Eine liturgische Seltenheit aus dem Kloster St. Clara in Villingen PSALMISTA SECUNDUM CONSUETUDINEM ROMANE CURIE Frühdruck mit einem handgeschriebenen Teil (Dr. Edith Boewe-Koob)

Der Mittelpunkt des monastischen Lebens ist seit Jahrhunderten die Heilige Schrift. Sie ist nicht nur Gegenstand persönlicher Meditation, sondern die Grundlage des klösterlichen Betens. Die Ordensleute versammelten sich siebenmal zum gemeinsamen Beten, dessen Texte dem Alten und Neuen Testament entnommen sind. Es waren im Mittelalter viele Codices zur Feier der Messe und der Offizien nötig. Doch im Laufe des 12. Jahrhunderts, durch die häufige Abwesenheit des päpstlichen Hofes von Rom bedingt, wurde ein gekürztes Offizium notwendig. Die schweren und großen Codices waren auf Reisen für den Trans- port zu umständlich, so dass eine Straffung und Zusammenlegung der Texte notwendig wurde. Es entstand das „Breviarium secundum consuetudinem curiae Romanae“ 1), das vor allem durch die Initiative der Franziskaner zur allgemeinen Benutzung beitrug. Die Franziskaner haben 1223 zu- gleich mit der Regula bullata, die in der Curia Romana gebräuchliche Form des Offiziums und der Messe angenommen und sich bewusst damit der römischen Choraltradition angeschlossen. Seit dieser Zeit tragen alle Handschriften und Drucke der Franziskaner den Zusatz: „Secundum consuetudinem romanae curie“.

In Villingen, in dessen Mauern im Mittelalter zahl- reiche Klöster ansäßig waren, sind keine mittelalterlichen, liturgischen Handschriften mehr vorhanden. Diese Tatsache ist nur erklärbar, dass bei der Auflösung der Klöster die wertvollen Codices abhanden kamen, oder schon früher durch verschiedene Verordnungen nicht mehr gebraucht wurden. Jedes Kloster besaß für die Gestaltung der Messfeier und der Stundengebete zahlreiche Handschriften und später auch Drucke. Leider existieren aus dem Mittelalter nur noch die vor einigen Jahren aufgefundenen Fragmente, die einen bescheidenen Rest der ehemaligen liturgischen Bücher aus Villingen darstellen. Um so mehr ist es zu begrüßen, dass ein Frühdruck aus dem Kloster St. Clara mit einem handschriftlichen Teil nach Villingen zurückgekauft werden konnte. Das aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts stammende Buch ist, durch den im Kloster St. Clara ausgeführten handschriftlichen Teil, für Villingen eine liturgische Seltenheit.

Unter dem Titel PSALMISTA SECUNDUM CONSUETUDINEM ROMANE CURIE wurde der Frühdruck mit handschriftlichem Teil von Mitarbeitern des Villinger Stadtarchivs mit weiteren Inkunabeln in London ersteigert. Das Buch enthält neben einem Psalterium auch einen Hymnarius, der ebenfalls nach der Gewohnheit der Römischen Kurie aufgezeichnet wurde. Den gedruckten liturgischen Abschnitten wurde ein handgeschriebener Teil angefügt. Die handschriftliche Eintragung auf der Rückseite des Einbandes verrät folgendes:

DISS BUECH GEHÖRT ZUM CHOR S. CLARA IN VILLINGEN

Einige Stempelungen verweisen auf die letzte Besitzerin, die Fürstlich Fürstenbergische Bibliothek in Donaueschingen, die das wertvolle Buch versteigern ließ. Wie das Buch nach Donaueschingen kam, konnte nicht ermittelt werden.

Der Frühdruck und sein Verleger

Der gedruckte Teil besteht aus 8 Seiten ohne Seitenzählung und 144 Seiten, bei denen nur die Rectoseiten (Vorderseiten) mit Zahlen versehen wurden. Unter dem Titel des Buches befindet sich ein Signet oder Druckerzeichen, das auf den Drucker und den Verlagsort hinweist. Das Werk wurde im Katalog von Sotheby den Jahren 1507/1508 2) mit Fragezeichen zugeordnet. Feststeht, dass es bei Luca Antonio Giunta, der von 1489-1538 in Venedig lebte, gedruckt wurde. Dies ist an seinem Druckerzeichen, das aus einer dreiblättrigen, heraldischen Lilie in einem recht- eckigen Rahmen besteht und den Anfangsbuch- staben seiner Vornamen

erkenntlich. Giunta veränderte sein Signet fast für jeden Druck, aber durch die gleichbleibenden Teile und seine Signatur sind die Bücher zweifelsfrei Giunta zuzuordnen. Er ging als Stammvater einer berühmten Druckerfamilie seiner Zeit in die Geschichte ein. 3) Das 1494 benutzte Zeichen war die Vorlage für das Signet in diesem Buch. Es ist in der Anlage identisch, wurde aber für den Druck nach 1500 im Detail kunstvoller ausgearbeitet.

Der Einband des Frühdrucks besteht aus geprägtem Leder. Auf der Vorderseite wurden, neben den vier längs laufenden Bordüren, in der Mitte sieben untereinanderstehende Herzen angebracht. 4) Die Rückseite wurde vertikal mit fünf Bordüren aus- geziert. Zwei ehemals vorhandene Schließen können durch 2 mal 2 Nägel auf der Rückseite angenommen werden.

An den Anfang des Buches wurde nach dem Titelblatt, wie üblich, ein Kalendarium dem Psalterium vorangestellt, so dass sich der Inhalt des liturgischen Buches folgendermaßen zusammensetzt:

1. Titelblatt mit Druckerzeichen

2. Kalendarium

3. Tabelle der Psalmen und Hymnen (alphabe- tisch geordnet)

4. Psalterium secundum usum romane curie (ab hier Blattzählung, fol.1- fol.144)

5. Hymnarius (von Conditor alme 5) = 1. Advent, ad Vesperam bis Te matrem Dei = In Visita- tione B.M.V., ad Vesperam = 2.7.) im handschriftlichen Teil:

6. Liturgia Defunctorum, unvollständig (insgesamt 19 Seiten, ohne Blattzählung)

7. Hymnen zu besonderen Festen (19 Seiten) Die Größe des Buches: 153 mm x 105 mm Der Schriftspiegel: 120 mm x 72 mm Druckort und Jahreszahl wurden nicht angegeben.

