Villinger Schemenschnitzer hoch geehrt (Redaktion)

Manfred Merz mit Kulturpreis ausgezeichnet Narrozunft bei Ehrung in Düsseldorf

Manfred Merz wurde in Düsseldorf mit dem Kulturpeis der Deutschen Fastnacht ausgezeichnet. Die hochrangige Verleihung findet nur alle drei Jahre statt. Volker Wagner, Präsident des Bundes deutscher Karneval, überreichte dazu eine hochwertig anmutende Skulptur, die eine Surhebelscheme, umschlungen von einer Eulenspiegelfigur zeigt.

 

Dass Manfred Merz zu den ganz Großen der Schwäbisch-Alemannischen Fasnet zählt, ist nicht nur den Villingern bekannt. Und wenn jemand vom »Schemenpapst« spricht, dann weiß jedes Kind, wer da gemeint ist. Seine Kunst als Holzbildhauer ist oft und oft gewürdigt worden und er hat so ziemlich alles bekommen, was es an Ehrungen und Auszeichnungen auf dem großen Gebiet der Fasnetbrauchtumspflege gibt. Weit über die Stadtmauern hinaus hat sich der Villinger Schemenschnitzer, der auch seit vielen Jahren Mitglied im Geschichts- und Heimatverein (GHV) ist, und sich dort auch schon aktiv an der Programmgestaltung beteiligt hat, eine guten Namen gemacht. Jetzt wurde der 77jährige Villinger aber bei einer ganz besonderen Ehrung bundesweit in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt: Der Bund deutscher Karneval verlieh ihm den Kulturpreis der deutschen Fasnacht. Zu dieser Verleihung, die im Rahmen einer Präsidialtagung dieses Bundesverbandes stattfand, waren nicht nur Mitglieder der Villinger Narrozunft mit ihrem Führungsteam nach Düsseldorf gefahren, sondern auch der Leiter der Villinger Südkurier-Lokalredaktion, Norbert Trippl, der uns freundlicherweise seinen Zeitungsbericht und Bilder von dieser Feier zur Verfügung gestellt hat.

Manfred Merz lächelte. Wer ihn kennt, der wußte, sein Herz hüpfte, als um 10.57 Uhr im Düsseldorfer „Theater an der Kö“ eine echte Bühnen- Premiere stattfand. Zwei Stachis mit dem Morbili am Arm und zwei Narros zogen, angeführt von Manfred Riegger, vor 300 Karnevalisten zum Klang des Narrenmarsches ein. Wenn die Fasnet die Helau-Brüder trifft, dann geht auch das irgendwie gut. Brüder im Geiste, jeder mit eigener Kultur, mit eigenen Riten. Der Villinger, der seit fast 50 Jahren dem Rat der Villinger Narrozunft angehört, saß in einem Armlehnstuhl auf der Düsseldorfer Bühne, als die Laudatoren sein Lebenswerk würdigten. Man darf nicht sagen, dass er das Prozedere über sich ergehen ließ. Er war voller Stolz, als ihm sein Preis, ein beeindruckendes Kunstwerk mit integrierter Surhebel-Scheme, überreicht wurde.

Elf Mann aus der Villinger Zunft waren mit dem gelernten Bildhauermeister nach Düsseldorf gereist. Zunftmeister Joachim Wöhrle, sein Vize Hans-Jörg Voggenreiter und Säckelmeister Wolfgang Faißt vorneweg. Sieben harte Autoreisestunden hatten sie auf sich genommen, um an der Seite ihres längjährigen Zunftarchivars und Kammerverwalters sein zu können. Uschi und Hansjörg Fehrenbach, Constanze und Albert Helmstädter, Armin Räch, Andreas Winderlich, Manfred Riegger und Ingrid Beck waren mit vor Ort. Manfred Merz ist der Villinger Schemenschnitzer der Nachkriegszeit schlechthin. Der Mann, der Domenicus Ackermann, den legendären Ölmüller, als Vorbild nennt, hat mit dieser Auszeichnung erreicht, was noch keinem Narren zwischen Villingen und Bodensee zuteil wurde. Das Wirken von Manfred Merz ist mit dieser Auszeichnung deutschlandweit gewürdigt, manifestiert für immer, auf höchster Ebene.

