Das Amt für Kultur als Akteur, Vermittler und Koordinator (Andreas Dobmeier)

Das Kulturleben in Villingen-Schwenningen

„Kultur“ – dieses Wort geht bei vielen Anlässen sehr leicht über die Lippen. Es in seiner Gänze zu erfassen und daraus Aufgaben abzuleiten, fällt hingegen schwer. Vielleicht hilft da eine Definition:

„Kultur“, so eine Sichtweise, steht für die „gesammelten Werke und Werte“ einer Gesellschaft. Unter diesem Blickwinkel kann sich das Amt für Kultur Villingen-Schwenningen als Motor und Schnittstelle für Werke- und Wertevermittlung verstehen. So vielseitig der Begriff „Kultur“ ist, so umfangreich ist die Kulturarbeit selbst – gerade von und in einer Stadt wie Villingen-Schwenningen.

Was Kultur so wertvoll macht, ist das gemeinsame Erleben, die geteilte Freude an Werken der Musik, der Bildenden Kunst, des Schauspiels, des Tanzes, der Literatur oder anderer Gattungen. Alle diese Kulturformen benötigen indes Heimstätten, Orte der Zusammenkunft und des Dialogs. In der öffentlichen Wahrnehmung spielen daher die von der Stadt Villingen-Schwenningen getragenen Orte der Kultur eine besondere Rolle. Dazu zählen das Theater am Ring, die Neue Tonhalle, das Franziskaner Kulturzentrum mit Konzerthaus und Museum im Stadtbezirk Villingen, die Städtische Galerie, das Heimat- und Uhrenmuseum im Stadtbezirk Schwenningen sowie die heimatkundlichen Stuben und Bauernmuseen in den Ortsteilen.

Das Theater am Ring.

 

Das Franziskaner-Konzerthaus mit Franziskaner-Museum.

Die Stadtbibliotheken in beiden Stadtbezirken Villingen und Schwenningen, das Alte Rathaus im Stadtbezirk Villingen und das Uhren- Industriemuseum oder – in Zusammenarbeit mit dem städtischen Angebot – das Theater im Capitol im Stadtbezirk Schwenningen.

Ausgehend von diesen Orten der Kultur und deren verschiedensten kulturellen Angeboten zeigt sich ein buntes Kaleidoskop, welche vielfältigen kulturellen Angebote sich unter dem Dach des Amtes für Kultur vereinen. Angefangen in nächster Nachbarschaft zum Dienstort des Amts für Kultur selbst, mit dem Theater am Ring, das sich zu einer universellen Spielstätte entwickelt hat. Hier finden in der Saison 2009/10 vier Theaterreihen mit insgesamt 25 Aufführungen, Sonderveranstaltungen in Schauspiel, im Musiktheater, im Kabarett sowie verschiedenste Konzerte statt. Eine neue Reihe betritt die Bretter, die die Welt bedeuten: Im April 2010: Erstmals geht das Tanzfestival „VS eMotion“ an den Start, in dessen Rahmen renommierte Tanzcompagnien aus Europa und den USA zu Gast sind, aber auch begabte Akteure aus der Doppelstadt eingebunden sind.

Das Franziskaner Konzerthaus beherbergt unter anderem die Reihe der Meisterkonzerte. Nicht zuletzt die hervorragende Akustik und außergewöhnliche Atmosphäre des Saales haben dazu beigetragen, dass hier international gefragte Klangkörper, Musiker und Dirigenten auftreten – die Stadt bewegt sich durchaus auf Augenhöhe mit den nationalen Metropolen der klassischen Musik. Im Großen Zyklus finden sich herausragende Orchester und namhafte Solisten wieder; acht Konzerte dieser Art stehen in der Saison 2009/10 auf dem Programm. Der Kleine Zyklus – aktuell sind es fünf Veranstaltungen – widmet sich dem kammermusikalischen Spektrum. Im hohen Chorraum der ehemaligen Franziskanerkirche spielt das „Junge Podium“. Hier erhalten Musikstudenten in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen und der Musikakademie VS die Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen. In der Reihe „AUFTAKT – Konzerte für junge Menschen“ – in der Spielzeit 2009/10 gibt es insgesamt zehn Veranstaltungen – erfahren Kindern und Jugendlichen die Erlebniswelt der klassischen Musik und des Jazz hautnah. Viele Schulklassen aus der Stadt und der Region nehmen diese Angebote wahr und so entwickeln die jungen Besucher schon früh ein Gespür für ein gutes Live-Konzert, in das sie mitunter auch aktiv eingebunden werden. Oftmals in ersten Kontakt mit Theater kommen Kinder bei den Weihnachtsmärchen; englisch- und französischsprachige Stücke eröffnen später der Mittel- und Oberstufe den Zugang zu einem qualitativ hochwertigen Bühnengeschehen.

