Der Magdalenenbergbei Villingen im Schwarzwald (Konrad Spindler)

Bilanz nach dreißig Jahren 1

Nach 1973 wieder aufgeschütteter Grabhügel Magdalenenberg; einstiger Bereich der Nachbestattungen

 

Einführende Vorbemerkungen 2 (von Werner Huger)

Konrad Spindler schreibt „Die Kulturerscheinungen des westlichen Hallstattkreises, die die Frühzeit keltischen Lebens und Wirkens in Mitteleuropa ausmachen, ordnen sich in einen von der Forschung genau definierten Ausschnitt der vorrömischen Eisenzeit ein. Der Archäologe erstellt dabei eine relative Abfolge einzelner unterschiedlicher Formen- und Befundgruppen, die man in einem zweiten Schritt absolutchronologisch zu datieren versucht. …“

Die Hallstattkultur selbst wird in zwei kulturell deutlich voneinander zu trennende Zeitabschnitte gegliedert. Die ältere Hallstattkultur (Red. Anm.: unbeschadet wissenschaftlicher Meinungsverschiedenheit etwa ab 750 vor Christus und benannt nach der Fundstätte Hallstatt im Salzburger Land) trägt die Kennbuchstaben Ha C , die jüngere oder späte Hallstattkultur das Kürzel Ha D.“ (Red. Anm.: Ha D 1 – D 3, etwa um 600 v. Chr. bis rd. 350 v. Chr.). Aufgrund des archäologischen Befundbildes erscheint nur für die Ha D-Perioden die Bezeichnung „keltisch“ gerechtfertigt. Die Kelten selbst zählen zu den großen alteuropäischen Völkern.

Ab 350 v. Chr. schließt sich als Nachfolgerin der Hallstattzeit die keltische La-Tène-Kultur (Red. Anm.: nach der Untiefe im Neuenburger See, Schweiz) an.

Der Magdalenenberg, auf dem Höhenrücken des hinteren Laible, knapp zwei Kilometer südwestlich der Stadtmitte Villingens, war ein Grabhügel dessen Zentralgrab zu den ältesten Fürstenbestattungen des westlichen Hallstattkreises gehörte. Es wurde am Anfang der Stufe Ha D angelegt, in deren Folge (Ha D 1–3) für die Kennzeichnung die Verwendung von Fibeln (= Spangen, Broschen oder Nadeln) als Schmuckelemente vorherrscht. Forschung bedeutet stetiger Fluss.

 

Zentralschnitt im Grabhügel mit Zentralgrab und dessen teilweiser Steinpackung (rd. 1500 m3 Buntsandstein). Die übrige noch vorhandene und einstige Erdaufschüttung barg die Nachbestattungen (s. Text und Abbildungen).

 

Dadurch gibt eine absolutchronologische Datierung immer nur den aktuellen Stand wieder. So wird, nach vier voraufgegangenen Datierungsversuchen, derzeit für die guterhaltenen hölzernen Kammerbalken des Zentralgrabes das Fällungsjahr 616 v. Chr. vorgeschlagen (Friedrich/Hennig 1995).

Der Hügel Magdalenenberg ist das größte Grabdenkmal Mitteleuropas und liegt inmitten des einstigen hallstattzeitlichen Kerngebiets. Sein antiker Durchmesser betrug 102 Meter. Die noch heute stattliche Höhe (nach der Wiederaufschüttung ab 1973 bei der die mächtige Steinpackung über dem Zentralgrab im Hügel verblieb) von 6,5 Meter dürfte antik 8 Meter oder mehr betragen haben. Die Erdaufschüttung des Großgrabhügels betrug etwa 33000 m3. Im Zentrum des Hügels befand sich eine in Blockbautechnik errichtete Grabkammer mit flacher Decke, gezimmert aus 90 Balken großwüchsiger Eichen mit mehr als 40 qm Grundfläche. Sie beherbergte einst einen ranghohen Mann und enthielt zahlreiche Beigaben. Wie oben bemerkt, waren die Hölzer der Grabkammer nach dem aktuellen Stand dendrochronologischer Forschung (= präzise Datierungsmethode von Holzfunden über die Schwankungen der Jahrringbreiten des jährlichen Holzzuwachses) im Jahr 616 v. Chr. gefällt und, wie man holzphysikalisch weiß, saftfrisch verbaut worden.

