60 Jahre: Heimat unterm Symbol des Leidens (Redaktion)

Drei rechteckige, behauene und voneinander getrennte Bruchsteinblöcke aus grauem Gneis bilden die über dem Boden schwebende Basis einer Wasserkunst, deren aufsteigender Strahl sich teilt und als zarte Fontänen über eine bronzene Konstruktion perlt. Diese ist auf jedem der Blöcke eingedübelt und verbindet sie so mit einem Grundgedanken zu einer Einheit. Es ist unschwer zu erkennen, dass die bizarre Metallarbeit, im Kontext mit der auf einer räumlich abgesetzten Bodenplatte eingelassenen Inschrift, eine stilisierte Dornenkrone darstellen soll. Die ist dem Kanon der neutestamentlichen Leidenswerkzeuge Jesu entnommen. Nach den Evangelien ist die Dornenkrone einerseits Teil der Verspottung Jesu, andererseits Symbol des Leidens, das nach dem Glauben Christus für die Erlösung der Menschen auf sich genommen hat. In der gleichnishaften Übertragung wird es zum Kennzeichen des Erleidens der

 

 

 

 

 

1945 aus ihrer Heimat der Ostprovinzen Geflüchteten und Verjagten. In diesem Sinne darf es als ein Mahnmal des Gedenkens gelten, das Menschen weltweit verbindet, denen die Furien des Krieges gestern, heute und morgen die Heimat raubten. Auf diese Weise ist es in seiner Aussage und der künstlerischen Gestaltung zeitlos gültig und die Herzen bewegend. Dies gilt auch nachdem bei uns die Vertriebenen längst in der zweiten und dritten Generation, integriert in eine neue Gemeinschaft, ihren Weg in Frieden gemacht haben. Dennoch soll es kein kollektives schleichendes Vergessen geben. Es gibt aber keinen Gedanken an vermeintlichen oder gar behaupteten Revanchismus im Symbol des Brunnens, weil nicht nur die inzwischen bestehenden und anerkannten staatsrechtlichen Regelungen das gebieten, sondern auch ein neues Europa dabei ist, trennende Grenzen vergessen zu machen.

Das Brunnenwerk wurde 1967 errichtet. Sein Schöpfer war der 1916 geborene und inzwischen verstorbene Künstler Willi Dorn. Er kam 1946 nach Villingen und lebte zuletzt in St. Georgen.