Eugen Gross –Maler, Grafiker und Buchdruckermeister (Manfred Beichl )

Eugen Gross 1988 in seinem neuen Atelier.

 

 

Im Gedenken an Eugen Gross wurde dieser Bericht mit Textteilen aus dem Bildband: „Eugen Gross. 1985 ,Leben und Werk'“ vom Autor dieses Berichtes ergänzt.

Über den Höhen des Schwarzwaldes im Westen von Schonach zum Prechtal hin, inmitten wilden Baumwerks, liegt der Zinken ,,Feldern“ (Bild 2).

Dort wurde am 5. Oktober 1910 der Akademische Maler, Graphiker und Buchdruckermeister Eugen Gross als jüngstes von acht Kindern geboren. Es war ein hartes Leben in der Abgeschiedenheit des Hochschwarzwaldes.

Die Kinder brauchten im Winter mit den selbstgemachten Schneeschuhen mehr als eine Stunde zur Dorfschule in Schonach oder Schönwald. Verschneit und verlassen wirkten die alten Höfe besonders auf der ,,Feldere“, westlich von Schonach.

Bild 2: Hof auf der Feldere.

 

 

 

Die Mutter mit ihren acht Kindern schaffte die widrigen Umstände auf dem alten Hof nicht mehr und übersiedelte in einen Zinken über dem Triberger Wasserfall, von den Anliegern als „Loch“ bezeichnet.

Die heranwachsenden Kinder bestritten den weiteren Unterhalt der Familie. So wie sich die Möglichkeit einer finanziellen Besserung ergab, wurde wieder umgezogen, 1921 an den Bergsee in Triberg. Die Kinder hatten nun mehr Platz, insbesondere der Jüngste, Eugen, wollte einen Raum für sich, denn schon als Kind hatte er den Hang und das Talent zur Malerei, wobei die Mutter ihn sehr unterstützte. Nach der Volksschule besuchte er die Realschule in Triberg. Der Fachlehrer erkannte die Begabung des Jungen und förderte ihn dementsprechend durch Zeichnung, Schrift und Schnitte; Gebiete, die auch für Presse, Druck und Holzschnitt ausschlaggebend sind. 1925 beendete er die Realschule in Triberg und 1928 die Handelsschule.

1930 begann Eugen Gross eine Lehre zum Schriftsetzer, die er 1932 mit Erfolg abschloss.

1935, am 13. Februar, berichtet das Schwarzwälder Tagblatt über den Auftritt von Eugen Gross als Meister im Eiskunstlauf auf dem Eisweiher in Villingen.

Im Mai 1935 wurde die Arbeit bei der Zeitung in Triberg beendet mit der Absicht, im Allgäu in Riezlern zu arbeiten.

Bild 3: Denkmal in Dresden.

 

 

 

1936 wurde eine weitere Arbeit als Akzidenzsetzer in Sonthofen im Juli beendet. Der Weg zur Fachausbildung bis zur Meisterprüfung im Buchdruckerhandwerk in Würzburg war dadurch geebnet.

Im Mai 1937 erfüllte sich der Wunsch der Mutter: Eugen Gross war nun Buchdruckermeister. Ein neuer Abschnitt in seinem Leben begann 1937 in Dresden.

Mit besonderen Aufgaben betraute ihn das große Haus der Wilhelm-und-Bertha-BaenschStiftung, das ihn beauftragte, die Illustration und Malerei auszuwerten. Eugen Gross studierte acht Semester an der Kunstakademie in Dresden, unter Leitung und Führung von Professor Drescher und Professor Sinkwitz – ein Spezialist im Holzschnitt. In dieser Zeit wurden technisch und handwerklich sehr gute Zeichnungen und Aquarelle gefertigt (Bild 3). Aus der Kunstakademie ist eine ganze Anzahl bedeutender Künstler hervorgegangen. Der Krieg verhinderte zunächst den Start zu einer erfolgversprechenden freiberuflichen Tätigkeit, brachte aber in seinem künstlerischen Wirken keine Unterbrechung.

