Dr. Johann Nepomuk Häßler (1898 – 1981) Ein hochgeschätzter und verdienstvoller Heimatforscher (Ute Singer, Hermann Colli)

Vor fast 30 Jahren verstarb ein Mann, der sich um seine Heimatstadt Villingen große Verdienste erworben hat: Dr. Johann Nepomuk Häßler. Auch der Geschichtsund Heimatverein Villingen hat dem hochgeschätzten Arzt und verdienstvollen Lokalhistoriker, der zu seinen Gründungsmitgliedern zählt, viel zu verdanken. In zwei Berichten soll hier Dr. Häßlers Leben und Werk gewürdigt werden.

Ein echtes Villinger Kind
Dr. Johann Nepomuk Häßler wurde als echtes Villinger Kind am 9. Oktober 1898 in der Brigachstraße 14 als Sohn des Schreinermeisters Johann Nepomuk Häßler und dessen Ehefrau Anna, geb. Riegger, geboren. Er ging in Villingen zur Schule, ab 1910 besuchte er das neue Realgymnasium am Romäusring. Dort legte er während des Ersten Weltkrieges das Notabitur ab. Anschließend kam er als Soldat an die Westfront in Frankreich. Eine Schussverwundung verletzte ihn so schwer, dass sein rechter Arm amputiert werden sollte. Dies verweigerte er, da er sich sonst seinen Berufswunsch, Arzt zu werden, nicht mehr hätte erfüllen können. Zum Glück heilte seine Verwundung auch ohne diesen Eingriff.

Nach Kriegsende studierte er an der Universität Freiburg Medizin. Am 20. März 1925 ließ er sich als praktischer Arzt in seiner Heimatstadt Villingen nieder. Im selben Jahr, am 2. September 1925, heiratete er die aus Sterkrade stammende Cecilie Spieckermann, die er während des Studiums kennenlernte. Aus der Ehe gingen vier Töchter hervor. Seine Praxis umfasste nicht nur die Stadt und viele Landgemeinden, sondern er übernahm auch zeitweise die ärztliche Betreuung des Waldhotels, der Kassenheime Waldeck und Kirneck sowie des Klosters und Internats „Maria Tann“. Das bedeutete vollen Einsatz bei Tag und Nacht, häufig auch unter schweren Bedingungen, so vor allem auch im Winter. Besonders in den Krisenzeiten der großen Epidemien der zwanzigerund dreißiger Jahre war er starken Belastungen ausgesetzt. Während des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit war er über Monate der einzige Arzt in Villingen und damit auch für eine Reihe medizinischer Fachgebiete von der kleinen Chirurgie bis zur Geburtshilfe zuständig, die in normalen Zeiten von Fachärzten wahrgenommen wurden.

Dr. Häßler übernahm 1928 zusätzlich als Sanitätsarzt die Führung der Ortsgruppe Villingen des Roten Kreuzes. Jahrelang war er für die Ausbildung und Schulung der Helferinnen und Helfer zuständig. Ab 1933 musste er in dieser Funktion auch Vorträge über Erblehre und Euthanasie halten. Da er dies aber nicht im Sinne des nationalsozialistischen Gedankengutes vorbrachte, sondern die katholische Lehrmeinung vertrat, wurde ihm jeglicher Unterricht strengstens untersagt; er erhielt Redeverbot. Seine Tätigkeit für das Rote Kreuz wurde 1969 mit der Verleihung der silbernen Ehrennadel des DRK gewürdigt.

Dr. Häßler war von Jugend an praktizierender Katholik. Obwohl er aus Rücksicht auf seine Familie Parteimitglied wurde, konnte er nicht gegen seine christliche Überzeugung handeln. Er setzte sich für verfolgte Katholiken, Juden und andere Bedrängte ein. Deshalb galt er bei den Nationalsozialisten als unzuverlässig und wurde genau beobachtet. Man musste ihn aber dulden, da der Ärztemangel in der Stadt zu groß war.

