„Glockenspiel für Villingen“ (Dieter Ehnes)

Initiative – Planung – Durchführung – Alltägliche Freude – Weitere Ziele

Spektakulärer Auftakt

Es war schon ein ganz besonderer Höhepunkt als Abschluss des Festjahres der 1000-Jahr-Feier zur Verleihung des Markt- und Münzrechts an Villingen: Am 25. September 1999 wurde mit einem spektakulären Guss mehrerer Bronzeglocken auf dem Münsterplatz der über 375 Jahre in Villingen wirkenden Glockengießerdynastie Reble/ Grüninger die angemessene Referenz erwiesen.

Glockengießerdynastie Reble/Grüninger

1580 gründete der 1552 in Villingen geborene Hans Reble (auch Rebele oder Raeblin) eine Glockengießerei. Er goss 1601 die einst berühmte große Glocke des Münsters zur Erinnerung an die über 2.000 Pest-Toten des Jahres 1592. Leider wurde sie 1908/09 zum Umguss für ein neues Geläut eingeschmolzen. Der 1624 geborene Johann Joachim Grieninger, Sohn des Hammerschmieds Veit Grieninger, heiratete 1645 die verwitwete Tochter seines Meisters Christoph Reble, von dem er im gleichen Jahr die Gießerei übernahm, die er dann 1676 seinem Sohn Matthäus Grieninger übergab. Die Glockengießerei war ununterbrochen im     Besitz     der     Familie     Grieninger     (später Grüninger), bis sie 1948 von Villingen nach Strass bei Neu-Ulm umsiedelte. Grund war wohl die mangelnde Unterstützung der Stadt bei der Suche nach einem geeigneten neuen Standort außerhalb der Innenstadt. Somit hatte die Gießerei Grüninger keine Chance, den Auftrag für ein neues Münstergeläut in Villingen, dem historischen Standort der Firma, zu erhalten. 1954 wurde das heutige Geläut der Gießerei Schilling aus Heidelberg geweiht. Nahezu gleichzeitig ging die traditionsreiche Gießerei Grüninger nach vielen, mehrere Jahre langen Schwierigkeiten endgültig in Konkurs.

Auch wenn von einem riesigen Oeuvre der Gießerei Grüninger mit insgesamt ca. 2.000 Glocken nur ein kleiner Teil erhalten ist, bewundern die Fachleute noch heute die kontinuierliche Qualität des Klanges und der künstlerischen Gestaltung der vorhandenen Glocken. Sie betonen besonders deren große Verbreitung über den gesamten süddeutschen Raum und darüber hinaus bis nach Amerika.

 

Es ist wohl selbstverständlich, dass früher einmal die beiden wichtigsten Geläute in Villingen von Meistern der Gießerei Grüninger geschaffen wurden: 1767 goss Franz Joseph Benjamin Grieninger die neun Glocken des Geläuts der Benediktinerkirche, davon bildeten sieben ein Glockenspiel. 1909 errichteten die Gebrüder Georg Adalbert und Josef Benjamin Grüninger ein neues Geläut in der oberen Glockenstube des südlichen Münsterturms, dessen dreigeschossiges Oktogon wegen Einsturzgefahr in den Jahren 1907-1909 vollständig rekonstruiert werden musste.

 

Abb. 1 Grüninger-Glocke von 1909.

 

 

Abb. 2 Grüninger-Glocke von 1660.

 

 

Beide Geläute gingen als Folgen einschneidender geschichtlicher Entwicklungen verloren. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss im Jahre 1803 wurde das bis dahin vorderösterreichische Villingen zuerst württembergisch, dann Teil des Herzogtums Modena und letztendlich badisch. Der durch Napoleons Gnaden vom Markgrafen zum Großherzog erhobene Karl Friedrich I. ließ hemmungslos viele bedeutende Kunst- und Kulturgüter aus den in Baden eingegliederten Besitzungen in seine Residenzstadt Karlsruhe überführen. So ließ er im Jahre 1809 zunächst „unauffällig“ die Besitztümer der Villinger Benediktiner inspizieren und befahl dann den Abtransport der klangreichen Silbermann-Orgel und des Grüninger-Geläuts samt Glockenspiel mit Uhr, einem Werk von Franz Xaver Liebherr aus Immenstadt. Orgel und Geläut wurden in die gerade fertig gestellte evangelische Stadtkirche in Karlsruhe eingebaut; beide haben den Zweiten Weltkrieg nicht überstanden, wobei die Orgel schon vor dem Aufbau in Karlsruhe beträchtliche Veränderungen über sich ergehen lassen musste und ihren Silbermannschen Charakter verloren hatte.

Nicht anders erging es dem Grüninger-Geläut des Münsters: Es musste für Kanonen eingeschmolzen werden. Nur eine einzige Glocke, die herrliche cis“-Franciscus-Seraphinus-Glocke (Abb. 1) hat auf wundersame Weise beide Weltkriege überstanden; sie kam auf verschlungenen Wegen nach Villingen zurück und wurde eines schönen Tages im Keller des Archivs wieder entdeckt.

Zwei weitere Grüninger-Glocken befinden sich noch in Villingen. Die kleinere stammt aus der Villinger Schleifenkapelle beim Schleifenhof im Warenbachtal und wurde 1857 in der Zeit des Benedikt Benjamin Grüninger gegossen. Die andere ist ein wahres Juwel, obwohl sie aufgrund eines Risses nicht mehr geläutet werden kann. Sie wurde 1660 von dem bereits anfangs genannten Johann Joachim Grieninger gefertigt; er war auch der eigentliche Namensgeber der traditionsreichen Villinger Glockengießerei. Es gibt zweifelsfreie Hinweise, dass diese Glocke einst für die St. Cyriakus-Kirche in Fischbach am Schluchsee gegossen wurde (Abb. 2).