Die Kammer war erstmals bereits antik beraubt worden. 1890 erfolgte auf Gemeindekosten der Stadt Villingen eine Untersuchung entsprechend den damaligen wissenschaftlichen Grabungsmethoden. In einer vierjährigen Grabungskampagne wurde zwischen 1970 und 1973 der gesamte Hügel, d.h. die Schüttung auch außerhalb des Zentralgrabes, systematisch ergraben und wissenschaftlich dokumentiert.

Für das Institut der Universität Freiburg, Professor Edward Sangmeister, war der örtliche Grabungsleiter Dr. Konrad Spindler mit seinem Stab interner und externer wissenschaftlicher Mitarbeiter zugange.

Spindler, der spätere ordentliche Professor der Universität Innsbruck, wurde im Juni 1939 geboren und starb im April 2005 mit 65 Jahren in Innsbruck.

Während der Grabungen 1970–73 wurden neben der Zentralkammer noch 126 Nachbestattungen mit reichem Fundmaterial freigelgt und von einer Reihe naturwissenschaftlicher Analysen begleitet. Der riesige Grabhügel war also nach dem Tode des Fürsten als Gräberfeld privilegierter Personen genutzt worden. Nach Indizien könnten, so Spindler S. 152 und 157, hypothetisch acht Großfamilien über etwa zwei bis drei Generationen zwischen 616 bis 550/525 v. Chr. die Lebens- und Totengemeinschaft der Magdalenenberg-Leute gebildet haben. Leider konnten zahlreiche Gräber, die sich einst um die Hügelkuppe gruppiert hatten, nicht mehr erfasst werden, weil sie bei der Trichtergrabung von 1890 unentdeckt geblieben oder im Laufe von mehr als 2500 Jahren der Erosion zum Opfer gefallen waren.

Diesen Nachbestattungen gilt schwerpunktmäßig Konrad Spindlers Augenmerk, wenn er im Nachfolgenden die neuesten seiner Forschungsergebnisse als eine „Bilanz nach 30 Jahren“ vorlegt. Die Grundlagen der Forschung, sein sechsbändiges Werk „Magdalenenberg“, bleiben davon unberührt.

Die aktuellen Erkenntnisse wenigstens auszugsweise mitzuteilen ist das Anliegen des Geschichts- und Heimatvereins Villingen im Jahr 2005. Die Beschränkung ist aus redaktionellen Gründen erforderlich. Deshalb wird auch die bei Spindler anzutreffende wissenschaftliche Diskussion zugunsten einer verkürzten speziell den Laien interessierenden wörtlichen Themenauswahl zurückgestellt. Aus obigem Grund wurde ebenso bei den Fußnoten auf die namentliche Wiedergabe der Quelle und des damit verbundenen Literaturverzeichnisses verzichtet. Sie sind über die Originalquelle Spindler nachweisbar.

Für die für unseren Zweck von Prof. Spindler dem Geschichtsverein ausdrücklich erklärte Zustimmung des Nachdrucks danken wir ihm post mortem.

Spindler: … Ausgehend von den männlichen und weiblichen Normausstattungen, die nach oben erweitert bzw. nach unten vermindert sein können 52, wurde für den Magdalenenberg festgestellt, dass sich innerhalb seiner Begräbnisgemeinschaft keine soziale Schichtung annehmen lässt 53.

