Die Villinger Brunnen (Horst Spormann)

Die Geschichte der Villinger Brunnen ist interessant und verleitete mich dazu, ein paar Dinge hierzu festzuhalten.

Zwei alte Grundrisse der Stadt von 1175 und von 1806 zeigen den Lauf der Stadtbäche und die Standorte der Brunnen in der Innenstadt. Die Stadtbäche waren zugleich Kanalisation und verbreiteten damit einen bestialischen Gestank. Die Brunnen wurden durch Quellen in der Stadt gespeist und dienten nicht nur dazu, den häuslichen Wasserbedarf zu decken, sondern waren auch Viehtränken und dienten zum Waschen der Wäsche. Eine Gesundheitsbehörde, die das Wasser und das Abwasser kontrolliert hätte, gab es damals noch nicht, was dazu führte, dass viele Krankheiten, wie zum Beispiel auch Typhus, verbreitet wurden.

So schreibt Karl Kretz in seinem „Führer durch die Stadt“ von 1901 unter anderem: „Seitdem die sumpfigen Festungsgräben zugeworfen und in der Stadt eine gute Kanalisation und eine neue Wasserleitung eingerichtet sind, haben sich die Gesundheitsverhältnisse sehr gebessert, und ist namentlich der Typhus, der früher allzu häufig auftrat, fast ganz verschwunden.“

 

Stadtplan von Martin Blessing 1806.

 

Die in der Stadt installierten Brunnen waren alle ähnlich. Sie bestanden in der Regel aus einem Brunnenstock und einem hölzernen Brunnentrog, die später durch die massiven Granittröge ersetzt wurden. Ursprünglich waren die Brunnenstöcke längsseitig des Brunnentroges, heute sind sie fast alle an der schmalen Seite angebracht. Wahrscheinlich wollte man damit die Gehwege verbreitern und den Geschäften die Möglichkeit geben, ihre Waren besser feil zu bieten.

In dem Stadtplan von 1175 sind 19, in dem von 1806 mit dem umstrittenen Marktbrunnen 22 Brunnen abgebildet.

In der Stadt gab es früh, neben wenigen privilegierten Hausbrunnen, in den Gassen und Straßen 28 öffentliche Brunnen. Diese erhielten ihren Wasserzufluss vor allem aus den Quellbereichen nördlich und westlich der Stadt. Die Zuleitung erfolgte mittels Deichelröhren (auch: Teichel, Teuchel). Deichel sind bis zu vier Meter lange Rundholzabschnitte, die eingespannt, von den beiden Stirnseiten her mit zwei Meter langen justierten Deichelbohrern „ausgehöhlt“ werden. Anschließend werden sie mit Muffen zu einem Wasserleitungsstrang verbunden.

 

Stockbrunnen in Villingen.

 

Verschwunden sind in Villingen: Der umstrittene, 1868 abgebrochene Marktbrunnen, der Stock brunnen vor dem Riettor und der Springbrunnen vor dem Bickentor.

Die noch vorhandenen Stockbrunnen finden wir in der    Bärengasse Brunnenstraße Färberstraße Kanzleigasse Niedere Straße Obere Straße Rietstraße Rietgasse Warenburgstraße, Bickenbrücke – kein eigentlicher Stockbrunnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Brunnenfiguren

Unter Bürgermeister Dr. Schneider, dem letzten Stadtoberhaut im dritten Reich, wurde bei vier Brunnen die Brunnenstöcke durch Holzfassungen ersetzt. Mit der Umgestaltung der Brunnen sollte die Stadt verschönert werden. Sie wurden von Eugen Merz, dem Vater des „Schemenpapstes“ Manfred Merz, geschnitzt. Die Figur des Radmachers wurde von Manfred Merz erneuert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leider sind im Laufe der Zeit einige Details an den Brunnen verloren gegangen. So fehlen die beiden Köpfe am Sockel des Narrobrunnens, die den Kopf des Jeggis darstellten, einmal vor und einmal nach dem Strählen. Ebenso fehlt heute das Stadtwappen am Brunnen der Alt-Villingerin.

Der Auslass der Brunnen war mit einem Wasserspeier versehen, die leider auch alle verloren gingen. Der Brunnen des Radmachers stand früher vor der Drogerie Bottling, heute hat er seinen Standort vor der Hofbuchhandlung.

