Villingen’s alte Bier- und Weinstuben (Lambert Hermle)

„Von A bis Z“ – Vom Antoniuskeller bis zum Zähringer-Hof

Noch heute spricht man von einer großen Anzahl von Bier- und Weinstuben in Villingen, darunter von solchen, die einst weithin einen renommierten Namen hatten. So war vor dem Riettor das Gasthaus „Engel“, das schon vor dem 30jährigen Krieg erstmals erwähnt wurde, aber auch in der Zeit der großen Unruhen und Belagerungen. 1890 kaufte der kath. Gesellenverein dies Anwesen und führte es bis 1917. Der „Engel“ war beliebt für Vereinsveranstaltungen und Theateraufführungen wegen seines Saalanbaues (spätere „Jahnturnhalle“). Nach dem 1. Weltkrieg zog dort das Maschinenunternehmen „Hollerith“ ein (heute Dresdner Bank / Wohn- und Geschäftshaus).

Am Riettor lädt uns das „Torstüble“ und die einstige Torbrauerei ein. Der Bierbrauer Josef Sorg gründete die Brauerei Ende des 18. Jahrhunderts. Sorg gehörte neben dem „Wildmannwirt“ Heizmann, „Löwenwirt“ Höld und „Sonnenwirt“ Cammerer zu den Chargierten des 1830 neu aufgestellten Bürgermilitärs Villingens. Willibald Riegger übernimmt 1887 die Torbrauerei und im Jahre 1911 geht die Torbrauerei mit 9 Eigenwirtschaften in der Stadt an die „Fürstlich Fürstenbergische“ Brauerei Donaueschingen über. In den Jahren 1921 und 1928 wurden die beiden Torbogen seitlich des Riettores gebrochen. Ab 1928 übernimmt Robert Hoffmann das allzeit beliebte „Torstüble“.

Eine fast historisch legendäre Wirtsstube war das „Bad“ in der Badgasse (später Fahrrad-Fleig), auf welchem schon der Villinger Lokalheld „Romäus“ gewirtschaftet haben soll. Ein Heilbad, dessen hölzerne Badezuber bis Anfangs des 20. Jahrhunderts zuletzt noch zu Solebädern benützt wurden.

„Außen Wasser, innen Wein, lasst uns alle fröhlich sein. Schwefel und Alaun und doch nicht warm“. So schrieb schon der Villinger Gelehrte Georgius Pictorius in seinem Badebüchlein um 1560 über das Bad und der Quelle am Hubenloch.

In der Rietstraße 24 war seit 1912 bis 1984 die Gaststätte „Antoniuskeller“, im Volksmund „AK“ genannt. Sein Name ist auf die einstige Bruderschaft „St. Antoni Eremitae“, die seit 1503 hier bis zu ihrer Aufhebung ihren Sitz hatte, zurück zu führen. Karl und Klaus Faller waren die Wirte.

Weiter dem Marktplatz zu war der Gasthof „Zum Falken“. Seit 1852 stand der „Falken“ an der Nordseite der Rietstraße. Noch heute erinnert das Barockportal mit der Hausummer 450, das den Zugang zum Münster ziert, an diesen Gasthof.

Weit über die Grenzen Villingens bekannt war das Gasthaus „Lilie“, im Volksmund auch „Ilge“ genannt. Die Mitglieder der Bildhauersippe „Schupp“ waren dort zu Beginn des 18. Jahrhunderts neben ihrer künstlerischen Tätigkeit auch als Wirtsleute tätig. Anton Josef Schupp schuf die 12 Apostel, welche die Hochwand des Mittelschiffes im Villinger Münster zieren, anlässlich des 600jährigen Bestehens der Stadt auf der rechten Brigachseite. Sein Bruder Johann II. ebenfalls „Ilgenwirt“ und Bildhauer, fertigte den Hochaltar in der Triberger Wallfahrtskirche. Die „Lilie“ mit ihrem Saal bot für weit über 100 Personen Platz, hiesige Vereine wie Sängerkreis, Männerchor und die Angehörigen des Reiterregiments 40 waren Stammgäste. Auffallend groß war die Hofeinfahrt und die Hausfassade war bemalt. Im Jahre 1953 schloss der Gasthof „Lilie“ seine Pforten und das Kaufhaus „Erwege“ zog hier ein (heute Müller-Markt).