Zugleich wurde betont, dass junge Individuen, also Jugendliche und Kinder, über andere, zumeist reduzierte Ausstattungsmuster verfügten 54. … Im Kinder- und Jugendalter trugen die Mädchen fast immer Ohrringe, nur ausnahmsweise einmal einen Halsring, durchweg paarigen Unterarmschmuck, aber nie bronzene Tonnenarmbänder oder Sapropelittonnen, hingegen sehr häufig beidseitig angelegte Knöchelringe. Metallener Gürtelschmuck fehlte stets 57. Mit dem Eintritt in das Erwachsenenalter bzw. der Verehelichung legte sich die Frau gern eine Kopfhaube oder einen Schleier an, der mit allerlei Bronzezierrat und Amulettschmuck besetzt sein konnte. Zudem gürtete sie sich regelhaft mit einem bronzebeschlagenen Leibriemen und war berechtigt oder konnte es sich finanziell leisten, bronzene oder sapropelitene Tonnenarmbänder über die Handgelenke zu streifen. Auch aufwendiger Brustschmuck aus Perlengehängen war dem Habit der erwachsenen Frau vorbehalten. Die Knöchelringe aus der Mädchenzeit blieben Erinnerung 58. … Schließlich hat Lenerz-de Wilde darauf aufmerksam gemacht, dass sich mit höherem Lebensalter die Trachtfülle der Frau zu vermindern begann. … (Es) wird gern übersehen, dass die Ergebnisse lediglich eine Grabausstattungssoziologie, die allein auf der Erhaltbakeit des Beigabenguts beruht, widerspiegeln. … Es empfiehlt sich daher, sich einmal Gedanken darüber zu machen, welche Einblicke uns in die Gebarung der Hallstattleute durch die Kompostierung organischer Materialien im Boden verwehrt bleiben. Fast nie finden sich zum Beispiel Reste der Kleidung, die bekanntlich ein, wenn nicht das entscheidende Element der sozialen Gebärde einnimmt. (Es) manifestierte sich auch bei den Hallstattleuten der soziale Stand in der Tracht, deren Aussehen uns indes verschlossen bleibt. Demgegenüber spielten mit der Kleidung verbundene oder unmittelbar am Körper getragene Tracht- und Schmuckgegenstände bloß eine additative Rolle, deren Gestaltung eher einer individuellen Freizügigkeit unterlag und keinesfalls einen bestimmte sozialen Stand repräsentierte.

Von den Frauengräbern des Magdalenenberges hebt sich die Bestattung 78 in mehrfacher Hinsicht heraus 70. Es handelt sich – das Zentralgrab (Red. Anm.: das Fürstengrab) einmal ausgelassen – von der Bodenfläche her gesehen um die mit Abstand größte Grablege der Nekropole. Die in ihr beerdigte Dame gehört der älteren Bestattungsschicht an71, steht also dem im Grab 1 ruhenden Mann zeitlich nicht sehr fern. Sie erreichte ein matures (seniles?) Lebensalter und passt somit unter Berücksichtigung der Zeitdifferenz zwischen Haupt- und Nebengrab sehr gut zum Jahrgang des Herren aus Grab 1, der als „mindestens adult“ eingestuft wurde 72. (Red. Anm.: adult = 21–40 Jahre, matur = 41–60 Jahre, senil = 61–X Jahre)

Grob geschätzt hätte sie bei angenommener Gleichaltrigkeit den Mann aus Grab 1 um gut zwei Jahrzehnte überlebt. Entsprechend trug sie die Tracht der reifen Frau 73: eine Kopfhaube, je ein Paar stabförmige Bronzearmringe und sapropelitene Tonnenarmbänder sowie einen bronzezwingenbesetzten Leibriemen mit einem exklusiv verzierten Gürtelblech 74, das ihre Sonderstellung in der Gesellschaft unterstreicht. Der in situ abgemessene Umfang des gut erhaltenen Gürtels betrug 1,2 m. Sie gerierte sich somit als ungewöhnlich fettleibige Dame; entsprechend ruhten ihre Arme weit abgespreizt vom Rumpf 75. Überdies war ihr Gebiss nicht gerade besonders gesund; fünf Zähne wiesen Kariesbefall auf. Beides, Korpulenz und Dentose, bilden untrügliche Zeichen einer hohen sozialen Kompetenz 76. In diesem Sinne lässt sich vielleicht auch ein weiterer seltsamer Befund in ihrer Grablege deuten. Zwischen den Füßen der Toten und den beiden im Nordwestteil der Sargkammer aufgestellten, üppig verzierten Kegelhalsgefäßen, die zudem durch Beigabe jeweils eines Schöpfschälchens zu Trinksets erweitert worden waren, fanden sich lose verstreut insgesamt sieben Nadeln, die man für gewöhnlich als „Haarnadeln“ ansprechen würde. Da diese aber außerhalb der Trachtlage zutage kamen, gilt es eine andere Lösung zu treffen. Die Fundposition des Ensembles erstreckte sich über eine Länge von ca. 1 m. Die Nadeln waren jeweils paarig angeordnet; nur am Nordwestende wird eine achte Nadel vermisst. Sie kann nie vorhanden gewesen, während der Grabung übersehen worden oder aus vergänglichem Material (z.B. Horn) gearbeitet gewesen sein. Offenbar hatte man mit diesen Nadeln irgendetwas zusammengesteckt. Zu denken wäre an Stoffbahnen, die dann zugleich – wie beim Kessel von Eberdingen-Hochdorf 77 – die Kegelhalsgefäße umhüllten (Abb. 2). Da sich auch dieser Befund vor Ort anderweitig nicht beobachten ließ, verleiht er der Dame aus Grab 78 eine gehobene Stellung in ihrem Sozialverband.

