Die Universitäts-Zehntscheuer in Villingen (Lambert Hermle)

Im Auftrag von Erzherzog Albrecht VI., Regent in den habsburgischen Vorlanden und Bruder des Kaiser Friedrich III., selbstherrlich und verschwenderisch auftretend, wurden in Villingen im Jahre 1456 mit dem Gelehrten Matthäus Hummel Verhandlungen zur Gründung der ersten Universität Freiburg im österreichischen Vorlande geführt und im Jahre 1457 vollendet.

Und so war dann Matthäus Hummel Mitgründer der Universität Freiburg und erster Rektor im Jahre 1460. Er war Doktor der Fakultät der „Freien Künste“, der Vorgängerin der philosophischen Fakultät, Doktor des kanonischen Rechts sowie ernannter Rektor der Theologen, Mediziner und der Juristen. Hummel wohnte in der Bickenstraße (siehe Paul Revellio „Beiträge der Geschichte der Stadt Villingen“ Seite 191).

Zur damaligen Zeit waren die Universitäten, auch „Hohe Schulen“ genannt, Kirchenstiftungen. Und so lag es nahe, dass zahlreiche österreichische Kirchenlehen, darunter die der Münsterkirchen der Städte Freiburg, Breisach und Villingen dazu bestimmt wurden, die notwendigen materiellen Grundlagen für den Neubau zu erbringen.

So richtete man die Universitäts-Zehntscheuer im Rietviertel ein. Sie nahm die Hälfte des Pfarrzehnten (Naturalabgaben auf Einkünfte) auf. Dieser Bau stammt noch aus früherer Zeit und wurde aus mehreren Häusern 1457 zu diesem Zwecke umgebaut.

Der heutige Bau stammt aus der 1. Hälfte des 16. Jh., hat aber noch einen romanischen Kern. Im 18. Jh. und im Jahre 1904 fanden Änderungen statt. Nach der Ablösung des Zehnten wurde das Gebäude 1847 versteigert und ging in Privatbesitz über. Es diente dann als Lastkraftwagengarage, Geschäftshaus (Innenausstattung Zimmermann) und als Ausbildungsstätte der Firma Fr. Winkler KG. Backofen, Villingen.

Im Sommer 2007 zeigte die Historische Narrozunft Villingen (NZV) großes Interesse an diesem Gebäude und nahm Kontakt mit dem Eigentümer Manfred Müller auf, und es gelang ihr, das Haus als Zunfthaus für den Kaufpreis von rund 255.000 Euro zu erwerben. Eine außerordentliche Generalversammlung der NZV in der „Neuen Tonhalle“ im Herbst 2007 gab mit der absoluten Mehrheit grünes Licht dazu.

Ein lang gehegter Wunsch der Narrozunft erfüllte sich und seit dem Frühjahr 2008 wird die einstige Universitäts-Zehntscheuer als Zunfthaus ausgebaut. Häskammer, Zunftarchiv und neue Sitzungsräume sowie weitere Räumlichkeiten sollen dann unter einem Dach untergebracht sein.

Der Geschichts- und Heimatverein nahm die Zehntscheuer der Villinger Narrozunft schon in der Planungsphase unter die Lupe. Bevor die GHV-Mitglieder durch das Haus geführt wurden, erklärte Architekt Peter Ettwein (links) die Baupläne.