Auch stumme Stadtführer haben viel zu erzählen (Gerhard Hirt)

Informationstafeln an historischen Gebäuden (4. Teil)

Sie sind uns schon recht vertraut geworden, die kleinen blau-weißen Schilder an den historischen Gebäuden der Stadt, die wir im Jahrbuch „Villingen im Wandel der Zeit“ schon seit 2004 vorstellen. Wir haben sie „die kleinen blauen Stadtführer“ getauft und wir wollen hier wieder einige von ihnen ein wenig in den Blickpunkt rükken. Damit soll dann auch diese Serien beendet werden.

Der „Geburt“ der historischen Wegweiser gingen, wie wir es im Heft XXVII beschrieben haben, lange „Wehen“ voraus. Einer der Initiatoren war unser inzwischen verstorbener einstiger Vorsitzender Hubert Waldkircher. Sein Namen hat auch in diesem Jahr wieder einen besonderen Klang. Klang ist hier sogar wörtlich zu verstehen, denn er ist auch der „Vater“ des Glockenspiels im Münster, das auf seine Initiative entstanden ist und am ersten Advent eingeweiht wurde. Dass dieses Projekt auch nach dem Tod von Hubert Waldkircher realisiert werden konnte, ist auch Personen zu verdanken, die damals schon mit ihm zusammen im Arbeitskreis Innenstadt des Geschichts- und Heimatvereins für die Anbringung der Tafeln kämpften.

Das GHV-Projekt „Beschilderung historischer Gebäude“ hatte von der Planung bis zur Realisierung manche Hürden zu überwinden. Die Idee, ein „Historischen Leitsystems in Villingen“ zu schaffen, stammt aus dem Jahr 1994. Zahlreiche Gespräche, Beratungen ausführlicher Schriftverkehr und Diskussionen mit Verwaltung und Baubehörden gingen der Genehmigung, die 1998 erfolgte, voraus. Ein Jahr später wurden anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten zur Verleihung des Markt- Münz und Zollrechtes die ersten Tafeln an historischen Bauten angebracht.

Seitdem sind wohl alle wichtigen Gebäude der Stadt – übrigens auch in Schwenningen – mit einer der 35 x 35 Zentimeter großen Informationstafeln versehen. Sie sollen keinesfalls die Aufgabe der zahlreichen „echten“ Stadtführerinnen und Stadtführer ersetzen, die sich mit großem Engagement und Fachwissen dafür einsetzen, dass Fremde und Einheimische ein lebendiges Geschichtsbild der alten Zähringerstadt vermittelt bekommen. Die kleinen stummen blau-weißen „Kollegen“ dienen als Ergänzung und erzählen dem Betrachter, der auf eigene Faust die Stadt durchstreift, ein wenig von deren Historie.

In dieser Folgen stellen wir 14 Gebäude vor, an denen solche Tafeln – zum Teil erst in den letzter Zeit – angebracht wurden.

Machen wir mal einen Bummel kreuz und quer durch die Stadt und achten auf die geschichtlichen Hinweise. Das Bickenkloster, direkt am Bickentor angebaut, ist einer letzter Zeugen der langjährigen und bedeutenden Klostergeschichte in Villingen. Davon kündet auch die Franziskanerkirche mit dem dazugehörigen Kloster am Ende der Rietstraße, unmittelbar neben dem dortigen Stadttor. Hier befindet sich heute ein vielseitig genutztes Städtisches Kulturzentrum. Ebenfalls in der Rietstraße ist das ehemalige Heilig-Geist-Spital, das später zum Alten Kaufhaus wurde, zu finden. Eines der meist fotografierten Gebäude ist das bunt bemalte Café Raben in der Oberen Straße und nicht weit davon entfernt steht die Rabenscheuer, die zu den ältesten Profanbauten der Stadt zählt. Eine weitere bedeutende Scheuer stand in der Gerberstraße: Die Johanniter-Scheuer die im Spätmittelalter von der Johanniterkommende auch als Pferdestall genutzt wurde. In der Nachbarschaft steht das ehemalige Münch-Haus in dem sich heute eine Metzgerei befindet. Ein Haus mit geschichtlicher Bedeutung ist auch das so genannte Sammlungsgebäude in der Oberen Straße in dem sich einst die Waldhauser Sammlung, eine geistliche Frauengemeinschaft, und nach 1308 die Vettersammlung befand. Kunde von der einstigen großen Bedeutung der Zünfte gibt heute noch die Zunftstube der Schuster in der Bickenstraße. Darin ist heute eine Gaststätte eingerichtet. Auch im so genannten Wehrhaus an der Ecke Bärengasse/ Hafnergasse ist eine Wirtschaft. Mitten im Stadtzentrum am Marktplatz steht das so genannte Steinerne Haus, allgemein als Honold-Haus bezeichnet. Es fällt besonders durch die Wappen am schönen Doppelerker auf. In der Kanzleigasse erinnert ein spätgotischer Massivbau an die Kanzleischeuer – das war die frühere Münze. Ein mächtiges Gebäude am Ende der Färberstraße ist das so genannte Glunkenhaus, das heute als Gaststätte und Geschäftshaus genutzt wird. Mit der Renovierung und Sanierung des Hauses Rathausgasse 2/Ecke Schulgasse wurde die Firmengeschichte der einstigen hoch angesehenen Uhrenfabrik Carl Werner wieder lebendig. Und hier zeigt sich, dass die Schar der „kleinen blauen Stadtführer“ sich auch heute immer noch vermehrt, denn die Tafel an diesem Haus wurde – auch zur Freude des Geschichts- und Heimatvereins – erst in jüngster Zeit angebracht.