Münster vor 100 Jahren saniert (Eberhard Stadler)

Nach dem kürzlich im Südturm des Villinger Münsters eines der größten Glockenspiele in ganz Süddeutschland installiert wurde (der SÜDKURIER berichtete), sei an ein Ereignis erinnert, das genau hundert Jahre zurück liegt. Damals, im Jahre 1906, wurde der erwähnte Südturm des Münsters nämlich einer umfassenden und anspruchsvollen Sanierung unterzogen.

Lange hatte es gedauert, bis die Bauarbeiten begonnen werden konnten. Die Gründe lagen vor allem in finanziellen und bautechnischen Schwierigkeiten. Allerdings mussten die Verantwortlichen handeln, da das Münster erheblich baufällig geworden war. Anfang Juli 1906 schließlich wurde die Sanierung des Südturms angepackt. Mit einem Gerüst aus langen Baumstämmen wurde der Turm seinerzeit eingeschalt und von oben bis zum ersten Stock abgerissen. Wobei die Spitze des Turmes, der Turmhelm, erhalten blieb und während der ganzen Bauphase von dem Gerüst unterfangen wurde. Der gesamte mittlere Teil des Turmes wurde abgerissen und erneuert. Im Spätjahr 1907 war der Turm fertig gestellt.

Die Gesamtsanierung des mittelalterlichen Gotteshauses wurde im Jahre 1909 abgeschlossen. Am 29. Juni wurde das in neuem Glanz erstrahlende Münster von der Gemeinde wieder bezogen. Zugleich bekam das Gotteshaus ein neues Geläut spendiert. Es war von der traditionsreichen heimischen Glockengießerei Grüninger hergestellt worden. Die Glocken wurden im Zweiten Weltkrieg 1942 konfisziert und zu Kanonen umgeschmolzen. Allerdings: Eine dieser Grüninger-Glocken von 1909, die kleine Franziskusglocke, hat den Krieg auf verschlungenen Wegen überstanden. Sie wurde erst jetzt Anno 2006 im Fundus des städtischen Archivs wieder entdeckt. Wie berichtet, ist sie in das neue, 51 Glocken umfassende Großgeläut im Südturm integriert worden.

Im Jahre 1906 wurde ein Großteil des Münster-Südturms abgerissen und erneuert. Die Aufnahme zeigt das Gerüst, mit dem die Turmspitze gehalten wurde.

 

 

Glöckenweihe am 13. 6. 1909 am Villinger Münster. Die Glocken wurden der Größe nach aufgehängt. Links die kleine, kürzlich wieder gefundene Franziskusglocke.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie sich das Münster vor und nach dem Umbau von 1906 bis 1909 verändert hat, zeigen diese beiden Postkarten des Sammlers Manfred Hildebrandt: Bis 1906 gab es noch große Kastanienbäume am Münster, die dann verschwanden. Signifikant verändert hat sich auch der Südturm . Vor dem Umbau hatte er nur vier Schallfenster, aus denen das Kirchengeläut über die Stadt ertönte, nach dem Turmumbau gab es acht Fenster im Glockenstuhl.