Wolfgang Kleiser verkündet die christliche Botschaft in Holz, Ton und Bronze (Hermann Colli)

Ohne ihn wäre die Kunstszene in Villingen- Schwenningen, ja im ganzen Schwarzwald und über die Grenzen hinaus, sicherlich sehr viel ärmer. Seine Werke gehören seit mehr als fünf Jahrzehnten zu den eindrucksvollsten, die in diesem Raum entstanden sind und den Weg zu zahlreichen Kunstfreunden im deutschen Sprachraum gefunden haben. Aber viele seinen Arbeiten sind auch Gott sei Dank „vor Ort“ geblieben und geben Zeugnis vom vielseitigen Schaffen und Können eines in seiner Heimat verwurzelten äußerst fleißigen Künstlers. Die Rede ist von Wolfgang Kleiser, freischaffender Bildhauer aus Hammereisenbach im Schwarzwald. Dort, genauer gesagt in Urach, kam er vor 70 Jahren zur Welt. Dort wuchs er auf und lebt und arbeitet seither in Hammereisenbach. Dort mitten im Schwarzwald, ist er zu Hause. Aber er fühlt sich im so genannten ländlichen Raum durchaus nicht eingeengt.

Wolfgang Kleiser mit einem seiner jüngsten Werke, der Zweiteiligen Skulptur „In Verhandlung“, die er 2005 schuf und im Mai 2006 in Löffingen bei einer Ausstellung des dortigen Kunstvereins zeigte.

 

Heiliger Josef auf dem rechten Seitenaltar in St. Fidelis in Villingen. Lindenholz (1963).

 

Schutzmantelmadonna auf dem linken Seitenaltar in St. Fidelis in Villingen. Lindenholz (1963).

 

Er ist sicher kein Stadtmensch, aber er ist doch gern in der Stadt und – wenn man da Villingen meint, dann ist das vielleicht „seine“ Stadt. Jedenfalls sieht man den liebeswerten Mann mit den lebhaften Augen dort, wo er viele Freunde und Bekannte hat, sehr oft. So ein bisschen ist Wolfgang Kleiser deshalb wohl auch Villinger. Hier ist er mit seinem Werk an vielen Stellen präsent. Hier ist er vor allem mit seiner ausdrucksstarken sakralen Kunst vertreten. Sein Talent, seine Vielseitigkeit und seinen Ideenreichtum hat er mit Arbeiten aus Holz, Ton und Bronze bei zahlreichen Ausstellungen des Kunstvereins Villingen-Schwenningen, dem er seit 1972 angehört, unter Beweis gestellt. „Der Schwerpunkt meines Schaffens war und ist die sakrale Kunst,“ sagte Kleiser über sich selbst, „die stete Auseinandersetzung mit den Evangelien, von der Geburt Christi bis zum Tod und der Auferstehung. Vor allem das Thema Weihnachten hat mich immer wieder aufs Neue beschäftigt.“ Das kommt auch in seinen Werken, die in Villinger Kirchen zu finden sind, zum Ausdruck. So schuf er die bisher größte Darstellung des Weihnachtsgeheimnisses für die Kirche Heilig Kreuz; massive Skulpturen aus Eichenholz, 80 Zentimeter groß. Ebenso entstand für Heilig Kreuz einige Jahre später ein heiliger Josef, auch in Eiche, rund zwei Meter groß. In St. Fidelis ziehren Statuen einer Schutzmantelmadonna und des heiligen Josef die Seitenaltäre. Es sind frühe Werke des Künstlers, die er 1963, kurz nach dem er sich selbstständig gemacht hatte, geschaffen hat. In dieser Zeit war Max Hettler Pfarrer von St. Fidelis.

