Eugen Zimmermann– eine späte Erinnerung – (Bernd Riedel)

Im vergangenen Jahr, am 19. 8. 2007, wäre E.Z. 100 Jahre alt geworden, Grund genug für eine späte Erinnerung an diesen Künstler. Durch den Umzug der jüngsten Tochter Zimmermanns nach Villingen ist auch der umfangreiche künstlerische Nachlass dorthin zurückgekehrt. Hier soll auch dessen Archivierung und Dokumentation vorgenommen werden.

In Villingen geboren wuchs er zuerst in der Hochstraße und dann in der Bertholdstraße 4 auf. Die künstlerische Ausbildung von 1927 bis 1932 erfolgte an der Kunstakademie Karlsruhe bei Hermann Gehri, Karl Dillinger, Georg Scholz und August Babberger. Eine begleitende Ausbildung in Kunstgeschichte von 1931 bis 1934 in Heidelberg folgte das erste Staatsexamen 1932 mit anschließender Lehrtätigkeit für das künstlerische Lehramt. Nach der Beurlaubung vom Staatsdienst 1937 studierte er Alte Geschichte an der Universität in Berlin bei Prof. Röhrig, sowie Archäologie bei Prof. Rodenwaldt. Von 1939 bis 1942 übte er eine Lehrertätigkeit am Hans-Thoma-Gymnasium in Lörrach aus. 1942 erfolgte die promotion bei Prof. Pinder in Berlin (Professur für Mittelalterliche Kultur in Deutschland) mit dem Thema: Die Entwicklung und Stilbildung der deutschen Radierung im 19. Jahrhundert.

1942 heiratete er die Villingerin Mechtild Glunz aus der Kalkofenstraße. Von 1942 bis 1945 leistete er den Militärdienst in Russland ab. Nach dem Krieg war er wieder von 1948 bis 1977 als Kunsterzieher im Hans-Thoma-Gymnasium in Lörrach tätig mit Ernennung zum Gymnasialprofessor 1971. Neben seiner Mitgliedschaft im Villinger Kunstverein gehörte er auch dem Lörracher Künstlerkreis an. Er starb 1990 in Lörrach.

Selbstbildnis, 1974, Öl auf Leindwand.

 

Den größten Teil seiner Künstler- und Berufsjahre verbrachte er mit seiner Frau und den vier Kindern in Lörrach. Sein Beruf als Lehrer mehr jedoch sein Künstlerleben ließen ihn nur beschränkten Anteil am Privatleben haben. Sein Atelier befand sich im Dachgeschoss des Gymnasiums, in dem er sich in jeder freien Minute aufhielt. Er wird als humorvoll und großzügig beschrieben, doch Temperamentsausbrüche und „bruttlig“ sein waren die anderen Seiten seines Wesen, insbesondere dann, wenn es um Fragen der Kunst ging.

Sein Kunstunterricht war nicht auf akademische Techniken ausgerichtet, sondern eher auf das Empfinden und „innere“ Sehen. Freundschaftliche Verbindung pflegte er zu den Villinger Künstlern Oskar Wickert und Hermann Simon.

In der Roten Gass (Warenbach), 1975, Öl auf Hartfaser.

 

Seine permanente Neugier auf neue Eindrücke zeigte sich in den vielen M.Jreisen, die er oft seit den 60er Jobren auch mit dem Auto untern.hm. Er reiste viel in den Süden, um dieses Licht aufzunehmen.

Stilleben, Öl auf Leinwand, ohne Zeitangabe.

 

