Ein Stück Villinger Kunst sichtbar gemacht (Hermann Colli)

Bilder von Albert Säger zieren Caféräume

Auch im Alten Rathaus wurden Erinnerungen an ihn wach

Es gehört zu den beliebtesten Fotomotiven der Stadt und es bewahrt gleichzeitig ein gutes Stück Villinger Kunstgeschichte und Handwerkstradition: Das Haus Rietstraße 30.

Hier hat sich Ende vergangenen Jahres das Café Dammert etabliert und lockt seither viele Gäste in das historische Bürgerhaus. Dass sie hier eine gute Tasse Kaffee und ein leckeres großes Stück Kuchen bekommen, wissen inzwischen die Villinger, die ein solches Lokal in ihrer Stadtmitte freudig angenommen haben. Und dass das Haus wunderbar bemalt ist und deshalb so oft fotografiert wird, wissen nicht nur sie, sondern auch Touristen und Zugezogene. Aber wer hier einst gewohnt und geschafft hat, das wissen eigentlich nur die mit der Stadtgeschichte vertrauten Bürger.

Dabei verrät das ein kleines blaues Schild an der Hauswand in wenigen Worten: „Ehemaliges Haus Säger“ ist dort zu lesen. Und dass es Ende des 16. Jahrhunderts gebaut wurde, eine spätgotische Fenstergruppe und an der Rückseite eine Balkendecke hat, erfährt der Betrachter auch. Aber auch, wer einst hier wohnte und arbeitete: Der Villinger Kunstmaler Albert Säger, der 1866 geboren wurde und 1924 starb. Er hat sein Haus 1898, zur 900- Jahrfeier der Stadt, mit der wunderbaren Fassadenmalerei versehen, die das Herz des Betrachters erfreut.

Das Pächterehepaar Karin und Arwed Dammert möchte das Gedenken an Albert Säger wieder etwas mehr ins Bewusstsein der Besucher rücken und fragte deshalb bei Hanni und Gerhard Hirt an, ob sie nicht die Wände ihrer Gaststube mit Bildern von Albert Säger schmücken könnten. Diesem Wunsch kamen die Hirts gern entgegen. Hanni ist eine Großnichte des Künstlers, die das künstlerische Erbe ihres verstorbenen Großonkels gewissenhaft verwaltet.

Der blaue Stadtführer am Haus Rietstraße 30, informiert über die Geschichte des Hauses.

 

Die Freude bei den Dammerts war groß, als sie jetzt vier großformatige Bilder mit Villinger Motiven aus dem Nachlass Sägers bekamen. Sie zieren bereits die Wände des Cafés und sind dahin zurückgekehrt, wo sie wahrscheinlich vor über 90 Jahren geschaffen wurden: In der Malerwerkstatt Albert Sägers. Von seiner Arbeit in diesem Raum zeugt auch noch ein Fragment mit Malproben, die etwa um 1910 von Säger angebracht wurden und wohl als Entwürfe für die Bemalung von Kapellen, Kirchen, Häusern und Toren dienten.

Bilder von Albert Säger, der in diesem Haus lebte und arbeitete, zieren die Wände im Café Dammert in der Rietstraße 30. Hier befand sich früher die Malerwerkstatt des Künstlers. Über den historischen Wandschmuck freuen sich die Pächter Karin und Arwed Dammert (links) ebenso wie Gerhard und Hanni Hirt (rechts), denen es ein Anliegen ist, mit Albert Sägers Werk ein Stück heimischen Kunstschaffens sichtbar zu machen.

 

Aber auch die Besitzer der Bilder, Hanni und Gerhard Hirt – Gerhard Hirt ist Ehrenmitglied im Geschichts- und Heimatverein und gehörte viele Jahre Vorstand und Beirat an – freuen sich, dass sie damit ein Stück Haus- und Familiengeschichte lebendig machen konnten. Das Werk des in breiten Bevölkerungsschichten etwas in die Vergessenheit geratenen Villinger Malers Albert Säger wird dadurch wieder mehr in den Blickwinkel der Öffentlichkeit gerückt und hält das Gedenken an einen der vielseitigsten und bedeutenden heimischen Künstler wach.