In der Oberen Straße hielten einst auch mehrere Gasthäuser ihren Einzug, was bestimmt auf das Korn- und Kaufhaus inmitten der Straße zurück zu führen ist. Es musste 1827 dem aufkommenden Verkehr weichen und wurde daraufhin abgerissen. Jedoch die einstige Thurn- und Taxi’sche Posthalterei, die „Sonne-Post“ mit ihrem Beobachtungsturm, bestimmt heute noch das Straßenbild.

 

Das Gasthaus Lilie in der Rietstraße.

 

 

Der Sonnenwirt Cammerer kaufte 1738 das südlich der Sonne (heute Stadtkasse) liegende Gebäude, das Gasthaus „Zum Schwert“ von Jodocus Beer auf, und somit dienten die beiden Häuser seit 1755 bis 1845 als die Posthalterei „Sonne-Post“. Über die Gaststube „Schwert“ machte sich schon Karl Friedrich Kaiser, „de Kaiser Karle“ seine Gedanken:

De Sebbl

Isere Wirtschaft, die hoeßt Schwert,

drin ischt e Wirtin und en Wirt.

Au Sebbl saget hit no d’Liet,

des schtammt no us de alte Ziet.

 

Dä Obrischt Äscher und si Heer,

und au die tapfer Bürgerwehr,

sind dert scho g’sesse um’s voll Faß,

hond g’labt sich a dem edle Naß.

Derfet mer au kon Sebbl hau,

ka mer do no in Sebbl gau,

und verfechte am runde Disch,

wa für is Manne wichtig isch.

 

Und wenn mer g’nueg vufochte hond,

mir no uff dem Standpunkt stond,

daß oni Sebbl, oni Schwert,

es Lebe ischt nu d’Helfti wert.

 

De Sebbl ischt jo isere Wehr,

jo oni Sebbl nit viel Ehr,

jo oni Sebbl kriegscht ko Recht,

häscht du kon Sebbl, bischt en Knecht.

 

Drum gond mir i de Sebbl ni,

do isches äbbl g’müetli gsi,

do giet es z’trinket fer de Dorscht,

und älles andere ischt is Worscht.

Karl Friedrich Kaiser

 

Jodocus Beer war Wirt und auch Barockbaumeister, aus Vorarlberg stammend. Er baute das bei der „Tallard’schen Belagerung“ zerstörte Kloster der Franziskaner wieder auf, das „Heilig Geist Spital“ in der Rietstraße im Barockstil um und schuf den Verbindungsbau zwischen der Benediktinerkirche und dem Nordflügel der Benediktinerabtei (heute Karl-Brachat-Realschule).

Bei der „Sonne-Post“ wurden Pferde und Wagen gewechselt und sie bot Stallungen für 40 Pferde. 1845 schrieb der damalige Besitzer das Haus zum Verkauf aus und die Posthalterei ging zur „Blume“ über, dann „Blume-Post“. Die Posthalterei kam mit der Eröffnung der Bahnlinie Offenburg – Konstanz 1873 zum Erliegen. Doch während des Bahnbaues (1860–1875) erfreute sich die „Sonne“ eines großen Aufschwunges. Jedoch 1884 schrieben Badens Zeitungen: „In Villingen ging die Sonne unter“. Die Stadt kaufte die Gebäude auf und baute sie um, das Erdgeschoss zur städtischen Spar- und Waisenkasse.

Direkt neben der „Sonne-Post“ war, eine der ältesten Wirtsstuben, der „Wilde Mann“. Einst Zunftstube der Schmiede und Schlosser, seit 1379 bis 1968 Gaststätte. Das Stechschild am Haus mit dem Wilden Mann ist so zu deuten: „Die wilden Leute, mit langen Haaren bedeckte Waldmenschen, spielten in den Sagen der Gebirgsländer schon immer eine große Rolle. Es waren fremdartige, unheimliche Wesen, die fernab von menschlichen Siedlungen lebten, als Symbole der Naturnähe deutbar.“

In der Fortsetzung der „Hug’schen Chronik“ wird berichtet:

1563 Am 28. März waren 6 Kameltiere hier samt einem Mohren.

1566 In der Tanzlaube zum Wilden Mann war eine schwarze Kalbin mit 6 Beinen und wer sie sehen wollte, musste einen „Fünfer“ geben.

