„Viel zu schön um zu zu sein“ (Kirsten Bäckermann)

Kaiserturm rückt wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit – Historisches Bauwerk öffnet sich fürs Publikum

Stadtauswärts führt das schmale Tor des Kaiserturm von der Schaffneigasse in die Grünanlagen des Kaiserrings.

 

Stadteinwärts führt der Weg vom Kaiserring durch den Bogen des Kaiserturm in die Villinger Innenstadt.

 

1372 als Wachturm auf der bestehenden Stadtmauer errichtet, 1992 bis 1994 liebevoll renoviert, fristet der Kaiserturm seither ein scheinbar unbemerktes Dasein. Das soll sich nun ändern. Die Verwaltung der Stadt Villingen-Schwenningen hat ein Konzept erarbeitet, um den markanten Bau zu vermarkten.

Zum ersten Mal wurden am 19. September 2009 die Türen des Turms am Kaiserring geöffnet, und nicht nur Festliebhaber sondern auch Freunde des historischen Villingen nutzten die Gelegenheit, das alte Gemäuer zu betreten und nicht zuletzt die Aussicht in rund 30 Metern Höhe zu genießen.

Das Fest habe zwar keine Bedeutung für die Welt, aber eine besondere für die Stadt, betonte Rudolf Topp, Leiter der Marketing und Tourismus Villingen-Schwenningen GmbH (MTVS). Der historische Bau sei ein wichtiger Bestandteil der städtebaulichen Struktur, der wieder stärker ins Bewusstsein gerückt werden solle.

Blick über die Dächer der Villinger Altstadt hinweg von Turm zu Turm: Aus dem Kaiserturm hinüber zum Romäusturm.

 

Schnupperstadtführungen, Erzählrunden, Turmführungen, Musik und ein kulinarisches Angebot standen auf dem Programm des Kaiserturmfestes. Im Schulterschluss mit den Stadtführern und dem Restaurant Pulvertürmle, das zusammen mit Wein- Riegger Speisen und Getränke zur Verfügung stellte, organisierte die MTVS das Fest rund um und im Kaiserturm. Auf fünf Etagen fanden die Gäste Informationen über die Historie des 31 Meter hohen Bauwerks, das lange Zeit als Wehranlage diente. Seinen heutigen Namen erhielt der Kaiserturm erst Ende des 19. Jahrhunderts anlässlich der Entstehung des zweiten Deutschen Kaiserreichs. Zuvor galt er als „Gerber-, Wachtel- oder Schnabelturm“.

Lange Zeit wurde er als Wohn- und Versammlungsraum genutzt. In jüngster Zeit verirrten sich Besucher nur im Rahmen von Stadtführungen hierher. „Vor allem wenn es kalt war“, griffen die Experten für Stadthistorie gern auf die Möglichkeit eines Abstechers in den Turm zurück, wie Franz Kleinbölting, Sprecher der Stadtführer, berichtete.

Wie ein trutziger Wächter steht der Kaiserturm, beim Blick von der Gerberstraße aus, in der historische Stadtmauer.

 

Das Kaiserturmfest am 19. September sollte nun der Auftakt sein für die weitere Vermarktung: Ziel ist laut Topp eine intensivere Nutzung der „kleinen, aber feinen“ Räume. Schon im Frühjahr sei die Idee entstanden, ihn zusätzlich zu den bereits stattfindenden Sektempfängen und Sonderführungen auch für private Feste anzubieten. Geburtstagsfeiern in besonderem Ambiente, Festlichkeiten mit rund 20 Personen schweben den Initiatoren vor.

Das Team des Restaurants Pulvertürmle wird auch dafür ein Catering anbieten und eine Lücke schließen, die die Nutzung des Turms bislang erschwerte: Es mangelt nämlich an sanitären Einrichtungen. Diese finden die Gäste im nahe liegenden Pulvertürmle. Dessen Betreiber, Michael Widlowski, freut sich, zusammen mit der Stadt etwas auf die Beine zu stellen, denn „der Kaiserturm ist zu schön, um zu zu sein“.

Weitere Informationen und Fragen für private Veranstaltungen beantwortet Ursula Simon, Telefon 0 77 21 / 82 25 25.

Im Inneren des restaurierten Kaiserturms gibt eine Ausstellung Einblick in die Villinger Geschichte.

 

Fotos: Michael Kienzler