725 Jahre Heilig-Geist-Spital (Werner Echle)

Geschichtliches über die Gründung

Die älteste und bedeutendste soziale Stiftung Villingens ist das Heilig-Geist-Spital.

Wann seine Gründung erfolgte, ist nicht genau bekannt. Eine Gründungs- oder Stiftungsurkunde liegt nicht vor. Stifterin war Gräfin Agnes von Fürstenberg vermutlich zwischen den Jahren 1284 und 1286.

Der ältestete, völlig gesicherte Beleg für ein Heilig-Geist-Spital in Villingen datiert vom 15. April 1286. Der Erzbischof Renaldus von Messina und dreizehn weitere, namentlich genannte Bischöfe stellten an diesem Tag in Rom einen Ablassbrief aus, in dem sie zur Mithilfe bei der Vollendung des Heilig-Geist-Spitals in Villingen aufriefen. Besitztum erhielt das Spital durch Schenkungen des Grafen Friedrich von Fürstenberg – Wiese zwischen Fürstenberg und Sumpfohren, Eigenhof in Bräunlingen – sowie ein weiteres Gut von Agnes von Fürstenberg. Durch einen Bittbrief von Gräfin Agnes von Fürstenberg an alle Kirchherren in der Umgebung wurde versucht, Geld für das Spital zu bekommen, damit dieses seinen vielfältigen

Aufgaben gerecht werden konnte. Die Gründung des Spitals fiel in die Zeit größter Blüte der Stadt. Klöster wurden gegründet, die Stadt wurde ummauert und das Münster ausgebaut. Das Spital lag zwischen dem Münsterkirchhof – dem heutigen Münsterplatz – und der Rietstraße (heute: Altes Kaufhaus).

Im 15. Jahrhundert erfolgte ein Neubau. Dabei handelte es sich um ein – im Vergleich zu den verschiedenen Klöstern der Stadt – verhältnismäßig kleines längliches Gebäude. An der dem Riettor zugelegenen Seite befand sich die mit einem Zwiebeltürmchen gezierte Spitalkapelle. Ein weiterer Umbau erfolgte 1727 mit einem großzügigen, hufeisenförmigen, dreiflügeligen Grundriss. 1825 wurde das Spital in das ehemalige Franziskanerkloster verlegt und das Gebäude zum Kaufhaus für den damals blühenden Getreide- handel umgebaut.

Aufgaben des Heilig-Geist-Spitals

Die primäre Aufgabe blieb über die Jahrhunderte hinweg immer die Fürsorge für Arme, Alte, Kranke und Waisen im Heilig-Geist-Spital. Noch Jahrzehnte nach seiner Gründung hatten die von den Spitalorganen vorgenommenen Rechtsgeschäfte ausschließlich den Zweck, die wirtschaftlichen Verhältnisse des Spitals so zu stärken, dass es die Last der städtischen Fürsorge ständig tragen konnte. Schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts suchten auch Wohlhabende ihren Unterhalt zu sichern, indem sie mit dem Spital Leibrenten- und später auch Pfründverträge abschlossen. Begab man sich bei der Verpfründung völlig in den Bereich des Spitals und seiner Anstaltsordnung, so hatten die Leibrentenverträge den Zweck, sich im Spital einen Schuldner zu verschaffen, von dem man auch in unruhigen und teuren Zeiten eine pünktliche und vollständige Einhaltung eingegangener Verpflichtungen erhoffte. Der früheste noch erhaltene Vertrag dieser Art wurde im Jahre 1316 geschlossen. Auch in den folgenden Jahrhunderten finden sich solche Verträge immer wieder.

Derzeit besteht noch ein Pfründvertrag. Wesentliche Teile des im Laufe der Zeit angewachsenen Stiftungsvermögens begründen sich auf Schenkungen und Vermächtnisse sowie auf das Vermögen und die Erträgnisse verschiedener kleinerer Fonds und Stiftungen, die alle zwischenzeitlich aufgelöst und dem Spitalfonds übereignet wurden. 1854 wurden Elendjahrzeitpflege, Gutleuthaus, Armensäckel und Spital zur „vereinigten Spital- und Armenstiftung“ zusammengefasst. 1949 kamen auch die privaten Stiftungen zum Spitalfonds dazu.

Das Heilig-Geist-Spital im ehem. Franziskanerkloster (1825-1978) Foto: Stadtarchiv

 

Entwicklung und Aufgaben des Spitalfonds 

Villingen nach dem 2. Weltkrieg

Der Zweck des Spitalfonds Villingen hat sich seitJahrhunderten grundsätzlich nie geändert. Gemäß der heute gültigen Satzung vom 17. 07. 1979 sind die zentralen Aufgabe der Unterhalt und Betrieb des Alten- und Pflegeheims Heilig-Geist-Spital sowie die „Betreuung und Unterstützung hilfsbedürftiger und pflegebedürftiger Personen“.

Das Altenheim in der ehemaligen Stadt Villingen bestand im Jahre 1966 aus dem Hauptgebäude des ehemaligen Franziskanerklosters mit Kreuzgang, Rietgasse 2 (60 Bewohner), Osianderhaus, Rietstraße 37 (16 Bewohner), Hämmerlehaus, Rietgasse 1 (5 Bewohner), Storzenhaus, Brunnenstraße 48 (8 Bewohner). Die beiden letztgenannten Gebäude Brunnenstraße 48 und Rietgasse 1 wurden erst zu Beginn der 60-er Jahre wegen des großen Bedarfs an Heimplätzen für die Unterbringung von Heimbewohnern eingerichtet.