 

 

Abb. 2. Im Nordwestteil der Kammer des Grabes 78 von Magdalenenberg niedergelegte, mit Nadeln festgesteckte und ein Kegelhalsgefäß umhüllende „Stoffbahnen“ (Rekonstruktion) (modifiziert nach Spindler 1973)

 

Noch ein letztes Moment separiert die in Rede stehende Grablege von den übrigen Nachbestattungen des Magdalenenberges. Es liegt hier ein sogenanntes Etagengrab vor, das heißt direkt über der hölzernen Grabkammer aufgebahrt fand sich in absolut gleicher Ausrichtung und nur wenig nach SO versetzt das Skelett einer weiteren Person78.

 

Abb. 3. „Adlige Dame“ und „Zofe“ aus Grab 78 vom Magdaleneberg (Zeichnung Nadja Riedmann, Innsbruck)

 

Die frühadulte Frau 79 war allem Anschein nach im Sinne einer Totenfolge 80 gleichzeitig mit der älteren Dame in Grab 78 beerdigt worden 81. Da im Bereich des Westhallstattkreises Mehrfachbestattungen vornehmlich mit Fürstengräbern assoziiert sind 82, entsteht mit diesem Befund wieder ein besonderes Naheverhältnis zwischen den jüngere, was entgegen Müller85 nicht für ein zeitliches Nacheinander zweier getrennter Bestattungsvorgänge, sondern natürlicherweise sehr viel eher für die Gleichzeitigkeit des Begräbnisses von zwei Personen unterschiedlichen Lebensalters spricht. Die     sich     gegenseitig     jeweils bestätigenden Beobachtungen zur Sonderstellung der Dame aus Grab 78 verlegen ihre gesellschaftliche Sphäre in den allerengsten Nahbereich des Fürsten aus Grab 1. Vermutlich führte sie in den letzten zwei oder drei Dezennien ihres Lebens den Status seiner Witwe.

Das Grab 78 grenzt unmittelbar an eine das Hügelzentrum umgebende Kreisbahn, in der sich keine Nachbestattungen haben finden lassen. Gräbern 1 und 78. Trotz aller berechtigten Bedenken gegen die Wortwahl, sei hier gleichnishaft das Bild der „adligen Dame“, der ihre „Zofe“ in den Tod zu folgen hatte, an die Wand gemalt (Abb. 3). Die etwa 60jährige Frau 83 trägt die ältere Schmucktracht, die rund 25 Jahre alte Frau 84 dieFreilich ist die Hügelmitte nur scheinbar frei von Nebengräbern. Es liegen gravierende Störungen vor, die zweifelsfrei zu einem erheblichen Verlust an Totenlegen geführt haben. Abgesehen von älteren, wahrscheinlich bereits in vorgeschichtlicher Zeit erfolgten Raubgrabungen86, lassen sich mehrere rezente Eingriffe feststellen.

 

Abb. 4. Störbereiche auf dem Magdalenenberg. Schrägschraffiert: zentrale Hügelerosion; Kreuzschraffiert: Eingriffe 1887/90

 

 

Abb. 5. Verteilung der Gräber mit Ha C-zeitlichen Bestattungstraditionen (Brandritus, Großkeramik) auf dem Magdalenenberg Spindler, Seite 145: Diese 13 Totenlegen machen insgesamt sicher eine Gräbergruppe aus, die einer älteren Bestattungsschicht zuzuordnen ist.

 

 

Abb. 6. Inventar des Grabes 69 mit „Stabschmuck“ (unten) und ebensolches des Grabes 71 mit „Hohlschmuck“ (oben) in stratigraphischer Superposition (nach Spindler 1973 c)

 

Eine Kartierung der Gräber in Ha C – Tradition (Brandritus/Großgefäß) zusammen mit den Frauenbestattungen, in denen Stabschmuck lag (Abb. 7), zeigt eine relativ gleichmäßige Verteilung über die beurteilbare Hügelfläche, die sich weiter verdichtet, wenn man die Frauengräber mit den jüngeren Hohlschmuckgarnituren hinzunimmt.

