Blickpunkt gerückt (Hermann Colli, Gerhard Hirt)

Die kleinen blauen Stadtführer sind Tag und Nacht im Dienst (Teil 3)

Markante historische Gebäude in den Sie sind Tag und Nacht im Dienst. Jederzeit ansprechbar. Immer gleich freundlich und sachlich geben sie Auskunft über das, was sich in der Stadt im Laufe der Jahrhunderte tat: Die kleinen viereckigen Tafeln an markanten historischen Gebäuden in Villingen.

Für die Einheimischen sind sie schon ein vertrauter Anblick geworden und man hat sich so daran gewöhnt, dass man sie oft gar nicht mehr wahrnimmt. Wir regen uns höchstens darüber auf, dass manche schlecht behandelt werden, das heißt, dass sie zerkratzt, beschmutzt oder gar zerstört werden. Dabei haben sie pflegliche Behandlung verdient.

Wir haben sie liebevoll die „kleinen blauen Stadtführer“ genannt und viele von ihnen schon in den Jahresheften des Geschichts- und Heimatvereins, dem sie ihre Existenz zu verdanken haben, vorgestellt. Hier folgt eine dritte Staffel und damit ein kurzer Stadtrundgang. Im neuen Jahresheft „Villingen im Wandel der Zeit“ finden Sie unter anderem die Abbildung der „Alten Stadtapotheke“ in der Rietstraße, die sich im äußeren Erscheinungsbild kaum verändert hat. Auf unserem Spaziergang richten wir den Blick auf die Tafel des im Jahre 1260 errichteten Bickentores, um dann weiter den Friedhof anzupeilen. Die heutige Friedhofskapelle war in ihrer ursprünglichen Form jahrhundertlang die Pfarrkirche unserer Stadt. Sie hatte auch noch lange Bestand, als die Stadtgründung am rechten Ufer der Brigach erfolgte. Übrigens: Sie ist die älteste Kirche Villingens, von der allerdings nur noch der Turm übrig geblieben ist. Zurück in die Innenstadt führt unsere Route zum Amtsgericht. Nun das Gebäude kennen wir alle, aber es lohnt sich trotzdem, einen Blick auf diese (und andere) Informationstafel(n) zu werfen.

Ist Ihnen die Jahreszahl für den Baubeginn noch in Erinnerung? Das ist das Jahr 1847, nachdem ein Jahr zuvor die Bauplatzabtretung nach Abriss des Niederen Tores erfolgte. Im Amtsgericht wurde 1854 vier Jahre lang der große Gerichtssaal für evangelische Gottesdienste genutzt. So geben auch all die weiteren Informationstafeln interessante Hinweise.

 

Für die Villinger ist das ein vertrauter Anblick: Das Bickentor.

 

Auch im Jahr 2005, wo so viel über die Vernachlässigung des Stadtbildes geschimpft und diskutiert wird, präsentiert es sich im sommerlichen Blumenschmuck. Die Fremden erfreuen sich bewusster an diesem Anblick. Die Frage, was das für ein Torturm in der Villinger Stadtbefestigung ist, beantworten ihnen die kleinen blauen Informationstafeln, die auf Initiative des Geschichts- und Heimatvereins 1999 an 44 historischen Gebäuden der Stadt angebracht wurden. Wir würden uns wünschen, dass wir unser Villingen, trotz eines schmal gewordenen Stadtsäckels, auch weiterhin so im Sonntagskleid präsentieren können.

In der Oberen Straße finden wir am Amt der Haupt- und Finanzverwaltung (früher Stadtkasse bzw. Rechnungsamt genannt) den Hinweis auf den Ursprung, nämlich auf das Gasthaus „Sonne-Post“. Dass am Oberen Tor kein Datum für den Baubeginn angegeben ist, hängt damit zusammen, dass der genaue Baubeginn wegen „nachhaltiger Umbauten“ nicht feststellbar ist. Auch das danebenliegende Roth’sche Anwesen hat seine Geschichte, wie auch vor allem das ehemalige Zeughaus, das heutige Domizil der Stadt- und Bürgerwehrmusik und des Männerchor 1887. Den „Ehemaligen Klosterhof von St. Blasien „finden Sie in der Josefsgasse 7, in der das Bürgeramt, Allgemeines Ordnungswesen, untergebracht ist. Die Kaplanei, in der der Villinger Widerstandskämpfer Ewald Huth wohnte, am Allerheiligentag 1944 im Alter von 54 Jahren von den Nazis hingerichtet wurde, finden Sie auf dem nördlichen Teil des Münsterplatzes und in deren Nachbarschaft, darauf braucht nicht besonders hingewiesen werden, das Neue Rathaus.

So erzählen und informieren, wie in den vorangegangenen zwei Ausgaben, die „blau-weißen Stadtführer“ über interessante Einzelheiten an historischen Gebäuden, die man gelegentlich nachlesen sollte, um das Gedächtnis über die Geschichte und das Leben im alten Villingen aufzufrischen. Wer sich noch mehr für die Geschichte unserer Stadt interessiert, dem empfehlen wir natürlich eine Stadtführung, wie sie regelmäßig vom Touristbüro (Niedere Straße) angeboten wird, und bei der Sie auch durch Fragen ihren speziellen Wissensdurst gestillt bekommen.