Initiator Hubert Waldkircher

Zurück zum Schauguss des Jahres 1999 und dessen eigentlichem Anlass. Hubert Waldkircher, seinerzeit Leiter des Villinger Standesamtes und Vorsitzender des Pfarrgemeinderats der Münsterpfarrei, Sohn einer alteingesessenen Familie, profunder Kenner der Geschichte seiner Heimatstadt und engagierter Förderer aller für die Erhaltung und Pflege des historischen Stadtbildes erforderlichen Maßnahmen, entwickelte die großartige Idee, mit einem neuen großen Glockenspiel (das alte Glockenspiel der Stadt in der Benediktinerkirche war, wie schon erwähnt, der Säkularisation zum Opfer gefallen) an die Jahrhunderte alte Tradition Villingens als Stadt der Glockengießerei Grüninger zu erinnern, und zwar an einem Standort, der die bedeutende sakrale Architektur und das lebendige profane Leben im Herzen der historischen Innenstadt in idealer Weise miteinander verbinden kann. Waldkircher begeisterte sich für den Südturm des Münsters (Abb. 3), dieser ragt auf über dem südlichen Münsterplatz als Zentrum des Marktes mit der anschließenden Passage des „Alten Kaufhauses“ zur Rietstraße, dem städtebaulich lebendigsten Teil des „Zähringer Kreuzes“.

Eine Bemerkung am Rande:

Diese Passage mit den beiden markanten Bögen – ein wichtiger städtebaulicher Beitrag des Vorarlberger Barockbaumeisters Jodokus Beer – wurde trotz der Proteste einer engagierten Bürgerschaft und gegen die mit großer Mehrheit in der Jahreshauptversammlung des Geschichts- und Heimatvereins gefasste Resolution im Jahre 2004 und kurzvor dem Bau des neuen Glockenspiels geschlossen. Gerade aus heutiger Sicht ist das für das Erlebnis des Glockenspiels im historisch-urbanen Umfeld ein großer Verlust, zumal damals sinnvolle Alternativen vorgeschlagen wurden.

Hubert Waldkircher heckte den Plan für den Schauguss als wirksamste Werbung für die Idee des zukünftigen Glockenspiels gemeinsam mit seinem wichtigen Berater aus: Dipl.-Ing. Kurt Kramer, ausgebildeter Architekt, Glockeninspektor des Erzbistums Freiburg und Vorsitzender des Beratungsausschusses für das deutsche Glockenwesen.

Abb. 3 Südturm des Münsters.

 

 

 

 

Hinzu kam der glückliche Umstand, dass der junge Glockengießer Rudolf Perner aus Passau mit einem interessanten Angebot das Vorhaben erleichterte. Er erinnerte sich wohl daran, dass sein Großvater 1919 in der Grüninger-Gießerei als Praktikant gearbeitet hatte. Perner sicherte zu, im Falle des Auftrags für das gesamte Glockenspiel auf die Kosten für den Schauguss zu verzichten. Als damaliger Geschäftsführer auch der Karlsruher Glocken- und Kunstgießerei führte er mit deren Mannschaft 1999 den spektakulären Schauguss durch, der mit Video-Kamera live auf eine Großleinwand projiziert wurde. Zusammen mit einem umfangreichen Begleitprogramm wie Präsentation des Münster-Hauptgeläutes, dessen Zusammenspiel mit der Münsterorgel und vielerlei Einzelaktionen wurde die Veranstaltung trotz heftigen Dauerregens zu einem riesigen Erfolg mit landesweiter Resonanz.

Die erste Etappe einer langen Strecke war geglückt. Das Ziel, ein Glockenspiel für Villingen zu errichten, fand viel bürgerschaftliche Aufmerksamkeit und Zustimmung, negative Reaktionen waren nicht zu vernehmen. Hubert Waldkircher als eigentlicher Initiator und Organisator konnte sofort mit den nächsten, wichtigsten Schritten beginnen.

Priorität hatte die Finanzierung des Projektes. Das Glockenspiel wurde von Beginn an als Instrument der Bürgerschaft konzipiert, und sehr bald wurde das untere Geschoss des Südturm- Oktogons des Münsters als besonders geeigneter Standort angesehen. Die Münsterpfarrei als Hausherr stimmte grundsätzlich dem Projekt zu und war bereit, nach dem Bau und der Übernahme des Instrumentes dieses bei entsprechend eigenverantwortlicher Unterhaltung für den bürgerschaftlichen Einsatz zur Verfügung zu stellen. Dies‘ setzte voraus, dass das Glockenspiel allein mit Spenden der Bürger, vorrangig in Form von Patenschaften für die Glocken, finanziert werden konnte. Um den erforderlichen Kostenrahmen rechtzeitig genau genug bestimmen zu können, holte Hubert Waldkircher in engem Kontakt mit dem Glockeninspektor Kurt Kramer Konstruktionsvorschläge und entsprechende Kostenangebote bei mehreren Gießereien ein und, um es an dieser Stelle vorwegzunehmen, dieser Kostenrahmen wurde auch nach der Abrechnung im Jahre 2006 eingehalten.

