Stadtarchiv erwirbt Erstausgabe des Bäderbüchleins von Dr. Georgius Pictorius (Heinrich Maulhardt)

Das Stadtarchiv konnte 2009 ein wertvolles Werk des gebürtigen Villingers Dr. Georgius Pictorius aus dem Jahre 1560 erwerben. Es ist damit das fünfte Buch des Autors, das sich in der umfangreichen Fachbibliothek des Stadtarchivs befindet (siehe: www.villingen-schwenningen.de/ Wissenschaftliche-Spezialbibli.2947.0.html). Er behandelt darin in neun Kapiteln ausführlich allgemeine Badevorschriften und im 10. Kapitel beschreibt er einzelne Bäder, darunter das „Neuenbad“ in Villingen, das Bad im benachbarten Schwenningen aber auch heutige Kurorte mit Weltruf wie Baden-Baden, Bad Ems und Wiesbaden sind darunter. Anschließend gibt er medizinische Ratschläge und Indikationen, worunter sich mehrere arabische Mediziner als Autoritäten finden, die er zitiert. Das erworbene Exemplar stammt aus der Bibliothek des bedeutenden Botanikers und Arztes Christoph Jacob Trew (1696-1769), dessen gestochenes Exlibris sich auf der Rückseite des Titelblattes befindet. Trew übergab seine mit 34 000 Bänden wohl umfangreichste naturkundliche Bibliothek jener Zeit 1768 der Universität Altdorf, die 1809 aufgelöst wurde. Es sind weltweit nur 10 Exemplare der Erstausgabe des Buches im Internet nachgewiesen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Georg Maler erblickte der Autor in Villingen um 1500 das Licht der Welt, besuchte die Klosterschule der Franziskaner und ging als 19- Jähriger an die Universität nach Freiburg. Dort studierte er „Artes liberales“, promovierte in Medizin und führte dann auch seinen latinisierten Namen Dr. Georgius Pictorius. 1540 wurde er von der vorderösterreichischen Regierung in Ensisheim zum obersten Sanitätsbeamten bestellt. Er war ein umfassend gebildeter Mensch seiner Zeit, kannte die Schriften des Hippokrates oder Galens und wie das Literaturverzeichnis im Buch nachweist alle Badefachleute der Antike und des Mittelalters. Von seinen zahlreichen wissenschaftlichen Schriften, die in Latein verfasst sind, hat Pictorius mit dem Bäderbüchlein einen Führer für das breite Publikum auf Deutsch geschrieben. Besonders hebt Pictorius sein Heimatbad, das neue Bad in Villingen hervor:

Georgius Pictorius, Baderbüchlin. Mühlhausen, 1560, Blatt 31.

„Es quillt bei der Stadt Villingen ein recht nützlicher Brunnen mit Namen Neubad; obwohl das Wasser Schwefel mit Alaun enthält, ist es doch nicht warm, sondern man muss es anwärmen; die Ursache dafür ist, dass die Minera, über die das Wasser fließt, so weit von seiner Quelle entfernt sind; es fließt nämlich unter dem Erdreich eines Berges, der hier Haubenloch heißt, hindurch.

Das Wasser mit seinem Schwefel hilft, wie Galen lehrt, die müden Glieder zu stärken; dann trocknet es die Feuchte der Nerven, nützt der Leber, der Milz und dem Magen, beseitigt alle Unreinheiten der Haut, vertreibt den Krampf, macht recht durstig, aber gute Gesellen helfen dagegen. Diesem Bad zuliebe sollte mancher weit herkommen, zudem die Verpflegung so überreich ist, dass einem die Wahl plagt, ob man Fisch, Fleisch oder Wildbret essen soll. Und obwohl hier kein Wein wächst, so trinkt man doch den besten und es bleibt nicht bei einem. Das Wirtshaus, das dem Bad am nächsten liegt, heißt ‚Zu der Mohrin‘; mit diesen Worten ruft der Wirt seinen Gast:

Komm‘ besser hier herein, Gast, etwas anderes zu suchen bringt nichts, hier schläft man gut, isst gut und trinkt gut.“ (Badenfahrtbüchlein. Nachdruck des Werkes von D. Georgius Pictorius aus dem Jahre 1560. Freiburg 1980, S. 75–76).

Pictorius wirbt vollmundig für das Bad seiner Heimatstadt wie es heute ein Marketingexperte kaum besser machen könnte. Er hat wohl selbst darin gebadet und ist überzeugt von der Qualität des Wassers. Über die angebliche Heilkraft des Wassers und die Ansichten Pictorius hat Werner Huger im Jahresheft IX (1984, S. 21-28) einen größeren Aufsatz geschrieben und herausgefunden, dass das Wasser vom Hubenloch „aus heutiger Sicht als mineralarm und für heutige Zwecke bedeutungslos bezeichnet werden“ kann. Die Quelle lokalisiert er auf dem Gelände der heutigen Industrie- und Handelskammer.

Mit dem Bäderbüchlein hat Pictorius seinen Zeitgenossen eine Anleitung zum rechten Gebrauch der Heilbäder gegeben und zugleich als Führer zu den beliebten Badeorten seine Heimatstadt Villingen überregional bekannt gemacht.