Die Benediktinerkirche regt Heimathistoriker immer wieder zur Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte an. (Hermann Preiser)

Die spannende und wechselvolle Geschichte der Benediktinerkirche in Villingen ist in den letzten Jahren immer wieder in den Blickpunkt gerückt worden. Vor allem aus Anlass der Renovierung des barocken Gotteshauses und ihrer festlichen Wiedereröffnung im April 1999 wurde sie wie- der lebendig. Zahlreiche Beiträge sind zu diesem Thema veröffentlicht worden. Jetzt beleuchtet unser Mitglied und Heimathistoriker Hermann Preiser, aus dessen Feder schon viele Veröffentlichungen in den Jahresheften des Geschichts- und Heimatvereins Villingen erschienen sind, die Geschichte vom Bau der Benediktinerkirche in einem umfangreichen Artikel. Die wesentlichen Auszüge daraus werden hier wiedergegeben.

 

Der Bau der Benediktinerkirche

Abt Georg Franz war 1685 dem Abt Georg III. Gaißer gefolgt, der sich sehr um den Ausbau des Klosters und einer Kirche bemühte. Er plante anfangs nur einen Neubau des Konventgebäudes, aber inzwischen hat sich in Süddeutschland eine gewaltige Entfaltung des süddeutschen Barock entwickelt und überall in Schwaben und am Rhein begann man in den alten Stiften zu bauen. Abt Georg III. hat sich entschlossen, einen Bau zu schaffen, der Kirche und Kloster zusammenschloss und bemühte sich deshalb um einen größeren Platz. Der Rat der Stadt beschloss, nach Möglichkeit diesem Wunsche zu entsprechen, denn es mussten die beiden Weberhäuschen abgetreten werden. 1679 hatte Michael Thumb aus Vorarlberg den Neubau in Zwiefalten geleitet. Vom 10. bis 11. Juni war Michael Thumb Gast des Abtes und der unterhielt sich mit seinem Gast über den künftigen Kirchenbau. Thumb arbeitete danach einen Plan aus, der dem Abt sehr gefiel.

Danach begingen sie den Platz für das zukünftige Gebäude und Thumb gab ihnen sehr gute Ratschläge. Am 11. August 1687 legte der Abt dem Rat einen Plan vor, dem die Thumbschen Ideen gefallen, gegen den nur wenige Widerspruch erhoben. Den ganzen Sommer 1687 arbeitete der Abt systematisch an der Vorbereitung des Baues und suchte in der Umgebung der Stadt Steine für den Bau. Er fand auch einen Haufen Steine, die vor dem Bauplatz durch freiwillige Fuhrleistungen aufgeschichtet wurden.

Am 5. Mai 1688 konnten Fundamente für den Neubau ausgehoben werden und am 16. Mai fand die feierliche Grundsteinlegung durch den Abt Roman von St. Blasien statt. Der Abt ließ sich auch weiterhin von Fachleuten beraten. Als 1688 General Chemilly, Kommandant von Straßburg, Villingen bedrohte, hatte man vorsorglich auf dem Bauplatz zu Verteidigungszwecken Holz gelagert. Als er wenige Monate später den bayrischen Architekten und Bildhauer Johann Pöland traf, dessen Tochter hier ins Kloster trat, nahm er diesen und einen Architekten aus St. Gallen nach Villingen und sie verhandelten über den Klosterbau. Außerdem hatte der Abt den Rohrschacher Peter Heim zum Bauleiter gemacht und übertrug diesem die Verhandlungen über den künftigen Arbeitslohn. Der durch Vermittlung des Abtes von St. Blasien aus Freiburg in der Schweiz eingetroffene Jesuitenpater Franziskus Demer löste zweifelhafte Fragen und fertigte Spezialpläne an. Aus Geldmangel war ohnehin eine großzügige Planung wie in Zwiefalten, Ochsenhausen und Ottobeuren nicht möglich, nachdem durch die Reformation ein Teil der Einkünfte verloren gegangen waren. Um jeden Quadratmeter Boden musste gerungen werden, wegen dem Verlust bürgerlicher Behausungen. Der Nordtrakt war entstanden durch Erweiterung der dort stehenden Kapelle, wo man das erste Konventhaus angebaut hatte. So kam dann eine hufeisenförmige Planung der Klostergebäude, die die billigste war, zustande. Der Südtrakt sollte die Kirche bilden.

Am 16. August 1690 beklagte sich der Abt, dass er aus Mangel an Baumaterial die Arbeit unterbrechen musste. Die Müller hatten ihnen eine große Menge Steine weggeholt zum Aufbau ihrer im Krieg verbrannten Mühlen.