Titel und Druckschrift

Der Titel des liturgischen Buches „Psalmista“ wurde im späten Mittelalter öfters verwendet, obwohl ein Psalmista vor dem 4. Jh. ein Vorsänger bei liturgischen Gesängen war, der bestimmte liturgische Vorrechte besaß. Der Psalmista oder später Kantor hatte seinen erhöhten Platz in der Synagoge und in der Kirche auch noch im Mittel- alter, damit ihn alle Gläubigen sehen und hören konnten. Ursprünglich war der Psalmista ein Psalmendichter oder Psalmensänger. Mit der Entfaltung künstlerischer Formen im liturgischen Gesang bekamen die Sänger andere Aufgaben und von da ab versteht man unter dem Begriff Psalmista nicht mehr den Sänger allein, sondern alle an den Offizien beteiligten Ordensleute und Laien und damit als liturgisches Buch.6) Uralt ist die Überlieferung, die David als Psalmendichter bezeichnet. Vom frühen Mittelalter an werden die Titelbilder der Psalterien oft mit dem musizieren- den David geschmückt. 7)

 

Abb.1 König David (eine Seite vor der Blattzählung).

 

„Psalmista“ weist also auch auf David, der auf einem ganzseitigen Holzschnitt, Harfe spielend, vor dem Beginn des Psalteriums, abgebildet wurde. Auch auf fol. 2 v wurde ein Bild Davids in eine Initiale eingefügt. Es war eine an die Antike an- knüpfende Sitte, den Autor an die Spitze seines Werkes zu stellen. In damaliger Zeit wurden Da- vid 73 der 150 Psalmen zugeschrieben. 8)

Im Anschluss an die Überschrift wurde das Druckerzeichen eingesetzt. Die normale Druck- schrift ist schwarz, die Erklärungen, Rubriken und Initialen wurden durch rote Farbe deutlich gemacht. Als besonderer Schmuck wurden im Psalterium einige Initialen als Holzschnitte, teils bildhaft (15), teils floral (11), ausgeführt.

Ursprünglich waren die Initialen als Orientierungshilfe gedacht, die das Auffinden eines bestimmten Textes erleichtern sollte.

Abb. 2 Initiale: Bornkind

 

Kalendarium
Das Kalendarium enthält nicht nur Gedenktage allgemein verehrter Heiliger, sondern auch die Festtage der Angehörigen einiger Ordensgemeinschaften. Es wurden Ordensheilige von OSB (2), OP (3), OESA (3) und von OFM (11) eingetragen, wobei unter den aufgeführten Heiligen sicher noch mancher Ordensangehörige, ohne Zusatz des Ordens, im Kalendarium aufgenommen wurde. Einige der bekanntesten Heiligenfeste werden hier aufgeführt: Die Translatio des heiligen Franziskus am 25. 5. 1230, seine Stigmatisation am 17. 9. 1224, sein Fest am 4. 10. und die Oktav seines Festes am 11. 10. (seine Kanonisation erfolgte bereits im Jahr 1228). Antonius von Padua, OFM, am 15. 2., seine Translatio und sein Gedenktag am 13. 6., Bernhardin von Siena, OFM, seine Translatio am 17. 5. und der eigentliche Gedenktag am 20. 5. (Heiligsprechung 1450) und Bonaventura, OFM, am 14. 7.9) (Heiligsprechung 1482), Ludwig von Toulouse, OFM, am 19. 8. und seine Translatio am 8. 11. 1318. Clara v. Assisi wird am 12. 8. und Elisabeth von Thüringen am 19. 11. gefeiert. Die Erwähnung Nikolaus von Tolentino, OESA, seine Kanonisation (wurde 1325 eingeleitet und wegen des Schismas erst 1446 abgeschlossen), als auch sein Fest am 10. 9. zeigt, neben Bernhardin und Bonaventura, dass im Kalendarium auch die „jüngeren“ Heiligen aufgenommen wurden. Das Fest zu Ehren von Portiuncula, das als Kirchweihfest der Franziskaner gefeiert wird (2. 8.), wurde im Kalendarium bedacht. Es ist die Erinnerung an den Portiuncula-Ablass, der angeblich im Jahr 1216 von Franzis- kus vom Papst erbeten wurde, aber erst seit 1277 bezeugt ist. Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts wurde der Portiuncula-Ablass auch anderen OFM-Kirchen gewährt. Ab 1480 allen Kirchen des 1. Ordens des OFM und 1482 auch den anderen zwei Orden (des 2. und des 3. Ordens) jedoch nur für Ordensangehörige. Später, ab 1622, konnten alle Besucher der Franziskanerkirchen den Ab- lass gewinnen.10) Das Vorherrschen der Franziskanerheiligen im Kalendarium ist deutlich. Auch wurden unter dem Einfluss der Franziskaner zahlreiche Feste von Heiligen eingeführt, deren Verehrung schon durch die Aufnahme im gedruckten Hymnarius deutlich wird.

Psalterium

Zu den wichtigsten Aufgaben eines kontemplativen Ordens gehört das Psalmensingen, das die älteste Form des christlichen Kirchengesanges dar- stellt. Die Psalmodie wurde aus den altjüdischen Gottesdiensten im Prinzip und den Texten übernommen. Dort wurden die Psalmen von einem Saiteninstrument begleitet. In der Septuaginta11) wurde das Psalmenbuch „Lieder zu Saiteninstrumenten“ genannt. Im christlichen Sprachgebrauch verlor sich der Nebenbegriff des Begleitens und man bezeichnete das Psalmenbuch als „Loblied auf Gott“, ohne Rücksicht auf instrumentale Begleitung, da in frühchristlicher Zeit im Gottes- dienst keine Instrumentalmusik eingesetzt wurde. Selbst Thomas von Aquin (1225-1274) schrieb noch: „Instrumenta musica sicut citharas et psalteria non assumit ecclesia in divinas laudes, ne videatur judaizare“12) (II 2.q. 91. art. 2.). Psallere hieß nun nicht mehr spielen oder zu einem Saiteninstrument singen, sondern geistliche Lieder vortragen.13)