1939 wurde Eugen Gross als Pressezeichner und Illustrator bei der Fallschirmtruppe einberufen. Die beiden Kinder, Sohn und Tochter, wurden 1941 und 1943 in Dresden geboren. Die Mutter zog nach den Bombenangriffen auf Dresden mit den Kindern wieder nach Triberg.

Das Kriegsende erlebte Eugen Gross südlich von Breslau. Mit einem Gewaltmarsch von Osten nach Westen entging er der Gefangenschaft.

1945 bezog er im Wittenbachtal zwischen Schönwald und Schonach mit Frau Julie und den beiden Kindern eine Wohnung. Drei Jahre später zog die Familie nach Triberg auf die Retsche im Lindengrund. Dieses Wanderheim erhielt später den Namen „Malerklause“ (Bild 4).

In dieser Stille blühte sein Talent als Maler und Graphiker auf. Es gab Aufträge für die Städte Triberg und Villingen. Er schuf eine bedeutende Anzahl von Malereien und Graphiken in ausdrucksvoller Gestaltung für den Fremdenverkehr, für den Südwestfunk und die Industrielle Werbung.

Doch nicht nur die Graphischen Arbeiten machten Gross nach dem Krieg bekannt, er fand auch große Anerkennung bei Kunstliebhabern mit Aquarell-, Tempera-, Pastell oder Ölmalerei, die ihm den Ruf eines sehr vielseitigen Künstlers einbrachten.

Das Schwarzwaldleben, stimmungsvolle Landschaften, ausdrucksvolle Gesichter verstand er meisterhaft festzuhalten; auch großflächige Wand und Plakatmalereien, zum Teil nur noch auf Fotos und Zeit-Dokumenten zu sehen. Der früher in der Schweiz bekannte 1983 verstorbene russische Maler Josef Beilin nannte Eugen Gross einen der vielseitigsten Künstler, welche er in seinem Leben kennengelernt habe.

1965 bekam ich ein Prospekt für den Fremdenverkehr Villingen in die Hand (Bild 5). Ich war begeistert von der Malart. Hier waren mit wenigen gekonnt gesetzten Strichen und Farbflächen Reisende, Kirchen, Türme und das Kneippbad dargestellt.

Bild 4: Die Malerklause im Lindengrund.

 

 

 

1987 bekam ich den bereits genannten Bildband zur Ansicht und erkannte sehr schnell, dass ich den Maler vom Villinger Prospekt wieder gefunden hatte. Es war sehr schwer, diesen Menschen in Schönwald zu treffen, aber es gelang. Beim ersten Besuch im Frühjahr 1988 wurde der Bildband gekauft, bei zwei weiteren Besuchen wurde ich durch das Atelier geführt. Hier hingen viele Plakate und Bilder, auf den Tischen Druckproben, Zeichnungen; es war überwältigend. Mein Entschluss, diesen Maler zu sammeln, wurde für mich zur Passion. Wir haben viel geredet, es waren schöne Stunden.

Am Ostersamstag 1989 verstarb Eugen Gross. Seine Urne wurde in Triberg im engsten Familienkreis im Familiengrab beigesetzt, nur ein Bekannter von einer Druckerei aus Villingen war informiert. Am Ende der Urnen-Beisetzung stand auch der Autor dieses Berichtes am Grab und konnte sich von dem vielseitig begabten Künstler verabschieden.

Danach wurde es ruhig im Haus im Schwarzenbachtal bei Schönwald.

 

Bild 5: Touristenprospekt von Villingen (Außenseiten).

 

 

 

 

Was ich bei meinen Besuchen nicht gesehen hatte war das alte Atelier im Haus von Eugen Gross im Schwarzenbachtal. Hier lagerte bis 1992 bei der Familie Hund der Grundstock zur heutigen Sammlung.