 

 

Abb. 7. Verteilung der Gräber mit Brandritus, Großkeramik und Stabschmuck auf dem Magdalenenberg

 

 

Abb. 8. Verteilung der Gräber mit Brandritus, Großkeramik sowie Stab- und Hohlschmuck auf dem Magdalenenberg

 

Während es aufgrund mehrerer Hinweise in der Magdalenenberg-Nekropole ziemlich einfach war, eine ältere Frauentracht (Stabschmuck) von einer jüngeren (Hohlschmuck) zu scheiden, gibt es für die Männerbestattungen keine solchen Differenzierungsmöglichkeiten (Red. Anm.: Kennzeichen Schlangenfibeln ohne chronologische Relevanz; aber auch in Ha D1/D2)

Mit der Schlangenfibel S5-Grab 38102 wird notwendigerweise die Diskussion über das absolut-chronologische Belegungsende auf dem Magdalenenberg eröffnet. Der Beginn ist mit der Errichtung des Zentralgrabes auf derzeit 616 v. Chr. „unumstößlich“103 festgelegt. Nach etwa 16 bis 18 Jahren waren die Aufschüttungsarbeiten beendet. Die Ausgrabungen 1970/73 lehrten zweifelsfrei, dass alle Nebengräber in den bereits fertiggestellten Riesenhügel eingelassen wurden, so dass man um oder kurz nach 600 v. Chr. mit den Nachbestattungen beginnen konnte. Unabdingbar folgert daraus, dass sich die zwischenzeitlich Verstorbenen an anderer Stelle begraben ließen. Ein nächstgelegener hallstattzeitlicher Grabhügel findet sich gut 1,5 km SSW des Magdalenenberges auf der Markung Pfaffenweiler104. Auf dem Magdalenenberg gibt sich ein älterer Nachbestattungshorizont mit dem Brandritus-, Großkeramik- und Stabschmuckgräbern zu erkennen. Ihm folgt, bei nicht näher fassbarer Überschneidungsdauer, die jüngere Gräberschicht mit dem Hohlschmuck, die beide sehr ausgewogen sowohl Bogenfibeln105 als auch Schlangenfibeln S4 106 enthalten. …

Der Beginn von Ha D2 ist mit dem Aufkommen der Pauken- u. Fußzierfibeln definiert108. Schlangenfibeln S5 hingegen laufen über die Scheidelinie Ha D1/D2 hinweg. … Die Aussensiedlung endet also exakt am Übergang von Ha D1 zu Ha D2. … Absolutchronologisch ist der Übergang von Ha D1 zu Ha D2 schwer zu fassen. … Nach (dieser) höchst hypothetischen Rechnung hätte die Belegung des Magdalenenberges mit Nebengräbern zunächst die erste Hälfte des 6. Jahrhunderts sowie einen nicht näher spezifizierbaren Teil der zweiten Hälfte eingenommen: um 600 v. Chr. oder kurz danach bis 550/525 v. Chr.. Die Nachbestattungsnekropole würde demnach die Toten etwa zweier bis dreier Menschengenerationen aufgenommen haben, ein Zeitansatz also, wie ihn die meisten Forscher/innen artikulieren1

Quellen:

1 Veröffentlichung in: Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie, Band 100, Parerga Praehistorica, Jubiläumsschrift zur prähistorischen Archäologie, 15 Jahre UPA, Herausgegeben von Bernhard Hänsel, 2004, Verlag Dr. Rudolf Habelt GmbH, Bonn, Seite 135 – 157

2 Benutzte Quellen: Konrad Spindler, Die frühen Kelten, Philipp Reclam jun., Stuttgart 1983, ferner: Der Magdalenenberg bei Villingen – Ein Fürstengrabhügel des 7. vorchristlichen Jahrhundert, von Konrad Spindler und anderen Autoren, vor allem André Billamboz, 2. neubearbeitete Auflage, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1999

 

Abb. 9. Verteilung der „reichsten“ Frauen- (Dreieck) und Männergräber (Quadrat) auf dem Magdalenenberg (nach Müller 1994)

 

 

 

Abb. 10. Verteilung der „reichsten“ Nachbestattungen (nach Müller 1994, leicht modifiziert) sowie Einteilung der Hügelfläche in „Bestattungsbezirke“ I-VIII unter Bezugnahme auf die Ecken des zentralen Oktogons der Steinpackung über dem Hauptgrab des Magdalenenberges