Die Wasserbelagerung von 1634 (Lambert Hermle)

Auf der Ansichtskarte zur Erinnerung an die 300 jährige Wiederkehr 1934 des Abzuges der Schweden und Aufgabe der Wasserbelagerung ist beim Jahre 1634 zu lesen:

 

 

 

 

„Nach dem Anrücken der Schweden am 16. Juli Aufforderung zur Übergabe durch Obrist Gassion. – Villingen lehnte schriftlich ab – Gassion erbaute den Schwedendamm. Nach 7 Wochen Durchbruch des Dammes. Am 9. Sept. überstürzter Abzug der Schweden nach Verbrennen ihres Lagers“.

Nach den beiden Belagerungen Villingens im Jahre 1633 war es für die Bevölkerung wie auch für die Besatzung Villingens ein dringender Bedarf, Lebensmittel für Mensch und Futter für Tier zu bekommen. So wurden benachbarte Ortschaften überfallen und beraubt, erpresst, ja sogar gebrandschatzt. Die Beutezüge gingen in die Schwarzwaldtäler, bis in die Nähe von Horb und Hechingen, selbst größere Orte wie Bräunlingen, Donaueschingen, Hüfingen und Vöhrenbach waren davon betroffen. Wie groß die Verwilderung der Menschen damals in ihrem ständigen Kriegsleben geworden war, zeigt die Tatsache, dass bei einem solchen Beutezug nach Tuningen sogar Frauen und Kinder beteiligt waren, so groß war die Not.

 

 

 

 

Aber auch die Belagerer gingen in gleicher Weise vor und so lag die Stadt Villingen und die württembergische Belagerungstruppen weiterhin im Kriegszustand. Nicht selten gerieten die Villinger in Kämpfe mit denen in der Nähe liegenden feindlichen Einheiten, die sich seit Januar 1634 wesentlich verstärkt hatten und wiederholt vor die Mauern der Stadt vorgingen.

Oberst Georg Friedrich von Holtz übernahm das neu zusammengestellte Regiment und versuchte den Plünderungen und Raubzügen ein Ende zu setzen. Von Dauchingen aus, wo er sein Standquartier hatte, betrieb von Holtz den Bau eines befestigten Lagers vor Villingen am Warenberg. Feldmarschall Horn unterstützte das Unternehmen mit der Zuweisung eines schwedischen Reiterregiments unter dem Kommando des Obersten Gassion. Mitte Juli 1634 erschien die beiden Befehlshaber Gassion und von Holtz vor den Toren Villingens und forderten die Stadt zur Übergabe auf, was aber der Stadtkommandant und der Rat verweigerten. Da bezogen die feindlichen Truppen das Lager am Warenberg und verschanzten sich dort. Wegen Mangel an geeigneten Geschützen konnte Oberst Gassion gegen die befestigte Stadt nichts Erfolgreiches ausrichten, so dass er sich ein außergewöhnliches Mittel suchte, sich der Stadt Villingen zu bemächtigen. Er will durch sein Kriegsvolk und die Bewohner der benachbarten Ortschaften, die zum Frondienst herangezogen wurden, einen Damm an der engsten Stelle der Talbreite errichten und somit das Wasser der Brigach stauen, um die Stadt unter Wasser zu setzen.

Der Plan war so einfach wie einleuchtend.

Ende Mai ging der Befehl Herzog Eberhards von Württemberg bei Oberst von Holtz ein, mit dem Dammbau zu beginnen. Die Besatzung und die Bevölkerung Villingens erkannte die Gefahr einer dritten Belagerung und schaffte reichlich Nahrungsmittel und Futtervorräte in die Stadt. Hilferufe der Villinger wurden nur mit Vertröstungen beantwortet, so dass selbst der Abt der hiesigen Benediktinerabtei Georg II. Gaisser versuchte, seinen Einfluss durch Bittgänge an Bodensee und ins Thurgauische geltend zu machen.