Diese beide Skulpturen haben für so etwas wie ein „internationales Nachspiel“ gesorgt. Hettlers Nachfolger, Fidelispfarrer Karl Johannes Heypeter, der 1975 in Italien den Bruder des Papstes Johannes XXIII., Severio Roncalli, kennen gelernt hatte, erfuhr von diesem, dass die kleine Gemeinde Gratosoglio, in einer Mailänder Vorstadt, in großer Not war. Ihre Kirche war total ausgeraubt worden. St. Fidelis knüpfte Kontakte zu den Katholiken in Gratosoglio, aus denen eine echte Freundschaft wurde.

 

Die Mutter, Maria Kleiser. Bronze (1978).

 

 

Josef Teufel. Gips für Bronze (1985).

 

 

Julie Teufel. Gips für Bronze (1985).

 

 

Bundesminister Dr. Heinrich Krone. Gips für Bronze (1985).

 

Zur Einweihung einer neuen Kirche übergab die Villinger Südstadtpfarrei 1977 eine von Wolfgang Kleiser geschaffene lebensgroße, aus Eichenholz gehauene, Schutzmantelmadonna als Gastgeschenk.

Kleisers Engagement für christliche Kunst würdigte der langjährige Vorsitzende des Kunstvereins Villingen-Schwenningen, Gotthard Glitsch, im Vorwort zum Katalog des Künstlers, der zu dessen 60. Geburtstag entstanden ist: „Wolfgang Kleiser leiht seine Werkkraft dem Erfüllen sakralen Auftrags. Sein Tun ist die tätige Andacht der formenden Hand. Der Taktschlag von Hohleisen und Schlegel skandiert sein Schaffen wie der Pulsschlag das Gebet des Herzens. Des Schnitzmessers zeichensetzende Spuren, Rillen, Kerben, Kehlen, Kanten reihen sich wie Furchen zum Acker, wie Strophen zum Psalm.“

Sakrale Kunst von Wolfgang Kleiser ist in zahlreichen Gotteshäusern der Region zu finden. Und überall ist spürbar, dass sein Schaffen ganz seiner christlichen Grundüberzeugung entspricht. Seine Werke, ob Einzelfiguren, Altarraumgestaltungen, Kreuzwege oder Weihnachtsdarstellungen sind immer Verkündigung der Frohen Botschaft Jesu Christi. Kleiser verleugnet nie seine eigenständige Handschrift. Sie hat sich aber im Laufe der fünf Jahrzehnte – ohne dem jeweiligen Zeitgeist zu huldigen – immer wieder gewandelt. Sie kommt, wie es Stefan Simon bei einer Kleiser-Ausstellung im Stadtmuseum Hüfingen beschrieb, immer wieder zum Ausdruck, egal ob er sakral oder profan, auftragsbezogen oder völlig frei, figürlich oder abstrakt arbeitet. Künstlerische Qualität und handwerkliche Solidität werden von den Kunstfreunden besonders geschätzt. Und das nicht nur im kirchlichen Raum.

 

Der Künstler und sein Werk: Wolfgang Kleiser, wie er sich bei der Arbeit sieht, mit Schlegel und Hohleisen. „Ich überlege“ hat er das Eichenholzwerk aus dem Jahre 1996 genannt.

 

1978 erhielt der Hammereisenbacher vom Landkreis den Auftrag, für die künstlerische Gestaltung des Pausenhofes der Hotelfachschule in Villingen zu sorgen. Er wurde diesem Auftrag mit Skulpturen aus Eichenholz gerecht. Der Arbeitskreis Stadtgeschichte und die Heimatgilde Vöhrenbach gaben 1978 aus Anlass der 750-Jahr-Feier eine Jubiläumsstele in Auftrag. Das in Bronze gegossene Kunstwerk steht heute mitten in der Stadt, in der Kleiser zu Hause ist. Sie zeigt Themen der Vöhrenbacher Stadtgeschichte. An der Kirche St. Martin hängt dort als Bronzerelief eine eindrucksvolle Gedenktafel des Kirchenpatrons. Kleiser ist längst auch über die Grenzen des heimischen Raums gefragt. Das zeigte sich sehr deutlich 1998. Damals machte ihn ein Lehrer der Hotelfachschule in Villingen-Schwenningen auf ein Ereignis in Herzegowina aufmerksam, wo in den damaligen Kriegswirren eine Kirche bei Mosta völlig ausgeplündert worden war. Ob er ein Kreuz für diese Kirche machen könnte, wurde Kleiser gefragt. „Für mich war es eine Selbstverständlichkeit dieses Anliegen aufzunehmen. So führte ich das Kreuz aus und stiftete es der Gemeinde,“ sagte der Schwarzwälder in seiner bescheidenen, freundlichen und sachlichen Art. Als das zwei Meter große Kruzifix in dem 1200-Seelen-Ort geweiht wurde, nahmen über 2000 begeisterte und dankbare Menschen an der Feier teil.

