Ein Villinger Franziskanermönch wird Buchbinder in Zürich (Christian Sieber)

Balthasar Maler (um 1485–1585) und seine Familie

Einleitung

Migration ist kein auf die Moderne beschränktes Phänomen. Gerade die spätmittelalterliche Gesellschaft war – gemessen an ihrer Verkehrs- und Transportinfrastruktur – außerordentlich mobil. Und heutigen Verhältnissen ganz ähnlich folgten die Wanderungsbewegungen primär wirtschaftlichen Überlegungen. Namentlich Handwerker und Gesellen waren in großer Zahl zwischen den Städten des Reichs unterwegs und dank ihrem Spezialwissen begehrte Fachkräfte und gleichzeitig aus demographischen sowie militärischen und fiskalischen Gründen willkommen. Während große Reichsstädte entsprechend ihren weit gespannten Beziehungen über ein ausgedehntes Einzugsgebiet von Zuwanderern verfügten, beschränkte sich dieses im Fall einer vorderösterreichischen Landstadt wie Villingen auf einen Umkreis von 30 bis 40 Kilometer. Konkret zogen also Leute beispielsweise von Schwenningen, Kirnach oder Hüfingen nach Villingen,1 während Leute von Villingen beispielsweise nach Straßburg, Basel oder Zürich auswanderten. Eine vollständige Statistik dieser Migrationsströme lässt sich nicht erstellen, immerhin finden sich in den Bürgerbüchern der Zielorte jeweils jene verzeichnet, die am neuen Wohnort auch das Bürgerrecht erwarben, so in Straßburg im Zeitraum 1440–1530 sechs, in Basel im Zeitraum 1358–1527 fünfundzwanzig, in Luzern im Zeitraum 1357–1479 fünf und in Zürich im Zeitraum 1351–1545 sieben Zuwanderer aus Villingen.2 Im Fall der Stadt Zürich, die im Spätmittelalter bei rund 5000 Einwohnern jährlich durchschnittlich rund 50 Zuwanderer (einschließlich Familienangehörige) ins Bürgerrecht aufnahm, ist in der Person von Balthasar Maler dank guter Quellenlage ein konkretes Beispiel eines Zuwanderers aus Villingen bis in die Einzelheiten dokumentiert, das es lohnt, hier nachgezeichnet zu werden.Die Familie Göderscher/Maler in Villingen Balthasar Maler3 war der jüngere Sohn von Balthasar Göderscher, der sich ab 1452 als Bürger in Villingen nachweisen lässt und hier rund 50 Jahre als Kunstmaler tätig war. Zugeschrieben werden ihm qualitätsvolle Malereien im Franziskanerkloster Villingen sowie Altarbilder in der Pfarrkirche Bräunungen4. In politischen Ämtern brachte es der Vater 1486 bis zum obersten Zunftmeister der Stadt, in militärischer Funktion war er 1476 Hauptmann in den Burgunderkriegen. Während „Maler“ bei Göderscher noch eine dem Familiennamen nachgestellte Berufsbezeichnung war („Balthasar Göderscher der Maler“), wurde sie bei seinen zwei Söhnen und seiner Tochter zum alleinigen Familiennamen ohne entsprechende Berufstätigkeit. – Balthasar Göderscher dürfte seinerseits der Sohn von Wilhelm Göderscher sein, einem Schneider, der 1434/35 noch als Hintersasse, 1437/39 aber als Bürger von Villingen bezeugt ist. Balthasar Göderscher muss um 1432 geboren worden sein, denn 1497 sagt er von sich, er sei 65-jährig.5 Aus erster Ehe hatte er einen Sohn namens Bernhard, der mit zwei Söhnen den Familienstamm in Villingen fortführte; allerdings blieb die Ehe des einen, Michael, ohne männliche Nachkommen, während der andere, Georg, nach dem Studium in Freiburg als städtischer Lateinschulmeister und dann vor allem als Arzt und Sanitätsbeamter des vorderösterreichischen Regiments in Ensisheim sowie unter dem latinisierten Namen „Pictorius“ als Verfasser naturwissenschaftlicher Schriften Karriere machen sollte. – Nach dem Tod seiner ersten Frau hatte Göderscher in fortgeschrittenem Alter nochmals geheiratet; aus der zweiten Ehe stammte neben Balthasar auch Ottilia Maler, die sich mit Johannes Pedius in Freiburg verheiratete. Im Herbst 1510 muss Göderscher, mittlerweile 78-jährig, gestorben sein, denn bei einem Besuch Kaiser Maximilians in Villingen Ende Oktober dieses Jahres war er noch am Leben, im Dezember aber hatte sich seine Witwe bereits mit Remigius Mans verheiratet.6

Dieser war also kurzzeitig Stiefvater von Balthasar Maler, bevor er im Juni 1513 in der Schlacht von Novara das Leben verlor.

Eine Jugend im Kloster

Balthasar Maler7 wurde um 1485 geboren, denn bei seinem Tod 1585 soll er 100 Jahre alt gewesen sein. Diese Altersangabe ist insofern glaubhaft, als er zu Lebzeiten jeweils „laut seiner eigenen Abrechnung“ über sein Alter Auskunft geben konnte. Der Vater ließ den spätgeborenen Sohn, „obwohl noch sehr jung“, ins Franziskanerkloster Villingen eintreten, wo der Knabe nicht nur seine religiöse Prägung, sondern zweifellos auch seine schulische Grundausbildung erhielt.8 Nach einiger Zeit wechselte Maler, wie bei den Franziskanern nicht unüblich, die Ordensniederlassung und trat ins Kloster Königsfelden im Aargau ein. Dieser auf den ersten Blick überraschende Wechsel in ein Kloster unter Herrschaft der Schweizer Eidgenossen wird bei näherer Betrachtung durchaus nachvollziehbar: Als habsburgische Gründung und bis 1770 Grablege mehrerer Herzöge, darunter des 1386 bei Sempach gefallenen Leopold III., war das Doppelkloster mit Franziskanermönchen und Klarissen noch immer in vielfältiger Weise mit der Herrschaft Österreich verbunden. Für das Jahr 1491 ist beispielsweise ein Besuch des Königsfelder Guardians Ulrich Schoch in Villingen bezeugt.9 Dem Konvent der Klarissen gehörten Frauen aus dem Niederadel der Nordschweiz und Süddeutschlands an.10 Maler blieb „viel Jahre“ in Königsfelden, wobei nähere Angaben über sein Klosterleben fehlen. Bekannt ist lediglich, dass ihm das Amt des Kustos übertragen wurde und dass er ein seinem Vater gegenüber gemachtes Wallfahrts versprechen in ein Geldopfer umwandelte.