Die Psalmen haben ihren festgefügten Platz inner- halb der Stundengebete. Der Psalmcursus (ab fol.1r) des liturgischen Buches entspricht in seiner Wochenordnung in Matutin und Vesper der Psal- menreihe der römischen Kirche.14) Im Psalterium wurden viele Hymnen eingestreut, deren Texte nur selten vollständig aufgezeichnet wurden. Ab Beginn des Psalteriums wurden die Blätter mit Zahlen versehen, wobei nur die Rectoseiten gezählt wurden. (Die erste Psalmenübersetzung in deutscher Sprache wurde von Notker von St. Gallen (950-1022) circa um das Jahr 1000 ausgeführt.15)

Das Singen von Psalmen ist ein rezitativisches Ab- singen von Bibeltexten in responsorialem Vortrag. Ursprünglich stimmte ein Sänger den Vers an, auf den die Gemeinde mit einem Kehrvers antwortete. Später lösten sich zwei Chöre im Vortrag der Psalmverse ab. Neben den Psalmtexten werden bis heute auch lyrische Teile, die als Cantica bezeichnet werden, benutzt. Hier haben vor allem die Cantica des NT, das Magnificat, Nunc dimittis und Benedictus innerhalb des Offiziums Bedeutung.16) Es sind also nicht nur Texte des Alten Testaments, sondern auch des Neuen Testaments, die in den Offizien benutzt werden. Das Psalterium gehört zum liturgischen Tagzeitengebet der Ordensleute und Kleriker und ist seit dem 12. Jahr- hundert ein Teil des Breviers.

Dieses Buch wurde für den Franziskanerorden gedruckt und im Klarissenkloster Villingens benutzt. Es ist selbstverständlich, dass die Klarissen in Villingen täglich ein Volloffizium beteten, wie es den monastischen Regeln entspricht. Dies geht auch aus den Aufzeichnungen der Äbtissin von S. Clara, Juliane Ernest (Äbt. von 1655-1665), hervor, die bereits 1637 das Leben der Schwestern beschrieben hat.17)

 

Hymnarius

Im Anschluss an das Psalterium wurde ein Hymnarius (ab fol. 121r) eingesetzt. Auch hier wird ausdrücklich auf die Gewohnheit der Franziskaner: „secundum usum romane curie“ hingewiesen. Die Hymnen wurden ohne Notation aufgezeichnet, wie es in einem Brevier üblich ist.

Schon um die Jahrtausendwende wurden Psalterium und Hymnarius verbunden. Diese Zusammenstellung von Psalterium und Hymnarius ist für die meisten Hymnarien zur Regel geworden.18) Der Hymnus ist ein feierliches, strophisch gegliedertes Lied. Auch innerhalb der Strophen ist die Anzahl der Silben in den einzelnen Versen meistens identisch. Diese, für die Gemeinde an- sprechende, ausgeprägt volkstümliche Form bewirkte, dass sich die Hymnen einer großen Beliebtheit erfreuten. Der Hymnus ist auch heute noch ein „Außenseiter“ in der Liturgie19), da seine Texte nicht auf Bibelstellen, sondern auf Aus- druck persönlicher Frömmigkeit zurückgehen. Die Stellung dieser Gesänge war durch die lange Tradition und durch Autoritäten wie Ambrosius und Benedict20) so bedeutend, dass sie nicht den Vorschriften des Trienter Konzils zum Opfer fielen, wie es z.B. mit den Sequenzen geschehen ist. Bis zur Liturgiereform des Breviers und Missale im Jahr 1912 unter Papst Pius X. herrschte eine große Vielfalt beim Einsetzen der Hymnen in den Ortskirchen. Nur die Ordensgemeinschaften besaßen eine verbindliche Vorschrift für die Benutzung der Hymnen, sowohl textlich wie musikalisch. Die Orden waren auch bei der Verbreitung der Hymnen maßgebend. Die beiden Bettelorden, die Dominikaner und die Franziskaner, über- nahmen ihr Repertoire aus dem Land, in dem sich ihre Liturgie festigte. Die Dominikaner aus Frankreich und die Franziskaner aus Italien.21) Die Stellung der Hymnen als Bestandteil des Kirchengesangs war von großer Bedeutung. Liturgisch standen sie wahrscheinlich schon bei Hilarius von Portiers (um 315-367) und bestimmt bei Ambrosius von Mailand (339-379) als Gesang für die Gemeinde in den Stundengebeten. 22)

Abb. 3 Maria Verkündigung (fol. 120v).

 

Im HYMNARIUS St. Clara wurden auf folio121r-144r, vom 1. Advent bis In Visitatione Beatae Mariae am 2. 7., Hymnen zu bekannten Festen, wie auch Gesänge der im Franziskanerorden besonders verehrten Heiligen aufgezeichnet. Auf der Anfangsseite (folio120v) wurde ein Holz- schnitt mit der Verkündigung Mariens ganzseitig abgebildet.

In der Regel steht in jeder Laudes ein Hymnus, bei besonderen Festen auch bei der Matutin, der I. und II. Vesper. In diesem Druck wurde die Verbindung: Psalterium mit eingestreuten Hymnen und anschließendem Hymnarius benutzt.

Die Apostelfeste von Petrus und Paulus, die Feste des Herrn, die Marienfeste, Feste zu besonders verehrten Heiligen wurden alle mit den dazu- gehörenden Hymnen aufgenommen. Auf der er sten Seite des Hymnarius befindet sich unterhalb des gedruckten Textes ein handschriftlicher Eintrag:

OCCASUM SOL CUSTODIENS LUNA PALLOREM RETINENS CANDOR IN ASTRIS RELUCENS CERTOS OBSERVAT LIMITES 23)

 

Handschriftlicher Teil

Im Anschluss an den Frühdruck folgt der handgeschriebene Teil. Die Eintragung „Soror Barbara payerin“ vor Beginn der Aufzeichnungen wurde im 2. Drittel des 16. Jahrhunderts eingesetzt. Die Identifizierung dieser Schwester bereitete einige Schwierigkeiten, da es im 16. Jahrhundert zwei Klarissen gleichen Namens gab.24) Im Rech- nungsbuch von St. Clara wurde 1557 der Tod einer Schwester Barbara Payerin eingetragen. Man kann davon ausgehen, dass es sich dabei um den Tod der 1. Schwester handelt. Diese Schwester könnte die Benutzerin des Gesangbuches gewesen sein, da die 2. Schwester Barbara als Kellermeisterin eingesetzt war. Möglich wäre, dass Barbara Payer I. das Amt der Kantorin ausgeübt hat, da die Eintragung unmittelbar vor den handschriftlichen Aufzeichnungen steht. Demnach müsste der handschriftliche Teil in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts geschrieben worden sein, was auch durch die Einordnung der Schrift, die zu einer süddeutschen Bastarda des späten 15./16. Jahrhunderts gehört, dokumentiert wäre. Es ist nicht anzunehmen, dass jede Chorsängerin ein eigenes Exemplar besaß. Das schon in frühester Zeit praktizierte Auswendigsingen wurde weiterhin in den Gottesdiensten gepflegt. Durch die handliche Größe des Buches kann es auch nicht als Chor- buch verwendet worden sein.

