Die Zähringer und Villingen (Michael Buhlmann)

Am Wochenende vom 25. bis 27. Juni 2010 feierte man in Villingen ein großes Stadtfest, das u.a. als Zähringerfest die Repräsentanten von zwölf sog. Zähringerstädten versammelte und in der symbolischen Übergabe des Wappens mit dem Zähringeradler einen seiner zahlreichen Höhepunkte hatte. Villingen war vom 10. Jahrhundert an mit den Zähringern verbunden, seine Stadtwerdung war um die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert abgeschlossen, so dass dem Ort zu Recht das (wie auch immer zu interpretierende) Attribut einer „Zähringerstadt“ zuerkannt werden kann.

Das hochmittelalterliche Fürstenhaus der Zähringer, vielleicht in Verbindung stehend mit der alemannischen Familie der Bertholde bzw. Alaholfinger, tritt mit der Marktrechtsurkunde Kaiser Ottos III. (984-1002) für Villingen erstmals konkret in Erscheinung (999). Mit Grafschaftsrechten ausgestattet, sich benennend nach der Burg Zähringen bei Freiburg im Breisgau, gelang es Berthold II. (1078-1111) die Herzogswürde in Schwaben zu erlangen (1092, 1098). Im Mit- und Gegeneinander zu den staufischen Königen entstand im südwestlichen Schwaben und nordöstlichen Burgund ein fürstliches Territorium, das auch neu gegründete „Zähringerstädte“ mit einschloss. Nach dem Tod Herzog Bertholds V. (1186-1218), des Letzten der zähringischen Herzöge, teilten sich Staufer, die Grafen von Urach und Kiburg sowie die Herzöge von Teck das Zähringererbe.

Im Folgenden wird die Geschichte der Zähringer erzählt, geordnet nach den Zähringerherzögen Berthold I. (1024-1078), Berthold II., Berthold III. (1111-1122), Konrad (1122-1152), Berthold IV. (1152-1186) und Berthold V. Wir beginnen mit Bezelin von Villingen (991/96-1024) und der Villinger Markturkunde von 999, um am Ende auf die „Zähringerstädte“ und den Ort Villingen zurückzukommen.

I. Bezelin von Villingen

Das hochmittelalterliche Herzogsgeschlecht der Zähringer wird gerne mit den Alaholfingern oder Bertholden, einer mächtigen Adelsfamilie im Alemannien der ausgehenden Merowinger- und der Karolingerzeit (8./9. Jahrhundert) in Verbindung gebracht, ohne dass allerdings die historische Forschung bisher endgültige Beweise dafür beibringen konnte. Historischen Grund betreten wir mit dem zähringischen Vorfahren Bezelin (Berthold) von Villingen (991/96-1024) am Ende des 10. Jahrhunderts. In das Umfeld der erfolgreichen politischen Unternehmungen des Thurgaugrafen Bezelin auf der Ebene des sich ausbildenden deutschen Reiches ist die Kaiserurkunde zu stellen, die Berthold auf Grund seiner Königsnähe und seiner Verdienste für den deutschen Herrscher Otto III., aber auch wegen der schwäbischen Interessen des Kaisers am 29. März 999 erhielt. Mit Markt, Münze und Zoll erlangte der „Zähringer“ auch die weitgehende Verfügungsgewalt über den merkatum genannten Handelsplatz in Villingen. Münzen des 11. Jahrhunderts, Fernhandelsdenare vor allem aus dem Ostseeraum mit der Aufschrift „PERCTOLT“, die wir sehr wahrscheinlich mit der Villinger Münze in Verbindung bringen können, zeigen den wirtschaftlichen Aufstieg Villingens und den politischen der Zähringer in dieser Zeit an. Dazu passend findet sich zum Jahr 1153 als Eintrag im Briefbuch des Abtes und staufischen Gefolgsmannes Wibald von Stablo-Malmedy (1130-1158) die Tabula consanguinitatis, eine kombinierte Staufer- und Zähringergenealogie, in der an prominenter Stelle ein Bezelinus de Vilingen, eben Bezelin von Villingen, als Verwandter der Staufer und Ahnherr der Zähringer steht.

II. Berthold I.

Auch Berthold I. (1024-1078), der Sohn Bezelins von Villingen, besaß die für den weiterenAufstieg seiner Familie so wichtige Königsnähe. ImAuftrag der salischen Kaiser Konrad II. (1024-1039) und Heinrich III. (1039-1056) war Berthold in italienischen Reichsangelegenheiten engagiert. Der Zähringer war Graf im Alpgau (südöstlicher Schwarzwald) und im Thurgau (südlich des Bodensees). Nach dem Tod Herzog Ottos III. von Schweinfurt (1048-1057) forderte Berthold das schwäbische Herzogtum für sich, ging aber leer aus und erhielt nach dem Ableben Herzog Konrads III. von Kärnten (1056-1058) dessen Herzogtum (1061). Wie seine Vorgänger entfaltete Berthold I. in Kärnten gegen die mächtige Adelsfamilie der Eppensteiner aber kaum Wirkung. Er machte seinen Sohn Hermann (I. „von Baden“) zum Markgrafen von Verona und war 1066 im Gebiet von Vicenza in der Markgrafschaft Verona zu finden, übrigens der einzige konkrete Hinweis auf politische Aktivitäten des Zähringers im Südosten des deutschen Reiches. Mit der Ernennung Bertholds I. zum Herzog war immerhin eine Rangerhöhung verbunden, die dazu führte, dass Berthold als Graf in Schwaben aus der dortigen Adelshierarchie herausfiel, wahrscheinlich auch seine schwäbischen Amtsgrafschaften aufgab. Bertholds Sohn Hermann übernahm die für die Zähringer so wichtige Grafschaft im Breisgau. Von Markgraf Hermann I. (1052-1074) sollten dann die badischen Markgrafen abstammen, die badische Adelsfamilie hat den (Veroneser) Markgrafentitel beibehalten.