Man war sich schon damals im Klaren, dass dies nur ein Provisorium sein konnte.

Nach über elfjähriger Vorbereitungs- und Bau- zeit wurde am 28.09.1978 das heutige Alten- und Pflegeheim „Heilig-Geist-Spital“, Schertlestraße 2, mit 172 Plätzen eröffnet. In Anbetracht der sich inzwischen veränderten Bedürfnisse der Senioren hat der Spitalfonds Villingen in den Jahren 1986 –1987 die Senioren- wohnanlage „Wohnpark Hammerhalde“, Am Affenberg mit 52 alten- und behindertengerechten Wohnungen erstellt.

Aufgrund der großen Nachfrage nach dieser Wohnform, entschied der Stiftungsrat, auf der ehe- maligen Kaiserwiese in der Bleichestraße weitere Wohnungen zu bauen. Im Februar 2000 konnte die betreute Seniorenwohnanlage „Wohnen am Warenbach“ mit 62 Wohnungen in Betrieb genommen werden.

Beide Anlagen erfreuen sich nach wie vor einer großen Beliebtheit, was die große Anzahl von Nachfragen und Anmeldungen bestätigt. In der Südstadt, einer sehr beliebten Wohngegend, hat der Spitalfonds Villingen in der Friedensstraße 2009/2010 eine Wohnanlage mit 12 Service-Wohnungen (Zwei- und Dreizimmer) für Senioren und Behinderte gebaut, deren Bezug ab Oktober 2010 möglich war.

Ziel des Spitalfonds Villingen ist es, älteren Menschen ein selbständiges und selbstbestimmtes Leben in Eigenverantwortung zu ermöglichen, aber auch darauf hinzuwirken, dass eine bedarfsgerechte Unterstützung, Betreuung und Versorgung für ältere und pflegebedürftige Menschen bereitgestellt wird. Hierdurch können die Potentiale der älteren Menschen erkannt und genutzt werden.

Rechtliche Stellung des Spitalfonds Villingen

Der Spitalfonds Villingen ist nach der im Jahre 1979 aufgrund des neuen Stiftungsgesetzes vom Gemeinderat beschlossenen Stiftungssatzung eine rechtsfähige örtliche Stiftung des öffentlichen Rechts im Sinne vom § 101 Gemeindeordnung für Baden-Württemberg. Sie hat ihren Sitz in Villingen-Schwenningen, Stadtbezirk Villingen. Die Stiftung ist völlig selbständig.

Die Stiftung dient ausschließlich und unmittel- bar gemeinnützigen und mildtätigen Zwecken.

Organe der Stiftung sind der Stiftungsrat und der Vorsitzende des Stiftungsrates.

Der Stiftungsrat besteht aus dem Oberbürger- meister der Stadt Villingen-Schwenningen als Vorsitzendem und acht Stadträten die im Stadt- bezirk Villingen ihren Wohnsitz haben müssen.

Feier 725 Jahre Heilig-Geist-Spital

Das Jubiläum „725 Jahre Heilig-Geist-Spital“ wird am 15. April 2011, genau 725 Jahre nach der erstmaligen Erwähnung des Heilig-Geist-Spital

gefeiert.

Alten- und Pflegeheim Heilig-Geist-Spital an der Schertlestraße seit 1978. Foto: Spitalfonds Villingen

 

Seniorenwohnanlage Wohnpark Hammerhalde seit 1987. Foto: Jochen Hahne

 

Geplant ist ein Festakt auf gemeinsame Ein- ladung des Spitalfonds Villingen und des Geschichts- und Heimatvereins Villingen im Franziskaner.

Die Mitglieder des Geschichts- und Heimat- vereins werden dazu herzlich eingeladen.

Begleitend wird im Jahr 2011 auch das Fran- ziskanermuseum dieses Jubiläum zum Thema machen und es werden Veranstaltungen im Heilig- Geist-Spital wie Festgottesdienst, Sommerfest und eine Vortragsreihe über Fragen der Altenpflege für Angehörige und Pflegekräfte stattfinden. In Zu- sammenarbeit mit dem Stadtarchiv wird der Spitalfonds Villingen eine neue Publikation über geschichtliche Aspekte des Heilig-Geist-Spitals im 18. und 19. Jahrhundert veröffentlichen.

Der Geschichts- und Heimatvereins wird dieses Thema im Jahresprogramm 2011 ebenfalls berück- sichtigen.

Benutzte und zitierte Literatur:

WOLFGANG BERWECK: „Das Heilig-Geist-Spital zu Villingen im Schwarzwald von der Gründung bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts“, Villingen 1963, (Schriftenreihe der Stadt Villingen, Bd. 39.

UTE STRÖBELE: „Armut, Alter und Krankheit“. Aspekte des Villinger Armenwesens in der früheren Neuzeit in Villingen und Schwenningen. Geschichte und Kultur, hg. v. der Stadt Villingen-Schwenningen aus Anlass des Jubiläums 1000 Jahre Münz-, Markt- und Zollrecht Villingen, Villingen-Schweninningen: Kuhn, 1999, S. 267-286.

UTE SCHULZE: Stadtarchiv Villingen-Schwenningen Findbuch Bestand 2.3 Vorwort: Das Heilig-Geist-Spital und die Stiftungen. Ein kurzer Abriss, Typoskript, Stadtarchiv 2001.