Einige Spenden gingen recht bald ein, größere Spenden wurden für den Zeitpunkt einer gesicherten Realisierung des Projektes zugesagt. Trotzdem verlangsamten sich die Aktivitäten. Das hatte einen sehr traurigen Grund: Der hoch motivierte Initiator Hubert Waldkircher erkrankte schwer. Über eine lange Zeit äußerte er sich selbst gegenüber seinen ihm nahe stehenden Freunden nicht über die Schwere seines Leidens, vielmehr versprach er wiederholt, sich nach der kurz bevorstehenden Versetzung in den Ruhestand mit umso stärkerer Kraft für das Glockenspiel einzusetzen. Man möchte hoffen, dass er bis zuletzt daran glauben konnte, vielleicht auch daran, dass andere sein begonnenes Werk ganz in seinem Sinne zu Ende führen würden. Im Oktober 2004 verstarb Hubert Waldkircher. Sein Vermächtnis war Verpflichtung für alle, die zu ihm und seiner Idee standen. Und so geschah es auch!

Nachfolger Ulrich Kolberg

Dank Ulrich Kolberg erfuhr das Projekt „Glockenspiel für Villingen“ gegen Ende des Jahres 2005 einen rasanten Neustart. Wen wundert’s? Niemanden! Gilt er doch als der entscheidende Initiator, Manager und Organisator des nach Kosten mehr als zwölf Mal größeren Projektes „Die Rekonstruktion der Johann-Andreas-Silbermann-Orgel“ in der Villinger Benediktinerkirche (Fertigstellung und Festwoche im September 2002). Auf Wunsch des Pfarrgemeinderates war Ulrich Kolberg bereit, auch dieses Projekt zu betreuen und zwar zusammen mit den Villinger Architekten Franz Blaser und Dieter Ehnes. Zunächst musste sich dieses Team mit den bisherigen Abläufen und Unterlagen vertraut machen sowie Kontakte mit bisherigen Spendern und mit möglichen neuen aufnehmen, wobei die diesbezüglichen Erfahrungen von Ulrich Kolberg besonders hilfreich waren.

Frau Waldkircher hatte Dieter Ehnes bereits die Akten des Projektes anvertraut. Blaser und Ehnes kümmerten sich vor allem um die technischen, planerischen und gestalterischen Fragen.

Der Gesamttenor zum Projekt war Anfang 2006 in den Gremien keineswegs optimistisch. Der vorhandene Spendenstock war noch zu gering, die Gesamtkostenschätzung war dagegen zu hoch und vor allem nicht gesichert. Orgelinspektor Kurt Kramer wurde gebeten, nochmals ein Leistungsverzeichnis über die Gesamtleistung Glocken, Glockenstuhl, Spieleinrichtung einschließlich kompletter Lieferung und betriebsfertiger Montage zu erstellen und von drei Gießereien die entsprechenden Angebote einzuholen. Das Submissionsergebnis ließ befürchten, dass trotz des recht günstigen Angebotes des späteren Auftragnehmers, der Gießerei Perner aus Passau, das Glockenspiel in mindestens drei Abschnitte hätte unterteilt werden müssen; eine problematische Lösung, da sich aufgrund der inzwischen eingetretenen drastischen Erhöhung der Materialpreise, der Verdoppelung der Nebenkosten für Umbau des Glockenstuhls, Kraneinsatz etc. die Gesamtkosten wesentlich verteuert hatten. Noch Ende März 2006 wurde daher im Stiftungsrat der Münsterpfarrei zunächst eine abschnittsweise Realisierung beschlossen.

 

Abb. 4 Glockenguss Gießerei Perner/Passau.

 

 

Abb. 5 Rudolf Perner, Ulrich Kolberg.

 

Spendenfluss, Detailplanung, Glockenguss 

Das war gut so, denn unterdessen hatte Ulrich Kolberg mit bewundernswerter Kreativität, Überzeugungskraft und Begeisterung für das Projekt beachtliche Spendeneingänge bzw. -zusagen erreicht, mit der Folge: Bereits Anfang April 2006 konnte Glockeninspektor Kramer dem erzbischöflichen Bauamt in Freiburg mitteilen, dass das Projekt komplett finanziell abgesichert sei und realisiert werden sollte! Wenige Tage später stimmte das Bauamt zu, und gegen Ende April 2006 erhielt die Gießerei den verbindlichen Gesamt-Auftrag, allerdings mit der Auflage, diverse technische Details noch bis zur Auftragsbestätigung zu klären. Zur gleichen Zeit wurde der Bauantrag für das Glockenspiel bei der Unteren Denkmalschutzbehörde (Amt für Stadtentwicklung der Stadt VS) gestellt, die Genehmigung erfolgte Ende Juli 2006. Und bereits im Juli konnten Spender und Initiatoren den Guss einiger Glocken in der Passauer Gießerei mit viel Freude erleben (Abb.4+5).

Viele funktionelle, technische und terminliche Details mussten mit der Glockengießerei, den zusätzlich am Projekt beteiligten Firmen und Helfern sowie den zuständigen Ämtern abgesprochen und festgelegt werden. Hierzu gehörten die endgültige Konzeption des Glockenstuhls, dessen statische Auflagerung in der historischen Bausubstanz einschließlich der erforderlichen Maurerarbeiten, Fragen des Glocken- und Materialtransportes außerhalb und vor allem innerhalb des Turmes und die damit zusammenhängenden Leistungen wie Öffnen eines Maßwerkfensters und des Bodens im Geschoss des Hauptgeläutes, die komplette Stark- und Schwachstromausrüstung einschließlich der langen Leitungszuführungen usw.

