Abschied von Hans Stern (Hermann Colli)

Engagiertes Mitglied im Geschichts- und Heimatverein / Beliebter Villinger Bürger

 

 

 

 

 

 

 

Mit großer Betroffenheit und Trauer wurde in weiten Kreisen Villingens die Kunde aufgenommen, dass Hans Stern nach langem Leiden im Alter von 82 Jahren gestorben ist. Mit ihm verliert die Zähringerstadt einen Bürger von hohem Ansehen und der Geschichts- und Heimatverein eines seiner treuesten und engagiertesten Mitglieder.

Er war ein Villinger Urgestein, ein Bürger von altem Schrot und Korn. Um ihn trauern nicht nur seine Frau Irmgard und drei Töchter, sondern viele Freunde und Bekannte.

Der Sterne-Hans, wie ihn seine zahlreichen Freunde nannten, verbrachte praktisch sein ganzes Leben in seinem Zuhause in der Rietstraße 23, einem rund 400 Jahre alten Bürgerhaus, das mit seinem blumengeschmückten Erker zu den architektonischen Schmuckstücken innerhalb der Stadtmauern zählt. Dort hatte sein Großvater, Johann Stern, 1890 eine Huf- und Wagenschmiede gegründet, die er 1927 seinem Sohn Fritz Stern übergab. Dessen Sohn Hans setzte die Familientradition fort. Er erlernte das Schmiedehandwerk und blieb seinem Beruf bis ins hohe Alter treu. Arbeiten, die in seiner Werkstatt entstanden sind, zeugen noch heute an vielen Stellen seiner Heimatstadt von Hans Sterns großem handwerklichen Können. Ein besonders sichtbares Zeichen dafür ist das Kreuz auf der Klosterkirche St. Ursula, das Hans Stern nach dem verwitterten Original neu schuf und dem Kloster schenkte.

Landesweite Anerkennung fand sein großes Talent zum Modellbau. Es ist erstaunlich, dass kräftige Handwerkerhände, die im Berufsleben einen schweren Schmiedehammer schwingen, solche kleine filigrane Kunstwerke schaffen können. Den besten Beweis dafür liefert das Auto- und Technikmuseum in Sinsheim, wo allein 50 maßstabgetreue Modellfahrzeuge von Hans Stern zu bewundern sind. Aber auch im Franziskanermuseum seiner Heimatstadt ist ein prächtiges Werk aus der Stern’schen Hobbywerkstatt zu sehen: Neben dem mächtigen Original des legendären Schwanzhammers aus dem Hammerwerk Laun, steht dort das Modell, das der Schmiedemeister detailgetreu und voll funktionsfähig im Maßstab 1:10 nachgebaut hat.

Sehr gefreut hat es den begabten Bastler, dass sein Modell (Maßstab 1:17) von der einstigen Sägemühle des Behlishofes in Unterkirnach im Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck, dort wo auch die alte Sägemühle im Original wieder aufgebaut wurde, einen würdigen Platz gefunden hat. An „Sterns Mini-Mühle“ kann den Besuchern die ganze Funktionsweise des Sägebetriebes vor Augen geführt werden.

Der Verstorbene war aber nicht nur ein angesehener Handwerksmeister und begabter Bastler, er war auch ein äußerst engagierter, liebenswerter und geschätzter Mitbürger, der sich für seine Stadt und ihre Bewohner mit großer Tatkraft einsetzte. An seine berufliche Tüchtigkeit und seine Verdienste um seinen Berufstand erinnert neben Auszeichnungen der Schmiedeinnung der Goldene Meisterbrief, der seine Wohnung ziert.

In der Narrozunft war er seit 1947 als Ratsherr und Ehrenratsherr aktiv. Seine zahlreichen Verdienste wurden unter anderem mit der Verleihung des Narrenbechers entsprechend gewürdigt. Die Feuerwehr schätzt seit 1948 die ehrenamtlichen Dienste des Sterne-Hans, der es bis zum Oberbrandmeister und Zugführer brachte. Seine Kameraden hielten ihm bei der Beisetzung in der übervollen Friedhofkapelle die Ehrenwache und begleiteten ihn in großer Zahl auf seinem letzten Weg.

Im Geschichts- und Heimatverein gehörte er bis ins hohe Alter zu einem der engagiertesten Mitglieder. Er kannte sich in der Villinger Geschichte bestens aus. Sein Rat war gefragt, auch wenn er kritisch so manche Entwicklung in seiner Heimatstadt beleuchtete. Viele Kilometer ist er im freiwilligen und ehrenamtlichen Botendienst für den GHV gelaufen.

In der Münsterpfarrei, in der er sein geistiges Zuhause fand, engagierte er sich auf vielen sozialen und gesellschaftlichen Feldern. Vor allem auch im Altenwerk. Glücklich war er darüber, dass er in der Villinger Mutterkirche, wo er ein halbes Jahrhundert zuvor getraut wurde, zusammen mit seiner Ehefrau Irmgard, die Goldene Hochzeit feiern durfte.

Und so wäre noch Vieles aufzuzählen was mit dem Namen Hans Stern verbunden ist. Der Verstorbene hat zahlreiche unübersehbare Spuren in seine Heimatstadt hinterlassen. Sein Tod macht die Stadt und viele Bürger, die in ihm einen guten Freund verloren haben, ärmer.