1589 Taucht der Wildmann-Wirt Bartlin Speht bei einem Pferdediebstahl als Zeuge auf.

1632 Obrist Äscher steigt im „Wilden Mann“ ab.

1633 Laut Tagebuch von Abt Gaisser schlug eine Kugel durch die Stockwerke drein und riß der Wirtin in der Schankstube ein Bein ab, verletzte ein Kind und ein Mann kam zu Tode.

1658 Christian Bantlin, Wirt zum „Wilden Mann“. Seine Tochter Barbara war mit dem Hafner Jakob Kraut verheiratet, der als Hexer 1641 hingerichtet wurde.

1761/1762 Als sich der Magistrat mit den Zünften überwarf, griff der Wirt des „Wilden Mannes“ Ignaz Mayer in die Fehde ein. Zuerst auf der Seite der Mordiner (Rebellen), wechselte dann auf die Seite der Schnabuliner. (Magistratstreu)

1781 Wildmannwirt Ignaz Mayer geht wegen Wiedergenehmigung der Passionsspiele mit einer Deputation nach Freiburg.

1843 Wilder Mann mit 10 Zimmern, Tanzsaal und Stallungen für 70 Pferde.

1904 Das dreistöckige Ökonomiegebäude mit Durchfahrt von der Hans-Kraut-Gasse her brennt ab. Dort entstanden später die Camera-Lichtspiele.

In der Wirtsstube war eine Nische und darin ein Bild von Villingen, darüber hing eine Kanonenkugel. In der Gaststätte wurde Schlüsselbräu aus Spaichingen ausgeschenkt. Am 1. April 1968 schließt der „Wilde Mann“ unter dem Wirt „Seppel“ Kupferschmidt für immer seine Pforten.

Ein weiteres Gasthaus mit Geschichte ist der „Raben“. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts als „Rappen“ erstmals erwähnt. Meinrad Ummenhofer schrieb 1832 den Raben mit 3 Stockwerken, neu gebaut mit Bequemlichkeiten versehen, mit abgesondertem Ökonomiegebäude, mit Weinkeller, Stall für 30 Pferde, 30 Stück Rindvieh, Scheuer und Raum für’s Bierbrauen, zum Verkauf aus. Käufer war Josef Faißt, der 8.400 Gulden bezahlte. Nachfolger Johann Hall gab 1886 den „Raben“ nach Haustausch an Martin Storz ab. Storz war Metzger, aus Flözlingen stammend. Er trieb im Obergeschoss die Wirtschaft weiter und verkaufte im Erdgeschoss seine Wurst- und Fleischwaren. Martin Storz starb 45jährig an einer Blutvergiftung und war der Vater von Karl Storz, dem langjährigen Lilienwirt und war der Großvater „vom „Storze Ernst“, ehemaliger „Ott“-Wirt, der im Jahre 2002 im hohen Alter verstarb. Im Jahre 1896 wechselte der Raben an Metzermeister Schuler, der später den Raben an August Rauß verkaufte. Dann im Jahre 1903 an Karl Ketterer für 46.000 Mark. 1910 wurde der Raben von Konditor Wilhelm Schlaich abgebrochen. Der Raben wurde Cafe und nach den Plänen des Architekten Nägele neu aufgebaut, die Hausfassade von Albert Säger neu gestaltet und 1932 an Stefan Hartmann verkauft.

Seit März 1997 ist die „Neue Eiszeit“ im Erdgeschoss Raben eingebrochen. Der Raben ist und war immer eine feste Größe in der Villinger Fasnet. Die „Alten Jungfere“, 1927 gegründet, feierten hier ihre ersten „Altjungfere Obende“, auf Initiative der Wirtin Schlaich, einer hochgeschätzten Trachtenträgerin. 1933 gründete sich hier die Glonki-Gilde.

Eine nette Geschichte ist hier noch zu erwähnen. Der Villinger Flaschnermeister „Pfudel“ Fischer, wohnhaft in der Oberen Straße, hatte 8 Kinder, die ersten vier Kinder waren Mädchen, das fünfte Kind war ein Sohn. „Pfudel“ brauchte 3 Tage, um die Geburt seines zu Hause geborenen Sohnes auf dem Rathaus zu melden. So groß war die Freude und er feierte dies vor allem hier im Gasthaus „Raben“. Später feierte man 3 Tage nach dem offiziellen Geburtsdatum seinen Geburtstag.