Am 27. September 1690 bat er den Rat um die Menge Holz für den Dachstuhl der Kirche. Er brauchte 400 Stamm Holz, eine Menge Ziegel und Kalk. Am 2. November schloss er mit Zimmermeister Conrad Handtmann einen Kontrakt über die Ausführung des Dachstuhls 305 Gulden, sowie Früchten und 13 Malter Korn.

Während der Tallardschen Belagerungen wurden die auf dem Kirchplatz liegenden Steine wieder zur Ausfüllung der Bresche beim Franziskaner verwendet. Erst nach dem Friedensschluss schloss der Abt mit Maurermeister Johann Würtner aus Rottweil einen Vertrag über die Lieferung von 100

Wagen mit Tuffsteinen aus dem Horgener Steinbruch.

Als die Kirche im Innenraum bereits fertig war, beschloss der Konvent den Chor um ein Joch zu erweitern und bis auf die Stadtmauer hinauszubauen, um dem Altar mehr Raum zu gewähren, wie dies in St. Peter der Fall ist. Die Fassade schließt sich dem aus Italien kommenden Schema an. Zwei Doppel-Pilaster tragen das Hauptgesims.

Innen-Ausstattung 

Der erste Hochaltar wurde von Anton Schupp und seinem Sohn angefertigt für 486 Gulden. Das Altarblatt machte ein Bruder des Abtes Georg Glückherr aus Rottweil und stellte das Abendmahl dar. Als man sich entschloss, den Chor länger zu machen, war man gezwungen, den Hochaltar abzubrechen, den die Pfarrkirche in Furtwangen bekam. Den Riss zum neuen Hochaltar schuf Heinrich Schilling, welcher auch das Altarbild, die Kreuzigung, machte. Den Altar selber fertigte Christoph Wild aus Weingarten. Am Tabernakel arbeitete Martin Hermann, derselbe wurde von Zacharius Schupp neu gefasst.

Caspar Mola von Mendrisimo war der Stuckateur, der auch in der Klosterkirche zu Ottobeuren arbeitete. Nach Erweiterung des Chors wurden zwei neue Seitenaltäre St. Placitus und St. Maurus mit Schreinen für Heilige, welche Martin Hermann anfertigte, errichtet. Der Altar St. Benedikt wurde von Weihbischof von Singenstein eingeweiht. Unter dem Altartisch war ein schwarzer Schrein für den Leib des hl. Benedikt, welcher durch die Bemühungen des Abtes Georg III. ins Kloster gekommen war, wobei für die Fassung des hl. Leibes im Jahre 1710 11.592 Gulden ausgegeben wurden. Georg Samuel Schilling fasste den Altar und malte das Altarbild.

 

Von der Kunstuhr, die 1769 der Uhrmacher Liebherr aus Immendingen zusammen mit einem Glockenspiel geschaffen hat, ist nur das Uhrgehäuse von Martin Hermann erhalten.

 

Die erste Kanzel ist nicht zum besten ausgefallen und wurde 1750 nach einem Modell von Josef Anton Hops gefertigt. Die Chorstühle wurden von dem kunsterfahrenen Schreinermeister Martin Hermann für 860 Gulden gemacht. Der Konstanzer Schlossermeister Jakob Hofen hatte ein Chorgitter für 878 Gulden angefertigt.

Am 14. Januar 1751 wurde mit Johann Andreas und Johann Daniel Silbermann über die Lieferung einer Orgel ein Vertrag abgeschlossen. Der Schreiner Martin Hermann und der Bildhauer Hops gestalteten das Orgelgehäuse.

Die Sakristei wurde 1730 von Mola mit Stuckarbeiten verziert. Für die Anfertigung des Oratoriums, in dem der Prälat der Messe beiwohnt, gibt es eine Rechnung von 153 Gulden.

Am Boden, rechts neben dem Hochaltar ist die verdeckte Öffnung einer Gruft.

Abt Cölestin beauftragte am 16. April 1765 den Bürger und Rat Johann Michael Schmadel, einen in der Fasskunst sehr erfahrenen Künstler, Orgel, Kanzel, Galerien, sämtliche Gurt und Säulen, auch den Heiligkreuzaltar nach Art der Orgel neu zu fassen. Cölestin wollte der Kirche offenbar, über allen Wandel des Geschmacks hinweg, ein einheitliches Gesicht geben und verwendete dazu nicht weniger als 4.000 Gulden wovon Schmadel 2.600 Gulden bekam.