In den schweren Nachkriegsjahren bemühte er sich unter selbstlosem persönlichen Einsatz um eine bessere Versorgung der Villinger Bürger. Als Mitglied der Landesärztekammer setzte er sich bei der französischen Besatzungsmacht für eine ausreichende Ernährung und die Gewährleistung einer guten medizinischen Versorgung für die notleidende Bevölkerung ein.

Ein seltenes Jubiläum konnte Dr. Häßler am 20. März 1975 feiern: Er war an diesem Tag seit 50 Jahren als praktischer Arzt in seiner Heimatstadt Villingen tätig gewesen.

Schon als Student und erst recht nach seiner Niederlassung als Arzt interessierte er sich für die reiche Geschichte seiner Heimatstadt. Seit seiner Jugend sammelte, archivierte und dokumentierte er Zeugnisse der Lokalgeschichte. Besonders beschäftigte ihn die Familienund Stammbaumforschung, wozu ihm die Geschichte seiner mütterlichen Ahnen, der Rieggers aus der Herrenmühle, viele Anregungen lieferte.

Mit seinem umfangreichen Wissen und seiner gründlichen Forschung schlug er geistige Brücken aus der Vergangenheit zur selbsterlebten Gegenwart. Er gab damit wertvolle Anregungen zur Villinger Geschichtsund Heimatforschung. Die Ergebnisse dieser mit großer Hingabe und Fleiß betriebenen Studien fanden ihren Niederschlag in zwei Büchern. 1952 brachte er im Selbstverlag die Veröffentlichung „Die Lorettokapelle zu Villingen“ und 1954 „Villingen im Spanischen Erbfolgekrieg“ heraus. Fundierte Vorträge über Ereignisse der Villinger Geschichte rundeten sein Werk ab. Auch beim kulturellen und politischen Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg war Dr. Häßler unermüdlich tätig. So war er Gründungsmitglied der CDU und des Volksbildungswerkes. Ein ganz besonderes Anliegen war für ihn der Aufbau des Geschichtsund Heimatvereins Villingen.

Bei der Gründungsversammlung des Vereins am 9. Juni 1966 wurde Dr. Häßler durch Oberbürgermeister Severin Kern mit dem Bundesverdienstkreuz am Band der Bundesrepublik Deutschland für seine Verdienste als Arzt und Heimatforscher ausgezeichnet. Der Verein selbst ehrte ihn bei diesem Anlass mit der Ernennung zu seinem ersten Ehrenmitglied; die Ehrenurkunde übergab ihm sein Arztkollege Dr. August Kroneisen.

Nach einem reicherfüllten Leben starb Dr. Johann Nepomuk Häßler am 27. Februar 1981 im 83. Lebensjahr.

Als aus blauem Himmel Regen fiel
Wie Dr. Johann Nepomuk Häßler die Tallard’sche Belagerung beschrieb.
Selbst die Villinger, die mit der Historie ihrer Heimatstadt nicht so viel am Hut haben, kennen – wenigstens zum Teil – die Geschichte von der Tallard’schen Belagerung und der Lorettokapelle. Das ist vor allem einem Manne zu verdanken, der es als eine echte Aufgabe ansah, das geschichtliche Erbe der Väter zu sichern und weiterzutragen. Dr. Johann Nepomuk Häßler hat sich als Lokalhistoriker einen Namen gemacht. Der 1981 verstorbene Arzt, den noch viele der heute lebenden Villinger kennen und schätzen gelernt haben, hat in mehreren Publikationen Geschehnisse von einst der Nachwelt überliefert. Die Lorettokapelle mag ihm besonders am Herzen gelegen haben. Die Schrift, die er 1952 über die Tallard’sche Belagerung von 1704 verfasste, ist ein wichtiges Dokument über ein Ereignis, das, wie kaum ein anderes, die Menschen in der Zähringerstadt bewegte und bis in unsere Zeit hinein wirkt. Es gibt Zeugnis von Drangsal, Leid und Not jener Tage, von Opferbereitschaft und Mut der Bevölkerung, von unerschütterlichem Gottvertrauen und Glaubenstreue der Villinger.

