Aus der Arbeit des Stadtarchivs (Teil 3) Ute Schulze

Wie schon in den beiden letzten Ausgaben des Jahreshefts des Geschichts- und Heimatvereins Villingen möchte ich auch diesmal wieder einige Aspekte aus unserem Stadtarchiv vorstellen.

Wir bemühen uns ständig, die Nutzungsituation zu verbessern, indem wir neue oder auch schon länger im Archiv befindliche Bestände durch eine inhaltliche Erschließung für die Forschung zugänglich machen.

Zur Zeit wird unter anderem der Nachlass von Theo Arnold (1914–1997) verzeichnet. Er war lange Jahre Leiter des Hauptamts der Stadt Villingen bzw. Villingen-Schwenningen. Er hat sich sehr um die Städtepartnerschaften, v.a. die mit Pontarlier, bemüht. So findet sich in seinem Nachlass eine große Anzahl von Fotos und Unterlagen zu diesem Thema. Archivmitarbeiter Dieter Baumann ordnet die Unterlagen und erfasst sie mit unserem Verzeichnungsprogramm AUGIAS-Archiv.

Die Nachfrage der städtischen Ämter nach Unterlagen, welche sie bereits (teilweise vor langer Zeit) an das Archiv abgegeben haben, ist ungebrochen. Yvonne Köhler, die gerade im Juli mit Erfolg ihre Ausbildung zur Fachangestellten Medien- und Informationsdienste Fachrichtung Archiv abgeschlossen hat, bearbeitet zur Zeit eine Aktenablieferung des ehemaligen Rechtsamts (heute Stabsstelle Juristischer Dienst).

Dieter Baumann

 

 

Yvonne Köhler

 

Für diese juristisch relevanten Akten lag bisher kein Findmittel vor. Auch Bestände, für die es Aktenpläne oder Ablieferungslisten gibt, bedürfen häufig der tieferen Erschließung. Besonders die Unterlagen, die nicht mehr unter Sperrfristen fallen und somit für alle Bürgerinnen und Bürger einsehbar sind, müssen so geordnet und verzeichnet sein, dass sie die an sie gestellten Fragen beantworten können. Daher ist die Verfasserin gerade mit der Aufarbeitung der Überlieferung der Hauptregistratur der Stadt Schwenningen     beschäftigt.

 

In der Rietstraße 37, im sogenannten Osiander-Haus, ist das Stadtarchiv untergebracht. Hinter den alten Mauern des historischen Gebäudes schlummern wertvolle Dokumente der Stadtgeschichte, die von kompetenten Fachkräften sorgsam gehütet, bewahrt und gepflegt werden.

 

Hierbei müssen auch Unterlagen anderen Registraturbildnern – die Archivare sprechen hier von Provenienzen – zugeordnet werden. Zum Beispiel haben sich auch einige Akten aus Mühlhausen in den Bestand „verirrt“ und werden nun dem Ortsarchiv wieder zugeführt. Gleichzeitig werden die Akten nach archivischen Kriterien umgelagert. Dies bedeutet das Entfernen von Büro- und Heftklammern und die Verpackung in säurefreies Papier und Archivboxen, die vor Staub schützen. Damit soll einer weiteren Schädigung des Papiers vorgebeugt werden. Durch große Umlagerungsaktionen in den letzten beiden Jahren mit Hilfe von Teilzeitkräften (im Rahmen des Bundessozialhilfegesetzes) konnten wir die Magazinsituation stark verbessern.

Neben unserer Sorge um den Erhalt von Informationen aus rechtlichen und historischen Gründen bemühen wir uns auch um neue Benutzer. Schon seit längerer Zeit haben wir immer wieder Studiengruppen und Schulklassen zu Gast. Erstmals besuchten uns in diesem Jahr auch unsere jüngsten Mitbürger. Eine Kindergarten- und eine Hortgruppe der Johanna-Schwer-Tagesstätte informierten sich über die Geschichte ihrer Einrichtung. Besonders die Technik unseres Mikrofilmlesegerätes hat die kleinen Gäste beeindruckt: dass eine so große Zeitung auf so einen kleinen Film passt. Auch die wissenschaftliche Forschung ist im Stadtarchiv zu Hause. Im Moment beschäftigt sich ein Doktorand mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Besatzungszeit, die Geschichte des Elektrizitätswesens wird untersucht, der Niedergang der Uhrenindustrie wird in den Blick genommen, eine Quellenübersicht zur Kirchengeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts ist in Arbeit und die Edition früher Urkunden von Frauen in Villingen wird 2005 erscheinen.

Die wissenschaftliche Spezialbibliothek von Stadtarchiv und Museen umfasst über 20.000 Bände aus den Sachgebieten Geschichte, Kunstgeschichte, Volkskunde, Museumskunde und Germanistik. Die Zugänge der Bibliothek im Zeitraum 1994–2004 liegen nun digital vor und können im Stadtarchiv recherchiert werden.