In nächster Nähe ist das Gasthaus „Löwen“, das erstmals 1514 im Bürgerbuch als „Roter Löwen“ nachweisbar ist. Lange Zeit war er auch Zunftherberge für die auf Wanderschaft befindlichen Mitglieder der Zunft der „Weber, Tucher, Metzger und Schuhmacher“. Johann Baptist Höld, Kavallerist der Bürgerwehr und sein Sohn Emil waren ein gutes Jahrzehnt lang Wirt des Löwen.

1881 kaufte ein Herr Burkhard dieses Haus, richtete im Obergeschoss ein Manufakturwarengeschäft ein und verpachtete die Gaststube.

1898-1912 wechselte der „Löwen“ an Johann Baptist Schilling.

1924 Gewerkschaftsbund

1928 Volksbank Löwen G.m.b.H.

1939 Deutsche Arbeitsfront

1954 Fam. Riesle

Der Eingang war durch eine torbogige Einfahrt auf der Seite der ehemaligen Bäckerei „Oberle“. Von dort war auch der Zugang zur Weinstube „Hecht“, die im Obergeschoss war. Der „Löwen“ ist heute das älteste Gasthaus in unserer Stadt.

Am Eck der Josef- und Kronengasse gibt es ein Stechschild mit einer „Krone“. Das ist heute ein Zeugnis der ehemaligen Großbrauerei „Krone“, die seit Mitte des 19. Jahrhundert hier im sogenannten „Hagenwinkel“ (heute Feuerwehrhaus) ihr „Kronenbräu“ braute. Zuvor war die Krone im „Hohlen Graben“, in der unteren Rosengasse nachweisbar. Die Brauerei hatte einige Gaststätten wie den „Löwen“, die „Germania“, den „Hohenstein“, das „Paradies“, sowie die „Sonne“ in Erdmannsweiler, den „Deutsche Kaiser“ in Niedereschach in Eigenbesitz und baute in Villingen das „Waldschlössle“, sowie den „Zähringer Hof“ auf. Die Gaststätte „Krone“ hat im Jahr 1959 ihre Pforte geschlossen (heute Wohnhaus).

Wer erinnert sich nicht gern an das weit über die Grenzen Villingens bekannte Hotel „Blume-Post“, am Marktplatz gelegen. Neben der Herrentrinkstube der „Ehrsamen Müßiggänger“ erwarb die „Blume“ einst unter dem Wirt Johann Grechtler Mitte des 18. Jahrhunderts hohes Ansehen. Johann Grechtler, aus Kippenheim bei Lahr stammend und Schwiegersohn von dem Villinger Bürgermeister Granser, erwies sich im „Österreichischen Erbfolgekrieg“ um 1743 als genialer Proviantmeister für eine bei Breisach liegende ungarische Armee. Er erwarb sich solche Verdienste, dass er 1750 in den Reichsfreiherrenstand erhoben und zum Generalfeldwachmeister der österreichischen Armee ernannt wurde. Grechtler starb 79-jährig in Wien. Seit dem Jahre 1855 war die „Blume-Post“ Gasthaus für die Postlinie Villingen – Wolfach – Offenburg. Prominenteste Gäste waren:

• Fürst Metternich 1845

• Prinz von Preußen

• Kaiser Wilhelm I,

• General von Moltke 1884

Im Jahre 1872 fand in der „Blume-Post“ der Festakt anlässlich der Fertigstellung der Schwarzwaldbahn Konstanz – Villingen – Offenburg statt. Um die Jahrhundertwende wurde die Fassade des Hotels im Jugendstil durch den Architekten Carl Nägele geschaffen. Auftraggeber war der Besitzer Florian Johs aus Flehingen. Sein Nachfolger war Markus Späth aus Urloffen, der vorher im heutigen Schuhhaus „Hässler“ als Pächter des „Cafe Central“ in der Niederen Straße tätig war. Unter ihm weiterer Umbau des Hauses mit fließendem Wasser. Er betrieb die „Blume-Post“ bis 1942. Weitere prominente Gäste waren:

• Luis Trenker

• Max Schmeling

• die Fußballhelden Fritz Walter und Sepp Herberger

• sowie Zara Leander.