 

Der Turm 

Der Turm wurde erst einige Jahrzehnte nach der Kirche fertig, denn verschiedene Europäische Kriege hatten eine große Unruhe gebracht. 1755 ließ Abt Hieronimus den Turm vollenden, nachdem Abt Georg III. nur zur Aushebung der Fundamente kam und dessen Nachfolger Abt Michael den Turm bis zum Kirchendach ausführte. Zwar konnte mangels vorhandenen Baumaterials 1755 mit dem Bau nicht mehr begonnen werden, jedoch wurde mit dem Maurer und Steinhauermeister Ludwig Oswald ein Akkord abgeschlossen, wonach dieser sich verpflichtete den Turm nach der gegebenen Architektur mit gehauenen Steinen auszuführen und die notwendigen Maurer und Steinmetze zu verpflegen sowie das Handwerkszeug selber anzuschaffen. Das Kloster dagegen versprach, die Steine herbeischaffen zu lassen. Oswald wurde für sämtliche Arbeitsleistungen ein Betrag von 2.500 Gulden zugesagt. Das Kloster versprach außerdem, auf eigene Kosten die Gerüste durch Zimmerleute anfertigen zu lassen. Die Aufsicht über die Rechnungsführung wurde Prior Cölestin übertragen.

Oswald war den ganzen Winter mit dem Brechen und Zuhauen der Steine beschäftigt, die die Bauern von Dürrheim in Fronfuhren aus dem Schlegelwald bei Unterkirnach herbeischaffen mussten.

 

Auch der Schwenninger Vogt hatte eine Fronfuhr durch seine Bauern zugesagt. Die Bauern von Sinkingen, die dem Kloster viel schuldig waren, waren mit Ross und Wagen in Villingen gewesen und haben durch ihre Fuhrleistungen ihre Schulden verringert. Die zwei eigenen Züge des Klosters wurden nicht verschont und mussten noch mehr als die anderen laden. So konnte der Zimmermeister Gabriel Schleicher schon Anfang April 1756 mit seiner Arbeit beginnen. Er hatte die ganze Zimmerarbeit zu leisten und hatte auch die Kuppel samt Laterne und Helmstrang zu verfertigen. Dafür hatte er 90 Gulden bekommen.

Am 22. April konnten schon die Maurer mit der Arbeit beginnen und nach 14 Tagen konnte schon der Kran-Zug erhöht werden. Dank anhaltend guter Witterung war anfangs August das Vorhaben bis in „60 Schuh“ ohne jeden Unfall fertig geworden. Trotzdem ist nichts übereilt worden und dem ehrsamen Meister viel Lob abzustatten, dass er alles gut abgemessen, die Steine gut miteinander verbunden und auch die Quader mit eisernen Schließen, welche gut 15 Zentner wogen, auf den Erker versichert und seinen Akkord gut vollendet hat. In den folgenden Monaten arbeiteten Zimmerleute, Schlosser, Gürtler und Vergolder am Turm.

Der bei dem Goldschmied Franz Thadäus Lang in Augsburg angefertigte 48 Pfund schwere Turmknopf war inzwischen angekommen und der Goldschmied versprach einen Knopf zu liefern, wenn derselbe über hundert ettlich Jahren im Regen steht, die Vergoldung hält. Für die Deckung der Kuppel hatte der Pfarrer von Steinach den Dachdecker Beller von Calw empfohlen. Obwohl er als Württemberger einer anderen Konfession angehörte hatte er sich wegen seiner kunstreichen und dauerhaften Arbeit bewährt und war auch zu dem Fürsten von Fürstenberg gerufen worden, um die dortigen Kirchtürme zu decken.

Martin Hermann, den man zu Rate zog, schuf eine Lösung für das äußere Erscheinungsbild, das heute noch, nach über 200 Jahren, wegen seiner gelungenen Proportionen große Bewunderung findet.

