„Neue“ Kanonenrohre auf dem Romäusturm (Werner Huger)

Sie sollen an jene Zeiten erinnern als die Stadt mit ihren Mauern und Türmen sich noch selbst verteidigen musste. Dabei sei nur an die feindliche Belagerung vom Juli 1704 gedacht. Mit 30000 Soldaten lag damals der französische Marschall Tallard im Spanischen Erbfolgekrieg vor der Stadt. Ausgerichtet mit Zielrichtung städtischer Befestigung war seine Artillerie auf dem Hubenloch in Stellung gegangen. Seit dem frühen Morgen des 17. Juli 1704 donnerten die ganzen nächsten Tage seine Kanonen. Vier Batterien mit 16 Geschützen (24er und 8-Pfünder) legten mit massivem Beschuss das Vortor bzw. die Mauern beim Riettorturm und dem Franziskanerkloster nieder.

Am 18. Juli war fast das ganze Kloster zerstört. Mit dem Abzug der Feinde am Morgen des 23. Juli war das Verderben durch die Verteidiger abgewendet, das nicht nur hier sondern mehrfach, z. B. während des Dreissigjährigen Krieges, die Menschen bedrohte. Es waren also Abwehrschlachten gewesen, die die Bewohner mit Angst und Mut vollbrachten. Ihnen beigegeben waren die Kanonen, die von den Türmen, wie dem Romäusturm, aber auch von den Wällen, das Abwehrfeuer erfolgreich in die Ferne richteten.

Blick auf den Romäusturm mit den auf das Hubenloch ausgerichteten Kanonen.

 

 

Günter Moser, „Rietbürgermeister“, der die Rohre anfertigte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit dem 07. Oktober 2006 erinnern zwei Kanonenrohre daran. Sie sind von den obersten Artilleriefenstern des Romäusturms auf die Höhe des Hubenlochs ausgerichtet. Sie sind jedoch in Wahrheit eine in handwerklich meisterlicher Arbeit geschaffene Nachahmung. Die Idee dazu hatte Manfred (Meckes) Müller, der eines Tages zu seinem Freund, dem Glasermeister Günter Moser, während der Fastnachtszeit seines Zeichens „Rietbürgermeister“, sagte, lass‘ uns über ein sichtbares Zeichen an vergangene kriegerische Zeiten erinnern. Gesagt getan. Logistisch aufwendig wurden die langen und schweren Holzrohre gefertigt und auf den Geschossboden des Turmes verbracht. Einst Symbol der Wehrhaftigkeit und Verteidigungsbereitschaft sind sie heute Ausdruck des Bürgersinns.