Innenansichten aus dem Pulvertürmle (Michael Hütt)

Der „Tag des offenen Denkmals“ fand am 11. September 2005 unter dem Schwerpunktthema „Krieg und Frieden“ statt. Das von seiner in weiten Teilen erhaltenen Stadtbefestigung geprägte Villingen hat dazu einen reichen Denkmalbestand vom hohen Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert zu bieten.

Bereits in früheren Jahren gab es im Rahmen des Tages des offenen Denkmals Gelegenheiten, einige dieser Bauten bei Führungen kennen zu lernen. In diesem Jahr wurde unter anderem ein Gebäude geöffnet, das jeder von außen, aber keiner von innen kennt: das „Pulvertürmle“ am Kaiserring.

Nach übereinstimmender Meinung der lokalgeschichtlichen Forschung wurden in Villingen 1499 vier Pulvertürme errichtet – unter dem Eindruck der Schweizer Kriege mit ihrem massiven Einsatz von Feuerwaffen. In jeder Hinsicht standortgünstig standen sie im Graben zwischen innerer und äußerer Stadtmauer. So war das dort gelagerte Schwarzpulver im Ernstfall schnell bei der Hand und konnte zugleich bei unfreiwilligen Explosionen keinen allzu großen Schaden anrichten. Von den einst vier halbrund an die innere Mauer angelehnten Rondellen sind heute noch zwei erhalten; eines dient stark verändert im Romäusring als Wohnung, das andere im Kaiserring steht seit dem 18. Jahrhundert leer. Dieses „Pulvertürmle“ hat noch viele ursprüngliche Baudetails aufzuweisen, obwohl die erhaltene Wandhöhe aller Wahrscheinlichkeit nach niedriger als ursprünglich und das Dach modern ist.

 

 

 

Deutlich zeigt sich im Innern des Pulverrondells, dass es später an die innere Stadtmauer angebaut wurde. Die Fuge zwischen den beiden Wänden ist mindestens handbreit. Der aus einfachen Bruchsteinen errichtete Pulverturm war niemals ein repräsentatives Gebäude, sondern immer nur ein simpler Lagerraum.

 

 

 

Der Pulverturm hatte einen Dielenfußboden, der etwa auf gleicher Höhe mit dem ehemaligen Laufniveau des Rondenwegs auf der Innenseite der Stadtmauer lag. Klar sind der entsprechende Mauerrücksprung und die Balkenlöcher zu erkennen. So dürfte die trockene Lagerung des empfindlichen Pulvers gewährleistet gewesen sein. Darunter kam bis zum Boden des Grabens nur noch ein schmaler Hohlraum. Nach Süden gibt es auf Bodenniveau einen Abfluss.

 

 

 

Das bemerkenswerteste bautechnische Detail des Pulvertürmles sind die Fenstergewände. Nach außen bilden sie ein schmales Querrechteck, nach innen sind sie genau umgekehrt hochrechteckig. Als gemeinsame Schnittmenge zwischen innen und außen bleibt so nur ein kleines Quadrat in der Mitte. Romantische Vorstellungen über die Nutzung dieser Schlitze als Schießscharten verbieten sich. Erstens hätte man niemals in einem Schwarzpulverlager Funken erzeugt und zweitens hätte man von hier aus höchstens die eigene äußere Stadtmauer getroffen.

 

 

 

Museumsleiter Michael Hütt (links) und Bauingenieur Hansjörg Fehrenbach, der für die Stadtbefestigungsanlagen zuständig ist, betrachten das historische Mauerwerk im Pulvertürmle.

 

 

 

 

 

 

 

Der Zahn der Zeit nagt heftig am historischen Gemäuer des Pulvertürmles im Romäusring. Der Himmel schaut durch die Ritzen des alten Ziegeldaches.