Einen alten Brauch mit Leben erfüllen (Dominik Schaaf)

Das Fronleichnamsfest in Villingen

Maria mit Kind. Blumenteppich vor dem Hochaltar auf dem Marktplatz an Fronleichnam 2010.

 

Einen schönen alten Brauch wieder mit Leben erfüllen. Dies war der Anspruch von Patrick Weigert und Dominik Schaaf, die nun zusammen mit einem großen Team schon zum zweiten Mal an dem Fronleichnamsbrauch mitwirkten.

Nachdem Patrick Weigert die Jahre zuvor schon durch Blumenspenden aus seinem eigenen Blumenladen in der Färberstraße den Fronleichnamsbrauch unterstützte, sah er mit Sorge, dass der Brauch von Blumenteppichen und das Schmücken der Straßen und Häuser zum Fronleichnamstag immer weniger Unterstützer findet.

Das Münster bot Herrn Weigert an, einen eigenen Blumenteppich zu gestalten und somit den Brauch noch aktiver zu unterstützen. Patrick Weigert nahm spontan an und fand in Dominik Schaaf einen Mitstreiter der in früheren Jahren bereits Erfahrungen mit dem Legen von Blumenteppichen durch St. Fidelis gesammelt hatte.

Für Monika Storz von der Münstergemeinde kam die angebotene Hilfe wie gerufen.

Das Münster hat schon lange das Schmücken der Hochaltäre auf dem Münsterplatz sowie den Narrobrunnen inne und war froh, nun den Narrobrunnen an die beiden abgeben zu können und sich gemeinsam mit den Münsterfrauen auf den Hochaltar auf dem Münsterplatz zu konzentrieren.

Für Patrick Weigert und Dominik Schaaf begann nun eine lange und intensive Vorbereitung.

Alte Bilder von früheren Teppichen am Narrobrunnen wurden gesichtet, Pläne ausgearbeitet und ein anspruchsvolles Motiv wurde entworfen.

Man scheute auch den Weg nach Hüfingen nicht um dort in einem Gespräch mit Herren des Fronleichnamskomitees weitere Informationen und Tipps zu bekommen.

Der gelernte Florist Weigert fuhr die Region ab auf der Suche nach Blüten, die man für einen Teppich verwenden kann und erstellte einen genauen Arbeitsplan, wann und wo was gezupft werden kann.

Kleine Musterteppiche wurden gelegt um zu schauen wie und ob sich die Blüten für ein Blumenbild verwenden lassen. Dabei wurde schnell klar, nicht alles was auf den heimischen Wiesen wächst, lässt sich für den Blumenteppich verwenden.

Gut geeignet sind vor allem; Bachnelkwurz, Margeriten, Flieder, Pfingstrosen, Farn, Tannenstößle, Klee oder Wiesensalbei. Sehr ergiebig sind vor allem Lupinenblüten.

Dominik Schaaf durchforstete alte christliche Bücher um das passende Motiv zu finden.

Fronleichnamsteppich in der Oberen Straße.

 

Mit eigens gefertigten Schablonen werden die Blumenmuster für den Prozessionsweg gelegt. Fotos: Dominik Schaaf

Das gefundene Motiv wurde auf eine Holzplatte im Format 160 x 130 cm mit Kreide freihändig übertragen. Dass er privat gerne Ölbilder malt und auch schon Bühnenbilder gestaltet hat, kam ihm hier sehr entgegen. Die aufgemalte Figur, in diesem Fall ein Jesus, konnten dann mit Blüten ausgefüllt werden.

Aber für solch einen Teppich braucht man hunderte von Blüten und viele fleißige Hände.

Durch die Mitgliedschaft in mehreren Vereinen waren schnell viele Helfer gefunden, die diese Aktion mit unterstützen wollten.

Im Jahre 2009 waren es immerhin schon stolze 15 Personen die nun eingeteilt in Gruppen ab Sonntag vor Fronleichnam die Wiesen und Wälder in der Region durchforsteten und eimerweise die Blüten oder Gräser sammelten. Die gesammelten Blüten wurden in der kühlen Benediktinerkirche gelagert bis sie ihren Platz auf dem Teppich fanden.

Um 4 Uhr morgens, am sogenannten „Herrgottstag“, hieß es dann den Teppich an den Platz vor den Narrobrunnen zu tragen und die restliche Dekoration vorzunehmen.