Als vielseitiges Kultur- und Kongresshaus ist die Neue Tonhalle in das städtische Kulturangebot integriert. In Zusammenarbeit mit der Marketing & Tourismus VS GmbH koordiniert das Amt für Kultur eine Reihe von Gastspielen, die von Konzerten bis hin zu Revuen reichen. Ebenso hat das Jazzfestival „VS swingt“ seinen festen Platz in der Neuen Tonhalle.

Das Theater im Capitol behauptet sich im Stadtbezirk Schwenningen als attraktiver Spielort im Ambiente der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. In der nunmehr vierten Saison 2009/10 prägen die kleinen Formen der Theaterkunst das Programm. Gleichsam hat sich der historische (Kino-)Saal in der Vergangenheit für Lesungen bewährt, die in der noch jungen Reihe „Auf Buchfühlung“ stattfinden. Das Amt für Kultur und die Stadtbibliothek haben mit diesen Veranstaltungen ein weiteres Kapitel des kulturellen Lebens aufgeschlagen: Die Begegnungen mit Schriftstellern und deren Werken stoßen auf große Resonanz und haben sich nach einer erfolgreichen Premierensaison etabliert.

Die Städtischen Museen erforschen und vermitteln die reiche Geschichte Villingen-Schwenningens. Das Franziskanermuseum, eines der größten und ältesten Stadtmuseen in Baden-Württemberg, schlägt den Bogen von der Vorgeschichte ins Industriezeitalter, unter anderem mit der bedeutendsten volkskundlichen Sammlung des Schwarzwalds. Thematische Wechselausstellungen reflektieren zudem einzelne Aspekte zur vielfältigen Kulturgeschichte der Bürgerstadt Villingen und der industriell geprägten Stadt Schwenningen. Im Uhren-Industriemuseum ist die industrielle Entwicklung der Neckarstadt nachvollziehbar und die Produktionsprozesse beim Herstellen eines klassischen Weckers sind Schritt für Schritt erlebbar. Das Heimat- und Uhrenmuseum beherbergt mehreren Spezialsammlungen von Grabungsfunden aus Alamannengräbern bis zur Rekonstruktion von Bauern- und Bürgerstuben. Die Heimatstuben von Herzogenweiler, Tannheim und Mühlhausen sowie das Bauernmuseum in Mühlhausen geben Einblicke in das ländliche Leben auf der Baar.

Die Städtische Galerie erarbeitet Ausstellungen mit Werken der Klassischen Moderne und mit Arbeiten zeitgenössischen Kunstschaffens. Bei Letzterem sind die Ausstellungen jungen Künstlern vorbehalten, die figurative Tendenzen beziehungsweise Grenzbereiche in der Auseinandersetzung von „Kunstform“ beziehungsweise „Naturform“ diskutieren. Mit diesem Themenschwerpunktbereich hat sich die Städtische Galerie in den vergangenen Jahren eine herausragende Position in der Kunstszene erarbeitet. Im Jahr präsentiert die Städtische Galerie sieben bis acht Ausstellungen, die im „Lovis-Kabinett“ im Stadtbezirk Schwenningen beziehungsweise in den Räumen des Franziskanermuseums im Stadtbezirk Villingen gezeigt werden. Insgesamt bietet sich hier Kunstinteressierten im regionalen Einzugsbereich und dem überregionalen Publikum die Möglichkeit, sich mit Fragestellungen der aktuellen Kunst und der Klassischen Moderne auseinanderzusetzen. Dadurch wird die Städtische Galerie zur „Schule des Sehens“ und leistet einen unverzichtbaren Beitrag im kommunalen kulturellen Auftrag.

Die beschriebenen Aufgabenfelder und kulturellen Angebote des Amtes für Kultur erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das kulturelle Erleben verzweigt sich vielfach und durchdringt die Gesellschaft – mal augenfällig in Form von Großveranstaltungen wie etwa der Langen Schwenninger Kulturnacht, mal eher in intimen Orten wie dem Chorraum des Franziskanermuseums oder im Theater im Capitol. Letztlich ist es das Zusammenspiel aller Kulturanbieter, der städtischen Einrichtungen, der freien Kulturschaffenden in der Stadt und der Region, wie auch die unterschiedlichsten Angebote der Vereine oder Gruppierungen von hier lebenden Menschen aus anderen Ländern, die das Gesamtbild unserer Gesellschaft prägen. Das Amt für Kultur ist hierbei Akteur, Vermittler und Koordinator zugleich.