Auslieferung und Montage

Alle erforderlichen Vorarbeiten vor Ort und in der Gießerei gingen zügig voran. Am Dienstag, den 12. September 2006 war es dann soweit: Das gesamte Glockenspiel konnte angeliefert werden. Gegen 7.00 Uhr ging ein Autokran zwischen dem südlichen Münster-Turm und der Bäckerei „Kutmühle“ in Position, knapp eine halbe Stundespäter wurde der mit den Glocken und allem Zubehör beladene Transporter aus Passau per Funk ab Autobahnabfahrt zum Münsterplatz geleitet. Ein langer Sattelschlepper rangierte vor das Südportal des Münsters. Die Planen wurden hochgeschlagen und den früh erschienenen Beobachtern offenbarte sich das prächtige Bild in der Sonne blinkender Bronzeglocken. Sofort wurde mit dem Abladen begonnen. Fast hatte man den Eindruck, als sei die Aufstellung der Einzelteile des Glockenstuhls, der Glocken selbst und der übrigen Materialien und Geräte geradezu generalstabsmäßig vorbereitet gewesen, jedenfalls entwickelte sich bei strahlendem Wetter ein imponierendes, unvergessliches Gesamtbild auf dem südlichen Münsterplatz. Bisweilen mehrere Gruppen interessierter Bürger, darunter natürlich auch zufriedene Spender, beobachteten den ganzen Tag über das spannende, inter-

 

Abb. 6 Kinder packen kleine Glocken aus.

 

 

Abb. 7 Dekan Kurt Müller, Ulrich Kolberg.

 

Bisweilen mehrere Gruppen interessierter Bürger, darunter natürlich auch zufriedene Spender, beobachteten den ganzen Tag über das spannende, interessante Geschehen, das auch in allen Medien (Presse, Rundfunk und Fernsehen) weit über die Region hinaus einen lebhaften Nachhall fand. An liebevolle Einzelszenen erinnert man sich gerne immer wieder: Mit strahlenden Augen wühlten Kinder in den Holzkisten und befreiten kleinere bis kleinste Glocken von Stroh und Papier (Abb. 6+7). Die größeren Glocken wurden vor dem Hochziehen – über dem Boden schwebend – kräftig angeschlagen, jeder anwesende Spender konnte mit Freude seine Glocke erkennen und ihren Ton zum ersten Mal und dabei ganz nahe und deutlich hören.

Langsam und zentimetergenau ließ der erfahrene Kranführer jede einzelne Glocke und jeden einzelnen Träger des Glockenstuhls zum östlichen Maßwerkfenster der Glockenstube des Hauptgeläuts hinauf schweben (Abb. 8), ohne dass dabei auch nur ein einziges Mal die Engelsfigur über dem Wimperg des darunter liegenden Maßwerkfensters berührt, geschweige denn beschädigt worden wäre.

Was sich beim Transport aller Teile im Inneren des Turmes abspielte, war von außen nur zu erahnen, denn in der drangvollen Enge bot die Perner- Mannschaft erneut eine wahre Glanzleistung, die deshalb genauer beschrieben werden muss.

Standort des Glockenspiels ist das erste Oktogongeschoss im Südturm (Plan 1). In diesem Geschoss können jedoch keine breiteren Teile, somit auch nicht die größeren Glocken, durch eines der Fenster eingeführt werden. Bereits beim Wiederaufbau des Turms vor 1909 wurde auf der Höhe des Hauptgeläuts die Mittelstütze des oberen östlichen Maßwerkfensters als demontierbares Steckelement ausgebildet, um bereits seinerzeit alle Teile und Glocken des Grüninger-Geläuts durch dieses Fenster einführen zu können. Der Vorgang wiederholte sich 1954 beim Einbau des Schilling- Geläuts, dessen Christkönigsglocke als größte Glocke 5,4 to wiegt. Um einen Eingriff in historische Bausubstanz zu vermeiden, dachte man sofort an dieses Fenster, nur, es liegt im Geschoss über dem Glockenspiel.

Abb. 8 Aufzug einer Glocke.

 

 

Plan 1 Münster Ostansicht (Bestandsplan).

 

Die clevere Perner-Mannschaft erdachte eine grandiose Lösung des Problems: Rechtzeitig vor der Anlieferung des Glockenspiels wurde erst einmal das Hauptgeläute stillgelegt. Die großen Glocken in der Mittelachse des Hauptgeläutes einschließlich der Christkönigsglocke wurden mit Flaschenzügen jeweils in der Jochachse um 180° nach oben gedreht und sicher verankert. Anschließend musste der Boden unter dem Hauptgeläute geöffnet werden. Nachdem schließlich die Schallbretter und die besagte Mittelstütze des Maßwerkfensters demontiert waren, konnten am 12. September 2006 alle Teile einschließlich der Glocken und schweren Träger für den Glockenstuhl durch dieses Fenster in den Turm eingeführt und danach sorgfältig mit Flaschenzügen durch die Bodenöffnung auf die zwei Ebenen des Glockenspielbereiches herabgelassen sowie dort sinnvoll entsprechend dem Montageablauf gelagert werden. Um 20.00 Uhr des gleichen Tages fuhr der Kranfahrer den Ausleger ein. Es war schon erstaunlich, in gerade einmal zwölf Stunden war das gesamte Glockenspiel montagebereit eingebracht. Auf gut bayerisch hörte man wiederholt: „Des basst scho!“