Im Investiturstreit (1075-1122) stand Berthold auf der Seite der anderen süddeutschen Fürsten gegen den salischen König Heinrich IV. (1056-1106). Der Zähringer beteiligte sich an der Wahl und Krönung des schwäbischen Herzogs Rudolf von Rheinfelden (1057-1077) zum (Gegen-) König (1077-1080) und wurde dafür auf dem Hoftag Heinrichs IV. zu Ulm Anfang Juni 1077 zum Tode verurteilt und seiner Lehen und Ämter für verlustig erklärt. Es kam zu schweren kriegerischen Auseinandersetzungen; Anfang November 1078 verwüstete Heinrich IV. u.a. die zähringischen Besitzungen in Schwaben, so dass Berthold auf Grund der massiven Zerstörungen dem Wahnsinn verfallen sein soll. Berthold starb am 5. oder 6. November 1078 auf seiner Burg Limburg (bei Weilheim a. d. Teck) und wurde im Schwarzwaldkloster Hirsau begraben.

III. Berthold II.

Berthold II., der Sohn Bertholds I., um 1050 geboren, rückte nach dem Tod seines Vaters in dessen Stellung ein. Als Markgraf von Verona beanspruchte er das Herzogtum Kärnten, als Gegner des Salierkönigs und als Repräsentant einer mächtigen Adelsfamilie in Schwaben gehörte er dem verwandtschaftlichen und politischen Netzwerk des sich damals im deutschen Südwesten formierenden Reformadels an, d.h. er war eng mit der gregorianischen Kirchenreform verbunden. Verwandtschaftliche Beziehungen wurden dabei durch Heiraten geknüpft. Nicht von ungefähr ehelichte Berthold II. im Frühjahr 1079 Agnes, die Tochter des (Gegen-) Königs Rudolf von Rheinfelden. Der Zähringer war ein wichtiger politischer Anhänger Rudolfs, er beteiligte sich an den kriegerischen Auseinandersetzungen gegen Gefolgsleute des Salierkönigs, etwa gegen die Abtei St. Gallen und das Bistum Konstanz (1079, 1084), und nahm wohl auch an der Erhebung Bertholds von Rheinfelden, des Sohnes König Rudolfs, zum schwäbischen (Gegen-) Herzog (1079-1090) teil. Damit reagierte die Partei des Reformadels auf die Vergabe des schwäbischen Herzogtums durch König Heinrich IV. an den Staufer Friedrich I. (1079-1105).

Nach dem Tod des (Gegen-) Herzogs Berthold von Rheinfelden (1090) beerbten die Zähringer die Rheinfeldener und erhielten zuvorderst die Besitzungen in und um Rheinfelden und einen umfangreichen Güterkomplex im burgundischen Königreich um Burgdorf (im Emmental). Der Zähringer Berthold II. wurde zudem (Gegen-) Herzog von Schwaben (vermutlich Mai 1092), nachdem vielleicht Pläne, ihn zum Gegenkönig zu machen, gescheitert waren (1091). Vererbt wurden schließlich auch die engen Beziehungen der Rheinfeldener zum Kloster St. Blasien im Südschwarzwald, so dass die Zähringer dort in der Folgezeit die wichtige Stellung von Klostervögten innehatten. Zähringische Klostervogteien gab es noch über die Schwarzwaldklöster Schuttern, Gengenbach und St. Georgen.

Auch in den 1090er-Jahren lief durch Schwaben der politische Riss zwischen den Anhängern Kaiser Heinrichs IV. und denen der kirchlichen Reformpartei. Berthold II. bezeichnete der Geschichtsschreiber Bernold von Konstanz († 1100) als miles sancti Petri („Krieger des heiligen Petrus“ (in Rom)) und hob damit ab auf die auch ausgleichende Rolle des Zähringers in Schwaben beim Aufbau einer neuen Ordnung und eines Landfriedens (1093). Dazu passt, dass sich Berthold – neben seinem jüngeren Bruder Bischof Gebhard III. von Konstanz (1084-1110) – in Sachen der Klosterreform engagierte. Die Gründung des Reformklosters St. Peter im Schwarzwald, das Hauskloster und Grablege der Zähringer wurde, gehört hierher (1091/93), ebenso die engen Beziehungen zu den Mönchsgemeinschaften in Allerheiligen, Hirsau oder Alpirsbach.

Parallel dazu konnte der 1084 nur unter Schwierigkeiten zum Konstanzer Bischof gewählte Gebhard III. – auch durch Unterstützung des Gegenkönigs Hermann von Salm (1081-1088) sowie durch regelmäßig stattfindende Diözesansynoden (so 1084, 1094, 1095) – seine bischöfliche Stellung in Schwaben und im Konstanzer Bistum festigen. Auf einer Synode vom Oktober 1105 konnte gar ein Gottesfrieden für Schwaben verkündet werden. Aktiv war Bischof Gebhard ebenfalls im Bereich von Klosterreform und Klostergründung. Die engen Beziehungen zum Kloster Hirsau und dessen Abt Wilhelm (1069-1091) sowie die Tatsache, dass der Zähringer auch Benediktinermönch war, begünstigten die gregorianische Kirchenreformbewegung, wie sie sich in der Gründung der benediktinischen Reformklöster und -priorate St. Georgen im Schwarzwald (1084), (Kloster-) Reichenbach (1085), Alpirsbach (1095) und Berau (n. 1108) offenbarte. Die bischöflichen Aktivitäten Gebhards geschahen dabei immer vor dem Hintergrund des durch die Kämpfe des Investiturstreits erschütterten Schwaben. So war Gebhard 1089 päpstlicher Legat geworden und konnte zusammen mit den Konstanzer Bürgern 1092 den Versuch des St. Galler Mönches Arnold vereiteln, sich als vom Kaiser eingesetzter (Gegen-) Bischof in Konstanz festzusetzen. Der gleich anzusprechende Frieden von 1098 veränderte indes die politischen Rahmenbedingungen der Bischofs- und Legatentätigkeit Gebhards, der seinen Bischofssitz Konstanz zwischen 1102 und 1105 sogar verlassen musste.