Neuer Glaube, neuer Wohnort und neuer Beruf Mit Beginn der Reformation hören wir plötzlich mehr von Maler: Nach ersten neugläubigen Strömungen Ende 1523 und Auflösungserscheinungen im Konvent der Klarissen legte vermutlich im Jahr 1524 auch Maler die Mönchskutte ab und übersiedelte unter Verzicht auf seine materielle Lebensgrundlage „der Religion und dem heiligen Evangelium zuliebe“ nach Zürich. Vorbereitet wurde der radikale Einschnitt im Leben Malers durch die Lektüre der Schriften von Martin Luther und Huldrych Zwingli sowie des Neuen Testaments in deutscher Sprache. Die Stadt Zürich als Ziel Malers ergab sich neben der allgemeinen Ausstrahlung als Zentrum der Schweizer Reformation namentlich durch frühere Kontakte zu Mönchen im dortigen Franziskanerkloster, das dann Ende 1524 aufgehoben wurde. Auf der Suche nach einem neuen Lebenserwerb machte Maler seine Liebe zu den Büchern zum Beruf und erlernte das Handwerk des Buchbinders, und zwar in der berühmten Druckerei von Christoph Froschauer dem Älteren, der seinerseits einige Jahre früher aus Bayern zugewandert war. Dessen Betrieb erlebte in der Reformationszeit dank den Schriften Zwinglis und den Bibelausgaben seine goldene Zeit.11 1528 erhielt Maler für seine Arbeit an der Drucklegung der Akten der Berner Disputation eine Empfehlung von Zwingli höchstpersönlich, 1531 diente er Froschauer als Buchführer und überbrachte dem Berner Reformator Berchtold Haller den zweiten Band von Konrad Pellikans Kommentar zum Alten Testament.12 Später verrechnete er Zinszahlungen an das städtische Spital verschiedentlich mit Buchbinderarbeiten und Papierlieferungen.13

In der Zentralbibliothek und im Staatsarchiv Zürich konnten bis heute über 100 Bücher identifiziert werden, die Maler teils als Mitarbeiter von Froschauer, teils auf eigene Rechnung in Leder gebunden hat und bei denen er anschliessend das noch weiche Leder mittels Rollen und Stempeln kunstvoll bearbeitet hat. Das besondere Markenzeichen von Maler ist dabei ein in Zürich einzigartiger Stempel, der eine Tulpe in einer Vase zeigt. Nachweisen lässt er sich bis ins Jahr 1569, Maler war also noch im hohen Alter berufstätig.14 Neben vielen anderen gehörten auch Gelehrte wie Heinrich Bullinger oder Johannes Fries zu den Kunden von Maler.15

Heirat und Hauskauf

Einige Zeit nach seiner Niederlassung in Zürich verheiratete sich Maler mit Küngold von Grafeneck, einer ehemaligen Nonne von Königsfelden, die 1525 aus dem Kloster ausgetreten war. Küngolds Schwester Margareta verließ Königsfelden ein Jahr später und heiratete den Zürcher Pfarrer Johannes Seebach.16 Um zu verhindern, dass die beiden Frauen bei ihrer in Magolsheim bei Blaubeuren ansässigen Verwandtschaft in Ungnade fielen, richtete Zürich ein offizielles Schreiben an ihren Bruder Niklaus von Grafeneck und die übrigen Verwandten, worin die Entscheidung der beiden Frauen gerechtfertigt und den frisch Verheirateten ein einwandfreier Lebenswandel am neuen Wohnort bescheinigt wurde.17

Die Pfarrkirche St. Peter in Zürich mit der Schlaguhr von Josua Malers Taufpate Hans Luterer von 1538. Hinter dem Kirchturm (hier versteckt) liegt das Wohnhaus der Familie Maler (Stadtansicht von Jos Murer, 156).

 

Ungefähr zeitgleich mit seiner Heirat erwarb Maler 1527/28 das unmittelbar hinter der Pfarrkirche St. Peter gelegene Haus „Zum Hinteren Rechberg“ (heute Schlüsselgasse 12), wo er bis zu seinem Tod wohnhaft bleiben sollte.18 Die mit dem Hauskauf und der Haushaltsgründung verbundenen Kosten bedeuteten für Maler, der ohne eigentliche Abfindung aus dem Kloster Königsfelden ausgetreten war, eine große finanzielle Belastung, zumal auch die seiner Frau zugesprochene Abfindung von 150 Gulden für das beim Klostereintritt eingebrachte Vermögen mangels liquider Mittel offenbar nie ausbezahlt wurde.19 Noch im November 1530 wandten sich deswegen gleich zehn ehemalige Nonnen, darunter auch Küngold und Margareta von Grafeneck, mit einer Klage aus Zürich an die Stadt Bern, die Eigentümerin des säkularisierten Klosters Königsfelden. Das einzige, was das Ehepaar Maler aus der Liquidationsmasse schließlich erhielt, waren eine Entschädigung von 6 Gulden für Balthasar und die Rückzahlung von 30 Gulden aus einer früheren Jahrzeitstiftung von Küngold und ihrer Schwester.20″