Dr. Häßler hat mit dem Büchlein „Die Lorettokapelle zu Villingen“ eine Fleißarbeit vorgelegt, die das Geschehen von damals aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Seine Recherchen stützen sich auf unterschiedliche Quellen. Es ist eine mit Herzblut geschriebene lebendige Geschichte für seine Villinger Mitbürger. Und dazu zählt er nicht nur die „Waschechten“, die seit mindestens drei Generationen mit Brigachwasser getauft wurden, sondern auch die, die hier zugezogen sind.

„Alle wollen und müssen auch eine seelische und geistige Heimat finden und in unserer Stadt verwurzeln. Dazu brauchen sie einen mit Traditionen gesättigten Wurzelboden“, schreibt Dr. Häßler im Vorwort seiner rund 40 seitigen Broschüre. Und er mahnt seine alten und neuen Landsleute, sich mit Heimatgeschichte, Sitten und Gebräuchen, der Sprache, alten Baudenkmälern und den reichhaltigen Sammlungen vertraut zu machen „um so die Liebe zur Heimat zu vertiefen“.

 

 

Aus dem Büchlein, das 1952 aus Anlass der damaligen Renovierung geschrieben wurde und das Dr. Häßler dem amtierenden Münsterpfarrer und Dekan Max Weinmann zu dessen 25 jährigen Ortsjubiläum widmete, seien hier einige Auszüge wiedergegeben, die zeigen, mit wieviel Mühe und Fleiß der Autor an die Sache herangegangen ist. Aber auch, wie sehr die Belagerung von 1704 Bevölkerung und Chronisten beschäftigte.

Dr. Häßler bezeichnet sein Werk als „kleine Studie mit kurzen Auszügen aus zeitgenössischen Berichten, die die seelische Haltung und die Beweggründe beleuchten, welche die Villinger Bürgerschaft veranlassten, eine Lorettokapelle zu bauen“. Baubeschreibung und Erklärungen des kleinen Gotteshauses in der Hammerhalde lassen wir hier beiseite und beschäftigen uns mit der Belagerung der Stadt durch den französischen Grafen Camille de Tallard, Herzog von Hostun, der am 14. Januar 1703 Marschall von Frankreich wurde und sich eineinhalb Jahre später als Belagerer von Villingen an deren Widerstandskraft und Tapferkeit die Zähne ausbiss.

Die etwa 4000 Seelen zählende Bürgerschaft hatte im Spanischen Erbfolgekrieg viel zu leiden. Truppendurchzüge von Freund und Feind, Winterquartiere für Soldaten, Schanzarbeiten, Sachund Geldlieferungen waren an der Tagesordnung. Von der vorderösterreichischen Landesregierung, die weit vom Schuss war und einen Zweifrontenkrieg gegen Türken und Franzosen führte, war nicht viel zu erwarten.

Villingen war Reichsfestung und unterstand im Kriege einem vom Kaiser ernannten Kommandanten. Das war in diesen Jahren der tapfere und befähigte Obrist Baron von Wilstorf aus Berlin, dessen Energie, Umsicht und Unerschrockenheit, neben der Tapferkeit der Einwohnerschaft, die Erhaltung der Stadt zu verdanken ist. In seinem amtlichen Bericht über die Belagerung 1704 gibt er die Zahl der Verteidiger mit 900 Mann an: „und meine Garnison, welche in 400 Soldaten und 500 Burgern und Bauern bestanden“.

 

Graf de Tallard, Camille, Herzog von Hostun.

 

Vor diese kleine vorderösterreichische Stadt rückte nun der französische Marschall Tallard mit einer Armee von rund 30 000 Mann. Er schlug sein Lager auf dem Engelhard auf. Es dehnte sich bis hinter Mönchweiler aus. Der Chronist Benedikt Berger schreibt zum Mittwoch, den 16. Juli 1704: „Zu wissen aber, daß gleich bei dem Anmarsch des Feinds die Sturmglocken gelütten und sowohl die Garnison als Burger alles ins Gewehr, auch alle Posten wohl besetzet .. .“ Zum selben Tag, als der Feind schon auf dem Engelhard sein Lager bezog, schreibt er weiter: „Der Herr Stadtpfarrer sammt allen geistlichen Herren, auch Weibsbilder und Kinder sind mit einer Prozession mit Begleitung des hochwürdigen Guts und Benediction um den Wall der Stadt rings herumb, den hl. Rosenkranz mit grosser Andacht und einhellig laut Gott den Allmächtigen gebeten umb sein göttlichen Beistand, und die allerseligste Jungfrau Maria und Mutter Gottes wolle unsere Vorbitterin und Beschützerin sein, von diesem feindlichen Anfall uns zu erhalten.“