Mit dem Aufenthalt Kaiser Heinrichs IV. in Straßburg Ende 1097 begannen die abschließenden Verhandlungen um einen Frieden zwischen der kaiserlichen Partei und der des Reformadels. Wesentliches Element dieser pax war der zähringisch-staufische Ausgleich von wohl 1098. Danach verzichtete Berthold II. auf das schwäbische Herzogtum, nicht jedoch auf den Titel eines Herzogs. Die Zähringer wurden damit zu „Herzögen ohne Herzogtum“, was ihnen z.B. von dem hochmittelalterlich-staufischen Geschichtsschreiber und Bischof Otto von Freising († 1158) den Vorwurf eines „leeren Titels“ (vacuum nomen) eintrug. Immerhin gelangte Berthold II. in den Besitz des schwäbischen Vororts Zürich, und auch der Übergang der namengebenden Burg Zähringen mit dem umliegenden Reichsgut an Berthold könnte damals stattgefunden haben bzw. anerkannt worden sein. Durch diese Reichslehen waren Bindungen an Königtum und Reich gegeben, die den Herzogstitel der Zähringer zweifelsohne aufwerteten. Nicht von ungefähr sollten sich im Verlauf des 12. Jahrhunderts die Zähringer eben nach der Burg Zähringen benennen (dux Zaringie u.ä.). Mit der pax von 1098 war indes die im Investiturstreit aufgekommene politische Zweiteilung der provincia Schwaben nicht aufgehoben. Neben dem staufischschwäbischen Herzogtum bildete sich innerhalb von Schwaben (und Burgund) ein Herzogtum der Zähringer aus, das mit dem regnum Suevie der Staufer konkurrierte. Damit setzte sich der politische Gegensatz zwischen Staufern und Zähringern aus der Anfangszeit des Investiturstreits nahtlos fort. Dieser Gegensatz, der zeitweise ein politisches Neben- und Miteinander nicht ausschloss, sollte bis zum Aussterben der Zähringer (1218) anhalten. Zweifellos waren die Zähringer politisch insofern im Nachteil, da sie die Anerkennung ihres Herzogstitels durch die Könige benötigten. Sie gerieten damit auch in Abhängigkeit von den Staufern, als diese ab 1138 die deutschen Herrscher stellten.

IV. Berthold III.

Als Berthold II. am 12. April 1111 starb und im zähringischen Hauskloster St. Peter begraben wurde, folgte ihm sein ältester Sohn Berthold III. (1111-1122) nach. Wie zuletzt sein Vater ist Berthold III. im Gefolge des salischen Königs Heinrich V. (1106-1125) nachweisbar und war an den Verhandlungen zwischen König und Papst um Bischofsinvestitur und Kaiserkrönung Anfang Februar 1111 in Sutri beteiligt. Beim niederrheinischen Aufstand gegen Heinrich V. geriet er nach der verlorenen Schlacht bei Andernach (Ende Oktober/Anfang November 1114) in Gefangenschaft Graf Dietrichs I. von Ahr, war aber 1115 schon wieder frei. Beim Abschluss des Wormser Konkordats (23. September 1122), das die Investitur von Bischöfen und Reichsäbten im deutschen Reich regelte, befand sich Berthold III. unter den Fürsten, die dem Vertrag Zustimmung erteilten.

Auf der machtpoltischen Bühne Schwabens standen Adelsfehden an, u.a. wegen der Grenzstreitigkeiten zwischen dem Zähringerkloster St. Peter und dem Augustinerchorherrenstift St. Märgen, einer „Gegengründung“ der im mittleren Neckarraum und im Breisgau begüterten Grafen von Haigerloch-Wiesneck. Im Winter 1122/23 unterstützte Berthold III. seinen Verwandten, den Grafen Hugo VIII. von Dagsburg, in einer Fehde gegen Aufrührer. Bei einem Angriff auf das unterelsässische Molsheim wurden Herzog und Graf gefangen genommen, der Herzog mit Billigung des Straßburger Bischofs Kuno (1100-1123) umgebracht (3. Dezember 1122).

V. Konrad

Nach der Ermordung seines kinderlosen Bruders Berthold III. übernahm Konrad, geboren um 1100, das zähringische Herzogtum (1122-1152). Konrad hatte 1120 das Kloster Allerheiligen und den Markt Schaffhausen überfallen, 1121/22 konnte er Manegold von Mammern als (Gegen-) Abt (1121-1133) in der St. Galler Mönchsgemeinschaft einsetzen. Während des magnus conventus, der „großen Zusammenkunft“ im November des Jahres 1123 in Konstanz anlässlich der feierlichen Erhebung der Gebeine des heilig gesprochenen Bischofs Konrad I. von Konstanz (934-975) war Konrad als St. Georgener Klostervogt an einem Gütertausch zwischen dem Schwarzwaldkloster und der Abtei Reichenau beteiligt. Die „große Zusammenkunft“ in Konstanz war wohl der letzte der „gesamtschwäbischen“ Fürstentage. Der Wandel in der Verfassung Schwabens schritt im 12. Jahrhundert weiter voran, die Einheit der schwäbischen provincia, deren Anfänge wir im karolingischen Gesamtreich und im Ostfrankenreich des 9. Jahrhunderts erkennen können, ging nun vollends verloren. Der Stauferherzog Friedrich II. (1105- 1147) repräsentierte das „alte“ schwäbische Herzogtum nördlich der Donau (einschließlich fränkischer Gebiete und des Elsass), der Zähringer Konrad die terra ducis („Land des Herzogs“) an Ober- und Hochrhein.

