen Streichungen öffentlicher Mittel ist dieser Förderverein zur Finanzierung verschiedener Aufgaben zwingende Notwendigkeit. Seit Bestehen konnten bereits einige dringend nötige Instrumente aus dem Förderverein-Etat angeschafft und der Stadt- und Bürgerwehrmusik übergeben werden.

Soweit die Ausführungen von Lore Schneider.

Blättern in der Chronik

Blättern wir ein wenig in der dreibändigen Chronik und picken wir uns ein paar der Aufzeichnungen heraus, so entsteht vor unserem Auge ein Stück Zeitgeschichte, das durchaus dem Titel unseres Jahresheftes „Villingen im Wandel der Zeit“ entspricht. Da finden wir im Protokollbuch der Stadtmusik Villingen als eine der ersten Eintragungen:

Beschluß

Unter heutigem wurde Clemens Schäfer, z. Zt. hier bei Herrn Gießereibesitzer Ummenhofer, als aktives Mitglied in die hiesige Stadtmusik aufgenommen. 1. April 1890.

Clemens Schäfer wurde jedoch bereits am 1. Januar 1891 auf Antrag des Directors, Herrn Häberle, wegen Betrunkenheit und frechem Betragen gegen denselben laut gemeinderatlichem Beschluß aus der Stadtmusik entlassen.

Albert Fischer, Bismark Meier, Gustav Schönstein und Adolf Schwer sind vom 1. Januar 1891 an als aktive Mitglieder vom Director als Zögling in dieselbe eingereiht.

Der damalige Gemeinderat hat für die Mitglieder der Städtischen Einrichtung eine Vergütungsordnung festgelegt.

Beschluß: Vom 1. April 1891 an wird der fixe Gehalt nicht mehr wie bisher in einer festgestellten Summe an die Musiker verteilt, sondern es erhält jeder aktive Musiker für die Probe 50 Pfg., was er aber bei Nichterscheinen in der Probe unter allen und jeden Umständen verliert. Es gibt also hierfür nie eine Entschuldigung. Der Überschuß, wenn solcher vorhanden, wird nach Anweisung des Directors verteilt, jedoch unter Zuziehung des Verwaltungsrates.

Es wurde vom Verwaltungsrat der Stadtmusik am

10. September 1891 beschlossen, dass „ein Versäumnis bei Aufführungen, die vom Gemeinderat befohlen werden, wie z. B. Geburtstag des Großherzogs, damit bestraft wird, dass dem Betreffenden 3 Mark 50 Pfg. von seinem Gehalt in Abzug gebracht wird. Eine Entschuldigung ist in allen Fällen ausgeschlossen.“

Unter dem 1. Januar 1892 finden wir folgenden

Eintrag:

An die Mitglieder der hiesigen Stadtkapelle schreibt Stadtmusikdirektor Häberle:

Am Anfang des verflossenen Jahres hat der obige einen Verwaltungsrat in die Stadtkapelle nebst einem Kassierer und Diener eingesetzt; den ersteren, um den derzeitigen Direktor in jedwedigen Vorkommnissen zu unterstützen, den zweiten, um die Piesse (-Piéce = Stück-), Requisiten, Arrangements für die Kapelle und dergl. zu besorgen, und den letzteren, um die Pulte, Noten usw. bei Aufführungen zu transportieren, Proben an- und abzusagen, überhaupt sämtliche ihm vom Direktor oder dessen Stellvertreter gegebenen Aufträge aufs pünktlichste auszuführen.

Da nun aber von allen Seiten die ihnen übertragene Verpflichtung nur mißbraucht wurde, so sieht sich der Unterzeichnete genötigt, sämtliche von ihren Posten zu entlassen und alle vorstehenden Beschlüsse (die gestrichen sind) unter heutigem zu annullieren und als null und nichtig zu erklären. Kassier und Diener werden daher aufgefordert ersterer seine Bücher, Gelder und dergl., was überhaupt vorhanden ist und letzterer seine Mütze innerhalb 4 Tagen an den Direktor abzuliefern.

Ferner:

wird der bis jetzt bezogene Gehalt von heute ab nicht mehr in gleiche Raten, sondern vom Direktor nach seinem Gutdünken, bzw. nach den Leistungen eines jeden Musikers verteilt werden.

Ebenso behält sich die Verteilung etwaiger Privateinnahmen der Unterzeichnete in gleicher Weise vor.

Die folgenden Seiten im Protokollbuch enthalten zahlreiche Verträge, Beschlüsse und Bestimmungen: Unter heutigem wurde Herr K. Gromann von dem Unterzeichneten zum Kassier ernannt und erhält derselbe vorerst 10 Mark aus der Musikkasse bis 1. Januar 1892.