Letzter Besitzer war bis 1968 Erwin Kaiser dann kam der Umbau zum Kaufhaus „Bilka“, Fertigstellung im Jahre 1970 (heute Kleidergeschäft K &L, Filiale Volksbank usw.).

Noch vor dem 30jährigen Krieg ist der Gasthof „Bären“ in der Bickenstraße anno 1602 erwähnt. Eine weitere Erwähnung gibt es im Jahre 1704 unter dem Zunftmeister der Wirtezunft Johann Riegger. Der „Bären“ hatte eine eigene Hausbrauerei, die an die Schwenninger Straße verlegt wurde und später zur „Bärenbrauerei“ Schwenningen kam. Seit dem Jahre 1920 befindet sich der „Bären“ im Besitz der Familie Hauser, Schwiegersohn Josef Kessler mit Anneliese und deren Kinder Gisela Jörger und Peter Kessler. 1992 zog die Geschäftsstelle des Südkuriers dort ein und der „Bären“ ist ein Hotel Garni.

Eine    weitere Gaststätte ist das Gasthaus „Schlößle“, das im Jahre 1744 im Besitz von Josef Anton Vetter, Sohn vom Engelwirt mit gleichem Namen, war. Schlößlewirt J.A. Vetter wurde 1827 zum Bürgermeister und zum Landtagsabgeordneten gewählt. Die Narrozunft Villingen lädt am 28.2.1897 zur Generalversammlung um 14 Uhr ins Zunftlokal „Schlößle“ ein. Noch heute hält die NZV am Fastnachtssonntag am Nachmittag diese Versammlung ab. Ab 26. August 1961 übernimmt der Kronprinzenwirt Theo Kerber das Gasthaus, stirbt 1962 53jährig und seine Frau Gertrud mit den Söhnen Peter und Klaus führen das Lokal noch 23 Jahre lang weiter.

Mit einem Stechschild lud das Gasthaus „Zur Schnecke“ in der Niederen Straße seine Gäste ein. Dieses Stechschild ist im Franziskanermuseum bei den alten Wirtschaftsschildern zu sehen. Später war in dem Haus das Spielwarengeschäft „Abele“, das „Cafe Reinacher“ und heute an gleicher Stelle ein anderer Laden.

Wo heute das Schuhhaus „Hässler“ seine Schuhe verkauft, war einst das „Cafe Central“. Einst ein pompöses Cafe mit Konditorei von Markus Späth, dem späteren Wirt der „Blume-Post“ von 1927 bis 1942, war es außerdem das erste Eiscafe in Villingen. Im Jahre 1912, nach einem Brand, wurde es von der Baufirma Kistenfeger im Jugendstil neu aufgebaut, Besitzer war nun die „Riegeler-Brauerei“, Kaiserstuhl.

Gegenüber war das „bürgerliche Brauhaus“ und späterer „Meyerhof“. Den Meyerhof, wie wir ihn kannten, erbaute August Ummenhofer im Jahre 1899, der Großvater von Karl-Heinz „Schanko“ Ummenhofer. Der Meyerhof bot Platz für 140 Personen, Gaststubenhöhe war 4,70 m. Dadurch kamen die Oelbilder von Albert Säger „Szenen der Villinger Geschichte“ gut zur Geltung. Dies waren:

• Tallard’sche Belagerung

• Ritterspiele vor dem Alten Rathaus

• Einzug Kaiser Maximilian 1499

• Raubüberfall auf Züricher Kaufleute im Kirnachtal.

Unter Wirt „Specker“ war eine Tanzkapelle die Attraktion, die im Windfang über dem Eingang aufspielte. 1928 kaufte die „Riegeler-Brauerei“ das Bürgerliche Brauhaus auf und gab ihr den Namen „Meyerhof“. 1952 übernahm die Familie Hermann, der ehemalige „Flughafen-Wirt“, den Meyerhof. Die Gesangsgruppe „Rudolfos“ trat auf. Der Meyerhof schloss 1963 seine Pforten.