Zwei Brunnen mit Trögen wurden umgestaltet. Der eine steht in der Rosengasse. Die Sandsteinmauernische wurde aus Baumaterial des Gymnasiums erstellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An dem zweiten in der Gerbergasse wurde nachstehende Gedenktafel angebracht und erinnert somit an die wohl dunkelste Geschichte unserer Zeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die verschwundenen Brunnen 

Der vor dem Riettor gestandene Brunnen war ein Stockbrunnen mit Granittrog.

Vor dem Bickentor war ein Springbrunnen installiert.

 

 

 

 

Der umstrittenste und geschichtsträchtigste ist der Marktbrunnen. Dazu finden wir die Erläuterung in „Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums Baden von 1890“ im zweiten Band, „Die Kunstdenkmäler des Kreises Villingen“: ÖFFENTLICHE PROFANBAUTEN Marktbrunnen

Von öffentlichen Brunnen darf erwähnt werden der auf dem Marktplatz. Der Stock hatte vier Röhren, die Schale bildete ein Achteck. Anno 1554 … fieng man ahn, den neuwen Marktbrunnen zu hawen, und war zuvor ein hiltziner, alda gestanden 50 jar; stuond Sant Christoffel daruff, welcher noch uff den heutigen tag im armbrustschützen – Haus ist (jetzt in der Alterthumssammlung). (Quellensammlung II S. 114). Die steinerne Statue des Königs Ferdinand I. in den 1790er Jahren wurde durch Herabfallen zerstört (Der Kopf in der Alterthumssammlung). Der Brunnen ist in den 1840er Jahren als den Verkehr hemmend beseitigt worden. Zu diesem Marktbrunnen findet man einen Bericht im Südkurier von 1984 und im Jahresheft Nr. XXIII von 1999/2000 des Geschichts- und Heimatvereins.

Die neuen moderneren Brunnen Altstadtquelle auf dem Friedhof Badbrunnen im Spitalgarten

Brunnen der Heimatvertriebenen an der SparkasseFranziskanerbrunnen am Osianderplatz

Franziskusbrunnen in der Rietgasse

Heid-Brunnen am Heid-Platz (Jahnplatz) Kneipp-Brunnen in der Bickenstraße Marienbrunnen am Kloster St. Ursula

Der Münsterbrunnen auf dem Münsterplatz

Spitalbrunnen im Spitalgarten

Altstadtquelle

Die Angaben über die Schüttungsmenge sind nicht einheitlich nach einer Aussage des Geologischen Landesamtes Baden-Württemberg, Freiburg, vom Dezember 1967. Dort heißt es: „Die Friedhofsquelle schüttet nach Angabe des Wasserwerkes Villingen 13 bis 15 l/s.

Die großzügige finanzielle Zuwendung einer Frau an ihre Heimatstadt verhalf der Quelle wieder ans Licht und schenkt den Friedhofsbesuchern einen gartenkünstlerischen Akzent.

Hilde Maria Amos, Mädchenname Werner, geb. am 13. 11. 1904, gestorben in Mailand am 6. 4. 1995, war eine gebürtige Villingerin. Sie war die Enkelin des Carl Werner. Er gründete 1861 die Uhrenfabrik C. Werner, die in den Gründerjahren des 19. Jahrhunderts und der nachfolgenden industriellen Revolution in Deutschland einen steilen Aufstieg nahm. So gesehen gehörte die Familie zu den ersten Adressen Villingens.

Hilde Amos hatte sich, nicht zuletzt über eine Freundin, die Beziehung zur Heimatstadt bewahrt. Auf dem Friedhof blieb das Familiengrab, in dem auch das einzige Kind, ihre erst dreißigjährige Tochter, im Jahr 1965 bestattet wurde. Auch sie wollte hier an der Ostwand des alten Friedhofteils einmal beigesetzt werden. – Erste Gespräche wurden sowohl in Villingen als auch von ihrem Wohnort in Mailand aus geführt.

Über eine Schweizer Bank in Lugano veranlasste sie dann 1975 die Anweisung eines Akkreditivs mit dem Empfänger Stadt Villingen-Schwenningen in Höhe von 200.000 Schweizer Franken. Mit der damit verbundenen Auflage sollte gewährleistet werden, dass nach ihrem Tode die kunstvolle Grabstelle im alten Zustand neu hergerichtet und die dauerhafte Grabpflege besorgt würde. Der weitaus überwiegende Teil des Geldes sollte über die Stadtverwaltung an ihre Heimatstadt Villingen gehen.