7. Februar 1892 Häberle

Anton Bandle wurde heute als Diener der Stadtmusik seiner Stelle enthoben.

1. Januar 1893 H. Häberle

Für das Jahr 1893 bis 1898:

Vertrag: Unter heutigem wurden namentlich aufgeführte 15 Herren als aktive Musiker der Stadtkapelle, hier, durch den Stadtmusikdirektor, Herrn Häberle, aufgenommen und haben sich dieselben auf die Dauer von fünf Jahren verpflichtet.

Joseph Stern, C. Gromann, Pr. Kienzler, Gustav Schönstein, A. Fuchs, J. Kleiser, A. Schurr, Constantin Binder, A. Kuner, J. Käfer, Otto Kopp, Albert Fischer, G. Stern (nachträglicher Vermerk: „G. Stern ist entlassen“

In die Knabenkapelle wurden aufgenommen: E. Rausch, Aug. Rapp., Karl Heitzmann, Ernst Münzer, Stadler, C. Kienzler, K. Bollin, Herrn Hör.

3. Februar 1893

An vorstehenden Vertrag knüpfen sich folgende

Bedingungen:

Die aus der Knabenkapelle zur Stadtkapelle eingereihten Musiker haben 3 Monate Probezeit zu bestehen, ob solche überhaupt in die Stadtkapelle als aktive Musiker aufgenommen werden können.

Mitglieder der Stadtmusik im Jahre 1890

 

Nach bestandener Probezeit erhalten Sie einen halben Gehalt sowie Anteil an Privateinnahmen, jedoch nicht einen ganzen Teil, sondern je nach Verdienst, welchen Betrag der Musikdirektor zu bestimmen hat. Bis sie in den vollen Betrag eingewiesen werden, hängt ganz vom Direkter, bzw. von ihrem Verhalten und ihren Leistungen ab.

Die von der Knabenmusik in die Stadtmusik übergetretenen Musiker haben so lange auf Wunsch des Direktors bei ersterer Aushilfe zu leisten, bis ihre Instrumente wieder durch andere ersetzt sind. Unter heutigem (11. Mai 1893) wurde von dem Unterzeichneten mit allseitigem Einverständnis der Stadtmusiker für die Zukunft bestimmt:

„Jeder Musiker hat bei seinem Eintritt sich eine vorschriftsmäßige Kappe anzuschaffen und bleibt stets sein Eigentum. Die Musikkasse tritt für nichts mehr ein. Es kann daher jedes Mitglied solche direkt in der Fabrik oder von einem ausscheidenden Musiker beziehen.“

Obiger Beschluß wurde dahingehend abgeändert, dass ab jetzt die Kappen aus der Musikkapelle bezahlt werden und somit Eigentum der Stadtkapelle bleiben.

15. Februar 1895:

Herr Gromann wurde heute als Kassier aufgestellt und erhält ein jährliches Honorar von 20 Mark. Nebst der Kasse hat derselbe bei öffentlichen Konzerten und dergleichen unter Beihilfe der vom Direktor zu bestimmenden Musiker das Arrangement zu übernehmen und Sorge zu tragen, dass alles wieder an seinen Platz gebracht wird.

Für die Requisiten der Stadtkapelle, soweit solche Eigentum derselben sind, hat der Kassier ein genaues Verzeichnis zu führen und jeweils für alles zu haften. Von einem Musikdiener wurde vorerst abgesehen.

Beschluß

Es wurde unter heutigem (31. Januar 1897) von den Unterzeichneten folgender Beschluß gefasst: Jedes Mitglied der Stadtmusik Villingen hat bei seinem Eintritt dreißig Mark Kaution zu hinterlegen. Dieses Geld wird in die hiesige Städt. Sparkasse eingelegt, so lange, als ein Mitglied in der Stadtkapelle bleibt. Bei seinem Austritt aber wird ihm das eingelegte Kapital nebst Zinsen wieder retour bezahlt.

Knabenmusik Stadtmusik um 1889/90

 

Ausgenommen ist:

1. Wenn ein Mitglied ohne vorherige 1/2 -jährige Kündigung eigenmächtig, also ohne Einwilligung des Direktors, aus der Kapelle austritt.

2. Wenn ein Mitglied aus der Kapelle ausgewiesen wird. In den beiden Fällen hat der Musiker überhaupt auf Geld keinen Anspruch mehr.

Herr Albert Bode wurde heute (31. Januar 1897) vom Unterzeichneten zum Kassier für die Stadtmusik ernannt. Derselbe bezieht hierfür ein jährliches Honorar von 15 Mark. Herr Bode hat die unter dem 15. Februar 1895 bestimmten Bestimmungen gewissenhaft zu erfüllen evtl. hierfür zu haften.

