Der Arbeitskreis Frauengeschichte(n) Villingen-Schwenningen (Ute Schulze, Christel Pache †)

Der Arbeitskreis entstand im Frühjahr 2000 auf Anregung von Frauen aus dem Schwenninger Heimatverein (Frau Mutschler, Frau Krüger) in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule (Frau Dr. Pache) und dem Stadtarchiv (damals noch Frau Kottmann) mit dem Ziel, Frauengeschichte(n) aus Schwenningen und Villingen zu sammeln, zu dokumentieren und ins öffentliche Bewusstsein zu bringen.

Das Selbstverständnis des Arbeitskreises als Geschichtswerkstatt wurde bei den ersten Zusammenkünften mehrfach diskutiert und am 17.10. 2000 so zusammengefasst:

„Der Arbeitskreis soll und will:

– Material sammeln für evtl. Benennung von künftigen Straßen, Plätzen etc.

– den Erfahrungsaustausch ermöglichen und Informationen darüber bieten, wer sich womit beschäftigt, sowie gegenseitige Hilfe durch Hinweise auf Personen, auf Materialien bieten

– Stadtführung unter dem Gesichtspunkt ‚Frauen‘ für Villingen und Schwenningen fördern und beratend begleiten

– Kooperation (eigenen Interessen nachgehen; gemeinsam arbeiten; sich gegenseitig den Rücken stärken; Spaß am Ausprobieren)

– Austausch von Erfahrungen und Überlegungen in einem vertrauten Kreis

– Publikations- und Umsetzungsmöglichkeiten, fachliche und organisatorische Unterstützung durch Stadtarchiv, VHS, Heimatverein.“

Der Arbeitskreis ist kein geschlossener Club. Mitmachen können alle an regionaler Frauengeschichte interessierte Frauen. Es gibt einen ‚harten Kern‘ von derzeit ca. zehn Frauen. Manch andere kommen, wenn das in der Presse angekündigte Thema sie besonders interessiert, oder wenn sie selbst einschlägige Fragen haben. Die Frauen kommen aus verschiedenen Stadtbezirken und aus Unterkirnach und Bad Dürrheim. Aus dem Kreis der ursprünglich drei Trägereinrichtungen des Arbeitskreises: Stadtarchiv, Volkshochschule und Schwenninger Heimatverein sind die beiden ersten geblieben. Das Stadtarchiv (Lantwattenstraße 4 im Stadtbezirk Villingen) bietet den Raum für die Treffen, einen Handapparat zum Thema ‚Frauengeschichte(n)‘, Materialien und Hilfsmittel für Forschungsarbeiten; die Volkshochschule veröffentlicht Termine und Themen im VHS-Programm.

In der Regel kommen die Frauen einmal im Monat zusammen. Themen und Termine werden gemeinsam festgelegt. Neben allgemeinem Erfahrungsaustausch mit Hinweis auf interessante Veranstaltungen und Publikationen beschäftigt sich der Arbeitskreis u. a. mit dem, was das Stadtarchiv bietet (Bestände; Verzeichnisse; Unterstützung beim Suchen und Finden; Hilfsmittel; Reproduktions- und Arbeitsmöglichkeiten). Es werden konkrete Projekte vorgestellt und besprochen. Wichtig ist auch der Gedanken- und Meinungsaustausch auf der Suche nach interessanten neuen Themen. Auch Exkursionen z. B. eine Frauenführung in Rottweil, die zusammen mit der VHS organisiert wurde, oder Museumsbesuche werden durchgeführt. Am 6. Mai 2008 nahm eine Anzahl Mitglieder der Gruppe am Rundgang „Erinnerung an jüdisches Leben in Villingen“ mit Dr. Heinz Lörcher teil. Das zeitliche Spektrum reicht dabei vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Es entstanden und entstehen immer wieder Veröffentlichungen1, eine ‚Frauenführung‘ durch die Villinger Innenstadt, eine Materialsammlung im Archiv zum Thema „Frauengeschichte“ auch über den lokalen Bezug hinaus, eine Ausstellung zur Schwenninger Charlottenpflege in Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Uhrenmuseum.

