Glorreiche Villinger Fußballzeiten – Als „Wu“ im Nationaltrikot kickte (Hermann Colli)

Hermann Gramlich spielte für Deutschland / Erinnerungen im WM-Jahr 2006

Hermann Gramlich, den die Villinger Fußballfreunde „Wu“ nannten, war wohl der Kicker des FC 08, der zu den höchsten Fußballehren aufstieg. Dreimal trug er das Trikot der National elf. Hier im Gespräch mit dem wohl bekanntesten deutschen Fußballtrainer aller Zeiten, Sepp Herberger.

 

Das Fußballfieber hatte 2006, als die besten Kicker der Welt in Deutschland ihren Meister suchten, die ganze Nation ergriffen. Eine wahre Euphorie schwappte durchs Land. Ein Rausch in schwarz rot-gold! Auch in Villingen gab es kaum ein anderes Thema als die WM.

Bei den älteren Fußballfans, besonders denen des FC 08 Villingen, taucht beim Thema Nationalelf immer ein Name auf: Hermann Gramlich. Aber kaum einer der alten Nullacht-Hasen nennt ihn bei seinem richtigen Namen, alle sprechen nur von „Wu“. Von diesem „Wu“, der dreimal das Trikot der Deutschen Nationalmannschaft trug, schwärmen die Nullachter, die 2008 dem hundertsten Geburtstag ihres Club feiern können, noch heute.

Jubelszenen wie auf diesem Bild spielten sich während der Fußball Weltmeisterschaft 2006, die zu einem Höhepunkt der Fußballgeschichte wurde, überall in Deutschland ab. Die Straßen waren zum Teil in ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer getaucht. Hier wird der spontan gestartete Autocorso in der Südstadt, vor dem St. Fidelisheim, von begeisterten Fans gestoppt.

 

Ein eisenharter Verteidiger mit einem mächtigen Schuss sei er gewesen, der wesentlich dazu beigetragen hat, dass der Villinger Traditionsverein in den 30er-Jahren in die Gauliga, damals die höchste Spielklasse im Badischen Ländle, aufstieg. Er sorgte auch dafür, dass die Kicker aus der Zähringerstadt in den Dreißiger Jahren in Fußballkreisen Südwestdeutschlands einen ausgezeichneten Ruf genossen.

In zahlreichen Auswahl- und Repräsentativspielen kickte „Wu“ für seine badische Heimat. Und so war es nicht verwunderlich, dass der damalige Reichstrainer Otto Nerz und sein Assistent Sepp Herberger auf ihn aufmerksam wurden. Dreimal wurde er 1935 in die Nationalelf berufen. Gegen Luxemburg, Rumänien und Polen – damals in er berühmten „Breslauer-Elf“ – trug er das Trikot mit dem Adler auf der Brust.

In der 08-Jugend spielte er zunächst Linksaußen, kam dabei aber wohl nicht so richtig zum Zuge. Als er auf den linken Verteidigerposten wechselte, begann sein steiler Aufstieg. Als 17-jähriger wurde er erstmalig in die „Erste“ der Nullachter berufen. Gegen den Freiburger FC ging’s und Hermann Gramlich zeigte eine so starke Leistung, dass ihm danach ein Stammplatz sicher war.

Seine Schüsse waren bei den gegnerischen Torhütern gefürchtet. Und wenn er einen Strafstoß trat oder einen Eckball herein gab, dann soll er immer ein befreiendes: „Wu“! ausgestoßen haben, was ihm schließlich den Spitznamen, der zu einem Markenzeichen für ihn wurde, eingebracht hat. Seine Verdienste wurden auch in Büchern von Werner Jörres und Herbert Schroff („Erinnerungen an eine alte Stadt II“) und Klaus Willner („Vom Spiel zum Sport“) gewürdigt. Hier soll an den Sportler Gramlich erinnert werden, der ein gutes Stück heimischer Sportgeschichte mitgeschrieben hat und der, viel zu jung, am 6. Februar 1942 als Soldat in Russland gefallen ist.

Herbert Schroff hat über den „Nullacht-Wu“ eine ganze Menge Geschichten, Bilder und zahlreiche Dokumente gesammelt. „Ich habe ihn noch gekannt und, wie alle alten Nullachter, schwer bewundert und verehrt.“ schwärmt der heute 82- Jährige ehemalige Saba-Reporter und Berichterstatter für die Lokalzeitungen seiner Villinger Heimatstadt.

Fußball lag bei den Gramlichs offenbar im Blut.Elke Fischer, Ehefrau des Narro-Ehrenzunft-meisters und Beiratsmitglied im Geschichts- und Heimatverein Villingen, Karl-Heinz Fischer, hat davon auch wohl einige kräftige Spritzer abbekommen. Ihr 1993 verstorbener Vater, Eugen Gramlich, der fast 20 Jahre Werkmeister bei der FirmaWinkler und ein Bruder von „Wu“ war, würdigte zu Hause oft dessen fußballerische Heldentaten.

Er schrieb ein Stück Villinger Fußballgeschichte: Egon Mauch. Auch wie hier im Trikot der Altherren-Mannschaft schoss er eine Menge Tore für seine Nullachter. In den 30er-Jahren gehörte er zu den gefürchtetsten Stürmern des Villinger Traditionsvereins.

 

Der FC 08 Villingen gehörte immer zu den profiliertesten Teams im Schwarzwald. Und die Nullachter waren immer stolz auf ihren Nationalspieler Hermann Gramlich, der sich auf diesem Fotodokument aus dem Archiv von Herbert Schroff, als linker Verteidiger (vorn rechts kniend) präsentiert. Das Bild wurde 1933 aufgenommen als die Villinger Schwarzwaldkreismeister wurden.

 

Er selbst hatte zwar nie die Kickstiefel angezogen, aber sein Herz schlug für den Fußball. „Mein Vater war Rädelsführer bei Gründung des Winkler-Fußball- Club erzählt Elke und sie erinnert sich noch gut daran, dass sie früher die verdreckten und verschwitzen Trikots der Winkler-Kicker waschen musste. Nach alter Väter Sitte: Von Hand, mit Wurzelbürste und Waschbrett, versteht sich. Wie bei Winkler gab es damals noch einige andere Betriebsmannschaften, die sich untereinander auf dem Fußballplatz oft heiße Schlachten lieferten

In einem Atemzug mit den Geschichten von „Wu“ berichten eingefleischte und in Erinnerun-gen schwelgende Nullacht-Senioren von Egon Mauch. Hielt in den 30er-Jahren Hermann hinten den Kasten dicht, so sorgte vorne Egon für Tore. In der Saison 1932/33 setzte er den Torhütern der Gegner 30 „Eier“ ins Netz! Er spielte bis in hohe Fußball-alter, zuletzt in der Altherren-Mannschaft für seinen FC 08. Zu nationalen Ehren hat es den Egon nicht gereicht. Aber es hält sich da immer noch hartnäckig die Geschichte, dass da einige einfluss- reiche Leute des Vereins daran gedreht haben sollen. Eben diese hätten die Einladungen des Deutschen Fußballbundes an Egon Mauch zu Lehrgängen und Schulungen einfach unterschlagen. Der Grund: Angst vor Abwerbung ihres talentierten Stürmerstars. Das gab’s also damals schon! Und so blieb der Egon immer ein Nullachter, denn auch als er die Kickschuhe längst an den Nagel gehängt hatte, blieb er seinem Club treu, in dem er bis zu seinem Lebensende zahlreiche ehrenamtliche Aufgaben ausübte.