Feinarbeiten, Festvorbereitungen

Zudem: schneller als geplant waren bereits zwei Wochen nach der Anlieferung die gesamte Montage des Glockenspiels einschließlich der Wieder-Ingangsetzung des Hauptgeläuts abgeschlossen. Jetzt konnten die vielen Feinarbeiten in Angriff genommen werden. Hierzu gehörten u. a. die Zuleitungen und die Einstellungen der Magnet-Schlaghämmer sowie vor allem das Einstimmen der Glocken. Glockeninspektor Kurt Kramer war zweimal aus Karlsruhe zur Prüfung und Abnahme des Glockenspiels angereist Er attestierte der neuen Villinger Attraktion ein einzigartiges homogenes Klangbild. Auch die übrigen am Projekt beteiligten Firmen und Helfer waren mit ihren entsprechenden Abschlussleistungen fleißig befasst.

Intensiv liefen nun schon die Vorbereitungen für die feierliche Einweihung. Bezirkskantor Christian Schmitt und sein Assistent Andreas Rütschlin spielten für das geplante täglich dreimalige Glockenspiel viele Melodien auf dem Keyboard in den Speicher ein. 99 Melodien können insgesamt gespeichert werden.

Einweihungsfeier

Am 2. Dezember 2006 fanden sich um die 2000 Bürgerinnen und Bürger bei Abenddämmerung und frostigen Temperaturen auf dem Münsterplatz ein. Die zu dieser Feststunde eingeladene Villinger Stadt- und Bürgerwehrmusik spielte abwechselnd mit dem Glockenspiel und umrahmte die Festansprachen von Oberbürgermeister Dr. Kubon, Münsterpfarrer und Dekan Kurt Müller und Organisator Ulrich Kolberg. Glockengießer Rudolf Perner erläuterte das Glockenspiel. Alle freuten sich, dass Villingen, die Stadt der traditionsreichen Glockengießerei Grüninger, nach 200 Jahren wieder ein Glockenspiel hatte. Man betonte besonders, dass es ein Glockenspiel von Villingern für Villingen sei, und man gedachte Hubert Waldkirchers als des ursprünglichen Initiators des Glockenspiels.

Aufstieg zum Glockenspiel

Auf der Ostseite des Südturms erreicht man über eine Außentreppe die vollständig erhaltene enge, mittelalterliche Wendeltreppe, deren Stufen über die Jahrhunderte teilweise beachtlich ausgetreten sind. Der erste Austritt führt in die ehemalige Läutestube. Diese liegt über der in den Turm integrierten Kapelle des südlichen Seitenschiffs. In der Holzdecke der Läutestube entdeckt man mehrere Durchführungen aus gegossenem Glas für die früheren Glockenseile. Über der Holzdecke ist eine besondere bautechnische Rarität versteckt: eine massive Kragkuppel mit sog. falscher Wölbung, d.h. horizontale Ringschichten wurden auskragend gemauert. An der Westwand steht ein hoher Schrank vermutlich aus der Zeit der frühen Renaissance, er wurde an anderer Stelle möglicherweise als Paramentenschrank genutzt. Auf der rechten Seite des Schranks führt eine steile Differenztreppe durch die mächtige Turmwand zum Dachraum des südlichen Seitenschiffes. In dieser ehemaligen Läutestube steht jetzt das Keyboard des Glockenspiels, und an der Nordwand wurde die Spiel- und Steuereinrichtung des Glockenspiels befestigt.

 

Beim weiteren Aufstieg passiert man die Abzweigung zu den baugeschichtlich bedeutenden mittelalterlichen Dachstühlen über dem Chor und dem Mittelschiff. Auch der Nordturm kann von hier aus erreicht werden. Die Wendeltreppe endet auf der mittleren, massiven Ebene des Turmoktogons.

Glockenspielraum, Glockenstuhl

Bis unter den Boden des Hauptgeläuts öffnet sich ein ca. 11,0 m hoher, achteckiger Raum mit nur zwei schmalen Lanzettfenstern im unteren Bereich, dagegen mit sieben großen Maßwerkfenstern in der oberen Zone. Ein achtes südwestliches Fenster ist lediglich mit Leibungen und Spitzbogen angedeutet, anstelle eines Maßwerkes ist hier das Zifferblatt der Uhr befestigt. Alle Fenster sind mit Butzenscheiben verglast. Bezogen auf die Architektur, die Höhenlage, die Lichtführung und die städtebauliche Situation zum Münsterplatz kann man sich keinen schöneren, idealeren Raum für dieses hochwertige Instrument eines Glockenspiels vorstellen. Zwei Bauelemente mussten bei der Planung des Glockenspiels erhalten bleiben: Eine einläufige Holztreppe zu einem Zwischenpodest und eine steile Stahlwendeltreppe zum Hauptgeläut. Das Podest und die Wendeltreppe werden von zwei quer durch den Raum gespannten Stahlträgern gestützt. Der achteckige Raum und der zylindrische Glockenstuhl mit einem Außendurchmesser von 2,60 m und einer Gesamthöhe von ca. 6,00 m haben den gleichen Mittelpunkt, wobei die fünf horizontalen, kreisförmig gebogenen Glockenträger im Bereich der Wendeltreppe unterbrochen sind und somit optisch diese in ein räumliches Spannungsfeld einbeziehen (Abb. 9 + 10). Ein besonderes Erlebnis ist der Blick von der Wendeltreppe aus unterschiedlichen Höhen in das Glockenspiel hinein, wobei sogar die einzelnen Beschriftungen der Glocken gelesen werden können, die jeder Glocken-Pate nach dem Gießen seiner Glocke aufbringen lassen konnte: Namen oder Sprüche. Alle tragenden und verzinkten Teile des Glockenstuhls sind aus breitflanschigen Doppel-T- Stahlträgern hergestellt.