Schräg gegenüber befand sich das Gasthaus „Hirschen“. 1533 erstmals erwähnt, als dort ein Bäckersknecht wegen verbotenem Kartenspiel das Messer zückte. 1906 kaufte Josef Schmidt das Gasthaus „Hirschen“, welches gerne bis heute als Narrostube besucht wird.1962 war das Ende des Gasthauses. Jeden Samstag wurde Spatenbier ausgeschenkt. Werbespruch: „Laß dir raten, trinke Spaten“. Im Erdgeschoss wurde später das Verkaufgeschäft „Hanseatica“ eingerichtet (heute Telefonladen).

Beim Zugang in die Paradiesgasse war seit 1898 die Weinstube zur „Chinesischen Nachtigall“. Konditor Albert Cammerer war unter dem Bürgermeister Dr. Braunagel (1904–1912) Gemeinderat und stellvertretender Bürgermeister. War der Bürgermeister verreist, gab es stillschweigend eine Stunde Verlängerung. Wie diese Weinstube zu ihrem Namen kam erklärt das Gedicht:

Zur chinesische Nachtigall „Geburt und Taufe“

A de letzschde Fasnet hond se scho im Albert Cammerer g’strählt,

dass er au kinnt Wii zapfe, aber d’Konzession hät g’fehlt!

Er hät sich nit lumpe lau und hät g’reicht ä Bittschrift i,

doch wi’e ´s so goht bi dene Herre, vieli sin degege gsi!

Rum und num isch g’schriebe worre, endlig, endlig kunnt de B’scheid,

und do drinne isch es g’stande, er hät d’Wirtschaftsg’rechtigkeit!

Selmol no als Kaffeestüble hät es ohni Namä dau,

aber der Ziet isches anderscht, di’e Wirtschaft mueß en Namä hau!

De Albert hät en Vogel scho zehn Johr, Wi’e wärs ihr Liet,

wenn mr dere Stub de Namä grad vu sellem Vogel giet?

Welleweg jo, ’s isch kon so passend, als wi’e s grad bi dem de Fall,

und drum soll di’e Wistub hoaße: „Zur chinesische Nachtigall“.

Georg Rabenstein, gebürtig aus Offenburg

Meinem Freund Albert Cammerer zur Eröffnung seiner Weinstube „Zur chinesischen Nachtigall“

 

Gastraum der „Chinesischen Nachtigall“.

 

Die Weinstube wurde in den 1950er Jahren geschlossen.

Rechts der Paradiesgasse in Richtung Bahnhof war einst das Lokal „Paradies“ (heute Sparkasse), bekannt durch den Tanzsaal und die zünftigen Maskenbälle. 1763 wurde es erstmals erwähnt. Erster Wirt war Konrad Singer, „Zwölfer“ genannt. Er war auch Zunftmeister der Wirtezunft. 1766 beantragte er das Braurecht für sein Haus. 1845 war Johann Baptist Wittum Wirt des „Paradies“. Unter ihm fanden legendäre Maskenbälle mit Militärmusik statt.1845 ging der Gasthof an Baptist Göth. Jener gründete später 1853 eine Uhrenfabrik, ohne den Wirtsbetrieb einzustellen. 5

Jahre später veranstaltete er eine Ausstellung mit Zugfederuhren. 1871 war im „Paradies“ großer Empfang für die Rückkehrer des 1870/71er Krieges. In den 20er Jahren schließt das Paradies seine Pforten.

Südlich vom Paradies in der Gerberstraße im „Krawazi“, war die Gaststätte „Zum Felsen“ von 1884–1971. Wirte waren: 1884 – Josef Ummenhofer, genannt „Brägel“. Er war Wirt und Bildhauer, auch Schemenschnitzer und Mitgründer der Narrozunft Villingen im Jahre 1882. Dem Geschlecht der „Guller“ zugehörig, eine inzwischen ausgestorbene Linie der „Ummenhofer“. Seine Vorfahren ahmten bei den Passionsspielen gekonnt den Hahnenschrei nach. Ihr Familienwappen zeigt einen Hahn. Josef Ummenhofer fertigte das Kriegerdenkmal, das heute im Kaiserring steht und an den deutsch-französischen Krieg 1870/71 erinnert. Dessen Sohn, ebenfalls Bildhauer, schuf das Denkmal von Graf Berthold anlässlich der 100jährigen Zugehörigkeit zu Baden 1905. Dieser Ummenhofer-Linie war auch der Töpfer Dominikus Ummenhofer zugehörig, der die sogenannten „Gullerfiguren“ (Krippenfiguren) schuf.