Der Erwerb des Zürcher Bürgerrechts

In den Jahren 1529 und 1531 nahm Maler als Hintersasse freiwillig am Ersten und Zweiten Kappelerkrieg teil, dem Schweizer Glaubenskrieg, der zuungunsten Zürichs ausging, und in dem der Reformator Zwingli im Oktober 1531 auf dem Schlachtfeld den Tod fand. Maler hingegen überlebte den Krieg und erhielt für seinen Einsatz zugunsten Zürichs und des reformierten Glaubens das Bürgerrecht geschenkt. Am 23. Mai 1532 trat er zusammen mit zwei anderen Kriegsteilnehmern vor die Stadtbehörden und legte den Bürgereid ab.21 Freiwilliger Kriegsdienst war in Zürich seit längerem ein beliebter Weg, um das Bürgerrecht ohne die im ordentlichen Verfahren erhobene Gebühr von 20 Gulden zu erlangen. Entsprechende Namenslisten von Bürgerrechtskandidaten haben sich beispielsweise für den Schweizerkrieg von 1499 erhalten, als Zuwanderer aus habsburgischen Gebieten sogar bereit waren, gegen ehemalige Landsleute zu kämpfen.22 Für die Kappelerkriege fehlt eine solche Kandidatenliste, dafür liegt ein Ratsbeschluss vor, wonach jeder, der auf eigene Kosten am Krieg teilgenommen hatte, auf Antrag hin das Bürgerrecht erhalten sollte.23 In der Folge erhöhte sich 1532/33 die Zahl der Einbürgerungen gegenüber den Vorjahren um das Dreifache.24 Mit dem Erwerb des Bürgerrechts sowie 1534 mit dem Eintritt in die Zunft zur Saffran, in der die meisten Buchdrucker organisiert waren,25 hatte Maler acht Jahre nach seiner Ankunft in Zürich nach Berufswechsel, Heirat und Hauskauf den letzten und rechtlich entscheidenden Schritt zur Integration am neuen Wohnort gemacht. Noch vor der Einbürgerung war am 25. Juni 1529 sein Sohn Josua und zuvor noch die Tochter Salome geboren worden, im März 1534 folgte die Tochter Anna. Seine Frau aber starb an den Folgen der dritten Geburt.

Dieser Schicksalsschlag musste Maler schwer treffen, zumal sich die Lebensbedingungen der Familie kaum verbessert hatten. Dies zeigt ein Unterstützungsgesuch für Malers Frau von Bürgermeister und Rat von Zürich zuhanden ihrer Berner Amtskollegen vom Januar 1533.26 Maler blieb einige Jahre Witwer, bis er 1547 eine zweite und 1553 eine dritte Ehe einging, letztere mit der Witwe des Buchdruckers Eustachius Froschauer, eines Bruders von Christoph. Er widmete sich nun neben seiner beruflichen Tätigkeit vorrangig der Erziehung seiner Kinder, namentlich der Ausbildung von Josua, der nach dem Willen seiner verstorbenen Mutter Pfarrer werden sollte.

Schwaben in Zürich

Auf dem Papier war Maler mit den drei an seiner Seite „im Buchladen“ aufgewachsenen Kindern seit 1532 ein Zürcher. Wie aber sah die Realität für den Neubürger aus Villingen aus? Zürich, von Otto von Freising im 12. Jahrhundert als die „edelste Stadt Schwabens“ („nobilissimum Suevie oppidum“) bezeichnet, richtete sich sowohl wirtschaftlich als auch geistig-kulturell noch immer stark auf den süddeutschen Raum aus. Von hier stammte auch die überwiegende Mehrheit seiner nichtschweizerischen Neubürger.27 Anderseits verstanden sich die Zürcher längst nicht mehr als „Schwaben“. Dieser Begriff war im Gegenteil innerhalb der Schweizer Eidgenossenschaft spätestens in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zur tendenziell negativ gefärbten Pauschalbezeichnung für alle Bewohner der Gebiete nördlich des Rheins, gelegentlich sogar für alle Fremden insgesamt, geworden.28 Die damaligen politischen und militärischen Auseinandersetzungen hatten, kulminierend im „Schwabenkrieg“ von 1499, wesentlich zu dieser Entwicklung beigetragen29 und die Herkunftsbezeichnung „Schwabe“ zum ideologischen Kampfbegriff gemacht. Auch wenn längst nicht jeder „Schwabe“ ein Angehöriger der Herrschaft Österreich war, kam es nach 1500 zu entsprechenden Gleichsetzungen.

Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal war zweifellos die Sprache. Zwar gab es – so wenig wie heute – eigentliche Verständigungsschwierigkeiten zwischen Süddeutschen und Schweizer Eidgenossen. Am Sprechen aber war schon damals für jeden hörbar, wer woher stammte. Der Schweizer Gelehrte Aegidius Tschudi, ein Zeitgenosse Malers, beschreibt die Situation sehr prägnant: „Man kennt noch Schwaben und Switzer an der Sprach wol voreinandern, das si nit einer Nation noch Landtsart sind, wiewol sie nechste Nachburn sind. Man spricht ‚Der ist ein Schwitzer an der Red‘, ‚Der ist ein Swab über Rhin an der Sprach‘, dennocht redend si beidenthalb tütsch und verstand einandern gar wol.“ Den Rhein versteht Tschudi dabei als Sprachgrenze.30 Kaum zufällig taucht im Schweizerkrieg von 1499 erstmals der Begriff der „Aidgenossen Sprach“ auf, deren Eigenarten dann die Schweizer Gelehrten im 16. Jahrhundert näher zu erforschen begannen.31

Die eidgenössische „Schweitz“ mit Zürich und der vorderösterreichische „Swartzwald“ mit Villingen, getrennt durch den Rhein (Sebastian Münster, Cosmographia, Erstausgabe Basel 1544; ZBZ, Kartensammlung).

