Tobias Fischer (Heinrich Maulhardt)

Eine Buchbesprechung

Tobias Fischer: Der Prozeß vor dem Villinger Stadtgericht im 17. Jahrhundert. Prozessrecht und Gerichtsverfassung im ältesten Gerichtsbuch (1620–1679). Veröffentlichungen des Stadtarchivs und der Städtischen Museen Band 32. Villingen-Schwenningen: Verlag der Stadt Villingen-Schwenningen 2006. ISBN: 3-939423-00-9 (978-3-939423-00-3). Verkaufspreis: 25.00 €.

Die vorliegende Dissertation des Villingers Tobias Fischer zum „Prozeß vor dem Villinger Stadtgericht im 17. Jahrhundert“ vervollständigt die mit dem Jubiläum „1000 Jahre Marktrecht Villingen“ im Jahre 1999 herausgegebenen historischen Forschungen. Sie wendet sich einem Bereich unserer Stadtgeschichte zu, der in den vergangenen Jahrzehnten weniger zum Zuge gekommen ist, der Rechtsgeschichte. Der Autor hat eine einzigartige Quelle in unserem reichhaltigen Stadtarchiv entdeckt und diese in beeindruckender Weise ausgewertet. Es handelt sich um das älteste Villinger Gerichtsbuch aus dem 17. Jahrhundert. Fischers Untersuchungen geben einen tiefen Einblick in die Praxis des Villinger Stadtgerichts aber auch in das Alltagsleben unserer Stadt und ihrer Bewohner vor über 300 Jahren. Sein Buch stellt einen Meilenstein in der Erforschung der Villinger Stadtgeschichte der frühen Neuzeit dar. Die Untersuchung gibt vor allem wichtige Einblicke in die Entstehung der Strukturen unseres kommunalen Gemeinwesens. Dr. Harald Derschka von der Universität Konstanz, an der die Dissertation angefertigt wurde, stellt fest, dass es sich um die erste moderne Monographie überhaut handelt, „welche die alltägliche Arbeit eines Stadtgerichts im 17. Jahrhundert analysiert. Basis sind die über 2400 im Gerichtsbuch auf annähernd 650 Seiten verzeichneten Prozesse um Geldschulden, Beleidigungen, Schadensersatzansprüche, Ausstattung und Aussteuer, Erbansprüche und anderes mehr. Auf dieser Grundlage ließ sich der übliche Gang eines Verfahrens vor dem Villinger Stadtgericht rekonstruieren: Tobias Fischer kann aufzeigen, wann und wie oft das Gericht tagte, wer im Gericht welche Funktion ausübte, wer vor dem Stadtgericht wegen welcher Angelegenheiten belangt werden konnte, an welche Formalien man sich halten musste, wie das Gericht seine Entscheidungen begründete, welche Möglichkeiten zur Anfechtung bestanden und wie das Urteil vollstreckt wurde.“

Die Publikation weist ein ausführliches Namens- und Ortsregister auf. Sie ist also auch für Nachforschungen zur Familien- oder Personengeschichte von großem Interesse. Auch wenn es sich um eine akademische Arbeit handelt, so ist sie doch für ein breites Publikum lesbar. Das Buch dürfte darüber hinaus durch seinen hochwertigen Einband Gefallen finden.