Aber die Villinger vertrauten nicht nur auf das Gebet und die Hilfe von oben. „Ohne den unerschütterlichen Abwehrwillen der Bürgerschaft hätte auch Oberst Wilstorf die Stadt nicht halten können“, schreibt Dr. Häßler.

Rat und Bürgerschaft und auch der Kommandant waren sich klar, dass die Lage verzweifelt ernst war, und nur kurze Zeit Widerstand geleistet werden konnte. Prinz Eugen mit einem Ersatzheer war zwar unterwegs, aber er konnte frühestens in einer Woche erwartet werden. Der Verteidigungswert der Stadt war bei den gänzlich veralteten Befestigungsanlagen gering. Die Zahl der Waffenfähigen 900 Mann. Der Feind, der gesonnen war, um jeden Preis die Stadt zu nehmen, war 30 000

Mann stark. Dass der Soldat und Kriegsmann Obrist von Wilstorf nicht verzagte und durch seinen bewundernswerten Mut und Umsicht selbst dem Feinde Achtung abnötigte, ist noch verständlich. Es war sein Beruf und seine Pflicht als Soldat. Aber die Bürger mussten bei einer Belagerung ihr Hab und Gut verlieren. Staunend muss man deshalb nach den Triebkräften suchen, welche die gesamte Bürgerschaft, Männer, Frauen, Kinder bewegten wider alle Vernunft die Stadt zu verteidigen. Es gibt dafür nur eine Erklärung, die auch in den zeitgenössischen Berichten immer wieder zu finden ist, die aber dem heutigen Denken schwer zugänglich ist.

Die Kraftquelle dieses Handelns war der unerschütterliche Glaube der gesamten Bürgerschaft an die fürbittende Hilfe Mariens und an die Verheißungen um das Nägelinskreuz: Bei Errichtung einer Kapelle (Bickenkapelle) für das Nägelinskreuz und bei seiner frommen Verehrung „werde Villingen vor dreyen sehr bösen Üblen erhalten und bewahret bleiben: Nemblich und erstlich, die Statt werde durch deß Feinds Macht nicht überwunden; andertens von dem Gifft der Ketzerey nicht verderbt; drittens auch durch das Feuer nicht eingeäschert / und verbrennt werden“.

Für die Villinger bestand überhaupt kein Zweifel daran, dass ihnen Gott auf Grund dieser Verheißung und Fürbitte der Gottesmutter, nach zahlreichen Belagerungen und Kriegsnöten, auch diesmal helfen werde. Und diese Hilfe kam und wurde als ein untrügliches Zeichen verstanden, dass auf Verheißung des Nägelinskreuzes felsenfest gebaut werden kann.

Das zeigt schon ganz eindeutig die Tatsache, wie ernst die ganze Bürgerschaft sich durch das Gelübde zum Bau der Lorettokapelle verpflichtet fühlte. Denn schon im nächsten Jahre, 1705, wurde mit dem Bau der Kapelle begonnen.

Noch war Krieg. Feindbedrohung und Truppendurchzüge brachten der Bevölkerung fast untragbare Lasten. In der Stadt selbst waren die zerstörten Stadmauern, der Riettor-Erker (Zwingertor), das Franziskanerkloster, über 200 beschädigte Häuser (etwa ein Drittel aller Häuser) wieder aufzubauen. Außerhalb der Stadt waren die Mühlen abgebrannt, die Felder zerstört, die der Herrschaft der Stadt zugehörigen Ortschaften im Brigachtal und Kirnach waren bis aufs Blut von Freund und Feind ausgesogen und zum Teil zerstört.