Der handgeschriebene Teil umfasst 38 Seiten und beginnt mit einem fragmentarischen Anfang der Liturgia Defunctorum (Totenoffizium), damit wurde ein weiterer Teil des Breviers in das Buch aufgenommen, und den sich anschließenden Hymnen zu den Festen Petrus und Paulus, Franziskus und Ludwig v. Toulouse. Die Melodien wurden in schwarzer Quadratnotation auf vier rote Linien aufgezeichnet. (Rot gezogene Linien wurden bis ins frühe 17. Jahrhundert benutzt). Durch das Herausschneiden von drei Blättern am Anfang der Liturgia Defunctorum ist der am Beginn stehende 94. Psalm nur fragmentarisch (11. Vers) überliefert. Bei dem nachfolgenden Teil der Hymnen fehlt nach dem Eintrag: „In Festo S. Ludovici“ ebenfalls ein Blatt. Dadurch sind die bei- den ersten Strophen des Hymnus nicht mehr vorhanden. Die chronologische Einordnung der Gesänge entspricht nicht immer der üblichen Reihenfolge.

Der handgeschriebene Teil wurde in eigene Lagen mit gröberen Fäden gebunden. Obwohl gleiches Papier wie beim Druck verwendet wurde, könnte dieser Teil zunächst eigenständig gewesen sein, auch schon zur Zeit des Druckes. Dies rechtfertigt die Eintragung des Namens von Soror Barbara Payerin. Später müssten dann beide Teile zusammengefügt worden sein. Dies bedeutet, dass die Bindung beider Teile in den Ledereinband später vorgenommen wurde.

Die Schrift in der Liturgia Defunctorum wurde von einer Hand des frühen 16. Jahrhunderts ausgeführt. Die schlichten Initialen sind größer als die normale Schrift und auch durch rote Farbe besonders gekennzeichnet. Die Schrift gehört zu einer „Süddeutschen Bastarda“. Es ist eine vertikal ausgerichtete Schrift, die gelegentlich leicht nach rechts geneigt ist, was allerdings als Schreibgewohnheit der Schreiberin zu werten ist. Deutlich sichtbar sind die hochgezogenen letzten Schäfte des kleinen m und n. Diese Merkmale sind auch bei der zweiten Schreiberin, welche die Hymnen aufzeichnete, festzustellen. Die relativ langen Unterlängen von p, q, und s fallen in beiden Schriften auf. Diese Eigenart ist öfters bei der „Schwäbischen Bastarda“ zu beobachten. Die Aufzeichnung der Hymnen zeigt neben den schönen Initialen, deren rote Ausmalung mit grau-blauen Verzierungen ausgeschmückt ist, eine kultivierte und dekorative Schrift. Hier wurde bis ins kleinste Detail auf Gestaltung Wert gelegt.

Auch die Notation wurde von verschiedenen Händen ausgeführt. So ist der C-Schlüssel der Liturgia Defunctorum anders geschrieben worden, als der bei den Hymnen. Dieser Schlüssel wurde durch zwei verdickte Querbalken deutlich gemacht. Durch die ebenfalls unterschiedlichen Ausführungen der am Ende einer Notenzeile stehenden Kustoden25) werden die Aufzeichnungen der Gesänge durch zwei verschiedene Hände noch deutlicher. Bei der Liturgia Defunctorum entsprechen die Kustoden in ihrer Größe fast den Noteneintragungen. Dagegen sind die Kustoden der Hymnen als kleinere Zeichen eingetragen worden.

Es wird davon ausgegangen, dass die Schreiberin- nen, es handelt sich mit allen Eintragungen um fünf Hände, wobei die Initialen der Hymnen durchaus von einer zusätzlichen Hand ausgeführt sein können, im Villinger Kloster beheimatet wa- ren. Somit kann auch die Herkunft des hand- schriftlichen Teils als gesichert gelten. Ob das Klo- ster ein Skriptorium besaß, oder ob nur im kleinen Rahmen geschrieben wurde, ist nicht fest- zustellen. Eine erst kürzlich entdeckte Hand- schrift aus dem 17. Jahrhundert, die zahlreiche Hymnen zu den Stundengebeten enthält, zeigt zusätzlich die Schreibfreudigkeit im Kloster St. Clara. Eine spätere Publikation wird angestrebt.

LITURGIA DEFUNCTORUM

Dem Verwendungszweck des liturgischen Buches entsprechend, gehören die Gesänge der Liturgia Defunctorum in erster Linie zum Offizium, da die Anlage des gesamten Buches, einschließlich der handschriftlichen Hymneneintragungen, dieser Gebetsordnung dient. Es wurden Gesänge und Gebete des Totenoffiziums in Quadratnotation aufgezeichnet. Die Responsorien der Liturgia Defunctorum stehen in einer festgefügten Reihenfolge. In den meisten Quellen beginnt die Liturgie mit dem Responsorium Credo, quod Redemptor meus vivit. Eine Ausnahme bilden die Handschriften, in denen an erster Stelle das Responsorium Subvenite sancti steht. 26) Dies konnte hauptsächlich in den romanischen Handschriften beobachtet werden. Deshalb ist es überraschend, dass im handschriftlichen Eintrag der Villinger Klarissen die Responsoriumsfolge mit diesem Gesang begonnen wird. Diese Feststellung darf aber nicht dazu führen, die Beziehung nur zu den romanischen Ländern zu sehen, sondern es sollten die Austauschbeziehungen zwischen der fränkisch-deutschen und der römischen Kirche mit in Betracht gezogen werden, die schon im 10. Jahr- hundert deutlich wurden. 27) Aber es könnte auch die durch die Franziskaner eingeführte Consuetudo Romanae Curiae hierbei mit in Betracht gezogen werden.