Unter Herzog Konrad blieb die politische Nähe zum deutschen Königtum auch und gerade unter Lothar von Supplinburg (1125-1137) erhalten. Für den König war es politisch nur folgerichtig, dass er im deutschen Südwesten die antistaufischen Kräfte stärkte, allen voran also die Zähringer. In diesem Zusammenhang ist die 1127 erfolgte Ernennung des Zähringerherzogs Konrad zum Rektor von Burgund zu sehen. Der König wies dem Zähringer die Aufgabe zu, in (Gesamt-) Burgund in Stellvertretung des deutschen Herrschers die Reichsrechte wahrzunehmen. Damit war die fürstliche Stellung der Zähringer, die bisher – wie gesehen – nur auf dem Titel eines Herzogs beruhte, erstmals reichsrechtlich abgesichert, gehörte Konrad doch nun (endgültig) zum consortium principum, zur „Gemeinschaft der Fürsten“. Das burgundische Amt des Rektors verband sich in der Folge mit dem Herzogstitel, so dass nun Nennungen wie dux Burgundiae („Herzog von Burgund“) oder dux et rector Burgundiae („Herzog und Rektor von Burgund“) neben den Titeln dux de Zaringen („Herzog von Zähringen“) oder dux Zaringiae („Herzog Zähringens“) möglich wurden. Konrad konnte die zähringische Machtstellung in Burgund sichern durch einen Sieg über den Grafen Amadeus von Genf († v.1152) beim Kloster Peterlingen (1132).

Mit dem Erwerb des deutschen Königtums durch den Staufer Konrad III. (1138-1152) sollte die politische Konkurrenz zwischen Zähringern und Staufern (im deutschen Südwesten und in Burgund) eine neue Qualität erlangen. So war die zähringische Herrschaft über den Vorort Zürich Ziel eines Überfalls des staufischen Herzogssohnes und nachmaligen Königs Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) auf den Ort. Im Jahr 1146 drang Friedrich – wahrscheinlich zur Sicherung des schwäbisch-staufischen Herzogtums – nach Zürich vor, das er einnehmen konnte; es folgte daraufhin wohl die Eroberung von Rheinfelden und der dortigen Zähringerburg.

Das Beispiel des Zähringerherzogs Konrad liefert noch einen guten Einblick in die hochadligen Familienverhältnisse der Fürstenfamilie. Konrad war der Sohn Herzog Bertholds II. und der Agnes von Rheinfelden. Konrads Geschwister waren der älteste, aber früh verstorbene Sohn Bertholds II., ebenfalls Berthold genannt, dann die Brüder Herzog Berthold III. und Rudolf, der jung im Jahr 1111 starb. Dazu kamen die Schwestern Agnes, Petrissa, Luitgard und Judith/Judinta. Agnes war verheiratet mit dem Grafen Wilhelm III. dem Deutschen von Hochburgund († 1110) und Mutter des Grafen Wilhelm IV. des Kindes (ermordet im Kloster Peterlingen, 1127), Petrissa war Ehefrau des Grafen Friedrich I. von Mömpelgard- Pfirt († 1160), Luitgard Gattin des Grafen und rheinischen Pfalzgrafen Gottfried von Calw († 1131/33) und Mutter u.a. der Uta von Schauenburg († 1196/99), der Ehefrau Herzog Welfs VI. († 1191) und Gründerin des Prämonstratenserklosters Allerheiligen im Schwarzwald. Judith schließlich, vielleicht die jüngste Tochter Bertholds II., heiratete den Grafen Ulrich II. von Gammertingen-Achalm († v. 1150); Kinder aus dieser Ehe waren Graf Ulrich III. († ca. 1166), der St. Galler Klostervogt, Graf Konrad I. († v. 1150) sowie Adelheid und Bertha. Herzog Konrad war standesgemäß (und seit etwa 1125) verheiratet mit der Gräfin Clementia von Namur und besaß ebenfalls eine Anzahl von Kindern. Nach dem Vater hatte man den wohl ältesten Sohn Konrad genannt, der aber spätestens 1140 tot war. Der ZweitältesteBerthold (IV.) wurde der Nachfolger seines Vaters im Herzogtum, der Bruder Rudolf Bischof von Lüttich (1167-1191). Ein Sohn Konrads mit Namen Adalbert (I.) begründete die zähringische Seitenlinie der Herzöge von Teck, ein weiterer Sohn war Hugo († 1203), der Herzog von Ulmenburg (Ulmburg), der aber keine Nachkommen hatte. Schließlich ist noch mit Clementia eine Tochter Herzog Konrads zu nennen, die zeitweise mit dem sächsischen und bayerischen Herzog Heinrich dem Löwen (1142/56-1180) verheiratet war.

