Zurück in geweihter Erde: Verschollene Gebeine aus dem Münsterboden wieder aufgetaucht und beigesetzt. (Redaktion )

Die archäologischen Grabungen im Villinger Münster 1978/79 erbrachten den Hinweis auf 494 Bestattungen, die allerdings über die Jahrhunderte hinweg durch Mehrfachbelegungen der Grablegen vielfach gestört wurden. Sie wurden damals von einem Fachmann anthropologisch und auf paläopathologische Spuren untersucht. Die Gebeine wurden danach zwar an verschiedenen Orten gelagert, mußten aber inzwischen als verschollen gelten, wie der Geschichts- und Heimatverein in seiner Jahresbroschüre XXXI/2008 festgestellt hat. Im November 2008, also nach fast 30 Jahren, wurde zu aller Überraschung ein Teilverbleib einer ersten Ladung von 17 Kisten bekannt. Sie waren von einer Privatperson jahrelang auf einem Dorf bei Villingen bei einem Landwirt gelagert worden und tauchten danach aktuell in Nordstetten auf. Im Januar 2009 wurde der Verbleib weiterer 9 Kisten an einem anderen Standort bekannt. Sie waren dort seit rund 10 Jahren deponiert. Die Kisten waren als Sonderanfertigung rund 1,5 m lang und hatten eine Basis von rund 60 mal 40 cm. Jetzt wurden das Städtische Friedhofsamt, das Stadtarchiv, der Geschichts- und Heimatverein und die Münsterpfarrei aktiv. Allen war es ein Anliegen, dass die Gebeine, sittlicher und religiöser Norm folgend, wiederum christlich eingesegnet, geweihter Erde übergeben werden sollten. Das Referat Denkmalpflege im Regierungspräsidium Freiburg erklärte sein Einverständnis zu einer pietätvollen Sekundärbestattung in geweihter Erde. Das Grünflächen- und Umweltamt leistete dazu aufwändige und wertvolle logistische Arbeit. Auf dem Villinger Friedhof wurde eine rund 25 qm messende Grube ausgehoben, um für die 26 Kisten mit den Gebeinen einstmaliger Bürger Platz zu schaffen. Es erfolgte die Umbettung und am 22. Januar 2009 die priesterliche Einsegnung durch den Münsterpfarrer und Dekan Josef Fischer. Eine entsprechende Grabplatte wird das Gedenken bewahren und so mögen die Gebeine ihre endgültige Ruhe finden.

Foto: Dr. Heinrich Maulhardt