Darum bemühte sich auch das Museum Altes Rathaus. Im Rahmen der Sonderausstellung „Renaissance im Alten Rathaus – Kabinettscheiben und Prunkwaffen“ wurde dort ein Bilderzyklus von Albert Säger gezeigt, der an den Wänden der einstigen Gaststätte „Bürgerliches Bräuhaus“ – später Mayerhof – in der Niederen Straße 46, hing und Episoden aus der Romäuslegende zeigt. Eine ganze Reihe von Sägerbildern befinden sich gut behütet im Besitz des Franziskanermuseums.

Albert Säger hatte noch in einem anderen Villinger Gasthaus ein Bild mit Ereignissen aus der Villinger Historie hinterlassen. Im „Torstüble“ hing einst ein Mammutgemälde von ihm. Gut vier Meter breit füllte es im Nebenzimmer eine ganze Wand. Es zeigt ein gewaltiges Schlachtenszenarium vor den Villinger Stadtmauern. Nicht nur Kinder haben fasziniert das dramatische Geschehen des bunten Kampfgetümmels mit vielen interessanten Details betrachtet. Auch die Erwachsenen haben sich immer wieder in das Bild vertieft. Der Künstler hat selbst eine Legende dazu verfasst und auf einer Holztafel der Darstellung beigefügt. „Sturmangriff der vereinigten Schweden und Württemberger beim Riettor am 8. September 1633 abends 4 Uhr“ ist dort zu lesen.

Wieder in den Blickpunkt gerückt wurden in der Ausstellung „Renaissance im Alten Rathaus“ Bilder von Albert Säger, die im einstigen Bürgerlichen Bräuhaus – später Maierhof genannt – in der Niederen Straße hingen und Szenen aus der Romäuslegende zeigen.

 

Das Bild vom Sturmangriff der Schweden und Württemberger am 8. September 1633 auf die Stadt Villingen, hat Kunstmaler Albert Säger in dramatischen Szenen in einem Mammutgemälde geschildert. Es hing früher im „Torstüble“ und befindet sich heute im Privatbesitz.

 

Mit dem Pächterwechsel vor einigen Jahren ist auch das Bild im „Torstüble“ verschwunden. Aber nicht irgendwo in der Versenkung, sondern es befindet sich gut gehütet in Privatbesitz. Es ist gut zu wissen, dass diese wertvollen Dokumente Villinger Kunst- und Künstlergeschichte der Nachwelt erhalten sind.

Sägers Erbe erhalten und sichern

Der Geschichts- und Heimatverein Villingen hat sich immer dafür eingesetzt, Leben und Werk Albert Sägers lebendig zu halten. Mit Bildern von ihm fragte die Redaktion des Jahresheftes XXV aus dem Jahr 2002 die Leser „Erinnern Sie sich noch?“ und machten mit Sägerbildern einen historischen Rundgang durch das alte Villingen. Ganz intensiv wurde der Maler im GHV- Jahresband XX in den Blickpunkt gerückt. Uwe Conradt, der verstorbene Oberstudienrat und exzellente Kenner der Villinger Kunstszene, würdigte Albert Säger in einem umfassenden Portrait, in     dem     dessen     Arbeiten     in     ihrer     ganzen Vielseitigkeit zum Ausdruck kommen. Wir lassen an dieser Stelle den Autor Uwe Conradt noch einmal zu Wort kommen. „Der Handwerker als Künstler …“ unter dieser Überschrift stellte 1995 Uwe Conradt den Maler Albert Säger vor. „Die Fassade ist das Gesicht eines Hauses,“ schreibt er. Fassaden sind es, die Touristen locken und zum Fotografieren einladen, die ein Stück Identität einer Stadt wiedergeben. Die Fassade ist die Schauseite des Gebäudes, dort wo sich der Eingang zur Hauptstraße öffnet, Besucher einlädt. Die „Gesichtslosigkeit“ vieler unserer Städte hat nicht zuletzt damit etwas zu tun, dass die Tradition der Fassadenbemalung verloren gegangen ist, dass die Häuser anonym geworden sind. Gründe für die weite Verbreitung der Fassadenmalerei bis ins 19. Jahrhundert hinein dürften einerseits die Freude an der Farbigkeit gewesen sein, zum anderen – vor allem seit der Renaissance – das steigende Repräsentationsbedürfnis bei fehlender Möglichkeit, entsprechendes Steinmaterial zur Fassadengliederung zu verwenden. Die Bemalung öffentlicher Gebäude stellte vor allem die Geschichte von Haus und Region vor.