VI. Berthold IV.

Berthold IV. (1152-1186) folgte Herzog Konrad nach, als dieser am 8. Januar 1152 starb. Noch im selben Jahr kam es zwischen Berthold und dem neuen staufischen König Friedrich I. Barbarossa zu einer Übereinkunft hinsichtlich des burgundischen Rektorats des Zähringers (wahrscheinlich Anfang Mai 1152). Danach sollte Berthold für einen geplanten Burgundzug des Königs 1000 gepanzerte Reiter, für einen Italienzug 500 Ritter stellen. Der Vertrag kann als Ausgangspunkt für das Auf und Ab in den Beziehungen zwischen Herzog und König in den folgenden Jahrzehnten dienen. So konnte sich Berthold IV. bei burgundischen Erbangelegenheiten gegenüber dem König und Kaiser nicht durchsetzen, denn Friedrich Barbarossa war es, der durch seine Heirat mit Beatrix von Burgund († 1189) in den Besitz des umstrittenen Erbes gelangte (1156), während Berthold IV. zu einem Vergleich mit Friedrich gezwungen war. Der Vergleich beinhaltete den Verzicht des Zähringers auf das Erbe der Beatrix und auf das Rektorat im westlichen und südlichen Teil Burgunds. Im Gegenzug erhielt Berthold IV. das Recht der Regalieninvestitur in den drei Bistümern Genf, Lausanne und Sitten. Die Zähringer waren damit auf den nordöstlichen Teil Burgunds beschränkt. Hier entfalteten sie allerdings einiges an Aktivitäten, einmal in ihrer Eigenschaft als Rektoren, zum anderen beim herrschaftlichen Ausbau. Als Rektor war Berthold IV. an der Errichtung eines Landfriedens im Bistum Lausanne beteiligt (1165), unterstellte das Zisterzienserkloster Hautcrêt seinem Schutz (1165) und stimmte der Schenkung von Reichsgut an das Augustinerchorherrenstift Interlaken durch den Kaiser zu (1183). Dabei konnten die Zähringer sowohl die geistliche Gemeinschaft in Interlaken als auch das Kloster Rüeggisberg, ein cluniazensisches Priorat, fester an sich binden und Kontakte der Kommunitäten zum Königtum zeitweise unterbinden. Gerade auf der Grundlage der (ehemals rheinfeldischen) Hausgüter gelang zudem Berthold IV. eine Intensivierung seiner Herrschaft im nordöstlichen Burgund, wie die Gründung der Stadt Freiburg im Üchtland (wohl 1157) zeigt. Dagegen verlor der Zähringer 1162 in einem Hofgerichtsurteil sein Recht auf Regalieninvestitur im Bistum Genf und sah sich in den 1170er-Jahren dem Ausbau staufischer Macht entlang der Italienroute des St. Bernhardpasses gegenüber.

Zähringische Positionen in Lothringen verteidigte Bischof Rudolf von Lüttich (1167-1191), der um 1130/35 geborene jüngere Bruder Herzog Bertholds IV. Er hatte seine geistliche Ausbildung u.a. in Mainz erhalten, wo er 1160 – nach dem Tod Erzbischof Arnolds (1153-1160) – erfolglos den erzbischöflichen Stuhl zu erlangen trachtete. Rudolf war dabei am Widerstand Kaiser Friedrichs I. gescheitert, der wiederum im Umfeld des kaiserlichen Romzuges (1166/67) sich den Zähringern politisch annäherte. Rudolf wurde so 1167 Lütticher Bischof, in den 1170er-Jahren begünstigte der Kaiser das zähringische Vordringen im Raum zwischen Maas und Mosel. Nach dem Sturz des Welfenherzogs Heinrich des Löwen im Jahr 1180 brauchte Friedrich Barbarossa allerdings weniger Rücksicht auf die Zähringer zu nehmen, und so gewann Graf Balduin V. von Hennegau (1171-1195) zunehmend politisch an Bedeutung. Die Anlehnung der Zähringer und Bischof Rudolfs an den Kaiser blieb trotz der staufischen Politik auch in den 1180er-Jahren fast alternativlos. So war Rudolf auf dem Mainzer Hoffest anwesend (1184), und beim Aufstand des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg (1167-1191) gegen den Kaiser verhielt er sich weitgehend neutral (1184-1188). Zu finden war Rudolf auch auf dem von Friedrich Barbarossa initiierten 3. Kreuzzug (1189/92), 1191 kehrte er davon zurück und starb bald darauf(5. August 1191).

VII. Berthold V.

Berthold V. (1186-1218), der „letzte Zähringer“, geboren um 1160, übernahm beim Tod seines Vaters Berthold IV. am 8. September 1186 die zähringische Herzogsherrschaft. Wirksam war Berthold V. besonders im burgundischen Raum. Der Zähringer war 1184 mit der Gräfin Ida von Boulogne verlobt worden, doch wurde die Verlobung alsbald wieder rückgängig gemacht. Erst spät heiratete Berthold die Gräfin Clementia von Hochburgund. Vielleicht stammte aus dieser Verbindung Bertholds Sohn, der ebenfalls Berthold hieß, aber noch vor dem Vater starb. Berthold V. rückte als dux Zaringie, wie er sich offiziell nannte, die zähringische (Territorial-)Herrschaft in den Mittelpunkt seiner Politik. Dies betraf besonders die Inanspruchnahme der überkommenen Herrschaftsrechte seiner Vorfahren hinsichtlich der Allodialgüter, der Reichs- und Kirchenlehen sowie der Klostervogteien. Es sollte nach dem Willen Bertholds der ducatus Zeringie, das „Herzogtum Zähringen“, entstehen.