Formstele für Krankenhaus Lichtenstein bei Chemnitz. Lindenholz, sechst Meter hoch (2000). 1. Preis im Wettbewerb für die Gestaltung des Foyers.

 

Große Anerkennung fand Kleiser auch im Jahre 2000 in Sachsen bei einem bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerb für die künstlerische Gestaltung des Eingangsbereiches eines neuen Krankenhauses in Lichtenstein bei Chemnitz. Seine sechs Meter hohe Stele und ein Relief, 2×1,4 Meter groß, beides in Lindenholz gefertigt, wurden mit einem 1. Preis belohnt. Eine Kleiser-Stele stand übrigens auch im Stuttgarter Büro von Erwin Teufel. Der ehemalige Ministerpräsident schätzte den Hammereisenbacher Künstler sehr. Seine frühen und sehr persönlichen Beziehungen zu ihm kamen besonders deutlich im Jahre 1985 zum Ausdruck, als er den Auftrag bekam, seine Eltern, Julie und Josef Teufel, zu porträtieren. Bei mehreren Sitzungen wurden sie in Ton modelliert, in Gips abgeformt und danach in einer Gießerei in Bronze gegossen. Auf diese Weise entstanden     noch     zahlreiche     andere Porträtsbüsten in seiner Werkstatt. Nicht nur seine Mutter, Maria Kleiser, hat der Künstler in Bronze verewigt, sondern auch berühmte Persönlichkeiten.

Da ist zum Beispiel der frühere Bundesminister Dr. Heinrich Krone, den Kleiser 1975 kennen lernte. Der unter Konrad Adenauer sehr aktive Politiker erwarb nicht nur eine ganze Anzahl Kleiser-Werke in Holz, Ton und Bronze, sondern er saß auch selbst Modell für eine Büste. Der Schwarzwälder nennt seine Bekanntschaft mit Krone „einen besonderen Glücksfall.“ Er habe in ihm einen Menschen kennen gelernt, „der sich sehr mit zeitgenössischer Kunst auseinandersetzte, Kritik übte, aber auch vielen Richtungen gegenüber offen war.“ In Villingen bringen viele Bürger den Namen Kleiser auch mit der hier so geliebten fünften Jahreszeit, der Fasnet, in Verbindung. Wer eine Kleiser-Scheme sein Eigen nennt, schätzt sich in Narrokreisen heute glücklich. Der Hammereisenbacher, der sich heute ganz dem weiten Feld der klassischen Bildhauerkunst verschrieben hat, ließ sich schon vor Jahren aus der Liste der Schemenschnitzer der Villinger Narrozunft streichen. Gefragt ist er aber immer noch. „Und,“ so verriet er augenzwinkernd, „so ab und zu mache ich doch mal eine.“

 

Eichenholz-Medaillons „Stufen des Lebens“ (2001), beidseitig gehauen „Verliebtheit“,

 

 

„Familie“.

 

„Isch was?“ Bronze (1991).

 

 

 

„Wir gehören zusammen“. Ton/Acryl (2003).