Das Fronleichnamsfest 2009 war für alle Beteiligten ein voller Erfolg. Dies wurde auch durch das große positive Feedback nochmals deutlich. Manches kleine Dankesschreiben lag bei Patrick Weigert im Briefkasten.

Durch die positive Resonanz war beiden klar, hier wollen sie weiter anknüpfen. Ideen hatte man allein durch den Besuch in Hüfingen genug. Der in Hüfingen gelegte Prozessionsweg hat es beiden angetan und somit war die Idee geboren, dies auch in Villingen, wenn auch im kleinen Rahmen, umzusetzen und den Schmuck der Straßen somit noch zu erhöhen.

Um den Aufwand für so einen Weg kleiner zu halten wurden nach Vorbild aus Hüfingen aus Metall und Holz Schablonen gefertigt, die das Legen von Blumenmustern relativ einfach ermöglichen.

Schaut man sich solch eine Schablone genauer an, erinnert sie ein wenig an einen Bilderahmen.

Dieser wird auf die Straße gelegt und mit Blüten aufgefüllt. Durch Abtrennungen im Rahmen ergeben sich dann unterschiedliche Muster. Sind alle Felder aufgefüllt kann der Rahmen abgenommen werden und das Blütenbild ist fertig.

Durch mehrere unterschiedliche Schablonen, die allesamt von Helfern gesponsert wurden, konnte somit in relativ kurzer Zeit ein Prozessionsweg von immerhin 80 m gelegt werden.

Der Weg erstreckte sich vom Hochaltar bis auf die Höhe Cafe Raben und bot allen Besuchern ein herrliches Bild.

 

Auch 2010 gab es, trotz schlechten Wetters, in Villingen eine Fronleichnamsprozession.

 

Sie war, gegenüber der gewohnten Wegstrecke, etwas verkürzt. Aber die fleißigen Helferinnen und Helfer, die in der Oberen Straße einen schönen Blumenteppich gelegt hatten, haben ihre Arbeit nicht vergebens gemacht. Sabine Krümmer vom Schwarzwälder Bote hat uns diese Aufnahmen freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.

Der Start des Weges vom Hochaltar kam nicht von ungefähr. Die Bruder-Klaus-Gemeinde, die für das Schmücken des Hochaltars zuständig war, stand leider nicht mehr zur Verfügung und somit wurde auch dieser Altar von der Gruppe Weigert-Schaaf übernommen. Dies war nur dadurch möglich, dass sich die Gruppe von Helfern aus dem Vorjahr von 15 auf sage und schreibe 45 Personen gesteigert hatte.

Diese drei Projekte, Altar am Narrobrunnen, Prozessionsweg und Hochaltar zu organisieren und durchzuführen war für alle Beteiligten zwar eine körperliche und nervliche Herausforderung, aber das Endergebnis und die vielen Reaktionen hoben alle Anstrengungen auf.

Gemeinsam mit allen anderen Pfarreien, die an diesem hohen kirchlichen Feiertag mitwirken, bekommt unsere Stadt somit für einen Tag wieder ein wunderschönes Kleid, das an frühere Zeiten erinnert.

Und das ist genau das, was sich alle Beteiligten noch für die Zukunft wünschen – mehr Unterstützer: Bewohner aus der Innenstadt, die wieder ihre Fenster mit Fahnen oder Reisig schmücken; Menschen die sich vor ihren Häusern mit kleinen eigenen Hausaltären beteiligen und somit dem Fronleichnamstag wiederzu dem verhelfen, was er in Villingen einmal war.

Um dies zu unterstreichen wurden bereits erste Gespräche geführt. Es wird versucht, alle Beteiligten Pfarreien und Helfer in einem dafür zu gründenden Komitee zu bündeln um die anfallenden Arbeiten gemeinsam zu stemmen.

Viele Ideen stehen im Raum und die nächsten Treffen werden zeigen, was davon umgesetzt werden kann.

Am Schluss sei gesagt: Alle, die die Helfer unterstützen möchten, sind herzlich willkommen!

Dabei kann die Unterstützung vielseitig aussehen. Sei es durch Blumenspenden oder einfach durch das Schmücken der Häuser in der Innenstadt.