Im Königreich Burgund, im burgundischen Rektorat der Zähringer war Berthold insofern erfolgreich, als es ihm 1190/91 gelang, einen burgundischen Aufstand gegen seine Herrschaft und seine Herrschaftsbestrebungen niederzuschlagen. Der Sieg Bertholds im Grindelwald am 12. April 1191 entschied jedenfalls zu Gunsten des Zähringers. Die Gründung der „Zähringerstadt“ Bern (1191) gehört in diesem Zusammenhang, vielleicht auch die (angeblich freiwillige) Überlassung Thuns an den Herzog durch die Herren von Thun. Der Sieg im Grindelwald wurde zudem in Burgdorf, der burgundischen Residenz Bertholds, durch eine Inschrift verewigt. Noch einmal kam es zu Kriegshandlungen in Burgund, als Herzog Berthold V. in Hochburgund und im Wallis Graf Thomas I. von Savoyen (1188-1232) bekämpfte, allerdings gegen die Walliser eine schwere Niederlage hinnehmen musste (v.1211). Auch steht die (erzwungene) Resignation des Lausanner Bischofs Roger I. (1177-1212) im Jahr 1212 im Zusammenhang mit dem stärker werdenden Einfluss der Zähringer auf das Bistum, hinsichtlich dessen die Rektoren ja die Regalieninvestitur ausübten. Zähringische Kirchenherrschaft offenbarte sich auch gegenüber dem 1131 gegründeten Zisterzienserkloster Frienisberg und dem Ursusstift in Soluthurn.

Berthold V. hatte ein durchaus distanziertes Verhältnis zu den staufischen Herrschern und zum deutschen Königtum. In Angelegenheiten des deutschen Reiches trat er kaum in Erscheinung. So hat er nicht am 3. Kreuzzug Kaiser Friedrich Barbarossas (1189/92) und an der Kaiserkrönung Heinrichs VI. (1190-1197) im Jahr 1191 teilgenommen, war aber auch kein dezidierter Parteigänger der Welfen und der gegen die Staufer gerichteten welfisch-niederrheinischen Opposition, der er gleichwohl angehörte. Nach dem überraschenden Tod Kaiser Heinrichs VI. (1197) suchten die Staufergegner nach einem geeigneten Kandidaten gegen den staufischen Thronbewerber und Herzog Philipp von Schwaben (1196/98-1208) und fanden ihn in Berthold V. Dieser wurde zunächst mit finanziellen Forderungen der Erzbischöfe von Köln und Trier konfrontiert, wurde in Köln zur Kandidatur überredet und musste seine zwei Neffen Konrad von Urach, Domherr in Lüttich, und Berthold von Urach, später Abt von Tennenbach, als Geiseln stellen. In Andernach sollte dann Berthold V. zum deutschen (Gegen-) König erhoben werden. Doch der Zähringer kam nicht, er hatte wohl kaum Hoffnung, einmütig von den Staufergegnern gewählt zu werden oder sich im Falle der Wahl als König durchzusetzen. Stattdessen verzichtete Berthold auf die Thronkandidatur, indem er sich mit dem inzwischen zum König gewählten Staufer Philipp verband (März 1198). Dies geschah gegen Überlassung von Schaffhausener Reichsgut und Klostervogtei sowie der Festung Breisach.

Für den „letzten Zähringer“ bzw. die Zähringer überhaupt ist noch deren literarisches Mäzenatentum im Rahmen der höfischen Kultur des Hochmittelalters überliefert. Ein Berthold von Herbolzheim soll einem „edelen Zäringaere“ einen (nicht auf uns gekommenen) „Alexanderroman“ gedichtet haben. Auftraggeberin einer (nur fragmentarisch erhaltenen) Margarethenlegende war Clementia von Hochburgund, die Ehefrau Herzog Bertholds V. Schließlich wird der bedeutende deutschsprachige Dichter und Ministeriale Hartmann von Aue (v.1180-n.1220; Au bei Freiburg im Breisgau?) mit den Zähringern in Verbindung gebracht. Jedoch nennt der Autor der Legende vom „Armen Heinrich“ und der Artusromane „Erec“ und „Iwein“ an keiner Stelle seine Mäzene, und seine genauere schwäbische Herkunft kann nur erschlossen werden, so dass Zusammenhänge zwischen Hartmann und den Zähringern doch mehr als fraglich erscheinen.

VIII. „Staat der Zähringer“

Den Herrschaftsbereich der Zähringer über das Schlagwort hinaus als „Staat“ zu bezeichnen ist sicher nicht angemessen, würde doch der herkömmliche, neuzeitliche Staatsbegriff diesem hochmittelalterlichen Herrschaftsgebilde eine Qualität zubilligen, die dieses bei Weitem nicht besaß. Die Zähringer übten ihre Herrschaft weitgehend personal aus; Lehnswesen und Vasallität bestimmten das „staatliche“ Gefüge der mittelalterlich-europäischen Reiche und Herrschaften. Schwerpunkte zähringischer Herrschaft waren zunächst der mittlere Neckarraum (Weilheim, Limburg, Teck), dann der Breisgau (Zähringen, Freiburg und St. Peter), die Ortenau (Offenburg, Gengenbach, Schuttern) und der Oberrhein (Neuenburg, Breisach), das Gebiet an oberer Donau und oberem Neckar (Baar), weiter – und gerade auch im Rahmen des hochmittelalterlichen Landesausbaus – der Schwarzwald (St. Blasien, St. Georgen), das Rheinfeldener Erbe an Hochrhein und im nordöstlichen Burgund, das Züricher Herzogsgut, das burgundische Rektorat (Bistum Lausanne). Daneben übten Zähringer als Bischöfe zeitweise ihre geistliche Herrschaft über die Bistümer Konstanz und Lüttich aus, besaßen die Herzöge Kirchenlehen z. B. der Mainzer und Trierer Erzbischöfe. Zähringerbesitz und -rechte hatten dabei eine unterschiedliche Rechtsqualität – vom Hausgut (Allod) über Grafschafts- und Rektoratsrechte sowie Klostervogteien bis hin zu als Lehen ausgegebenem Kirchen- und Reichsgut.