Die Reisen gmgen u. a. bis nach Nordafrika, Balkan, Italien und Spanien. Unentwegt machte er sich Skizzen, ob bei Reisen oder Ausflügen beruflicher oder familiärer Art. Das Skizzenbuch war sein ständiger Begleiter, kein Wunder, dass Bände über Bände sich im Nachlass befinden. Die Beziehung zu seiner Heimatstadt Villingen hat Zimmermann nie verloren. Waren es einmal die familiären Beziehungen, die ihn wieder hierher führten, so war er doch künstlerisch immer präsent durch regelmäßige Ausstellungen im Villinger Kunstverein von 1958 bis 1973, sowie seiner Villinger Einzelausstellung im Cafe des neueröffneten Kaufhauses „Bilka“ zur Fastnachtszeit 1971 mit fastnächtlichen Kompositionen. Auch in Briefen zeigte er seine innere Beziehung zur Heimatstadt „– als alteingesessener Villinger bin ich der Fastnacht verpflichtet und versuche ihr mit meinen malerischen Mitteln zu dienen“ oder „– die Baar hat sich mir immer mehr erschlossen, ich habe oft dort verweilt und meine Motive gesucht“. So sind heimatliche Motive wie „Neudingen“ (im Besitz der Stadt Villingen) „Getreideernte auf der Baar“, „Beckhofen“, „Landschaft bei Fürstenberg“, „Villingen vom Schwalbenhag“, „Pulverturm“, „Ölmühle“ u.a. entstanden. Zimmermanns Kunst war regional und überregional bekannt. Außer den regelmäßigen Ausstellungsbeteiligungen in Villingen und im Lörracher Kunstverein wurden auch Ausstellungen in Oberndorf am Neckar, Trossingen, Donaueschingen und Singen beschickt. Seine größten Einzelausstellungen waren 1962 im Hebel-Gymnasium in Lörrach (heute Museum am Burghof ), 1972 im Kurhaus in Bad Krozingen, 1979 in der Villa Aichele in Lörrach, 1987 zum 80. Geburtstag im Museum am Burghof in Lörrach. Posthum stellte das Friedrich-Ludwig-Museum in Wieslet (Wiesental) eine Auswahl seiner Ölbilder 2005 aus.

 

Dauchingen, 1971, Öl auf Leinwand.

 

In den Ausstellungen des Villinger Kunstvereins wurden seine Bilder immer positiv rezensiert: „die Bilder besitzen einen eigenen Farbklang, eindrucksvolle Bilder, erinnern an Heckel“ (1959) oder „an erster Stelle sind Werner Stumper und E.Z. zu nennen, sie haben die besten über das Lokale hinausgehenden malerischen Kräfte“ (1962), „überlegen geformte Muster mit pastös aufgetragener Farbe“ (1963) „eindrucksvoll die Netzflickerin und die alte Hille“ (1969), „in starke Konturierung gefasste Abstraktion“ (1970) „seine Kunst verdient es eine überregionale Bedeutung zu bekommen“ (1962, Lörrach).

Die Stadt Villingen erwarb zwei Ölbilder (Neudingen, Grauer Tag an der Costa Brava), die Villinger Sparkasse kaufte 2 Bilder aus dem Fastnachtszyklus. Das Museum am Burghof in Lörrach und die Stadt Weil a. Rhein besitzen weitere Werke.

In einer Besprechung ausgestellter Bilder wurde E.Z. 1967 als „letzter lebender Expressionist“ bezeichnet, mit „streng gebauten Kompositionen und eigenem Stil mit schwerem Blau, sattem Gelb und Rot in kontrastreicher Beziehung“. Später beschrieb man sein Werk „als scharf konturierte Kompositionen von Farben, Flächen und Formen“, auch der Weg zum Auflösen des Gegenständlichen wurde hervorgehoben, „Formen würden zerschnitten und neu wieder zusammengesetzt“, „Landschaften verdichtet“ dargestellt (Ötlingen), das“Mädchen mit Katze als geheimnisvoll geschildert“.

„Er bändigt übersteigerte Expression durch Reduktion und Verzicht auf Spektakuläres ohne das Gegenständliche zu verlieren.“ Wie soll man sich dem Werk eines unentwegt um die Form ringenden Künstlers nähern, der in großformatigen Ölbildern, Aquarellen, Pastellen, in verschiedenen Mischtechniken arbeitete und in Skizzen ein so umfangreiches Œuvre hinterlassen hat? Ein Künstler, der mit regster Fantasie seine Landschaften, die man teilweise auch als „Seelenlandschaften“ bezeichnen könnte (Russlandbilder) und der seine figürlichen Darstellungen u.a. mit visionärem Aspekt (Heilung, Träumende, Am Fenster) gemalt hat.

 

Schwarzwaldlandschaft, Tempera, ohne Zeitangabe.

 

Ein Künstler, der darüberhinaus Stillleben, Tierdarstellungen, Portraits geschaffen hat und experimentellen Arbeiten (z. B. Arbeiten mit Kaffee und Papier) und modellierenden Techniken in Form von Plastiken aufgeschlossen war?

