Wohlfahrtspflege in Villingen (Lambert Hermle)

Das Gutleuthaus

Das Gutleuthaus oder Leprosorium war südöstlich vor der Stadt über dem linken Brigachufer erbaut worden.

 

Das Haus ist auch als „die Siechen am Feld“ in der Zeit um 1322 erstmals genannt. In dem „Leprosorio“ oder Krankenspital wurden Aussätzige beiderlei Geschlechts ganz verpflegt. Nach dem Erlöschen des Aussatzes im Jahre 1480 wurde das Leprosorium weiterhin für Kranke benützt.

Für Aussätzige waren im Mittelalter, wegen der Langwierigkeit und Ansteckungsgefahr ihrer Krankheiten, vor den Toren der Stadt Spitäler und Gutleuthöfe erbaut worden. Von Zeit zu Zeit durften die Kranken in die Stadt, um Almosen zu sammeln. Laut einem Bericht im Buch: „Villingen, ein Führer durch die Stadt“ von Karl Kretz war ihnen später der Zutritt jedoch nur einmal während des Jahres gestattet, meist am Karfreitag.

Ein Bericht aus dem Jahre 1785 (Paul Revellio: Beiträge zur Geschichte der Stadt Villingen, Seite 440) bekundet, dass damals „13 Köpf, beiderlei Geschlechts ganz verpflegt mit Abreichung von Mehl, Brot, Salz und Schmalz, 3 Köpf und weitere Personen mit Mehl und Geldalmosen, je nach Bedürfnis“. Dazu kommen noch weitere zum Teil bestimmte, teils unbestimmte Almosenauslagen.

 

Das Gutleuthaus stand einst westlich der heutigen Shell-Tankstelle „Am Bahnhof“ im Gewann Lantwatten.

 

 

 

 

Am 27. Dezember 1944 wurde das Gutleuthaus samt der Kapelle durch einen Bombenangriff zerstört.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Gutleuthaus 1633 abgebrochen und aus Sicherheitsgründen in die Stadt verlegt. Man fand für diese Stiftung ein Haus, an dessen Stelle errichtete man das Kapuzinerkloster. Das Siechenhaus wurde 1665 dann in die Färbergasse (Glunkenhaus) verlegt und erst nach dem „Spanischen Erbfolgekrieg“ 1718 an alter Stelle, draußen vor der Stadt, neu errichtet zusammen mit der St.-Vitus-Kapelle, dessen Altarbild Johann Anton Schilling gemalt hatte.

Im Adressbuch von 1882 ist geschrieben: Leprosorium Anstalt für Kranke, welche mit ansteckenden Krankheiten behaftet sind, sowie für arme durchreisende Kranke.

Anstaltsarzt: Dr. Heinrich Würtenau, Bezirksarzt

Krankenwärter: Gustav Görlacher