Auch Stimmen der Gegenseite kommen in Häßlers Buch zu Wort. So der Marquis de Quinci, der als General-Lieutenant in Tallards Armee an der Villinger Belagerung teilnahm. Er berichtete: „Sobald es Nacht wurde, schoß man mit Feuerkugeln in die Stadt, die hier an verschiedenen Stellen Brände entfachten. Aber die Feinde löschten sie. Am gleichen Tage kam M. de Fomboissard, Oberst der Dragoner, vom Heere der Kurfürsten von Bayern, mit einer Abteilung Dragoner im Lager des Marschall de Tallard an und überbrachte ihm Briefe des Kurfürsten, der ihn bat, seinen Marsch zu beschleunigen.

Die Dringlichkeit, zum Kurfürsten zu eilen, und gleichzeitig der Umstand, daß sich vor der Bresche eine Wasserlache gebildet hatte und den Laufgraben links überschwemmte, weil ein starker Regen niedergegangen war, so daß man 5 bis 6 Tage brauchte, um diese Schäden zu beheben, diese Gründe, sage ich, führten beim Marschall zu dem Entschluß, sein Unternehmen gegen Villingen aufzugeben.“

Alle Cronisten berichten von dem großen Regen, der die Laufgräben unter Wasser setzte. Dr. Häßler stellt die Frage: „War nun dieser Platzregen, der den Sturmangriff in letzter Minute hinderte, der die Brände in der Stadt löschte, der das so notwendige Wasser für Mensch und Vieh spendete, der die Gräben der Feinde ersäufte und neue feindliche Unternehmungen auf Tage hinaus unmöglich machte, war dieser Platzregen ein Zufall in den Augen der Villinger?“

 

Der Bericht vom Pfarr-Rektor Riegger in der Pfarrchronik gibt nochmals einen Überblick und die Stimmung der Villinger Bürgerschaft wieder. Darin heißt es u. a.: „Im Jahr 1704 vom 16. bis 22. Juli, dem Feste der hl. Magdalena, hat uns ein andrer Marschall de Tallard belagert und mit einem Heere von 30 000 Franzosen umringt, am Haubenloch approchen gegraben, Batterien aufgeworfen und mit 4 halben Cardaunen in die Stadtmauer eine Bresche geschossen und das alte Franziskanerkloster vom Westen her allerdings dabei auch in Schutt und Asche gelegt. Viel tausend Schuß sind gefallen mit halben Cardaunenkugeln; man lieferte davon später noch 740 Stück zu 24 bis 27 Pfund in die Festung Freiburg.

Die Geistlichen waren mit der allerheiligsten Wegzehrung immer auf den Wällen und in den Breschen. Ich hatte Tag und Nacht zu laufen, zu trösten, zu animieren und Andachten zu halten. Wir machten mit dem Allerheiligsten und dem Nägelinskreuz eine geistige Ringmauer um alle vier Wälle.

Alles wehrte sich, alles mußte beichten und kommunizieren. Alles rufte nach der alten Villinger Manier zu Gott und unser Frauen, und diese hat aus blauem Himmel Regen geschickt und die Stadt erhalten.

 

Während der Belagerung habe ich, der Münsterpfarrer, dem Rat vorgeschlagen, er möge zur Erhaltung der Stadt das Gelübde machen, außerhalb der Mauern eine hl. Lorettokapelle zu errichten.

 

Die Lorettokapelle steht inzwischen nicht mehr „draußen vor der Stadt“. Die Stadt ist zu ihr hinausgewachsen. Die Häuser des Wohngebietes Hammerhalde haben sie in die Mitte genommen. Sie erinnert an schlimme Zeiten, welche die Stadt durchgemacht hat. Und an Menschen, die mit großem Gottvertrauen zusammenstanden, als die Not am größten war. Sie ist ein steingewordenes Stück Villinger Geschichte. Sie mahnt uns zum Frieden.

 

 

Die Lorettokapelle in Villingen heute. Einst vor den Toren der Stadt gebaut, jetzt mitten im Wohngebiet Hammerhalde.