 

Vor diesem Hintergrund hatten Zuwanderer aus Süddeutschland in Zürich durchaus damit zu rechnen, im Alltag gelegentlich mit ihrer Herkunft konfrontiert zu werden, auch wenn sie – wie Balthasar Maler- das Bürgerrecht vielleicht schon erworben hatten. Zum einen konnte die fremde Herkunft beim Einzelnen einen willkommenen Anknüpfungspunkt für eine Beschimpfung in einer Auseinandersetzung abgeben, die ganz andere Gründe haben mochte, zum anderen hatte eine Gruppe von Fremden gleicher Herkunft mit negativen Äußerungen zu rechnen, sobald sie die städtische Gesellschaft und das Berufsleben sichtbar mitprägte, wie dies bei den Süddeutschen in Zürich der Fall war. So taucht um 1490 der Vorwurf auf, Zürich sei „wohl halb voll Schwaben“, und mehrfach heißt es sogar, die „Schwaben“ seien gegenüber den Einheimischen im Vorteil und gelangten als Neubürger einfacher in politische Ämter. Das Schimpfwort „Sauschwabe“ erscheint in Zürich erstmals 1468. Für den Vorgang der Beschimpfung eines anderen als „Schwabe“ kannte der Sprachgebrauch sogar die feste Wendung „jemanden Schwaben“.32

Zürcher auf dem Papier, Villinger im Herzen

Wie weit Balthasar Maler, der immerhin das Leben für seine neue Heimat eingesetzt hatte, oder seine Kinder von solchen Äußerungen betroffen waren, ist nicht bekannt. Deutlich erkennbar ist aber, dass Maler in Zürich anfänglich Beziehungen vor allem zu Leuten pflegte, die ebenfalls aus Gebieten nördlich des Rheins zugewandert waren. Seine erste Ehefrau stammte aus einem niederadligen Geschlecht in Württemberg, sein Arbeitgeber stammte aus Bayern, und als Taufpate für Josua wählte Maler einen Neubürger aus Waldshut, Hans Luterer, der als Uhrmacher in Zürich tätig war und 1538 die neue Schlaguhr mit astronomischem Werk für die Pfarrkirche St. Peter schuf.33 Josuas Jugendfreund wiederum war Johann Rudolf Stumpf (1530–1592), Sohn des aus Bruchsal gebürtigen Pfarrers und Geschichtsschreibers Johannes Stumpf, die beide 1548 eingebürgert wurden.

Vor allem aber legte Balthasar Maler Wert darauf, bei seinen Kindern die Erinnerung an die Familiengeschichte und an die Herkunft hochzuhalten. Zahlreiche Villinger Begebenheiten fanden auf diesem Weg Eingang in die 1593/96 verfasste und hier bereits mehrfach angeführte Familiengeschichte und Autobiographie von Josua Maler.34

Es fällt schwer zu entscheiden, was bei Maler letztlich überwog, seine Villinger Wurzeln oder sein Zürcher Bürgerrecht und damit verbunden das Bekenntnis zum neuen Glauben, der ja in Villingen keinen Eingang gefunden hatte. Am sinnvollsten dürfte es sein, von einer doppelten Identität zu sprechen. Zeitgenössisch wurden Leute wie Maler als „Zürichschwaben“ bezeichnet.35

Josua Maler, ein stolzer Zürcher

Bei Malers Sohn Josua lagen die Verhältnisse bereits anders. Zunächst bemühte sich sein Vater 1537 unter Hinweis auf die ausstehende Abfindung für seine verstorbene Frau bei der Stadt Bern um einen Platz in der Lateinschule von Brugg bei Königsfelden, trotz Unterstützung durch Heinrich Bullinger, den Vorsteher der Zürcher Kirche, aber erfolglos.36 Dafür fand Josua an der Zürcher Großmünsterstiftschule Aufnahme, und nach Abschluss der mehrjährigen Grundausbildung finanzierte die Stadt seine Ausbildung zum reformierten Pfarrer ab Dezember 1543 mit Stipendien von insgesamt 410 Pfund.37 Nach einem zweijährigen Aufenthalt in Lausanne 1549–1551 und einer Bildungsreise durch Frankreich und England kehrte der 22-Jährige 1551 nach Zürich zurück, heiratete eine Einheimische und bekleidete anschließend bis zu seinem Tod am 5. Juni 1599 verschiedene Pfarrerstellen in der Zürcher Landschaft sowie im Thurgau.38

Titelblatt von Josua Malers deutsch-lateinischem Wörterbuch von 1561, auf dem der Verfasser sein über den Vater erworbene Züricher Bürgerrecht in den Vordergrund stellt.

 

In gelehrten Kreisen machte er sich 1561 einen Namen durch die Publikation des ersten umfassenden deutsch-lateinischen Wörterbuchs, das nicht vom Lateinischen, sondern vom Deutschen ausging.39 Dass das Werk in der Offizin Froschauer erschien, musste den Vater, der die Karriere seines Sohnes bis ins hohe Alter mitverfolgen konnte, mit großer Genugtuung erfüllen.