Dass Zimmermann nicht in der konservativabbildenden, naturalistischen Kunst seinen Weg gefunden hat, ist nicht verwunderlich, wenn man sich seiner Lehrer erinnert. Sie waren alle 1933 aus politischen Gründen aus den Professorenstellen der Kunstakademie Karlsruhe entlassen und als entartet eingestuft worden.

Gehri (1879 –1944) aus Freiburg stand für figürliches Zeichnen und geometrischer Formenkompositionen mit Einflüssen von Hodler; Scholz (1890 – 1945) aus Waldkirch, ein sozialkritischer Maler mit Kontakt zu Dix und Grosz als Vertreter der „Neuen Sachlichkeit“; Babberger (1885 –1945) aus Hausen im Wiesental schuf expressive Landschaften und Radierungen; der Landschaftsmaler Dillinger (1882 –1941) war als Hölzel-Schüler und Gründungsmitglied der Bad. Sezessionsbewegung bekannt.

Inwieweit eine Prägung durch den persönlichen Kontakt zu Käthe Kollwitz oder die Annäherung an seine künstlerischen Vorbilder wie Braque und die deutschen Expressionisten stattgefunden hat, kann hier nicht weiter erläutert werden.

Um dies aufzuzeigen wäre eine intensive Recherche nötig. Die Entwicklung von frühen Arbeiten bis zu seinem Spätwerk, das Finden einer eigenen malerischen Sprache und die Einflüsse seiner Lehrer wird nur durch eine intensive Sichtung und Dokumentation erfasst werden und eher einer Monographie vorbehalten bleiben.

Überauchen, 1971, Öl auf Leinwand.

 

Ein paar Grundzüge von Zimmermanns Auffassung seiner Kunst sollen hier dargelegt werden (vgl. B. Bischoff ).

„Das Bild muss Halt bekommen“ formulierte E.Z. „aber nicht durch die Verstärkung des Gegenständlichen, sondern durch den Einbau bzw. das Herauswachsen aus den Verstrebungen der Form- und Farbflächen“. So ordnet sich der Gegenstand in das formale Bild ein bzw. unter, und die Räumlichkeit ist oft aufgehoben. Die Bilder zeigen teils grafische, teils malerische Strukturen auf, wobei die verschiedenen Strukturen nicht immer deckungsgleich sind. Fast immer geht die Farbe über die Linien hinweg oder unterläuft sie. Zimmermanns Kunst ist nicht primär realistisch, andererseits arbeitet er auch nicht abstrakt. So entsteht oft der Eindruck von zwei Bildern, der gegenständliche Vordergrund liegt über einem eher gegenstandslosen Hintergrund. Der Wesenskern besteht in den Annäherungs- und Berührungstendenzen von Farben, Formen und Gegenständen oder wie Zimmermann es ausdrückte: Grundelement und Ziel meiner Kunst ist die Wiedergabe des Gegenstandes in abstrakter Form und Farbbezogenheit.

Mögen diese Ausführungen zu dem Künstler Eugen Zimmermanns Anregung sein, seine Werke wieder neu zu beleben und bekannt zu machen.

Denn E.Z. selbst hatte, wie er einmal bemerkte, keinen übertriebenen Ehrgeiz seine Arbeiten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit Eugen Zimmermann erweitert sich der Kreis der schon bekannten Villinger Expressionisten Engler, Flaig und Ackermann.

Literatur

1. Babberger, A.: Augustiner Museum Freiburg, 1985

2. Beringer, J.A.: Badische Malerei, 1770-1920; 2. Auflage 1979

3. Bischoff, B.: in E.Z., Ausstellungskatalog, Museum a. Burghof, 1987

4. Mülfarth, L.: Kleines Lexikon Karlsruher Maler, 1987

5. Hofstätter, H.H.; Hänel, B.: Die Maler des Markgräflerlandes, 2000

6. Vögely, E.: Ausstellung Eugen Zimmermann, Bad. Heimat, 1987

7. Zimmermann, E.: Unser Lörrach, 1991

8. Geschichte der Badischen Sezession, 1927-1936, Stadt Freiburg, 1987

9. Kunst in Karlsruhe, 1900 –1950, Verl. C.F. Müller, 1981

10. Zeitungsausschnitte (Bad. Zeitung 1962, 2005; Südkurier, 1971;Markgräfler Tagblatt, 2005; KUK, 2005

11. Persönliche Mitteilungen von Frau M. Zimmermann, Villingen