Der Psalm 94 leitet in Verbindung mit dem Invitatorium die Matutin ein.28) Durch drei herausgeschnittene Seiten beginnt der Psalm mit dem Ende des 11. Verses. Es folgen Gebete, Responsorien mit Versen, Psalmen mit Antiphonen.

Um die Übereinstimmung der Gesänge über viele Jahrhunderte aufzuzeigen, wird die Antiphon In paradysum deducant te angeli der handschriftlichen Aufzeichnung der Notation im Kyriale Romanum gegenübergestellt.

V = Klarissenkloster zu Villingen

K = Kyriale Romanum, Ratisbonae 1912

 

 

 

Bei der Gegenüberstellung der Gesänge zeigt sich bis auf einige Varianten eine große Übereinstim- mung. Damit wird die viele Jahrhunderte lange Tradition der liturgischen Gesänge deutlich.

Hymnen

Ohne Übergang wurden anschließend zu verschiedenen Heiligenfesten Gesänge aufgezeichnet. Es handelt sich hierbei um Hymnen, die mit Notation aufgeschrieben wurden.

 

HYMNEN ZUM FEST DER HEILIGEN PETRUS UND PAULUS

Zum Fest Petrus und Paulus steht die 1.- 4. Stro phe des Hymnus Aurea luce et decore, allerdings ohne Angabe des Titels und des Verwendungs- zwecks, d. h. in welchem Stundengebet der Hymnus gesungen wurde. Ohne Anmerkung schließt sich die 4. Strophe des Hymnus Felix per omnes an. Dieser Gesang gilt neben Aurea luce et decore als einer der bedeutendsten Hymnen zum Apostelfest. Schon in den alten Handschriften, wie z. B. im Antiphonar aus Silos (11. Jh.) und aus Benevent (12. Jh.)29), haben diese Hymnen, in Strophen geteilt, zu den verschiedenen Festen der bei- den Heiligen ihren Platz gefunden. Beide Hymnen Aurea luce et decore und Felix per omnes, sollen von der Dichterin Elpis (Helpis) geschrieben worden sein. Es sind rhythmische Gesänge, von denen die einzelnen Strophen als selbständige Hymnen verwendet, und an den Festen innerhalb des Offiziums der beiden Heiligen gesungen werden. Ein metrisches Epitaph30) des 7. Jahrhunderts auf eine Helpis aus Sizilien führte dazu, diese Helpis als christliche Dichterin anzuerkennen. Im 13. Jahrhundert wurde angenommen, dass es sich bei dieser Frau um die Gattin von Boethius handeln würde. So ging der Name in die Literatur ein.31) Dem „Fest Ad vincula S. Petri“ wurde von den Klarissen die 4. Strophe von Felix per omnes zugeordnet. Da bereits in alten Handschriften die Strophen der Hymnen auf verschiedene Feste verteilt wurden, verwundert es, dass im Kloster S. Clara zu Villingen die Strophen größtenteils zum Fest Petrus und Paulus nacheinander aufgeschrieben, und somit auch an diesem Fest in der angegebenen Reihenfolge gesungen wurden. Andere Angaben fehlen. Bis auf den letzten Hymnus (Ludwig) wurde bei keinem Gesang hingewiesen, dass es sich um Hymnen handelt.

 

HYMNUS ZUM FEST DER STIGMATISA- TION DES HEILIGEN FRANZISKUS

Franziskanische Frömmigkeit zeigt der folgende Hymnus, der die Stigmatisation des heiligen Franziskus auf La Verna zum Anlass dieses feierlichen Gesanges nimmt. La Verna liegt nördlich von Arezzo. Hier weilte Franziskus oft zur Meditation und wurde an dieser Stelle im Jahr 1224 stigmatisiert. Aus diesem Grund ist der Platz seinem Orden und Verehrern bis heute ein wichtiges Wallfahrtsziel.32) Auch dieser Gesang steht ohne Angaben im hand- schriftlichen Teil. Der Beginn jeder Strophe wurde mit einer roten Initiale gekennzeichnet. Der Hymnus wurde nicht chronologisch eingesetzt, da das Fest der Stigmatisation am 17. 9. gefeiert wird und der Gesang vor dem Hymnus des heiligen Ludwigs (Fest 19. 8.) aufgezeichnet wurde.

Abb. 4 Hymnus: Crucis Christi mons Alverne (Beginn der 1. Strophe)

 

<Hymnus: Crucis Christi mons Alverne> <IN FESTO STIGMATUM S. FRANCISCI> 33) <17. 9>

 

1. Crucis christi mons Alverne

Recenset misteria, Ubi salutis eterne Datur privilegia,

Dum Franciscus <dat lucerne

Crucis sua studia.

2. Hoc in monte vir devotus

Specu solitaria,

Pauper a mundo semotus

Condensat ieiunia,

Vigil, nudus, ardens totus

Crebra dat suspiria.>

Der Hymnus besitzt 7 Strophen, in denen die tiefe Verehrung, die Franziskus entgegen gebracht wurde, deutlich wird. Es wird die Auserwählung des Heiligen gepriesen. Sein Aufenthalt auf La Verna, seine Visionen und die Stigmatisation sind Themen dieses Gesangs.