Auf dem Titelblatt seines Wörterbuchs bezeichnet sich Josua Maler nicht ohne Stolz als „Burger zu Zürich“ (im lateinischen Text „Tigurinus“). In der Limmatstadt aufgewachsen, hier mit staatlicher Unterstützung ausgebildet und von den Stadtbehörden zum Pfarrer gewählt, gab es für ihn damals keine Zweifel mehr an seiner Zugehörigkeit. Seine Integration war längst abgeschlossen. Anderseits kannte er die Heimat seines Vaters nicht nur vom Hörensagen. Auf der Rückreise von England stattete er Ende Oktober 1551 Villingen einen Besuch ab, „dem geliebten Vaterland meiner lieben Vorfahren“, für das er „von Blut und Name“ eine grosse Zuneigung empfand. Sein ausführlicher Bericht über den Besuch hat dank Christian Roder schon früh die Aufmerksamkeit der Villinger Geschichtsschreibung gefunden.40

Besuch in Villingen

Nach begeisterten Worten für das Villinger Stadtbild („… mit hübschen weiten Gassen und lustigen Bächen, kreuzweise dermaßen ordentlich erbaut, dass man mitten auf dem Markt zu allen Toren der Stadt sehen kann“), berichtet Josua Maler vor allem über Begegnungen mit seinen Verwandten, namentlich seinem älteren Cousin Michael Maler, von Beruf Metzger und früher als Landsknecht auf zahlreichen Schlachtfeldern Europas anzutreffen. Er hatte Josuas Vater noch in bester Erinnerung, weil er ihn Ende der 1520er Jahre nach einer Erkrankung auf dem Rückweg von einem Kriegszug nach Italien zu sich nach Zürich holen und durch den Arzt Arnold Debrunner versorgen ließ.41 Außerdem hatte Michael Maler von seinem Stiefonkel eine Bibel aus der Druckerei Froschauer geschenkt erhalten, die er als Familienstück verehrte und erfolgreich vor der Konfiszierung durch die altgläubigen Stadtbehörden Villingens bewahrte.

Leider scheint diese Bibel heute verloren zu sein, dafür besitzt die Stadtbibliothek Villingen zwei andere Froschauer-Drucke, beides Werke des Geschichtsschreibers Johannes Stumpf, die vielleicht aus einer weiteren Schenkung von Balthasar oder Josua Maler stammen. Josua kam jedenfalls 1551 direkt von der Buchmesse in Frankfurt, wo er für Christoph Froschauer tätig gewesen war, nach Villingen. Die beiden Bände tragen allerdings keine Hinweise auf die Provenienz, die über die Gründungszeit der Stadtbibliothek 1877 zurückreichen, ebenso wenig Spuren früherer Benutzer. Auch der heutige Einband stammt erst aus dem 19. Jahrhundert.42

Alte Familiengeschichten

Die Erzählungen von Michael Maler aus der Familiengeschichte bis zurück zum gemeinsamen Großvater Balthasar Göderscher vermittelten Josua wertvolle Ergänzungen zu früheren Berichten seines Vaters. Im Mittelpunkt steht dabei eine Kette von Anekdoten, die einzelne Ereignisse der letzten Jahrzehnte aus der Malerschen Familienoptik Revue passieren lässt. Als Balthasar Maler 1524 nach Zürich kam, benötigte er für die Niederlassung einen „Mannrechtsbrief“ seiner Heimatstadt Villingen, das heißt eine Bescheinigung über Herkunft, eheliche Geburt und guten Leumund.

Die Villinger Behörden verweigerten Maler das Papier zunächst, weil gemäß einem Mandat von Erzherzog Ferdinand der Wegzug in neugläubige Gebiete verboten war. Da begegnete Maler eines Tages in Zürich im Gasthaus zum Storchen einer Gruppe von Villingern auf ihrer Wallfahrt nach Einsiedeln, trug den Landsleuten sein Problem vor und erinnerte sie namentlich an die früheren Verdienste seiner Familie um die Stadt, die sogar im Stadtbuch aufgezeichnet seien. Der Vorstoß hatte Erfolg und nach kurzer Zeit traf der Mannrechtsbrief in Zürich ein. Dass ihn der Villinger Schultheiß persönlich überbracht haben soll, dürfte eine Ausschmückung sein.43 Der Eintrag im Villinger Stadtbuch bezog sich auf eine Episode aus den Burgunderkriegen, die das besondere Interesse von Josua Maler finden musste, stellte sie doch lange vor der Einbürgerung seines Vaters eine Verbindung zwischen seiner Familie und der Schweizer Eidgenossenschaft her. 1476 hatte Balthasar Göderscher als Hauptmann der Fußtruppen von Waldshut, Villingen, Säckingen und Laufenburg zusammen mit eidgenössischen Truppen an der Schlacht von Murten teilgenommen. Als ihn die Eidgenossen für seinen Anteil am Sieg über den Burgunderherzog angeblich mit 1000 Goldstücken belohnen wollten, erklärte er ihnen, es wäre ihm lieber, sie würden sich bei Rottweil, das seit 1463 eidgenössischer Bundesgenosse war, für die Rückgabe einer einst erbeuteten Fahne Villingens verwenden. Die Eidgenossen kamen der Bitte nach, und die Fahne fand den Weg zurück nach Villingen, wo sie zumindest Josua Malers Onkel Johannes Pedius in der Ratsstube noch gesehen hatte. Gleichzeitig wurde im Stadtbuch festgehalten, dass alle Angehörigen der Familie Göderscher/Maler in Zukunft Schutz vor Armengenößigkeit genießen sollten. Selbst Kaiser Maximilian beehrte den mittlerweile greisen Göderscher mit einem Besuch, als er im Oktober 1510 nach Villingen kam.44