Ausflüge hatten bei der Stadtmusik immer eine besondere Bedeutung. Nachstehenden Bericht verfasste der städtische Musikdirector höchstpersönlich und äußerst prosaisch.

Ausflug nach Sulz und Betra am 12. September 1897

Die Stadtmusik machte an obengenanntem Tage einen Ausflug. Morgen: 1/2 7 Uhr fuhren wir mit dem Zug Rottweil–Horb hier ab und kamen um 9 Uhr in Sulz an. Zuerst legten wir unsere Instrumente im Gasthaus „zur Linde“, wo wir concertierten, ab und sahen uns Sulz und Umgebung an. Punkt 12 Uhr war Mittagessen in der „Linde“, und zwar Suppe, Ochsenfleisch mit 4 Beilagen, gebackene Spätzle, Schweinebraten und Sauerkraut pro Person 85 Pfennig. Qualität … Quantität = adlibitum!

Um 1 Uhr, nach Tisch, spielten wir auf dem Marktplatz daselbst 3 Stücke, und punkt 3 Uhr begann das Konzert, Schluß 1/2 7 Uhr.

Es wurde nun ein Wagen bestiegen, welcher uns aus Betra abholte, und unter der fröhlichen Stimmung ging es ab nach Betra. Daselbst kamen wir um 1/2 8 Uhr an und zogen mit Lampions unter klingendem Spiel ein.

Als etwas restauriert war, wo einige 7 Ochsenaugen (Spiegeleier) und eine Portion Schwartenmagen verzehrten, begann das Konzert etwa 1/2 9 Uhr.

Ich will nur noch bemerken, dass sowohl in Sulz wie in Betra eine allgemein freudige Stimmung herrschte und wir volle Anerkennung erwarben. Montag früh 9 Uhr verließen wir wieder mit klingendem Spiel den Ort Betra und kamen, nachdem wir in Rottweil noch einen Abstecher machten, abends 1/2 8 Uhr fröhlich und munter unter Abspielen eines schneidigen Marsches hier an. Es ist durch diesen Ausflug allgemeiner Wunsch geworden, jedes Jahr einen solchen Ausflug zu machen.

den 20. September 1897 H. Häberle, Musikdirektor

Aus den zahlreichen Verträgen, die im Protokollbuch aufgeführt sind, nachstehend einige interessante Passagen:

Herr Jul. Oberle übernimmt die Stelle eines Musikdieners bei hiesiger Stadtkapelle unter folgenden Bedingungen auf ein Jahr.

Herr Oberle erhält für das Jahr ein Honorar von Dreißig Mark.

Bei Aufführungen, wo die Stadtkapelle keine freie Zehrung erhält, (d.h. Privatunternehmen) hat der Diener hierfür eine Mark anzusprechen.

Bei auswärtigen Productionen hat der Diener freie Fahrt und Verköstigung, d. h., wenn er sich beteiligen muss.

Der Diener erhält als Kennzeichen seiner Stellung eine Mütze, die Eigentum der Capelle bleibt und bei Austritt sofort an den Director verabfolgt werden muss. Dieselbe ist jeweils vom Diener zu tragen, wenn die Stadtkapelle öffentlich auftritt. Als besondere Bedingung für das Jahr 1899 sei vermerkt, daß bei einer Kündigung zu Neujahr der Austritt wegen dem bevorstehenden Musikfest erst nach demselben gestattet ist, und wird jedes Mitglied, welches diese Bedingungen umgeht, außer den in den Statuten und extra Beschlüssen bezeichneten Verlusten noch mit einer Strafe von 20 Mark belastet.

Mit dem Jahre 1899 beenden wir zunächst einmal das Blättern im alten Protokollbuch, das uns aus der Geschichte einer traditionsreichen Musikkapelle, vom Gemeinderat der Stadt Villingen gegründet, einen unterhaltsamen, aus heutiger Betrachtung humorigen Einblick in das frühere Vereinsleben gegeben hat. Wir setzen im nächsten Heft die Serie fort.

Vor 25 Jahren, im September 1979, befand sich die Stadt- und Bürgerwehrmusik auf einer Konzertreise in den USA. Das Abschlusskonzert gab das Orchester auf dem John-F. Kennedy-Platz in Philadelphia. (Unser Bild: Der damalige Vorsitzende Gerhard Hirt bei seiner Begrüßung; 4. v. l. Stadtmusikdirektor Rupert Binder) Das Fernsehen war mit dabei und strahlte abends einen großen Bericht aus. Die Gäste des Deutsch-Ungarischen Clubs spielten auch vor der Deutschen Botschaft in Washington. Als besonderes Zeichen der Verbundenheit wurden die Villinger damals Ehrenmitglied des Deutsch-Amerikanischen Polizeiverbandes.