 

 

 

 

 

Einen sehr eindrucksvollen Kreuzweg hat Wolfgang Kleiser 2003 für den Stationenweg in St. Ottilien, Freiburg, geschaffen. Die Bilder der Passion, aus Eichenholz gehauen, 1,45 x 1,15 Meter groß, sind in einzelnen kleinen „Kapellen“ zu betrachten. Es ist der Weg von Getsemani nach Golgota.

 

 

 

 

 

Verurteilung und Kreuzaufnahme – Gebunden und bereit – ist diese Station überschrieben. In der Mitte steht Jesus, viel größer als sein Richter, gefesselt, mit offenen Händen. Auf ihm liegt das Kreuz. Pilatus sitzt breit und feist auf dem Richterstuhl. Oben schaut Barabas durchs Gitterfenster.

 

 

 

Maria und Simon von Cyrene – Getröstet und unterstützt! Zwei Stationen, die IV. und die V. hat der Künstler hier zu einer vereinigt. Jesus begegnet seiner Mutter und Simon hilft Jesus das Kreuz tragen. Es ist ein Ausschnitt des Bildes vom Stationshäuschen auf dem Bild oben links.

 

Zahlen – Daten – Zeiten

Wolfgang Kleiser wurde am 23. März 1936 in Urach im Schwarzwald geboren. 1950 bis 1953 Lehre als Holzbildhauer bei Vater Augustin Kleiser, anschließend dort Gesellenjahre 1956 bis 1958 Zeichenkurse Fernakademie Karlsruhe 1958 bis 1960 Schüler beim akademischen Bildhauer Franz Spiegelhalter in Freiburg 1960 Meisterprüfung als Holzbildhauer 1961 Selbständigkeit im Elternhaus 1965 bis 1968 Zeichenkurse an der Fernakademie Famous Artists School in Amsterdam 1971 Umzug nach Hammereisenbach 1972 Anerkennung als freischaffender Bildhauer Kleiser ist Mitglied verschiedener Künstlervereinigungen: Bundesverband Bildender Künstler Südbaden, Gemeinschaft christlicher Künstler der Erzdiözese Freiburg, Kunstverein Villingen-Schwenningen.

Kleiser-Arbeiten waren in zahlreichen Ausstellungen zu sehen. Einzelausstellungen gab es zum Beispiel im Hans-Thoma-Museum Bernau (1996/2005 und 2006). In der Stiftskirche im Bad Wimpfen im Tal (2004), im Stadtmuseum Hüfingen (2004/2005), in der Stiftskirche in Moosbach (2005). Zudem war Kleiser mit Arbeiten bei den Jahresausstellungen des Kunstvereins Villingen- Schwenningen vertreten. Zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen seit 1972 im In- und Ausland.

Kunst am Bau: Hotelfachschule Villingen-Schwenningen; Sitzungssaal im Rathaus Spaichingen; Jubiläumsstele in Bronze zur 750-Jahr-Feier der Stadt Vöhrenbach.

Mehr als ein Dutzend Altarraumgestaltungen führte Kleiser aus: Oberbränd, Döggingen, Altglashütten, Schollach, Schallstadt und Mistelbrunn. Viele Kreuzwege schuf er zwischen 1959 und 2005. Unter anderem in Bremerhaven, Bremen, Urach, Sulzburg, Schutterwald, Häusern, Bad Dürrheim, Spaichingen, Böblingen, Schwetzingen, Heilbronn Kirchhausen und zuletzt die Stationen (145 x 115 Zentimeter groß) für den Stationenweg in St. Ottilien in Freiburg. Auftraggeber war das Dompfarramt.

Weihnachtsdarstellungen von Wolfgang Kleiser stehen unter anderem in Stockach (Stadtkirche), Mannheim (Zwölfapostelkirche), Villingen (Heilig Kreuz), Villingen (Altenheim St. Lioba), Schwet– zingen (St. Marien), Mainz-Lerchenberg (Pfarrkirche), VS-Rietheim (St. Konrad) und in der Katholischen Pfarrkirche in Königsfeld.