1995 starb Hilde Maria Amos, ihre Urne wurde von Mailand überführt. Die städtische Verwaltung entschied, das zugewendete Geld für eine Brunnenanlage im Friedhof zu verwenden. Am 8. November 2001, einem regennassen Tag, fand die „Einweihung des Altstadtquellbrunnens“, dessen künstlerischen Entwurf das Atelier Herbert Dreiseitl, Überlingen, geliefert hatte, auf dem Villinger Friedhof statt.

 

 

 

 

 

Badbrunnen

Erinnert an die erste öffentliche Badeanstalt, deren Quellwasser heilende Wirkung nachgesagt wurde. Der Brunnen steht im Spitalgarten.

 

Brunnen der Heimatvertriebenen

Drei rechteckige, behauene und voneinander getrennte Bruchsteinblöcke aus grauem Gneis bilden die über dem Boden schwebende Basis einer Wasserkunst, deren aufsteigender Strahl sich teilt und als zarte Fontänen über eine bronzene Konstruktion perlt. Diese ist auf jedem der Blöcke eingedübelt und verbindet sie so mit einem Grundgedanken zu einer Einheit. Es ist unschwer zu erkennen, dass die bizarre Metallarbeit, im Kontext mit der auf einer räumlich abgesetzten Bodenplatte eingelassenen Inschrift, eine stilisierte Dornenkrone darstellen soll. Die ist dem Kanon der neutestamentlichen Leidenswerkzeuge Jesu entnommen. Nach den Evangelien ist die Dornenkrone einerseits Teil der Verspottung Jesu, andererseits Symbol des Leidens, das nach dem Glauben Christus für die Erlösung der Menschen auf sich genommen hat. In der gleichnishaften Übertragung wird es zum Kennzeichen des Erleidens der 1945 aus ihrer Heimat der Ostprovinzen Geflüchteten und Verjagten. In diesem Sinne darf es als ein Mahnmal des Gedenkens gelten, das Menschen weltweit verbindet, denen die Furien des Krieges die Heimat raubten. Auf diese Weise ist es in seiner Aussage und der künstlerischen Gestaltung zeitlos gültig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Brunnenwerk wurde 1967 errichtet. Sein Schöpfer war der 1916 geborene und inzwischen verstorbene Künstler Willi Dorn. Er kam 1946 nach Villingen und lebte zuletzt in St. Georgen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Franziskanerbrunnen

Der hier geschaffene Brunnen hat keine historische Bedeutung, er soll nur ein Blickfang auf dem Osianderplatz darstellen.

 

Franziskusbrunnen 

Die Entstehung des Franziskusbrunnens geht auf die Initiative vom Lehrer und späterem Schulamtsdirektor Heinrich und dem Kunstschmied Walz zurück. Er trägt folgende Inschrift:

O Herr mach mich zum Werkzeug deines Frieden, dass ich Liebe übe wo man sich hasst, dass ich verzeihe wo man sich kränkt, dass sich verbindet wo Streit ist, dass ich die Wahrheit sage wo Irrtum herrscht, dass ich Glaube bringe wo Zweifel drückt.

Dass ich Hoffnung bringe wo Verzweiflung quält, dass ich ein Licht anzünde wo Finsternis regiert, dass ich Freude mache wo Kummer wohnt.

Ach Herr, lass mich trachten, nicht dass ich getröstet werde, sondern dass ich verstehe. Lass mich trachten, nicht dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe. Denn wer gibt, der empfängt. Wer sich selbst vergisst, der findet. Wer verzeiht dem wird verziehen und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Franz von Assisi

 

 

 

 

 

 

Heid-Brunnen

Zwei Tafeln an diesem Brunnen geben Auskunft über Josef Heid, dem dieser Platz und der Brunnen gewidmet ist.

Josef Heid 17.11.1882–21.12.1944

Geboren in Stühlingen * verheiratet drei Kinder

1921–1933 Beamter beim Bezirksamt (Landratsamt). Seit 1922 Gemeinde- bzw. Stadtverordneter, Mitglied des Kreisrates. 1929–1933 Landtagsabgeordneter. Mit Gewerkschaftssekretär Wilhelm Schifferdecker und Ludwig Übler am 16./17. 3.

 

 

 

 

1933 verhaftet. 1933 vier Monate „Schutzhaft“, vier Monate im Konzentrationslager Heuberg.

