Hofkapelle am „Schleifehof“ erstrahlt in neuem Glanz (Lambert Hermle)

Glockengeläut hallt wieder durch das Warenbachtal

Abb. 1: „s’Schlifi-Käpelle“ bei der Glockenweihe.

 

 

Unweit vom Zusammenfluss vom Wieselsbach mit einem Bächlein, das vom Neuhäuslewald her seinen Weg findet und dann erst den Namen „Warenbach“ trägt, steht die Schleifekapelle. Die Villinger nennen sie liebevoll „s’Schlifi-Käpelle“. Ihren Namen hat dieses kleine Gotteshaus von dem jenseits des Warenbachs gelegenen „Schleife-Hof“. Heute ist der Hof ein Landwirtschaftsgut, doch zuvor diente er bis zum Jahre 1895 als „Grob- & Feinschleiferei“.

Die Kapelle wurde im Jahre 1848 von dem damaligen Besitzer der Schleife, J. Neininger, in Holz als Andachtskapelle für seine Familie erbaut.

Darin verehrte man ein Kreuz, das seit Beginn des 19. Jahrhundert als „wundertätig“ galt und als Wegkreuz vor dem Hofe stand. Der Volksmund erzählt, dass eine besorgte Mutter mit ihrem vierjährigen blinden Kind aus Pfaffenweiler den Weg zu diesem Wegkreuz gegangen sei um Hilfe zu erbitten. Am selbigen Abend habe ihr Kind das Augenlicht wieder erlangt. Doch soll dieses wundertätige Kruzifix im Jahre 1883, als die Kapelle in Stein neu errichtet wurde, abhanden gekommen sein. Die dem Schutzpatron der Bauern und Hirten, dem heiligen Wendelin, geweihte Kapelle kam im Jahre 1986 in den Besitz der Familie Willi und Gertrud Hirt, die den Schleifehof heute noch bewirtschaftet. Ihr innigster Wunsch war es, die Kapelle wieder so herzurichten wie es einer Hofkapelle gebührt. Und dazu gehörte, ihrer Meinung nach, auch eine Glocke. Mit dem Glockengießermeister Peter Glasbrenner aus Schwäbisch Hall wurde der geeignete Fachmann gefunden und somit konnte im Juni 2006 auf dem Bauernhof der Familie Hirt eine neue Glocke gegossen werden. 20 Kilogramm schwer ist sie, mit einem Durchmesser von 30 Zentimeter. Auf der Wandung ist das Gießdatum mit einem Kreuz zu sehen.

Der dazu gehörige Glockenturm wurde in das neu eingedeckte Dach eingebaut. Die Bänke sind frisch gestrichen, der Boden sauber gefliest, die Außenwände neu verputzt und gestrichen und das Regenwasser findet wieder seinen gewohnten Lauf. Selbst die Bilder, die auf dem Dachboden lagen, wurden restauriert und so zieren sie, die heilige Agnes und die heilige Apollonia darstellend, den schmucken Innenraum der Hof- und einstigen Wallfahrtskapelle. Über dem Altar ist die Kreuzigungsgruppe mit einem mannsgroßen Kruzifix und zwei Bildtafeln mit der Gottesmutter Maria und dem Lieblingsjünger Johannes zu sehen. Dieser Korpus stammt von einem Kreuz, das einst auf dem Villinger Friedhof gestanden haben soll.

Der gelungenen Gesamtrenovierung folgte an einem sonnigen Maitag 2007 die Glockenweihe und Neueröffnung der „Schlifi-Kapell“. Pfarrer Werner Bauer von der benachbarten St. Konradspfarrei weihte die neue Glocke und versetzte die zahlreich anwesenden Gläubigen in die Sphäre einer „Bergpredigt“. Von den Seligpreisungen in der biblischen Bergpredigt (Matthäus 5, 1–12) ging der Seelsorger vor allem auf die siebte ein: „Selig sind die, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt werden“. So soll die Glocke, die auf den Ton „F“ gestimmt ist, ihren Ruf durch das stille idyllische obere Warenbachtal erschallen lassen, die Menschen zum Frieden ermahnen und zum Friedensgebet aufrufen.

Abb. 2: Links die geschmückte Glocke, rechts bei der Montage im Glockenturm.

 

 

 

Abb. 3: Glockenweihe.

 

Das Kirchlein, das sicher eine Bereicherung des Landschaftsbildes ist, soll aber nicht nur als schmuckes christliches Denkmal am Weg- und Waldrand stehen, sondern Passanten und Besuchern zu einer stillen Besinnung und Andacht einladen. Den Besitzern der Hofkapelle, Willi und Gertrud Hirt, ist es ein Bedürfnis, regelmäßig am Samstagmittag um 12 Uhr das bevorstehende und wohlverdiente Wochenende einzuläuten und die Kapelle für die Gläubigen zu öffnen.

Mit dem renovierten „Schlifikäpple“ ist ein echtes Zeugnis Villinger Volksfrömmigkeit wieder lebendig gemacht und in den Blickpunkt gerückt worden.

 

Abb. 4.

 

 

Abb. 5

 

 

Abb. 6.

 

 

 

Zu einem Festtag für die Villinger Christen wurde die Glockenweihe an der renovierten Kapelle beim Scheifehof im oberen Warenbachtal. Eine beachtliche Zahl Gläubiger aus der ganzen Stadt nahm an der Feier im Mai 2007 teil, freute sich über das wohlgelungene Werk und lobte die Initiative der Familie Willi Hirt, die nicht nur dafür gesorgt hat, dass das kleine Gotteshaus wieder in neuen Glanz erstahlt, sondern auch eine neue Glocke gestiftet hat.

Aus Bronze gegossen ist die neue Glocke der Schleifekapelle. 20 Kilogramm wiegt sie und hat einen Durchmesser von 30 Zentimetern. Für die Weihe am 19. Mai 2007 stand sie schön geschmückt vor dem Kirchlein. Nach der Weihe wurde sie vom Erbauer des neuen Glockentürmchens, Zimmermeister Bernd Bucher (rechts) und Martin Hirt, dem Sohn des „Schlifebauern“ Willi Hirt, auf dem neu eingedeckten Kirchendach montiert und anschließend zum erstem Mal geläutet (Abb. 2).

Abb. 7.

 

Glockenweihe (Abb. 3): Mit Weihwasser und Chrisamöl gaben Pfarrer Werner Bauer (rechts) und Pfarrer Alfons Weißer der Glocke den kirchlichen Segen.

Zahlreiche Christen aus der ganzen Stadt nahmen an der festlichen Maiandacht zur Wiedereröffnung und Glockenweihe der renovierten Schleifekapelle teil (Abb. 4).

Alle Blicke gingen zum Himmel, als zum ersten Mal das Geläut des neuen Glöckchen vom Dachreiter der Kapelle über das idyllische Tal am oberen Warenbach erklang (Abb. 5).

Der Altar der Schleifekapelle (Abb. 6) mit der Kreuzigungsgruppe, dem großen Kruzifix und den Bildern der Gottesmutter und des Apostel Johannes, den Medaillons des heiligen Wendelin, Schutzpatron der Bauern, Hirten und der Tiere (links) und des heiligen Ambrosius, des Patrons der Bienenzüchter, Wachszieher und der Bienen.

Große Bilder der heiligen Märtyrerin Agnes (Patronin der Zahnärzte und Helferin bei Zahnschmerzen) und der heiligen Apollonia (Patronin der Jungfrauen, Verlobten, Kinder und der Gärtner) wurden fachkundig restauriert und schmücken nun die Seitenwände der Schleifekapelle (Abb. 7).