Die Malerin des alten Villingen ist tot (Hermann Colli)

Zum Gedenken an die Künstlerin Waltraud Oloff

Sie hatte noch so viel vor, hatte ein volles Auftragsbuch mit Wünschen von Menschen, die gern ein Bild von ihr besitzen wollten. Und sie bemühte sich, trotzt ihrer 81 Jahre, diese Wünsche zu erfüllen. Doch das Schicksal wollte es anders. Am 10. Juni 2008 ereilte sie ganz plötzlich der Tod. Ein Gehirnschlag hatte dem so bunten, schaffens- reichen Leben von Waltraud Oloff ein Ende gesetzt.

Die bekannte und beliebte Künstlerin, die seit über einem halben Jahrhundert im Schwarzwald lebte, hatte Villingen sehr ins Herz geschlossen.

„Das alte Stadtbild hat mich sofort fasziniert und inspiriert, als ich 1951 hier ankam, ich habe mich gleich in diese Stadt verliebt,“ hatte sie 2001 bekannt, als sie der Geschichts- und Heimatverein

Villingen in ihrem Unterkirnacher Haus besuchte, um einen Beitrag für das Jahresheft 2001 zu schrei- ben. Wir hatten sie die „Malerin des alten Villingen“ genannt, die über mehr als fünf Jahrzehnte bemüht war – wie sie es später einmal selbst formulierte – „aus Land, Stadt und Leuten ein Portrait zu gestalten.“

Das ist ihr meisterhaft gelungen. Wohl kaum ein Kunstschaffender ihrer Zeit hat Land und Leute in der Umgebung, in der sie lebte, in so vielfältiger Weise porträtiert. Sie hat nicht nur das Stadtbild in vielen Facetten, mit bekannten historischen Ge- bäuden, Straßen und Gässchen, lautem und bun- ten Marktgeschehen, aber auch mit stillen Winkeln und den Menschen, die hier zu Hause sind, mit ihren Bildern dokumentiert. Sie war auch selbst ein Teil dieses Stadtbildes. Die schlanke Frau, die meist mit einer Tasche – oft auch mit deren zwei – durch die Straßen eilte, auf dem Markt einkaufte, in den Geschäften einkehrte und gern hier und da ein Schwätzchen mit einem oder einer ihrer zahlrei- chen Bekannten machte, fehlt jetzt in diesem von ihr so geliebten historischen Stadtkern.

Was viele Bürger vielleicht vergessen haben, das machte sie in einem Gespräch kurz vor ihren Tod noch einmal deutlich: Ihr Engagement für die Erhaltung des Grüngürtels rund um die Stadt. Sie gründete, als Pläne auftauchten, den Innenring zum Teil vierspurig auszubauen, mit einigen Mitstreitern die Bürgerinitiative „Grüne Stadt Villingen“. Das heiß diskutierte Vorhaben hätte zahlreichen Bäumen der Ringanlagen das Leben gekostet. Sie war später stolz darauf, dass diese Pläne vereitelt werden konnten und sie schreibt den Erfolg dem Engagement der Gruppe zu, die mit einem Ahornblatt als Symbol, als „Retter des städ- tischen Grüns“ aktiv wurden.

Waltraud Oloff stand nicht gern im Rampen- licht. Öffentlichen Ehrungen ging sie nach Mög- lichkeit aus dem Weg. Aus dem Villinger Kunst- verein, dem sie 35 Jahre angehörte, und auch vom Unterkirnacher Künstlerkreis, den sie mitgestaltete, hatte sie sich verabschiedet. Aber als die Gemeinde Unterkirnach 2001 ihre Bürgerin anlässlich deren 75. Geburtstages ehrte, freute sie sich doch und bedankte sich dafür, dass sie in über einem halben Jahrhundert hier so harmonisch ihre Aufgaben in Beruf und Familie verbinden konnte.

Ihr Leben und Wirken hat der GHV im Jahres- heft XXIV umfassend vorgestellt und gewürdigt. Ihr Erbe sind die zahlreichen Bilder, die sie hinter- lassen hat und die heute öffentliche Gebäude genau so zieren wie die Wohnzimmer ungezählter Villinger Bürgerhäuser.