HYMNUS ZUM FEST DES HEILIGEN LUDWIGS VON TOULOUSE

Der letzte, im handschriftlichen Teil aufgeschriebene Hymnus ist Ludwig von Toulouse gewidmet. Ludwig war der zweite Sohn Karls II. von Anjou, König von Neapel und Großneffe Ludwigs IX., des Heiligen. Er wurde 1274 bei Salerno geboren und starb 1297 in Brignoles (Provence). In den Jahren 1288-1295 war Ludwig als Geisel in Barcelona, wo er Kontakt zu den Franziskanern auf- nahm. Er verzichtete 1296 auf die Krone von Neapel zugunsten seines Bruders Robert. Ludwig trat in den Franziskaner-Orden ein und wurde von Papst Coelestin II. 1294 zum Erzbischof von Lyon und unter Bonifatius VIII. 1295 zum Erzbischof von Toulouse ernannt. Trotz seines kurzen Lebens, er starb am 19. 8. 1297 an einer Krankheit, die er sich in der Gefangenschaft zugezogen hatte, wirkte er überaus segensreich und wurde deshalb 1317 heiliggesprochen.36) Durch seinen aufsehenerregenden Ordenseintritt, durch seine

 

 

Der Reim wurde in diesem Gesang bewusst als Kunst- und Aussagemittel angewandt. Fest verbunden sind die beiden ersten Strophen durch den einen sich wiederholenden zweisilbigen Reim (ia). Bei allen Strophen reimen sich die erste und dritte, sowie die zweite und vierte Zeile. Dieses System entspricht der sog. a b a b – Form. Crucis Christi mons Alverne 34) ist in frühen OFM-Quellen nicht vorhanden. Auch im Brevier wird zum Fest der Stigmatisation meistens ein anderer Hymnus eingesetzt.35)

Liebe zu den Armen und durch seine Demut verbreitete sich sein Kult über ganz Europa. Er wird oft als auffallend junger Bischof im Franziskanerhabit dargestellt 37).

Vom nachfolgenden Gesang ist im handschriftlichen Teil nur die 3.-5. Strophe des Hymnus Dum medium silentium38) erhalten geblieben. Der Textanfang des Hymnus wurde dem AT (Sap. 18, 14) entnommen und ist gleichzeitig der Beginn des Introitus vom Sonntag nach Weihnachten (besonders am 29. oder 30. 12.).

Nach dem Hymnus Crucis Christi mons Alverne steht in der rechten Ecke der linken Seite die Festankündigung für Ludwig. Durch das herausgeschnittene Blatt ist der Text dieses Gesanges wiederum fragmentarisch. Das erklärt auch den Beginn des Ludwigs-Hymnus mit der 3. Strophe, deren erste Zeilen fehlen. Der Text wurde ergänzt und in Klammern gesetzt.

IN FESTO S. LUDOVICI <19. 8.> Ad nocturnum Ymnus 39)

1. < Dum medium silentium Noctis nunc tenent omnia, Coetus cantet fidelium Ludovici praeconia

2. In nocte nempe saeculi Plenus fulsit virtutibus Clarus director populi Velut coelum sideribus.

3. Hic splendet sapienta, Ni>tescit et virginitas, Rorat misericordia Rubetque fervens caritas.

4. Hic40) regulat reliogio Motum firmat tranquillitas, Extollit contemplatio, Parvificat humilitas.

Der Hymnus besitzt 8 Strophen, die auch am Ende unvollständig vorhanden sind. Auffallend in den noch vorhandenen Strophen sind die letzten Worte jeder Zeile. Hier setzte der Dichter jeweils Begriffe christlicher Tugenden ein. Diese entstammen in erster Linie den Texten des NT: Sapientia, Virginitas, Misericordia, Caritas, Religio, Tranquilitas, Contemplatio, Humilitas, Virtus. Damit wird Ludwig von Toulouse in die Reihe der Heiligen gestellt, die diese Tugenden besaßen.

Zusammenfassung

Rekapitulierend kann festgestellt werden, dass dieses liturgische Buch für den Franziskanerorden gedruckt wurde. Besonders zeigt sich dies an den Eintragungen im Kalendarium, im Hymnarius und an dem Zusatz: Secundum Consuetudinem Romane Curie, der in allen Franziskaner-Handschriften und Drucken benutzt wurde. Im Kalendarium sind verehrte, heiligmäßige Ordensleute schon vor ihrer offiziellen Heiligsprechung aufgenommen worden. Obwohl die Jahreszahl des Druckes fehlt, deutet alles darauf hin, dass das Exemplar kurz nach 1500 gedruckt wurde. Interessant ist die Responsorienfolge der Liturgia Defunctorum, die mit dem Responsorium Subvenite sancti beginnt, was als äußerst selten angesehen werden kann. Alle Aufzeichnungen wurden, trotz ihrer verschiedenen Schreiberinnen, im Laufe des 16. Jahrhunderts in einer „Süddeutschen Bastarda“ geschrieben. Die Hymnen wurden nicht immer chronologisch aufgezeichnet. So steht der Hymnus zur Stigmatisation des heiligen Franziskus am 17. 9. vor dem Hymnus des heiligen Ludwigs am 19. 8. Das Klarissenkloster in Villingen zeigt mit diesen Aufzeichnungen starke Verbindungen zum Franziskanerorden, wie es von Clara von Assisi bestimmt war und auch in der Chronik des Bickenklosters zum Ausdruck gebracht wird. Dort wird der Tag der Aufnahme von Barbara Payer in das Kloster zu Villingen als die Oktav des „liebgehabten vatters sanct Ludwigstag“41) (26. 8.) bezeichnet. Die Schwestern haben mit großer Sorgfalt ihre Gebetbücher gestaltet. Die Auszierung der Initialen zeigt die Liebe zum Detail, und dass im Kloster Sankt Clara zu Villingen großer Wert auf schön geschriebene Codices gelegt wurde. Da nicht jedes Kloster ein Skriptorium besaß, wurden in weniger bekannten Klöstern oft nur Gebrauchsaufzeichnungen hergestellt, oder die handschriftlichen Partien in Auftrag gegeben. Im Villinger Konvent aber wurde selbst geschrieben, gelegentlich auch für andere Klöster. Die Eintragungen in das liturgische Buch, vor allem die der Hymnen, zeugen von einer beachtenswerten Schreibkultur im Villinger Kloster. Die Texte und Notationen wurden mit großer Sorgfalt ausgeführt. Es zeigt, dass in Villingen eine bedeutende klösterliche Schreibkultur herrschte, und uns bleibt nur die Möglichkeit, diese Kostbarkeiten zu bewahren und der heutigen Bevölkerung diese Werte zu vermitteln.

 

 

Anmerkungen:

1) PASCHER, JOSEPH: Das Stundengebet der römischen Kirche. München: Fink, 1954 S. 57.

2) In Lucantonio Giuntas (1457- 1538) Publikation des „Psalmista secundum usum monasticum“ vom 17. 11. 1507 wurde der Holz- schnitt David mit der Harfe verwendet, in: Incunabula from the Court Library at Donaueschingen, Auctions-Katalog Juli 1994 Sotheby London Nr. 272 S. 217. Es ist, wie im Text erläutert, nicht nur der Holzschnitt, sondern auch das Druckerzeichen, das genaue Auskunft über den Verlagsort gibt.

