Guido Schreiber – „De molende Poschtle“ (Helmut Kury)

 

Guido Schreiber, „De molende Villinger Poschtle“

 

Als ich begann mich mit dem Werk von Guido Schreiber zu befassen, viel mir zunächst die unglaubliche Fülle von Bildern auf. In der Tat hinterließ er ein Werk von mehreren tausend Bildern. Oft entstanden mehrere an einem Tag, selten gab es Wochen ohne Zeichnung oder Aquarell. An manchen Tagen nahm er einen Ort als Anregung für mehrere Bilder. Meist sind die Bilder signiert und datiert oft noch mit Ortsangabe versehen. Auch die undatierten lassen sich auf Grund von Papierformat, Zeichenstil und Motiv einem Entstehungsjahr zuordnen. So lassen sich die über 800 Orte, an denen er seine Motive fand, ziemlich genau datieren und sein Leben lässt sich wie ein Reisebilder-Tagebuch lesen. Am 13. 5. 1886 in Bad Dürrheim im dortigen Bahnhofsgebäude als Ältester von 5 Geschwistern geboren, verbringt er in em noch ländlichen Ort eine wohlbehütete Kindheit. Er geht in Bad Dürrheim in die Volksschule, in Villingen hat er die Realschule und für ein Jahr die Oberrealschule in Freiburg besucht.

1940 tritt er als Postgehilfe in Freiburg seinen Postdienst an, der ihm bis zu seiner Pensionierung 1951 Broterwerb und bürgerliche Existenz ist. Durch 40–50 berufsbedingte Versetzungen besonders während des Saisonbetriebs in den Sommerfrischen des Schwarzwalds, lernt er Baden kennen und lieben, von Karlsruhe über Freiburg, den Hochrhein bis zum Bodensee, die Baar und Villingen. 1917 wird er nach Villingen versetzt und Villingen wird ihm zur Heimatstadt, zumal er väterlicherseits Verwandtschaft hier hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schon früh begann Guido Schreiber seine Natureindrücke fotografisch festzuhalten, er entscheidet sich aber bald für das Zeichnen und Malen. Nachdem er 10 Jahre lang hauptsächlich Bleistift-Zeichnungen angefertigt hatte, ist er erst spät zur Ölmalerei und zum Aquarell übergegangen. Damit hat er sich als Autodidakt ein gründliches Rüstzeug geschaffen für ein Werk, das sicheres Können spiegelt. Als er 1915/16 beim Postamt Karlsruhe beschäftigt ist, lernt er den akademischen Maler Richard Duschek kennen, dem er Wesentliches verdankt und dem er lebenslang freundschaftlich verbunden bleibt. Es gibt keinen Spaziergang mehr ohne Skizzenblock. Ein ganz früher Erfolg war 1919 eine Einladung zur Hans-Thoma-Ausstellung in Freiburg. Dort konnte er zwei frühe Ölbilder zeigen. Ab da stellte er regelmäßig im Freiburger Kunstverein aus. In den folgenden Jahren schloss er sich dem Baaremer Künstlerkreis mit unter anderem Richard Ackermann und Robert Neukum an.

1925 schließt er sich mit anderen Kunstschaffenden der Vereinigung des oberen Neckarrings zusammen („um uns neidlos gegenseitig zu fordern und gemeinsam unsere Ideale dienstbar zu machen …“). In Villingen schließt er sich dem Künstlerkreis um den Buchhändler Josef Liebermann an, dem unter anderem Max Roth, Paul Hirt und Richard Ackermann angehören. Seine Werke finden Verbreitung seit 1920 in der Stuttgarter Wochenzeitschrift Die »Lese«, in der »Badischen Heimat«, dem Stadtführer von 1934 »Villingen, die tausendjährige Stadt«, 1938 stattet er in Villingen die neugestaltete Jugendherberge mit Aquarellen aus. Noch 1950 sind seine Ortsansichten im Südkurier. Seine Federzeichnungen schmücken Max Rieples »Reiches Land am Hochrhein«.

Er selbst sagt von sich „ich habe gezeichnet und gezeichnet und zuletzt ist es halt so geworden“. Durch sein undogmatisches Arbeiten, sich von der Natur und den Motiven anregen zu lassen, durch Ausprobieren, „Es waren mühselige Dinge, die da zusammen gequält wurden …“, findet er seine unverwechselbare Handschrift. Er wird zum Bindeglied zwischen Moderne und rückwärts gewandter Tradition. 1939 muss Guido Schreiber die Ölmalerei wegen einer Allergie aufgeben. Seine Ölbilder, die mit breitem Pinselstrich und ziemlich pastos gemalt sind, brachten ihm den Ruf eines „Schwarzwald-Van-Gogh“ ein.

Aber vielleicht entsprach auch die rasche Zeichnung oder das Aquarell, das er mit schnellem Blick und seinem sicheren Strich festhielt mehr seiner Natur, als das „langsame“ Ölbild, das auch immer noch Korrekturen zuließ.

Zwischen ein Liniengerüst spannte er in wenigen Farbtönen gehaltene, lavierte Flächen. Die äußere Form seiner Motive löst sich auf in Linien und Farbe. Ihn interessiert die wechselnde Beleuchtung und das vielfältige Spiel der atmosphärischen Erscheinung. Auch seine Tuschezeichnungen bestechen durch Reduktion und sparsamen Einsatz von Linien und Strichen, mit denen er Gesehenes unmittelbar wiedergibt.

Nach seiner Pensionierung 1951 zieht Guido Schreiber zu seiner Tochter nach Bochum. Jetzt hat er genügend Zeit sich völlig der künstlerischen Tätigkeit zu widmen. Auf endlosen Streifzügen hält er Industrieanlagen, Hafengelände, Landschaften und Orte fest. Auch führen ihn zahlreiche Reisen in seine alte Heimat nach Süddeutschland und in die Schweiz. Hochbetagt stirbt Guido Schreiber 1979. Die künstlerische Leistung Guido Schreibers besteht sicherlich in der dokumentarischen Wiedergabe seiner Zeitgeschichte. In der Tradition der Reisemaler und zeichnerischen Dokumentaristen des 19. Jahrhunderts, nimmt er in seinen Arbeiten die Moderne auf, formt sie mit hoher Könnerschaft und dem eher distanzierten Blick des Durchreisenden auf das Wesentliche auf seine Weise um und konzentriert sich dabei auf charakteristische Linien und typische Formen.

Zuletzt gilt mein besonderer Dank dem Neffen und Nachlassverwalter von Guido Schreiber, Hans- Jörg Polt, der mir in vorbildlicher Form eine CD mit reichem Bildmaterial aus süddeutschen Schaffensjahren und die Lebensdaten übermittelt hat.

 

heutige Karl-Brachat-Realschule
St. Ursula

 

 

 

Rietgasse

 

 

 

 

 

 

Bärengasse

 

 

 

 

 

Käferbergle im Winter

 

 

 

 

 

Güterbahnhof

 

Schwarzwälder Bauernhof im Winter

 

 

 

 

 

 

 

 

Gewitterstimmung

 

Bickenbrücke mit Bickenkapelle

 

 

 

 

 

 

 

Alte Häuser im Riet

 

 

Gaswerk – frühe Industrie in Villingen

 

Launscher Schwanzhammer – heute im Franziskaner

 

Schafe in den Ringanlagen

 

 

 

Stadtmauer – Blick aufs Obere Tor