Auf lokaler Ebene waren Dörfer und abgabepflichtige Bauern den Zähringerherzögen unterworfen. Grundherrschaft heißt ein den Grundherrn, d.h. hier den Herzog, versorgendes Wirtschaftssystem, das auf Großgrundbesitz, Frondiensten und Abgaben von und Rechten über abhängige Bauern beruht. Spätestens im Hochmittelalter werden innerhalb der Grundherrschaften Gruppen gehobener Höriger wie Zensuale (persönlich abhängige Zinsleute) und Ministeriale (Dienstleute mit Dienstlehen) sowie die Meier als Verwalter von Hofverbänden (Villikationen) erkennbar. Gerade die Ministerialität war eine Stütze der Zähringerherrschaft. Ministeriale stellten – neben den adligen Vasallen – als berittene Krieger (Ritter) das militärische Aufgebot der Herzöge bei Krieg und Fehde und waren in der Verwaltung unentbehrlich. Stützpunkte herzoglicher Herrschaft waren die Zähringerburgen als Burgen der Ministerialen und Vasallen sowie als Herzogsburgen.

Der bäuerlich-feudalen Welt des (hohen) Mittelalters stand die mittelalterliche Stadt gegenüber, die sich auszeichnete durch ihre Funktionen als Befestigung, Markt, Zentralort und Bürgergemeinde mit eigener Gerichtsbarkeit, Freizügigkeit und (relativer) politischer und wirtschaftlicher Autonomie. Die Zähringerherzöge förderten im Sinne eines Herrschaftsinstruments bewusst die Entstehung und Gründung von Städten innerhalb ihres Herrschaftsbereichs. Prägend für diese „Zähringerstädte“ war mitunter auch ein enger Zusammenhang zwischen Stadt und Zähringerburg.

IX. Zähringerstädte

Was blieb übrig vom „Staat der Zähringer“, als diese mit Herzog Berthold V. im Mannesstamm ausstarben? Die Wirkungen, die von der zähringischen Herzogsfamilie ausgingen, waren vielfältig, damals im 11., 12. und beginnenden 13. Jahrhundert (Zähringergeschichte) und danach (Zähringertradition). Rein biologisch betrachtet lebten die Zähringer – über die enge, agnatisch verstandene Dynastie der Herzöge hinaus – in bedeutenden Adelsfamilien des Mittelalters und der frühen Neuzeit fort. Zu nennen sind diesbezüglich die Markgrafen von Baden, die Herzöge von Teck, die Grafen von Urach und die von Freiburg und Fürstenberg. Auch lassen sich bestimmte Erinnerungsorte wie der Zähringer Burgberg oder das Hauskloster St. Peter im Schwarzwald mit der Zähringertradition in Verbindung bringen. Schließlich gilt es noch, dem Mythos von den „Zähringerstädten“ nachzugehen.

Eine Reihe von Städten besaß im hohen Mittelalter Beziehungen zu den zähringischen Herzögen, die die Städte gründeten oder diesen als Stadtherren vorstanden. Zu den zähringischen Gründungsstädten gehörten Bern, Freiburg im Breisgau, Freiburg im Üchtland und Villingen. Nach der Niederlage der Burgunder gegen Herzog Berthold V. stiftete dieser an der Aareschlaufe die Stadt Bern (1191), vielleicht auf der Grundlage eines burgus (Befestigung, Siedlung) als Vorgängersiedlung, vielleicht benannt nach (Ort und Mark) Verona, jedenfalls in enger Verbindung stehend mit der Zähringerburg Nydegg und gelegen an einer wichtigen West-Ost-Verbindung durch das Schweizer Mittelland. Die berühmteste der „Zähringerstädte“ ist das im Breisgau gelegene Freiburg. An ältere Siedlungen anknüpfend, entstand seit dem 11. Jahrhundert ein Gewerbe- und Handelsplatz mit einer Ministerialensiedlung (burgus), die civitas erhielt 1120 durch Konrad von Zähringen einen Markt (forum), Ausgangspunkt für die Stadtwerdung Freiburgs, dessen Stadtrecht sich im 12./13. Jahrhundert ausformte (Freiburger Stadtrodel, ca.1218). Das heutige Freiburger Münster wurde noch unter dem Zähringerherzog Berthold V. begonnen, nachdem dessen Großvater Konrad das Gotteshaus gegründet hatte; der „letzte Zähringer“ ließ sich auch im Münster beerdigen. Wie Freiburg im Breisgau besaß auch das Freiburg im schweizerischen Üchtland (Fribourg) den mit „frei“ verbundenen programmatischen Ortsnamen.

1157 soll Herzog Berthold IV. das üchtländische Freiburg gegründet haben. Die Stadt entstand wohl auch zu einem Teil auf Besitz des Klosters Peterlingen, die Freiburger Handfeste von 1249 gilt als Überarbeitung des zähringischen Stadtrechts.