 

Ein Treffpunkt für Villinger Bürger und Touristen ist das Sägerhaus in der Rietstraße 30, in dem sich das Café Dammert etabliert hat. Es ist nicht nur eine beliebte Begegnungsstätte sondern auch ein begehrtes Fotomotiv. Mit einer reichhaltigen Symbolik hat Albert Säger die Fassadenmalerei an seinem Anwesen im Jahre 1898 ver­sehen. Bei einer· Totalrenovierung im Jahre 1985 haben die Malermeister Hermann Haugg und Manfred Hettich die Bemalung nach alten Vorlagen wieder angebracht.

 

 

 

Sein vielseitiges Talent als Maler hat Albert Säger auch mit einem Bild in Art der Ikonenmalerei im Villinger Kloster St. Ursula unter Beweis gestellt.

 

Durchsetzt mit mythologischen Figuren wurde Geschichte verherrlichend zelebriert als Machtlegitimation oder Bekräftigung lokalen Stolzes von Handwerkern und Bürgern. Ganz im Gegensatz dazu die bürgerlichem Repräsentationsbedürfnis entsprechende „Lüftlmalerei“, bekannt besonders in Oberammergau.

In Villingen sind es besonders zwei Geschäfts- und Wohnhäuser in der Oberen und in der Rietstraße, die durch flächig-farbige Bemalung die Straßenflucht prägen. Die ursprüngliche Bemalung des Alten Rathauses ist nicht mehr vorhanden. Und die beiden Häuser in Villingen sind so weit entfernt von der „Lüftlmalerei“ wie von der repräsentativen Bemalung öffentlicher Gebäude. Profan ausgedrückt: Es sind Werbe-Bemalungen für die Geschäftsbetriebe im Inneren des Hauses und stammen von dem Villinger Albert Säger, Kunstmaler und Handwerker in einer Person. Seine Bilder finden sich noch in vielen Haushalten.

Geboren wurde Albert Säger am 30. Januar 1866. Das war genau die Zeit, in dem die industrielle Produktion das Handwerkliche und damit auch das individuelle Kunsthandwerk immer stärker verdrängte, die Produkte der Arbeit glatter, monotoner, eintöniger wurden. Er entstammte einer alten Malerfamilie mit erheblicher Tradition.

Ein Jahr nach seinem Tod am 28. November 1924 hätte er im elterlichen Haus in der Rietstraße das 100jährige Jubiläum des Betriebes feiern können. Großvater Barnabas und Vater Rudolf Säger übten bereits das Malerhandwerk aus. Es war selbstverständlich, dass Albert ihnen folgen sollte. Nach dem Besuch der Volksschule und der Höheren Bürgerschule ging er in die Gewerbeschule und dann in die Kunstgewerbeschule nach Karlsruhe. Dass er mehr wollte, dass er künstlerische Ansprüche an sich stellte, beweist die Tatsache, dass er in den 90er Jahren an die Akademie nach München ging, an eine Akademie, die die Entwicklung der deutschen Malerei im 19. Jahrhundert weitgehend mitbestimmte. Landschafts- und Porträtmalerei waren an der Akademie in München besonders beliebt. Das sollten auch die Gattungen werden, in denen Säger seine Bildmotive suchte. Seine Ausbildung verband häusliches Handwerk in der Provinz mit „freiem“ Künstlertum in der Metropole. Die Rückkehr in die Heimatstadt Villingen und damit der Verzicht auf eine unter Umständen mögliche Karriere als freier Künstler hatte sicher etwas mit der „Liebe zur Heimat“ zu tun, wie die Nachrufe auf ihn hervorhoben. Vielleicht war es aber auch die Erkenntnis, als Künstler unter vielen in der Metropole München kaum dem Konkurrenzdruck gewachsen zu sein, und selbstverständlich rief der väterliche Betrieb nach einem Nachfolger. Die Geschäfte des Vaters gingen in seine Hand über. Die Kunst hatte zu warten.