3) SARTORI, CLAUDIO: Giunta. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG). Bd. 5 Kassel: Bärenreiter, 1949. Nach- druck, München/Kassel: Deutscher Taschenbuch-Verlag / Bärenreiter, 1989 Sp. 202-204.

4) Die sieben Herzen besitzen doppelten Symbolcharakter. Schon in der babylonischen und israelitischen Religion war die 7 eine Zahl der Vollkommenheit. Sie wurde von den Griechen und von Augustinus übernommen. Das NT und die christliche Tradition haben mit den 7 Sakramenten, den 7 Bitten des Vaterunser, der 7-Zahl der Tugenden, der Todsünden, der Gaben des Heiligen Geistes und der Werke der Barmherzigkeit diese Linie fortgesetzt (LThK. Bd. 10 Sp. 1303). Das Herz als zentrales Körperorgan steht für das Zentrum des geistigen Lebens und für den Sitz der seelischen Kräfte. Somit auch als Sitz des Erkennens und Denkens (1 Kg 3,11). Die Verehrung des Herzen Jesu war im Mittelalter besonders durch die deutsche Mystik geprägt (LThK. Bd. 5 Sp. 289-292).

5) Dieser Hymnus befindet sich schon im Antiphonar aus Bamberg, cod. lit. 23, 12. Jh. Staatl. Bibliothek Bamberg und im Antiphonar aus Silos, 30850, 11. Jh. Brit. Museum London; AH 51, 46.

6) KIRCHLICHES HAND-LEXIKON, Hg. Michael Buchberger, Bd. 2. Freiburg: Herder, Sp.1626.

7) LThK: Hg Josef Höfer / Karl Rahner.Bd. 3. Freiburg: Herder 1959, Sp. 174ff.

8) Heute geht die Wissenschaft davon aus, dass David zwar einige Psalmen gedichtet habe und somit den Grundstein zum Psalterium gelegt haben könnte, aber es wird nicht mehr angenommen, dass die David zugeschriebenen Psalmen unverändert überliefert sind. WERNER, ERIC: Psalm, in: MGG. Bd. 10 Sp. 1688.

9) Im Kalendarium wurde der 6. 7. angegeben.

10) FUSSENEGGER, GEROLD: Portiunkula, in: LThK. Bd. 8 Sp. 625-626.

11) Septuaginta = alte griechische Bibelübersetzung circa 285-246 vor Christus.

12) „Man benutzt die Musikinstrumente wie Zither und Saitenspie- le nicht in der Kirche zum göttlichen Lob, damit es nicht scheint, dass man dem jüdischen Glauben zugetan sei.“

13) THALHOFER, VALENTIN: Erklärung der Psalmen. 5. Aufl. Regensburg: Verlags- Anstalt, 1889 S. 3.

14) PASCHER, JOSEPH: Das Stundengebet der römischen Kirche. S. 88f.

15) STORK, HANS-WALTER: Psalter / Hymnar, in: Biblioteca Apostolica VATICANA. Liturgie und Andacht im Mittelalter. Hg. Erzbischöfliches Diözesanmuseum Köln. Stuttgart. Belser-Verlag, 1992 S.52.

16) WELLNER, FRANZ: Psalmen, Hymnen und Sequenzen, in: Adam von Sankt Viktor. Sämtliche Sequenzen. 2. Aufl. Kempten: Kösel, 1955 S. 22-28.

17) RECH, HILDEGARD: Äbtissin Ursula Haider. S. 23. In der Chronik des Bickenklosters zu Villingen von 1238-1614 von KARL JORDAN GLATZ wird erwähnt: „Item sch(w)ester JULIANA ERNSTIN von Villingen ist ingeschlossen uf sant Pantaleons tag, was dozemol uf ain sontag im 16(0)3 jar, ihres alters im 15 jarr“.

18) STÄBLEIN, BRUNO: Hymnar. In: MGG, Bd. 6, Sp. 986f.

19) STÄBLEIN, BRUNO: Hymnus. In: MGG, Bd. 6, Sp. 1000.

20) Benedict v. Nursia schreibt in seiner Regula für jede Hore einen Hymnus vor. Vgl. Regula Benedicti, hg. im Auftrag der Salzburger Äbtekonferenz. Beuron: Beuroner Kunstverlag 1992, p. 117.

21) STÄBLEIN, BRUNO: Hymnus. In: MGG, Bd. 6, Sp. 1000.

22) IRTENKAUF, WOLFGANG: Hymnus. A. Der lateinische Hymnus. In: LThK, Bd. 5, Sp. 569-572.

23) Die Sonne bewacht den Untergang, der Mond bewahrt seinen hellen Schein, der Glanz erstrahlt in den Sternen wieder und befolgt die festgesetzten Wege.

24) „Item Bärbelin Payerin ist ingeschlossen uf zinstag nach sant Franciscus tag im 1516 jar, und was alt uf mitwochen nach sanct Michelis 11 jar, und hat der convent quittiert für väterlich und muetterlich erb. Die andern erbfel sind dem gotthus vorbehalten.“ In: Glatz, Karl Jordan: Chronik des Bickenklosters zu Villingen (1238-1614), Tübingen 1881, S.148. „Item Barbara Payerin, genannt Küefferin, ist ingeschlossen uf die octauf unsers liebgehabten vatters sanct Ludwigs tag im 1542 jar, und ward sy darnach uf sanct Mar- tins tag 13 jarr alt. All erbfäll sind dem gozhus vorbehalten.“ Glatz: Chronik des Bickenklosters, S. 150.

25) Kustoden zeigen die Höhe des in der nächsten Zeile stehenden Tones an (custos = Wächter).

26) Es sind im Responsoriums-Katalog von Knud Ottosen von ca. 2000 untersuchten Quellen gerade sechs, die sich ausschließlich in romanischen Ländern befinden. OTTOSEN, KNUD: The Responsories and Versicles of the Latin Office of the dead. Aarhus: Aarhus University Press, 1993 S. 200-201.

27) ODERMATT, AMBROS: Ein Rituale in beneventanischer Schrift (Spicilegium friburgense 26), Fribourg, 1980 S. 236.