Abb. 9 Glockenspiel von unten nach oben.

 

Wegen der bereits beschriebenen Transportproblematik mussten lange Elemente vor Ort aus Einzelteilen verschraubt werden. Die jeweiligen Dimensionierungen erfolgten entsprechend den unterschiedlichen Belastungen. Das gesamte Glockenspiel einschließlich Glocken ruht auf zwei Trägern mit dem Querschnitt 240 x 240 mm. Deren vier Betonauflager sind jeweils wandbündig in das historische Mauerwerk des Turms eingelassen. Die Gesamtlast des Glockenstuhls einschließlich Glocken und Schlagtechnik beträgt über 5,0 to. Die Glocken sind fest verschraubt, folglich mussten bei der statischen Bemessung des Glockenstuhls keine dynamischen Kräfte wie bei schwingenden Läuteglocken berücksichtigt werden.

Glocken

Abb. 10 Glockenspiel von oben nach unten.

 

Das 51-stimmige Glockenspiel hat im neuen Glockenstuhl 46 neue Glocken und eine historische Glocke, die bereits erwähnte herrliche cis“- Franciscus-Seraphinus-Glocke, die einzige noch erhaltene Glocke des 1909 von den Gebrüdern Georg Adalbert und Josef Benjamin Grüninger gegossenen Geläuts.

Stimmlich in das Glockenspiel integriert wurden zudem vier Glocken des 1954 gegossenen Hauptgeläuts der Gießerei Schilling in Heidelberg, es sind dies: Die St. Josef Glocke (es‘, die tiefste Stimme im Glockenspiel, 1.389 kg), die St. Petrus und Paulus Glocke (as‘, 617 kg), die Bruder Klaus Glocke (b‘, 508 kg) und die St. Pius Glocke (c“, 336 kg). Diese vier Glocken des Schilling-Geläuts werden somit dreifach geläutet: einmal als schwingende Glocken des Gesamtgeläuts, ferner als Glocken für den Schlag der Uhrzeiten und nunmehr als Stimmen des Glockenspiels. Der tiefste Ton der neuen Glocken ist a‘ und der höchste a““‘. Das Villinger Glockenspiel stellt somit eine wohl einzigartige Glocken-Kombination dar.

Der Glockenguss erfolgte im traditionellen

Lehmformverfahren, in Handarbeit und mit der Metallmischung 78 % Kupfer und 22 % Zinn. Die Stimmung des Glockenspiels wurde auf 435 Hz – 3/16-stel festgelegt, um es mit den integrierten Glocken des Schilling-Geläutes und der Glocke von 1909 zu harmonisieren. Die Beschriftungen und Zeichen der Glocken sind nicht erhaben wie vielfach üblich, sondern sie wurden nach dem Guss in die erkalteten Glocken eingraviert. Die 46 neuen Glocken sowie die alte Glocke von 1909 sind in der Reihenfolge ihrer Größe in den fünf Etagen des Glockenstuhls jeweils an der Unterseite der gebogenen Stahlträger angeschraubt. Zwischen dem Flansch und der Glockenoberplatte befindet sich jeweils eine Schalldämpfungsplatte, um die Körperschallübertragung auf die Stahlkonstruktion zu reduzieren. Nur die historische Grüningerglocke von 1909 hat eine Krone und ist dementsprechend befestigt. Das Gesamtgewicht der Glocken im neuen stählernen Glockenstuhl einschließlich der Grüninger-Glocke jedoch ohne die Schlagwerkstechnik beträgt ca. 3.040 kg.

Die Glocken im Einzelnen, beginnend mit den größten Glocken in der unteren Etage (technische Angaben: Durchmesser/Gewicht – ca. cm/kg):

1. Etage 5 Glocken: a‘ (95/450) – h‘ (85/293) – cis“ (Grüninger-Glocke – 78/230) – d“ (73/180) – dis“ (69/150).

2. Etage 6 Glocken: e“ (63/135) – f “ (60/98) – fis“ (58/94) – g“ (52/88) – as“ (52/84) – a“ (52/65).

3. Etage 9 Glocken: b“ (46/55) – h“ (46/48) – c“‘ (41/47) – cis“‘ (41/45) – d“‘ (39/42) – dis“‘ (39/40) – e“‘ (37/38) – f “‘ (36/37) – fis“‘ (36/35).

4. Etage 12 Glocken: g“‘ (33/32) – as“‘ (33/31) – a“‘ (32/30) – b“‘ (32/29) – h“‘ (29/29) – c““ (29/28) – cis““ (29/28) – d““ (29/26) – dis““ (26/25) –.e““ (26/24) – f ““ (25/24) – fis““ (25/24).

5. Etage 15 Glocken: g““ (25/23) – as““ (25/23) – a““ (25/22) – b““ (24/22) – h““ (24/20) – c““‘ (24/19) – cis““‘ (22/17) – d““‘ (22/14) – dis““‘ (22/12) – e““‘ (22/10) – f ““‘ (22/10) – fis““‘ (22/10) – g““‘ (22/10) – gis““‘ (22/9) – a““‘ (22/8).