Die Ausgaben für den Turmbau betrugen 6.618 Gulden aber noch fehlten die Glocken auf dem stattlichen Turm. Zunächst begnügte man sich mit dem kleinen Glöcklein auf dem Dachreiter des Nordbaues. Zudem war durch Vermittlung des Domprobstes Graf Truchsess von Wolfegg mit einer ein Zentner schweren Loretto-Glocke zu rechnen. Die Glocke hatte die heiligen Mauern und die heilige Schüssel berührt, die in diesem Heiligtum aufbewahrt wurde. 1767 rechtfertigte Abt Cölestin Wahl, weshalb es bis jetzt noch nicht zu einem anständigen Turmgeläut kam. Es war auch noch nicht klar wie viele Glocken und wie schwer die einzelnen Glocken sein sollten. Auch bestand die Schwierigkeit für ein harmonisches Geläut einen Glockengießer zu finden, was man dem Villinger Glockengießer nicht zutraute, da der Uhrmacher noch keine Satisfaktion gemacht hatte. Als Hauptgrund aber wurde genannt, dass die Kosten eines neuen Geläutes auf 7.000 Gulden geschätzt wurden, wofür kein hinlänglicher Fundus vorhanden sei. Sollten die Herren Capitularien evtl. Geld aufnehmen, so könnte der Wunsch erfüllt werden, welcher aus den angeführten Gründen bisher zurückgehalten wurde. Im Jahre 1767 wurde der Kontrakt mit dem Villinger Glockengießer Josef Benjamin Grüninger geschlossen. Dieser verpflichtete sich, ein harmonisches Geläute von sieben Glocken zu verfertigen und mit der Arbeit sofort zu beginnen. Für jeden Zentner gegossenen Glockenmetalls sollte er 10 Gulden bekommen. Er versprach auch alle Figuren und Zierarbeit nach klösterlichem Verlangen darauf zu gießen und das Kloster das notwendige Modell auf eigene Kosten anzuschaffen oder vom Bildhauer verfertigen zu lassen. Die Bildhauerarbeit fertigte Philipp Rauch. Die sieben Glocken wurden in der Zeit vom 27. August bis 27. Oktober 1767 gegossen.

Nachdem die Glocken gegossen waren, ging man an das Uhrwerk zum Glockenspiel. Sein Meister war Franz Xaver Liebherr von Immenstadt. Am 19. September 1767 wurde mit ihm ein Vertrag geschlossen, nach dem er 1.300 Taler und die Kost für sein Werk bekam. Er verpflichtete sich, ein Werk zu liefern, das an allen vier Seiten des Turmes und an der Wand in der Kirche dem Oratorium gegenüber Stunden und Viertelstunden anzeigen musste. Bei der Uhr selbst sollte er Stunden und Minuten zeigen. Die Viertel sollten auf drei Glocken schlagen, die Stunden zweimal, das andere Mal nur auf einer. Das Werk sollte 30 Stunden gehen ohne aufzuziehen. Das Werk sollte so eingerichtet sein, dass man ein kleines Glockenspiel nach Belieben einstellen konnte. Der Uhrmacher musste Jahr und Tag für die Uhr gut stehen, dieselbe wenn anders durch unvorhergesehenen Zufall an der Arbeit nicht gehindert wird, inner zwei Jahren aufstellen und unentgeltlich nach Schaffhausen liefern. Da der Vater Liebherr während der Arbeit starb, versprach der Sohn, das Werk fertig zu machen. Am 21. September war die Uhr bereits aufgestellt, hatte aber noch kleine Fehler.

Die Bauarbeiten an Kirche und Kloster und deren Ausstattung benötigten einen Zeitraum von 80 Jahren (1688 – 1768). In diesem Zeitraum befassten sich die Äbte Michael III., Glückherr, Hieronimus Schuh und Cölestinus Wahl. Die erste Periode von 1717 – 1728 stand unter dem Zeichen Anton Josef Schupp. Der Bregenzer Gipser und der Schreiner Votzeler Schupp arbeiteten an einem schweren Barock, der schon damals dem Zeitgeschmack nicht mehr ganz entsprach. Sein Hochaltar und seine Kanzel wurden deshalb nicht mehr ganz vollendet. Für die Erweiterung der Kirche um ein Joch zog man als weitere Stuckateure Caspar Mola und Christoph Wild heran sowie Martin Hermann als Schreiner und Samuel Schilling als Maler. In diese Periode gehörte auch die weitere Ausstattung der Kirche mit Chorgestühl, Chorgitter und Orgel einschließlich des Turmbaus. Die dritte Periode begann mit der Amtszeit des Abtes Cölestin Wahl, einem besonders kunstverständigen Mann. Unter ihm wurden zwei, Josef Anton Hops und Johann Michael Schmadel, herangezogen. Es erregt heute noch Bewunderung, mit welcher Hingabe und Kunstverständnis die Äbte sich um die Ausschmückung ihrer Kirche bemüht hatten. 10 Jahre nach dem Einzug in die Kirche wurde der Chor erweitert und die Altäre umgestaltet.

Man scheute keine Kosten, um die Kirche mit einer teuren Silbermannschen Orgel und einem harmonischen Geläut sowie einer Kunstuhr mit Glockenspiel auszustatten obwohl die Geldmittel sehr knapp waren. Die Kunstuhr mit den Glocken und die Orgel sind weithin bekannt geworden, da der Großherzog so großen Wert auf diese Stücke legte. Der Konvent zählte 1767 unter Abt Cölestin Wahl 19 Priester, 4 fatres professi und 3 fatres conversi, zusammen 27 Köpfe.