… aber im Glauben getrennt

Bei aller verwandtschaftlicher Vertrautheit und Zuneigung zwischen Josua und Michael Maler blieb der konfessionelle Gegensatz als unüberwindbarer Graben bestehen, blieben für Josua seine Villinger Verwandten „Papisten“, die noch nicht zum „wahren Licht“ und zur „Sonne der Wahrheit“ gelangt waren. Auf Glaubensdiskussionen ließ sich Josua allerdings trotz seiner theologischen Ausbildung nicht ein, ebenso wenig auf Gespräche über politische Fragen. Die Zugehörigkeit Villingens zu Vorderösterreich vermerkt er nur knapp und völlig neutral. Erst anlässlich eines zweiten Besuchs in Villingen im Jahr 1569 kam es zu einem kleinen Zwischenfall, als Josua zusammen mit den beiden Schwiegersöhnen seines mittlerweile verstorbenen Cousins Michael auch das Franziskanerkloster besichtigte, in das sein Vater einst eingetreten war, und nach der Besichtigung der Bibliothek sich der Lesemeister nach dem Schicksal der Ordensniederlassung in Zürich erkundigte:

„Haben sie ein Schulhaus daraus gemacht?“. Josua musste gestehen, dass das Gebäude momentan als Getreidespeicher diente, und sich zeitweise auch eine Buchdruckerei darin befunden hatte, nämlich von 1528 bis 1551 ausgerechnet jene von Christoph Froschauer.

Schluss

Auf der zweiten Besuchsreise, die Josua 1569 auch zu Niklaus von Grafeneck in Urach, seinem Onkel mütterlicherseits, und zu seinem Cousin Christoph Pedius in Rottenmünster bei Rottweil führte, begleitete ihn sein ältester, 1552 geborener Sohn. Diesen hatte er nach seinem Vater bereits auf den Namen Balthasar getauft, nun wollte er ihm das Wissen um die Herkunft seiner Familie weitergeben. 1573 schließlich verkaufte der greise Großvater seinem gleichnamigen Enkel seine Buchbinderwerkstatt samt Werkzeug, Papier und Büchern für 446 Pfund.45

Auf diese Weise trugen Taufname, Verwandtschaftsbesuche und Nachfolge im Beruf die Erinnerung an die Villinger Wurzeln der Familie und an das wechselvolle Schicksal von Balthasar Maler in eindrücklicher Weise an die nächste Generation weiter. Demselben Zweck diente nach dem Tod Balthasars 1585 und Josuas 1599 dessen Familiengeschichte und Autobiographie, in der Josua ausdrücklich festgehalten hatte: „Dies alles, was ich verzeichnet habe, hat mir mein lieber Vater oft und viel in meiner Jugend und während meinem Kirchendienst berichtet – meinen geliebten Nachkommen zu nützlicher Erinnerung“.46

Anmerkungen

1 Vgl. Die Bürgerbücher der Stadt Villingen (1336–1593, mit Nachträgen bis 1791), bearbeitet von Andreas Nutz und Gustav Walzer, Villingen-Schwenningen 2001, S. 578–580.

2 Claude Wittmer und J. Charles Meyer, Le Livre de Bourgeoisie de la Ville de Strasbourg 1440–1530, 3 Bde., Straßburg/Zürich 1948–1961, Nr. 2696, 3089, 3772, 4059, 4971, 6133, 8124; Rolf E. Portmann, Basler Einbürgerungspolitik 1358–1798, Basel 1979, S. 121; Peter Xaver Weber, Das älteste Luzerner Bürgerbuch (1357–1479), Luzern 1921, S. 239, 271, 276, 283, 294; Bürgerbücher der Stadt Zürich (Transkription, vorhanden im Stadtarchiv Zürich und im Staatsarchiv des Kantons Zürich), Nr. 347, 556, 1783, 2137, 3579, 4777.

3 Vgl. die Belege in: Bürgerbücher Villingen (wie Anm. 1); Inventar über die Bestände des Stadtarchivs Villingen, bearb. von Hans-Josef Wollasch, 2 Bde., Villingen 1970–1971; Ute Schulz, Repertorium Spitalarchiv, Villingen-Schwenningen 2001 (vorhanden im Stadtarchiv Villingen-Schwenningen); Pfründ-Archiv Villingen, hg. von Josef Fuchs, Villingen-Schwenningen 1982; Hans Rott, Quellen und Forschungen zur südwestdeutschen und schweizerischen Kunstgeschichte im XV. und XVI. Jahrhundert, Bd. 2, Stuttgart 1934, S. LXXIIf., 327; Werner Besch, Das Villinger Spitalurbar von 1379 f. als sprachliches Zeugnis, in: Vorarbeiten und Studien zur Vertiefung der südwestdeutschen Sprachgeschichte, hg. von Friedrich Maurer, Freiburg 1965, S. 261f., 264; Artikel „Georg Maler, dit Pictorius“, in: Nouveau dictionnaire de biographie alsacienne, Fasz. 30, Straßburg 1997, S. 3015f.; Artikel „Klaus von Grafeneck“, in: Mennonitisches Lexikon, Bd. 2, Frankfurt a.M./Weiherhof 1937, S. 154f.; Hans Schultheß und Hans Ulrich Pfister, Ehen im Kanton Zürich 1525–1700, Zürich 2000 (vorhanden im Staatsarchiv des Kantons Zürich); Wilhelm Hofmeister, Genealogische Tabellen der Stadtbürgerschaft von Zürich (vorhanden in der ZentralbibliothekZürich), Bd. 16, S. 6; Zentralbibliothek Zürich (zit. ZBZ), Ms. E 48, f. 201r.

4 Rott, Quellen (wie Anm. 3) S. LXXIIf., 327.

5 Inventar (wie Anm. 3), Bd. 1, Nr. 760.

6 Vgl. Werner Huger, Der „Riese“ Romäus – Wirklichkeit, Legende und Deutung, in: Geschichts und Heimatverein Villingen, Jahresheft 22, 1997/98, S. 45, 52.

7 Alle im Folgenden nicht anderweitig nachgewiesenen Angaben und Zitate stammen aus der 1593/96 verfassten Familiengeschichte und Autobiographie von Josua Maler, vgl. Anm. 34.