 

Albert Säger (1866 bis 1924).

 

In Villingen war es leichter, die Kunst mit dem Handwerk zu verbinden. „Zahlreiche öffentliche Bilder an Toren, Türmen und Geschäftshäusern und verschiedene eindrucksvolle Altarbilder; dann die zur Berühmtheit gewordenen sieben Gemälde im Bürgerlichen Bräuhaus, ferner die schönen Gemälde im ,Torstüble‘ sind äußerliche Beweise Sägerscher Malerei. Sie werden noch übertroffen von seinem Hauptwerk: Der Innenmalerei in der Kirche im benachbarten Mönchweiler. Bekannt sind seine vielen Bilder mit Motiven von Villingen selbst. Die Vaterstadt war für sein Schaffen eine wahre Fundgrube, alle Motive behandelte er mit sichtlicher Freude am künstlerischen Wirken.“ In der Heimatstadt und der Umgebung war der Erfolg erreichbar, der in München wohl nicht möglich gewesen wäre. 1919 wurde die Werkstatt an Fritz Armbruster verkauft. Jetzt lebte Albert Säger nur noch für seine Kunst.

Der „Schwarzwälder“ würdigte ihn am 29. November 1924, einen Tag nach seinem Tod: „Für Viele, die den stillen und bescheidenen Mann, seinen ganzen inneren Wert als Künstler und Menschen noch kannten, wird dies eine Trauerkunde sein. Im 58. Jahre eines durch farbenfrohes Schaffen, durch große künstlerische Erfolge ausgezeichneten Erdenwallens hat ihn der Tod aus unserer Mitte hinweggenommen“. Wie stark Säger auch außerhalb der Heimatstadt Villingen gewürdigt wurde, beweist eine Ausstellung wenige Monate nach seinem Tod in Offenburg im Schaufenster der Kunsthandlung Deger.

 

Die Auswahl der Bilder dieser Ausstellung entsprach genau den Motiven, die Säger sein ganzes Leben lang begleitet hat: „Es sind dies ein Porträt (Bauernmädchen), ein Villinger Narro, Ansichten von Gengenbach, Mahlberg, Villingen usw.“

 

 

 

 

Seine Kunst blieb der handwerklichen Tradition verbunden, ohne im Handwerklichen die künstlerischen Ambitionen zu vergessen. Und mit dieser Vorstellung war er ganz auf der Höhe seiner Zeit, denn die Diskussion um Kunst und Handwerk wurde überall geführt. Um dem Verlust von Kreativität entgegenzuwirken, waren bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sogenannte „Musterbücher“ entstanden. Künstler schufen Formen für den Handwerker, der sie dann in seine dekorative Arbeit aufnahm. In England, dem Mutterland der Industrialisierung, in dem ebenfalls stark über den Verlust an ästhetischer Qualität bei Gebrauchsgütern geklagt wurde, führten Mustersammlungen und öffentliche Aufrufe an die Künstler immerhin dazu, dass viele von ihnen die alte Trennung von hoher und niedriger, von freier und angewandter Kunst früh aufgaben und damit dem Typus des sogenannten Künstlerentwerfers zum Entstehen verhalfen, der sich die Gestaltung der Alltagskultur zur Aufgabe machte. In Deutschland sollte dieser Schritt erst viel später erfolgen. Allgemein gängige Themen und Motive der Zeit wurden auf diesen Musterblättern den lokalen Gegebenheiten angepasst und ständig leicht variiert. Auch das Handwerk geriet in den Sog der Industrie und passte sich ganz allmählich der Standardisierung der Industrie an. Die Signatur wurde zum letzten künstlerischen Merkmal, aber auch diese Signatur verweist auf das Handwerkliche, das damit keineswegs abgewertet werden sollte.