1989 begann eine erfolgreiche Spurensuche im Schwarzwald-Baar-Kreis: in Villingen, Triberg, Schonach und Schönwald. In dieser Zeit fand ich Arbeiten an Hauswänden in Schönwald, in Villingen im Durchgang bei der Stadtkasse (Bild 6), am Forster-Haus in den Erbsenlachen. Das Bildmaterial im Bildband zeigte viele Spuren zu den Firmen, für die Eugen Gross Entwürfe und Graphische Arbeiten malte und druckreif gestaltete.

Bild 6: Ankunft Postkutsche – 6 m großes Wandbild in der Vorhalle der Stadtkämmerei Villingen.

 

 

Über Jahrzehnte ging Eugen Gross in vielen Druckereien ein und aus. Ich möchte hier ein paar der damaligen Kunden nennen: Die Städte Villingen, Königsfeld, St. Georgen, Triberg, Schonach, Schönwald, in Hornberg war es die Firma Schiele und das Hotel zum Bären.

Bild 7: Eugen Gross – Selbstportrait.

 

 

Die Versandhäuser Wenz und Bader sowie der Schmuckversand Augstein in Pforzheim waren Kunden von Eugen Gross für Arbeiten und Entwürfe, um diese tausendfach gedruckt in den Katalogen zu versenden. Für die Stadt Villingen wurden in ca. 30 Jahren viele Bilder und Plakate gemalt.

1952 wird in einer Allgemeinen Werbebroschüre auch die Maler-Klause im Lindengrund in Triberg mit einer ausdrucksstarken Zeichnung vorgestellt und eingeladen, diesen Ort zu besuchen.

1957 wurde Eugen Gross vom Kunstverein Villingen beauftragt, für die Jahresausstellung in der Jahnturnhalle ein Dekoratives Plakat zu gestalten (Bild 8), welches bei der Tausendjahrfeier 1999 im Theater am Ring in dem Beitrag der Hobby sammler nach 42 Jahren erneut zu sehen war.

1962 erscheint für Villingen der vermutlich schönste Prospekt zur Fremdenverkehrswerbung (Bild 5). Für eine Französisch-Englische Ausgabe, wurde sogar der Umschlag passend geändert und neu gemalt.

Eine weitere plakative Arbeit war das große Fasnachtsplakat mit der großen Narroscheme, daneben der Katzenkopf und darunter der Glonki. Dieses Plakat war ein Vierfarben-Holzschnitt und wurde fast 25 Jahre verwendet (Bild 9).

1964 erfolgte der letzte Umzug nach Schönwald.

Zeitweise wurden von der Familie Julie und Eugen Gross drei Lokale in Triberg betrieben. Die Retsche, auch Malerklause genannt. Der Heimatkeller an der Hauptstraße und das Café Gondel am Bergsee. Diese Lokale waren mit Werken und Bildern von Eugen Gross verschönt.

1966 war Eugen Gross beim Entwurf der Tracht für die Villinger Stadtharmonie gefordert und aktiv.

Bild 9: Fasnachtsplakat.

 

Bild 8: Plakat vom Kunstverein.

 

 

1967 wurde für das 150-jährige Betriebsjubiläum der Firma Görlacher, Schlosserei und Autohaus, ein Stammbaum für die Familie Görlacher gemalt.

1956/76 viele Zeichnungen mit Bezugsmotiven für das Volksbildungswerk der Stadt Villingen.

1969 wird das Plakat für die Deutsche Nordische Skimeisterschaft in Schönwald von Eugen Gross entworfen und gedruckt.

1970 erscheint ein Bildband noch unter dem Oberbürgermeister Severin Kern. Hier fällt Eugen Gross eine kunstvolle Trennung der einzelnen acht Kapitel ein; durch Einbinden von farbigen Seiten mit dazu passenden Bildern: „Die alte Stadt“, „Der Luftund Kneipp-Kurort“, „Die moderne Stadt“,

„Die Industrie“, „Das Brauchtum“ sowie „Kultur und Sport“.