Vorträge und Werkstattberichte bilden den Schwerpunkt. Hier kann nur eine Auswahl aus dem reichen Fundus der bereits besprochenen Themen aus allen Zeiten geboten werden. Lisa Bührlen berichtete z. B. spannend über ihre Ausbildungszeit und Berufstätigkeit im Lebensmittelgroßhandel. Dr. Annemarie Conradt-Mach gab einen Einblick in ihre Forschungen, die zwar nicht nur auf Frauen zielen, diese jedoch immer auch mit in den Blick nehmen. Karin Schinke nahm u. a. das Thema „Älter werden“ in den Blick und berichtete aus ihrer beruflichen Tätigkeit als Inhaberin einer Werbeagentur. Die Schwenninger Künstlerin Elfi Schmidt stellte ihr Projekt „Badeszenen“ vor, das in den Hallenbädern in Schwenningen und Villingen sowie im Schwenninger Rathaus zu sehen war. Gesine Bammert informierte uns über ihre Gespräche mit Paula Straub, deren Ergebnisse in einem Almanach- Artikel im Druck vorliegen.2 Monika Dold geht den Spuren Uta Baumanns, ehemalige Stadträtin und Ehrenmitglied des Geschichts- und Heimatvereins nach, worüber sie auch berichtete. Helga Heinichen beschäftigte sich mit ihren Großeltern und trug uns Auszüge aus ihrem Buch vor.3 Immer wieder eingestreut sind auch Berichte aus dem Archiv, z. B. wenn Unterlagen neu entdeckt oder für die Benutzung erschlossen wurden. Auch die Präsentation von Originalen gehört dazu. Dr. Edith Boewe-Koob berichtete schon einige Male über ihre intensiven Arbeiten zu den Villinger Klosterfrauen und ihren verschiedenen Gemeinschaften, so z. B. über Xaveria Ditz (1806 –1899), die als Superiorin 49 Jahre lang dem Ursulinenkonvent in Villingen vorstand oder den Chronikbericht Juliane Ernstins (seit 1637 Priorin, ab 1658 Äbtissin des Villinger Klarissenklosters) aus dem 30-jährigen Krieg.4 Auch Annemarie Walz sprach schon mehrfach im Kreis u. a. über die Erinnerungen der Diakonieschwester Frida Reiniger über deren Arbeit in der Wilhelmspflege von 1956 –1980. Auslandserfahrungen gaben Beate Müller-Uhlending über ihre Zeit in England und Ellen Nübel über ihre Aufenthalte in Genf und England wieder. Dr. Marianne Kriesche gab einen Überblick über die Mädchenbildung in Villingen und Schwenningen und stellte Zittauer Frauen vor.

Am 8. März 2006 präsentierte die Gruppe sich und ihre Arbeiten im Café des Kulturzentrums Franziskaner bei einer Podiumsdiskussion anlässlich der Frauenwoche einer breiteren Öffentlichkeit.

Veröffentlichungen

Bammert, Gesine: Paula Straub. Eine engagierte Pädagogin und bekannte Kommunalpolitikerin in Villingen, in: Der Almanach 2007. Heimatjahrbuch des Schwarzwald-Baar-Kreis, S. 64–66.

Boewe-Koob, Edith: Juliana Ernstin. Äbtissin des Klosters St. Klara in Villingen von 1655 bis 1665 (Blätter zur Geschichte der Stadt Villingen-Schwenningen 2/2001).

Boewe-Koob, Edith: Die Vettersammlung in Villingen. Unter Berücksichtigung der Konvente, die der Augustiner-Regel unterstellt waren, in: Schriften der Baar 47 (2004), S. 28 –50.

Boewe-Koob, Edith, Ute Schulze: „Allen, die diesen Brief lesen und hören lesen, tue ich kund …“. Urkunden Villinger Frauen aus dem 13. Und 14. Jahrhundert, Villingen-Schwenningen 2005 (Veröffentlichungen des Stadtarchivs und der Städtischen Museen Bd. 31).

Boewe-Koob, Edith: Juliana Ernstin: Eine Chronik aus dem 30-jährigen Krieg. Priorin 1637–1655, Äbtissin 1655 –1665, in: Villingen im Wandel der Zeit. Geschichts- und Heimatverein Villingen – Jahrgang XXXI / 2008, S. 40 –52.

Heinichen, Helga: Gedeutete Bilder – s‘ Soalers vum Oberdoaf, Selbstverlag, 2007.

Kriesche, Marianne: Von Suomi in den Schwarzwald – Finnische Frauen im Schwarzwald-Baar-Kreis, in: Almanach 2003. Heimatjahrbuch des Schwarzwald-Baar-Kreises, S. 218 –223.

Walz, Annemarie: Emma Rauber (1913 –1977) genannt Tante Emma. Versuch einer Lebensbeschreibung, in: Das Heimatblättle. Eine Schwenninger Monatsschrift für Heimat und Volksleben 50. Jg. 2002, Heft 5, S. 3 –7, Heft 6, S. 3 – 6.

Walz, Annemarie: 90 Jahre Charlottenpflege, Villingen-Schwenningen 2002.

1 s. Veröffentlichungsliste.

2 s. ebd    3 s. ebd.    4 s. ebd.