30.5.1933 Entlassung aus dem Staatsdienst. Nach Stadtverweis der Stadt Villingen ab 1.10.1933 in 102 Bruchsal. Am 22.8.1944 mit anderen Politikern der Weimarer Zeit verhaftet. Konzentrationslager Dachau * dort am 21.12.1944 umgekommen.

Die 2. Tafel:

Josef Heid

* 17.11.1882    ≈† 21.12.1944

Stadtabgeordneter     1922–1933

Landtagsabgeordneter 1929–1933

Als SPD-Politiker im 3. Reich verfolgt

1933–1944 verhaftet, Am 22.8.1944 ins Konzentrationslager Dachau eingeliefert, dort am 21.12.1944 umgekommen.

Sein Leben und sein Tod sollen nicht vergessen werden

Die Stadt Villingen-Schwenningen

 

 

 

 

 

Kneipp-Brunnen

Wurde vom Kneipp-Verein unter der Vorstandschaft von Frau Tritschler initiiert.

 

 

 

 

 

 

Eine weitere Tafel erinnert an: Sebastian Kneipp

1821–1897

10.5.1894 Gründung des Villinger Kneippvereins

26./26.11.1895 Besuch von Pfarrer Kneipp in Villingen, er wohnte im Kloster St. Ursula

50 Jahre Kneipp-Kurort

1937–1987

 

Marienbrunnen von Klaus Ringwald

Marienbrunnen – Bickenstraße 25 (V)

Am Ende der gleichnamigen Straße stoßen Bickentor und Kapelle des Klosters St. Ursula aneinander. Jahrhunderte treffen sich: Erhaltene Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung und eine prunkende Barockfassade.

In diese trotz des Verkehrsflusses eher stille Ecke hat Klaus Ringwald einen Marienbrunnen komponiert. Ihn kennzeichnen unterschiedliche traditionelle Elemente: Brunnenfigur, -stock und -schale in originaler Gestaltung. Die krönende Marienstatue orientiert sich am hagiografischen Motiv der Schutzmantelmadonna. Zu ihren Füßen fließen Wasserströme aus drei ornamental geformten Ecken einer oberen Schale, die an Wasserspeier mittelalterlicher Kathedralen erinnern. Zwei Wappen und ein Stadtsiegel schließen den oberen Teil und lassen keinen Zweifel daran, wer sich hier unter den Schutz dieser Patronin, stellt.

Eine zweite, flache, weit einladende Schale fängt den Wassersegen von oben auf und leitet ihn fast unmerklich durch den Brunnenstock zum Boden, wo er einen wallenden Spiegel bildet, ehe er in der Erde verrinnt.

Dreifach spielt Wasser, Element des Lebens, unter dem Schutzmantel der Patronin, deren Namen auch das Münster trägt.

Nicht unerwähnt darf hier der „Wilde Gustel“ bleiben, der sich für diesen Brunnen sehr eingesetzt hatte.

 

 

 

 

 

 

 

 

Münsterbrunnen

Eine Beschreibung und Darstellung des Brunnens kann in diesem Bericht entfallen. Hierzu wird auf die ausführlichen Artikel in den Jahresheften Nr. XIV 1989/1990 und Nr. XVII von 1992/1993 des Geschichts- und Heimatvereins verwiesen.

Spitalbrunnen

Die Idee, in den Spitalgarten einen Brunnen zu setzen, stammt vom Stadtarchivar a. D. Dr. Josef Fuchs.

Die Narrozunft sorgte mit ihrem Brauchtumspfleger Bauing. Hansjörg Föhrenbach und einer Spendenaktion für die Realisierung zur 1000 Jahr-Feier. Der Brunnentrog wurde bei Ausgrabungen in der Backofenfirma Oberle in der Oberen Straße gefunden und im Bauhof aufbewahrt. 1998 erinnerte man sich an den Renaissancetrog, ließ ihn in Überlingen restaurieren und stellte ihn im Spitalgarten auf.

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellennachweis

Aus folgenden Beiträgen wurden, zum Teil nur Ausschnitte und Bilder übernommen. Die Herausgeber wurden informiert.

Die „Altstadt“-Quelle von Werner Huger, Jahrgang XXIX/2006.

60 Jahre: Heimat unterm Symbol des Leidens, die Redaktion. Neue Kunst in alter Stadt von Bernhard Fabry.