 

Ein Meisterwerk der Fassadenmalerei in Villingen von Albert Säger ist auch das Haus Obere Straße 13, in dem sich heute das Eiscafé Raben befindet. Es hat eine alte Gastronomie-Tradition in der Villinger Innenstadt.

 

In der Fassadenmalerei erweist sich Säger als „standardisierter“ Künstler. Oberhalb der Tür und den Ladenfenstern seines eigenen Geschäftshauses in der Rietstraße legt Albert Säger ein sorgfältig ausgewähltes Programm vor zum Zeugnis des Bildungsstandes des Handwerkers. Dabei vermischt er standardisierte Formen der Zeit mit individuellen Erfindungen. Wichtig ist dabei, dass er nie die Fassade als Werbefläche für den väterlichen Betrieb aus den Augen verliert. Die Fassade des Hauses Rietstraße 30 war wohl nicht nur Selbstdarstellung, sondern wird wohl auch als Vorbild für ähnliche Objekte an anderen Orten gedient haben. Unten wie ein Namensschild an der Haustür der Hinweis auf den Betrieb auf blauem Grund. Die Fläche des darüber liegenden Malgrundes ist gegliedert durch die Fenster und illusionistische Bemalung der Ränder durch gemalte „Ecksteine“ unterschiedlicher Form, so dass Architektur und Malerei miteinander verbunden werden. Säger hat aus der Kunstgeschichte gelernt und zeigt das auch. Die Malerei verdrängt oder überschattet niemals die Architektur. Es scheint eher, als beweise der Maler-Handwerker dem Architekten- Handwerker seine Achtung. Unbemalt bleibende Flächen verstärken diesen Eindruck noch.

Auf „Fleiß“ und „Handwerk“ weisen zwei Schrifttafeln hin. Der „Fleiß“ wird zum hervorstechenden Merkmal des Handwerkers und damit auch des eigenen Betriebes. Der „Fleiß“ ist mit seinen Attributen „Wein“ und „Bienen“ gekennzeichnet. „Fleiß“ als bürgerliche Tugend. Die Malerpalette in einem Medaillon steht wohl für den Künstler, während Zirkel, Kneifzange, Hammer und Dreieck eher das Handwerkliche betonen. Genien, Engel oder sind es Musen wachsen aus blumigem Grund hervor, untergliedern die Senkrechte der Wand. Schleifen unterhalb der Brust flattern im Wind und geben einen Hauch von Bewegung, der der Bemalung trotz aller organischen Beigaben ansonsten fehlt. Verbunden wird Organisches mit Ornamentalem, Gotisches mit Barockelementen. Wer will, mag das „Kitsch“ nennen. Sicher ist es ein zum Teil kokettes Spiel mit Kunstrichtungen und Motiven. Ein Handwerker zeigt sein malerisches Geschick, preist sich zukünftigen Kunden an. Ein eigener „Stil“ ist es wohl nicht, der sich bei diesen Arbeiten entwickeln kann, wenn man darunter eine unverwechselbare Handschrift des Künstlers versteht. Aber Sägers Arbeiten entsprechen dem Stilgefühl der damaligen Zeit, und sie demonstrieren ganz offen sein Selbstbewusstsein.

Dem Geschäft angepasst ist auch die Bemalung der Fassade des Cafes „Raben“ in der Oberen Straße. Bildmotive in Medaillons, dazu Girlandenformen, die die Wand untergliedern..

