Oskar Wickert – Ein Leben für und mit der Kunst (Helmut Kury)

In diesem Jahr hätte Oskar Wickert seinen hundertsten Geburtstag feiern können. 1906 in Forchheim geboren, verbrachte er seine Kindheit und Schulzeit in Karlsruhe. Am dortigen Goethe- gymnasium machte er das Abitur und studierte anschließend an der Badischen Landeskunstschule, der heutigen Kunstakademie.

Im Jahr 1929 legte er die Staatsprüfung für das künstlerische Lehramt an höheren Lehranstalten ab. Zwei Jahre später folgte das Assessorexamen. Eine besondere musikalische Begabung befähigte ihn als junger Lehrer in Baden-Baden an der Richard-Wagner-Schule vorwiegend Musikunter- richt zu erteilen und in Karlsruhe ein renommier- tes Doppelquartett zu leiten. Sein Instrument war das Klavier.

1940 wird er Studienrat und Kunsterzieher am Gymnasium in Villingen. Hier lernt er seine späte- re Frau die Studienassessorin Lydia Lubberger ken- nen. Sie heiraten im Jahr 1941. Im Dezember 1942 wird er als Gefreiter der Infanterie eingezogen und macht die schweren Kämpfe an der Ostfront mit, gerät 1944 in russische Gefangenschaft und kehrt erst 1948 heim. Die körperlichen Strapazen des Krieges und der Gefangenschaft gingen nicht spur- los vorrüber, dennoch begann er im selben Jahr mit seiner Lehrtätigkeit am heutigen Romäusgymna- sium und war bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1971 dort tätig.

Aber nicht nur an der Schule war sein Sachverstand und seine Begeisterung für die Kunst anerkannt. Seine Mitarbeit und sein Rat waren im Volksbildungswerk sehr geschätzt. Zu seinem 60. Geburtstag schreibt Wegmann: „Seine Vorträge über die Großen der Malerei, wie Rembrandt, Spitzweg, Menzel und Cezanne gehören nicht von ungefähr zu den bestbesuchtesten Veranstaltungen im Villinger Volksbildungswerk. undiertes Sachwissen, ein ausgezeichnetes Gedächtnis und die Gabe, dem Zuhörer die Materie in klarer, allgemein verständlicher Sprache nahe zu bringen, vereinigen sich in Oskar Wickert in seltener Harmonie und verleihen seiner Aussage Überzeugungskraft.“ Auch berichtete er viele Jahre im Südkurier kritisch und mit großem Sachverstand über kulturelle Ereignisse. Als Villinger Künstler 1953 beschlossen, einen Verein zu gründen, um einmal im Jahr auszustellen, war er einer der Gründungsmitglieder. Dieser Kunstverein war von Anfang an ein kulturelles Ereignis in der Stadt. Ab 1959 übernahm Oskar Wickert das Amt des ersten Vorsitzenden. Zwanzig Jahre behielt er dieses Amt. Es gab keine Jury, in dieser Gemeinschaft wurde jede Art der Bevormundung konsequent durch Selbstkritik ersetzt. In diesen Ausstellungen, die immer schon Verkaufs- austellungen waren, zeigten die Künstler der Öffentlichkeit die Ergebnisse eines Arbeitsjahres. Auch Oskar Wickert stellte hier regelmäßig aus. Seine Bilder, die vom französischen und deutschen Impressionismus ihre Anregung erhielten, waren oft Blumenstücke, Wasserlandschafte, Ansichten von Villingen und dem Schwarzwald und ganz besonders gern malte er an seinen Urlaubsorten.

Es überraschte mich gar nicht, dass ich in vielen Villinger Familien Bilder für diesen Bericht fand und oft gab es noch eine ganz persönliche Ge- schichte zum Erwerb.