8 Vgl. Paul Revellio, Artikel „Villingen“, in: Alemania Franciscana Antiqua, Bd. 3, Ulm 1957, S. 19–44; Christian Roder, Das Schulwesen im alten Villingen, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 70, 1916, S. 243.

9 Chronik des Bickenklosters zu Villingen 1288 bis 1614, hg. Von Karl Jordan Glatz, Tübingen 1881, S. 83.

10 Vgl. Helvetia Sacra, Bd. 5/1, Bern 1978, S. 206–211 und 561–576; Max Heinrichsperger, Artikel „Königsfelden“, in: Alemania Franciscana Antiqua, Bd. 17, Landshut 1972, S. 5–53.

11 Vgl. Paul Leemann-van Elck, Die Offizin Froschauer, Zürichs berühmteste Druckerei im 16. Jahrhundert, Zürich 1940, S. 55–90.

12 Huldreich Zwinglis Sämtliche Werke, Bd. 9 = Zwinglis Briefwechsel, bearb. von Emil Egli, Bd. 3, Leipzig 1925, Nr. 703 S. 403 („Virum istum mire candidum et pium tibi commendo, Balthazari nomen est; fideliter servivit in excudenda disputatio ne“); Heinrich Bullinger, Briefwechsel, Bd. 3, bearb. von Endre Zsindely und Matthias Senn, Zürich 1983, Nr. 183 S. 55.

13 Staatsarchiv des Kantons Zürich (zit. StAZH), H l 629 (Spitalrechnungen 1534, 1538, 1540, 1541).

14 Judith Steinmann, Züricher Einbände aus dem 16. Jahrhundert, in: Einband Forschung, Heft 6, April 2000, S. 11, 17f. (mit Abb.); StAZH, G l 153.

15 Heinrich Bullingers Privatbibliothek, bearb. von Urs B. Leu und Sandra Weidmann, Zürich 2004, S. 31 und Nr. 58–59, 61, 95, 181 sowie Abb. 5 (Tulpenstempel); Urs B. Leu, Die Privatbibliothek von Johannes Fries (1505–1565), in: Strenarum lanx. Beiträge zur Philologie und Geschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, hg. von Martin H. Graf und Christian Moser, Zug 2003, S. 311–329 Nr. 4, 24–25, 28–29, 32,41.

16 StAZH, B IV 3, f. 89r; Zwingli, Werke (wie Anm. 12) Nr. 703 S. 403; Staatsarchiv des Kantons Aargau (zit. StAAG), U.17/0937e; Zürcher Pfarrerbuch 1519–1952, hg. von Emanuel Dejung und Willy Wuhrmann, Zürich 1953, S. 529. – Heinrichsperger, Königsfelden (wie Anm. 10) S. 37, 46f., 50 verwechselt die beiden Eheschließungen.

17 StAZH, B IV 3, f. 89r–90r = Actensammlung zur Geschichte der Zürcher Reformation in den Jahren 1519–1533, hg. von Emil Egli, Zürich 1879, Nr. 1100.

18 StAZH, W l 22.5 (Häuserregesten, Vers.-Nr. 157) nach: StAZH, H l 23c, S. 53; H l 584, f. 327r; H l 629 (1527–1545); H l 605, f. 5v (mit Berufsbezeichnung „buchbinder“).

19 StAAG, U.17/0927b–c (Austrittserklärung von Margareta von Grafeneck und Zahlungsversprechen der Äbtissin; das Formular beider Urkunden in: Aktensammlung zur Geschichte der Berner Reformation 1521–1532, hg. von Rudolf Steck und Gustav Tobler, Bd. 1, Bern 1923, Nr. 427 und 424; vgl. zu den Austrittsmodalitäten auch a.a.O. Nr. 414 und 426). Eine Zusammenstellung aller Abfindungen bei Theodor von Liebenau, Geschichte des Klosters Königsfelden, Luzern 1868, S. 115–123. Balthasar Maler beziffert 1537 die von seinem Schwiegervater der Tochter beim Klostereintritt mitgegebene Summe Bargeld auf 100 Pfund, d.h. 50 Gulden (StAZH, B IV 8, f. 116r).

20 Aktensammlung Berner Reformation (wie Anm. 19), Bd. 2, Nr. 1585, 1727, 2901; StAAG, U.17/0937e.

21 Bürgerbücher Zürich (wie Anm. 2) Nr. 347 („Baltassar Gederscher genannt Moler, von Filingen vor dem Schwartzwald“, erhält das Bürgerrecht „gratis von syner diennsten wegen, so er unns erwißen hat inn beyden Capler zügenn“) sowie a.a.O. f. 78r Nr. 948 und f. 370r Nr. 5231 (Einbürgerungen vom selben Tag). 22 StAZH, A 71.1 Nr. 9–11 (Liste „umb burgrecht“ mit gegen 200 Namen des Ersten Hegauerzugs vom Februar 1499, darunter auch der Metzger Michel Hösli von Todtnau, eingebürgert am 21. März 1500, vgl. Bürgerbücher Zürich (wie Anm. 2) Nr. 3939). Die älteste Liste stammt aus dem Jahr 1490 (StAZH, A 30.1 Nr. 18); vgl. Christian Sieber, Eidleistungen und Schwörtage im spätmittelalterlichen Zürich, in: Zürich 650 Jahre eidgenössisch, Zürich 2001, S. 26–28 und Bruno Koch, Neubürger in Zürich, Migration und Integration im Spätmittelalter, Weimar 2002, bes. S. 132f., 156, 190f.

23 StAZH, A 71.1 Nr. 21; vgl. auch Adrian Corrodi-Sulzer, Die Schlacht bei Kappel und das Näfengeschlecht, in: Zwingliana 4, 1925, S. 277.24 Vgl. Koch, Neubürger (wie Anm. 22) S. 300.