Schlagtechnik

Alle Glocken des Glockenspiels, auch die vier in das Spiel integrierten Schilling-Glocken des Hauptgeläuts, sind mit elektromagnetischen Schlaghämmern ausgerüstet, wobei diese bei den größeren Glocken auf der Glockeninnenseite anschlagen und bei den kleineren Glocken (ab der Glocke c“‘, 3. Glocke der 3. Etage) auf der Außenseite, da die kleineren Glocken für diese Technik innen zu eng wären (Pläne 2+3). Die Anschlagstärke wird bei jeder Glocke dauerhaft eingestellt, variierende Stärken während des Spiels sind nicht möglich. Aus diesem Grunde ist der spätere Einbau von manuellen Klöppeln für ein sog. „Stokkenklavier“ (aus dem Niederländischen) bereits technisch vorbereitet.

Elektronische Ausstattung

Für die Glockenspielsteuerung wurden eingebaut: Ein Glockenspielcomputer Typ Apollo II Midi und ein Keyboard (beide im ehemaligen Läuteraum) sowie ein Schaltschrank im Eingangsbereich des Glockenspielraumes mit der erforderlichen Anzahl an Leitungssteckplatinen für die Ansteuerung der Schlagwerkshämmer, Sicherungen, Verteilungen und sonstigen Installationen.

 

Plan 2, Schnitt: Alle Glocken von a‘ bis h“ mit innerem Magnethammer, später nachgerüstet mit manuellem Klöppel (1) Runde Stahlplatte an der die Mittelschraube, angeschweißt die beiden Gelenklaschen (2) des manuell spielbaren Klöppels und die Flachstahlschiene (3) für die Befestigung des Magnethammers. An der Schiene (3) bei Nachrüstung ebenfalls Befestigung der Rückholfeder des manuellen Klöppels (4).

 

 

Plan 3, Schnitt: Die Glocken ab c“‘ und kleiner mit äußerem Magnethammer. Spätere Nachrüstung mit manuellem Klöppel, dieser bei den kleinsten Glocken der 5. Etage voraussichtlich außen auf separatem Gestänge einschließlich Rückholfeder montiert. (1) eckige Stahlplatte, (2) Klemmsteg aus Flachstahl Beide Schnitte und Textangaben: Glockengießerei Perner/Passau.

 

Tägliche Spielzeiten des Glockenspiels 

Das Glockenspiel erklingt jeweils mit mehreren Melodien und fünf Minuten nach dem Stundenschlag zu den folgenden Zeiten: 10.05 Uhr – 12.05 Uhr – 15.05 Uhr – 18.05 Uhr

(Änderungen vorbehalten)

Ein Wunschtraum für die Zukunft: „Vom Glockenspiel zum Carillon!“

Die im Inneren aller Glocken eingebauten Klöppel wären durch Drahtzüge über ein Wellenbrett und Winkeleisen mit der Klaviatur, dem Stokkenklavier, verbunden. Federn würden die Klöppel zurückziehen (modernste Anlagen verwenden statt Drahtzügen nahezu geräuschlose Kunststoffzüge). Vom Stockkenklavier aus würden die Glocken ohne elektronische Hilfe nur durch die Kraft des Carillonneurs – die korrekte Berufsbezeichnung des Spielers – zum Erklingen gebracht werden. Die Klaviatur des Stokkenklaviers bestünde aus zwei Reihen abgerundeter Holzhebel und einer Pedalklaviatur.

In Villingen würde das Stokkenklavier genau im Zentrum des Raumes, unterhalb des Instrumentes und in der Achse des Zugangs von der steinernen Wendeltreppe stehen. Nach wenigen baulichen Veränderungen (Ausbau der Holztreppe und des Podestes und Verlängern der Stahl-Wendeltreppe) ergäbe sich mit überwältigender Wirkung die künstlerische Einheit von historischem Raum und modernem Instrument.

Darüber hinaus könnte mit dieser zusätzlich eingebauten Technik die künstlerische Qualität und Attraktivität des „Villinger Carillons“ erheblich gesteigert werden. Entsprechend ausgebildete und geübte Carillonneure könnten die Stärke jedes einzelnen Anschlages selbst bestimmen, die Möglichkeiten differenzierter Dynamik und individueller Interpretationen auch und gerade zahlreich vorhandener spezieller historischer und moderner Musikliteratur wären bei der Größe dieses Instrumentes mit 5 Oktaven eine außerordentlich spannende Perspektive. Mit diesem Artikel soll deshalb ein großer Kreis interessierter Bürgerinnen und Bürger auch auf die zusätzlichen Möglichkeiten des Glockenspiels aufmerksam gemacht werden. Als Carillon könnte es eine überregionale Bedeutung erreichen, auch und gerade im Kontext mit der allseits geschätzten und gern besuchten historischen Villinger Innenstadt. Der Gedanke an eine ergänzende Spendenaktion im kleineren Maßstab ist nahe liegend.

Hingewiesen sei bei dieser Gelegenheit auf ein ausgezeichnetes Beispiel in nicht allzu großer Entfernung von Villingen:

In Eppingen im Kraichgau wurde 1986 im Dachraum über dem Paradies (Haupteingang) der katholischen Pfarrkirche „Unsere Liebe Frau“ ein fast gleich großes Carillon mit 49 Glocken und Stokkenklavier errichtet. Die Bronzeglocken wurden in der Glockengießerei Metz in Karlsruhe gegossen, Vorbild waren Konstruktion und Rippenform des bedeutenden Glockengießers Friedrich Wilhelm Schilling (Heidelberg). Die technische Konzeption und der Klangumfang sind dem Villinger Instrument sehr ähnlich. Wesentlich vorteilhafter sind in Villingen die innenräumliche Situation und der städtebauliche Zusammenhang.