Oskar Wickert beherrschte viele Techniken. So gibt es neben Ölbildern und Aquarellen auch viele Radierungen und Holzschnitte, wie Boote auf dem Wasser, die Jahreszeiten, lesendes Mädchen u.a. Sicher einer der Höhepunkte seines Schaffens war die Gestaltung der Fenster in der Heilig-Geist- Kirche in Mönchweiler, vom Architekten Erwin Foos gebaut und 1972 geweiht. Mit der größten Farbigkeit hinter dem Altar beginnend, als zentra- ler Mitte der Messfeier, entwickeln sich sieben Feuerzungen als Symbol der sieben Gaben des Heiligen Geistes, setzen sich die Fenster, die spie- gelbildlich gestaltet sind, mit Zeichen und Gegenständen fort, mit Taube, Kreuz, Kelch, Kerzen, Sonne, Mond und Sterne. Berge, Tannen, Wiesen und Wälder sind als heimatlicher Bezug gedacht. Die Fenster der Rückseite sind abstrakt- ornamental gehalten.

Der Altarraum wurde von Klaus Ringwald gestal- tet. Durch Gestaltung und Farbgebung findet der Gläubige in diesem Kirchenraum Ruhe und Ge- borgenheit, kann von den Alltagssorgen abschalten und inneren Frieden finden.

Seit Anfang der siebziger Jahre gab es in Villingen die Saba-Malgruppe deren Mäzenin Gretel Scherb war. Es war eine kleine Gruppe Malbegeisteter, der Malen Freizeitbeschäftigung und Entspannung vom Arbeitsalltag war. Die Jahresaustellung fand im Alten Rathaus statt und Dr. Josef Fuchs, dort Hausherr, ewies sich als fachkundiger Berater.

 

Werkbesprechung mit Max Müller

 

Als Oskar Wickert als Betreuer zu der Gruppe, kam bestand sie schon ein Jahrzehnt. Neben der Öl- und Aquarellmalerei brachte er in der wöchentlichen Unterrichtsstunde eine Vielfalt von neuen Techniken und Materialien ins Übungsprogramm wie Tusche und Wachskreide, er ermutigte zur Lithografie und Radierung. Den Hobbymalern wurde so der Phantasie freien Gestaltungsraum gegeben, in der sie ihre eigene, individuelle Sprache fanden.

Viele Jahre war Oskar Wickert mein Lehrer in Kunsterziehung. Ich erinnere mich noch gut an seine Dia-Vorträge über die französischen Impres- sionisten, die er kenntnisreich und begeisternd vor- führte, auch die sozialen Hintergründe die er zu Degas‘ Absinthtrinkerin oder der Büglerin schilder- te, haben mich sehr beeindruckt. Stand Portrait- malen auf dem Lehrplan, verlangte er nie, dass jeder das kann. Es gab immer Ausweichthemen, so dass jeder etwas finden konnte und auch eigene Themen, etwa ein zu Hause gemaltes Stilleben, wurde honoriert.

Rauhenmühle

 

 

Boote am See

 

So machte er uns Mut zu eigenem Gestalten und machte uns neugierig zu eigener Kunstbetrachtung. Welchen Stellenwert die Kunst in seinem eigenen Leben hatte, zeigt ein Zitat anlässlich einer Ausstellungseröffnung     am 18. 11. 1978: „Landauf, landab zeigt es sich, in einer nie dagewesenen Fülle gut besuchter Kunstausstellungen, dass der Mensch heute sich wieder mit der Kunst beschäftigt, durchaus nicht als Flucht aus einer belastenden Gegenwart, sondern weil er im Unterbewussten ahnt, dass es außer der Wirklichkeit des täglichen Lebens noch ein Reich gibt, ein Reich des Geistes und der Seele, ein Reich, das zwar unsichtbar aber nicht unwirklich ist, sondern als Wirklichkeit in dieses unser Leben gehört.“ Zuletzt gilt mein Dank all denen, die mir ihre Bilder großzügig zum Fotografieren überließen und den Familien Kerbel in Seckach und Bietigheim, die mir ihr Familien- album ausliehen.

 

 

Bickentor mit Kloster

 

Am Pulvertürmle

 

Landschaften

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blick vom Hubenloch

 

Italienische Impression

 

Baum im winter

 

Reichenau

 

Vier Jahreszeiten

 

 

Heilig-Geist-Kirche Mönchweiler