„Er hat nicht nur seiner Vaterstadt den Stempel seiner Kunst aufgedrückt, wie wir schon bei einem kurzen Besuch der Stadt an Häuserfronten, der Innenausschmückung öffentlicher Gebäude, Gasthäusern usw. feststellen können, sondern in seinem Atelier hat sich eine Unsumme von Skizzen, Zeichnungen aus der geschichtlichen Vergangenheit Villingens, seinen malerischen Winkeln, Toren und Straßen angesammelt, die für die Stadt von unschätzbarem Wert sind. Diese Skizzen und Bilder sind es wohl, die die künstlerische Bedeutung Albert Sägers bis heute ausmachen, auch wenn sie nur lokal begrenzt bleiben wird.

 

 

 

Ein sehr genauer, liebevoller, aber wissender Blick prägt die Bilder von Villingen. Typische Stadtansichten sind es, keine erzählten Geschichten, die sich zufällig an diesem Ort zutragen mögen. Säger erzählt in seinen Ansichten die Geschichte der Stadt an Hand seiner Gebäude, aber nicht die Geschichten in der Stadt. Der Erste Weltkrieg, die Nachkriegszeit – all das hinterlässt keine Spuren auf den Bildern. Wenige Menschen bevölkern diese Bilder, man muss danach suchen. Säger arbeitet für diejenigen, die die Stadt kennen und zeigt sie aus manchmal ganz ungewöhnlicher Perspektive, ohne die Ansichten dabei zu verrätseln. Selten wählt er die zentrale Ansicht, meist sind es Winkel, die er sucht, die zugleich die Umgebung des Ortes mit einfangen. Vereinfachung steht auf der einen Seite. Eine Dachlandschaft aus dem Fenster seines Hauses heraus. Die ineinandergeschachtelten Dächer wären nicht zu lokalisieren, also wählt er eine Perspektive, die die Sitze des Benediktinerturmes in das Bild einbezieht. Dieses Verfahren wählt er immer wieder, meist sind es natürlich die Türme des Münsters oder der Benediktinerkirche, die den lokalen Bezug verdeutlichen. Trotzdem sind die Ansichten auch ohne diese Andeutungen für den Ortsfremden wiedererkennbar, weil Säger auf der anderen Seite besondere Details heraushebt.

Die Ansicht der Franziskanerkirche, dem eigenen Haus gegenüberliegend, nimmt die Umgebung mit auf und verspricht damit eine Weite, die der einfache Blick von Gegenüber kaum ermöglicht. Diese Weitwinkelperspektive dominiert auch Sägers Landschaftsbilder, in denen einzelne Gegebenheiten – dazu genügt schon ein einzeln dastehender Baum oder ein kleines Gebäude – die Weite der Landschaft eher noch betonen. Bilder einer Stadt und einer Landschaft aus den ersten beiden Jahrzehnten dieses Jahrhunderts als Dokumentation einer vergangenen Zeit für das Archiv? Die dekorative Wirkung der Stadtansichten, die der Künstler und Handwerker immer anstrebte, haben ihren Charakter bewahrt.

Aber was vielleicht wichtiger ist: Betrachtet man die Bilder, so scheint sich die Stadt kaum verändert zu haben, wo doch die Rückerinnerung in die allerjüngste Vergangenheit so viel Veränderung suggeriert. Vielleicht ist es das Typische der Stadt, das Säger eingefangen hat, das uns die Ansichten so vertraut erscheinen lässt. Das wäre dann genau der Punkt, an dem sich Kunst, die Abstraktion, und Handwerk, das technische Können, miteinander verbinden.

Weltweit ist die historische Altstadt von Villingen im Blickpunkt, wenn man im Internet die Webcam von Villingen-Schwenningen anklickt. Eine Kamera am Osianderhaus sendet laufend – Tag und Nacht und zu allen Jahreszeiten – ein Bild mit dem Blick in die Rietstraße. Dabei zeigt sich, wie gut sich das bemalte Säger- Haus in das Ensemble einfügt. In der Weihnachtszeit zeigt sich die Villinger Innenstadt festlich und stimmungsvoll geschmückt.