Im Hinterhof war der Theater- und Tanzsaal des „Felsen“, in dem dann seit 1922 das Union-Kino war. Franz Burkewitz, im Volksmund „Prisewitz“ genannt, war dort der Filmvorführer.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts steht an der Ecke Gerberstraße / Schaffneigasse das Gasthaus „Stiftskeller“. Seit dem Jahre 1858 bestehend, trägt es im Jahre 1912 den Namen „Reichsapfel“. In dieser Zeit führte der Wirt Ludwig Schupp dieses Haus. Ab 1912 Emilie Schupp und als Pächter wird Albert Rosenfelder genannt. Von 1927 – 1930 führten Emil Riesterer und ab 1939 die Geschwister Riesterer das Gasthaus „Stiftskeller“. Pächter war Mathias Egle. Jedem Tanzfreudigen war das Gasthaus „Stiftskeller“ mit dessen Tanzveranstaltungen ein Begriff.

Im Jahre 1924 wurde der Stiftskeller Zeuge eines einzigartigen Aktes. Unter Federführung der Historischen Narrozunft Villingen wurde in diesem Hause die „Schwäbisch–Alemannische Narrenvereinigung“ gegründet. Erster Präsident war der Villinger Benjamin Grüninger und bis in die 50er Jahre führte Albert Fischer die Vereinigung über die Klippen der damals schwierigen Zeit.

 

Gasthaus Stiftskeller in der Gerberstraße.

 

1914 neu erbaut, ziert heute noch eine Wappentafel von 1614 das Haus. Darstellend das Doppelwappen des Klosters Amtenhausen, von dem Bildhauer Hans Amann geschaffen, dessen Zeichen es trägt. Später zog in dieses Haus das Tanzlokal „Scotchclub“ ein.

Außerhalb des Bickentores steht das ehemalige „Bad-Hotel Zähringer Hof“.

Hotel Zähringer Hof, heute Neckar-Verlag.

 

Zuerst war dort das Gasthaus „Deutsche Hof“, in Nachbarschaft zum „Deutschen Kaiser“. Pächter war Mathias Kammerer. Im Jahre 1903 abgebrannt. Neubau des „Zähringer Hofes“ durch Brauereibesitzer Schilling (Kronebrauerei) in einem recht repräsentativen Stil. Lokalpatriotismus und doch auf neuestem Stand. Schilling gab der neuen Herberge den Namen „Badhotel zum Zähringer Hof“. Komfortabel eingerichtet mit großem schattigen Garten. In einer Anzeige war zu lesen: „Das Haus hat eine Badeanstalt mit zuverlässiger Bedienung“, was von manchem missverstanden wurde. Dabei handelte es sich um medizinische Bäder, von Ärzten verordnet. Für gute Küche zeichnete sich Karl Schnäbele verantwortlich.

1913 wurde Villingen Garnisonstadt, was der Gastronomie zugute kam, vor allem dem „Zähringer Hof“. Offiziere wurden dort einquartiert, da ihre Wohnungen noch nicht fertig gestellt waren. Nach dem 1.Weltkrieg wurde es ruhiger und im Einwohnerbuch von 1924 war vom „Zähringer Hof“ keine Anzeige mehr zu lesen.

Die „Rheinische Kreditbank“, später „Deutsche Bank“ hielt dort ihren Einzug. Das Kloster St. Ursula richtete ihre Nähschule dort ein. In den 30er Jahren, auf höheren Befehl, wurde das „Schwarzwälder Tagblatt“ dort untergebracht. Heute ist der „Zähringer Hof“ die Heimstätte des Neckarverlages (Ring-Druck).

Und so gab es noch viele weitere Bier- und Weinstuben, die nicht in diesem Artikel Erwähnung fanden.

Um mit den Worten von Hermann Alexander Neugart zu enden, haben, weit mehr als Privathäuser, die vielen Bier- und Weinstuben Villingens ihre Schicksale, und oft genug sind diese irgendwie mit den Schicksalen bestimmter Bürgerkreise, ja des Heimatortes selbst, in wirtschaftlicher, sozialer und politischer Hinsicht eng verknüpft. Auch hier sind solche darunter. Ihre Namen sind in den Annalen der Heimatgeschichte Villingens vermerkt.

Und zum Schluss ein „Prosit“.