Doch wirkliche Hilfe konnte auch er nicht für die arg bedrängte Villinger Bevölkerung gewinnen. Dennoch gingen die Schanzarbeiten südlich der Stadt nur langsam voran. Oberst von Holtz beklag te den mangelnden Nachschub, fehlendes und geeignetes Werkzeug und Schanzer, die ihm der Herzog versprochen hatte, aber auch einsetzende Desertionen seiner Leute. Ständige Ausfälle der Villinger Besatzung setzten den Belagerern immer wieder stark zu.

Trotzdem wurden Angst und Schrecken täglich in der bedrohten Stadt größer. Zusehends stieg das Wasser an und Oberst von Holtz meldet seinem Herzog: „Die Wasserbelagerung vor Villingen zeigt bis Ende August ihre gewollte Wirkung und das „widerspenstige“ Villingen wird unter Wasser sein“.

Bis zum Letzten sollte es jedoch nicht kommen. Zwar hatte der Damm die nötige Höhe erreicht, aber die vollständige Niederlage der Schweden durch ein kaiserliches Heer in der Schlacht bei Nördlingen am 6. 9. 1634 zwang sowohl das schwedische Reiterkontingent wie auch die württembergischen Belagerungstruppen zu sofortiger Aufhebung der Belagerung. Am 9. September wurde das Lager am Warenberg geräumt. Georg Friedrich von Holtz zog nach Straßburg, wohin sich Herzog Eberhard geflüchtet hatte. Die Niederlage der Schweden bei Nördlingen hatte auch das Herzogtum Württemberg, das mit einem beträchtlichen Aufgebot an Truppen – die dann vor Villingen fehlten – an der Schlacht teilnahm, schwer getroffen.

Erst am 11.September erhält Abt Gaisser bei seinem Bittgang die Friedensbotschaft über das Ende der Wasserbelagerung.

 

 

 

 

 

Das angestaute Wasser der Brigach reichte über die gesamte Talbreite bis etwa in die Höhe des heutigen Schlachthofes.

Allerdings sagt der Volksmund, dass das Wasser bis kurz vor den Marktplatz in die Stadt vorgedrungen war, was aber quellenmäßig nicht verbürgt ist.

So wurde an der besagten Stelle in der Niederen Straße, vierzig Schritt südlich des Marktbrunnens, eine Statue des Brückenheiligen und Retter aus Wassernot, St. Nepomuk im Jahre 1711 aufgestellt.

 

 

 

 

Das, von Johann Schupp geschaffene Standbild war eine Stiftung des österreichischen Gesandten in der Schweiz, Graf Franz Ehrenreich von Trautmannsdorf. Eine Inschrift am Sockel lautet:

Dieses Standbild ließ 1711 Graf von Trautmannsdorf unter Beisteuer des Magistrats in der Niederen Straße vor dem Hause Nr. 416 ander Stelle errichten bis zu welcher nach der Sage in der    Belagerung    von 1634 das Wasser der Brigach gestiegen war.

 

 

 

 

 

 

Heute steht diese Statue an der Brücke Ecke Martin Luther / St. Nepomuk-Straße draußen vor der Stadt. Im Sockel der St. Nepomukstatue ist dieser Text eingemeißelt:

Nach frommer Väter Sitte im Glauben an ein höh’res Walten, ziert ich Villingens Mitte, ward von den Bürgern hochgehalten. Als dieser Glaube ward erschüttert,

war auch Entbehrlichkeit mein Los, doch steh‘ ich fest, wenn alles zittert, Natur ! – in deinem Schoß.

1833

Hierher versetzt durch Dominikus Kaiser und Theresia Ackermann Bewohner der Langen Mühle.

 

 

 

 

Renovierungen wurden danach immer wieder vorgenommen. Auch diese sind im Sockel vermerkt:

Renoviert durch Johann Oberle und Katharina Durler 1864

Erneuert von Josef Beha und Pauline Neininger 1898

Erneuert von Karl Beha 1952

Restauriert von Familie Beha 1973

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Albert Helmstädter