25 StAZH, W l 6.16.

26 StAZH, B IV 5, f. 19r–v = Actensammlung Zürcher Reformation (wie Anm. 17) Nr. 1921.

27 Vgl. Koch, Neubürger (wie Anm. 22) S. 139f., 143–147, 152f., 156, 304.

28 Vgl. Schweizerisches Idiotikon, Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache, Bd. 9, Frauenfeld 1929, Sp. 1707–1716. – Zum Schwabenbegriff in Schwaben selber vgl. Klaus Graf, Die „Schwäbische Nation“ in der frühen Neuzeit, in: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte 59, 2000, S. 57–69.

29 Vgl. Christian Sieber, Zwischen Konfronation und Begegnung. Die vorderösterreichische Stadt Villingen und die schweizerische Eidgenossenschaft im 15. und 16. Jahrhundert, in: Geschichts- und Heimatverein Villingen. Villingen im Wandel der Zeit 27, 2004, S. 56–63.

30 ZBZ, Ms. A 105, f. 20r (Schreiben Tschudis vom 19. März 1566).

31 Helmut Maurer, Schweizer und Schwaben, Ihre Begegnung und ihr Auseinanderleben am Bodensee im Spätmittelalter, 2. Aufl., Konstanz 1991, S. 67; Hans Trümpy, Schweizerdeutsche Sprache und Literatur im 17. und 18. Jahrhundert, Basel 1955, S. 14–17, 23f.

32 Idiotikon (wie Anm. 28) Sp. 1708, 1710f., 1715f.; Dokumente zur Geschichte des Bürgermeisters Hans Waldmann, hg. Von Ernst Gagliardi, Bd. 2, Basel 1913, S. 366, 428, 467 Anm. 1.

33 Bürgerbücher Zürich (wie Anm. 2) Nr. 3219; Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, Neue Ausgabe, Die Stadt Zürich, Bd. 2/1, Bern 2002, S. 152.

34 Original verloren, Abschrift des 18. Jahrhunderts in ZBZ, Ms. E 48, f. 199r–310v sowie f. 310v–314r (Fortsetzung der Nachkommen Malers). Die massgebliche Teiledition (in: Zürcher Taschenbuch 8, 1885, S. 123–214 und 9, 1886, S. 125–203) beruht auf der Abschrift in ZBZ, Ms. S 200. Die Villingen betreffenden Passagen sind abgedruckt bei Christian Roder, Die Familie „Maler“ von Villingen, in: Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar 5, 1885, S. 80–95.

35 Idiotikon (wie Anm. 28) Sp. 1715.

36 Vgl. StAZH, B l V 8, f. 116r–117v (vermutlich Autograph Malers); Bullinger, Briefwechsel (wie Anm. 12), Bd. 7, bearb. Von Hans Ulrich Bächtold und Rainer Henrich, Zürich 1998, Nr. 1027.

37 StAZH, G II 39.2–3; StAZH, X 4, f. hhhSv Nr. 34 (Stiftsgeschichte von Heinrich Bullinger).

38 Pfarrerbuch (wie Anm. 16) S. 416f. (mit unrichtigem Todesjahr 1598).

39 Josua Maler, Die Teütsch spraach, Alle Wörter, namen und arten zuo reden in hochteütscher spraach … unnd mit guotem latein gantz fleissig unnd eigentlich vertolmetscht, Zürich Christoph Froschauer d.Ä. 1561, auch als Reprint, mit einer Einführung von Gilbert de Smet, Hildesheim/New York 1971.

40 Vgl. Anm. 34 und zuletzt: Casimir Bumiller, Villingen im Spätmittelalter, Verfassung, Wirtschaft, Gesellschaft, in: Villingen und Schwenningen, Geschichte und Kultur, Villingen-Schwenningen 1998, S. 143, 146.

41 Debrunner war ebenfalls „uß synem vaterlandt von deß evangeliums wegen“ nach Zürich gekommen (Bürgerbücher Zürich (wie Anm. 2) Nr. 5629); sein Sohn Ulrich studierte später zusammenmit Josua Maler und wurde 1550 ebenfalls Pfarrer (StAZH, G II 39.2–3; Pfarrerbuch (wie Anm. 16) S. 574).

42 Johannes Stumpf, Des großenn, gemeinen conciliums zuo Costentz beschreybung, Zürich 1541 bzw. Johannes Stumpf, Keyser Heinrychs des vierdten historia, Zürich 1556; Stadtbibliothek Villingen, B b 13 und B b 12, gemäss Altkatalog aus Vorbesitz des Bibliothekgründers Ferdinand Förderer (Inventar- Nr. 700 und 699); vgl. auch Babette Stadie und Heinz Holeczek, Abschnitt „Villingen-Schwenningen“, in: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, Bd. 9, Hildesheim u.a. 1994, S. 166, 168.

43 Der „mit der Stadt Villingen Siegel bewarte“ Mannrechtsbrief hat sich weder im Original noch abschriftlich erhalten (ein Beispiel eines Mannrechtsbriefs bei: Hans Ulrich Pfister, Fremdes Brot in deutschen Landen, Wanderungsbeziehungen zwischen dem Kanton Zürich und Deutschland 1648–1800, Begleitpublikation zu einer Ausstellung des Staatsarchivs des Kantons Zürich, Zürich 2001, S. 9).

44 Vgl. Christian Roder, Die Juden in Villingen, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 57, 1903, S. 41–43.

45 Steinmann, Züricher Einbände (wie Anm. 14) S. 11, 17.

46 Vgl. grundsätzlich Simon Teuscher, Familienerinnerungen, Beziehungsmanagment und politische Sprache in spätmittelalterlichen Städten, in: Traverse, Zeitschrift für Geschichte 9, 2002, Heft 2, S. 53–64.