28) THALHOFER, VALENTIN: Erklärung der Psalmen. S. 568.

29) Antiphonar/Silos: London, Brit. Museum, Add 30850. 11. Jh. und Antiphonar/Benevent: Chapitre V. 21, St. Loup/Benevent. Beide Hss. ed. CAO II, III, IV. Roma: Herder 1965.

30) Epitaph = Inschrift auf einem Grabstein.

31) AH. Bd. 50 S. 14; AH. Bd. 51 S. 219.

32) FUSSENEGGER, GEROLD: Alverna, in: LThK. Bd. 1 Sp.410.

33) AH. Bd. 4 S. 140. Dieser Hymnus steht auch im Hymnarius des gedruckten Teils und zwar vor: In Visitatione S. Mariae. ( In Visitatione S. M. am 2. 7., In Festo Stigmatum S. Francisci am 17. 9.)

34) Erstmals in: Cod. S. Peter, Salisburg. a. VI. 52. saec. XV.

35) BREVIARIUM ROMANUM. Pars autumnalis. Ratisbonae et Romae: Pustet, 1914 p. 426.

36) LCI. Bd. 7, Sp. 442-445.

37) STÖCKERL, DAGOBERT: Ludwig von Toulouse, in: LThK. Bd. 6 Sp. 1196.

38) AH. Bd. 4 S. 188.

39) Hier wird erstmalig der Begriff Hymnus in der handschriftlichen Aufzeichnung verwendet.

40) In AH steht hunc, was auch grammatikalisch richtig ist.

41) GLATZ, KARL JORDAN: Chronik des Bickenklosters zu Villingen 1238-1614. Tübingen, 1881 S. 150.

Abkürzungsverzeichnis:

AH     Analecta hymnica medii aevi., 55 Bände. Hg. Dreves, Guido Maria, Clemens Blume und Henry Bannister. Leipzig: Reisland, 1886-1922.

CAO    Corpus Antiphonalium Officii, 6 Bände, ed. J.R. Hesbert, Roma: Herder, 1963-1979.

LCI     Lexikon der christlichen Ikonographie, 8 Bände. Hg. Engelbert Kirschbaum, Nachdruck von 1968-1976. Rom/Freiburg/Basel/Wien: Freiburg: Herder, 1994.

LThK     Lexikon für Theologie und Kirche. 10 Bände. Hg. Jo- sef Höfer, Karl Rahner, Freiburg: Herder, 1957-1965.

MGG     Die Musik in Geschichte und Gegenwart. 10 Bände. Hg. Friedrich Blume, Nachdruck von 1949. München: Deutscher Taschenbuch-Verlag und Kassel/Basel/London: Bärenreiter, 1989.

OFM     Ordo Fratrum Minorum (Franziskaner).

OESA    Ordo Fratrum Eremitarum S. Augustini (Augustiner Eremiten).

OP    Ordo Fratrum Predicatorum (Dominikaner).

OSCI    Ordo Sanctae Clarae (Klarissen)

Bibliografie:

Dreves, Guido Maria, Blume, Clemens,    Analecta hymnica medii aevi. Hymnii antiquissimi.

Bannister, Henry (Hg.): Bd. 5, Leipzig: Reisland 1908.

Fussenegger, Gerold:     Alverna, in: LThK. Bd. 1, Freiburg: Herder 1957.

Fussenegger, Gerold: Portiunkula, in: LThK. Bd. 8, Freiburg: Herder 1963.

Glatz, Karl Jordan: Chronik des Bickenklosters zu Villingen von 1238-1614. Tübingen, 1881.

Irtenkauf, Wolfgang: Hymnus. A. Der lateinische Hymnus, in: LThK. Bd. 5, Freiburg: Herder 1960.

Kunz, Lukas: Totenoffizium, in: LThK. Bd. 10, Frei- burg: Herder 1965.

Odermatt, Ambros:    Ein Rituale in beneventanischer Schrift(Spicilegium friburgense 26). Fribourg 1980.

Ottosen, Knud: The Responsories et Versicles of the Latin Office of the dead. Aarhus University Press 1993.

Pascher, Josef:    Das Stundengebet der römischen Kirche. München: Fink 1954.

Rech, Hildegard: Äbtissin Ursula Haider (1413-1498). Ein Beitrag zur Heimatgeschichte von Villingen. Villingen: Wiebelt 1937.

Rehm, Martin:    David. In: LThK. Bd. 3, Freiburg: Herder 1959.

Sartori, Claudio: Giunta, in: MGG. Bd. 5. München: Deutscher Taschenbuchverlag und Kas- sel/Basel/London: Bärenreiter 1989.

Schlötterer, Reinhold: Hymnodie, in: LThK. Bd. 5, Freiburg: Herder 1960.

Schnitzler, Theodor,    Begräbnis, IV. Liturgisch, in LThK. Bd. 2, Jungmann, Andreas:     Freiburg: Herder 1958.

Stäblein, Bruno: Hymnar. In: MGG. Bd. 6, München: Deutscher Taschenbuchverlag und Kassel/ Basel/London: Bärenreiter, Nachdr. 1989.

Stierli, Josef: Herz-Jesu, in: LThK. Bd. 5 Freiburg: Her- der 1960.

Stöckerl, Dagobert:    Ludwig von Toulouse, in: LThK. Bd. 6 Freiburg: Herder 1961.

Stork, Hans-Walter: Psalter/Hymnar. In: Biblioteca Apostolica Vaticana. Liturgie und Andacht im Mittel- alter. Hg. Erzbischöfliches Diözesanmuse- um Köln. Stuttgart: Belser-Verlag 1992.

Thalhofer, Valentin: Erklärung der Psalmen. 5. Aufl. Regensburg: Verlags-Anstalt 1889.

Wagner, Peter:    Psalmista, in: Kirchliches Hand-Lexikon. Bd. 2 Freiburg: Herder 1912.

Wellner, Franz: Psalmen, Hymnen und Sequenzen, in: Adam von Sankt Viktor. Sämtliche Sequenzen. 2. Aufl. Kempten: Kösel 1955.

Werner, Eric: Psalm, in: MGG. Bd. 10. München: Deutscher Taschenbuch-Verlag und Kas Jungmann, Andreas: sel/Basel/London: Bärenreiter 1989.