Karl Knecht Die Liebe zu seiner Heimatstadt wird in seinen Bildern lebendig (Günter Rath)

Gerade 88 ist er geworden. Eine Begegnung mit Karl Knecht ist immer noch ein Erlebnis. „Seinen täglichen Rhythmus muss man beibehalten und eine feste Wertehaltung gehört einfach zum Leben. Mit dieser Philosophie bin ich bisher sehr gut gefahren“, erzählt der Villinger Malermeister und Kunstmaler. „Mein katholisches Elternhaus hat mir dabei sehr viel mitgegeben“. Bei Malermeister Hermann Fischer ist er in die Lehre gegangen, hat dort auch sein Gesellenstück gemacht und das Handwerk von Grund auf gelernt.

In seinem Elternhaus in der Gerberstraße eröffnete Karl Knecht dann ein eigenes Malergeschäft, das später zu einem Verkaufsladen für Malerbedarf ausgebaut wurde. Zu Zeiten als er unter anderem an der Tonhalle arbeitete, beschäftigte Karl Knecht bis zu dreißig Mitarbeiter.

Dass er mehr wollte, dass er künstlerische Ansprüche an sich stellte, wurde sehr schnell deutlich. Im Anschluss an seine Lehre besuchte Karl Knecht die Kunst- und Gewerbeschule in Karls- ruhe und kann später auch an der Akademie der Bildenden Künste in München studieren, eine Akademie, die die Entwicklung der deutschen Malerei weitgehend mitbestimmte. Landschafts- und Porträtmalerei waren an der Akademie in München besonders beliebt, Kategorien der Malerei, die später auch für Karl Knecht bestimmend werden sollten, Gattungen in denen er seine Bildmotive suchte.

Karl Knecht und seine geliebte Heimatstadt: Motive wie das Bickentor hat er oft und oft in verschiedenen Techniken gemalt. Sie zieren viele Villinger Wohnstuben.

Seit Beginn seines siebten Lebensjahrzehnts widmete sich Karl Knecht nur noch der Kunst. Befragt nach seinen Lieblingsmalern kommen ihm spontan die französischen Expressionisten über die Lippen. Am liebsten malt er selbst noch heute aber Bilder vom alten Villingen, „einer Stadt mit einer stolzen Geschichte“.

Die Vaterstadt war für ihn mit ihren Motiven selbst eine wahre Fundgrube. Ein liebevoller Blick prägt die Bilder vom alten Villingen. Typische Ansichten sind es: Der Blick auf ’s Münster, vor allem aus dem Rathausgässle, die Türme und Tore seiner Heimatstadt regen Karl Knecht noch heute an, zum Pinsel zu greifen. Vieles von dem, was er gemalt hat, ist heute ein historisches Dokument und zeigt, wie die Stadt scheinbar ihr Gesicht verändert hat. Karl Knecht liebt das historische Villingen, aber er ist auch offen für sinnvolle Veränderungen. „Die Tradition bewahren, ohne sich der Gegenwart und Zukunft zu verschließen, das ist eine Aussage, mit der er sich gern an die Schemen und Häser, die er bemalt hat, und es war für ihn eine Selbstverständlichkeit, dem Wunsch der Narrozunft zu folgen und die Villinger Narrofahne zu malen.

 

Karl Knecht: Verschneites Schwarzwaldhaus im Feldberggebiet.

 

Wenn Karl Knecht von seinen Villinger Bildern spricht, stellt er sich aber auch oft die Frage, ob sich die Stadt denn wirklich so verändert hat. Oder hat Karl Knecht, wie einer seiner Kunden einmal gefragt hat, vielleicht in erster Linie Typisches von seiner Vaterstadt gemalt. Vielleicht zeigt sich gerade darin seine handwerkliche Schule.

Die Tatsache, dass in seinem Haus kein Villinger Bild hängt, ist Beweis genug, dass Karl Knecht noch immer eine gute Maleradresse für Villinger Motive ist. „Man kauft mir meine Bilder auch in moderner Zeit ab“, erzählt Knecht nicht ohne Stolz. „Viele Menschen freuen sich über Motive, die sie noch erkennen. Wichtig ist für die Betrachter der persönliche Bezug zu dem, was sie sehen.

„Ich male für die, die unsere Stadt kennen“, sagt er, aber trotzdem sind die Ansichten auch für den Fremden erkennbar, weil typische Details immer wieder herausgehoben werden. Der Charakter der mittelalterlichen Stadt bleibt erhalten.

Der Besuch zahlreicher Kunstausstellungen regt ihn immer wieder zu hochwertigen Kopien an. Seine Kopie vom „Raub der Sabinerinnen“, zum Beispiel, ist ein Blickfang für jeden Besucher im Haus in der Bleichestraße. Auch seine Porträtkopien beeindrucken durch ihre Ausdrucksstärke und begeistern genauso wie Karl Knechts Schwarzwald-Landschaften und Blumenbilder.

 

Blumenstück mit Sonnenblumen nennt der Villinger Maler dieses Bild.

 

Blumenstück mit Sonnenblumen nennt der Villinger Maler dieses Bild.
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Alter Mann mit Pelzmütze heißt das Werk eines unbekannten Meisters, das Karl Knecht in einer Münchner Galerie kopierte.

 

 

 

Diesem Lausbub aus dem Bregenzerwald begegnete der Maler bei einem seiner Ausflüge. Er verewigte ihn auf der Leinwand.
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Diesem Lausbub aus dem Bregenzerwald begegnete der Maler bei einem seiner Ausflüge. Er verewigte ihn auf der Leinwand.

 

 

 

Den Villinger Buchhändler und Heimathistoriker Josef Liebermann porträtierte Karl Knecht 1945 in der Baracke beim alten Krankenhaus, wo beide interniert waren

 

 

Karl Knecht: Das Riettor ist ein besonders beliebtes Motiv, das vor allem als historische Darstellung bei seinen Kunden gefragt ist.