Die Altstadtkirche Gymnasiasten vom Romäusring präsentieren Dokumentation Villinger Stadtgeschichte (Bernd Schenkel und SchülerInnen des Romäusring- Gymnasiums Villingen)

Der Beitrag, den die Arbeitsgemeinschaft (AG) Geschichte am Gymnasium Romäusring zum Tag des offenen Denkmals 2000 präsentierte, ist nicht nur eine enorme Fleißarbeit, sondern eine echte Meisterleistung. Unter dem Titel „Die Altstadt- kirche“ haben Thomas Kirchner, Eva Spira, Stefanie Spira, Marc Weber und ihr Geschichtslehrer Bernd Schenkel eine Dokumentation vorgelegt, die weit über den Tag des Anlasses hinaus beachtlichen historischen Wert hat.

Das Thema des Denkmalstages „Alt und Neu“ könnte in diesem Fall auch in „Alt und Jung“ um- gemünzt werden, denn eine Mannschaft junger Hobbyhistoriker beschäftigte sich eingehend mit Villingens ältestem Gebäude: der Altstadtkirche. Sie haben sich ihr Thema schon im Jubiläumsjahr

1999 ausgeguckt und sind beim Stöbern in Archiven und städtischen Amtsstuben und beim Studieren lokalhistorischer Literatur und alter Kirchenbücher fündig geworden. Doch was richtige Forscher sind, die verlassen sich nicht nur auf das geschriebene Wort, sondern sie gehen der Sache mit eigenen Augen und Ohren an Ort und Stelle auf den Grund. Sie kletterten im rund 900 Jahre alten Turm der heutigen Friedhofskirche herum, untersuchten Mauerwerk und Gebälk und löcherten den Friedhofsverwalter Klaus Naskowski mit ihren Fragen.

Auf den Spuren Villinger Stadtgeschichte: Die Arbeitsgemeinschaft Geschichte des Romäusring-Gymnasiums mit (v. l.) Thomas Kirchner, Eva und Stefanie Spira, Geschichtslehrer Bernd Schenkel und Marc Weber.

 

Was dabei herausgekommen ist, kann sich wahrlich sehen lassen. Neben der Diaschau, die die Erkenntnisse ihrer gemeinsamen Arbeit in Bildern sichtbar macht und am Tage des Denkmals in der Friedhofs-Aussegnungshalle vorgeführt wurde, ist eine beachtliche schriftliche Dokumentation ent- standen. Auf mehr als drei Dutzend DIN-A-4- Seiten, mit zahlreichen Farbfotos, Plänen und historischen Bildern haben die Gymnasiasten fest- gehalten, was bei ihren Recherchen herausgekommen ist. Der Geschichts- und Heimatverein ist über das Engagement der jungen Leute sehr erfreut. Der Vorsitzende Günter Rath: „Das ist doch der Beweis, dass sich die Jugend auch für Villinger Stadtgeschichte interessiert, wir sind der AG des Romäusring-Gymnasiums und ihrem Lehrer sehr dankbar und können nur hoffen, dass diese Arbeit Nachahmer findet. „Im Vorwort ihres Heftes stellen die Schülerinnen und Schüler klar, dass das Denkmalstag-Thema „Alt und Neu“ auch auf Villingens ältestes Bau- werk passt. In wenigen Zeilen ist da zusammen- gefasst, was dann auf den 37 Seiten der Broschüre zu lesen ist.

Diese Lithografie von E. Kaufmann zeigt einen Blick auf die Altstadtkirche, den Friedhof und die Stadt Villingen vom Kopsbühl aus. Das Bild ist 1850 oder etwas früher entstanden und zeigt die Altstadtkirche kurz vor dem Abriss. Die Vorhalle fehlt schon, sie wurde bereits 1841 abgetragen.

 

 Alt und Neu

„Alt und Neu“ ist das Motto des Tags des offenen Denkmals im Jahr 2000. Passt dieses Motto zu der Altstadtkirche, die wir in diesem Heft vorstellen wollen? Alt ist sie ganz sicher. Ihr Turm ist das älteste Bauwerk Villingens. Vor 900 Jahren wurde er gebaut, vielleicht ist es sogar noch länger her. Doch diese Kirche ist auch ein Ort, wo Gestern und Heute aufeinandertreffen. In der Vergangenheit hatte die heutige Kirche eine andere Bedeutung, eine andere Funktion als heute und auch ein anderes Aussehen. Sie war die Pfarrkirche des alten Dorfes Villingen und blieb auch die Pfarrkirche, als die Stadt auf der anderen Seite der Brigach entstand und das Dorf sich allmählich auflöste. Ja, sie blieb auch Pfarrkirche als 1200 Meter entfernt das prächtige Villinger Münster entstanden war. Bis zum Ende des Mittel- alters blieb sie die Mutterkirche, das Münster die Tochter-, die Filialkirche. Erst im 16. Jahrhundert wurde die kirchenrechtliche Position der Altstadtkirche der Realität angepasst und sie wurde Filialkirche des Münsters.

 

Der Turm der Kirche auf dem Friedhof ist Villingens ältestes Bauwerk.

Nach diesem Verlust an Bedeutung änderte sich auch die Funk tion der Kirche. Der Friedhof des alten Dorfes wurde im 18. und 19. Jahrhundert zum alleinigen Friedhof der Stadt, nachdem die innerstädtischen Friedhöfe beim Münster und beim Franziskanerkloster nicht mehr bestanden. Der Tatsache, dass aus der Pfarrkirche eine Friedhofskirche geworden war, trugen die Bürger der Stadt in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf ihre Weise Rechnung, ließen das alte Kirchenschiff abreißen und errichteten den heute bestehenden Kirchenraum: eine Friedhofskapelle, eine Aussegnungshalle.

Eine letzte Veränderung erfuhr die Anlage, als 1969 bis 1971 die Wartehalle und ein Verbindungsbau zur Kirche errichtet wurden. Alt und Neu fügten sich zusammen. Aus der mittelalterlichen Dorfkirche, dem zentralen Ort religiösen Lebens, ist eine städtische Einrichtung geworden, ein Stück kommunaler Dienstleistung, die nur noch teilweise eine religiö- se Bedeutung hat. Dieser Wandel wird auch durch die Tatsache unterstrichen, dass die Kirche 1924 vom Münsterkirchenfonds an die Stadtgemeinde Villingen verkauft wurde. Alt und Neu stehen hier einträchtig nebeneinander – sowohl architektonisch als auch was die Funktion betrifft.

Auf den folgenden Seiten dieser informativen Schrift, die nach ihrem Erscheinen schnell vergriffen war und nachgedruckt werden musste, erfahren die Leser viel über das alte Dorf Villingen auf der anderen Brigachseite, über die Altstadtquelle, die frühere Pfarrkirche Villingens, ihre Baugeschichte, Funktion und einstige Ausstattung. Die wechselvolle Geschichte dieses Gotteshauses und seines markanten Turmes reicht über 900 Jahre hinweg und führt in unsere Zeit hinein, denn dort befindet sich heute die Friedhofskapelle und Aus- segnungshalle.

Die jungen Geschichtsforscher haben sich ein dickes Lob verdient und allen geschichtsbewussten Menschen sei diese Schrift, die an der Kasse des Franziskanermuseums für 10,– DM zu haben ist, wärmstens empfohlen.