Kleine Mäschgerle erzählen Geschichte(n) (Redaktion)

Da taucht plötzlich so ein Bild auf von längst vergangener Zeit. Es erzählt eine Geschichte von damals. Wann war das wohl? So ganz neu ist es sicher nicht! Aber woher die beiden Mäschgerle kommen ist unverkennbar. Der kleine Narro und die kleine Altvillingerin sind in den Mauern der Zähringerstadt zu Hause. Und wenn man die beiden kennt, dann kann man auch das Alter des Fotos bestimmen. Ende der Vierziger Jahre ist es entstanden.

Der Krieg, in dem die Villinger keine Fasnet machen durften, war noch nicht lange zu Ende.

Und den Erwachsenen stand auch nicht der Sinn nach Fröhlichkeit und Narretei. Aber den Kindern wollte man die Freude an „Villingens höchsten Feiertagen“ nicht verderben und so wurden auch in den Kriegsjahren die Truhen geöffnet und Häs und Tracht hervorgeholt. Wenigstens die Kinder sollten die alte Villinger Tradition hochhalten dürfen. Und so wurde in den eigenen vier Wänden das Narri-Narro angestimmt. Schon 1947 gab’s dann in Villingen wieder die „kleine Fasnet“. Die Kinder durften einen Umzug machen.

Mäschgerle. Die Bilder sind aus dem Archiv der Hist. Narrozunft Villingen, von Hansjörg Fehrenbach und Joachim Wöhrle, Villingen.

 

Diese Beiden dürften dabei gewesen sein. Die Zahnlücken lassen vermuten, dass sie wohl sechs bis sieben Jahre alt sind, also in dem Alter, in dem sie in die Schule kamen. Sie sind Cousine und Cousin, hören auf den Namen Gramlich. Mit Brigachwasser getauft – das Maidle in Villingen der Bue in St. Georgen – und Narrenblut in den Adern, wuchsen sie auf. Sie wohnt auch heute noch hier und ist, wie damals, an der Fasnet nicht zu bremsen. Nicht nur Narretei steckt ihr im Blut, auch Brauchtumspflege liegt ihr sehr am Herzen. Sie hieß damals Elke Gramlich. Heute hört sie auf den Namen Elke Fischer und ist die Frau des Ehrenzunftmeisters Karl-Heinz Fischer, der auch Beiratsmitglied im Geschichts- und Heimatverein ist. Der junge Mann ist Wolfdieter Gramlich, er wohnt in St. Georgen, ist aber der Villinger Fasnet von Kindsbeinen an eng verbunden. Seit über 50 Jahren ist er Mitglied der Narrozunft. Auch in der Mitgliederliste des Geschichts- und Heimatverein steht sein Name.

Mit Geschichte und Brauchtum beschäftigt er sich seit frühester Jugend. Schon mit 13 Jahren fing er an, alles zu sammeln, was mit heimischer Historie zu tun hat. Sein privates Archiv beherbergt wahre Schätze an historischen Urkunden, Bildern und Unterlagen, um die ihn wohl manches Heimatmuseum beneidet. Mit seinem 1984 herausgegebenen „St. Georgener Heimatbuch“ (250 Seiten mit Beiträgen und Bildern über 900 Jahre Stadt- und Klostergeschichte) wie auch durch zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitungen und Broschüren zu lokalhistorischen Themen hat er sich als Chronist einen guten Namen gemacht.

Nicht nur zwischen diesen beiden Mäschgerle besteht eine enge Partnerschaft, sondern auch zwischen dem GHV Villingen und dem 1972 gegründeten „Verein für Heimatgeschichte St. Georgen“.

„Die Villinger waren praktisch Geburtshelfer unseres Vereins“, lobt Gramlich die gute Unterstützung, welche die Bergstädter bei der Gründung erfahren haben.

Geschichte und Geschichten verbinden eben!