Burgdorf ist ein Beispiel für die enge Verflechtung von Stadt und Burg. Der ursprünglich rheinfeldische Ort war ein Dorf, aus dem sich zur Zeit Herzog Bertholds V. eine Stadt entwickeln sollte, die im Schatten der damals ebenfalls entstandenen, bedeutenden Zähringerburg lag, einem Ensemble aus Vor- und Hauptburg, aus Türmen, Palas und Donjon. 1170/80 soll Herzog Berthold IV. auf Besitz des Klosters Tennenbach die Stadt Neuenburg am Rhein gegründet haben, doch könnte die diesbezügliche Notiz im Tennenbacher Güterbuch von 1317/41 auch eine Erfindung des Tennenbacher Abtes Johannes Zenlin (1336-1353) gewesen sein. Dann wäre auch die Vermutung, Neuenburg sei eine zähringische Stadt und habe als Sperre zwischen den staufischen Besitzungen am Oberrhein und im Elsass gedient, hinfällig. Der Ort erscheint jedenfalls nach 1218 als staufische Königsstadt. Ein städtisches Bräunlingen und dessen Ummauerung sollen in den Beginn des 13. Jahrhunderts und damit in die Zähringerzeit zurückreichen. Das zähringische Hauskloster St. Peter im Schwarzwald blieb in Mittelalter und früher Neuzeit eine mehr oder weniger bedeutsame Mönchsgemeinschaft, in der in der Barockzeit Zähringerbewusstsein und Zähringertradition aufkamen. Weilheim a.d. Teck mit der frühen Zähringerburg Limburg war auch Ort einer von Herzog Berthold I. gestifteten geistlichen Gemeinschaft, der Vorgängerkommunität des Klosters St. Peter.

Die Verschiedenartigkeit der Entstehung der „Zähringerstädte“ bzw. „Zähringerorte“ macht es nun wenig wahrscheinlich, dahinter eine einheitliche Planung zu erkennen, wie sie sich etwa topografisch in den angeblichen zähringischen Straßenkreuzen widerspiegeln soll. Auch wird man schon für die Zähringerzeit, also für die Zeit der Ausbildung und Gründung der Städte, nicht von einem Zusammenhalt zwischen den „Zähringerstädten“ ausgehen können. Zu ungleichartig war der „Staat der Zähringer“, und nach deren Aussterben (1218) gelangten die Zähringerorte an verschiedene Herrscher und Territorien. Mithin gründet die heutige Fiktion von den zwölf „Zähringerstädten“ Bräunlingen, Freiburg im Breisgau, Neuenburg, St. Peter im Schwarzwald, Villingen und Weilheim a.d. Teck (in Deutschland) sowie Bern, Burgdorf, Freiburg im Üchtland, Murten, Rheinfelden und Thun (in der Schweiz) lediglich auf der (zufällig gemeinsamen) Entstehung der Orte in hohem Mittelalter und „Zähringerstaat“. Der heutzutage propagierte Mythos von den „Zähringerstädten“ ist also Ausfluss einer alles in allem beschönigenden und pauschalisierenden Zähringertradition, die so mit den historisch überlieferten Bedingungen der Orte seit dem hohen Mittelalter nicht übereinstimmen kann.

X. Zähringerstadt Villingen

Die Zähringer haben zweifelsohne das frühe Villingen bestimmt. Villingen wird erstmals im Jahr 817 in einer St. Galler Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen (814-840) erwähnt. Im Jahr 999 verlieh Kaiser Otto III. dem Zähringergrafen Berthold das Marktrecht am Ort. Im endenden 11. und im 12. Jahrhundert setzen für Villingen und Umgebung Nachrichten ein über Gütertransaktionen an die und Landbesitz der Benediktinerklöster St. Georgen, St. Peter im Schwarzwald und Gengenbach. Die Herzöge von Zähringen verfügten über die Baargrafschaft und eine auf Großgrundbesitz basierende Ortsherrschaft in Villingen mit dem Markt- und Münzrecht dort. Die archäologischen Funde weisen dabei auf wesentliche Veränderungen hin, die besonders den Bereich westlich der Brigach, einen Siedlungskomplex gegenüber der Siedlung in der Villinger Altstadt, betrafen. Offensichtlich lag im Villinger Münsterviertel das Zentrum zähringischen Besitzes, hierhin, zum Hofgut war der Markt verlegt worden, hier gab es seit Beginn des 12. Jahrhunderts den ersten Bau der Münsterkirche, einer Filiale der Altstadtkirche, hier kreuzten sich die beiden Hauptstraßen, die im Norden und Westen an zwei Motten endeten. Dass die neue Siedlung wichtige Vorortfunktionen herrschaftlicher und wirtschaftlicher Art wahrnahm, ergibt sich aus ihrer Größe und der Besiedlungsdichte in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts. Von daher waren die Voraussetzungen günstig für die sich besonders unter Herzog Berthold V., dem fundator ville Vilingen („Gründer des Ortes Villingen“) und Stadtherrn, vollziehende Entwicklung zur Stadt, gerade auch vor dem Hintergrund eines zunehmenden territorialen Gegensatzes zwischen Zähringern und Staufern im Raum am oberen Neckar. An den Anfang des 13. Jahrhunderts setzen die Archäologen den Bau der Ringmauer und des Grabens, um dieselbe Zeit ist ein Neubau der Münsterkirche entstanden. Eine Reihe von Stein- und Fachwerkhäusern aus der Zeit um 1200 ist zudem in Villingen nachweisbar.

Das Ende der Zähringerherrschaft kam am 18. Februar 1218 mit dem Tod des letzten Zähringerherzogs Berthold V., der keine Nachkommen hinterließ. Auch für Villingen sollten sich die Herrschaftsverhältnisse ändern. Der „Staat der Zähringer“ war zerbrochen, der zähringische Herzogstitel erloschen, die unterschiedlichen Ansprüche der Erben beschäftigten die Politik im deutschen Südwesten noch über geraume Zeit.

Quellen und Literatur:

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