Die Sanierung des Abt-Gaisser-Hauses (Werner Echle)

Die Neueröffnung des Abt-Gaisser-Hauses am 11. Dezember 2010 beendet endlich den 30-jährigen „Dornröschenschlaf“ dieses für Villingen stadthistorisch sehr wertvollen Gebäudes, das als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung im Sinne des § 12 Denkmalschutzgesetz (eingetragen im Denkmalbuch am 16.11.1978) eingestuft ist. Nachdem die Bauarbeiten zum Einbau von Klassenzimmern für die Karl-Brachat-Realschule im Jahr 1980 eingestellt wurden, weil ornamentale Renaissance-Malereien entdeckt wurden, gab es immer wieder Initiativen und Vorschläge der Stadt Villingen-Schwenningen zu einer Sanierung des Hauses mit verschiedenen Nutzungsideen, die leider alle erfolglos blieben. Der Geschichts- und Heimatverein Villingen hat sich ebenfalls daran beteiligt und wiederholt eine Sanierung angemahnt.

Im Jahr 2008 hat Herr Oberbürgermeister Dr. Rupert Kubon mit dem Amt für Familie, Jugend und Soziales ein Nutzungskonzept als „Bürgerhaus“ für Senioren erarbeitet und vorgeschlagen, dass der Spitalfonds Villingen, eine über 700 Jahre alte Stiftung, zu dessen Stiftungszweck u. a. „die Betreuung und Unterstützung hilfsbedürftiger und pflegebedürftiger Personen“ gehört, dieses Konzept umsetzen könnte.

Nachdem geklärt war, dass das Nutzungskonzept dem Stiftungszweck des Spitalfonds Villingen entspricht und auch die Finanzierung durch den Spitalfonds Villingen von der Stiftungsaufsicht akzeptiert wird, haben der Stiftungsrat des Spitalfonds Villingen am 22. 07. 2008 und der Gemeinderat am 24. 09. 2008 dem Vorhaben zugestimmt und das Gebäude zu einem symbolischen Preis an den Spitalfonds Villingen übertragen.

Nutzungskonzept

Das Abt-Gaisser-Haus wird der Gesellschaft wieder zur Verfügung gestellt, um das Miteinander der Generationen, der Nationen und der Men- schen mit Behinderung unserer Stadt zu beleben. Das Netz des bürgerschaftlichen Engagements soll weiter ausgebaut werden. Hierzu steht ein heller, freundlicher Veranstaltungsraum als Begegnungs- stätte bereit, in dem Möglichkeiten zum Austausch, für Veranstaltungen, Kurse, Projekte oder zur Freizeitgestaltung bestehen.

Durch vielfältige und nachhaltige Beratungs- angebote der freien Wohlfahrtsverbände und des Pflegestützpunktes des Landkreises können sich Seniorinnen und Senioren, sowie deren Angehörige über die Möglichkeiten im Bereich der Betreuung, der Pflege, des Wohnraums und der Leistungen der Pflegekassen informieren bei:

• Pflegestützpunkt des Schwarzwald-Baar-Kreises

• Demenzberatung des Caritasverbandes für den Schwarzwald-Baar-Kreis

• Beratungsbüro des Diakonischen Werkes im Schwarzwald-Baar-Kreis

• Beratungsbüro der Arbeiterwohlfahrt

• Beratungsbüro des Deutschen Roten Kreuzes, Kreisverband Villingen-Schwenningen e.V.

Im Haus werden außerdem, neben der Stiftungs- verwaltung des Spitalfonds, die Geschäftsstellen der Behindertenbeauftragten und des städtischen Seniorenrats sowie der BürgerTreff einziehen.

Architekt Andreas Flöß, der sich schon zu frühe- rer Zeit Gedanken zur Sanierung des Abt-Gaisser- Hauses gemacht hatte, bekam den Auftrag zur Planung. Vorgabe für diese große Herausforderung war das Nutzungskonzept, welches eine senioren-, behinderten- und rollstuhlgerechte Sanierung erforderte.

Mit den Verantwortlichen für den Denkmal- schutz im Land wurden gemeinsam Wege gefunden, die die Umsetzung des Konzeptes ermöglichten.

 

Scheckübergabe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Photo: Jochen Hahne

 

Finanzierung

Die Finanzierung der vom Architekten ermittelten Gesamtkosten von ca. 2,3 Mio. Euro erfolgte neben den Eigenmitteln mit 450.000 Euro und Grundstückserlösen des Spitalfonds Villingen mit 1,162 Mio. Euro vor allem mit erfreulich hohen Zuschüssen von Bund, Land und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz aus Mitteln der Glücksspirale. Diese Zuschüsse erhöhten sich gegenüber dem ursprünglichen Finanzierungsplan von 350.000 Euro auf 660.000 Euro.

Dies ist ein Zeichen der Wertschätzung sowie der hohen Bedeutung und Wichtigkeit des Abt-Gaisser-Hauses als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung.

Es ist erfreulich, dass die ermittelten Kosten auf jeden Fall eingehalten werden.

Der Spitalfonds Villingen wird zur Eröffnung einen Bildband herausbringen, in dem fotografisch und mit Erläuterungen des Architekten die einzel- nen Abschnitte vom Sanierungsbeginn bis zur Fertigstellung dokumentiert wird.

Die gesamte Stadt und auch die Mitglieder des Geschichts- und Heimatvereins Villingen können sich freuen, dass nach Abschluss der Sanierung des Abt-Gaisser-Hauses dieses Schmuckstück wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung steht.