Häufige Carillonkonzerte finden in Eppingen großen Anklang. Regelmäßig spielen auch international renommierte Gast-Carillonneure. Andreas Schmid, Kantor und Carillonneur in Eppingen, wurde speziell an der belgischen Glockenspielerschule in Mechelen ausgebildet. Eine zweite, international bekannte Ausbildungsstätte gibt es im niederländischen Amersfoort.

Glockenmuseum

In erster Linie ist darunter die geeignete Präsentation der vorhandenen und bereits eingangs genannten drei Grüninger-Glocken zu verstehen, wobei jene von 1660 und 1857 von der Stadt als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt wurden. Ein Museum auf Zuwachs ist nur in geringem Maße denkbar, die räumlichen Möglichkeiten wären schnell erschöpft und wegen der geschilderten Transportprobleme kämen allenfalls kleine Glocken in Frage.

Die zwei Grüninger-Glocken von 1660 und 1857 hängen in der Eingangsebene des Glockenspielraumes, die cis“-Glocke von 1909 ist in das Glockenspiel integriert, ihr Originalklöppel hängt darunter. Ebenfalls im Eingangsbereich befindet sich eine gegossene Wandtafel zur Erinnerung an die Glockengießerei Grüninger und an Hubert Waldkircher als Initiator des Glockenspiels. Ferner sind die Namen aller Paten und Spender aufgeführt. An der gegenüberliegenden Wandfläche hängt ein Ölgemälde des bekannten Villinger Kunstmalers Albert Säger mit dem Titel: „Die Glockengießerei Grüninger“. Das Bild wurde von Gerhard und Hanni Hirt zur Verfügung gestellt.

Albert Säger war der Großonkel von Frau Hirt.

Paten und Spender

Aluminium-Werke GmbH Villingen – Gerlinde und Dr. Walter Angele – Anonym – Traudel Arnold – Hermann Bachert – Karin und Prof. Wolfgang Bauer – J.B. – Ingrid und Dr. Wolfgang Berweck – Dr. Friedrich Bettecken – J. & E. Bisswurm GmbH – Anna Bode – Christa und Bruno Broghammer – Maria-Luise Brunner-Schwer – Bucher Stahlhandel GmbH – Gerd Bunjes – Margret Busch – Thea und Hermann Colli – Cordes & Simon GmbH – Ursula und Fritz Dätwyler – Katharina und Eckart Dehmel – Deutsche Bank AG Villingen – Martin Dürrhammer – Dres Elsbeth und Klaus Dumkow – Hanne und Dieter Ehnes – Pfarrer Bernhard Eichkorn – Walter und Rita Faller – Münster-Firmanden 2006 – Ursula Flamm – Konrad Flöß – Elfriede Fromm – Else Gerlach – J. Grießhaber KG – Brigitte und Siegfried Güntert – Brunhilde Güntert – Hermann Güntert – Hermann Güntert und Gäste – Rudolf Haberstroh – Elli Häsler – Haller Industriebau GmbH – Frieda Heinzmann – Luitgard und Thomas Herzog-Singer – Hezel GmbH – Hanni und Gerhard Hirt – Ingrid und Werner Hock – Claudia Hoffmann und Gerhard Hauser – Werner Huger – Jahrgang 1946/47 – Hartmut Jung – Else Kaiser – Maria und Adolf Ketterer – Thomas Ketterer – Elisabeth und Paul Klemens – Dr. Rudolf Köberle – Maria Kofler – Relindis und Ulrich Kolberg – Gertrud und Dr. August Kroneisen – Rönnaug und Prof. Dr. Klaus Lang – Johanna und Helmut Link – LIONS- Club Villingen – Willibald Ludwig – Dr. Gisela Meinke-Wenzel – Ursula und Manfred Merz – Elfriede Meyer – Andrea Müller-Janson und Karsten Keudel – Manfred Müller – Elisabeth Neugart – Dr. Albrecht Neumann – Marta Obergfell – Marianne und Siegbert Reinsch – Ernst Revellio – Grit und Fritz Revellio – Gabi und Herbert Riegger – Hannelore und Dr. Werner Riegger – Julia und Franz Riegger – Viktor Riegger GmbH – Edith Riesterer – Maria Saier – Regina und Christian Schienle – Lotte Schmitt – Susanne Schneider – Margareta Smykala – Sparkasse Schwarzwald-Baar – Ingrid, Martina und Ralf Spendel – Dr. Christel Stahlberg – Irmgard Stenzel – Spomenka und Dr. Karsten Stern – Renate und Klaus Stetter – Gesine und Hanspeter Stoll – Christine und Harald The Losen – Andreas Turner – Turner St. Konrad – Volksbank eG Villingen – Sibylle Waldkircher – Helga Weidenhammer – Franz Wiebelt – Claudia und Dietmar Wildi – Brigitte und Heinrich-Josef Winker – Gisela Wittmer – Familie Zampolli-Lucchetta.

Freude über das gelungene Werk ist diesen Herren anzusehen. Sie alle haben mitgewirkt, das Glockenspiel im Münsterturm zu realisieren. Von links: Glockengießermeister Rudolf Perner, Ulrich Kolberg, Dieter Ehnes, Franz Blaser, Altdekan Kurt Müller und der Freiburger Glockeninspektor Kurt Kramer.