Im November 1970 erscheint eine Schallplatte, deren Plattenhülle von Eugen Gross gezeichnet wurde. „Zugeeignet meinem lieben Freund Willi Stech zu seinem 65. Geburtstag, allen meinen Freunden und für Dich! Herzlichst Hans Georg Brunner-Schwer“. Willi Stech war bekannt über das Südfunk-Tanzorchester Baden-Baden.

1971 wurde nach vielen Verzögerungen im Durchgang der Stadtkasse in der Obere Straße ein für Villingen gewaltiges Bild von Eugen Gross gemalt. Das 6 x 2 Meter große Bild zeigt immer noch das heute bekannte Gebäude, mit dem Schalter der Poststation, Reisende mit Gepäck und die Ankunft der Postkutsche. 1979 wurde von dem Maler Gross angeregt, dieses Zeitdokument durch eine Plexiglasplatte zu schützen, aber schon damals fehlte das Geld um dieses Malwerk dauerhaft zu sichern (Bild 6).

1973 erscheint in Villingen ein kleines Buch in Taschenformat, hier wurde unsere Stadt auf nur 63 Seiten geschichtlich von Dr. Wolfgang Hempel, Horn/Höri, und mit einem Bilderbogen aus 28 Federzeichnungen und Aquarellen von Eugen Gross schön und werbewirksam ins Bild gesetzt. All diese Zeichnungen und Bilder waren für den Malkünstler eine gewaltige Aufgabe.

Am 27. Dezember 1975 verstarb Frau Julie Gross.

1981 wird erneut ein Plakat von Eugen Gross für die Deutsche Nordische Skimeisterschaft 1982 in Schönwald entworfen und gedruckt.

1999 zur Tausendjahrfeier gab es eine Gruppe „Die Hobbysammler“. 20 Sammler zeigten im Kleinen Saal vom Theater am Ring vieles von dem, was man alles sammeln kann. Der gezeigte Maler und Grafiker war Eugen Gross, eine Sammlung bestückt mit Bildern und Druckerzeugnissen von Eugen Gross in ca. 45 Jahren entworfen und gemalt. Aus Privatbesitz kam auch das Original für den Einband vom Ratzennest (Bild 10). Dieses Bild wurde für den Einband nach einem Gemälde von Albert Säger im Torstüble nachgemalt.

Bild 10: Bucheinband vom Ratzennest.

 

 

Bild 11: Das Niedere Tor in einer Vision von innen.

 

 

 

 

 

Bild 12: Am alten Ziegelwerk.

 

 

 

Eine Leihgabe war ein gemaltes Bild von einem neuen Niedere Tor, welches harmonisch in die jetzige Bausubstanz gepasst hätte (Bild 11). Als vor Jahrzehnten ein Neubau des Niederen Tores diskutiert wurde, war Eugen Gross gefordert und mit Herr Forster von der Druckerei sehr aktiv. Von den Ideen wurden Skizzen, kleine und große Bilder gemalt, Plakate wurden entworfen wie das Niedere Tor von innen und außen aussehen könnte. Aber dann fehlte sicher das Geld, um diese Lücke in der Niederen Straße zu schließen.

Die etwas älteren Villinger können sich sicher auch an die großen Bildtafeln erinnern, welche an den Einfahrtstraßen nach Villingen standen. Eine der Bildtafeln stand an der alten B 33 am alten Ziegelwerk (Bild 12), eine weitere stand an der Saba-Kreuzung von Unterkirnach kommend.

Von Eugen Gross wurden auch 20 Jahre die Theater- und Kulturamtshefte mit Zeichnungen ergänzt. Mit dem damaligen Kulturamtsleiter Herr Willi Hacke und danach mit Dr. Walter Eichner wurde einiges bewegt.