Der mit dem Kulturpreis vor drei Jahren geehrte Karnevalist Hans Joachim Schumacher entblätterte eine versierte, fundierte und durchaus einfühlsame Laudatio auf der Düsseldorfer Bühne. Merz sei nun eingereiht in Persönlichkeiten der Fastnacht, die mit dieser Auszeichnung, nur alle drei Jahre verliehen, dekoriert sind.

Die Verleihung, die im Rahmen einer Präsidialtagung des Bundes deutscher Karneval in Düsseldorf stattfand, machte durchaus deutlich, dass Alaaf und Narri-Narro in ihren Zielen zusammengehören. Die Tradition des Narros riss aber im Düsseldorfer Kö-Theater selbst distinguiert auftretende Herrschaften von den Sitzen, als die Villinger Hästräger zu Ehren von Manfred Merz mit Narrosprung und Rollenklang auf die Bühne zogen. Dass dennoch mehr Freundschaftsbegegnungen erforderlich sind, wurde klar, als es dem Karnevalisten- Präsidenten Volker Wagner auf offener Bühne an der richtigen Aussprache ermangelte.

Gut, dass auch Rolf Fußhoeller vor Ort dabei war. Der VS-Bürgermeister war als gebürtiger Kölner und Fasnachts-Fan in seinem Element, als er angesichts solcher Säumnisse den Rheinnarren gleich keck ins Gebälk grätschte und erwirkte, dass fortan bei der Ehrungsveranstaltung für das Wort Scheme mit spitzem Mund stets zwei Varianten formuliert wurden.

Manfred Merz bedankte sich für die Auszeichnung mit einer Schenkung. Er übergab in Düsseldorf eine feingliedrige Morbili-Scheme an das Deutsche Fastnachtsmuseum. Mit Manfred Merz zeichnet der Bund deutscher Karneval einen Künstler aus, der mit der Kraft seiner Hände und mit ganz viel Überzeugung nicht nur die Fasnacht geprägt hat. Viele Madonnenfiguren aus seiner Werkstatt schmücken Kirchen unserer Region. Nicht von ungefähr hat die Fastnacht ja auch ihren Platz im Jahreskalender heimatverbundener Christen.

Der Villinger Schemenschnitzer, der in seiner Werkstatt in der Südstadt schon viele Schnitzer- Nachwuchs-Ambitionen betreut hat, genießt bei echten Villingern eine herausragende Sonderstellung seit Jahrzehnten. Schon 1998 schnitzte Merz ein halbes Jahrhundert lang Fasnetmasken. Die Verleihung des Kulturpreises unterstreicht die einzigartige Eleganz und Klarheit seiner Stücke. Manfred Merz hat ein Arbeitsleben geleistet, das von Hingebung zum Metier immer schon geprägt war. Seine Masken strahlen eine geheimnisvolle Schönheit, Tiefe in der Farbigkeit und Geradlinigkeit in ihrem Wesen aus. Ein Träger einer Merz- Scheme würde beim Villinger Umzug hervorstechen. Noch gibt es hier ganz viele Narros, Surhebel und Morbili aus seiner Hand. Klasse als Masse. Dass eine Delegation der Villinger Narrozunft unterm Jahr die Stadtmauern verließ, um als Begleitung die Ehrung eines der Ihren zu umrahmen, dass nun eine Merz-Scheme im Deutschen Fastnachtsmuseum aufgehängt wird, das unterstreicht die ganze Erhabenheit einer Tradition, die das Leben der Villinger auch im Zeitalter des Internets prägt, man darf sogar sagen: beschwingt. Villinger Hästräger in Düsseldorf. Zwei Narros, zwei Stachis und zwei Morbili sowie eine Altvillingerin und Bürgerwehr-Präsident Manfred Riegger begleiteten Manfred Merz zur bedeutsamsten Ehrung seines Künstlerlebens. Auf der Bühne im Theater an der Kö ließen die Villinger die Rollen zum Narromarsch erklingen.

Villinger Hästräger in Düsseldorf. Zwei Narros, zwei Stachis und zwei Morbili sowie eine Altvillingerin und BürgerwehrPräsident Manfred Riegger begleiten Manfred Merz zur bedeutsamsten Ehrung seines Künstlerlebens. Auf der Bühne im Theater an der Kö ließen die Villinger die Rollen zum Narromarsch erklingen.