Mit Elisabeth Neugart durchs Städtle

Wenn sich die Mitglieder des Geschichts- und Heimatvereins alljährlich im Dezember zum besinnlichen Abend im Advent treffen, bei dem in familiärer Runde das alte Jahr verabschiedet wird und sich die Mitglieder schon etwas festlich auf die kommenden Feiertage einstimmen, dann darf eines nicht fehlen: Das Mundartgedicht von Elisabeth Neugart. Die „vereinseigene“ Dichterin hat immer ein poetisches Bonbon parat, das jeder gern und dankbar mit nach Hause nimmt. Claudia Wildi versteht es ausgezeichnet, die Neugart-Verse in echtem Villingerisch lebendig werden zu lassen. Im vergangenen Jahr nahmen

die beiden Frauen die Adventsgesellschaft mit auf einen Winterspaziergang durchs Städtle. Vorbei an den Brunnen führte der Weg. Bei den Figuren gab’s immer eine kurze Zwiesprache mit den Maidle und Mannen, die bei der Kälte auf ihrem Podest hocken müssen. Aber die mussten bleiben, während die Spaziergänger sich nachher in der warmen Stube wieder aufwärmen konnten. Aber schön war’s doch. Darum: Machen wir uns auf und wandern wir mit der Tochter von Hermann Alexander Neugart, der, im wahrsten Sinne des Wortes, ein gutes Stück Stadtgeschichte geschrieben hat, durch Villingen und freuen uns an ihren Versen.

Brunnespaziergang im Winter

Häsch Freud am Gang durch d’Stadt im Summer,

bringts Dir im Winter au kon Kummer.

Manchs isch im Schnee eweng verwandlet,

weg sellem aber nit verschandlet.

 

Guck dert de Berthold, schwerbewehrt;

Ihn hät de Schnee bis jetzt nit gstört.

Der liitem uf em Helm, am Arm,

und giitem wellwäeg auno warm.

 

Im Riet bim Turm, wo Krakes schreie,

duets de Romaias fascht iischneie.

Jetzt hät sin Huet en wiiße Pfiff,

doch d’Pike hät er fescht im Griff.

 

I de Obere Stroß de Narro stoht;

er woeß, dass es degege goht.

Un duet de Schnee au noso garre,

so hond sies gäern, di räechte Narre.

 

Und d’Trachtemaidli hond, guck naa,

jetzt älli wiißi Käppli aa

und ziihnets nab bis über d’Ohre;

die Drei sind scheints eweng verfrohre.

 

Bim Rietdoor guckt de Handwerksmaa,

ob de Schnee sim Rad nit schade kaa.

Maa au de Winter noso grolle,

er däts nomool ge Rottwil rolle.

 

Am Münschterbrunne, nit zum Schmuse,

liit sacht en Schnee uf manchem Buse

und macht debii nitmol Geräuscher.

Jetzt wirkt der Brunne zmols vill keuscher.

 

De Pfarrer Kneipp bim Kloschter danne

moscht di ganz Menschheit schtreng ermanne:

Wa schlotteret Ihr denn wie en Hund?

en kalte Umschlag isch doch gsund!

 

Nu d’Maria am Biggedoor

schtellt sich de Winter gmüetlich vor.

Friirt es au dusse Schtei und Bei,

si hät e Huus fer sich ellai.

 

Häsch Du die Brünne gnueg schtudiert,

kinnts sii, dass Dich a d’Ohre friiert.

Doch Du bisch jo us Fleisch und Bluet

und woesch, wamer degege duet.

Kaasch hintern warme Ofe gau,

muesch uf kon Brunneschtock nuffschtau!